Beiträge von stef2303

    Hartmut Ich habe das aus dem Grund dazu geschrieben, damit ich nicht den Eindruck erwecke unaufmerksam zu werden oder alles auf die berühmte leichte Schulter zu nehmen.

    Selbstverständlich hast Du damit Recht, über die Abstinenz nicht täglich neu entscheiden zu müssen. Wieder was gelernt von Dir. So bewusst habe ich über meine neue tägliche Realität/Ablauf noch gar nicht nachgedacht.

    Ich denke mir, dass dann, wenn ich täglich über meine Abstinenz neu entscheiden müsste, der Rückfall so sicher wie das Amen im Gebet kommen würde. Wenn man von dieser Denkweise nicht wegkommt, wird man vermutlich nicht dauerhaft abstinent bleiben können. Auch wenn es nur ein Mal von vielen Malen sein sollte: Die Wahrscheinlichkeit bedingt durch äußere oder innere Umstände / Faktoren sich an einem Tag vielleicht einmal gegen die Abstinenz und für das Glas zu entscheiden, ist doch da.

    Wie mein Vater stets sagte: "Wer viel denkt, geht viel irr." Daher scheint es mir zwar sinnvoll, sich seiner Alkoholkrankheit bewusst zu sein (und diese nicht zu vergessen), aber die ständige Überlegung, ob ich es will (schaffe?), heute abstinent zu bleiben, birgt für einfach ein zu großes Gefahrenpotenzial in sich, dem Suchtteufelchen die Eingangstür zu öffnen...

    Schau mal, Morck!

    Argumentierbar ist doch fast alles.

    Ein früherer Chef von mir vertrat vehement den Standpunkt, dass bei einem Bewerbungsgespräch Lücken im Lebenslauf (also Zeiten ohne Beschäftigung) nicht so relevant sind, wenn man sie plausibel erklären kann.

    Konkret sagte er (wirklich fast im Wortlaut - das habe ich mir nämlich über die Jahre gemerkt): Mir ist es lieber, ein Student hat sich nach dem Abschluss ein paar Monate Auszeit gegönnt um nochmals das Leben so richtig zu genießen und sagt das auch. Den stelle ich viel lieber ein als einen, der nach dem Studium irgendwelche Auslandsemester macht, die wir hier bei uns nicht brauchen, nur um sich seinen Lebenslauf aufzufetten. [Anmerkung: Dann kam da noch ein Satz, den lasse ich hier mal lieber weg.]

    Gab es auch.

    Bei einem Sabbatical interessiert es mich halt brennend, wie man die Zeit genutzt hat, also was man gemacht hat und welchen (Mehr-)Wert das für die Zukunft hat. Für mich als Personaler ist hier natürlich die berufliche Zukunft eher von Relevanz. Wobei es auch schon vorgekommen ist, dass ein Sabbatical zum Zwecke der persönlichen Weiterentwicklung gemacht wurde...

    Bisher hat mein Lebenslauf eigentlich keine Lücken. Außer eine lange Phase der Selbstständigkeit und das ich ca. alle 2-4 Jahre einen Jobwechsel habe. Immer selbst initiiert und jeder Jobwechsel war eine Verbesserung.

    Hallo Morck!

    Der letzte Jobwechsel wohl eher nicht, oder?

    Ich selbst habe ebenfalls einige Jahre in einem Job gearbeitet, der mich aufgrund des Arbeitspensums und Arbeitsklimas psychisch (und später auch körperlich) fertig gemacht hat (habe ich in meiner Vorstellung anfangs mal erzählt). Damals (20 Jahre ist das her) war wie bei dir der Griff zur Flasche (zumindest abends / nachts zum Abschalten) fixer Bestandteil meines (Arbeits-)Lebens. Jedenfalls war für mich irgendwann mal klar, dass ich diesen Job niemals bis zur Rente machen kann; Position, "Ansehen" (ist das wirklich so wichtig?), Gehalt, Aufstiegschancen hin oder her.

    Ich selbst habe damals, als es nicht mehr tragbar war und ich meine psychische und körperliche Gesundheit über kurz oder lang den Bach runter gehen sah, die Notbremse gezogen und gekündigt.

    Im Großen und Ganzen war es für mich die richtige Entscheidung; die Entwicklungen später - naja... (stünde auch ein wenig in meiner Vorstellung)...

    Wichtig beim Jobwechsel - hier kann ich nur für mich sprechen (Firma mit xxx Festangestellten und einigen "Freien" und "Werklöhnern") - war stets argumentieren zu können, dass man selbst die Initiative ergreifen hat wollen und deshalb auch gekündigt hat. Der Grund ist hier nicht mal so wichtig. Schwieriger ist es zu erklären, warum man gekündigt wurde oder warum in der Probezeit das Dienstverhältnis gelöst wurde. Da beginnt beim Personaler ein wenig das Gedankenkarussell sich zu drehen.

    So weit, so kurz.

    Stef.

    Lieber Oskar, liebe Rennschnecke!

    Danke für eure Worte.

    Im Grunde ist diesen nichts hinzuzufügen (sie treffen ins Schwarze!), bloß jenes:

    -) Ich komme deswegen ins Grübeln, weil ich mir denke: Jetzt hast Du demjenigen, der ohnehin schon auf der Kippe stand, mit der Entlassung sein Leben endgültig ruiniert. Wo soll er noch Arbeit finden? Seine Frau ist weg, nun auch noch die Arbeit. Er wird sich nun komplett "abschießen" und daran bist Du schuld. [Wirklich krass, dieses Co-Denken!]

    -) Die Sache mit dem Mitgefühl... Kann man das in solchen Fällen wirklich haben? Ja, ich bedauere den armen Kerl. Aber andererseits hat er sich doch auch selbst in diese Situation gebracht. Und es ist ja auch nicht so, dass seine Krankheit nicht thematisiert worden wäre. Bloß: Wer nimmt einen über Alkoholmissbrauch debattierenden (schimpfenden?) Chef, der selber nur allzu oft einen über den Durst getrunken hat, wirklich ernst? Ich meine, in Mitarbeitergesprächen? Eigentlich konnte ich (ich habe mir das nicht leicht gemacht, sondern den letzten Schritt verschoben, verschoben, verschoben) nur so entscheiden: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! [Co-Denken, die 2.]

    -) Ich habe nie geraucht. Aber es hält sich doch auch hartnäckig das Gerücht, dass diejenigen Nichtraucher, die mit dem Rauchen aufgehört haben, zumeist zu den "extremeren" Zeitgenossen ihrer Zunft gehören. Oft viel schlimmer als die, die nie geraucht haben. In ihren Ansichten, ihrem Verhalten, ihrer Konsequenz. Ist das vielleicht bei den trockenen Alkoholikern auch so? Dass man sich als trockener Alkoholiker erst recht beweisen will und eine härtere Gangart gegenüber denjenigen einschlägt, die den Absprung leider nicht geschafft haben? Ich fürchte es fast ein wenig...

    Naja, ich lasse es lieber für heute. Zuviel nachdenken war noch nie gesund.

    LG, Stef.

    Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.

    Es gab einige Vorfälle, vor allem solche, bei denen durch ein alkoholbedingt flegelhaftes und unqualifiziertes Verhalten in der Öffentlichkeit die Reputation des Betriebs gelitten hat. Am Anfang fiel das nicht so auf und wenn ja, dann wurde das eher mit Stress, schlechter Laune, privaten Problemen zu Hause etc. begründet.

    Natürlich macht es auch noch einen Unterschied, in welchem Bereich der Mitarbeiter gearbeitet hat. Je näher an der Öffentlichkeit bzw. dem Kunden, desto problematischer. Hier war das echt problematisch.

    Eine Anweisung an einen Mitarbeiter, einen Alkoholtest zu machen, ist nicht so einfach bzw. kann dies ohne Angaben von Gründen verweigert werden, außer die Nüchternheit wäre ein absolutes Arbeitskriterium (z.B. Busfahrer). Wenn ein vermeintlich durch Alkohol Beeinträchtigter seinen Konsum nicht zugibt, kann ich ihn erstmal nur nach Hause schicken (Dienstfreistellung, Suspendierung). Weil er seine geschuldete Arbeitsleistung nicht erbringt. Und dann? Meldet sich krank (Gründe muss man nicht angeben), bleibt er ein paar Tage zu Hause und kommt dann wieder... Wenn es gut läuft, passiert nichts, wenn nicht, dann droht vermutlich bald das nächste Ungemach.

    Wenn es hart auf hart kommt, kann ich ihn zum Betriebsarzt oder zum Amtsarzt schicken. Wenn hier der Mitarbeiter aber nicht kooperiert (z.B. zwar hingeht, aber nichts sagt), habe ich wieder ein Problem...

    Fakt ist, der betroffene Mitarbeiter wurde immer wieder auf seinen - aus unserer Sicht problematischen - Umgang mit Alkohol und sein Verhalten in der Öffentlichkeit angesprochen, bloß geholfen hat es: Nix.

    Daher musste dann wohl über kurz oder lang Schluss sein, wobei ich dennoch alles andere als zufrieden mit der Entwicklung bin - eben, weil auch ich eine nicht ganz kleine Vorgeschichte habe...

    Hallo, liebe Leute!

    Ein echtes Update kann ich nicht liefern, aber so manch ein Gedanke oder Ereignis, wie das folgende, bringt mich dann doch zum (hier) Schreiben:

    Es ist jetzt noch gar nicht mal so lange her, da musste ich als Personalverantwortlicher in meiner Firma einen langjährigen Mitarbeiter (ich kannte ihn sicher schon 10 oder 12 Jahre und wir verstanden uns recht gut) entlassen. Hin und wieder schaute er zu tief ins Glas und leistete sich dann auf der Arbeit (und teils auch ziemlich heftig auf Firmenfeiern) den einen oder anderen Fauxpas. Nichts wirklich Schlimmes im Einzelnen, aber irgendwie sah ich kein Licht mehr am Ende des Tunnels. Insgesamt nicht mehr akzeptabel.

    Dann kam das Gespräch, wobei ich der Ansicht bin, er wusste schon im Vorfeld, worum es gehen würde. Ich möchte dazu anmerken, dass ich derartige Gespräche nicht ausstehen kann - diese sind mir extrem unangenehm, weil ich doch lieber den Sonnenschein (die Harmonie) als das Regenwetter (Unstimmigkeiten) im Betrieb habe...

    Verlaufen ist das Gespräch wie man es doch immer wieder erlebt: Zuerst tut man überrascht und es wird geleugnet (nein, ich habe nichts getrunken, wie kommt ihr bloß auf sowas?), dann der Versuch, die Sache anderen in die Schuhe zu schieben bzw. als eine Art Komplott darzustellen (die Kollegen wollen mir ja nur was anhängen) bis hin zum Schlechtmachen von anderen (der ist auch nicht besser, den sollte ihr euch mal anschauen) und dann doch das Eingeständnis des Problems mit der Sauferei und das Versprechen der Besserung (ja, ich weiß, dass ich ein Problem habe, aber ich reiß mich zusammen, das kommt nicht mehr vor, ich gehe in Therapie und und und). Zuletzt kommen dann oft auch noch die traurigeren Dinge des Lebens, aber lassen wir das mal weg.

    So gut (oder eher so schlecht): Die Entscheidung stand jedenfalls fest.

    Was mich nachdenklich macht: Ich kann es nicht zu 100% sagen, aber ich denke, damals, als ich noch getrunken habe, hätte ich vermutlich eher Verständnis für den Mitarbeiter gehabt (bzw. ihn nicht entlassen). Da saßen wir ja quasi im selben Boot, machten ähnliches mit, tranken immer wieder mal ein Bier zusammen. Jetzt ist es anders. Und auch wenn objektiv betrachtet die Entscheidung richtig war, kommen doch die Gedanken, wie groß die Unterschiede im eigenen Verhalten und in der eigenen Wahrnehmung sind, je nachdem, ob man trocken ist oder eben nicht.

    Und was mich irgendwie am meisten beschäftigt ("verfolgt"?), ist dabei der Gedanke, dass mein Mitarbeiter zwar nichts sagte, aber sich vielleicht doch gedacht hat so etwas wie: "Denk' mal zurück wie Du warst, als Du noch getrunken hast. Wie Du Dich benommen hast. Mich aber wirfst Du raus."

    Hmm, schön ist diese Vorstellung nicht, aber ich nehme an, so ist das Leben und die Trockenheit bringt einen auf Gedanken, die man sonst vermutlich nicht hätte...

    LG, Stef.

    Liebe Leute,

    Danke für die Rückmeldungen. Sicherheitshalber möchte ich hier bitte nur etwas sagen bzw. die Sache etwas entschärfen:

    Über viele Jahre lang war ich Sportler (Triathlon) und auch entsprechend muskulär "aufgebaut". Durch die Trinkerei nahm ich mal zu, dann - wenn ich wieder zu trainieren angefangen habe und nix mehr trank - wieder ab. Mein Maximalgewicht hatte ich während der Corona-Zeit (da sage ich lieber nicht, wie viel).

    Die 35 kg, von denen ich jetzt spreche haben 105 kg als Ausgangsbasis. Dieser Wert ging gerade noch, war aber dennoch unangenehm. Also bin ich jetzt mit den 35 kg weniger bei einem BMI angelangt, der im absoluten Ideal-Bereich liegt. Gott sein Dank. Den Marathon schaffe ich wieder in unter 4 Stunden. Parallel dazu habe ich meine Ernährung so umgestellt, dass ich kaum noch Gewicht verliere. Bestenfalls marginal.

    Die Gewichtsreduktion sehe ich derzeit, da ich diese praktisch zum Stillstand gebracht habe, daher nicht als Problem.

    LG, Stef.

    Hallo Kazik!

    Das mit dem Gewicht ist nicht so schwer.

    Ich bringe mal ein Rechenbeispiel (ich sage jetzt nicht wie viel es bei mir vor dem Aufhören war - wirklich sagen könnte ich das sowieso nicht, aber im Nachhinein betrachtet war es mehr als viel zu viel):

    100 ml Weißwein haben ca. 84 kcal, bedeutet 1 Flasche (0,75 l) sind 630 kcal und 2 Flaschen 1.260 kcal.

    100 ml Bier haben ca. 42 kcal, bedeutet 1 kl. Flasche (0,33 l) sind 140 kcal / Flasche und 4 Flaschen machen dann ca. 560 kcal.

    Macht pro Tag 1.820 kcal x 7 Monate ergibt ca. 382.000 kcal.

    1 kg Körperfett entspricht in etwa 7.700 kcal.

    Bedeutet also: knapp 50 kg.

    Nicht zunehmen würde man ja nur dann, wenn man auf das Essen verzichtet. Also auch wenn man im Verhältnis wenig isst, wird man durch die Trinkerei über kurz oder lang zunehmen. Und zwar ordentlich.

    Bei mir war es etwas weniger, aber... man sieht... Daher ist auch im Hinblick auf eine Gewichtsreduktion das Weglassen des Alkohols nicht nur sinnvoll sondern auch effektiv (es sei denn, man gleich den weggelassenen Alkohol durch Süßes, Salziges und Schmalziges wieder aus)...

    LG, Stef.

    Hallo, liebe Leute!

    Nachdem bei es bei mir hier dauerregnet (nein es schüttet, man könnte fast schon die Arche Noah startklar machen) und damit jegliche Outdoor-Aktivität ausfällt... ja, da denke ich mir, ich könnte wieder ein bisschen was in meinen Faden schreiben.

    Immer wieder liest man in den Fäden von denjenigen (anfangs meist übermotiviert und Fest-)Entschlossenen, die sich für die dauerhafte Trockenheit entschieden haben, dass hier vor allem anfangs der Faktor Zeit oft zum Problem wird. Klar - ich nehme jetzt mal mich her und ich bin sicher kein Einzelfall - in der nassen Phase war eigentlich auch genug Zeit da. Aber nahm man (ich) die als solche wahr? Wohl eher nicht, das verhinderte der Alkohol. Mitunter trank ich auch, weil ich mit meiner Zeit nicht wirklich etwas anfangen konnte. Wenn es nichts zu tun gab (und ich mich auch nicht wirklich mit wem oder was anderen beschäftigen wollte), dann ging es im Grunde aus Gewohnheit ins Arbeitszimmer oder in die Garage... Durch den Alkohol kam ich dann so auch durch den Tag (oder Abend, je nachdem). Das war irgendwie bequemer. Kurzfristig. Im Moment. Über die Zeit natürlich eine Katastrophe!

    Dann war es vorbei mit der Trinkerei und die eigentlich immer schon vorhandene Zeit wollte jetzt auch ordentlich (sinnvoll?) genutzt werden. Und das ist schwieriger gesagt als getan: Wenn jemand dieses Thema anschneidet, dann kann ich den (oder die) voll und ganz verstehen.

    Mit gingen da viele Gedanken und Ideen durch den Kopf und parallel dazu war dann ja auch gerade anfangs noch der kleine Suchtteufel mit seinen Versuchen da, doch wieder in die alten Muster zu verfallen. Was z.B. auch hieß: Ich könnte jetzt dieses, jenes und auch das machen, aber eigentlich mag ich ich nix davon so wirklich angehen bzw. kann ich mich nicht entscheiden: Warum also nicht der Weg zur Tankstelle, sich den damals üblichen "Zeitvertreib" besorgen? Das wäre doch so viel einfacher.

    Tat ich nicht, aber natürlich ist es nicht einfach, Gefahr zu laufen, dass das Gehirnkarussell seine Runden zu drehen beginnt. Deshalb braucht es Ersatzaktivitäten, weil gerade in der Anfangsphase der Abstinenz Grübeleien und Nichtstun schlimme Freunde sind, die einen schneller zum Glas / zur Flasche bringen als man glaubt.

    Warnen kann ich aber im Zusammenhang mit der Ersatzbeschäftigung nur vor einer "Überkompensation". Statt der Trinkerei X mache ich jetzt z.B. den Sport Y, aber nicht bloß "normal", sondern um nicht auf dumme Gedanken zu kommen, im übertriebenen Ausmaß. Z.B. Ich machte bereits meine Trainingseinheit indoor. Dann kommt das Suchtgedächtnis und ich gehe daher eine Stunden raus zum Radfahren, laufen oder egal. Und das Ganze vielleicht nochmal, wenn ein paar Stunden später dieselbe Situation eintritt.

    Um was für eine Ersatzbeschäftigung es sich dabei handelt, ist glaube ich nicht wesentlich: Handarbeiten, putzen, lesen, kochen (essen) - das ist zumindest noch billig. Shoppen, spielen - da wird es dann schon teurer. Und und und. Eine Bekannte von mir z.B. hat die Angewohnheit, wenn ihr alles zu viel wird, shoppen zu gehen (und das tut sie oft).

    Mich jedenfalls hat es insoweit bei der körperlichen Betätigung ein wenig "erwischt". Sprich: Ohne zwei, drei Stunden Sport am Tag (egal ob indoor oder outdoor) fehlt etwas bzw. ist der Tag nicht "komplett". Ist schon interessant, oder? Im Grunde wird eines (die Trinkerei) auf anderes verlagert (was auch immer).

    Hier hat meine Therapeutin schon vor einiger Zeit gesagt, ich solle aufpassen, dass ich nicht von der einen Abhängigkeit in eine andere gerate. Ja, und hiervon wegzukommen ist auch alles andere als einfach. Denn wenn die Ersatzbeschäftigung zum nächsten "Extrem" wird, dann wird sich das Problem mit dem "was tun mit der vielen Zeit" fortsetzen (wenn es wieder ums Aufhören geht). Im Grunde bleibt man im System gefangen.

    Deshalb, so ein kleiner Denkanstoß von mir: Wenn man trocken werden und bleiben will, sollte man auch bei den "Zeitfüllern" (Ersatzaktivitäten zur Trinkerei) aufpassen und diese so wählen, dass es mehrere davon gibt und diese nicht zu anstrengend sind und einen zu großen Teil des Lebens einnehmen. Denn wenn man sich zu sehr auf eine Sache konzentriert und diese übertreibt und dadurch seine Alkoholabhängigkeit überkompensiert, dann fällt man vermutlich über kurz oder lang in alte Muster zurück. Im schlimmsten Fall kommt dann vielleicht sogar wieder der Griff zur Flasche.

    Um dies zu verhindern, bin ich jetzt selbst dabei, mich wieder ein wenig zu bremsen. Denn ich habe die letzten Monate über gemerkt, dass eine Ersatzbeschäftigung zur Trinkerei, die im Grunde ja ihre Vorteile hätte (und vielleicht auch grundsätzlich gesund ist: -35 Kilo in 7 Monaten und eine Kondition wie ein 30-Jähriger - aber für wie lange?), im Falle des Übertreibens und mangels echter Abwechslung durchaus gefährlich werden kann. Gefährlich in dem Sinne, dass dann, wenn ich diese Aktivität nicht ausüben kann, das Suchtteufelchen von früher mit seinem Dreispitz wieder an die Tür klopfen könnte. Weil es ja so einfach wäre...

    Ja, das wären wieder einmal so ein paar Gedanken gewesen, die mir durch den Kopf gegangen sind... Hoffe, ich bin nicht ganz so allein mit diesen Gedanken...

    LG und noch ein schönes Wochenende, Euer Stef.

    Hallo auch von mir, Frankenstein!

    Ich weiß nicht, ob dir das jetzt etwas hilft, aber bei mir war es so bzw. möchte ich folgenden Aspekt einbringen:

    Die letzten Jahre war das Zusammenleben zwischen meiner Frau als Co und mir als Alkoholkrankem kaum noch zu ertragen. Aber für uns beide. Dass sich mit der Zeit durch regelmäßigen Alkoholkonsum die Psyche und das Verhalten des Alkoholabhängigen ändern kann, ist bekannt. Bei mir war es so. Und diese schleichende Wesensveränderung machte das Miteinander schwer. Ständige Sticheleien, Provokationen, Diskussionen. Aus Mücken wurden Elefanten gemacht, Aussagen wurden auf die Goldwaage gelegt, nichts passte mehr; die Dünnhäutigkeit nahm zu. Vor allem auch dann, wenn es in der Firma Probleme gab. Diese Probleme wurden nach Hause mitgenommen. Genau das, was man gerade nicht tun sollte.

    Für meine Frau als Co war es schwer damit umzugehen, nicht zu wissen, ob abends nach der Arbeit vielleicht wieder einmal eine anstrengende Debatte über Sinnloses anstand, ob ich mich bei Veranstaltungen oder Feierlichkeiten wieder mal peinlich bis unmöglich benehme, wann und wie ich nach Hause komme (vor allem auch mit welcher Laune). Welchen anderen Schwachsinn ich wieder gemacht habe... und vieles mehr...

    Für mich stellte sich die Situation wiederum anders dar. Ich wollte nicht ständig gemaßregelt, kontrolliert und wie ein kleines Kind behandelt werden. Wenn ich ahnte, dass hier wieder mal etwas kommen sollte (wie so oft), war der Griff zur Flasche für mich damals ein willkommener Grund zu trinken. Vor dem Gang nach Hause versteht sich. Eine Art Gewohnheit. Womit die Situation nicht gerade entschärft wurde.

    Im Endeffekt "plagten" wir beide uns unzufrieden durch unser Leben - nur jeder auf seine Art und Weise. Viele Jahre lang und es wurde nicht besser, sondern von Jahr zu Jahr wurde das Miteinander schwieriger.

    Und dann trennte sich meine Frau von mir. Nach so vielen Jahren. Nicht im Streit, sondern weil es einfach nicht mehr so weitergehen konnte. Für uns beide. Mehr oder weniger von einen Tag auf den anderen. Dass die Trennung ein geradezu logischer Schritt war, der kommen musste, war eigentlich beiden klar. Fragte sich nur wann und wer den ersten Schritt machte.

    War die Trennung schlimm? Ehrlich gesagt: Nein. Meine Frau kam zur Ruhe und ich hörte mit dem Trinken auf. Ich hörte dabei - und das möchte ich betonen - für mich auf (und nicht für sie!), und zwar weil mir klar wurde, dass es so nicht weitergehen konnte. Der Entschluss kam von mir. War die Trennung für mich der berühmte "Tiefpunkt", der ein Umdenken des Alkoholikers einläutet? Ich denke nicht - nein, Tiefpunkt würde ich nicht sagen. Vielleicht aber gerade der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte - allerdings mein Fass.

    Heute verstehen meine Ex-Frau und ich uns wesentlich besser als vor der Trennung. Ihr geht es ganz gut mit ihrem neuen Leben; ihre Hauptsorge (die war wohl leider ich) ist eigentlich weg. Ich wiederum baue mir ein neues Leben auf, was auch so einigermaßen läuft. Ein bisschen ein "Miteinander" gibt es zwischen und nach wie vor (wir trennten uns ja auch nicht im Streit), aber natürlich mit entsprechender Distanz. Das hilft beiden und uns beiden geht es glaube ich jetzt wesentlich besser als zuvor. Vor allem mental.

    Mit dem Ganzen hier möchte ich eigentlich nur sagen, dass eine Trennung für den Alkoholiker nicht zwangsläufig den "Weltuntergang" bedeuten muss. Möglicherweise bedeutet gerade eine Trennung für beide (Co und Alkoholiker) die Möglichkeit, sich ein neues, gesünderes, zufriedeneres Leben einrichten bzw. aufbauen zu können, was sonst vielleicht nicht so einfach gehen würde..?

    Auch dies ist ein Aspekt, der in so manch einer Trennungsdiskussion aus meiner Sicht oftmals ein wenig "vernachlässigt" wird. Von einer Trennung können nämlich durchaus beide Teile, der Co wie auch der Alkoholiker, profitieren.

    LG, Stef.

    Schnell auf dem Smartphone gedrückt, daher kurz (auch weil es schon spät ist):

    Ja, langsam aber sicher - das macht wohl das Alter - realisiere ich, dass Arbeit nicht alles ist. Früher gab es nur die Firma und die stand über allem. Ging es dort drunter und drüber, dann hielt die Trinkerei Einzug. Und dann ging es bergab. Körperlich, mental, sozial - beruflich und privat. Dann wurde die Notbremse gezogen, es folgte ein bisschen eine Stabilisierung und schließlich (mit dem Ereignis "x") ging es wieder von vorne los - meistens heftiger als zuvor. Ein Auf und Ab mit einer kontinuierlichen Tendenz nach unten... Eine gefährliche Entwicklung.

    Leider realisiert man das (wie es wirklich ist) immer erst nachher, wenn es mal so richtig gekracht hat (bei mir war das dann letztes Jahr - da hätte für den kompletten Absturz nimmer viel gefehlt).

    Aktuell fahre ich nun tatsächlich meine Arbeit zurück und nehme mir mehr Zeit für Privates. Das sind größere und kleinere Dinge, die ich jetzt angehe. Fernab des Jobs. Auch wenn es Kleinigkeiten sind. Noch vor einem Jahr wäre es z.B. undenkbar gewesen, mal einen Roman zu lesen. Das hielt ich für reine Zeitverschwendung oder war abends einfach zu müde dafür. Auch so Dinge wie ehrenamtliches Engagement fanden keinen Platz in meinem Leben bzw. wurden auf später verschoben. Später im Sinne von dann, wenn ich in Rente bin. Größere bzw. zeitintensivere "Projekte" plane ich zumindest mal im Gedanken (ein Sabbatical mit einem mehrmonatigem Ausstieg würde mich schon reizen), aber hier grätscht mir doch noch immer wieder die Arbeit rein. Ich glaube, da bleibt es eher beim Gedanken daran...

    Nichtsdestotrotz bin ich guter Dinge, dass ich mich doch noch ändern kann. Bei mir dauert nur leider alles etwas länger - auch die Einsicht, dass mir die Trinkerei außer Problemen rein gar nix gebracht hat. Das habe ich erst nach Jahren gesehen, als so manches schon den Bach runtergegangen war und auch die letzten Anker kurz vorm Losreißen waren... bzw. die berühmten Einschläge schon so nahe an mich herangekommen waren, dass ich den Luftzug spüren konnte...

    Hallo, liebe Leute!

    Jetzt haben wir also bald Mitte Mai. Ich finde es erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Die Arbeitswochen vergehen wie im Flug; die Wochenenden noch schneller.

    Die Tage ohne Alkohol sind so anders als die mit. Das realisiere ich mit der Zeit immer mehr. Auch wenn ich früher auch gezielte - monatelange - Trinkpausen eingelegt habe, war damals doch immer klar, dass es irgendwann wieder losgeht. Wenn irgendein Ereignis kommt; eine Krise (privat oder beruflich), eine Firmenfeier, eine Belohnung für irgendwas etc. Diesmal ist es anders. Nach 25 Jahren mit einem jährlichen Murmeltier, das grüßt, bin ich glaube ich mental endlich tatsächlich so weit, dass ich nicht mehr ein Kalenderjahr in eine Zeit mit Alkohol und eine Zeit ohne einteile und mir so mein Leben ruiniere und auch andere deswegen leiden bzw. mit meinem (in nassen Zeiten) sehr egozentrischen, launischen und unberechenbaren Ich umgehen müssen. Diesmal sollte es klappen. Im letzten halben Jahr habe ich mehr geändert als die letzten 25 Jahre zusammen. Das lasse ich mir durch einen Rückfall nicht mehr zunichte machen.

    Heute schreibe ich einfach einmal deshalb, da mir in den vergangenen Tagen zwei, drei Dinge eingefallen sind, die mir noch immer ein wenig in meinem Kopf herumspuken bzw. nachhallen. Und weil schreiben bei der Verarbeitung hilft, mache ich es mal hier, denke ich (vielleicht hat ja jemand auch ähnliche Erfahrungen gemacht oder Gedanken gehabt)...

    - Vor knapp 20 Jahren ist mein Cousin (Schweralkoholiker, mind. zwei Kästen Bier pro Tag) an Leberzirrhose gestorben. Mit knapp über 30! Die letzten Tage im Krankenhaus, als wir ihn besucht haben, waren schlimm. Abgemagert bis auf die Knochen, aber der Bauch aufgebläht, steinhart und sehr warm (fast schon heiß). Nicht mehr aufnahmefähig, im Delirium. Wie wir später hörten war auch sein Todeskampf (in der Nacht) heftig. Nichts für schwache Nerven, sagte man. Selbst als ich sah, was der Alkohol anrichten kann: Hörte ich etwa auf? Nein. 20 Jahre machte ich weiter - sehenden Auges dem Abgrund entgegen (zwar nicht mit diesen Mengen, aber dennoch viel zu viel). Irgendwie fällt mir erst jetzt so richtig auf, was ich eigentlich für ein Glück hatte, mir über die vielen Jahre gesundheitlich nichts Gröberes eingefangen zu haben. Ich glaube, würde ich weitertrinken (bzw. weitergetrunken haben), würde mein Ende ebenso elendig sein.

    - Heute ist Muttertag. Mutter habe ich schon lange keine mehr. Was mir heute bewusst geworden ist, als ich an ihrem Grab gestanden bin, ist, dass ich an vielen Muttertagen so betrunken war, dass ich tatsächlich vergessen habe, meiner Mutter zu gratulieren oder - nicht weniger schlimm - so angeschlagen war, dass ich nicht zu ihr fahren konnte. Gesagt hat sie nie etwas oder mir Vorwürfe gemacht, aber verletzt hat es sie schon sehr. Jetzt, im Nachhinein - wo es zu spät ist - könnte ich mich in Grund und Boden schämen für mein Verhalten. Meine Mutter war übrigens eine der ganz wenigen, die von meiner Trinkerei wusste und mich immer wieder liebevoll darauf hinwies, wie mein Cousin starb und sie mich nicht so verlieren wolle. Damals habe ich das alles nicht wirklich wahrgenommen bzw. ignoriert oder mit dummen Sprüchen und Verharmlosungen abgetan. Heute sehe ich vieles anders.

    - Mir ein neues Leben aufzubauen ist schwieriger als gedacht. Weil ich diesmal nicht nur wie sonst üblich geistig auf den "Reset"-Knopf meines Ichs drücke und im Endeffekt wieder von irgendeinem Stand losstarte, sondern diesmal ein neues Betriebssystem in mir aufsetze. Da aber vom alten Leben praktisch (bis auf die Arbeit und ein paar wenige Freunde und Bekannte) nichts mehr übrig geblieben ist, muss ich mich im Grunde täglich neuen Situationen und Herausforderungen stellen, die es früher einfach nicht gab (oder weggesoffen wurden). Zum Glück ist hier die Arbeit als Konstante geblieben; die hilft und schafft Kontinuität.

    - Früher habe ich oft zur Belohnung getrunken oder wenn es schwierig wurde. Sich von diesen Gewohnheiten zu trennen (ja, bei mir war die Trinkerei tatsächlich eine reine Gewohnheit und im Grunde automatisiert, bei gewissen "Anlässen" die Weinflasche aufzumachen und 1/4tel sofort runterzukippen - der Rest folgte), ist gelegentlich schwieriger als gedacht. Aber es ist machbar. Gerade in schwierigen Situationen zeigt es sich aber klar, dass es wesentlich klüger ist, an diese nüchtern heranzugehen. Auch schlimm, dass ich so lange gebraucht habe, um das zu realisieren. Aber besser spät als nie.

    - Auch wenn gelegentlich Psychotherapeuten hinsichtlich der Arbeit mit Alkoholkranken kritisiert werden (las ich hier schon im Forum), möchte ich festhalten, dass aus meiner Sicht gerade bei der Begleitung von trockenen Alkoholikern eine psychotherapeutische Begleitung sehr wichtig ist. Bei mir war es so, dass die Entscheidung dauerhaft abstinent zu sein, recht schnell gefällt wurde. Doch was die Umsetzung betrifft (v.a. was tun mit der vielen Zeit und den Baustellen im Leben), so ist dabei eine professionelle Unterstützung (für mich ist das wirklich eine "Begleitung") Goldes wert. Gänzlich alleine ist eine komplette Neuausrichtung des Lebens aus meiner Sicht nur sehr schwer schaffbar und dauerhaft aufrechtzuerhalten. Danke an dieser Stelle an meine Therapeutin: Bei mir, liebe xy, hast Du das letzte halbe Jahr echt tolle Arbeit geleistet! Aber der Weg ist noch weit.

    So, ich denke, ich lass' es mal für heute. Ein wenig werde ich noch in die Sonne gehen und über meine Zukunft nachdenken...

    Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!

    LG, Euer Stef.

    PS: Ja, das Niederschreiben von Gedanken hilft wirklich.

    AnnaBlume :

    Liebe kann man eigentlich nicht wirklich definieren oder? Das ist eben dieses Gefühl der Zuneigung, des Mögens, der Verbundenheit... Ein Paket an Gefühlen.

    Natürlich: Liebe kommt und Liebe geht. Manchmal bleibt sie ein Leben lang.

    Es gibt Ereignisse (oder Einschnitte) im Leben, die beenden eine Liebe sofort, das ist klar. Dann ist es ohnehin aus. Aber Liebe kann sich auch mit der Zeit erst einmal abschwächen und irgendwann vergehen. Ein schleichender Prozess. Das kann viele Gründe haben und das Trinkverhalten des Partners verbunden mit dem ganzen "Rundherum" ist da sicherlich einer davon.

    Gerade am Anfang der Phase, wo die Liebe schwächer wird, mag man aber vielleicht doch noch nicht so daran glauben oder es nicht wahrhaben wollen, dass es zu Ende geht. Man hofft, denkt an die schönen Momente und wünscht sich, dass diese wiederkehren. Eben: Dass die Liebe bleibt (oder auch wieder kommt). Dieses Gefühl der Zuneigung, des Mögens, der Verbundenheit.

    Ob dies realistisch ist oder bloß eine Hoffnung, ein Wunschdenken oder was auch immer, ist eine andere Sache...

    In dieser Hinsicht, meine ich, kann dieses Gefühl "Liebe" gerade anfangs, wenn es in der Beziehung schwierig wird und sich das Gedankenkarussell dreht, dazu führen, dass man dennoch (wie steht es oben:) [vorerst noch] "...an der Beziehung festhält". Wobei das meistens aber bloß eine Zeitfrage ist und man früher oder später doch der Wahrheit ins Gesicht sehen sollte (muss): Dass das Aufrechterhalten der Beziehung womöglich einfach keinen Sinn mehr macht, da man sich dadurch selbst schädigt.

    Zu einer gewissen Zeit denke ich, kann die Liebe daher tatsächlich noch dazu führen, dass man sich als Co auf das Spiel einlässt bzw. in stiller (unbewusster?) Hoffnung am Partner / an der der Partnerin festhält.

    Hallo, liebe Leute!

    Das Wort zum Sonntag? Nein, keine Sorge, nur eine Kleinigkeit, die mich heute ein bisschen zum Grübeln gebracht hat.

    Heute räumte ich ein wenig mein Handy auf und ging dabei auch durch meine Whatsapp-Kontakte und die Chats. Was mir beim Durchforsten auffiel ist, dass es gar nicht mal wenige Bekannte (männlich wie weiblich) gibt, die man auf Fotos nur sehr selten ohne ein Glas Sekt, Wein oder Bier sieht. Oder [noch bezeichnender!] man sieht nur z.B. einen Tisch auf einer Terrasse, gerichtet auf die Berge oder das Meer und: ein Glas mit etwas Alkoholischen drin mit vielen Grüßen aus dem Urlaub oder von sonst wo. Also nicht einmal mehr den Menschen selbst.

    Anscheinend stellt es sich für manche als Selbstverständlichkeit dar, sich so zu präsentieren, um "in" zu sein, zu zeigen, dass man das Leben genießt, in der Gesellschaft angekommen ist [manche werden sich vermutlich suchtbedingt aus den geselligen Kreisen bald wieder verabschieden] oder was weiß ich.

    Gerade eben gesehen: Bilder von einer mir bekannten Familie bei der Osterjause und jeder bis auf die Kinder hält ein Glas in die Kamera und grinst dümmlich in die Linse.

    Bei so manchem (auch mancher) fallen dabei - wie eben bei der genannten Osterjause - die rötlichen Gesichter und die glasigen Augen schon am frühen Nachmittag auf. Man kann sich denken, wie das enden wird. Im besten Fall mit einem ordentlichen Schwips oder Vollrausch, bei manchen fürchte ich mit der einen oder anderen familiären Krisensituation (kenne ein Paar, da weiß ich jetzt schon, dass das noch unangenehm wird).

    Ja und dann sah ich meine Fotos von früher durch, die ich anderen geschickt habe. Von Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten, geselligem Miteinander. Gruppenfotos, Selfies - egal. Und ich sah dasselbe! Selten mal ein Bild ohne das obligatorische Glas Weißweinschorle oder die "dezente" 0,3er-Party-Flasche Bier [Sarkastische Anmerkung: Eine 0,5er-Flasche nimmt man ja nicht in die Hand, das schaut doch billig aus und man wirkt wie ein Säufer. Daher lieber die kleinen 0,3er-Flaschen am Stehtisch in netter Runde, das wirkt unauffällig und so was von distinguiert. PS: In der Zeit, wo ich sonst eine 0,5er-Flasche getrunken hätte, habe ich natürlich zwei oder drei 0,3er-Flaschen getrunken... Viel "besser", oder!? - Das musste ich jetzt mal loswerden.]

    Jedenfalls: Diese Wahrnehmung hat mich dann doch schon irritiert bzw. "gepackt".

    Ich glaube, wenn man abstinent lebt, fallen einem solche Dinge viel öfter auf. Und man erkennt, wer aus dem Bekanntenkreis ein massives Problem mit unserer Volksdroge Nr. 1 haben dürfte. Das Trockensein schärft da tatsächlich die Sinne.

    Warum ich das schreibe? Eigentlich weiß ich das gar nicht so genau, aber irgendwie fiel mir das auf und ich merkte, dass das bei mir zu nassen Zeiten ähnlich war. Die Fotos: Hinweise, dass der Alkohol vielleicht doch eine größere Rolle im Leben spielt, als man denkt.

    Bei Fotos von mir sieht man mich jetzt nur mehr selten noch mit einem Glas in der Hand (oft nur das "berühmte" Sektglas mit Orangensaft drin zum Anstoßen bei Feierlichkeiten). Von diesem gesellschaftlichen Zwang des "Zeigen-des-gut-gelaunt-seins-mit-einem-Gläschen-xy" bin ich erfreulicherweise größtenteils weg. Bei so manch anderem / anderer denke ich mir allerdings, wenn ich Fotos sehe: "Also Du hast aber auch schon ein echtes Problem mit dem Alkohol."

    Wie dem auch sei, dachte mir, ich schreibe das mal nieder - da mich diese Wahrnehmung doch irgendwie zum Grübeln gebracht hat.

    LG, Euer Stef.

    Ist es besser sich schon auf einen konkreten Termin festzulegen oder aus der Situation heraus? Alleine das Gespräch und dann weggehen? Oder sollte da jemand dabei sein? Ich krieg Bauchschmerzen, wenn ich nur daran denke und wünschte mir, ich könnte das mal irgendwie kurz ausblenden und wieder fröhlich sein.

    Hallo Deli!

    Da ich nicht von der Co-Seite komme und meine Trennung damals auch nur bedingt vom Alkohol herrührte, möchte ich hier nur kurz schreiben, was bei mir (der verlassen wurde) definitiv nicht funktionierte bzw. die Sache verschärfte:

    Meine Ex-Partnerin plante ihren Ausstieg so präzise (ich ahnte davon überhaupt nichts), dass sie für sich einen Termin bei ihrem Psychologen vereinbarte, mich kurzfristig (also so von jetzt auf gleich) bat, sie dorthin zu fahren, danach sollte ich sie aus einem fadenscheinigen Grund zum Gespräch begleiten und dann nach einem kurzen Smalltalk, wie das Befinden ist und wie die Arbeit so läuft, erklärte mir mehr weniger der Psychologe (!), dass die Beziehung zu Ende ist und ich das zur Kenntnis nehmen soll.

    Man kann sich denken, wie dann die Rückfahrt war bzw. die nächsten Tage verliefen. So eine Vorgehensweise hat die Sache nicht gerade vereinfacht.

    Mir selbst hätte ich gewünscht, dass mir die Trennung persönlich mitgeteilt worden wäre.

    Wie reagiert man auf Trennungen als Verlassener? Wie Du sagst, Ärger/Zorn/Wut, Gleichgültigkeit, Resignation, Verständnis/Zustimmung (ja, das gibt's auch!), Panik, Verzweiflung und und und.

    Da reagiert jeder anders. Wäre das Trennungsgespräch bei mir (jetzt kommt eine dumme Formulierung, ich weiß:) "normal" verlaufen, wäre mir die Trennung vermutlich sogar relativ "gleichgültig" gewesen, also "egal", da mir der Alkohol wahrscheinlich vorgaukelt hätte, dass eine Trennung gar nicht mal so schlecht sei (da kann man dann ja machen, was man will - der "Klassiker" nassen Denkens eben).

    Durch die demgegenüber gewählte Form des Trennungsgespräches verschärfte sich die Situation aber insoweit, dass aus der Gleichgültigkeit der Ärger gepaart mit Sarkasmus erwuchs und dann die Fragen der Trennungsfolgen nicht mehr so einfach auszudiskutieren waren.

    Was will ich damit sagen? Eigentlich nur, dass man sich gut überlegen sollte, wie und in welchem Ambiente man die Trennung ausspricht. Das ist wohl in jeder Beziehung anders, so jeder Mensch anders ist. Vor allem aber bringen meines Erachtens Provokationen (wie auch übermäßige und ins Details gehende, wiederholte Schuldzuweisungen) eher selten etwas.

    Auch wenn das Trennungsgespräch an sich schon sehr belastend ist, ist es glaube ich besser, dieses ruhig und sachlich anzugehen. Und man sollte sich als Verlassende/-r im Vorfeld schon klar überlegt haben, wie (v.a. WO) jeder der beiden (Verlassende/-r und Verlassene/-r) die nächste Zeit lebt. Wobei eine räumliche Trennung natürlich absolut sinnvoll ist, da ja ansonsten das Trauerspiel weitergeht bzw. sich möglicherweise sogar noch verschärft...

    LG, Stef.

    Naja, ich bleibe dabei. Ich will nichts mehr trinken. Aber es ist echt hart wenn man sieht das man schon so viele Chancen hatte und jetzt merkt was man eigentlich so angestellt und verloren hat.


    Liebe Carmen!

    Ich kann Dir versichern, mit diesen Gefühlen bist Du nicht allein. Es ist wohl bei den meisten Alkoholikern so, dass sie erst dann, wenn es im Grunde schon zu spät ist, zu der Einsicht gelangen, dass der Alkohol in keinster Weise der so vermeintlich gute Freund, der Seelentröster, der Heile-Welt-Erschaffer, die Selbstbewusstseins-Fee und und und ist.

    Wenn ich Deine Worte "Aber es ist echt hart wenn man sieht das man schon so viele Chancen hatte und jetzt merkt was man eigentlich so angestellt und verloren hat." lese, dann könnte ich diese 1:1 für mich übernehmen.

    Dass sich bei Dir derzeit das Gedankenkarussell dreht, ist nachvollziehbar. Gerade die erste Phase des Trockenwerdens bzw. der Trockenheit, in der man realisiert, was zu nassen Zeiten alles schiefgelaufen ist, ist psychisch natürlich besonders belastend. Was hätte alles sein können, hätte ich nicht getrunken? Welche Freunde / Bekannten hätte ich noch? Welche Familienmitglieder oder Angehörigen hätten sich nicht von mir abgewandt oder von welchen hätte ich mich nicht abgekehrt (was ich jetzt vielleicht nicht mehr rückgängig machen kann)? ... ... ...

    Insgesamt eine heftige Zeit im Gefühls- und Gedankenleben von uns Abhängigen. Das ständige Denken an das, was geschehen, verloren ist.

    - edit, bitte keine externen Zitate hier im Forum einfügen, danke, Linde -

    Was hat uns der Alkohol genommen? Was war früher anders? Was "fehlt"?

    Ja, ok, aber machen wir es dann doch einmal anders herum: Denken wir einmal im Hinblick auf die Folgen der Alkoholsucht an das, was wir insoweit "haben": Nennen wir es doch beim Namen: Die Möglichkeit, aus der Vergangenheit (die wir sowieso nicht mehr ändern können) zu lernen und dadurch die Zukunft für uns besser zu gestalten. Bieten nicht auch Ereignisse in nassen Zeiten bzw. deren Konsequenzen (Verlust, Trennung, Lebenswandel etc.) die Chance, Dinge neu zu betrachten und eine neue Lebensweise zu beginnen? Natürlich, zum Lernen und zum Ändern der Lebensumstände braucht es selbstverständlich keinen alkoholbedingten Tiefpunkt. Das geht auch ohne und wäre ohne einen solchen auch viel besser. Bloß ist die Sache mit dem Alkohol nun einmal da und die ist auch nicht mehr wegzubekommen. Damit müssen wir uns abfinden.

    Auch wenn es mir (wem schon?) subjektiv betrachtet natürlich nicht gefällt, Eskapaden oder Aspekte der nassen Zeit, mein damaliges Verhalten, meine soziale Geisterfahrt, vor den Latz geknallt zu bekommen, so hilft es mir dennoch, meine Lehren daraus zu ziehen und mein Leben entsprechend zu ändern. Wobei hier auch eine Psychotherapie durchaus Sinn machen kann. Mich stört es z.B. gar nicht, wenn mir meine Psychotherapeutin mein schädigendes Verhalten (bezogen auf mich selbst und mein Umfeld) aufzeigt. Ich denke, gerade hieraus kann man ganz viel für die Zukunft mitnehmen. Im Grunde kann es nach der Erkenntnis, was alles daneben gegangen ist und man sich ganz unten wähnt (was objektiv ja gar nicht sein muss), eigentlich ja nur noch bergauf gehen.

    Und wenn nicht nur die Erkenntnis da ist, dass das, was durch den Alkoholkonsum geschehen ist, so vieles beschädigt hat, sondern auch die Einsicht, dass sich etwas ändern muss und auch danach gehandelt wird, dann - glaube ich - besteht doch oft noch die Chance, vieles retten zu können. Ich meine nicht rückgängig machen (das geht nicht), aber zumindest unter neuen Voraussetzungen neu zu beginnen - das kann man schon!

    Ein paar Gedanken von mir...

    LG, Stef.

    Hmm... sagen es mal so: Hätte ich mich nicht über die Jahre so konsequent in die Alkoholabhängigkeit gesoffen, dann wäre es vermutlich kein Problem (ich meine in Bezug auf meine psychische Abhängigkeit) gewesen, mit ihr mit einem (1!) Gläschen anzustoßen.

    Aber das kommt jetzt klarerweise nicht mehr in Frage; ich brauche sicherlich keinen Rückfall. So gefestigt bin ich aber glaube ich schon, um auch in schwierigen Situationen das Glas stehen bzw. die Flasche zuzulassen.

    Zu früheren Zeiten wäre genau so eine Situation übrigens der Grund gewesen, eine Trinkpause zu beenden. Da dachte ich auch noch anders. Jetzt denke ich nicht mehr in Trinkzeiten und Trinkpausen, sondern ist Alkohol schlichtweg keine Option mehr.

    In Bezug auf die Kollegin: Zum Stand heute würde ich, auch wenn sie mich gefragt hätte, nicht getrunken haben (habe ich ja auch nicht), weil ich mir meiner Krankheit bewusst bin und den Irrsinn von damals nicht noch einmal erleben möchte. Ohne Abhängigkeit und problematischem Alkoholkonsum (diese Zeit gab es auch irgendwann mal) hätte sich die Sache vermutlich - und zugegeben - wohl anders dargestellt.

    Im Denken in der weit zurückliegenden Vergangenheit und ohne Abhängigkeit zu leben, mag zwar ein wenig "nostalgisch" sein - auf dem Lebensweg der eingeschlagenen Abstinenz bringt einen dieses Wunschdenken des wieder suchtfreien Daseins aber auch nicht weiter...

    Daher war die Situation der Verabschiedung heute für mich zwar emotional unangenehm, aber letztlich ging es problemlos auch ohne Alkohol.

    Hallo liebe Leute!

    Diesmal tatsächlich nur kurz.

    Es gibt sie, diese Momente, die die hässliche Fratze der Droge Alkohol bzw. die Folgen der Abhängigkeit aufzeigen:

    Heute hatte wir abends in meiner Firma Verabschiedungen von langjährigen Mitarbeiter/-innen. Nach dem offiziellen Teil saß ich später dann alleine in meinem Büro und eine Kollegin, mit der ich die letzten fast 20 Jahre im Unternehmen praktisch "aufgewachsen" bin und mit der ich echt vieles erlebt habe, klopfte an, bedankte sich bei mir für die schönen Jahre der Zusammenarbeit und des Miteinanders und schenkte mir schließlich eine Flasche Hochprozentiges (Selbstgebranntes) aus ihrer Heimat. Grundehrlich und gut gemeint bzw. ohne böse Absichten. Diese Situation war letztlich doch emotional belastend (sentimental bin ich normalerweise nicht), da es wirklich eine lange Zeit des Miteinanders war und der Abschied wohl endgültig sein wird. Sie kehrt in ihre Heimat zurück.

    Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Gute (sie war übrigens absolut nüchtern) hätte es gerne gehabt, dass wir praktisch ein letztes Mal auf die Vergangenheit und die Zukunft angestoßen hätten. Sagte dies aber nicht direkt.

    Da sie von meiner Krankheit nichts wusste, zog ich mich wieder einmal mit fadenscheinigen Ausflüchten aus der Affaire.

    Getrunken habe ich nichts; die Flasche blieb zu. Die Flasche nicht annehmen, das konnte ich nicht (Ich meine hier: Das brachte ich nicht übers Herz).

    Und nachher, als ich wieder alleine im Büro war, dachte ich mir: Jetzt bekommst Du die Rechnung für das präsentiert, was Du früher durch Deinen Weg in die Abhängigkeit erreicht hast.

    Da sieht man, wie zerstörerisch die Abhängigkeit ist...

    LG, Stef.

    Hallo Sam!

    Aus eigener Erfahrung kann ich hier nur sagen: Das von Dir angekündigte Gespräch wird vermutlich als Angriff gesehen werden und in einem astreinen Streit enden. Mit dem Ergebnis, dass Du Dich noch mehr ärgerst. Vielleicht ist es hier sinnvoller (um den offenbar ohnehin schon schief hängenden Haus- und Seelenfrieden nicht weiter zu gefährden), einfach über den "Ausrutscher" (ich weiß, ein etwas unpassendes Wort) hinwegzusehen..?

    Ich / meine Partnerin haben das in meinem Fall nicht getan und es hat fast immer in einem zusätzlichen Streit geendet - von dem niemand etwas hatte...