Beiträge von Yoyo

    Hallo!

    Wie seid ihr aufgewachsen im Bezug zum Alkohol? Das würde mich wirklich interessieren.

    Ich selbst hatte eine Kindheit, in der Alkohol ganz normal war. Wir hatten einen Partykeller, in dem fleißig gefeiert wurde. Die Gäste waren teilweise so betrunken, dass manchmal jemand in der "Bar" übernachtet hat. Als Kinder mussten wir oft die Bar danach aufräumen, weil meine Eltern dafür viel zu verkatert waren. Ich hab meine Mum sehr oft erbrechen gehört am nächsten Tag. Wir haben ihr dann am frühen Abend auf Anweisung meines Vaters eine Brühe gemacht, wenn sie das erste Mal Flüssigkeit in sich behalten konnte. Als Kind fand ich das alles manchmal noch lustig, ( nicht den Kater meiner Eltern, sondern das sie Leute am Vorabend "lustig" waren) oft auch unangenehm und überfordernd. Ich hab aber auch sehr unangenehme Erinnerungen. Ich war glaube ich 6 /7 Jahre. Mein Vater war so betrunken, dass er nicht mehr aufstehen konnte und mich am Arm festgehalten hat. Er hat sich daraus einen Spaß gemacht- ich fühle diese Ohnmacht immer noch. Das hat was mit mir gemacht. Und es gibt auch noch andere Erinnerungen. Meine Familie fragt sich heute, wie ich denn Alkoholikerin werden konnte.

    Mein Vater hat mir immer wieder gesagt, dass Leute, die nicht trinken Langweiler sind. Ich war eine Zeit lang bei ihm angestellt. Der Bierkasten stand immer eine Tür weiter. Wir haben fast jeden Feierabend getrunken. Mit 17 hab ich schon festgestellt, das mein Trinkverhalten nicht normal ist. Ich hab es benutzt- vor allem um Ängste auszublenden. Mein "erstes" Mal konnte ich nur mit Sekt ertragen und das hat sich wie ein roter Faden durch mein promiskuitives Leben gezogen. Es gab einfach immer Alkohol- in der Schrankbar, im Keller- bei jedem Essen wurde soviel getrunken, dass Autofahren eigentlich absolut verboten ist. Mit uns Kindern an Bord.

    Ich habe mit glaube ich 19/20 bei meinen Eltern angesprochen, das mit mir etwas nicht stimmt im Bezug auf Alkohol. Ich habe gemerkt, ich benutze es. Die Worte meines Vaters werde ich nie vergessen. " Das bildest Du dir ein. Das ist deine Krankheit"!


    Ich weiß, es bringt nichts, in der Vergangenheit rumzukramen. Ich glaube aber, mich persönlich würde es ein bisschen heilen. Weil ich in einer komplett destruktiven Familiendynamik im Bezug auf Alkohol aufgewachsen bin. Ich habe mich immer schuldig gefühlt, dass ich es nicht wie die Anderen " normal " konsumieren kann. Und das quasi schon nach dem ersten Schluck ( Glaube, ich war 7 als ich das erste Glas Sekt von meinen Eltern an Silvester bekommen habe)

    Ich hoffe, ich schreibe nicht zu wirr. Ich könnte wie gesagt ein Buch füllen. :) Mich interessiert wirklich, wie das bei den anderen hier war. Liebe Grüße

    Ja- die Vorhaben stehen schon lange im Raum. Leider bin ich ziemlich „eingesperrt“, weil ich alleinerziehend von einem 6 jährigen bin. Ich will auf keinen Fall in meinen alten Job. Deswegen war ich 1 Jahr nochmal in den Master eingeschrieben. Da es ein Präsenzstudium in einer anderen Stadt ist, konnte ich mich verbiegen wie ich wollte. Es ging nicht. Jetzt hab ich nochmal 8 Monate eine Weiterbildung gemacht. Ich hoffe, dass ich jetzt an den Job komme, auf den ich mich wirklich freue. Der Sinn macht. Und der sich eben auch alleinerziehend umsetzen lässt. Ich muss zugeben, ich bereue es sehr, aus der Großstadt weggezogen zu sein. Dann wäre das alles kein Problem gewesen. Jetzt kann ich nicht mehr zurück, da sich der Vater sperrt und abgesehen davon die Mieten horrendend geworden sind. Wobei es hier auch nicht mehr viel besser ist. Einfach frustrierend, aber das geht wohl vielen so. Ein Buch wäre eher eine Art für mich, alles nochmal Revue zu passieren und ist eine Art Aufarbeitung. Aber ja- Wunder darf ich nicht erwarten. 🙂


    Und ja: Ich hab einfach nichts mehr getrunken. War aber aufmerksam, was Symptome betrifft. Am Ende hatte ich zum Glück nichts. Aber zu meiner Hausärztin will ich trotzdem noch gehen. Jetzt ist sie erst mal im Urlaub. Ich verspreche mir davon eigentlich nicht viel, aber ich möchte es für mich einfach gerne offiziell machen und mich von ihr dann auch einmal durchchecken lassen.

    Lg

    Hallo Hera,


    oh, dass wusste ich nicht. Das man quasi wieder von „vorne“ anfängt. Danke fürs aufmerksam machen. 🙂 Eigentlich wäre heute Tag 29, wenn’s da nicht einen Rückfall gegeben hätte. Somit ist heute Tag elf. Wie es mir ergangen ist. Sehr gemischt. Meine Trinkphasen sind immer kürzer geworden. Ich bin länger abstinent. Aber geschafft habe ich es noch nicht. Momentan bin ich wieder in einem Hoch. Mir geht’s super gut- aber wem geht es das nicht, wenn man nicht vergiftet ist. Ich versuche, mich aktuell mehr mit meinen „Triggern“ zu beschäftigen. Neulich habe ich kalten Eistee aus einem Glas getrunken. Ich hab auf den Tisch gesehen und dachte „Sch**ße, dass sieht aus wie dein Weißwein und hab es direkt in ein anderes Glas gekippt. Das war mir vorher gar nicht bewusst, aber bei genauer Betrachtung hab ich immer aus diesen Gläsern meinen Wein getrunken. Ich bin jetzt das erste Mal an einem Punkt angekommen, an dem ich die ganze „Sucht offiziell machen möchte. Ich war neulich bei meinem Hausarzt. Leider bin ich trotz Termin nicht dran gekommen. Was ärgerlich ist, wenn man schon mal seinen ganzen Mut zusammen nimmt. Und mir ist glaube ich das erste Mal bewusst geworden, dass ich meinen Alltag noch stärker umstrukturieren muss. Ich werde Anlässe, bei denen getrunken wird konsequent meiden. Das betrifft dann leider auch meine Familie, die trotz meiner Sucht manchmal vor mir trinkt. Das ist dann so. Ich stelle mich auf den obersten Sockel. Zumal ich ja nicht nur für mich die Verantwortung trage, sondern auch für meinen Sohn. Ich bin gerade auch noch dabei, mir einen Therapieplatz zu besorgen. Es gibt hier relativ neu eine Tagesklinik. Und ich bin gerade im Bewerbungsverfahren für einen neuen Job. Manchmal überlege ich auch, ein Buch zu schreiben. - Für mich. Und vielleicht später meinem Sohn.

    Ich habe immer ein wenig Angst, mir selber zu vertrauen. Der Alkohol ist leider nicht mein einziges Problem. Wenn auch das einzig stoffgebundene.

    Lg Yo-Yo

    Lebensmut74

    Guten Morgen🙂

    Ja, das Buch kann ich wirklich sehr empfehlen. Kann man sich auch als EBook runterladen. Von mir gibt’s nur einen Minuspunkt, da er manchmal ausschweifend von seinen Sexeskapaden schreibt. Ich lese das Buch gerade zum zweiten Mal und hab diese Seiten diesmal überblättert🫣🤣 Zum Glück ist es nicht so viel.

    Liebe Grüße und dir einen schönen Sonntag

    UltimaRatio1974 Owe. Du Arme. Ich kenne das mit den Schlafstörungen. Die hab ich jahrelang massiv gehabt. So schlimm, das ich ganze Nächte wach lag oder morgens schon heulend aufgewacht bin nach 2 Std „Schlaf“. Ich leide da mit dir. Momentan schlafe ich tatsächlich gut. Ich hab meine Schlafhygiene umgestellt. Ich gucke abends nichts mehr. Kein TV, kein Internet usw. Ich dusche abends, mach mir meinen Melatonintee und lese im Bett. Ich traue dem Braten noch nicht ganz. Aber die Medien abends komplett wegzulassen, scheint bei mir Wunder zu bewirken. Und ich dränge Gedanken bewusst aus dem Bett. Ich bin ein Grübler. Das ist mein Problem. Wenn es dann nachts still wird, fängt das Gehirn an, Party zu feiern. Ich rede ganz bewusst zu mir selbst, dass ich jetzt keine Probleme lösen kann, sondern meine Ruhe brauche. Klingt vielleicht komisch, aber es funktioniert. Was ich gerade nicht ändern kann, kann auch bis morgen warten. 😅

    Bei mir kommt das mit dem ausruhen drauf an. In der nassen Zeit jetzt hab ich zum Schluss eher lethargisch nur noch meine Pflichten erfüllt. Funktionierend. Aber eigentlich nur, weil ich den Anspruch an mich habe, alles machen zu müssen. „Das macht MAN ja so“. Wenn ich nichts gemacht habe, hab ich immer ein schlechtes Gewissen. Ich könnte ja noch so viel machen. (Wie sehen die Fenster eigentlich wieder aus? Den Keller wolltest Du längst ausmisten usw)Momentan hab ich aber soviel Energie, dass es mir wirklich schwer fällt, ruhig zu sein. Ich genieße es aber auch, weil ich so viel schaffen kann plötzlich. Und Spaß an den Sachen habe und es nicht mehr pure Verpflichtung ist. Aber gestern war ich einfach kaputt. Ich muss aber zugeben, das ich um 21 Uhr dann noch mit nem Nasssauger meinen Teppich bearbeitet habe 🤣🤣🤣

    Ich rauche tatsächlich auch mehr. Deswegen habe ich mir eine Vape geholt mit nikotinfreiem Liquid. Ab der sauge ich dann auf dem Balkon rum 🤣 Das ist auch ne Baustelle, aber ich denke auch, nicht zu trinken ist gerade viel viel wichtiger. Deshalb hab ich kein schlechtes Gewissen. Und essen kann ich eigentlich durchgehend auf einmal. Ich hab schon 4 Kilo mehr drauf als vor 2 Wochen. Da ich aber untergewichtig bin, ist das für mich ein Zugewinn. Endlich kommen mal wieder ein paar Rundungen. 🙂


    Liebe Grüße

    Guten Morgen ihr Lieben,

    mir geistert seit ein paar Tagen eine Frage im Kopf und ich hoffe, ich kann mich richtig ausdrücken.
    Seit ich denken kann, hab ich mich immer anderes/ falsch und nicht geliebt gefühlt. Im Kreise der Familie ist es nicht gelungen, dass ich ein Urvertrauen entwickeln konnte. Ich hab mit 12 Jahren Suizidgedanken in mein Tagebuch niedergeschrieben. Ich habe irgendwie nie richtig „in die Welt“ gehört. Das zog sich durch mein gesamtes Leben und sorgte dafür, dass meine „Karriere“ damals mit einem Kinder- und Jugendpsychiater begann und viele Therapien, Klinikaufenthalte folgten.
    Ein großes Problem dabei war, dass ich sehr schlecht Selbstfürsorge betreiben konnte- da ich ja fest der Überzeugung war, nichts wert zu sein. Nicht liebenswert. Da konnten mir noch so oft andere sagen, was ich für ein toller Mensch bin. Tief in mir drin waren viele Hassgefühle mir selbst gegenüber.
    Ich glaube, dass dies auch ein Grund ist, weswegen ich in die Sucht gefallen bin. Süchtig war ich eigentlich immer. Magersüchtig, Kotz- Brechsüchtig, süchtig nach Anerkennung durch ein sehr promiskuitives Leben mit Männern usw. In einer kurzen Phase sogar kokainabhängig.

    Ich bin vor vielen Jahren ruhig geworden. Das einzige, was geblieben ist, ist der Alkohol.
    Und ich habe gemerkt, dass ich mir mit meinem Grundgefühl oft im Wege stehe. Die fehlende Selbstliebe. Aus der damaligen Verhaltenstherapie weiß ich, wie wichtig es ist einem Gefühl nicht zu folgen, wenn es nicht angemessen ist.

    Deswegen mache ich gerade soviel Sport. Und kümmere mich ganz viel um meinen Körper in Form von Wellness und guter Ernährung. Das tut mir sehr gut und ich merke, wie diese Gefühle auch in meinem Gehirn ankommen.
    Trotzdem muss ich sagen, dass mein Motivator, um aus der Sucht zu kommen nicht ich bin, sondern mein Kind.
    Ich möchte so natürlich auch nicht mehr leben. Das ist ganz klar. Aber ich alleine reiche einfach nicht aus. Das ist eigentlich so traurig. 🥲
    Ich frage mich, ob es anderen auch so geht? Ob die nicht vorhandene Selbstliebe hier auch anderen große Steine in den Weg legt.

    Ich habe immer für jeden und alles Verständnis, nur bei mir selbst gehe ich so hart ins Gericht. Das ist ein Punkt, den ich unbedingt aufarbeiten muss.

    Ich hoffe, ich hab nicht zu wirr geschrieben.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

    Guten Morgen UltimaRatio1974 . Von mir kam der Tipp: Saufdruck. Meinst Du das? Das von Dir genannte Buch kenne ich noch gar nicht 😃

    Ich hatte die Tage viel um die Ohren und bin immer tot ins Bett gefallen.- Deswegen gab es noch keine Antwort. 🙂 Wie geht es dir heute?
    Mir geht es weiterhin gut. Ich merke aber, das mein Suchtgehirn seit 2 Tagen arbeitet. Ich wache morgens auf und denke sofort an Alkohol. Ich vermute, dass ich davon träume. Kann mich aber nicht erinnern. Ich wache auf und es ist, als hätte ich getrunken. Und ich muss mich dann erst mal sortieren. Über die aktuelle „Lage“. 😅

    Das erinnert mich ein wenig an damals. Ich war in jungen Jahren magersüchtig. Da habe ich nachts davon geträumt, Pommes usw zu essen. Bin dann völlig fertig erwacht am nächsten Tag und war immer erleichtert, dass es nur ein Traum war. 😌

    Ich hab meinen Tag gestern mit walken und Sport verbracht. Dann wollte ich noch Fenster putzen usw. Habe dann aber gemerkt, das ich mich einfach mal erholen muss. Nichts tun. Und das hab ich dann auch getan. Heute steht auch ein Ausflug an.

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag. Liebe Grüße Yoyo

    UltimaRatio1974

    Ja, also ich bin gespannt, wie das hier so ist. Ich habe in meinem Umfeld zwar Süchtige, aber ohne Einsicht. 1 trockenen Alkoholiker kenne ich. Der hat von einen Tag auf den anderen aufgehört und ist seit über 20 Jahren trocken. 🙂 Aber der Austausch ist da auch eher sporadisch. Und mir fehlt das eben auch. Ich war 2 Jahre bei der Suchtberatung. Das hat auch gut getan, aber es ist eben nicht das Selbe. Ich möchte mich auch mit Gleichbetroffenen austauschen. Denn die Wissen gleich, was Phase ist. Im Umgang mit Nichtbetroffenen habe ich immer das Gefühl, ich komme ganz schnell in eine Rechtfertigungsposition. Meiner Mama hab ich neulich erzählt, das ich nicht mehr trinke. Da kam von ihr ein „Dann bleib diesmal auch dabei“. Das hat immer gleich so einen unterschwellig vorwurfsvollen Charakter. Als hätte man in der Vergangenheit einfach salopp aus Spaß wieder angefangen zu trinken.

    Freut mich auf jeden Fall, das es dir auch gut geht. Ich kann dir sehr das Buch „Tinkerbell“ ans Herz legen. Mein bisheriges „Lieblingsbuch“ zu der Thematik. Schonungslos und sehr direkt.

    Lg und dir auch einen schönen, trockenen Tag 🤛🏻

    UltimaRatio1974 Danke für deine Nachricht. 😊 Es finden sich bestimmt oft Parallelen in den Geschichten. Irgendwann gehen sie oft in die gleiche Richtung. Mir geht es ziemlich gut nach wie vor. Danke. Ich zieh mein „ Programm“ durch, was mir auch Spaß macht. Körperlich und auch mental fühle ich mich um ein hundertfaches besser. Etwas für Literatur suchst Du denn?
    Wie geht es dir?

    Liebße

    Danke für deine Nachricht. Ja, ich bin froh das ich körperlich nichts habe. Das muss schlimm sein. Aber Du hast natürlich Recht, der Löwenanteil ist die psychische Sucht. Ich lese gerade wieder das Buch „Saufdruck“. Ist ein sehr abschleckendes Beispiel. Mittlerweile besitze ich 5 Bücher. In der Staatsbibliothek hab ich mir auch schon viel rausgezogen. Mich interessiert, wie eine Sucht und im speziellen natürlich Alkohol funktioniert. Wie Alkohol biochemisch manipuliert. Erschreckend sind auch Statistiken zum Thema Alkohol in Deutschland.
    Ich meide auch alle möglichen Risikofaktoren. Ist für manche dann nicht immer ganz verständlich. Da alle in meinem Umfeld Bescheid wissen, trinkt auch niemand vor mir. (Außer paradoxerweise meine Familie neulich auf einem Familienfest) Mir geht’s auch nach wie vor gut. Ich mach hier meinen Sport usw. Ich überlege, meine Geschichte für mich mal komplett nieder zu schreiben. Ein Buch an mich selbst 😊


    Wie lange bist Du schon trocken?

    Lg

    Seeblick : Hups, da kam mir die Technik zuvor. 🙂

    Also hier ist es alkoholfrei. Ich habe auch nie gehortet, sondern immer nur für den „täglichen“ Bedarf eingekauft. Beim Arzt bin ich tatsächlich mehr als regelmäßig aufgrund einer anderen Erkrankung. Blutbild wird regelmäßig gemacht. Da war bisher immer alles gut. Bei meiner Hausärztin war ich erst ein einziges Mal. Da weiß ich jetzt auch nicht recht.

    Lg

    Hallo Yoyo,

    willkommen im Forum und Glückwunsch zu deinem Entschluss und den ersten Tagen deiner Abstinenz.

    Viele was du schreibst, kommt mir bekannt vor: Die Angsttörungen, die dann von alleine verschwunden sind, das "Funktionieren", das Ausschalten der Emotionen, die Trinkpausen...

    Ist dein Zuhause alkoholfrei? Das solltest du unbedingt beachten. Deine Wohnung ist deine sichere Umgebung in der es keinen Alkohol gibt. Auch wenn der körperliche Entzug so gut wie vorbei ist, würde ich dir doch einen Arztbesuch empfehlen um dich einmal durchchecken zu lassen. Gerade bei Ärzten solltest du immer angeben, dass du Alkoholikerin bist. Z.B. können Betäubungsspritzen beim Zahnarzt anders wirken und auch in vielen Medikamenten ist Alkohol enthalten. Das müssen die Ärztinnen und Ärzte dann beachten.

    Viele Grüße
    Seeblick

    Huhu,


    also mein zu Hause ist absolut alkoholfrei. Ch habe aber auch nie gehortet, sondern

    Danke für den lieben Willkommensgruß 😊

    Ich sehe mich selbst als Alkoholiker. Mehr Alkoholiker geht quasi gar nicht. Mein Ziel ist die lebenslange Abstinenz. Ich bin mir total bewusst, dass mich jeglicher Konsum von Alkohol in der Zukunft wieder genau dahin bringen würde, wo ich gerade her komme. In die Alkoholhölle. Und das möchte ich auf keinen Fall mehr. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich irgendwann daran sterben werde, wenn ich nicht aufhöre. Gerade die Depressionen durch den Alkohol haben mir schwer zu schaffen gemacht.

    Ich hab „kalt“ entzogen. Körperlich bin ich auf wundersame Weise nicht abhängig. Da staune ich manchmal selbst. Mein Umfeld weiß Bescheid. Ich war lange Zeit bei einer Suchtberatung. Richtig geholfen hat es nicht. Deswegen sattel ich das Pferd diesmal anders auf und versuche es so zu machen, wie es sich für mich am besten anfühlt. Momentan geht es mir sehr gut. Das ist so verrückt. Ich erlebe meinen Körper wieder ganz neu. Und viel wichtiger- meine Emotionen. Ich hatte am Ende schon eine generalisierte Angststörung. Was ja auch so typisch für Alkoholiker ist. Nacht bin ich schweißgebadet aufgewacht vor Panik- Angst vor dem Leben.
    Das ist natürlich nicht alles weg. Aber ich würde mal sagen, an Tag 10 schon um 80% gesunken.

    Liebe Grüße

    Hallo ihr Lieben,


    ich traue mich jetzt auch mal. Ich bin 40+ und bin Alkoholikerin. Seit 10 Tagen habe ich nichts mehr getrunken und ich erhoffe mir, hier Austausch zu finden.

    Problematisches Trinken hab ich eigentlich schon fast immer an den Tag gelegt. Ich bin damit aufgewachsen, dass Alkohol normal ist. Das es dazu gehört, das Leute die nicht trinken langweilig sind und man eben bei jeder Gelegenheit einen hebt.
    Als Kind war ich die meiste Zeit amüsiert darüber, die Gäste meiner Eltern bei ihren Partys stockbetrunken zu erleben. Die waren plötzlich alle so lustig und albern.
    In meiner Jugend (heute würde ich eher sagen Kindheit) habe ich glaube ich so mit 13 Jahren angefangen, auf Partys zu trinken. Relativ schnell kam auch Gras dazu. Damit hatte ich aber zum Glück nie ein problematisches Verhältnis. Dann gab es eigentlich jedes Woe „Sit- Ins“, bei denen grundsätzlich getrunken wurde. Unter der Woche und am Woe.
    Tja… und das erste Mal gemerkt, das ich „anders“ trinke ist mir tatsächlich schon mit 17 aufgefallen. Damals waren es noch nicht die Mengen (Wobei ich meinen ersten richtigen Rausch schon mit 15 hatte). Ich glaube, in mir hat schon etwas angepieckst und mir gesagt, dass ich den Alkohol vor allem benutze, um meine Gefühle zu „kontrollieren/nicht aushalten zu müssen“- sie zu betäuben. Wir waren damals 2 Wochen im Urlaub. Ich hab 14 Tage jeden Abend getrunken. Da schrillten schon die Alarmglocken. Das Ganze zog sich dann weiter. Mit Anfang 20 zog ich in eine Großstadt. Es war ein regelrechter Partymarathon. Jeden Freitag los- teilweise durchgemacht und am Samstag Abend wieder los. Totaler Raubbau am Körper. Unter der Woche hab ich auch schon getrunken. Meist ne halbe Flasche Wein am Abend und da folgten auch schon die ersten Konflikte mit Partnern.
    Komischerweise hatte ich immer Partner, die selbst viel zu viel getrunken haben. Vermutlich sucht man sich unterbewusst seinesgleichen. Der Konsum steigerte sich dann immer weiter und am Ende, mit Ende 20 landete ich bei ca 1-2 Flaschen Wein am Tag.
    Verwunderlich ist, das ich irgendwie immer noch alles hin bekommen habe. Ich hab meine Ausbildung gemacht, später noch ein Studium (meine Diplomarbeit hab ich mehr betrunken als nüchtern geschrieben) - ich hab mich immer durchgekämpft. Obwohl ich eigentlich schon gar keine Kraft mehr hatte.

    Dazu kam, dass mich der Alkohol schrecklich depressiv gemacht hat. Ich war regelmäßiger Besucher von Psychiater und Kliniken.
    Lange habe ich aber geglaubt,- eigentlich fast mein ganzes Leben- dass ich einfach so bin. Falsch, depressiv- nix mehr zu machen.
    Noch mal richtig abgestürzt bin ich während Corona. Ich war so isoliert. Ewigkeiten alleine zu Hause. Das hat mir den Rest gegeben und ich hab begonnen, tagsüber zu trinken. Ein Glas Wein zum Frühstück…. Und dann wars eh egal. Ich bin also eine weitere Stufe auf der Alkoholikerleiter erklommen. Leider. In der letzten Phase wurde ich zunehmend unangenehm zu meinen Mitmenschen. Zumindest zu einigen. Meiner Familie, Freunden. Ich hab Dinge gesagt, die sich nicht wieder gut machen lassen. Daraus resultieren Schuldgefühle und der Strudel fängt von vorne an.
    Mein Trinkverhalten am Ende ist wohl der typische „Spiegeltrinker“. Ich war nicht oft richtig betrunken, da meine Toleranz schon jenseits von Gut und Böse waren.

    Vor zwei Jahren hab ich es geschafft, 3 Monate nicht zu trinken. Auf den Tag genau habe ich dann wieder angefangen. An Zufälle glaube ich nicht.
    Danach folgen ein paar „halbherzige“ Versuche. Ich wollte es- aber ich habe es nicht geschafft.

    So, und heute ist Tag 10 ohne Alkohol. Und ich bin in dieser „ für mich schon bekannten Hochphase“. Ich fühle mich super und könnte Bäume ausreißen. Ich weiß aber auch, wie vorsichtig man in dieser Phase sein muss.
    Vor ein paar Tagen wollte ich einkaufen und Zack- kam der hässliche Weintroll und flüstert mir ohne Vorwarnung: „ So schlimm war es doch gar nicht. Du kannst doch jetzt ein Glas Wein trinken“. Ich wurde von den Gedanken regelrecht überrollt. Ich hab mir dann auf dem Weg zum einkaufen mein Mantra runter gebetet und war mächtig stolz, nichts gekauft zu haben. Bisher war das in den 10 Tagen zum Glück das einzige Mal.
    Wie ich versuche es diesmal zu schaffen? Ich hab eine neue Fortbildung begonnen. Bin also schon mal von morgens bis nachmittags eingespannt. Auf der Arbeit oder so hab ich zum Glück nie getrunken. Von daher kommt mir da auch kein Gedanke. Ich versuche außerdem gerade viel für mich selbst zu tun. Ich pflege mich ausgiebig, mache wieder Sport und versuche gesund zu essen. Koche wieder selbst. Alles Dinge, die mir in den letzten Jahren abhanden gekommen sind. Ich hab eigentlich nur noch auf meinen Körper drauf gekloppt. Mit allem was geht.

    Mir geht es also gerade ziemlich gut. Und ich hoffe, das bleibt auch so.

    Liebe Grüße bis dahin


    Yo-Yo

    Hallo Elly,


    ich bin bekennend alkoholsüchtig und strebe eine lebenslange Abstinenz an. Das habe ich oben umschrieben. Da ich begriffen habe, das ich nicht kontolliert trinken kann. Dies bedeutet, es gibt nur zwei Wege. Ständig saufen wie bisher- mit allen Konsequenzen oder keinen Alkohol mehr anrühren. Ich kann hier leider auch nicht alles aufschreiben, da ich hier im offenen Bereich bin.
    Ich bin schon seit geraumer Zeit in der Institutsambulanz und bei der Suchtberatung in Behandlung. Bis zu diesem Punkt musste ich aber alleine kommen.
    Durch meine Versuche, kontrolliert zu trinken hat sich alles nur noch mehr zugespitzt. Da der Druck stark erhöht war, die Kontrolle zu erreichen. Mit meiner Familie und Freunden hatte ich da schon Gespräche. Ich habe ihnen quasi alles erzählt. Das ich heimlich trinke, wie hoch mein Leidensdruck ist, das ich das alles nicht mehr aushalte, depressiv werde- Was der Alkohol mit mir macht. Ein Häufchen Elend. Dann kam noch mal der Knall. Ich bin zum Glück auf sehr viel Verständnis aller gestoßen und werde dahin gehend unterstützt.
    Ich habe mich jetzt noch in der Diakonie für eine Langzeittherapie entschieden. Hier muss ich auf Ursache Forschung gehen. Mit einer Klinik stehe ich auch in Kontakt, falls es ambulant nicht klappen sollte.
    Momentan halten sich aber die guten Gefühle und ich habe ein klares Ziel vor Augen. Und das heißt „alkoholfrei“.
    Über sämtliche Medikamente usw hab ich mir noch keine Gedanken gemacht. Da ich keine nehme. Werde deinen Tipp aber im Auge behalten.

    Lg Yoyo