Wenn ich mich so umschaue, dann passiert das sehr oft. Ich halte das auch nicht für " doof", "naiv", blöd" oder was da auch immer gerne als Herabminderung der eigenen Gefühlswelt herangezogen wird.
Es ist ein ganz normaler Denkprozess auf Grund einer toxischen persönlichen Situation. Ein Lernprozess.
Und leider wird die Schuld dafür wohl auch gerne bei sich Selbst gesucht ( Selbstwertgefühl kommt da ins Spiel )
Leider ist das nicht per Knopfdruck einfach abzustellen. Man kann nur hoffen das es weniger wird wenn man es oft genug liest oder hört. Einfach um auch zu wissen das es eben nicht die eigene "Unfähigkeit " ist sondern auf die Sucht zurückzuführen ist.
Ich habe oft den Eindruck, als wenn es für viele zu einfach ist diese Verantwortung tumb an die Sucht weiterzugeben.
Da nagt etwas.
Evtl. jahrelang umsonst gelitten, so sinnlos gekämpft? Kann es so einfach sein? Und was jetzt? Wohin mit der ganzen Kraft und Energie welche da eingesetzt wurde und nun mit einer Erkenntnis irgendwie sinnlos geworden ist?
Den geliebten Menschen kampflos der Sucht und deren Verlauf überlassen und auf einmal irgendwie alleine dastehen? Ohne die Möglichkeit durch Kampf und Energie, gar durch Liebe oder Zuwendung etwas bewirken zu können? Einfach akzeptieren das Hilfe kaum möglich ist?
Auch wenn es noch so seltsam klingt: Ich habe es gesehen und auch zwischen den Zeilen schon gelesen, das ein Co eigentlich nicht gänzlich unzufrieden war über eine irgendwie kontrollierbar erscheinende Hilflosigkeit eines Alkoholkranken. Damit konnte man sich selbst definieren, helfen, wurde gebraucht. Und man musste nicht so viel auf sich Selbst schauen. Wenn das plötzlich wegbricht tut sich da ein Krater auf.
Es wird zwar geweint, lamentiert und gelitten, diskutiert und geholfen, analysiert und auch erkannt.... aber manchmal wird eben auch gleichzeitig gebremst um nicht selber in ein großes Loch zu fallen.
Am Anfang, beim anmelden hier im Forum, dürfte wohl eine Art Verzweiflung und Hilflosigkeit eine große Rolle spielen. Der Schuldige ist klar definiert. Irgendwie auch des Kämpfens müde, Ratlosigkeit über dieses süchtige Verhalten. Und dann kommt der Vorschlaghammer mit den Erkenntnissen von vielen Leidensgenossen hier in den Beiträgen. Plötzlich sollte man den Schuldigen komplett abnabeln und bei sich Selbst schauen? Kann ja wohl nicht sein.
Oder doch?
Ich halte den Lernprozess der Co`s für mindestens genauso schlimm wie für den Alkoholiker. Es lässt sich nicht auf einen Suchtstoff zentrieren der einfach weggelassen werden sollte. Es geht eben oft sehr tief in die eigene Persönlichkeit hinein.