Hallo, liebe Leute!
Nachdem bei es bei mir hier dauerregnet (nein es schüttet, man könnte fast schon die Arche Noah startklar machen) und damit jegliche Outdoor-Aktivität ausfällt... ja, da denke ich mir, ich könnte wieder ein bisschen was in meinen Faden schreiben.
Immer wieder liest man in den Fäden von denjenigen (anfangs meist übermotiviert und Fest-)Entschlossenen, die sich für die dauerhafte Trockenheit entschieden haben, dass hier vor allem anfangs der Faktor Zeit oft zum Problem wird. Klar - ich nehme jetzt mal mich her und ich bin sicher kein Einzelfall - in der nassen Phase war eigentlich auch genug Zeit da. Aber nahm man (ich) die als solche wahr? Wohl eher nicht, das verhinderte der Alkohol. Mitunter trank ich auch, weil ich mit meiner Zeit nicht wirklich etwas anfangen konnte. Wenn es nichts zu tun gab (und ich mich auch nicht wirklich mit wem oder was anderen beschäftigen wollte), dann ging es im Grunde aus Gewohnheit ins Arbeitszimmer oder in die Garage... Durch den Alkohol kam ich dann so auch durch den Tag (oder Abend, je nachdem). Das war irgendwie bequemer. Kurzfristig. Im Moment. Über die Zeit natürlich eine Katastrophe!
Dann war es vorbei mit der Trinkerei und die eigentlich immer schon vorhandene Zeit wollte jetzt auch ordentlich (sinnvoll?) genutzt werden. Und das ist schwieriger gesagt als getan: Wenn jemand dieses Thema anschneidet, dann kann ich den (oder die) voll und ganz verstehen.
Mit gingen da viele Gedanken und Ideen durch den Kopf und parallel dazu war dann ja auch gerade anfangs noch der kleine Suchtteufel mit seinen Versuchen da, doch wieder in die alten Muster zu verfallen. Was z.B. auch hieß: Ich könnte jetzt dieses, jenes und auch das machen, aber eigentlich mag ich ich nix davon so wirklich angehen bzw. kann ich mich nicht entscheiden: Warum also nicht der Weg zur Tankstelle, sich den damals üblichen "Zeitvertreib" besorgen? Das wäre doch so viel einfacher.
Tat ich nicht, aber natürlich ist es nicht einfach, Gefahr zu laufen, dass das Gehirnkarussell seine Runden zu drehen beginnt. Deshalb braucht es Ersatzaktivitäten, weil gerade in der Anfangsphase der Abstinenz Grübeleien und Nichtstun schlimme Freunde sind, die einen schneller zum Glas / zur Flasche bringen als man glaubt.
Warnen kann ich aber im Zusammenhang mit der Ersatzbeschäftigung nur vor einer "Überkompensation". Statt der Trinkerei X mache ich jetzt z.B. den Sport Y, aber nicht bloß "normal", sondern um nicht auf dumme Gedanken zu kommen, im übertriebenen Ausmaß. Z.B. Ich machte bereits meine Trainingseinheit indoor. Dann kommt das Suchtgedächtnis und ich gehe daher eine Stunden raus zum Radfahren, laufen oder egal. Und das Ganze vielleicht nochmal, wenn ein paar Stunden später dieselbe Situation eintritt.
Um was für eine Ersatzbeschäftigung es sich dabei handelt, ist glaube ich nicht wesentlich: Handarbeiten, putzen, lesen, kochen (essen) - das ist zumindest noch billig. Shoppen, spielen - da wird es dann schon teurer. Und und und. Eine Bekannte von mir z.B. hat die Angewohnheit, wenn ihr alles zu viel wird, shoppen zu gehen (und das tut sie oft).
Mich jedenfalls hat es insoweit bei der körperlichen Betätigung ein wenig "erwischt". Sprich: Ohne zwei, drei Stunden Sport am Tag (egal ob indoor oder outdoor) fehlt etwas bzw. ist der Tag nicht "komplett". Ist schon interessant, oder? Im Grunde wird eines (die Trinkerei) auf anderes verlagert (was auch immer).
Hier hat meine Therapeutin schon vor einiger Zeit gesagt, ich solle aufpassen, dass ich nicht von der einen Abhängigkeit in eine andere gerate. Ja, und hiervon wegzukommen ist auch alles andere als einfach. Denn wenn die Ersatzbeschäftigung zum nächsten "Extrem" wird, dann wird sich das Problem mit dem "was tun mit der vielen Zeit" fortsetzen (wenn es wieder ums Aufhören geht). Im Grunde bleibt man im System gefangen.
Deshalb, so ein kleiner Denkanstoß von mir: Wenn man trocken werden und bleiben will, sollte man auch bei den "Zeitfüllern" (Ersatzaktivitäten zur Trinkerei) aufpassen und diese so wählen, dass es mehrere davon gibt und diese nicht zu anstrengend sind und einen zu großen Teil des Lebens einnehmen. Denn wenn man sich zu sehr auf eine Sache konzentriert und diese übertreibt und dadurch seine Alkoholabhängigkeit überkompensiert, dann fällt man vermutlich über kurz oder lang in alte Muster zurück. Im schlimmsten Fall kommt dann vielleicht sogar wieder der Griff zur Flasche.
Um dies zu verhindern, bin ich jetzt selbst dabei, mich wieder ein wenig zu bremsen. Denn ich habe die letzten Monate über gemerkt, dass eine Ersatzbeschäftigung zur Trinkerei, die im Grunde ja ihre Vorteile hätte (und vielleicht auch grundsätzlich gesund ist: -35 Kilo in 7 Monaten und eine Kondition wie ein 30-Jähriger - aber für wie lange?), im Falle des Übertreibens und mangels echter Abwechslung durchaus gefährlich werden kann. Gefährlich in dem Sinne, dass dann, wenn ich diese Aktivität nicht ausüben kann, das Suchtteufelchen von früher mit seinem Dreispitz wieder an die Tür klopfen könnte. Weil es ja so einfach wäre...
Ja, das wären wieder einmal so ein paar Gedanken gewesen, die mir durch den Kopf gegangen sind... Hoffe, ich bin nicht ganz so allein mit diesen Gedanken...
LG und noch ein schönes Wochenende, Euer Stef.