Fragen an einen Alkoholiker

  • Richtig bitter wird es dann natürlich, wenn man anfängt gegen die Katererscheinungen anzutrinken.

    Das ist gar nicht selten bei Alkoholikern. Ich bin damals liebend gern zu einem Frühschoppen gegangen oder zum Sektfrühstück, um das Katergefühl vom Vorabend loszuwerden.

    Später hab ich mich nicht gescheut, mir Sekt in den O-Saft zu kippen. Ein Glas und es wurde (erstmal) erträglicher.

    Ich wette, das machen mehr Alkoholiker, als sie zugeben.

    Und Du hast Recht: Die Tatsache, gegen seinen Kater antrinken zu müssen ist wirklich sehr bitter.

    LG Cadda

  • Ich habe mich jetzt fleißig durch die alten Beiträge gelesen und empfand sie als sehr wertvoll. Es wurde auch mal von einem Alkoholiker die Frage gestellt, ob man als Co dadurch nicht noch mehr Co wird. In meinem Fall sage ich: nein. Es päppelt mein Selbstwertgefühl sogar mehr auf. Es zeigt einfach wie mächtig so eine Sucht ist und wie wesensverändernd.

    Es wurde viel über die klassischen körperlichen Symptome geredet, die man ja auch von seinem ersten eigenen Rausch etc kennt. Gibt es aber bei der Sucht noch größere körperliche Beschwerden, die ihr bemerkt habt? Mein XY hat durch den Mangel an Essen nach der Trennung gut abgenommen, hat aber immer noch einen sehr festen aufgeblähten 6 Monats Bauch.

  • Will ich mal kurz beantworten.

    Wenn Du in eine reale Selbsthilfegruppe gehst, dann gibt es da Leute, denen man gar nichts ansieht, und Leute, denen man es deutlich ansieht.

    Ich bin die Sorte, da käme von aussen keiner auf die Idee, dass ich so viel getrunken habe.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Gibt es aber bei der Sucht noch größere körperliche Beschwerden, die ihr bemerkt habt?

    Mein Vater ist daran gestorben. Größere Beschwerden, als das, kann ich mir nicht vorstellen.

    Bei mir selbst war die erste Adernbildung im Gesicht, Schwindel und trockenes Würgen, bis die Adern in den Augen geplatzt sind (täglich zwischen 10 und 11 Uhr morgens) dann das Ende der Fahnenstange.

    "Kleinere" Beschwerden gab es noch ein paar mehr.

  • Medizinische Fragen sollten stets mit einem Arzt besprochen werden, da sie nicht von einer Person auf eine andere übertragbar sind. Andernfalls entstehen unnötige Spekulationen, die niemandem weiterhelfen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    ich hab da mal eine Frage, meinEx ist Alkoholiker....in seiner schlimmen Zeit bis April 2024 hat er 2 Flaschen Wodka am Tag getrunken. Aufgrund seines MPU Nachweises war er ein Jahr lang abstinend. Er hat jetzt seinen Führerschein wieder. Von meinem Sohn weiß ich als er zusammen mit ihm im Schwimmbad war, das er sich ein Weizen bestellt hat.....wie schätzt du das ein? Als kleinen Ausrutscher?.....Er ist momentan mit seiner Umschulung sehr im Stress, auch wird er jetzt schon nach 7 Monaten Beziehung zu seiner Neuen ziehen und seine eigene Wohnung aufgeben.

  • Da ich Alkoholiker bin,und der Faden auch so betitelt ist, geb ich meinen Senf mal dazu.

    Er hatte eine trinkpause, allein wegen dem Führerschein .

    Die neue wird es mitmachen müssen oder nicht.

    Er wird weiter einen "Ausrutscher "nach dem anderen hinlegen und über kurz oder etwas länger genau dort landen wo er vorher war,wahrscheinlich wirds noch schlimmer.

    Schade.

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • ich hab da mal eine Frage, meinEx ist Alkoholiker....in seiner schlimmen Zeit bis April 2024 hat er 2 Flaschen Wodka am Tag getrunken. Aufgrund seines MPU Nachweises war er ein Jahr lang abstinend. Er hat jetzt seinen Führerschein wieder. Von meinem Sohn weiß ich als er zusammen mit ihm im Schwimmbad war, das er sich ein Weizen bestellt hat.....wie schätzt du das ein? Als kleinen Ausrutscher?.....Er ist momentan mit seiner Umschulung sehr im Stress, auch wird er jetzt schon nach 7 Monaten Beziehung zu seiner Neuen ziehen und seine eigene Wohnung aufgeben.

    Ferndiagnosen sind zwar nicht ideal, aber wenn das stimmt, hat er wegen der notwendigen MPU aufgehört und nicht, weil er erkannt hat, dass er Alkoholiker ist. Bremse reingezogen, mit geballter Faust den Tag nüchtern geblieben, und dann kommen die Suchtgedanken wieder hoch: "Siehst du, du bist kein Alkoholiker." Also wieder hoch die Tassen.

    Dass er eine neue Partnerin hat, ist auch nicht ungewöhnlich. Vielleicht hat er jemanden gesucht, der sein Trinkverhalten akzeptiert, vor allem, wenn er weiterhin davon überzeugt ist, kein Alkoholiker zu sein.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Ich hätte auch mal eine Frage zu den körperlichen Folgen. Der Mitbewohner ist jetzt seit etwa drei Wochen trocken(vermute ich). Er hatte vorher schon einen Intentionstremor. Dieser ist noch immer sehr ausgeprägt vorhanden. Vielleicht hat er auch einen Ruhetremor, das konnte ich nicht richtig beurteilen. Auf jeden Fall schlimmer wie zur „nassen“ Zeit.
    Hat jemand damit Erfahrung? Dr. Google hat mir keine richtige Antwort geben können. Wie lange dauert es wohl, bis der Tremor verschwindet. Naiver Weise hätte ich gedacht, mit der Entgiftung würde sich das geben.
    Vielen Dank

  • Wie lange dauert es wohl, bis der Tremor verschwindet. Naiver Weise hätte ich gedacht, mit der Entgiftung würde sich das geben.

    wenn er pech hat bleibt es.kommt auf die schädigung an.bei mir hieß es anfangs so um 2-3 jahre dann legt sich das, tja pustekuchen. magnesium wurde mir empfohlen, dass war alles:/

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • in seiner schlimmen Zeit bis April 2024 hat er 2 Flaschen Wodka am Tag getrunken. Aufgrund seines MPU Nachweises war er ein Jahr lang abstinend

    Für mich ist es so unvorstellbar, wenn man ein ganzes Jahr lang nichts getrunken hat dann wieder mit dem Alkohol anzufangen als wäre nie was gewesen......

    Für mich ist es durchaus vorstellbar, dass jemand nach einem Jahr wieder anfängt. "Unvorstellbar" ist eher wie jemand, der so große Mengen getrunken hat, es plötzlich schafft aufzuhören. Dass die MPU das bewirken kann, aber nicht, dass das restliche Leben den Bach runter geht.

    Sowas zu hören ist wichtig für mich, weil es mir zeigt, dass es anscheinend "geht". Und zwar auch dann, wenn der Konsum schon so weit fortgeschritten ist.

    Da muss ich an einen Beitrag denken vor längerer Zeit, in dem eine Angehörige geschrieben hatte, dass ihr Mann direkt wieder getrunken hatte nachdem er den Führerschein zurück hatte. Dann erneut erwischt wurde und Suizid begangen hat.

    Ich meine, das ist doch nur ein Lappen. Wie kann das wichtiger sein, als Gesundheit, Familie, Arbeit. Ich verstehe es nicht. Und kann mir auch nicht vorstellen, dass das jemand erklären kann.

    Jump! 🏵️ sehr nachdenklich

  • ich habe auch eine Frage: habt Ihr während des Entzugs/Kur oder auch nachfolgenden Zeit Eure Kontakte abgebrochen, bzw. wolltet keinen Besuch in der Klinik von Verwandten/Bekannten? Sorgt dafür die Klinik, dass dann niemand zu Besuch kommt?

    Wenn ich etwas falsch formuliert haben sollte oder sowas bereits gefragt wurde, tut es mir leid. Ich befinde mich immer noch in Trauer und kann auch nicht alles lesen.

    Liebe Grüße

  • ich habe auch eine Frage: habt Ihr während des Entzugs/Kur oder auch nachfolgenden Zeit Eure Kontakte abgebrochen, bzw. wolltet keinen Besuch in der Klinik von Verwandten/Bekannten? Sorgt dafür die Klinik, dass dann niemand zu Besuch kommt?

    eins vorweg, ich kann nur wiedergeben wie es bei mir war. ja ich hab kontakte abgebrochen, zumindest die die mir nicht gut getan haben und einige erledigen sich von ganz allein. besuch hatte ich von meiner familie 1-2 mal. mehr hätte ich aber nicht ertragen, hatte zuviel mit mir selbst zu tun. bei uns war es den patienten überlassen wen sie empfangen und wen nicht, also keine vorgabe von der klinik. nach hause fahren war erst nach 6-8 wochen möglich und wenn dann nur wenn befunden wurde das man stabil ist. in meiner klinik war es sogar so das es wochenendseminare für paare gab, weil viele mit einem neuen "trockenen" partner nichtmehr klar gekommen sind. je nachdem wie sie sich kennen gelernt hatten. und ja ein trockener partner kann auch anstrengend sein( durch wesensänderung).

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • eins vorweg, ich kann nur wiedergeben wie es bei mir war. ja ich hab kontakte abgebrochen, zumindest die die mir nicht gut getan haben und einige erledigen sich von ganz allein. besuch hatte ich von meiner familie 1-2 mal. mehr hätte ich aber nicht ertragen, hatte zuviel mit mir selbst zu tun. bei uns war es den patienten überlassen wen sie empfangen und wen nicht, also keine vorgabe von der klinik. nach hause fahren war erst nach 6-8 wochen möglich und wenn dann nur wenn befunden wurde das man stabil ist. in meiner klinik war es sogar so das es wochenendseminare für paare gab, weil viele mit einem neuen "trockenen" partner nichtmehr klar gekommen sind. je nachdem wie sie sich kennen gelernt hatten. und ja ein trockener partner kann auch anstrengend sein( durch wesensänderung).

    Danke für Deine offenen Worte. Ich kann mir gut vorstellen, dass man seine Ruhe braucht in dieser Phase und im Prinzip sollten alle Beteiligten beraten werden. Nur wie hast Du das gemacht? hast Du allen gesagt, lasst mich in Ruhe oder hat die Klinik dafür gesorgt und alle abgewiesen oder informiert? Die Situation ist ja unangenehm genug für denjenigen. Soll er sich damit auch noch herumschlagen und allen "vor den Kopf schlagen" ?

    Liebe Grüße

  • Danke für Deine offenen Worte. Ich kann mir gut vorstellen, dass man seine Ruhe braucht in dieser Phase und im Prinzip sollten alle Beteiligten beraten werden. Nur wie hast Du das gemacht? hast Du allen gesagt, lasst mich in Ruhe oder hat die Klinik dafür gesorgt und alle abgewiesen oder informiert? Die Situation ist ja unangenehm genug für denjenigen.

    es geht nicht darum was einem unangenehm ist, sondern das etwas getan werden muss:idea:fakt ist, alkohol tötet und hätte ich vor so langer zeit nicht gehandelt würden wir hier nicht schreiben. trocken zu werden (entgiften) ist eins und geht verhältnissmässig schnell, sein seelisches gleichgewicht wiederzufinden ist etwas ganz anderes und braucht zeit.

    wie ich schon schrieb, zum einen kann man sich vor antritt der reha mit der familie, freunde etc. austauschen und klare grenzen setzen. einige ergeben sich erst aus der therapie heraus. einige erledigen sich von allein und man merkt schnell das diese freundschaften nur auf alk basieren. also kein sonderlicher verlust, ehr ein befreiungsschlag. den rest erledigt die zeit....

    Soll er sich damit auch noch herumschlagen und allen "vor den Kopf schlagen" ?

    das ist nicht deine aufgabe, dir darüber gedanken zu machen:idea: sorry dass muss ich leider so sagen...

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    (Trocken seit 26.03.2009)

  • ich will es nur wissen. Nicht meine Aufgabe, er ist nicht mehr am Leben

    es tut mir aufrichtig leid um deinen verlust...das wußte ich nicht. jeder reagiert anders darauf und da ich ihn und dich nicht gut genug kenne, erlaube ich mir auch kein urteil darüber zu sprechen.

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    (Trocken seit 26.03.2009)

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