Hallo!
Wie seid ihr aufgewachsen im Bezug zum Alkohol? Das würde mich wirklich interessieren.
Ich selbst hatte eine Kindheit, in der Alkohol ganz normal war. Wir hatten einen Partykeller, in dem fleißig gefeiert wurde. Die Gäste waren teilweise so betrunken, dass manchmal jemand in der "Bar" übernachtet hat. Als Kinder mussten wir oft die Bar danach aufräumen, weil meine Eltern dafür viel zu verkatert waren. Ich hab meine Mum sehr oft erbrechen gehört am nächsten Tag. Wir haben ihr dann am frühen Abend auf Anweisung meines Vaters eine Brühe gemacht, wenn sie das erste Mal Flüssigkeit in sich behalten konnte. Als Kind fand ich das alles manchmal noch lustig, ( nicht den Kater meiner Eltern, sondern das sie Leute am Vorabend "lustig" waren) oft auch unangenehm und überfordernd. Ich hab aber auch sehr unangenehme Erinnerungen. Ich war glaube ich 6 /7 Jahre. Mein Vater war so betrunken, dass er nicht mehr aufstehen konnte und mich am Arm festgehalten hat. Er hat sich daraus einen Spaß gemacht- ich fühle diese Ohnmacht immer noch. Das hat was mit mir gemacht. Und es gibt auch noch andere Erinnerungen. Meine Familie fragt sich heute, wie ich denn Alkoholikerin werden konnte.
Mein Vater hat mir immer wieder gesagt, dass Leute, die nicht trinken Langweiler sind. Ich war eine Zeit lang bei ihm angestellt. Der Bierkasten stand immer eine Tür weiter. Wir haben fast jeden Feierabend getrunken. Mit 17 hab ich schon festgestellt, das mein Trinkverhalten nicht normal ist. Ich hab es benutzt- vor allem um Ängste auszublenden. Mein "erstes" Mal konnte ich nur mit Sekt ertragen und das hat sich wie ein roter Faden durch mein promiskuitives Leben gezogen. Es gab einfach immer Alkohol- in der Schrankbar, im Keller- bei jedem Essen wurde soviel getrunken, dass Autofahren eigentlich absolut verboten ist. Mit uns Kindern an Bord.
Ich habe mit glaube ich 19/20 bei meinen Eltern angesprochen, das mit mir etwas nicht stimmt im Bezug auf Alkohol. Ich habe gemerkt, ich benutze es. Die Worte meines Vaters werde ich nie vergessen. " Das bildest Du dir ein. Das ist deine Krankheit"!
Ich weiß, es bringt nichts, in der Vergangenheit rumzukramen. Ich glaube aber, mich persönlich würde es ein bisschen heilen. Weil ich in einer komplett destruktiven Familiendynamik im Bezug auf Alkohol aufgewachsen bin. Ich habe mich immer schuldig gefühlt, dass ich es nicht wie die Anderen " normal " konsumieren kann. Und das quasi schon nach dem ersten Schluck ( Glaube, ich war 7 als ich das erste Glas Sekt von meinen Eltern an Silvester bekommen habe)
Ich hoffe, ich schreibe nicht zu wirr. Ich könnte wie gesagt ein Buch füllen.
Mich interessiert wirklich, wie das bei den anderen hier war. Liebe Grüße