Morck - Bin neu hier und habe ein schlimme Woche hinter mir

  • Noch ein Rat, für alle Lebenslagen, nicht nur die Sucht: Ich muss nicht jedem alles auf die Nase binden, aber möglichst auch nicht lügen. Ist auf Dauer einfacher - auch für den Blick in den Spiegel.

    Ja das ist sehr wichtig und ausserhalb der Sucht bemühe ich mich auch um Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.


    Daher möchte ich gegenüber meinem Arbeitgeber auch nicht unfair spielen. Eventuell wäre es ja auch eine Möglichkeit mit dem Arbeitgeber zu reden und um die Kündigung zu bitten. Die Situation belastet mich ja auch und wäre dann zumindest aufgelöst.

  • Bisher hat mein Lebenslauf eigentlich keine Lücken. Außer eine lange Phase der Selbstständigkeit und das ich ca. alle 2-4 Jahre einen Jobwechsel habe. Immer selbst initiiert und jeder Jobwechsel war eine Verbesserung.

    Hallo Morck!

    Der letzte Jobwechsel wohl eher nicht, oder?

    Ich selbst habe ebenfalls einige Jahre in einem Job gearbeitet, der mich aufgrund des Arbeitspensums und Arbeitsklimas psychisch (und später auch körperlich) fertig gemacht hat (habe ich in meiner Vorstellung anfangs mal erzählt). Damals (20 Jahre ist das her) war wie bei dir der Griff zur Flasche (zumindest abends / nachts zum Abschalten) fixer Bestandteil meines (Arbeits-)Lebens. Jedenfalls war für mich irgendwann mal klar, dass ich diesen Job niemals bis zur Rente machen kann; Position, "Ansehen" (ist das wirklich so wichtig?), Gehalt, Aufstiegschancen hin oder her.

    Ich selbst habe damals, als es nicht mehr tragbar war und ich meine psychische und körperliche Gesundheit über kurz oder lang den Bach runter gehen sah, die Notbremse gezogen und gekündigt.

    Im Großen und Ganzen war es für mich die richtige Entscheidung; die Entwicklungen später - naja... (stünde auch ein wenig in meiner Vorstellung)...

    Wichtig beim Jobwechsel - hier kann ich nur für mich sprechen (Firma mit xxx Festangestellten und einigen "Freien" und "Werklöhnern") - war stets argumentieren zu können, dass man selbst die Initiative ergreifen hat wollen und deshalb auch gekündigt hat. Der Grund ist hier nicht mal so wichtig. Schwieriger ist es zu erklären, warum man gekündigt wurde oder warum in der Probezeit das Dienstverhältnis gelöst wurde. Da beginnt beim Personaler ein wenig das Gedankenkarussell sich zu drehen.

    So weit, so kurz.

    Stef.

  • Vielen Dank für deine ausführliche Nachricht! Sie hat mir sehr geholfen.

    Der letzte Jobwechsel wohl eher nicht, oder?

    Ja, das stimmt natürlich.


    Was bei meiner Situation etwas anders ist als bei dir, und ein Argument für kündigen lassen sein könnte: Theoretisch kann ich diesen Job im Lebenslauf weglassen. Es waren ja nur 3-4 Monate. Den Job davor habe ich selbst gekündigt mit und ein sehr sehr gutes Arbeitszeugnis erhalten.

    Ist es dann so unrealistisch ein halbes Jahr Sabbatical zu machen? Zum Beispiel um die Verwandtschaft im Ausland mal endlich wieder zu sehen? Das wäre nicht ganz unrealistisch wegen Migrationshintergrund in der Familie. Ein oder zwei Weiterbildungen ließen sich sicher auch noch mit einfliessen lassen.....


    Sicherlich würde ich mich selber natürlich sehr viel wohler fühlen, wenn ich selber kündige. Ob das aber finanziell die richtige Entscheidung ist, muss ich noch herausfinden.

    Ein Gespräch hatte ich ja bereits mit der Suchtberatung. Da ging es aber nur nebensächlich um den Job. Der Rat der Suchtberatung schien aber auch eher Richtung kündigen lassen zu gehen.

    Ich bin sehr gespannt auf morgen. Hab aber auch wirklich jetzt schon Angst und Bammel vor dem Termin.

  • Schau mal, Morck!

    Argumentierbar ist doch fast alles.

    Ein früherer Chef von mir vertrat vehement den Standpunkt, dass bei einem Bewerbungsgespräch Lücken im Lebenslauf (also Zeiten ohne Beschäftigung) nicht so relevant sind, wenn man sie plausibel erklären kann.

    Konkret sagte er (wirklich fast im Wortlaut - das habe ich mir nämlich über die Jahre gemerkt): Mir ist es lieber, ein Student hat sich nach dem Abschluss ein paar Monate Auszeit gegönnt um nochmals das Leben so richtig zu genießen und sagt das auch. Den stelle ich viel lieber ein als einen, der nach dem Studium irgendwelche Auslandsemester macht, die wir hier bei uns nicht brauchen, nur um sich seinen Lebenslauf aufzufetten. [Anmerkung: Dann kam da noch ein Satz, den lasse ich hier mal lieber weg.]

    Gab es auch.

    Bei einem Sabbatical interessiert es mich halt brennend, wie man die Zeit genutzt hat, also was man gemacht hat und welchen (Mehr-)Wert das für die Zukunft hat. Für mich als Personaler ist hier natürlich die berufliche Zukunft eher von Relevanz. Wobei es auch schon vorgekommen ist, dass ein Sabbatical zum Zwecke der persönlichen Weiterentwicklung gemacht wurde...

  • OK verstehe es vielleicht etwas. Für eine Personaler kann eine längere krankheitsbedingte Auszeit unter umständen plausibler als ein etwas fadenscheiniges Sabbatical.

  • Willst du genauer erklären warum? Das mit deiner Frau haben wir ja geklärt, oder?;)

    Ich habe Angst mich meinen eigene Abgründen zu stellen. Mit meiner Frau und der Suchtberaterin darüber zu sprechen.

    Ich bin noch sehr emotional wegen der Entgiftung. Eventuell fange ich an zu weinen, stark zu schwitzen oder zu zittern und der Termin endet in einer emotionalen Katastrophe.

    Ich hab auch tatsächlich Respekt vor einer Stationären Behandlung. Was wenn morgen der Eindruck entsteht es geht nicht ohne.

    Einfach nicht die Kraft zu haben morgen dort hin zugehen.

    Die ganze Nacht nicht schlafen zu können vor Aufregung.

  • Danke für deine Offenheit.

    Ich habe Angst mich meinen eigene Abgründen zu stellen. Mit meiner Frau und der Suchtberaterin darüber zu sprechen.

    Ich habe mich meiner Sucht gestellt und allem, was damit zusammen hing und der Schritt war notwendig für mich.
    Die Sucht hat viel Stress bedeutet und enormen Druck aufgebaut und als ich darüber offen und ehrlich gesprochen habe, waren das sehr emotionale Momente. Einmal habe ich geheult, wie ein Schlosshund.
    Als es raus war, habe ich eine große Erleichterung verspürt.

    Ich bin noch sehr emotional wegen der Entgiftung. Eventuell fange ich an zu weinen, stark zu schwitzen oder zu zittern und der Termin endet in einer emotionalen Katastrophe.

    Sei einfach du selbst, offen und ehrlich, die Zeit der Heimlichkeiten und Lügen ist vorbei.
    Eine Suchtberaterin kann damit umgehen und deine Frau, ich gehe mal davon aus, dass ihre Teilnahme mit deinem und ihrem Einvernehmen stattfindet, denn das entscheidest du.

    Und ob stationär oder nicht, das besprecht ihr morgen. Das Ziel ist die langfristige Absicherung der Abstinenz und dem habe ich alles untergeordnet. Hör mal in dich rein, ob es da noch andere Befindlichkeiten gibt.

    Einfach nicht die Kraft zu haben morgen dort hin zugehen.

    ….und dann? Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte, dass du nach dem Termin viel klarer sehen wirst und gehe du davon aus, dass du bei Profis bist, die so etwas nicht zum ersten Mal machen.

    Ich wünsche dir viel Erfolg für morgen und das „Glück“ kommt von alleine.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Lieber Nayouk24, du hilfst mir so gut. Vielen herzlichen Dank.

    Meine Frau hat mich auch gerade nochmal bestärkt das meine Ängste unbegründet sind. Jetzt geht es schon viel besser.

    Wir konnten den Termin morgen inhaltlich gerade auch gut vorbereiten.

    Und das ich insgesamt an mir arbeiten muss, das mir die Angst vor solchen Termine oder "harten" Geschäftsmeetings nicht in die Knie zwingen und dumme Sachen machen lassen, wird für mich immer deutlicher,

  • Willkommen bei uns.

    Natürlich wird auf dem Weg in die Nüchternheit alles um einen herum auf den Prüfstand gestellt: das Private, das Berufliche und alles, was jahrelang weggesoffen wurde, kommt an die Oberfläche. Emotionen kochen hoch, Unsicherheiten wachsen – alles normal und verständlich. Eine Bestandsaufnahme ist wichtig, ebenso wie das Anerkennen dessen, was zu tun ist.

    Dabei sollte aber auch der eigene Schutz nicht vergessen werden. Hast du schon deine Wohnung alkoholfrei gemacht? Das ist ein wichtiger Schritt, um ein alkoholfreies Umfeld zu schaffen. Weitere Maßnahmen wären, im ersten Jahr Feiern, Feste oder Veranstaltungen zu meiden, bei denen Alkohol im Vordergrund steht, und vieles mehr. Hast du dich da schon auch informiert.

    Und Warum nimmst du deine Frau mit zur Suchtberatung? Es geht doch um dich, oder? Das könnte doch eher hinderlich wirken, vor allem, wenn du, so wie ich lese, Bedenken hast, dich zu öffnen, wenn sie dabei ist.

    Das nur interessehalber und nicht als Bewertung.

    Schau mal, kennst du den Artikel?


    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo zusammen,


    Erstmal tausend Dank für eure Unterstützung.

    Die Angst vor dem Gespräch heute war natürlich unbegründet.

    Meine Suchtherapie kann ich ambulant direkt bei der Suchthilfe machen und mit meinem Chef hatte ich ein klärendes Gespräch und der Exit wird auch gut verlaufen. Ich werde gekündigt und bekomme trotzdem ein gutes Zeugnis.

    Suchtdruck habe ich keinen, außer ein bisschen Nervösität. Mit meiner Frau ist auch alles fein :)

    Der Tag war anstrengend und das ganze muss jetzt erstmal sacken bis morgen.

  • Das freut mich, dass dein Termin erfolgreich war. Jetzt lass alles erstmal sacken und wenn du dich mitteilen willst, du wirst gelesen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich schreib einfach mal ein bisschen wie es mir heute geht. Ich konnte mich den Tag ganz gut ablenken und habe viele Sachen erledigt. Die Sache mit dem Job belastet mich weiterhin noch am meisten, aber ich versuche nicht so viel daran zu denken. Das Problem muss ich einfach später lösen. Bestimmt mache ich mir darüber viel zu viel Gedanken. Meine Skills sind sehr gefragt am Arbeitsmarkt, ich habe viele Kontakte die mir weiterhelfen können, zur Not kann ich zum alten AG zurück oder sogar freiberuflich arbeiten. Und ich muss auch zu einem späteren Zeitpunkt, sobald ich rationaler Denken kann überlegen, ob und wie ich mich beruflich verändern möchte.

    Ich hab immer noch emotionale Downphasen. Aber ich habe den Eindruck das diese kürzer werden. Manchmal geht es mir auch richtig gut und ich bin ein bisschen stolz es bis hierhin geschafft zu haben. Ein bisschen Motivation die 'freie' Zeit in den nächsten Tagen sinnvoll zu nutzen ist auch aufgekommen. Gartenarbeit, Keller aufräumen, unnötigen Krempel bei Ebay Kleinanzeigen einstellen, mal wieder ein bisschen zocken oder anderen Hobbys nachgehen.

    Der nächste Termin in der Suchttherapie steht auch an. Diesmal freue ich mich fast schon drauf. Die Überzeugung niemals wieder zu trinken festigt sich immer mehr. Aber das ist kein Sprint und kein Marathon.

  • Bestimmt mache ich mir darüber viel zu viel Gedanken. Meine Skills sind sehr gefragt am Arbeitsmarkt, ich habe viele Kontakte die mir weiterhelfen können, zur Not kann ich zum alten AG zurück oder sogar freiberuflich arbeiten. Und ich muss auch zu einem späteren Zeitpunkt, sobald ich rationaler Denken kann überlegen, ob und wie ich mich beruflich verändern möchte.

    Manch einer wäre froh, wenn er so viele Optionen hätte.
    Nimm die Tatsache und entspann dich.

    Ich hab immer noch emotionale Downphasen.

    Immer noch ? Wie lange bist du jetzt abstinent? Was erwartest du?

    Alkohol stört und schädigt das Neurotransmittersystem im Gehirn. Für die Regeneration benötigt das Gehirn bei vollständiger Abstinenz mehrere Monate oder länger.
    Viele alkoholbedingte Veränderungen sind reparabel, manches bleibt für immer geschädigt.
    Die Gefühlsschwankungen nehmen mit der Zeit ab.
    Du stehst noch am Anfang und Geduld ist eine Eigenschaft, die dir helfen könnte, obwohl gerade am Anfang viele Veränderungen in kurzer Zeit spürbar sind.

    Ich habe mich irgendwann darauf eingelassen und mir die Zeit gegeben.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Immer noch ? Wie lange bist du jetzt abstinent? Was erwartest du?

    Diese letzte Trinketappe mit täglichem Trinken ging 'nur' ein paar Wochen. Ich hab das auch gerade in meiner Fitnessapp nochmal nachvollzogen. Vor 5 Wochen war ich noch 1-2 die Woche im Fitnessstudio. Bis vor 10 Wochen habe ich im Durchschnitt 5 mal die Woche trainiert. Hatte ehrlich gesagt nicht erwartet das es so schlimm wird. Möchte das aber auch nicht relativieren. Es ist einfach überraschend wie stark das 'Suchtgedächtnis' ist.

    Aber ich wollte das eigentlich nicht so negativ formulieren. Ich lerne auch gerade damit umzugehen. Auch zum Dank dieser SHG und eurer Hilfe.

    Einmal editiert, zuletzt von Morck (25. Juni 2025 um 09:26)

  • Heute Morgen fühle ich mich auch schon wieder ein bisschen besser als gestern morgen. Letzte Nacht war die erste seit langem die ich erholsam durchgeschlafen habe. Das Gedankenkarussell wegen der Jobsituation konnte ich bisher stoppen.

    Ich bin jetzt 10 Tage trocken und 3 Tage ohne Medikamente.

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