Beiträge von NovaSol

    Könnt ihr zusammen einkaufen gehen?

    Leider nicht. Wenn mein Partner heute heim kommt, sind die Geschäfte bereits geschlossen, morgen muss er auch arbeiten. Und da ich mich erstmal noch nicht outen will, würde es auch keinen unterschied machen, ob er dabei ist oder nicht. Er wüsste ja nicht, dass Wein und Sekt nicht mehr in den Wagen wandern sollen.
    Ich habe mich aber grad beim Rewe registriert. Da kann ich mir mein Körbchen von zuhause aus packen und kann den fertig zusammengestellten Einkauf gegen eine kleine Gebühr abholen. Lösungen finden kann ich ☺️

    Herzlichen Dank für den Artikel, den werde ich mir auf jeden Fall zeitnah ansehen. Und du hast recht. Wenn ich an Alkoholiker gedacht habe, manifestierte sich vor meinem inneren Auge das Bild des lallenden, stolpernden, ungepflegten Menschen, der in einer verwahrlosten Wohnung sitzt. Oh du schöne Schublade…so war es natürlich einfach in den Spiegel zu schauen, im Kostüm, im großen eigenen Haus, frisch von der Kosmetik und sich zu versichern, das man selbst GAR nichts mit diesem Bild zu tun hat und demnach auch keine Alkoholikerin sein kann.


    Je mehr ich mich hier eingelesen hatte und festgestellt habe, dass hier ganz viele Frauen sind …Fest in ihrem Job stehend, funktionierend ….alkoholabhängig. Alkholikerin.
    Das empfand ich als so befreiend: Ich bin nicht die einzige Frau, die sich in die Sucht gesoffen hat und ich werde das genau so schaffen wie all diese starken Frauen hier.

    Nun kullern ein paar Tränchen aber das ist ok. Vielen Dank Stern, ich glaube das habe ich grade gebraucht.

    Ich saß heute Morgen mit einer schönen Tasse Kaffee auf meiner Terrasse. Ohne Kopfweh, ohne latente Übelkeit, der 5. morgen in folge, ohne Filmriss, ohne hektisches durchsuchen meines Handys, ohne durchblättern von Notizen, zu dienstlichen Telefonaten von gestern. Einfach nur der Freitagmorgen, mein Kaffee und ich. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte mal 5 solche wunderbar friedlichen Morgenstunden erlebt habe.
    Es fühlt sich gut an. Nicht alles was an Gedanken über den Tag hochkommt aber das schon. Mein Partner kam raus zu mir in den Garten, drückte mir einen Kuss auf die Wange , drückte mir einen Teller mit zwei halben Brötchen in die Hand (eins davon mit gesichterwurst 😅) und dann ließ er mich.
    Heute Nachmittag muss ich für das Wochenende einkaufen…diesmal brauche ich mehr, als ein paar Kleinigkeiten, die ich in 10 Minuten zusammengerafft habe. Ich will stark bleiben! Ich muss!



    Du bist gerade so voller Zweifel. So lese ich das aus deinen Worten.
    Genau so voller Zweifel war ich auch.

    Es ist einfach für mich nicht nachvollziehbar. Ich bin eine erwachsene Frau in Führungsposition, habe viel erreicht, viel Mist durchgestanden und da zwingen mich 0,75 Liter in die Knie? Das ist unheimlich schwer zu begreifen und deswegen tue ich mich sehr schwer damit, es auch Menschen in meinem Leben zu vermitteln, die mir sehr viel bedeuten. Das Gespräch sieht in meinem Kopf etwa so aus:

    Ich: Du Schatz, ich bin Alkoholikerin.

    Schatz: Hä? Wie ist das denn passiert?

    Ich: puh! Du keine Ahnung.

    Und dann? Diesen Geist bekomme ich doch nie wieder in die Flasche.

    Engel, ich habe deinen Punkt verstanden. Ich werde darüber nachdenken und wenn ich es für richtig halte, werde ich das Gespräch suchen. Ich habe vor 5 tagen den Entschluss gefasst, dass es so nicht weitergehen kann, ich habe mich meiner Ärztin anvertraut, ich habe mir Hilfe gesucht. Das ist für nicht mal eine Woche eine ganze Menge, die ich da verpacken musste.
    Ich habe ja geschrieben, ich lass es in mir arbeiten. Ich schaue jetzt grade das erste mal in meinem Leben so intensiv auf mich und schaue was mein aktuelles Bedürfnis ist. Und wenn diese Partnerschaft es nicht übersteht, dass ich Zeit brauche, um für mich zu verarbeiten, was die letzten 5 Tage in meinem Leben passiert ist, dann soll es so sein. Es würde mir sehr weh tun, aber es geht hier grade um nicht weniger als mein Leben.

    Guten Morgen,

    Die Bewerbung habe ich grad eben erledigt. Ob ich es meinem Partner sage…Ich werde nach euren Ausführungen nochmal darüber nachdenken. Ich schäme mich sehr dafür wie ich die Kontrolle über das Thema Alkohol verloren habe. Ein alkoholfreies Umfeld ist bereits gegeben, da er keinen Alkohol trinkt (also gar keinen und nie). Ich lasse das mal ein paar Tage in mir arbeiten und vielleicht finde ich dann den Mut ihm zu sagen, was Sache ist. Ein Recht darauf hat er -aus meiner Sicht- nicht. Ich bin autonom. Alkoholismus ist eine Krankheit, das weiß ich aber es fühlt sich für mich so an, als wäre mir das nicht „passiert“ so wie beispielsweise Krebs, sondern als wäre ich selber schuld. Ich fühle mich im Moment noch nicht bereit, diese Diskussion zu führen und möchte das gern in meinem Tempo tun oder mir wenigsten im Vorfeld Schützenhilfe suchen, um dieses Gespräch- wenn ich es führen möchte, auf sichere Füße zu stellen. Blinder Aktionismus ist nicht meins. Aber danke für eure Sicht auf die Dinge

    Hallo Hartmut,

    absichtlich habe ich den Terminus Alkoholikerin nicht vermieden. Wo es vor 10 Jahren vielleicht „nur“ missbräuchliches trinken war, ist es seit 5 Jahren anders. Ich bin alkoholikerin! Da gibt es nichts zu beschönigen und so hat es auch meine Ärztin formuliert. Mein Ziel ist die Abstinenz. Ein bisschen schwanger geht nicht und genauso wenig funktioniert bei mir ein bisschen trinken. Die ambulante Entgiftung findet nun dergestalt statt, dass ich Montag in der Sprechstunde war und mich meiner Ärztin anvertraute. Es wurde mir direkt Blut abgenommen und ich wurde für Dienstag direkt nochmal einbestellt, da wurden die Blutwerte besprochen, ekg geschrieben, Blutdruck gemessen…also ich wurde einmal auf den Kopf gestellt. Dann hat sie mir erklärt, wie das jetzt mit der Therapie funktioniert und mich noch zum Internisten überwiesen, um einen Ultraschall durchführen zu lassen. Gestern haben wir telefoniert heute war ich wieder in der Sprechstunde, morgen telefonieren wir erneut. Ich habe noch einige Broschüren erhalten. Darin enthalten waren Infos zu selbsthilfegruppen hier vor Ort.

    Ich werde tun was nötig ist um gesund zu werden. Mir ist das ernst. Ich möchte und muss mich damit auseinandersetzen. Es wird sicher nicht immer leicht und manchmal vielleicht sogar schmerzhaft, genauer hinzusehen aber wenn das der Preis dafür ist, das ich noch ganz viele solcher Tage wie heute habe (unverkatert aufwachen, mich nicht für irgendwelchen Unsinn schämen müssen), dann zahle ich ihn gern.

    Hallo zusammen,


    wie stellt man sich vor und erzählt seine Geschichte, wenn man selbst zurückschaut und sich fragt, wie dieser schlechte Film eigentlich heißt? Ich versuche es…Ich bin 40, lebe in einer liebevollen Partnerschaft, habe einen gut bezahlten Job, ein tolles Haus und ein massives Problem. Einen missbräuchlichen Umgang mit Alkohol habe ich bestimmt schon seit 10 Jahren…richtig schlimm wurde es ca. vor 5 jahren. Das coronabedingte Homeoffice hat das ganze dann völlig eskalieren lassen. Wo ich zunächst „nur“ am Abend getrunken habe und höchstens im Urlaub auch schon mal mittags, war plötzlich nicht selten auch schon am Vormittag Wein in meiner Kaffeetasse. Eine oder zwei Flaschen Wein am Tag waren eher die Regel, als die Ausnahme. Ich habe es trotzdem irgendwie hinbekommen, meine Job gut zu machen.

    Das erfordere viel Organisation in Form von Mitschriften über Gesprächsinhalte, denn viel zu oft hatte ich Gedächtnislücken und hätte am nächsten Tag nicht mehr sagen können, welche Infos ich im smalltalk bereits hatte. Von etlichen peinlichen Auftritten auf Feierlichkeiten will ich gar nicht erst anfangen. Mein Partner weiß nicht, wie viel ich trinke. Häufig habe ich auf feiern heimlich getrunken, damit er nicht sieht, wie viel es wirklich ist. Offiziell habe ich dann zwei Gläser Wein getrunken und sie „einfach nicht vertragen“ inoffiziell habe ich meinen Stoff heimlich auf dem Klo getrunken. Mit meinem Partner immer noch „nur“ soviel, dass ich nicht völlig abgestürzt bin. Das habe ich mir für die Wochenenden aufgehoben an denen mein Partner nicht zuhause war.

    Da gab es kein Halten mehr…saufen bis zum Filmriss. Dann mit Herzrasen und klatschnass geschwitzt mitten in der Nacht aufwachen…erster Griff zum Handy und durchgescrollt, ob ich Unsinn geschrieben habe, ob Telefonate geführt wurden. Nachrichten von meinem Partner, ob alles okay wäre, weil ich so kurz angebunden war, als wir gute Nacht am Telefon gesagt haben. Oh lieber Gott…was hab ich gesagt? Was hat er mir erzählt. Panikattacken, es kaum ausgehalten, bis es endlich Tag war und wir zum Guten morgen sagen telefonieren können. Lage checken…Kleine Ausrede gefunden (Allergietablette mit einem Glas Wein getrunken und das hat mich ausgeknockt)…nochmal gut gegangen. Und noch eine Runde…auf die Uhr geschaut am Sonntag um zu schätzen, wann ich aufhören muss zu trinken, um kein totalausfall zu sein, wenn er heim kommt.

    Ich kann das nicht mehr und ich will es nicht mehr. Ich liebe meinen Partner sehr und ich will mein Leben zurück. Keine Lügen, keine Ausreden, keine Heimlichkeit mehr. Ich habe es versucht kontrolliert zu trinken…ein Glas ist zu viel und die folgenden 10 niemals genug. Ich kann es nicht! Ein Glas Wein zum Essen und gut…keine Chance! Das habe ich verstanden und möchte es angehen. Am Montag war ich bei meiner Hausärztin und habe die Hose runtergelassen. Wir sind nun in engem Kontakt. Eine stationäre Entgiftung hält sie nicht für notwendig aber eine Therapie. Darum kümmere ich mich. Aber ich wünsche mir Austausch. Den letzten Schluck habe ich am Sonntag getrunken, also ist heute mir 4. Tag ohne Alkohol. Körperlich geht es mir im Moment ganz gut. Ich schlafe schon besser und wache auch nicht mehr total verschwitzt auf. Ich genieße es, meinen Partner einfach so küssen zu können, ohne Angst zu haben, dass er meine Fahne riecht. Ich möchte das nicht mehr hergeben aber ich habe große Angst. Heute war ich einkaufen. Ich saß 20 Minuten im Auto auf dem Parkplatz und habe auf mich eingeredet: Brot, Wurst, Käse, Waschmittel…Brot, Wurst, Käse, Waschmittel. Schnell rein…Brot, Wurst, Käse, Waschmittel und sofort!!! Zur Kasse! Keine Diskussion! Ich bin so schnell es ging durch den Laden gescheppert, zur Kasse, mit Hechtsprung ins Auto und heim. Ich war stolz. Mein Partner weiß nichts von meinem Problem…zumindest bilde ich mir das ein. Ich möchte, dass das auch so bleibt.

    Danke fürs lesen