Beiträge von stef2303

    Nur ein kleiner Gedankengang meinerseits:

    Vielleicht spielt es beim Eingeständnis, ein/-e Alkoholiker/-in zu sein mitunter auch eine Rolle, welcher Typ von Trinker/-in man ist und wie sich das Trinkverhalten auf das eigene Leben auswirkt... Ob es noch läuft oder aus den Fugen gerät (oder schon ist)..?

    Will heißen - und ich werfe das jetzt mal so in den Raum:

    Ein Spiegeltrinker wird sich aus meiner Sicht wahrscheinlich (auch hier im Forum) eher eingestehen, Alkoholiker zu sein als z.B. ein Problem- oder Gesellschafstrinker. Im ersten Fall ist es wohl schon relativ klar, im zweiten womöglich noch nicht so ganz.

    Mir - rein subjektiv wahrgenommen - kommt es hier im Forum so vor, dass sich gerade diejenigen, die zwar realisiert haben, ein (teils auch massives) Alkoholproblem zu haben, dabei ihren Konsum aber eher auf mehr oder weniger regelmäßige Ereignisse (Abstürze), Umstände u.dgl. abstellen und bei denen das Leben noch so einigermaßen funktioniert, subjektiv schwerer tun, sich als Alkoholiker zu bezeichnen, als diejenigen, bei denen es - ich formuliere es jetzt mal provokant, bitte mir das jetzt ein wenig nachzusehen - nicht nur für sie selbst sondern auch für deren Umfeld schon recht "offensichtlich" ist, dass nichts mehr funktioniert und das Leben in eine (gesundheitliche, gesellschaftliche, arbeitsmäßige, partnerschaftliche, finanzielle und und und) Schieflage geraten ist, z.B. eben wenn man schon in der Früh sein Getränk braucht, um überhaupt noch funktionieren und den Tag überstehen zu können.

    Wie in meinem Faden anfangs irgendwo mal geschrieben, wollte ich mir über viele Jahre nicht eingestehen, Alkoholiker zu sein, obwohl ich es bereits damals längst schon war, und zwar einfach deshalb, weil ich es im Hinblick auf meine Lebensweise für mich partout nicht wahrhaben wollte. Hätte man mich z.B. vor 10 Jahren gefragt, ob ich Alkoholiker sei, hätte ich dies sicherlich vehement verneint, eben weil in meinem subjektiven Empfinden mein Leben ja so funktionierte, wie ich es mir vorstellte. Bzw. es noch so ging. Ein Alkoholproblem, ja, aber gleich Alkoholiker? Also ich weiß nicht...Trotzdem war ich Alkoholiker und als ich mich hier im Forum angemeldet habe, war mir das dann auch klar. Irgendwann kommt man ja dann doch drauf.

    Mir ist klar, dass meine paar Zeilen hier keinen echten Mehrwert für die Diskussion haben, aber ich denke, ich kann bei manchen doch eher verstehen, warum die Sache mit der Bezeichnung als "Alkoholiker" (also das Eingeständnis, einer zu sein) so schwer für sie ist. Hier geht es nämlich nicht einmal so sehr (glaube ich) um das Eingeständnis gegenüber einem anonymen Kreis von Forumsteilnehmern, sondern um das Eingeständnis sich selbst gegenüber...

    Was natürlich nichts an den Forumsregeln hier ändert.

    Ich bin da noch sehr zurückhaltend und will niemanden nerven.

    Liebe Leonie!

    Mit dieser Einstellung bist du mal sicher nicht allein. Ich kenne das von mir. Bin auch jemand, der - außer natürlich im Job und dort, wo es sonst erforderlich ist - selten den Kontakt zu anderen sucht. Auch mit der von dir angesprochenen Begründung, dass ich andere nicht "nerven" [ich würde eher sagen: mich nicht aufdrängen] oder belasten will. Oft versetze ich mich dann in die Person anderer und denke mir: Würde ich jetzt [z.B. am Sonntag Nachmittag] "gestört" werden wollen? Telefonieren wollen, ausgehen wollen? Nein? Dachte ich mir, deshalb rufe ich auch gar nicht erst an [Wobei ich natürlich nur annehme, dass dem so ist.]. Oder frage um Hilfe. Da plage ich mich lieber selber ab oder lass' das eine Firma machen, was man eigentlich auch ganz leicht so mit etwas Unterstützung zusammenbekommen könnte.

    Ja, ich bin da in der Hinsicht ein Einzelgänger.

    Mehrere in meinem Umfeld haben mir das auch schon sehr klar und deutlich gesagt, dass ich immer alles mit mir selbst ausmache und auch wenn ich andere gerne unterstütze, was ich auch mache, so nehme ich selbst wiederum keine (oder nur sehr sehr selten) Hilfe an oder frage danach.

    Glaube mir, das aber ist ein Fehler! Denn damit tut man sich nichts Gutes. Im Gegenteil: Man isoliert sich ein Stück mehr, was wieder die Gefahr mit sich bringt, sich die Unterhaltung "anderswo" zu suchen. Klar, was ich meine, oder? Damit wären wir ja auch wieder beim Thema dieses Forums. Eben diese Gefahr kann aber reduziert werden, wenn - auch in kleinen Schritten - dem Sozialen mehr Platz (und Bedeutung) im Leben eingeräumt wird.

    Damit ist aber auch der von anderen oft kommende Rat "Geh' unter Leute!" [Wie oft hörte ich diesen Satz schon!] aus meiner Sicht weder böse gemeint noch eine bloße Floskel und auch nicht so ganz von der Hand zu weisen.

    Und, wo ich mir ziemlich sicher bin: Bezeichnen wir es nicht als "nerven", aber ich denke mir, manche würden durchwegs auch gerne [von dir] kontaktiert werden, vielleicht weil sie selber in einer ähnlichen Situation sind. Dabei braucht es halt nur jemanden, der anfängt. Beispiel - das habe ich für mich gelernt: Wenn zwei vereinbaren, einmal etwas gemeinsam zu unternehmen (egal was) und man schließt diese Idee mit "Dann telefonieren wir uns zusammen.", ist die Wahrscheinlichkeit riesig, dass keiner von beiden den anderen anruft und man das Vorhaben umsetzt. Das hatte ich zur Genüge. Daher: Selber aktiv werden. Einfach trauen. Nicht warten. Mehr als ein "Nein, ich kann / will nicht", kann es auch nicht geben.

    Natürlich, niemand sagt, dass es leicht ist, über seinen Schatten zu springen und eine neue Verhaltensweise zu probieren. Aber andererseits: Beim Alkohol haben wir das doch auch gemacht, aufgehört zu trinken, das Zuhause alkoholfrei gemacht, schädliche Bekanntschaften gecancelt, die Lebensweise umgestellt und und und.

    Also besteht doch auch in anderen Bereichen Hoffnung, oder? ;) [Setze ungern Smileys, aber dieser hier ist wirklich ehrlich und gut gemeint und ich finde ihn auch passend.]

    Einfach so ein paar Gedanken von mir...

    LG, Stef.

    Habe ich mir da etwas vorzuwerfen? Ja, das habe ich. Aufgrund meines intellektuellen Zuschnitts war mir immer klar, dass exzessiver Konsum in der Abhängigkeit enden kann, wie es z.B. bei meinem Vater war, der keine 60 geworden ist, weil er sich schlichtweg zu Tode gesoffen hat.

    Ja, aber denkt man wirklich vor dem oder beim Konsum an die Möglichkeit der Abhängigkeit? Also ich tat es nicht. Ja freilich, man weiß, dass Alkohol abhängig machen kann... Mir war das auch klar (und ich hatte auch einen schlimmen alkoholbedingten Todesfall in meiner Familie). Einzelne Umstände (auch Einschnitte) in meinem Leben haben jedoch letztendlich dazu geführt, dass ich nicht mehr trinken wollte - und auch aufgehört habe.

    Vorwerfen kann ich mir heute, dass ich mich damals in manchen Situationen [vorsichtig ausgedrückt:] unangemessen verhalten habe, weil ich getrunken habe und vieles passiert ist, das nicht hätte passieren müssen. Dieser Vorwurf ergeht aber jetzt an mich mit Blick zurück. Damals - also ich meine mitten drin in der nassen Zeit - stellte sich mir diese Frage unmittelbar nicht. Bei mir zumindest einmal nicht.

    ... ich sehe ihm seine Verlegenheit an aber komme immer noch nicht drauf wie man jemanden einfach so aussortiert ohne mit der Wimper zu zucken, vor allem jetzt wo ich trocken bin kann man mit mir wohl nichts mehr anfangen.

    Das geht einfacher als man denkt bzw. einem lieb ist.

    So wie ich, als ich mich für die Abstinenz entschieden hatte, den Kontakt zu manchen "Freunden" und "Bekannten" (bekannt freilich meist vom gesellig-nassen Zusammensein her) mehr oder weniger mir-nichts-dir-nichts abgebrochen habe, so wurde auch ich von manchen Zeitgenossen (auch Zeitgenossinnen - das wundert mich noch eher) von jetzt auf gleich aus deren Leben gestrichen. Freunde, die ich seit dem Kindergarten kenne, melden sich nicht mehr, in Whats-App-Gruppen, wo es früher einen regen Austausch gegeben hat, herrscht jetzt Funkstille, selbst banale Gespräche (z.B. auf dem Markt oder bei einer Veranstaltung) werden von manchen nur sehr widerwillig geführt.

    Bei Feierlichkeiten / Ausflügen im Betrieb möchte man mich eigentlich gar nicht wirklich mehr dabei haben, denn es ist ja schon doof, wenn der Chef nix trinkt und die anderen schon - da muss man sich dann schließlich zusammenreißen, nicht, dass einem im Suff das eine oder andere unüberlegt über die Lippen kommt oder die eine oder andere Peinlichkeit passiert. Und so etwas ist natürlich nicht im Sinne der "Partytruppe". Deshalb fahre ich bei diesen Team-Building-Aktionen auch gar nicht mehr mit. Ich gebe denen, die mitfahren wollen, frei und die sollen dann machen was sie wollen - ohne mich. Da geht es denen wie auch mir vermutlich besser. Den Mitarbeiter/-innen, weil sie nicht aufpassen müssen und mir, weil ich mich nicht ärgern muss (wenn mir zum x-ten Mal versucht wird, ein Bier aufzuschwatzen, obwohl ich schon 3x gesagt habe, dass ich nix trinke).

    Jedenfalls habe mich daran gewöhnt, dass ein Großteil meines alten Freundes- und Bekanntenkreises nichts oder vielleicht besser nur mehr das Notwendigste mit mir zu tun haben will, weil ich mich verändert habe - und mit dieser meiner Abstinenz kommen manche überhaupt nicht klar (was mich bei manchen allerdings schon trifft, weil ich mir das nicht gedacht hätte)...

    Was soll's!? Das Leben geht auch so weiter...

    Guten Morgen!

    Habe mir jetzt einmal gestern auf der großen, bekannten Videoplattform ein paar Videos von Schmiddy unter "Schluck X" angesehen.

    Kennt ihr Schmiddy? Ich finde seine Beiträge zum Thema Alkoholabhängigkeit (meist 15 bis 25 Minuten) zwar teils etwas wirr bzw. oft vom Thema abschweifend, aber auf mich wirkt er sehr authentisch und ist mir irgendwie sympathisch.

    Bei ihm sieht und merkt man, dass er in seinem Leben wirklich viel mitgemacht haben dürfte und dass der Alkohol seine Spuren hinterlassen hat. Da kann man noch so lange trocken sein - manche Schäden bleiben. Aber ich denke schon, der weiß, wovon er redet. Und er bringt das ungeschönt rüber.

    Vor allem wirkt er nicht so seelsorgerhaft [teils "vorbeter- bzw. oberlehrerhaft"] wie der durchwegs populäre "F-Geist".

    Ich war jedenfalls positiv überrascht von Schmiddy.

    LG, Stef.

    Hier, in der Anonymität des Forums, fällt es natürlich wesentlich leichter, sich als Alkoholiker zu bezeichnen.

    "Draußen" ist dies nicht ganz so einfach. Vor allem im beruflichen Bereich kann ein Outing existenzbedrohend sein, weil - auch wenn die Realität eine ganz andere ist - in der Gesellschaft in manchen Sparten Alkohol bzw. die Alkoholabhängigkeit im Grunde ausgeblendet (ignoriert) wird. "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf", so geht doch der Spruch. Dass dies eine zum Himmel schreiende Scheinheiligkeit ist, versteht sich von selbst. Aber es ist tatsächlich so: Jemand, der zu viel trinkt, hat in meiner Branche im beruflichen bzw. geschäftlichen Umfeld nach außen hin einen schweren Stand. Dass intern ungeachtet dessen viele ein ganz massives Alkoholproblem haben, ist ein offenes Geheimnis, aber sagen (zugeben) darf man das bloß nicht. Dann ist man ja nicht mehr Teil der heilen oder überkorrekten Welt (oder wie immer man das bezeichnen mag)...

    Und auch trockene Alkoholiker haben es hier nicht unbedingt leichter, weil die Vergangenheit einem ja anhaftet. Da ist ja immer mit einem Rückfall zu rechnen, nö, so jemand passt nicht "zu uns" (und wieder: wobei hier selber so manch Scheinheiliger weit mehr als gesund ist trinkt).

    Hartmut Ich habe das aus dem Grund dazu geschrieben, damit ich nicht den Eindruck erwecke unaufmerksam zu werden oder alles auf die berühmte leichte Schulter zu nehmen.

    Selbstverständlich hast Du damit Recht, über die Abstinenz nicht täglich neu entscheiden zu müssen. Wieder was gelernt von Dir. So bewusst habe ich über meine neue tägliche Realität/Ablauf noch gar nicht nachgedacht.

    Ich denke mir, dass dann, wenn ich täglich über meine Abstinenz neu entscheiden müsste, der Rückfall so sicher wie das Amen im Gebet kommen würde. Wenn man von dieser Denkweise nicht wegkommt, wird man vermutlich nicht dauerhaft abstinent bleiben können. Auch wenn es nur ein Mal von vielen Malen sein sollte: Die Wahrscheinlichkeit bedingt durch äußere oder innere Umstände / Faktoren sich an einem Tag vielleicht einmal gegen die Abstinenz und für das Glas zu entscheiden, ist doch da.

    Wie mein Vater stets sagte: "Wer viel denkt, geht viel irr." Daher scheint es mir zwar sinnvoll, sich seiner Alkoholkrankheit bewusst zu sein (und diese nicht zu vergessen), aber die ständige Überlegung, ob ich es will (schaffe?), heute abstinent zu bleiben, birgt für einfach ein zu großes Gefahrenpotenzial in sich, dem Suchtteufelchen die Eingangstür zu öffnen...

    Schau mal, Morck!

    Argumentierbar ist doch fast alles.

    Ein früherer Chef von mir vertrat vehement den Standpunkt, dass bei einem Bewerbungsgespräch Lücken im Lebenslauf (also Zeiten ohne Beschäftigung) nicht so relevant sind, wenn man sie plausibel erklären kann.

    Konkret sagte er (wirklich fast im Wortlaut - das habe ich mir nämlich über die Jahre gemerkt): Mir ist es lieber, ein Student hat sich nach dem Abschluss ein paar Monate Auszeit gegönnt um nochmals das Leben so richtig zu genießen und sagt das auch. Den stelle ich viel lieber ein als einen, der nach dem Studium irgendwelche Auslandsemester macht, die wir hier bei uns nicht brauchen, nur um sich seinen Lebenslauf aufzufetten. [Anmerkung: Dann kam da noch ein Satz, den lasse ich hier mal lieber weg.]

    Gab es auch.

    Bei einem Sabbatical interessiert es mich halt brennend, wie man die Zeit genutzt hat, also was man gemacht hat und welchen (Mehr-)Wert das für die Zukunft hat. Für mich als Personaler ist hier natürlich die berufliche Zukunft eher von Relevanz. Wobei es auch schon vorgekommen ist, dass ein Sabbatical zum Zwecke der persönlichen Weiterentwicklung gemacht wurde...

    Bisher hat mein Lebenslauf eigentlich keine Lücken. Außer eine lange Phase der Selbstständigkeit und das ich ca. alle 2-4 Jahre einen Jobwechsel habe. Immer selbst initiiert und jeder Jobwechsel war eine Verbesserung.

    Hallo Morck!

    Der letzte Jobwechsel wohl eher nicht, oder?

    Ich selbst habe ebenfalls einige Jahre in einem Job gearbeitet, der mich aufgrund des Arbeitspensums und Arbeitsklimas psychisch (und später auch körperlich) fertig gemacht hat (habe ich in meiner Vorstellung anfangs mal erzählt). Damals (20 Jahre ist das her) war wie bei dir der Griff zur Flasche (zumindest abends / nachts zum Abschalten) fixer Bestandteil meines (Arbeits-)Lebens. Jedenfalls war für mich irgendwann mal klar, dass ich diesen Job niemals bis zur Rente machen kann; Position, "Ansehen" (ist das wirklich so wichtig?), Gehalt, Aufstiegschancen hin oder her.

    Ich selbst habe damals, als es nicht mehr tragbar war und ich meine psychische und körperliche Gesundheit über kurz oder lang den Bach runter gehen sah, die Notbremse gezogen und gekündigt.

    Im Großen und Ganzen war es für mich die richtige Entscheidung; die Entwicklungen später - naja... (stünde auch ein wenig in meiner Vorstellung)...

    Wichtig beim Jobwechsel - hier kann ich nur für mich sprechen (Firma mit xxx Festangestellten und einigen "Freien" und "Werklöhnern") - war stets argumentieren zu können, dass man selbst die Initiative ergreifen hat wollen und deshalb auch gekündigt hat. Der Grund ist hier nicht mal so wichtig. Schwieriger ist es zu erklären, warum man gekündigt wurde oder warum in der Probezeit das Dienstverhältnis gelöst wurde. Da beginnt beim Personaler ein wenig das Gedankenkarussell sich zu drehen.

    So weit, so kurz.

    Stef.

    Lieber Oskar, liebe Rennschnecke!

    Danke für eure Worte.

    Im Grunde ist diesen nichts hinzuzufügen (sie treffen ins Schwarze!), bloß jenes:

    -) Ich komme deswegen ins Grübeln, weil ich mir denke: Jetzt hast Du demjenigen, der ohnehin schon auf der Kippe stand, mit der Entlassung sein Leben endgültig ruiniert. Wo soll er noch Arbeit finden? Seine Frau ist weg, nun auch noch die Arbeit. Er wird sich nun komplett "abschießen" und daran bist Du schuld. [Wirklich krass, dieses Co-Denken!]

    -) Die Sache mit dem Mitgefühl... Kann man das in solchen Fällen wirklich haben? Ja, ich bedauere den armen Kerl. Aber andererseits hat er sich doch auch selbst in diese Situation gebracht. Und es ist ja auch nicht so, dass seine Krankheit nicht thematisiert worden wäre. Bloß: Wer nimmt einen über Alkoholmissbrauch debattierenden (schimpfenden?) Chef, der selber nur allzu oft einen über den Durst getrunken hat, wirklich ernst? Ich meine, in Mitarbeitergesprächen? Eigentlich konnte ich (ich habe mir das nicht leicht gemacht, sondern den letzten Schritt verschoben, verschoben, verschoben) nur so entscheiden: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! [Co-Denken, die 2.]

    -) Ich habe nie geraucht. Aber es hält sich doch auch hartnäckig das Gerücht, dass diejenigen Nichtraucher, die mit dem Rauchen aufgehört haben, zumeist zu den "extremeren" Zeitgenossen ihrer Zunft gehören. Oft viel schlimmer als die, die nie geraucht haben. In ihren Ansichten, ihrem Verhalten, ihrer Konsequenz. Ist das vielleicht bei den trockenen Alkoholikern auch so? Dass man sich als trockener Alkoholiker erst recht beweisen will und eine härtere Gangart gegenüber denjenigen einschlägt, die den Absprung leider nicht geschafft haben? Ich fürchte es fast ein wenig...

    Naja, ich lasse es lieber für heute. Zuviel nachdenken war noch nie gesund.

    LG, Stef.

    Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.

    Es gab einige Vorfälle, vor allem solche, bei denen durch ein alkoholbedingt flegelhaftes und unqualifiziertes Verhalten in der Öffentlichkeit die Reputation des Betriebs gelitten hat. Am Anfang fiel das nicht so auf und wenn ja, dann wurde das eher mit Stress, schlechter Laune, privaten Problemen zu Hause etc. begründet.

    Natürlich macht es auch noch einen Unterschied, in welchem Bereich der Mitarbeiter gearbeitet hat. Je näher an der Öffentlichkeit bzw. dem Kunden, desto problematischer. Hier war das echt problematisch.

    Eine Anweisung an einen Mitarbeiter, einen Alkoholtest zu machen, ist nicht so einfach bzw. kann dies ohne Angaben von Gründen verweigert werden, außer die Nüchternheit wäre ein absolutes Arbeitskriterium (z.B. Busfahrer). Wenn ein vermeintlich durch Alkohol Beeinträchtigter seinen Konsum nicht zugibt, kann ich ihn erstmal nur nach Hause schicken (Dienstfreistellung, Suspendierung). Weil er seine geschuldete Arbeitsleistung nicht erbringt. Und dann? Meldet sich krank (Gründe muss man nicht angeben), bleibt er ein paar Tage zu Hause und kommt dann wieder... Wenn es gut läuft, passiert nichts, wenn nicht, dann droht vermutlich bald das nächste Ungemach.

    Wenn es hart auf hart kommt, kann ich ihn zum Betriebsarzt oder zum Amtsarzt schicken. Wenn hier der Mitarbeiter aber nicht kooperiert (z.B. zwar hingeht, aber nichts sagt), habe ich wieder ein Problem...

    Fakt ist, der betroffene Mitarbeiter wurde immer wieder auf seinen - aus unserer Sicht problematischen - Umgang mit Alkohol und sein Verhalten in der Öffentlichkeit angesprochen, bloß geholfen hat es: Nix.

    Daher musste dann wohl über kurz oder lang Schluss sein, wobei ich dennoch alles andere als zufrieden mit der Entwicklung bin - eben, weil auch ich eine nicht ganz kleine Vorgeschichte habe...

    Hallo, liebe Leute!

    Ein echtes Update kann ich nicht liefern, aber so manch ein Gedanke oder Ereignis, wie das folgende, bringt mich dann doch zum (hier) Schreiben:

    Es ist jetzt noch gar nicht mal so lange her, da musste ich als Personalverantwortlicher in meiner Firma einen langjährigen Mitarbeiter (ich kannte ihn sicher schon 10 oder 12 Jahre und wir verstanden uns recht gut) entlassen. Hin und wieder schaute er zu tief ins Glas und leistete sich dann auf der Arbeit (und teils auch ziemlich heftig auf Firmenfeiern) den einen oder anderen Fauxpas. Nichts wirklich Schlimmes im Einzelnen, aber irgendwie sah ich kein Licht mehr am Ende des Tunnels. Insgesamt nicht mehr akzeptabel.

    Dann kam das Gespräch, wobei ich der Ansicht bin, er wusste schon im Vorfeld, worum es gehen würde. Ich möchte dazu anmerken, dass ich derartige Gespräche nicht ausstehen kann - diese sind mir extrem unangenehm, weil ich doch lieber den Sonnenschein (die Harmonie) als das Regenwetter (Unstimmigkeiten) im Betrieb habe...

    Verlaufen ist das Gespräch wie man es doch immer wieder erlebt: Zuerst tut man überrascht und es wird geleugnet (nein, ich habe nichts getrunken, wie kommt ihr bloß auf sowas?), dann der Versuch, die Sache anderen in die Schuhe zu schieben bzw. als eine Art Komplott darzustellen (die Kollegen wollen mir ja nur was anhängen) bis hin zum Schlechtmachen von anderen (der ist auch nicht besser, den sollte ihr euch mal anschauen) und dann doch das Eingeständnis des Problems mit der Sauferei und das Versprechen der Besserung (ja, ich weiß, dass ich ein Problem habe, aber ich reiß mich zusammen, das kommt nicht mehr vor, ich gehe in Therapie und und und). Zuletzt kommen dann oft auch noch die traurigeren Dinge des Lebens, aber lassen wir das mal weg.

    So gut (oder eher so schlecht): Die Entscheidung stand jedenfalls fest.

    Was mich nachdenklich macht: Ich kann es nicht zu 100% sagen, aber ich denke, damals, als ich noch getrunken habe, hätte ich vermutlich eher Verständnis für den Mitarbeiter gehabt (bzw. ihn nicht entlassen). Da saßen wir ja quasi im selben Boot, machten ähnliches mit, tranken immer wieder mal ein Bier zusammen. Jetzt ist es anders. Und auch wenn objektiv betrachtet die Entscheidung richtig war, kommen doch die Gedanken, wie groß die Unterschiede im eigenen Verhalten und in der eigenen Wahrnehmung sind, je nachdem, ob man trocken ist oder eben nicht.

    Und was mich irgendwie am meisten beschäftigt ("verfolgt"?), ist dabei der Gedanke, dass mein Mitarbeiter zwar nichts sagte, aber sich vielleicht doch gedacht hat so etwas wie: "Denk' mal zurück wie Du warst, als Du noch getrunken hast. Wie Du Dich benommen hast. Mich aber wirfst Du raus."

    Hmm, schön ist diese Vorstellung nicht, aber ich nehme an, so ist das Leben und die Trockenheit bringt einen auf Gedanken, die man sonst vermutlich nicht hätte...

    LG, Stef.

    Liebe Leute,

    Danke für die Rückmeldungen. Sicherheitshalber möchte ich hier bitte nur etwas sagen bzw. die Sache etwas entschärfen:

    Über viele Jahre lang war ich Sportler (Triathlon) und auch entsprechend muskulär "aufgebaut". Durch die Trinkerei nahm ich mal zu, dann - wenn ich wieder zu trainieren angefangen habe und nix mehr trank - wieder ab. Mein Maximalgewicht hatte ich während der Corona-Zeit (da sage ich lieber nicht, wie viel).

    Die 35 kg, von denen ich jetzt spreche haben 105 kg als Ausgangsbasis. Dieser Wert ging gerade noch, war aber dennoch unangenehm. Also bin ich jetzt mit den 35 kg weniger bei einem BMI angelangt, der im absoluten Ideal-Bereich liegt. Gott sein Dank. Den Marathon schaffe ich wieder in unter 4 Stunden. Parallel dazu habe ich meine Ernährung so umgestellt, dass ich kaum noch Gewicht verliere. Bestenfalls marginal.

    Die Gewichtsreduktion sehe ich derzeit, da ich diese praktisch zum Stillstand gebracht habe, daher nicht als Problem.

    LG, Stef.

    Hallo Kazik!

    Das mit dem Gewicht ist nicht so schwer.

    Ich bringe mal ein Rechenbeispiel (ich sage jetzt nicht wie viel es bei mir vor dem Aufhören war - wirklich sagen könnte ich das sowieso nicht, aber im Nachhinein betrachtet war es mehr als viel zu viel):

    100 ml Weißwein haben ca. 84 kcal, bedeutet 1 Flasche (0,75 l) sind 630 kcal und 2 Flaschen 1.260 kcal.

    100 ml Bier haben ca. 42 kcal, bedeutet 1 kl. Flasche (0,33 l) sind 140 kcal / Flasche und 4 Flaschen machen dann ca. 560 kcal.

    Macht pro Tag 1.820 kcal x 7 Monate ergibt ca. 382.000 kcal.

    1 kg Körperfett entspricht in etwa 7.700 kcal.

    Bedeutet also: knapp 50 kg.

    Nicht zunehmen würde man ja nur dann, wenn man auf das Essen verzichtet. Also auch wenn man im Verhältnis wenig isst, wird man durch die Trinkerei über kurz oder lang zunehmen. Und zwar ordentlich.

    Bei mir war es etwas weniger, aber... man sieht... Daher ist auch im Hinblick auf eine Gewichtsreduktion das Weglassen des Alkohols nicht nur sinnvoll sondern auch effektiv (es sei denn, man gleich den weggelassenen Alkohol durch Süßes, Salziges und Schmalziges wieder aus)...

    LG, Stef.

    Hallo, liebe Leute!

    Nachdem bei es bei mir hier dauerregnet (nein es schüttet, man könnte fast schon die Arche Noah startklar machen) und damit jegliche Outdoor-Aktivität ausfällt... ja, da denke ich mir, ich könnte wieder ein bisschen was in meinen Faden schreiben.

    Immer wieder liest man in den Fäden von denjenigen (anfangs meist übermotiviert und Fest-)Entschlossenen, die sich für die dauerhafte Trockenheit entschieden haben, dass hier vor allem anfangs der Faktor Zeit oft zum Problem wird. Klar - ich nehme jetzt mal mich her und ich bin sicher kein Einzelfall - in der nassen Phase war eigentlich auch genug Zeit da. Aber nahm man (ich) die als solche wahr? Wohl eher nicht, das verhinderte der Alkohol. Mitunter trank ich auch, weil ich mit meiner Zeit nicht wirklich etwas anfangen konnte. Wenn es nichts zu tun gab (und ich mich auch nicht wirklich mit wem oder was anderen beschäftigen wollte), dann ging es im Grunde aus Gewohnheit ins Arbeitszimmer oder in die Garage... Durch den Alkohol kam ich dann so auch durch den Tag (oder Abend, je nachdem). Das war irgendwie bequemer. Kurzfristig. Im Moment. Über die Zeit natürlich eine Katastrophe!

    Dann war es vorbei mit der Trinkerei und die eigentlich immer schon vorhandene Zeit wollte jetzt auch ordentlich (sinnvoll?) genutzt werden. Und das ist schwieriger gesagt als getan: Wenn jemand dieses Thema anschneidet, dann kann ich den (oder die) voll und ganz verstehen.

    Mit gingen da viele Gedanken und Ideen durch den Kopf und parallel dazu war dann ja auch gerade anfangs noch der kleine Suchtteufel mit seinen Versuchen da, doch wieder in die alten Muster zu verfallen. Was z.B. auch hieß: Ich könnte jetzt dieses, jenes und auch das machen, aber eigentlich mag ich ich nix davon so wirklich angehen bzw. kann ich mich nicht entscheiden: Warum also nicht der Weg zur Tankstelle, sich den damals üblichen "Zeitvertreib" besorgen? Das wäre doch so viel einfacher.

    Tat ich nicht, aber natürlich ist es nicht einfach, Gefahr zu laufen, dass das Gehirnkarussell seine Runden zu drehen beginnt. Deshalb braucht es Ersatzaktivitäten, weil gerade in der Anfangsphase der Abstinenz Grübeleien und Nichtstun schlimme Freunde sind, die einen schneller zum Glas / zur Flasche bringen als man glaubt.

    Warnen kann ich aber im Zusammenhang mit der Ersatzbeschäftigung nur vor einer "Überkompensation". Statt der Trinkerei X mache ich jetzt z.B. den Sport Y, aber nicht bloß "normal", sondern um nicht auf dumme Gedanken zu kommen, im übertriebenen Ausmaß. Z.B. Ich machte bereits meine Trainingseinheit indoor. Dann kommt das Suchtgedächtnis und ich gehe daher eine Stunden raus zum Radfahren, laufen oder egal. Und das Ganze vielleicht nochmal, wenn ein paar Stunden später dieselbe Situation eintritt.

    Um was für eine Ersatzbeschäftigung es sich dabei handelt, ist glaube ich nicht wesentlich: Handarbeiten, putzen, lesen, kochen (essen) - das ist zumindest noch billig. Shoppen, spielen - da wird es dann schon teurer. Und und und. Eine Bekannte von mir z.B. hat die Angewohnheit, wenn ihr alles zu viel wird, shoppen zu gehen (und das tut sie oft).

    Mich jedenfalls hat es insoweit bei der körperlichen Betätigung ein wenig "erwischt". Sprich: Ohne zwei, drei Stunden Sport am Tag (egal ob indoor oder outdoor) fehlt etwas bzw. ist der Tag nicht "komplett". Ist schon interessant, oder? Im Grunde wird eines (die Trinkerei) auf anderes verlagert (was auch immer).

    Hier hat meine Therapeutin schon vor einiger Zeit gesagt, ich solle aufpassen, dass ich nicht von der einen Abhängigkeit in eine andere gerate. Ja, und hiervon wegzukommen ist auch alles andere als einfach. Denn wenn die Ersatzbeschäftigung zum nächsten "Extrem" wird, dann wird sich das Problem mit dem "was tun mit der vielen Zeit" fortsetzen (wenn es wieder ums Aufhören geht). Im Grunde bleibt man im System gefangen.

    Deshalb, so ein kleiner Denkanstoß von mir: Wenn man trocken werden und bleiben will, sollte man auch bei den "Zeitfüllern" (Ersatzaktivitäten zur Trinkerei) aufpassen und diese so wählen, dass es mehrere davon gibt und diese nicht zu anstrengend sind und einen zu großen Teil des Lebens einnehmen. Denn wenn man sich zu sehr auf eine Sache konzentriert und diese übertreibt und dadurch seine Alkoholabhängigkeit überkompensiert, dann fällt man vermutlich über kurz oder lang in alte Muster zurück. Im schlimmsten Fall kommt dann vielleicht sogar wieder der Griff zur Flasche.

    Um dies zu verhindern, bin ich jetzt selbst dabei, mich wieder ein wenig zu bremsen. Denn ich habe die letzten Monate über gemerkt, dass eine Ersatzbeschäftigung zur Trinkerei, die im Grunde ja ihre Vorteile hätte (und vielleicht auch grundsätzlich gesund ist: -35 Kilo in 7 Monaten und eine Kondition wie ein 30-Jähriger - aber für wie lange?), im Falle des Übertreibens und mangels echter Abwechslung durchaus gefährlich werden kann. Gefährlich in dem Sinne, dass dann, wenn ich diese Aktivität nicht ausüben kann, das Suchtteufelchen von früher mit seinem Dreispitz wieder an die Tür klopfen könnte. Weil es ja so einfach wäre...

    Ja, das wären wieder einmal so ein paar Gedanken gewesen, die mir durch den Kopf gegangen sind... Hoffe, ich bin nicht ganz so allein mit diesen Gedanken...

    LG und noch ein schönes Wochenende, Euer Stef.

    Hallo auch von mir, Frankenstein!

    Ich weiß nicht, ob dir das jetzt etwas hilft, aber bei mir war es so bzw. möchte ich folgenden Aspekt einbringen:

    Die letzten Jahre war das Zusammenleben zwischen meiner Frau als Co und mir als Alkoholkrankem kaum noch zu ertragen. Aber für uns beide. Dass sich mit der Zeit durch regelmäßigen Alkoholkonsum die Psyche und das Verhalten des Alkoholabhängigen ändern kann, ist bekannt. Bei mir war es so. Und diese schleichende Wesensveränderung machte das Miteinander schwer. Ständige Sticheleien, Provokationen, Diskussionen. Aus Mücken wurden Elefanten gemacht, Aussagen wurden auf die Goldwaage gelegt, nichts passte mehr; die Dünnhäutigkeit nahm zu. Vor allem auch dann, wenn es in der Firma Probleme gab. Diese Probleme wurden nach Hause mitgenommen. Genau das, was man gerade nicht tun sollte.

    Für meine Frau als Co war es schwer damit umzugehen, nicht zu wissen, ob abends nach der Arbeit vielleicht wieder einmal eine anstrengende Debatte über Sinnloses anstand, ob ich mich bei Veranstaltungen oder Feierlichkeiten wieder mal peinlich bis unmöglich benehme, wann und wie ich nach Hause komme (vor allem auch mit welcher Laune). Welchen anderen Schwachsinn ich wieder gemacht habe... und vieles mehr...

    Für mich stellte sich die Situation wiederum anders dar. Ich wollte nicht ständig gemaßregelt, kontrolliert und wie ein kleines Kind behandelt werden. Wenn ich ahnte, dass hier wieder mal etwas kommen sollte (wie so oft), war der Griff zur Flasche für mich damals ein willkommener Grund zu trinken. Vor dem Gang nach Hause versteht sich. Eine Art Gewohnheit. Womit die Situation nicht gerade entschärft wurde.

    Im Endeffekt "plagten" wir beide uns unzufrieden durch unser Leben - nur jeder auf seine Art und Weise. Viele Jahre lang und es wurde nicht besser, sondern von Jahr zu Jahr wurde das Miteinander schwieriger.

    Und dann trennte sich meine Frau von mir. Nach so vielen Jahren. Nicht im Streit, sondern weil es einfach nicht mehr so weitergehen konnte. Für uns beide. Mehr oder weniger von einen Tag auf den anderen. Dass die Trennung ein geradezu logischer Schritt war, der kommen musste, war eigentlich beiden klar. Fragte sich nur wann und wer den ersten Schritt machte.

    War die Trennung schlimm? Ehrlich gesagt: Nein. Meine Frau kam zur Ruhe und ich hörte mit dem Trinken auf. Ich hörte dabei - und das möchte ich betonen - für mich auf (und nicht für sie!), und zwar weil mir klar wurde, dass es so nicht weitergehen konnte. Der Entschluss kam von mir. War die Trennung für mich der berühmte "Tiefpunkt", der ein Umdenken des Alkoholikers einläutet? Ich denke nicht - nein, Tiefpunkt würde ich nicht sagen. Vielleicht aber gerade der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte - allerdings mein Fass.

    Heute verstehen meine Ex-Frau und ich uns wesentlich besser als vor der Trennung. Ihr geht es ganz gut mit ihrem neuen Leben; ihre Hauptsorge (die war wohl leider ich) ist eigentlich weg. Ich wiederum baue mir ein neues Leben auf, was auch so einigermaßen läuft. Ein bisschen ein "Miteinander" gibt es zwischen und nach wie vor (wir trennten uns ja auch nicht im Streit), aber natürlich mit entsprechender Distanz. Das hilft beiden und uns beiden geht es glaube ich jetzt wesentlich besser als zuvor. Vor allem mental.

    Mit dem Ganzen hier möchte ich eigentlich nur sagen, dass eine Trennung für den Alkoholiker nicht zwangsläufig den "Weltuntergang" bedeuten muss. Möglicherweise bedeutet gerade eine Trennung für beide (Co und Alkoholiker) die Möglichkeit, sich ein neues, gesünderes, zufriedeneres Leben einrichten bzw. aufbauen zu können, was sonst vielleicht nicht so einfach gehen würde..?

    Auch dies ist ein Aspekt, der in so manch einer Trennungsdiskussion aus meiner Sicht oftmals ein wenig "vernachlässigt" wird. Von einer Trennung können nämlich durchaus beide Teile, der Co wie auch der Alkoholiker, profitieren.

    LG, Stef.

    Schnell auf dem Smartphone gedrückt, daher kurz (auch weil es schon spät ist):

    Ja, langsam aber sicher - das macht wohl das Alter - realisiere ich, dass Arbeit nicht alles ist. Früher gab es nur die Firma und die stand über allem. Ging es dort drunter und drüber, dann hielt die Trinkerei Einzug. Und dann ging es bergab. Körperlich, mental, sozial - beruflich und privat. Dann wurde die Notbremse gezogen, es folgte ein bisschen eine Stabilisierung und schließlich (mit dem Ereignis "x") ging es wieder von vorne los - meistens heftiger als zuvor. Ein Auf und Ab mit einer kontinuierlichen Tendenz nach unten... Eine gefährliche Entwicklung.

    Leider realisiert man das (wie es wirklich ist) immer erst nachher, wenn es mal so richtig gekracht hat (bei mir war das dann letztes Jahr - da hätte für den kompletten Absturz nimmer viel gefehlt).

    Aktuell fahre ich nun tatsächlich meine Arbeit zurück und nehme mir mehr Zeit für Privates. Das sind größere und kleinere Dinge, die ich jetzt angehe. Fernab des Jobs. Auch wenn es Kleinigkeiten sind. Noch vor einem Jahr wäre es z.B. undenkbar gewesen, mal einen Roman zu lesen. Das hielt ich für reine Zeitverschwendung oder war abends einfach zu müde dafür. Auch so Dinge wie ehrenamtliches Engagement fanden keinen Platz in meinem Leben bzw. wurden auf später verschoben. Später im Sinne von dann, wenn ich in Rente bin. Größere bzw. zeitintensivere "Projekte" plane ich zumindest mal im Gedanken (ein Sabbatical mit einem mehrmonatigem Ausstieg würde mich schon reizen), aber hier grätscht mir doch noch immer wieder die Arbeit rein. Ich glaube, da bleibt es eher beim Gedanken daran...

    Nichtsdestotrotz bin ich guter Dinge, dass ich mich doch noch ändern kann. Bei mir dauert nur leider alles etwas länger - auch die Einsicht, dass mir die Trinkerei außer Problemen rein gar nix gebracht hat. Das habe ich erst nach Jahren gesehen, als so manches schon den Bach runtergegangen war und auch die letzten Anker kurz vorm Losreißen waren... bzw. die berühmten Einschläge schon so nahe an mich herangekommen waren, dass ich den Luftzug spüren konnte...

    Hallo, liebe Leute!

    Jetzt haben wir also bald Mitte Mai. Ich finde es erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Die Arbeitswochen vergehen wie im Flug; die Wochenenden noch schneller.

    Die Tage ohne Alkohol sind so anders als die mit. Das realisiere ich mit der Zeit immer mehr. Auch wenn ich früher auch gezielte - monatelange - Trinkpausen eingelegt habe, war damals doch immer klar, dass es irgendwann wieder losgeht. Wenn irgendein Ereignis kommt; eine Krise (privat oder beruflich), eine Firmenfeier, eine Belohnung für irgendwas etc. Diesmal ist es anders. Nach 25 Jahren mit einem jährlichen Murmeltier, das grüßt, bin ich glaube ich mental endlich tatsächlich so weit, dass ich nicht mehr ein Kalenderjahr in eine Zeit mit Alkohol und eine Zeit ohne einteile und mir so mein Leben ruiniere und auch andere deswegen leiden bzw. mit meinem (in nassen Zeiten) sehr egozentrischen, launischen und unberechenbaren Ich umgehen müssen. Diesmal sollte es klappen. Im letzten halben Jahr habe ich mehr geändert als die letzten 25 Jahre zusammen. Das lasse ich mir durch einen Rückfall nicht mehr zunichte machen.

    Heute schreibe ich einfach einmal deshalb, da mir in den vergangenen Tagen zwei, drei Dinge eingefallen sind, die mir noch immer ein wenig in meinem Kopf herumspuken bzw. nachhallen. Und weil schreiben bei der Verarbeitung hilft, mache ich es mal hier, denke ich (vielleicht hat ja jemand auch ähnliche Erfahrungen gemacht oder Gedanken gehabt)...

    - Vor knapp 20 Jahren ist mein Cousin (Schweralkoholiker, mind. zwei Kästen Bier pro Tag) an Leberzirrhose gestorben. Mit knapp über 30! Die letzten Tage im Krankenhaus, als wir ihn besucht haben, waren schlimm. Abgemagert bis auf die Knochen, aber der Bauch aufgebläht, steinhart und sehr warm (fast schon heiß). Nicht mehr aufnahmefähig, im Delirium. Wie wir später hörten war auch sein Todeskampf (in der Nacht) heftig. Nichts für schwache Nerven, sagte man. Selbst als ich sah, was der Alkohol anrichten kann: Hörte ich etwa auf? Nein. 20 Jahre machte ich weiter - sehenden Auges dem Abgrund entgegen (zwar nicht mit diesen Mengen, aber dennoch viel zu viel). Irgendwie fällt mir erst jetzt so richtig auf, was ich eigentlich für ein Glück hatte, mir über die vielen Jahre gesundheitlich nichts Gröberes eingefangen zu haben. Ich glaube, würde ich weitertrinken (bzw. weitergetrunken haben), würde mein Ende ebenso elendig sein.

    - Heute ist Muttertag. Mutter habe ich schon lange keine mehr. Was mir heute bewusst geworden ist, als ich an ihrem Grab gestanden bin, ist, dass ich an vielen Muttertagen so betrunken war, dass ich tatsächlich vergessen habe, meiner Mutter zu gratulieren oder - nicht weniger schlimm - so angeschlagen war, dass ich nicht zu ihr fahren konnte. Gesagt hat sie nie etwas oder mir Vorwürfe gemacht, aber verletzt hat es sie schon sehr. Jetzt, im Nachhinein - wo es zu spät ist - könnte ich mich in Grund und Boden schämen für mein Verhalten. Meine Mutter war übrigens eine der ganz wenigen, die von meiner Trinkerei wusste und mich immer wieder liebevoll darauf hinwies, wie mein Cousin starb und sie mich nicht so verlieren wolle. Damals habe ich das alles nicht wirklich wahrgenommen bzw. ignoriert oder mit dummen Sprüchen und Verharmlosungen abgetan. Heute sehe ich vieles anders.

    - Mir ein neues Leben aufzubauen ist schwieriger als gedacht. Weil ich diesmal nicht nur wie sonst üblich geistig auf den "Reset"-Knopf meines Ichs drücke und im Endeffekt wieder von irgendeinem Stand losstarte, sondern diesmal ein neues Betriebssystem in mir aufsetze. Da aber vom alten Leben praktisch (bis auf die Arbeit und ein paar wenige Freunde und Bekannte) nichts mehr übrig geblieben ist, muss ich mich im Grunde täglich neuen Situationen und Herausforderungen stellen, die es früher einfach nicht gab (oder weggesoffen wurden). Zum Glück ist hier die Arbeit als Konstante geblieben; die hilft und schafft Kontinuität.

    - Früher habe ich oft zur Belohnung getrunken oder wenn es schwierig wurde. Sich von diesen Gewohnheiten zu trennen (ja, bei mir war die Trinkerei tatsächlich eine reine Gewohnheit und im Grunde automatisiert, bei gewissen "Anlässen" die Weinflasche aufzumachen und 1/4tel sofort runterzukippen - der Rest folgte), ist gelegentlich schwieriger als gedacht. Aber es ist machbar. Gerade in schwierigen Situationen zeigt es sich aber klar, dass es wesentlich klüger ist, an diese nüchtern heranzugehen. Auch schlimm, dass ich so lange gebraucht habe, um das zu realisieren. Aber besser spät als nie.

    - Auch wenn gelegentlich Psychotherapeuten hinsichtlich der Arbeit mit Alkoholkranken kritisiert werden (las ich hier schon im Forum), möchte ich festhalten, dass aus meiner Sicht gerade bei der Begleitung von trockenen Alkoholikern eine psychotherapeutische Begleitung sehr wichtig ist. Bei mir war es so, dass die Entscheidung dauerhaft abstinent zu sein, recht schnell gefällt wurde. Doch was die Umsetzung betrifft (v.a. was tun mit der vielen Zeit und den Baustellen im Leben), so ist dabei eine professionelle Unterstützung (für mich ist das wirklich eine "Begleitung") Goldes wert. Gänzlich alleine ist eine komplette Neuausrichtung des Lebens aus meiner Sicht nur sehr schwer schaffbar und dauerhaft aufrechtzuerhalten. Danke an dieser Stelle an meine Therapeutin: Bei mir, liebe xy, hast Du das letzte halbe Jahr echt tolle Arbeit geleistet! Aber der Weg ist noch weit.

    So, ich denke, ich lass' es mal für heute. Ein wenig werde ich noch in die Sonne gehen und über meine Zukunft nachdenken...

    Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!

    LG, Euer Stef.

    PS: Ja, das Niederschreiben von Gedanken hilft wirklich.

    AnnaBlume :

    Liebe kann man eigentlich nicht wirklich definieren oder? Das ist eben dieses Gefühl der Zuneigung, des Mögens, der Verbundenheit... Ein Paket an Gefühlen.

    Natürlich: Liebe kommt und Liebe geht. Manchmal bleibt sie ein Leben lang.

    Es gibt Ereignisse (oder Einschnitte) im Leben, die beenden eine Liebe sofort, das ist klar. Dann ist es ohnehin aus. Aber Liebe kann sich auch mit der Zeit erst einmal abschwächen und irgendwann vergehen. Ein schleichender Prozess. Das kann viele Gründe haben und das Trinkverhalten des Partners verbunden mit dem ganzen "Rundherum" ist da sicherlich einer davon.

    Gerade am Anfang der Phase, wo die Liebe schwächer wird, mag man aber vielleicht doch noch nicht so daran glauben oder es nicht wahrhaben wollen, dass es zu Ende geht. Man hofft, denkt an die schönen Momente und wünscht sich, dass diese wiederkehren. Eben: Dass die Liebe bleibt (oder auch wieder kommt). Dieses Gefühl der Zuneigung, des Mögens, der Verbundenheit.

    Ob dies realistisch ist oder bloß eine Hoffnung, ein Wunschdenken oder was auch immer, ist eine andere Sache...

    In dieser Hinsicht, meine ich, kann dieses Gefühl "Liebe" gerade anfangs, wenn es in der Beziehung schwierig wird und sich das Gedankenkarussell dreht, dazu führen, dass man dennoch (wie steht es oben:) [vorerst noch] "...an der Beziehung festhält". Wobei das meistens aber bloß eine Zeitfrage ist und man früher oder später doch der Wahrheit ins Gesicht sehen sollte (muss): Dass das Aufrechterhalten der Beziehung womöglich einfach keinen Sinn mehr macht, da man sich dadurch selbst schädigt.

    Zu einer gewissen Zeit denke ich, kann die Liebe daher tatsächlich noch dazu führen, dass man sich als Co auf das Spiel einlässt bzw. in stiller (unbewusster?) Hoffnung am Partner / an der der Partnerin festhält.