Beiträge von Seb25

    Das ist sehr treffend beschrieben, liebe Anthurie. Es ist genau so.

    Bei mir war und ist die Erkenntnis, die mich immer wieder umhaut die, dass meine Mutter nicht die Heilige ist, wie ich es als Kind immer glauben wollte. Das Vatern säuft,dass war stets bewusst. Aber heute würde ich fast sagen, dass die Auswirkungen der Co-Abhängigkeit auf die Kinder mindestens genauso krass sind. Denn während sich der Alkoholsüchtige Liebe, Bestätigung, Anerkennung etc. beim Co holt und sich auf dessen Kosten groß macht, braucht der Co auch jemanden für seine emotionalen Bedürfnisse. Und das wird nicht selten halt doch das Kind sein.


    Parentifizierung habe ich auch erlebt. Ich habe neulich einmal einen guten Artikel dazu in der Zeit gelesen, bei dem für mich die Erleuchtung kam.


    Aber Du hast es richtig geschrieben. Wir sind jetzt erwachsen, dh wir können, dürfen und müssen Grenzen setzen. Und wenn der Gegenüber beleidigt oder gekränkt ist (wie es bei mir mit meiner Mutter gerade der Fall ist), dann ist es eben so.


    Viele Grüße


    Seb

    Ihr Lieben,

    wirklich ganz schweren Herzens habe ich heute Hotel und Zug stornieren müssen. Ich wollte eigentlich noch wegen der privaten WhatsApp-Gruppe schreiben, aber jetzt liegt hier gerade meine Frau mit Corona ziemlich übel flach und ich bin heute erst aus Berlin zurückgekommen, wo ich seit Montag beruflich war. Wenn ich mich jetzt gleich übermorgen wieder in den Zug setzen würde, wäre das irgendwie uncool.

    Ich hoffe, Ihr seht es mir nach. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Ich versuche es beim nächsten Mal - versprochen.

    Euch ein ganz tolles Treffen.


    Liebe Grüße


    Seb

    Hey Anthurie,


    Ich freu mich, von Dir zu lesen. Du darfst in meinem Strang schreiben, was Du magst. Ich sehe das überhaupt nicht als Kapern oder Ähnliches.


    Ich kann ja aufgrund des Versterbens meines Vaters sehr viel freier meine Beobachtung mitteilen. Mit hilft der Austausch, Situationen mit meinem Vater einzuorden und gibt mit das (beruhigende) Gefühl, dass es keine externen Gründe für diese fraglichen Verhaltensweisen gab, sondern sie alle mehr oder weniger im Alkohol ihre Ursache hatten.


    Und wenn sich gleichzeitig andere EKAs hierin wiederfinden und Zweifel, die man doch, wenn man ehrlich ist, immer hat, zerstreut werden können, umso besser.


    Zu Deiner Frage: Die Erkenntnisse kommen eigentlich nicht wirklich schubweise. Seitdem ich hier in der Gruppe bin, liegt eigentlich alles wie ein offenes Buch da, sodass man nur lesen muss. Und ich habe natürlich auch einiges an Literatur zum Thema gelesen, das muss ich zugeben.


    Auch Dir einen schönen Sonntag!

    Die Sache mit den Familienfeiern kenne ich auch. Hier Zahnschmerzen, dort Magen verdorben - immer ein Grund die Segel zu streichen und sich früh zurückzuziehen (und wahrscheinlich unbemerkt zu trinken). Manchmal hat man etwaige Schmerzen dann auch mit mehreren Gläsern Schnaps kuriert, ganz, wie es halt gerade reingepasst hat. Bei Feiern daheim gab es immer einen Grund, ab einem gewissen Zeitpunkt ungemütlich zu werden, sodass Gäste sich genötigt fühlten zu gehen. Entweder wurde bei laufender Unthaltung die Spülmaschine ausgeräumt oder offensichtliches Desinteresse zur Schau gestellt. Am Ende hat er das bei meiner Familie auch abgezogen.


    Es stört mich nicht, Simsalabim , wenn Du hier in meinem Faden über Deinen Mann schreibst. Vielleicht siehst Du ja soviele Parallelen, dass Du ins Handeln kommst. Ich habe das nur bedingt und am Ende geschafft. Die falsche Entscheidung, wie ich mittlerweile weiß.

    Ich habe lange überlegt, was das Grundproblem des Angehörigen eines Suchtkranken ist. Meines Erachtens ist es, dass man versucht ist, seinen eigenen Wahrnehmungen nicht zutrauen. Während der alkoholsüchtige Teil Meister des Tarnens und Täuschens ist, ibedeutet Co-Abhängigkeit nicht selten verdrängen und schönreden um jeden Preis. Nachdem dies alles mit dem Tod meines Vaters quasi auf einen Schlag bei mir weggefallen ist und ich das vergangene Jahr gut zum Aufarbeiten nutzen konnte, will ich hier weiterhin in meinem Faden von Zeit zu Zeit meine Erfahrungen und Beobachtungen wiedergeben. Vielleicht sieht der eine oder die andere Parallelen und fühlt sich so ermutigt, seinem Verdacht (der ja doch im Hintergrund immer irgendwie schwelt) aktiv nachzugehen.


    Dass über Alkoholismus in der Gesellschaft zu wenig gesprochen wird und man gemeinhin mit einem Alkoholiker Menschen assoziiert, die Vodka trinkend unter Brücken leben, ist eine Binsenweisheit. Über typische Verhaltensweisen, die hier sooft beschrieben werden, ist wenig bekannt. Das macht es für Außenstehende schwer, Muster zu erkennen und diejenigen, die im Suchtsystem gefangen sind, zu unterstützen.


    Mein Vater beispielsweise war tagsüber ein oft lustiger und geselliger Mann, mit dem man sich über Gott und die Welt unterhalten konnte. Gab es aufgrund irgendwelcher Anlässe einmal tagsüber Sekt zum Abstoßen (braucht eigentlich kein Mensch), war er es, der regelmäßig mit den Worten „tagsüber eigentlich nicht“ ablehnte. Das ließ ihn als in dieser Hinsicht extrem bewussten und kontrollierten Menschen aussehen. Dass aber die Nervosität spätestens dann anstieg, wenn wir es einmal nicht Punkt 16:30 Uhr nach Hause schaffen - zu diesem Zeitpunkt wurde das erste Bier aufgemacht - bekamen die wenigsten mit und wenn es jemand mitbekam, konnte man es darauf schieben, dass Männer in seinem Alter doch irgendwie alle solche Verhaltensweisen zeigen.


    Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Besuch des Weihnachtsmarktes. Wir waren um 15:00 Uhr zu einem sehr schönen Adventssingen in der Kirche und wollten danach noch über den Markt bummeln. Er stellte ab ca. 16:15 Uhr dann einfach das Reden ein und war total miesepetrig gelaunt, sodass meine Mutter sich genötigt sah, mit ihm nach Hause zu fahren (wo er dann in Ruhe trinken konnte). Meine Schwiegermutter meine neulich einmal zu ihr, in dieser Situation habe sie zum ersten Mal einen ganz anderen Mann kennengelernt.


    Dieses Muster wiederholte sich. Kaum eine neue Reise oder Unternehmung war machbar. Wenn klar war, dass die Alkoholversorgung gesichert ist, wurde , wenn auch unter erheblichem Murren, teilgenommen. Bei vorliegenden Zweifeln aber, etwa, wenn die Ankunft auf einen Zeitpunkt fiel, in dem klar war, dass Kneipen und Supermärkte bereits zu haben, wurde schon mal kurzerhand (manchmal am Morgen der geplanten Abfahrt) die Reise gecancelt.

    Hallo daughter9,


    herzlich willkommen hier in der Gruppe. Ich bin selbst auch EKA und mein Vater ist vor mehr als einem Jahr mutmaßlich an den Folgen seines Alkoholkonsums gestorben. Du schreibst:

    Nun ist es meine Aufgabe ihre Stimmung aufrecht zu halten. Sie braucht die Kinder, aber ich hasse diese Rolle. Ich vertraue ihr nicht und mag die Kinder nicht lange bei ihr lassen, da sie ihre Kräfte überschätzt.


    Das ist es bestimmt nicht. Es ist weder die natürliche Aufgabe eines Kindes, für das Wohl der eigenen Eltern zu sorgen noch bist zu verpflichtet, diese Rolle anzunehmen. Verpflichtet bist Du nur Dir selbst und Deinen Kindern - für die der Umgang mit einer alkoholabhängigen Person nicht gut ist. Kinder haben sehr feine Antennen und merken sehr schnell, wenn sich Erwachsene „komisch“ verhalten, können dieses Verhalten aber nicht einordnen.

    Wie Du hier bestimmt schon oft gelesen hast: Helfen kannst Du Deiner Mutter nicht. Du kannst Sie weder zur Abstinenz treiben, noch kannst Du Ihre Depression heilen. Die Entscheidung für ein Leben ohne Alkohol kann nur sie alleine treffen, für die Depression gibt es zahlreiche professionelle Anlaufstellen. Beides kann man ihr vorschlagen, den Weg muss sie aber alleine gehen.


    Viele Grüße


    Seb

    Liebe Anthurie,


    die Gefühle, die Du beschreibst, habe ich auch immer mal wieder. Besonders stark waren sie vor einem halben Jahr. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich angefangen habe, maximale Distanz zu meiner Mutter aufzubauen und mich total abzugrenzen.


    Zu merken, dass ich als Kind nicht geschützt wurde, das die Aufmerksamkeiten letztlich immer dem Suchtkranken galten und man deshalb gezwungen war, zu funktionieren und sich keine Schwäche zu erlauben, war hart. Zudem habe ich erstmals realisiert, was andere Freunde eigentlich für ein Glück mit ihrer normalen Familie hatten, in der überwiegend liebevoll miteinander umgegangen wurde.


    Ich glaube, diese Gefühle sind normal. Aber überkommen sollten sie einen nicht. Ändern kann man die Vergangenheit ohnehin nicht. Jeder war auf seine Art Teil dieses kranken Systems. Du bist dabei, Dich daraus zu lösen und Dir ein eigenes, freies Leben aufzubauen. Darauf solltest Du den größten Teil Deiner Energie verwenden.


    Seb

    Hallo Rainbow,

    ich kann vieles von dem, was Du schreibst, nachempfinden. Ich bin auch EKA und wie sooft ähneln sich die Geschichten doch sehr.

    Als er nach Hause kam, war ein paar Tage alles in Ordnung, dann wurde er wieder verbal laut, gemein und blöd, hauptsächlich meiner Mutter gegenüber. Nur Vorwürfe, Kritik und Unterstellungen, die weder gerechtfertigt waren noch der Wahrheit entsprachen.

    Besonders hier habe ich sowas wie ein Deja-Vu. So oder so ähnliche Vorfälle waren bei uns daheim auch an der Tagesordnung und das Gefühl der Ohnmacht kenne ich auch. Mein empfinden war und ist auch, dass mein Vater in seinen nassen Zeiten eigentlich alles kaputt machte ohne Rücksicht auf Verluste. Ich könnte hier ganze Romane verfassen - wie Du vielleicht auch. Aber hier ist Dein Faden und es ist Deine Geschichte.


    Was kannst Du tun? Wie die anderen Dir schon geschrieben haben: Dich an erste Stelle setzen und maximale Distanz aufbauen.


    Mein Vater ist letztes Jahr mutmaßlich an den Folgen seiner Alkoholsucht gestorben. Er lag eines morgens einfach tot im Bett. Davor hat er mich Jahre nur noch gestresst und angenervt. Emotional habe ich mich ähnlich wie Du schon lange Zeit gelöst, irgendwas hat mich dann aber doch in seiner Nähe gehalten, wahrscheinlich die Sorge um meine Mutter. Heute, mit all dem Wissen, das ich mittlerweile habe, bin ich nicht mehr sicher, ob das die beste Entscheidung für mich war. Ich hab immer Verantwortung für andere übernommen, niemals aber für mich selbst. Wahrscheinlich wären Distanz und Kontaktabbruch schon viel früher die richtige Option gewesen. Woran ich das merke? Für mich fühlt sich der Tod, und das klingt echt bitter, aber es ist leider so, wie eine Befreiung an. Das erste Mal muss ich mir nicht Sorgen um meine Eltern und um deren Wohlergehen machen, sondern kann alleine auf mich und meine Familie schauen.


    Im Ergebnis bin ich ganz bei Anna Blume:

    So krass egoistisch das jetzt klingt: Bleib bei dir, schau dass du dein Leben im Focus behältst. Diese ganze Familie ist eine einzige Bedürftigkeit. Jeder braucht Pflege, Zuwendung und Geld- keiner kann sich selbst versorgen. Sie können nichts dafür weil sie alle krank sind. Aber! Sorge dafür dass du gesund bleibst und dein Leben dein Leben bleibt- ofpere dich nicht auf, sonst bist du nur ein weiteres Familienmitglied das nicht mehr kann.


    Dem kann man eigentlich nichts hinzufügen.


    Pass auf Dich auf!

    Aber Du hast dann noch verhältnismäßig schnell, nachdem Du hier angekommen bist (und natürlich nach anfänglichem Zweifeln und Zögern) sehr aufgeräumt und abgeklärt Dein Schicksal in die Hand genommen.


    Ich finde, das verdient großen Respekt und Du kannst sehr stolz auf Dich sein. Deine Geschichte kann anderen, die sich in der gleichen Situation befinden, wirklich Mut machen.


    Und was ich bei Dir ganz besonders toll finde: Du nimmst die Situation an wie sie ist, obwohl es bestimmt nicht immer leicht ist. Du machst das wirklich ganz prima!

    Liebe Nina D.,


    das hier ziehe ich mal aus Frankensteins Faden in Deinen:

    Ich persönlich habe den Eindruck das durch Vernunft ..mehrmaliges diskutieren… Beispiele … einfach nichts erreicht wird. Im Gegenteil das verschärft Konflikte, schafft Konflikte.. die so weit gehen… du beschuldigst mich ein Alkoholiker zu sein… arbeite an dir und deinem Selbstbewusstsein… lasse dich mit deinen Ängsten behandeln!


    Ich kann Dir als EKA sagen, dass es sich wohl um typische Verhaltensweisen eines nassen Alkoholikers handelt - zumindest besteht häufig eine Korrelation zwischen diesem Verhalten und übermäßigem Alkoholkonsum. Ich konnte das bei meinem Vater in den Diskussionen mit meiner Mutter, die ich als Kind ebenfalls ertragen musste, miterleben. Da wurde bei oftmals berechtigter Kritik regelmäßig der Spieß umgedreht und es war plötzlich meine Mutter, die angeblich ein Problem hatte. So Sätze wie „arbeite an Dir…“ habe ich tausendmal gehört.


    Ob der Alkohol diese Verhaltensweisen auslöst oder schon Dagewesenes verstärkt, weiß man nicht genau. Die Erkenntnis hilft Dir auch nicht weiter. Die einzige Frage, die Du Dir stellen solltest, ist, ob Du wirklich auf Dauer so ein Verhalten aushalten willst und kannst. Die Sucht Deines Partners stoppen kannst Du nicht, das kann ausschließlich er selbst. Ohne Krankheitseinsicht wird sich nichts ändern.


    Bei uns war es so, dass sich meine Mutter in fast 40 Jahren überangepasst hat und alles versucht hat, es meinem Vater recht zu machen und eine Situation zu schaffen, in der er „zur Vernunft“ kommt. Letztendlich hat sie sich selbst aufgegeben. Geholfen hat das nichts. Vor einem Jahr lag er eines Morgens tot im Bett - gestorben mutmaßlich an den Folgen seines Jahrzehntelangen Alkoholmissbrauchs.

    Das ist ein völlig neues Gefühl und ich hab die Gewissheit, dass ich jetzt mein Leben anfange zu leben und zwar so, wie ich es will.

    So geht’s mir auch und tendenziell mit fortschreitender Zeit wird es immer noch besser. Sich nicht mehr für einen Elternteil verantwortlich fühlen bzw. Verantwortung übernehmen zu müssen, sondern selbstbestimmt sein Leben führen zu können, ist einfach befreiend. Ich bin gerade in einer Phase, in der ich viele Szenen meiner Kindheit/Jugend neu bewerte - auch aufgrund die vielen Erzählungen hier in der Gruppe. Hilft mir auch irgendwie sehr.

    Hallo Frankenstein,

    dass Du verzweifelt bist, wenn Du Dir die Geschichten hier durchliest, kann ich verstehen. Dies gilt jedenfalls, wenn man die Erwartung und Hoffnung hat, hier Erzählungen zu finden, in denen Angehörige einem suchtkranken Familienmitglied den Weg aus der Sucht weisen konnten. Hier findet man solche Geschichten leider nicht. Dafür findet man ganz viele Erzählungen von Aufbruch, Selbstermächtigung und Unbeschwertheit und zwar sowohl im Bereich der Alkoholiker als auch im Bereich der Cos. Es kommt also ganz auf die Perspektive an. Abhängige und Co-Abhängige haben eines gemein: Über das Ende aus der Sucht entscheiden sie ganz allein, der Entschluss muss von innen, von einem selbst kommen.

    " In guten wie in schlechten Zeiten "

    Das hab ich damals vor 20 Jahren nicht nur so dahingesagt .


    Das Ehegelübde hat meine Mutter auch immer bemüht, wenn bei uns die Sache daheim aus dem Ruder gelaufen ist. Ich habe sie als Kind dafür bewundert, heute sehe ich die Sache komplett anders. Es war ihre Art bzw. Ausrede, nicht ins Handeln zu kommen.

    Die Folge: Mein alkoholkranker Vater ist vor einem Jahr gestorben. Seitdem ist meine Mutter körperlich und seelisch am Ende, traumatisiert von langen Jahren, in denen sie alles versucht hat, meinen Vater von seiner Sucht zu retten, in denen sie verzichtet hat, sich beschimpfen und demütigen lassen musste und sich letztlich komplett aufgegeben hat.

    Das Eheversprechen ist grundsätzlich eine gute Sache. Es soll sicherstellen, dass man nicht gleich davonläuft, wenn die Zeiten mal stürmischer sind. Es verlangt einem aber nicht die Selbstaufgabe zugunsten des Partners ab - und darauf läuft es aber leider an der Seite eines nassen Alkoholikers allzu oft hinaus.

    Hi Tiger,


    man kann natürlich nicht in einen Menschen reinschauen und manchmal geschehen tatsächlich Zeichen und Wunder. Aber dass er seinen kalten (und noch dazu lebensgefährlichen) Entzug ausgerechnet jetzt beginnt, wo seine neue Freundin gerade nicht da ist, sodass er wieder bei Dir aufschlagen kann, wirkt schon leicht seltsam. Meiner Meinung nach ist das respektlos Dir gegenüber - und ich drücke mich hier bewusst zurückhaltend aus.Es ist leider ein Muster, dass man nassen Alkoholikern oft sieht. „Seht her, mir geht’s besonders schlecht!“. Das sind die Knöpfe, die er drückt, und Du als Co springst sofort an. Ich habe das bei uns daheim leider viel zu oft live und in Farbe mitbekommen. Lies Dir doch mal den Beginn einiger Fäden im Alkoholikerbereich durch. Da erkennt man, wie Menschen handeln, die es tatsächlich ernst meinen mit dem Aufhören.


    Pass auf Dich und Deine Kinder auf!

    Bei mir ist es ähnlich. Mein Vater hat sich die letzten Jahre vor seinem Tod auch für keinen von uns mehr wirklich interessiert. Nicht für mich, nicht für seine Enkel, die ihn angehimmelt haben und die so gerne mehr von ihrem Opa gehabt hätten. Am Ende wurde die Distanz zu uns allen immer größer, bis zum Schluss nichts mehr da war.


    Ich hatte mich dann auch in den letzten Jahren immer mehr distanziert, zwar zaghaft, aber doch konstant. Er war mir nicht mehr wichtig und aufgrund seiner Eskapaden und Ausfälle überwiegend lästig. Ich habe gerade auch in dieser Zeit eigentlich bei jeder Gelegenheit versucht, ihn in die Schranken zu weisen, weil ich Streitsucht und andere Respektlosigkeiten einfach nicht mehr tolerieren konnte. Manchmal war es fast so, als würde ich Rache für die Demütigungen in meiner Jugend nehmen. War vielleicht nicht klug, besser wär es gewesen, ich wäre früher auf die Idee gekommen, dem Offensichtlichen mal ins Auge zu sehen.


    So richtig gebrochen habe ich erst mit seinem Tod mit ihm. Aber das war auch das erste Mal, als ich mich getraut habe, mich über Alkoholsucht zu informieren. So bin ich letztlich hier in der Gruppe gelandet.


    Schmerz empfinde ich wegen den Ausfällen und der Ignoranz nicht mehr. Da schafft es der Kopf schon zu erkennen, das das Verhalten an der Sucht lag. Aber Wunden aus der Jugend sind da, keine Frage. Die sind für mich Mahnung und Ansporn, dass meine Kinder in einer komplett anderen Umgebung aufwachsen sollen.


    Trauer empfinde ich ehrlich gesagt wenig, eher Erleichterung, weil er schon eine Belastung war. Es tut mir manchmal leid, das ich so empfinde, aber ich kann es nicht ändern. Gehört ein bisschen zum neuen Ich, das gerade lernt, auch auf seine Bedürfnisse zu achten. Vielleicht ändert sich das auch wieder, es gab ja wahrlich nicht nur schlechte Zeiten. In meiner Kindheit war er ein echt cooler Papa.


    Aber gerade ist es so wie es ist.

    Hallo Nikkik,


    ich bin 41 und bei mir war es ähnlich. Ich habe auch erst nach dem Tod meines Vaters vor einem Jahr begonnen, mich mit dem Thema Alkoholsucht auseinanderzusetzen und auch mir wurde erst hier in Bezug auf mich selbst einiges klarer.


    Komm hier erst mal in Ruhe an.


    Viele Grüße