So, heute melde ich mich kurz zurück, die letzten Tage nach meiner Heimkehr waren erwartungsgemäß schwierig, wir haben sachlich, ruhig und vor allem nüchtern viel geredet, was logischerweise für beide Seiten kräftezehrend war.
Ich bin für mich eingestanden und habe nochmal verdeutlicht, dass es jetzt höchste Eisenbahn ist, sonst ist der Zug abgefahren. Ich habe auch gesagt, ich will ihn nicht zusätzlich unter Druck setzen, aber mehrere Rückfalle werde ich nicht mittragen können und wollen. Ich sehe ja, wie viele Runden manche hier im Karussell mitgefahren sind und bin mir sicher, das nicht zu wollen. Wenn er wieder trinkt, bin ich nicht mehr da, erst emotional, dann so schnell wie möglich räumlich. Je nachdem wie sich die Situation weiter entwickelt, habe ich hier ja nun zum Glück die nötige Unterstützung, dann auch zu meinem Wort zu stehen.
Also, nein, momentan werde ich mich nicht trennen, er hat selbständig den Beratungstermin vereinbart, der bald sein wird und dann werde ich ja sehen, wie ernst es ihm ist, sein komplettes Leben umzustellen und ob er die nötigen weiteren Schritte macht mit Arztbesuch und SHG usw. Ich bin noch bereit, ihm Zeit einzuräumen, denn sein gesamtes Denken umzupolen geht nicht von heute auf morgen, das ist mir bewusst, er muss es sich erarbeiten und dabei abstinent bleiben.
Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, welche Vorteile eine sofortige vor allem räumliche Trennung hat, diese überwiegen offensichtlich in dieser unglücklichen Situation. Das würde allerdings so schnell aus gewissen Gründen gar nicht gehen, hier mal eben dauerhaft zur Tür rauszuspazieren, also werde ich erstmal an Bord bleiben, bisher hat er 4 Tage nichts getrunken, kann ganz klar auch wieder nur eine Pause sein, aber damit ist es Zuhause für mich gerade ganz gut. Damit bin ich für den Moment fein. Eine Ferienwohnung wäre allerdings eine Option, falls alle Stricke reißen, ich habe mir Notfallpläne gemacht, bin also nicht naiv und untätig.
Ich habe die letzten Tage viel bei den trockenen Alkoholikern mitgelesen und es gibt sie ja, die die es mit der nötigen externen Unterstützung und dem richtigen Rüstzeug, welches er sich alleine aneignen muss, schaffen. Ob er dazu gehört oder nicht, wird sich zeigen. Ich mache mir da momentan keine Illusionen, dass es nun bei ihm ganz sicher so sein wird und er nüchtern bleibt, aber EINE Chance hat er verdient. Er geht es jetzt zum ersten Mal ernsthaft und nicht mit kontrolliertem Trinken an und sucht sich professionelle Hilfe. Ich bin bereit, zu ihm zu stehen, aber dabei natürlich auch auf mich zu achten.
Meine Konsequenz, ins Hotel zu gehen, hat mir viel Stärke und Selbstvertrauen gegeben, es war nämlich sehr schwer, ihn in dieser Trinkepisode loszulassen und die Sorge auszuhalten, dass ihm betrunken etwas zustoßen könnte. Das habe ich nun zum ersten Mal geschafft, mich aus der Verantwortung zu nehmen, denn die muss er für sich selber tragen. Und ich denke, es hat ihm verdeutlicht, dass ich es ernst meine, wenn ich Konsequenzen ankündige.
Wenn es nun schiefgeht und er es nicht schafft, dann weiß ich, wie schwer es wird, ihn sich selbst zu überlassen, denn dann droht der Totalabsturz, wenn noch Liebeskummer dazu kommt, da bin ich mir sicher. Das dann für mich emotional stemmen zu können, stelle ich mir extrem hart vor, aber ich versuche mich vorsorglich schon einmal damit auseinanderzusetzen. Und ich weiß nun, ich habe hier im Notfall ein Netz, das mich auffängt, mir Mut zusprechen und das mir Sicherheit und Klarheit geben wird.
Ich glaube, es war jetzt sehr wichtig für mich, das hier schwarz auf weiß zu notieren, falls der Ernstfall eintritt. Als Mahnung an mich selber.
Hat sich wieder gut angefühlt hier zu schreiben, schön, dass es euch gibt.