Guten Morgen,
heute ist wieder ein schlechter Tag.
Grundsätzlich bin ich ein sehr starker Mensch und meine Sorgen sieht man mir nicht an. Ich kann mich gut verstellen und wenn man IHN nicht „erlebt“ hat, dann würde man mir nichts ansehen. Daheim komm ich mit der Situation meistens klar. Ich lasse ihn links liegen und gehe ihm aus dem Weg. In der Arbeit funktioniert das leider nicht. Wir sind Teilhaber einer Firma und arbeiten dort. Er ist auch mein Vorgesetzter. Vorgestern hat mich ein Geschäftspartner auf seinen Zustand angesprochen. Das er ihn nur in der Früh anruft, weil er mittags schon betrunken ist und das ihn auch schon Kunden angesprochen haben, dass er am Telefon lallt und er alles vergisst. Das ist mir nicht nur unglaublich peinlich, sondern widerstrebt meinen Idealen vollkommen. Ich versuche immer alles perfekt und allen gerecht zu machen. Tag für Tag übernehme ich seine Aufgaben im Büro um die Angestellten zu schützen. Dadurch arbeite ich grundsätzlich für 2 Jobs und seit 2 Wochen mach ich 3, da ich eine Urlaubsvertretung übernehmen muss, wofür er eigentlich zuständig ist. Er kommt jedoch erst nachmittags ins Büro, ab 11:00 Uhr lallt er schön am Telefon, und dann ist er nach 1-2 Stunden wieder verschwunden ohne etwas großartig getan zu haben und kommt aber nicht vor 20:00 Uhr nach Hause.
Gestern Früh ging es mir sehr schlecht. Nachdem er gefahren und die Kinder in der Schule waren, bin ich unter der Dusche zusammengebrochen. Ich habe lange geweint und mir eine schützende Person gewünscht, die mir all die Last von meinen Schultern nimmt. Heute geht es mir nicht viel besser. Es steht ein wichtiger Termin heute an und er wird es versauen oder mich damit hängen lassen und nicht auftauchen. Ich bekomme tagtäglich alles ab.
Seit Wochen stehe ich jeden Morgen auf und verbringe erst einmal die meiste Zeit auf der Toilette. Magenkrämpfe, Übelkeit, Duchfall. Ich nenne es „meine morgendliche Panikattacke“. Zusätzlich kann ich die meiste Zeit nicht essen und schlafen. Ich funktioniere nur und versuche alle belastenden Gefühle auszuschalten.
Ich habe hier sehr viel davon gelesen, dass man etwas Gutes für sich tun soll, doch wie kann ich das in meiner Situation? Ich versuche aktuell irgendwie jeden Tag durchzustehen und mir für die Kinder nichts anmerken zulassen. Ich kann doch nicht meinen Job hinschmeißen und meinen Mann aus der Wohnung und das in meinem emotionalen Zustand. Davon abgesehen würde er dann sehr wahrscheinlich seinen Job verlieren und und irgendwo einsam weitertrinken. Ich bin seit über 20 Jahren seine beste Freundin und seine Familie. Es gibt niemanden mehr in seinem Leben. Hab ich da nicht die Pflicht ihn bei seiner Krankheit zu helfen und beizustehen? Darf man einen besten Freund so fallenlassen?
Ich dreh mich in einer Spirale und finde nicht raus. Was soll ich tun?