Jump! aus dem Hamsterrad

  • Huhuuuu! 🌼

    Mir geht es gerade supergut! Ich war auf einer zauberhaften, abenteuerlichen Reise im Kaukasus und dort waren meine Tage so prall gefüllt, dass ich gar keine Zeit hatte ins Forum zu gehen.

    Ja, mein Mann war (nüchtern!) dabei. Sonst wäre ich alleine gefahren. Ich bin mittlerweile knallhart was das angeht.

    Die Natur dort war einfach überwältigend! Wir haben unglaubliche Wanderungen gemacht, waren auf mindestens fünf Vegetationszonen unterwegs von schneebedeckten Gipfeln bis in die Halbwüste; subtropischem Dschungel und vulkanischer Hochebene, saftig grüne Berg-Täler und weite Steppe.

    Ich hatte vorher ein wenig Sorge, dass uns überall selbstgemachter Wein und Schnaps angeboten wird und es dann in dieser Kultur unhöflich wirkt abzulehnen...aber es war überhaupt gar nicht so. Im Gegenteil. Alkohol war dort gar kein Thema, auch nicht um uns herum.

    Ich versuche den Zauber, der mich dort erfasst hat, mit aller Kraft wach zu halten 🧚🏼‍♀️ und nicht so schnell zurück in den Alltag zu flutschen...

    Jetzt muss ich hier erst mal so einiges nachlesen...aber ich habe oft an euch gedacht.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Hallo Jump,

    Da muss ich an einen Beitrag denken vor längerer Zeit, in dem eine Angehörige geschrieben hatte, dass ihr Mann direkt wieder getrunken hatte nachdem er den Führerschein zurück hatte. Dann erneut erwischt wurde und Suizid begangen hat.

    Ich meine, das ist doch nur ein Lappen. Wie kann das wichtiger sein, als Gesundheit, Familie, Arbeit. Ich verstehe es nicht. Und kann mir auch nicht vorstellen, dass das jemand erklären kann.

    Das hast du in einem anderen Thread geschrieben und ich greife das mal auf.

    Vor ca 13 Jahren war ich, zusätzlich zum Forum, einige Jahre Mitglied in einer realen SHG. Das war auch gemischt also Cos und Alkoholiker zusammen.

    Da schlug irgendwann ein Ehepaar auf, er Alkoholiker, noch nicht lange nüchtern. So nette Leute, er war voll motiviert es nun dauerhaft zu schaffen. Er war so glücklich. Einige Monate waren sie dabei, ich bin dann dort ausgetreten und hab hinterher von jemandem gehört, was passiert ist.

    Der Mann hatte es nicht geschafft und wieder zu trinken angefangen. Er hat sich dann in den Kopf geschossen. Wie groß muss wohl seine Verzweiflung gewesen sein, das zu tun...

    Als Nichtsüchtiger ist das nicht nachvollziehbar. Warum ein glücklich nüchterner Mensch wieder zu saufen anfängt. Und wie groß die Verzweiflung und Scham darüber wohl ist. Sucht ist ein A.... Loch.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ja Aurora, diese Bilanz - Suizide kann ich aber noch verstehen. DAS ist ja, was mich in meinem Hamsterrad hält. Zu denken, dass die Sucht so extrem mächtig ist, dass es viele schlicht nicht schaffen da raus zu kommen. So wie hier ja oft geschrieben wird: ich "musste" saufen. Und ich kenne auch Alkoholiker, die sich schließlich umgebracht haben. Das haben die ja nicht gemacht, weil sie zu blöd sind die Grundbausteine umzusetzen. Sondern aus tiefer Verzweiflung nicht raus zu kommen aus der Sucht.

    Aber dass es dann geht, aufgrund des Führerschein-Verlustes aufzuhören. Das verstehe ich nicht. Warum geht es dann plötzlich?

    Der Betroffene in dem Beitrag hat sich ja nicht umgebracht, weil er rückfällig wurde, sondern weil er wusste, jetzt, nach dem zweiten Mal "erwischt" mit Alkohol am Steuer, kriege ich den Lappen nie mehr zurück. Und ohne Auto wollte er nicht mehr leben. Das ist etwas, dass ich nicht verstehe.

  • weil er wusste, jetzt, nach dem zweiten Mal "erwischt" mit Alkohol am Steuer, kriege ich den Lappen nie mehr zurück.

    Ist das wirklich so? Gut wärs ja, hab erst heute von einem tragischen Unfalltod im erweiterten Bekanntenkreis gehört, der durch Alkohol am Steuer mit Unfallflucht verursacht wurde

    Naja, in manchen Regionen und Berufen kann der Lappen-Verlust schon existenzbedrohend sein.

    Aber ich vermute eher, dass der erneute Führerscheinverlust ihn hat einsehen lassen, dass er seinen Konsum trotz der erfolgreichen Trinkpause nicht im Griff hat und auch nicht mehr in den Griff bekommen wird.

    Ein Leben ohne Auto und ohne Alk war wohl schwer vorstellbar, vielleicht war es aber auch die Scham und der Gedanke "ohne mich ist meine Familie besser dran".

  • Ich kann mir vorstellen, dass der Verlust des Führerscheins und den damit einhergehenden Freiheitseinschränkungen, sowie einer möglichen Existenzbesrohung durch Jobverlust den Tiefpunkt darstellt, den es braucht um abstinent zu werden.

    Und dieses Jahr, das man überstehen muss, um den Schein wieder zu bekommen, kann sicher ein großer Motivator sein. Aber es ist eine endliche Zeit und durch das Suchtgehirn muss ganz viel Veränderung auf psychischer Ebene erfolgen. Passiert das nicht, kann das eine Jahr ein riesiger Erfolg sein, das Kartenhaus danach aber wieder zusammenbrechen.

    Und diese Geschichte von Aurora...heftig, aber vielleicht erkennt der Süchtige für sich in diesem Moment, dass er Gefangener der Sucht ist. Und dann sieht er keinen Ausweg mehr.

    Wie tragisch das alles ist...

  • Huhu, ich hol' mal meinen Faden aus der Versenkung...von Seite 5...war echt lange nicht hier.

    Ich möchte meine Gedanken zu einigem teilen, was ich hier gelesen habe, will aber auch die anderen Fäden nicht überstrapazieren, deshalb hol' ich's zu mir.

    Wir alle haben uns Jahre und Jahrzehnte aufgeopfert

    Ich nicht. Also ich würde nicht sagen, dass ich mich aufgeopfert habe. Das klingt so nach Mutter Teresa, völlige Hingabe oder so.

    Ich habe versucht irgendwie klar zu kommen. Ich wollte nicht "alles" verlieren und nicht akzeptieren, dass es nicht besser wird.

    Auch das:

    Alles was man tut und denkt ist ausgerichtet nach dem Süchtigen.

    war bei mir nicht so. Nicht alles. Es wurde aber mit der Zeit immer schwerer die Brisanz der Symptomatik zu ignorieren.

    Ich glaube auch nicht, dass ich im engeren Sinne helfen oder retten wollte und will. Ich wollte wieder ein schönes gemeinsames Leben haben. Ich habe ja auch viel bekommen - bevor es immer extremer gekippt ist.

    Das Helfersyndrom...als ein Argument, warum das so schwierig ist, loszulassen.

    Ja, das sehe ich genauso. Ist für mich ähnlich, wie wenn mein Mann sagt: ich bin Alkoholiker - deshalb muss ich trinken. Also ein Argument zum weitermachen und nicht zum aufhören. Auch wenn ich verstehe was er meint. Das ist es, was meinte als ich kürzlich geschrieben hatte: Co-Abhängigkeit ist keine Ausrede.

    Dazu möchte ich ergänzen: Nur nicht trinken reicht nicht." Ist ein zentraler Leitsatz für uns Alkoholiker, die den Rest ihres Lebens abstinent bleiben wollen.

    Dass er auch für Co-Abhängige bedeutsam ist, wird hier gerade durch Eure Beiträge deutlich.

    Das habe ich jetzt schon oft hier bei den Cos gelesen: Nur nicht trinken reicht nicht. Ich habe den Eindruck, dass der Satz aber in einen falschen Zusammenhang gesetzt wird. Gemeint ist doch, dass es für den Süchtigen nicht reicht sich nur vorzunehmen nicht zu trinken, sondern dass er Risikominimierung etc. machen sollte.

    Hier wird es aber oft als Forderung der Cos formuliert, dass außerdem eine Persönlichkeitsveränderung stattfinden soll, der Partner liebevoller, aufmerksamer werden, vielleicht auch die schlimme Zeit wieder gut machen soll? Also dass es ihnen nicht reicht, wenn der Partner nur nicht mehr trinkt.

    Das ist was anderes, oder? Wie in diesem überstrapazierten Bild vom Frosch der von der Co an die Wand geworfen wird und wird zum Prinzen. Das suggeriert das ja. Und da kommt dann aber kein Prinz, sondern halt nur ein trockener Frosch. Oder aus einer Wasserschildkröte ist dann nur eine Landschildkröte geworden.

    Vielleicht merke ich dann, dass ich vorher immer alles nur am Alkohol festgemacht habe: wenn er nicht trinkt dann ist alles gut. Aber ist es bei manchen vielleicht nicht, aus Gründen. Es passt nicht mehr. Aber ihm dann zu sagen: DU musst dich ändern, nur nicht trinken reicht nicht - hört sich für mich an wie: du bist derjenige der falsch ist, erst säufst du und jetzt ist dies das jenes.

    Oder ich sag's anders: für mich würde es reichen, wenn mein Mann nicht trinkt. Für ihn aber vermutlich nicht, weil zur Abstinenz mehr gehört. Andere merken vielleicht, dass sie doch nicht mehr zusammen passen und die Sucht das verdeckt hatte. Und auch hier bleiben ich bei mir, bei meinen Werten und Standards und wenn es partout nicht passt kann ich gehen.

    Lebenskuenstler , ich verstehe was du du sagen willst. Und deine Perspektive rüttelt auch auf. Allerdings erleben viele Angehörige hier aber etwas völlig anderes als das was du von dir beschreibst: es wird manipuliert, gelogen, appelliert, versprochen, es gibt gemeinsame Kinder, finanzielle Ketten, Phasen der Hoffnung, Bitten um Hilfe, Therapieversuche, Ausreden, Mitgefühl und und und. Du beschreibst es so, als ob du damals sehr klar deutlich gemacht hast du willst deine Sucht ausleben, andere sollen sich gefälligst raus halten, wussten das auch von Anfang an etc.

    Hier stehen einige Cos vor dem Problem, dass ihre Männer nicht aus der Wohnung ausziehen, immer wieder angelaufen kommen, Versprechungen machen, um Hilfe bitten und alles schleichend und langsam anfing...eine andere Dynamik.

    Alles Liebe euch von Jump! 🏵️

  • Liebe Jump,

    Das habe ich jetzt schon oft hier bei den Cos gelesen: Nur nicht trinken reicht nicht. Ich habe den Eindruck, dass der Satz aber in einen falschen Zusammenhang gesetzt wird. Gemeint ist doch, dass es für den Süchtigen nicht reicht sich nur vorzunehmen nicht zu trinken, sondern dass er Risikominimierung etc. machen sollte.

    Hier wird es aber oft als Forderung der Cos formuliert, dass außerdem eine Persönlichkeitsveränderung stattfinden soll, der Partner liebevoller, aufmerksamer werden, vielleicht auch die schlimme Zeit wieder gut machen soll? Also dass es ihnen nicht reicht, wenn der Partner nur nicht mehr trinkt.

    Das ist was anderes, oder? Wie in diesem überstrapazierten Bild vom Frosch der von der Co an die Wand geworfen wird und wird zum Prinzen. Das suggeriert das ja. Und da kommt dann aber kein Prinz, sondern halt nur ein trockener Frosch. Oder aus einer Wasserschildkröte ist dann nur eine Landschildkröte geworden.

    Ich antworte dir dazu auch mal direkt, weil ich vor Rennschneckes Post etwa das gleiche geschrieben habe :)

    Selbstverständlich ist das Interpretationssache. Ich denke, keiner von uns erwartet dass mit der Trockenlegung alles sofort wieder gut ist. Dass eine Beziehung Arbeit an beiden Enden ist, sollte uns (erwachsenen Menschen) klar sein. Ich habe für mich gesprochen, als ich sagte dass mir dass nicht mehr reicht. Ich habe die letzten Jahre meine Ansprüche komplett zurück geschraubt, und trotzdem änderte sich nichts. Ich habe getan was ich konnte. Eigentlich hatte er für fast nichts mehr Verantwortung. Weil ich ihm alles abgenommen habe. Und ich war wirklich an einem Punkt, wo ich gesagt habe ich kann nicht mehr. Dazu muss ich aber auch sagen, dass er für emotionale Themen noch nie wirklich empfänglich war. Er wollte Abends alleine sein und zocken (und trinken). Zu Anfang war das nur ab und zu, später (wenn die Alte gemeckert hat) natürlich öfter, bis es irgendwann zur Tagesroutine wurde. Dadurch haben wir auch so gut wie keine Zeit miteinander verbracht. Es hat menschlich also noch nie so toll harmoniert. (Das erkenne ich allerdings auch erst rückblickend!)

    Das meine ich mit: nur nicht trinken reicht nicht. Ich halte es in so einer lieblosen, stillen und einseitigen Beziehung nicht mehr aus. Weil ich mir selber wieder wichtig geworden bin. Ich erwarte für mich einfach mehr vom Leben. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es vielen Co's einfach genau so geht. Es kommt ja für jeden irgendwann mal der Moment, der einem die Augen öffnet.

    Ich hoffe das war einigermaßen verständlich erklärt.

    Liebe Grüße,

    Haferflocke :)

  • hallo

    vielleicht ist es auch nicht immer die sucht die zu einer trennung führt. ich als alki muss auch erstmal einige sachen für mich sortieren wenn ich trocken werd. was für mich auch der ausschlaggebende punkt ist... wann hat man sich kennengelernt? im nassen zustand oder im trocknen? bei meiner letzten beziehung war ich noch voll drauf als wir uns kennenlernten. die trennung kam dann als ich trocken war. so kanns gehen selbst ich musste dann einsehn das wir uns nichts mehr zu sagen hatten. mal abgesehen davon hätte all der leim der welt nicht ausgereicht um das zu kitten was da kaputt gegangen ist. ich persönlich hab danach nie wieder , bis auf kurze ausnahmen, eine beziehung geführt. war/ist mir ganz einfach zu stressig, sich stets und ständig aufs neue verbiegen zu müssen um irgentwelchen ansprüchen zu genügen. nicht mein ding... ich bin alleinerziehender vater mit einem behinderten kind was meine aufmerksamkeit braucht und damit habe ich tag täglich zu tun.

    mal abgesehen davon, paare trennen sich auch ohne die suchtproblematik zu hauf. ganz einfach weil es nicht passt, man sich auseinander gelebt hat oder sich der eine weiterentwickelt und der ander einfach stehen bleibt. die gründe sind vielfältig.

    meine meinung(:idea:), ob eine beziehung die sucht überlebt? nein, in den wenigsten fällen vielleicht. so aus meiner erfahrung, auch aus dem bekannten und freundeskreis hat keine beziehung überlebt. aber, ja das gosse aber...bei all dem stress und dem was die sucht so mitsich bringt. selbst wenn die beziehung scheitert, tun sich für beide neue wege auf, auch wenn der anfang und das ende schmerzhaft waren/sind sollte man neue wege beschreiten sowohl der co als auch der alki...

    gruss eternal

  • Ich finde ein Aspekt kommt immer wieder heraus, der nicht zu unterschätzen ist. Eine große Verunsicherung auf Angehörigenseite, was denn nun das Richtige ist, und ob überhaupt der eigenen Wahrnehmung zu trauen ist. Ich erlebe das auch gerade (nicht suchtbezogen, aber durch den Umgang mit einer sehr instabilen Person) und ich bin so verunsichert, wie ich mich verhalten soll. Und was ich glauben soll.

    Der Kontaktabbruch oder das Reduzieren ist finde ich daher auch nur teilweise ein Sich-Befreien aus einer schrecklichen Situation. Es bedeutet auch, daß die Verbindung zu sich und der eigenen Intuition wieder stattfinden darf. Ohne permanente Störung, ohne Schlingern. Festen Boden unter die Füsse zu bekommen, weil sich sonst alles dreht.

    Heute so, morgen so. In meiner Kindheit und Jugend war das etwas, was mich furchtbar eingeschüchtert hat. Übrigens bis heute. Ich weiss nicht mehr was ich glauben soll. Weil - und das macht die Empathie in mir - jedes hin sich als ein hin anfasst und jedes her als ein her. Ja was denn jetzt? Und dann verstummt etwas in mir. Und will auch das das auffhört. Will Stabilität. Die wie eine Verheissung erscheint. Jetzt bin ich wieder beim Trinken. Nicht Trinken ist die Verheissung von Stabilität und Zufriedenheit. Von etwas, das sich nicht dreht, sondern einen auf die Füsse stellt. Ruhe, Gelassenheit und ein festes Nachvorneschauen.

    Tja. Und das ist - vielleicht - auch eine lebenslange Aufgabe. Ich weiss, daß es das für mich ist.

  • Hi Jump,

    Du hast recht damit, dass viele Situationen nicht vergleichbar sind.
    Oft sehe ich auch Beschreibungen, da sehe ich nur, dass es verdammt schwierig bis unmöglich ist, da rauszukommen. Shit happens denke ich gelegentlich.
    Von vielen Themen wie z.B. Sorgerecht habe ich überhaupt keine Ahnung oder eigene Erfahrungen. Da gäbs eh nur nen Hiweis auf nen Anwalt, und der steht meistens bereits da..
    Oft schreibe ich auch gar nichts.
    Bei den Alkoholikern genau so, da die zum Teil auch andere Probleme haben als ich, z.B war ich nie Spiegeltrinker und kann das kaum nachvollziehen. Ich kann mich versuchsweise reindenken, aber das wars auch schon. Ansonsten kann ich nur akzeptieren, dass es das gibt. Auch andere Dinge sind nicht meine Welt.
    In manche Cos kann ich mich vielleicht noch reinversetzen, weil ich einen sehr intensiven Austausch mit meiner Frau hatte und habe, nachdem ich trocken wurde, und wir verstehen uns inzwischen ausgesprochen gut, was auch sie sagt. Ausserdem ist Eka bei mir zwar durch die eigene Karriere deutlich überdeckt, aber manche Wiedererkennung habe ich auch.

    Ich bin auch nicht Vater Theresius, und ich fühle mich auch nicht wirklich verantwortlich für die Probleme anderer, die nicht mein Leben leben und in die ich sie nicht gebracht habe, was hier fast immer der Fall ist. Vorschreiben kann ich sowieso niemandem was, also sind es niemals Anweisungen die ich gebe, sondern meine Beiträge geben Erfahrungen und Meinungen ihres Verfassers wieder. Ansonsten sind der Rahmen die Forenregeln, deswegen halte ich mich auch bei meiner Risikofreudigkeit mit den Beiträgen zurück. Ist meins, deswegen kommt es trotzdem manchmal, und muss nicht für alle passen.
    Und Machtlosigkeit gilt in den allermeisten Fällen auch für mich.

    Ja, hin und wieder aufrütteln und hin und wieder eine andere Perspektive zeigen, ist ja in gewisser Hinsicht auch schon genug. Ansonsten meinen Weg und mein Leben erzählen, damit sich irgendwer was draus nehmen kann, aber zur Hälfte auch schlicht weil ich gerne erzähle. Was mein Gegenüber draus macht, geht schon wieder in Richtung meiner Machtlosigkeit. Ist der Pfeil abgeschossen, fliegt er seine Bahn.
    Es läuft auch da drauf raus, dass sich jeder nur aus dem Austausch was mitnehmen kann, um sich selbst zu helfen.

    Steht hier ja oft genug, wie sind keine Therapeuten, sondern Selbstbetroffene. *edit*

    Neulich habe ich eine interessante Suchtdefinition gelesen:
    Sucht ist, wenn man etwas tut, was sich früher gut angefühlt hat, obwohl es überhaupt keinen Spaß mehr macht.

    Dazu noch:

    Gemeint ist doch, dass es für den Süchtigen nicht reicht sich nur vorzunehmen nicht zu trinken, sondern dass er Risikominimierung etc. machen sollte.

    Es gibt noch ne andere Definition. Die lautet: die Trockenheit bewegt sich von "ich darf nicht trinken" über "Ich willl nicht trinken" nach "Ich brauche nicht zu trinken"
    Und um dahin zu kommen, es nicht zu brauchen, brauchen die meisten Leute eine sinnvolle andere Erfüllung.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    Einmal editiert, zuletzt von Elly (5. November 2025 um 20:01) aus folgendem Grund: Keine Interna aus dem geschützten Bereich!

  • Ich habe so das Gefühl, dass man als Co auf ein Ziel hinarbeitet und glaubt, dass es damit getan wäre, nämlich das Nicht Trinken. Allerdings ist es ja so, dass das meistens nicht eintritt und wenn man sich in diesem Forum hier länger anmeldet, der Wunsch nach Veränderung da ist, weil ein Punkt erreicht ist, an dem man einfach nicht mehr wegsehen kann.

    So beginnt das persönliche Wachstum. Und es ist denke ich, egal, ob Alkohol ein Beziehungsthema ist, wenn sich ein Partner auf den Weg macht, um zu wachsen und der andere an Ort und Stelle stehen bleibt, entwächst er dem anderen und es entsteht eine Distanz, die nicht mehr zu ignorieren ist. Man kann dann noch ein paar wenige verzweifelte Versuche starten und dem anderen versuchen ein Seil zuzuwerfen, damit er sich auch auf den Weg macht, aber er tut es oft nicht.

  • Ich denke es ist auch ein Unterschied, ob man als relativ junger Mensch mit Kindern in einer Beziehung mit einem Alkohlkranken Menschen ist oder wie in meinem Fall mit Ü 60 in einer neuen Beziehung. Es sind andere Erwartungen an das Leben. Jedenfalls war es für mich so.

    Ich hatte nie ein Helfersyndrom und wusste was ich will und was nicht. Ich wollte ihn. Und ja, es hat mich sehr an meine Grenzen gebracht. Und ich war sehr verzweifelt. Ich hatte keine wirkliche Ahnung, was die Sucht für eine Macht hat. Und in seinen nüchternen Phasen war es schön mit ihm. Mir hätte nur nicht trinken gereicht. Aber das ist individuell. Trennungen passieren auch ohne Sucht, wenn es nicht mehr passt. Das ist oft auch ein langer und schmerzlicher Weg.

  • So, ich hole jetzt mal die Diskussion zu mir, damit Alexas Faden nicht überstrapaziert wird.

    Oder ist das jetzt angeblich auch schon wieder co?

    Es ist immer wieder erstaunlich wie viele Alkoholiker hier meinen das definieren zu können. Während ich umgekehrt nicht auf die Idee käme den Alkoholikern rein zu reden.

    Das hier ist meiner Ansicht nach ein schönes Beispiel wie mein Verhalten, also einer Angehörigen, hier automatisch als co interpretiert wird:

    Oder spannt man vorsorglich den großen Rettungsschirm über alle so wie zu Hause beim Alkoholiker die Flasche kontrolliert, weggeräumt und verzweifelt versucht wird, ihn trocken zu legen? Ist das nicht genau das gleiche Co‑Verhalten?

    So ein Quatsch. Ich habe deutlich gemacht, dass ich es unangemessen finde, wenn ein Alkoholiker unrealistische Hoffnungen schürt. Das mache ich im Wissen, dass hier der offene Bereich ist, der eine Außenwirkung hat. Das ist das selbe wie, wenn hier auf Alkoholiker-Seite jemand einschreitet, weil ein User einem anderen etwas schreibt, das offensichtlich seine Abstinenz gefährden könnte.

    Genau davon ist hier eben noch nicht auszugehen:

    Wenn der Co hier nach Wegen sucht, wie er seinen „Alkoholiker“ trotz verzweifelter Versuche doch noch trockenlegen kann, nur weil es irgendwo auf der Welt funktioniert hat, zeigt das, dass er sein Co-Verhalten noch nicht abgelegt hat.

    Hier sind viele neue Userinnen. Klar ist da noch Co-Denken vorhanden. Sonst bräuchten sie sich hier nicht anmelden. Und es geht auch nicht ums "Trockenlegen", sondern um die Hoffnung, die geschürt wird.

    Und da sind wir bei den Zuschreibungen, die Angehörigen aufgedrückt werden. Das ärgert mich. Dass wir pathologisiert werden. Als selbst süchtig und krank bezeichnet werden. Und viele, die her kommen nehmen das auch an, sind in ihrem Selbstwert sowieso unten. Nehmen die "Schuld" auf sich, alles falsch gemacht zu haben, die Sucht "gefördert" oder "unterstützt" zu haben. Schämen sich. Oder manche verstecken sich vielleicht auch hinter der "Co-Abhängigkeit", denn dann bin ich ja auch krank und kann nichts dafür, bin hilflos.

    Unter dem Begriff Co-Abhängigkeit verstehe ich die typische Dynamik und das typische Verhalten von Angehörigen, die mit Süchtigen zu tun haben. Ich halte ihn aber für irreführend, weil es keine Abhängigkeit ist. Eine Sucht schon mal gar nicht.

    Es ist ein dysfunktionales Verhaltensmuster und Burn-Out nach extremer Belastung durch das Zusammensein mit einem Süchtigen mit allem was dazu gehört: das Täuschen, das Lügen, die Verunsicherung der eigenen Wahrnehmung, das Switchen zwischen guten und schlechten Zeiten, dem schleichenden Prozess, der Angst um die Gesundheit, um den finanziellen Verlust, die Hoffnung, dass es besser wird, die Manipulation, die Trinkpausen etc.

    All das oft auf dem Hintergrund einer weiblichen Sozialisation und einer Gesellschaft, in der Alkohol verharmlost wird.

    Lässt sich ein Co-Verhalten einfach so ablegen?

    Nicht einfach. Aber es lässt sich ablegen. Der Süchtige bleibt allerdings süchtig.

    Natürlich tut eine Trennung weh. Das als Entzug zu bezeichnen finde ich jedoch vollkommen unpassend. Vor allem nachdem ich die Entzüge meines Mannes miterlebt habe. Das ist Liebeskummer. Der kann höllisch sein das geht aber auch Frauen so, die sich aus anderen Gründen trennen.

    Und Co-Verhalten gibt es auch bei Angehörigen von anderen Erkrankungen.

    Und die Behauptung es sei eine Art Prägung, die dazu führt sich immer wieder Alkoholiker "auszusuchen" ist auch nicht belegt. Bei EKAs gibt es eine solche Tendenz, das muss aber längst kein Helfersyndrom oder Wiederholungszwang sein oder was die Populär-Literatur sonst so behauptet.

    Aber ich wiederhole mich. Dazu habe ich hier ja schon ganz viel in meinem Faden geschrieben.

    Daher: Ich habe fertig.

  • Und da sind wir bei den Zuschreibungen, die Angehörigen aufgedrückt werden. Das ärgert mich. Dass wir pathologisiert werden. Als selbst süchtig und krank bezeichnet werden.

    Das darf dich natürlich ärgern. Aber wenn das größte Problem angeblich laienhafte Bezeichnungen sind, dann rückt das eigentliche Thema der Anmeldung ziemlich in den Hintergrund, oder? Schön kaschiert.

    Es geht hier doch nicht um Begriffe oder Wortklauberei. Rund 90 Prozent der User hier haben kein medizinisches Hintergrundwissen. Sie sind hier, weil sie aus ihrem Leid raus wollen und einen Weg suchen.

    Darum geht es. Nicht um perfekte Begriffe, die vielleicht nerven, was ich auch verstehe, sondern um Selbsthilfe. Da wird viel rausgehauen, was hier und da fragwürdig ist. Aber im Co-Bereich kommt das aus dem Co-Lager, nicht aus dem Alkoholiker-Lager.

    Ich mache hier auch keine Ferndiagnosen, weil ich es nicht kann, sondern nur ein Gesamtbild gebe. Das Leid ist bekannt, wir sind nicht naiv. Solche Geschichten lese ich seit fast 19 Jahren.

    Und wenn ein Alkoholiker Hoffnung weckt, bekommt er keinen Maulkorb und kann es tun. Es ist ein gemischtes Forum. Damit macht er auch nichts anderes, als die vielen nassen Alkoholikern zu Hause , im Umgang mit ihren Co-Abhängigen.

    Es wird aber nicht immer eine Hoffnung geschürt, es wird nur vom Co so wahrgenommen was ein gravierender Unterschied ist. Das sollte zwar idealerweise nicht im Co-Bereich passieren, gehört aber zur Realität.

    Auch Alkoholiker befinden sich auf dem Weg, trocken zu werden. Genau dieses Recht auf Entwicklung ist auch auch bei co Abhängigen so.

    Und mal ehrlich: Ein Co, der noch im Kopf hat, jemanden trockenlegen zu wollen, schaut rüber zu den Alkoholikern, weil er eben noch nicht so weit ist so wie viele Alkoholiker jahrelang noch nicht so weit sind.

    Aber danke für deinen weiteren Einblick.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Jump,

    Das Co-Abhängigkeit keine Sucht ist, hast du gut erklärt. Dafür danke ich Dir. Hier sehe ich für mich selbst doch etwas klarer und hilft mir tatsächlich wieder einen anderen Blickwinkel zu bekommen.

    Nur mit der Aussage stimme ich nicht ganz überein.

    Natürlich tut eine Trennung weh. Das als Entzug zu bezeichnen finde ich jedoch vollkommen unpassend.

    Eine Trennung tut weh ja, aber mit einer plötzlichen Trennung gehen auf einen Schlag alle Glückshormone verloren.

    Das ist in der ersten Phase ein Entzug auf emotionaler Ebene und kann ähnliche Entzugserscheinungen hervorrufen wie bei einer Sucht.

    Bitte verstehe mich nicht falsch.

    Du hast recht was das Thema Liebeskummer angeht, aber die Symptome die ich zum Zeitpunkt hatte, waren denen eines Entzuges sehr ähnlich.

    Daher habe ich es schon als Entzug vom Partner und als Sucht nach dem Partner empfunden.

  • Co Abhängigkeit hab ich als Definition so verstanden, dass man seine Sucht deckt und und ihm alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.

    Ja ich habe ihm auch viele Schwierigkeiten abgenommen, aber weil er nicht mehr in der Lage war es selbst zu tun.

    Die Sucht habe ich nie gedeckt, ich bin damit offen umgegangen und ich habe meine Interessen und Freundschaften halt ohne ihn gepflegt.

    Ja, ich hatte immer die Hoffnung ihn retten zu können und er hat mir oft dafür gedankt, dass ich zu ihm gehalten habe. Trotzdem habe ich sehr unter allem gelitten. Jetzt ist er fast ein Jahr tot und ich frage mich immer noch, ob es gut war ihn fallen zu lassen. Ich denke auch jeder Fall ist anders. Sind Kinder betroffen, ist er gewalttätig. Beziehung scheitern auch ohne Alkohol. Liebt man diesen Menschen immer noch, dann ist es sicher richtig ihn bei der Abstinenz zu unterstützen. Liebt man ihn nicht mehr, ist es wohl besser sich zu trennen.

  • Liebt man ihn nicht mehr, ist es wohl besser sich zu trennen.

    Im Gegenteil - wenn man ihn liebt, ist es ebenfalls wichtig aus dem Suchtsystem auszusteigen. Damit überhaupt Bewegung in die ganze Situation kommen kann.

    Liebt man diesen Menschen immer noch, dann ist es sicher richtig ihn bei der Abstinenz zu unterstützen.

    Das finde ich schwierig: klingt für mich wie ein Aufruf zu Co-Verhalten. Der Alkoholkranke ist für seine Gesundheit ganz alleine verantwortlich.

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