Nur ein kleiner Gedankengang meinerseits:
Vielleicht spielt es beim Eingeständnis, ein/-e Alkoholiker/-in zu sein mitunter auch eine Rolle, welcher Typ von Trinker/-in man ist und wie sich das Trinkverhalten auf das eigene Leben auswirkt... Ob es noch läuft oder aus den Fugen gerät (oder schon ist)..?
Will heißen - und ich werfe das jetzt mal so in den Raum:
Ein Spiegeltrinker wird sich aus meiner Sicht wahrscheinlich (auch hier im Forum) eher eingestehen, Alkoholiker zu sein als z.B. ein Problem- oder Gesellschafstrinker. Im ersten Fall ist es wohl schon relativ klar, im zweiten womöglich noch nicht so ganz.
Mir - rein subjektiv wahrgenommen - kommt es hier im Forum so vor, dass sich gerade diejenigen, die zwar realisiert haben, ein (teils auch massives) Alkoholproblem zu haben, dabei ihren Konsum aber eher auf mehr oder weniger regelmäßige Ereignisse (Abstürze), Umstände u.dgl. abstellen und bei denen das Leben noch so einigermaßen funktioniert, subjektiv schwerer tun, sich als Alkoholiker zu bezeichnen, als diejenigen, bei denen es - ich formuliere es jetzt mal provokant, bitte mir das jetzt ein wenig nachzusehen - nicht nur für sie selbst sondern auch für deren Umfeld schon recht "offensichtlich" ist, dass nichts mehr funktioniert und das Leben in eine (gesundheitliche, gesellschaftliche, arbeitsmäßige, partnerschaftliche, finanzielle und und und) Schieflage geraten ist, z.B. eben wenn man schon in der Früh sein Getränk braucht, um überhaupt noch funktionieren und den Tag überstehen zu können.
Wie in meinem Faden anfangs irgendwo mal geschrieben, wollte ich mir über viele Jahre nicht eingestehen, Alkoholiker zu sein, obwohl ich es bereits damals längst schon war, und zwar einfach deshalb, weil ich es im Hinblick auf meine Lebensweise für mich partout nicht wahrhaben wollte. Hätte man mich z.B. vor 10 Jahren gefragt, ob ich Alkoholiker sei, hätte ich dies sicherlich vehement verneint, eben weil in meinem subjektiven Empfinden mein Leben ja so funktionierte, wie ich es mir vorstellte. Bzw. es noch so ging. Ein Alkoholproblem, ja, aber gleich Alkoholiker? Also ich weiß nicht...Trotzdem war ich Alkoholiker und als ich mich hier im Forum angemeldet habe, war mir das dann auch klar. Irgendwann kommt man ja dann doch drauf.
Mir ist klar, dass meine paar Zeilen hier keinen echten Mehrwert für die Diskussion haben, aber ich denke, ich kann bei manchen doch eher verstehen, warum die Sache mit der Bezeichnung als "Alkoholiker" (also das Eingeständnis, einer zu sein) so schwer für sie ist. Hier geht es nämlich nicht einmal so sehr (glaube ich) um das Eingeständnis gegenüber einem anonymen Kreis von Forumsteilnehmern, sondern um das Eingeständnis sich selbst gegenüber...
Was natürlich nichts an den Forumsregeln hier ändert.