Beiträge von stef2303

    Hallo, liebe Leute!

    Das Wort zum Sonntag? Nein, keine Sorge, nur eine Kleinigkeit, die mich heute ein bisschen zum Grübeln gebracht hat.

    Heute räumte ich ein wenig mein Handy auf und ging dabei auch durch meine Whatsapp-Kontakte und die Chats. Was mir beim Durchforsten auffiel ist, dass es gar nicht mal wenige Bekannte (männlich wie weiblich) gibt, die man auf Fotos nur sehr selten ohne ein Glas Sekt, Wein oder Bier sieht. Oder [noch bezeichnender!] man sieht nur z.B. einen Tisch auf einer Terrasse, gerichtet auf die Berge oder das Meer und: ein Glas mit etwas Alkoholischen drin mit vielen Grüßen aus dem Urlaub oder von sonst wo. Also nicht einmal mehr den Menschen selbst.

    Anscheinend stellt es sich für manche als Selbstverständlichkeit dar, sich so zu präsentieren, um "in" zu sein, zu zeigen, dass man das Leben genießt, in der Gesellschaft angekommen ist [manche werden sich vermutlich suchtbedingt aus den geselligen Kreisen bald wieder verabschieden] oder was weiß ich.

    Gerade eben gesehen: Bilder von einer mir bekannten Familie bei der Osterjause und jeder bis auf die Kinder hält ein Glas in die Kamera und grinst dümmlich in die Linse.

    Bei so manchem (auch mancher) fallen dabei - wie eben bei der genannten Osterjause - die rötlichen Gesichter und die glasigen Augen schon am frühen Nachmittag auf. Man kann sich denken, wie das enden wird. Im besten Fall mit einem ordentlichen Schwips oder Vollrausch, bei manchen fürchte ich mit der einen oder anderen familiären Krisensituation (kenne ein Paar, da weiß ich jetzt schon, dass das noch unangenehm wird).

    Ja und dann sah ich meine Fotos von früher durch, die ich anderen geschickt habe. Von Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten, geselligem Miteinander. Gruppenfotos, Selfies - egal. Und ich sah dasselbe! Selten mal ein Bild ohne das obligatorische Glas Weißweinschorle oder die "dezente" 0,3er-Party-Flasche Bier [Sarkastische Anmerkung: Eine 0,5er-Flasche nimmt man ja nicht in die Hand, das schaut doch billig aus und man wirkt wie ein Säufer. Daher lieber die kleinen 0,3er-Flaschen am Stehtisch in netter Runde, das wirkt unauffällig und so was von distinguiert. PS: In der Zeit, wo ich sonst eine 0,5er-Flasche getrunken hätte, habe ich natürlich zwei oder drei 0,3er-Flaschen getrunken... Viel "besser", oder!? - Das musste ich jetzt mal loswerden.]

    Jedenfalls: Diese Wahrnehmung hat mich dann doch schon irritiert bzw. "gepackt".

    Ich glaube, wenn man abstinent lebt, fallen einem solche Dinge viel öfter auf. Und man erkennt, wer aus dem Bekanntenkreis ein massives Problem mit unserer Volksdroge Nr. 1 haben dürfte. Das Trockensein schärft da tatsächlich die Sinne.

    Warum ich das schreibe? Eigentlich weiß ich das gar nicht so genau, aber irgendwie fiel mir das auf und ich merkte, dass das bei mir zu nassen Zeiten ähnlich war. Die Fotos: Hinweise, dass der Alkohol vielleicht doch eine größere Rolle im Leben spielt, als man denkt.

    Bei Fotos von mir sieht man mich jetzt nur mehr selten noch mit einem Glas in der Hand (oft nur das "berühmte" Sektglas mit Orangensaft drin zum Anstoßen bei Feierlichkeiten). Von diesem gesellschaftlichen Zwang des "Zeigen-des-gut-gelaunt-seins-mit-einem-Gläschen-xy" bin ich erfreulicherweise größtenteils weg. Bei so manch anderem / anderer denke ich mir allerdings, wenn ich Fotos sehe: "Also Du hast aber auch schon ein echtes Problem mit dem Alkohol."

    Wie dem auch sei, dachte mir, ich schreibe das mal nieder - da mich diese Wahrnehmung doch irgendwie zum Grübeln gebracht hat.

    LG, Euer Stef.

    Ist es besser sich schon auf einen konkreten Termin festzulegen oder aus der Situation heraus? Alleine das Gespräch und dann weggehen? Oder sollte da jemand dabei sein? Ich krieg Bauchschmerzen, wenn ich nur daran denke und wünschte mir, ich könnte das mal irgendwie kurz ausblenden und wieder fröhlich sein.

    Hallo Deli!

    Da ich nicht von der Co-Seite komme und meine Trennung damals auch nur bedingt vom Alkohol herrührte, möchte ich hier nur kurz schreiben, was bei mir (der verlassen wurde) definitiv nicht funktionierte bzw. die Sache verschärfte:

    Meine Ex-Partnerin plante ihren Ausstieg so präzise (ich ahnte davon überhaupt nichts), dass sie für sich einen Termin bei ihrem Psychologen vereinbarte, mich kurzfristig (also so von jetzt auf gleich) bat, sie dorthin zu fahren, danach sollte ich sie aus einem fadenscheinigen Grund zum Gespräch begleiten und dann nach einem kurzen Smalltalk, wie das Befinden ist und wie die Arbeit so läuft, erklärte mir mehr weniger der Psychologe (!), dass die Beziehung zu Ende ist und ich das zur Kenntnis nehmen soll.

    Man kann sich denken, wie dann die Rückfahrt war bzw. die nächsten Tage verliefen. So eine Vorgehensweise hat die Sache nicht gerade vereinfacht.

    Mir selbst hätte ich gewünscht, dass mir die Trennung persönlich mitgeteilt worden wäre.

    Wie reagiert man auf Trennungen als Verlassener? Wie Du sagst, Ärger/Zorn/Wut, Gleichgültigkeit, Resignation, Verständnis/Zustimmung (ja, das gibt's auch!), Panik, Verzweiflung und und und.

    Da reagiert jeder anders. Wäre das Trennungsgespräch bei mir (jetzt kommt eine dumme Formulierung, ich weiß:) "normal" verlaufen, wäre mir die Trennung vermutlich sogar relativ "gleichgültig" gewesen, also "egal", da mir der Alkohol wahrscheinlich vorgaukelt hätte, dass eine Trennung gar nicht mal so schlecht sei (da kann man dann ja machen, was man will - der "Klassiker" nassen Denkens eben).

    Durch die demgegenüber gewählte Form des Trennungsgespräches verschärfte sich die Situation aber insoweit, dass aus der Gleichgültigkeit der Ärger gepaart mit Sarkasmus erwuchs und dann die Fragen der Trennungsfolgen nicht mehr so einfach auszudiskutieren waren.

    Was will ich damit sagen? Eigentlich nur, dass man sich gut überlegen sollte, wie und in welchem Ambiente man die Trennung ausspricht. Das ist wohl in jeder Beziehung anders, so jeder Mensch anders ist. Vor allem aber bringen meines Erachtens Provokationen (wie auch übermäßige und ins Details gehende, wiederholte Schuldzuweisungen) eher selten etwas.

    Auch wenn das Trennungsgespräch an sich schon sehr belastend ist, ist es glaube ich besser, dieses ruhig und sachlich anzugehen. Und man sollte sich als Verlassende/-r im Vorfeld schon klar überlegt haben, wie (v.a. WO) jeder der beiden (Verlassende/-r und Verlassene/-r) die nächste Zeit lebt. Wobei eine räumliche Trennung natürlich absolut sinnvoll ist, da ja ansonsten das Trauerspiel weitergeht bzw. sich möglicherweise sogar noch verschärft...

    LG, Stef.

    Naja, ich bleibe dabei. Ich will nichts mehr trinken. Aber es ist echt hart wenn man sieht das man schon so viele Chancen hatte und jetzt merkt was man eigentlich so angestellt und verloren hat.


    Liebe Carmen!

    Ich kann Dir versichern, mit diesen Gefühlen bist Du nicht allein. Es ist wohl bei den meisten Alkoholikern so, dass sie erst dann, wenn es im Grunde schon zu spät ist, zu der Einsicht gelangen, dass der Alkohol in keinster Weise der so vermeintlich gute Freund, der Seelentröster, der Heile-Welt-Erschaffer, die Selbstbewusstseins-Fee und und und ist.

    Wenn ich Deine Worte "Aber es ist echt hart wenn man sieht das man schon so viele Chancen hatte und jetzt merkt was man eigentlich so angestellt und verloren hat." lese, dann könnte ich diese 1:1 für mich übernehmen.

    Dass sich bei Dir derzeit das Gedankenkarussell dreht, ist nachvollziehbar. Gerade die erste Phase des Trockenwerdens bzw. der Trockenheit, in der man realisiert, was zu nassen Zeiten alles schiefgelaufen ist, ist psychisch natürlich besonders belastend. Was hätte alles sein können, hätte ich nicht getrunken? Welche Freunde / Bekannten hätte ich noch? Welche Familienmitglieder oder Angehörigen hätten sich nicht von mir abgewandt oder von welchen hätte ich mich nicht abgekehrt (was ich jetzt vielleicht nicht mehr rückgängig machen kann)? ... ... ...

    Insgesamt eine heftige Zeit im Gefühls- und Gedankenleben von uns Abhängigen. Das ständige Denken an das, was geschehen, verloren ist.

    - edit, bitte keine externen Zitate hier im Forum einfügen, danke, Linde -

    Was hat uns der Alkohol genommen? Was war früher anders? Was "fehlt"?

    Ja, ok, aber machen wir es dann doch einmal anders herum: Denken wir einmal im Hinblick auf die Folgen der Alkoholsucht an das, was wir insoweit "haben": Nennen wir es doch beim Namen: Die Möglichkeit, aus der Vergangenheit (die wir sowieso nicht mehr ändern können) zu lernen und dadurch die Zukunft für uns besser zu gestalten. Bieten nicht auch Ereignisse in nassen Zeiten bzw. deren Konsequenzen (Verlust, Trennung, Lebenswandel etc.) die Chance, Dinge neu zu betrachten und eine neue Lebensweise zu beginnen? Natürlich, zum Lernen und zum Ändern der Lebensumstände braucht es selbstverständlich keinen alkoholbedingten Tiefpunkt. Das geht auch ohne und wäre ohne einen solchen auch viel besser. Bloß ist die Sache mit dem Alkohol nun einmal da und die ist auch nicht mehr wegzubekommen. Damit müssen wir uns abfinden.

    Auch wenn es mir (wem schon?) subjektiv betrachtet natürlich nicht gefällt, Eskapaden oder Aspekte der nassen Zeit, mein damaliges Verhalten, meine soziale Geisterfahrt, vor den Latz geknallt zu bekommen, so hilft es mir dennoch, meine Lehren daraus zu ziehen und mein Leben entsprechend zu ändern. Wobei hier auch eine Psychotherapie durchaus Sinn machen kann. Mich stört es z.B. gar nicht, wenn mir meine Psychotherapeutin mein schädigendes Verhalten (bezogen auf mich selbst und mein Umfeld) aufzeigt. Ich denke, gerade hieraus kann man ganz viel für die Zukunft mitnehmen. Im Grunde kann es nach der Erkenntnis, was alles daneben gegangen ist und man sich ganz unten wähnt (was objektiv ja gar nicht sein muss), eigentlich ja nur noch bergauf gehen.

    Und wenn nicht nur die Erkenntnis da ist, dass das, was durch den Alkoholkonsum geschehen ist, so vieles beschädigt hat, sondern auch die Einsicht, dass sich etwas ändern muss und auch danach gehandelt wird, dann - glaube ich - besteht doch oft noch die Chance, vieles retten zu können. Ich meine nicht rückgängig machen (das geht nicht), aber zumindest unter neuen Voraussetzungen neu zu beginnen - das kann man schon!

    Ein paar Gedanken von mir...

    LG, Stef.

    Hmm... sagen es mal so: Hätte ich mich nicht über die Jahre so konsequent in die Alkoholabhängigkeit gesoffen, dann wäre es vermutlich kein Problem (ich meine in Bezug auf meine psychische Abhängigkeit) gewesen, mit ihr mit einem (1!) Gläschen anzustoßen.

    Aber das kommt jetzt klarerweise nicht mehr in Frage; ich brauche sicherlich keinen Rückfall. So gefestigt bin ich aber glaube ich schon, um auch in schwierigen Situationen das Glas stehen bzw. die Flasche zuzulassen.

    Zu früheren Zeiten wäre genau so eine Situation übrigens der Grund gewesen, eine Trinkpause zu beenden. Da dachte ich auch noch anders. Jetzt denke ich nicht mehr in Trinkzeiten und Trinkpausen, sondern ist Alkohol schlichtweg keine Option mehr.

    In Bezug auf die Kollegin: Zum Stand heute würde ich, auch wenn sie mich gefragt hätte, nicht getrunken haben (habe ich ja auch nicht), weil ich mir meiner Krankheit bewusst bin und den Irrsinn von damals nicht noch einmal erleben möchte. Ohne Abhängigkeit und problematischem Alkoholkonsum (diese Zeit gab es auch irgendwann mal) hätte sich die Sache vermutlich - und zugegeben - wohl anders dargestellt.

    Im Denken in der weit zurückliegenden Vergangenheit und ohne Abhängigkeit zu leben, mag zwar ein wenig "nostalgisch" sein - auf dem Lebensweg der eingeschlagenen Abstinenz bringt einen dieses Wunschdenken des wieder suchtfreien Daseins aber auch nicht weiter...

    Daher war die Situation der Verabschiedung heute für mich zwar emotional unangenehm, aber letztlich ging es problemlos auch ohne Alkohol.

    Hallo liebe Leute!

    Diesmal tatsächlich nur kurz.

    Es gibt sie, diese Momente, die die hässliche Fratze der Droge Alkohol bzw. die Folgen der Abhängigkeit aufzeigen:

    Heute hatte wir abends in meiner Firma Verabschiedungen von langjährigen Mitarbeiter/-innen. Nach dem offiziellen Teil saß ich später dann alleine in meinem Büro und eine Kollegin, mit der ich die letzten fast 20 Jahre im Unternehmen praktisch "aufgewachsen" bin und mit der ich echt vieles erlebt habe, klopfte an, bedankte sich bei mir für die schönen Jahre der Zusammenarbeit und des Miteinanders und schenkte mir schließlich eine Flasche Hochprozentiges (Selbstgebranntes) aus ihrer Heimat. Grundehrlich und gut gemeint bzw. ohne böse Absichten. Diese Situation war letztlich doch emotional belastend (sentimental bin ich normalerweise nicht), da es wirklich eine lange Zeit des Miteinanders war und der Abschied wohl endgültig sein wird. Sie kehrt in ihre Heimat zurück.

    Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Gute (sie war übrigens absolut nüchtern) hätte es gerne gehabt, dass wir praktisch ein letztes Mal auf die Vergangenheit und die Zukunft angestoßen hätten. Sagte dies aber nicht direkt.

    Da sie von meiner Krankheit nichts wusste, zog ich mich wieder einmal mit fadenscheinigen Ausflüchten aus der Affaire.

    Getrunken habe ich nichts; die Flasche blieb zu. Die Flasche nicht annehmen, das konnte ich nicht (Ich meine hier: Das brachte ich nicht übers Herz).

    Und nachher, als ich wieder alleine im Büro war, dachte ich mir: Jetzt bekommst Du die Rechnung für das präsentiert, was Du früher durch Deinen Weg in die Abhängigkeit erreicht hast.

    Da sieht man, wie zerstörerisch die Abhängigkeit ist...

    LG, Stef.

    Hallo Sam!

    Aus eigener Erfahrung kann ich hier nur sagen: Das von Dir angekündigte Gespräch wird vermutlich als Angriff gesehen werden und in einem astreinen Streit enden. Mit dem Ergebnis, dass Du Dich noch mehr ärgerst. Vielleicht ist es hier sinnvoller (um den offenbar ohnehin schon schief hängenden Haus- und Seelenfrieden nicht weiter zu gefährden), einfach über den "Ausrutscher" (ich weiß, ein etwas unpassendes Wort) hinwegzusehen..?

    Ich / meine Partnerin haben das in meinem Fall nicht getan und es hat fast immer in einem zusätzlichen Streit geendet - von dem niemand etwas hatte...

    Ein bisschen Bedauern empfinde ich manchmal schon noch aber das gilt wenn ich ehrlich bin nicht den Menschen mit denen ich getrunken habe, sondern dem Gefühl der Zugehörigkeit. Alkohol hat das für mich erleichtert, die Abkürzung quasi. Jetzt knüpfe ich Verbindungen nüchtern, ist manchmal unsäglich anstrengend für mich aber es lohnt sich immer.

    Hallo Hobbes!

    Ja, genau das ist es. Sich nüchtern ein neues Leben aufzubauen, ist ausgesprochen anstrengend. Vor allem was das soziale Umfeld betrifft. Und ich denke, mit dem Alter wird das auch immer schwieriger. Wenn ich mich jetzt ansehe und mich mit meinem Ich von vor 10 oder 20 Jahren vergleiche, dann merke ich auch und doch recht deutlich, dass diese meine Lockerheit von früher (der Elan der "jungen" Erwachsenen) nicht mehr so da ist - eben jene Lockerheit, die der Alkohol entsprechend zusätzlich verstärkt hat. Ich gebe Dir da recht. Bei einer Feier war es für mich - subjektiv betrachtet - erheblich leichter, mit einem Glas Wein oder einer Flasche Bier in der Hand Anschluss zu finden, Leute kennenzulernen, sich zu verabreden usw. Als trockener Alkoholiker z.B. nach der Arbeit auf einen After-Business-Drink zu gehen, das funktioniert meistens nicht so wirklich.

    Kurz- bis mittelfristig geht mit der Abkehr vom Alkohol aus meiner Sicht ganz grundsätzlich eine Reduktion der Sozialkontakte einher. Das ist zwar traurig, aber aus meiner Erfahrung - und soweit ich das auch bei anderen sehe - kaum zu vermeiden. Wobei: Auf mich bezogen, könnte ich da durchaus [und mit Recht!] auch "Selber schuld!" sagen. Hätte ich mich damals nicht krank und in die Abhängigkeit getrunken, hätte ich jetzt diese Schwierigkeiten nicht. Daher möchte ich auch nicht in Selbstmitleid versinken, sondern einfach meinen Fokus auf mein Leben 2.0 legen, wobei mir insoweit auch dieses Forum sehr hilft, da ich sehe, dass bei vielen die Probleme doch im Grunde dieselben sind und man sich entsprechend austauschen kann.

    Die nassen Zeiten sind jedenfalls vorbei und jetzt gilt es eben, entsprechend Energie in ein trockenes Leben zu stecken. Auch wenn es mühsam ist, aber im Endeffekt lohnt es sich.

    In diesem Sinne, LG Stef.

    Hallo, liebe Leute!

    Nachdem ich jetzt drei Wochen nichts geschrieben habe (aber mitgelesen habe ich immer fleißig), ein oder zwei Gedanken, die mich in letzter Zeit etwas "plagen":

    Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, baue ich nach x Jahren des Gewohnheitstrinkens, welches vor meinem Entschluss, dauerhaft nichts mehr zu konsumieren, zuletzt schon schwer bedenkliche Ausmaße angenommen hat, mein Leben komplett neu auf. bzw. bin ich da mittendrin. Will heißen: Umzug in eine andere Stadt, Aufbau neuer Sozialkontakte, weniger Arbeit (die war der Hauptgrund für die Trinkerei), viel Sport, ehrenamtliches Engagement, Veranstaltungen etc. - also eine bessere work-life-Balance eben. Und natürlich kein Alkohol.

    Was mir nun langsam immer mehr auffällt, ist allerdings, dass (nennen wir es mal so:) mein bisheriges "Umfeld" mir teilweise meinen Umstieg bzw. meine neue Lebensweise doch immer wieder "madig" zu machen versucht (sagt man das so?). Es sind zwar oft nur Kleinigkeiten, aber sie fallen auf. Immer mehr. Bei der Arbeit (habe weiterhin dieselbe Stelle) vermeiden manche den Kontakt, Einladungen zu Veranstaltungen werden nicht mehr ausgesprochen, die neue Wohnung passt nicht, meine Freizeitaktivitäten werden kritisiert (zu viel, zu anstrengend, "du mutest dir zu viel zu", "geh' es lockerer an", "früher hast du dich nicht so herausgenommen" [gemeint: Feiern und so], etc.). Irgendwie wird mir hier der Boden unter den Füßen weggezogen. Bzw. kommt es mir vor, als möchten mich manche geradezu sabotieren.

    Ja klar, zur nassen Zeit war der Umgang mit mir bzw. mein Umgang mit anderen anders - "einfacher", lockerer, vorhersehbarer für so manchen - zum damaligen Zeitpunkt betrachtet. Heute rückblickend natürlich war es ein unverantwortlicher Zustand, der da herrschte. Unverantwortlich meinen Mitmenschen (die haben teils genug mitgemacht) und auch mir selbst gegenüber. Über so viele Jahre. Und das soll es in Zukunft nicht mehr geben.

    Wie auch andere in Bezug auf ihre Lebensgeschichte schreiben, ist meine derzeitige Situation nichts Außergewöhnliches - das alte Umfeld passt eben nicht mehr in die trockene Zeit und es ist freilich am besten, neue Pfade zu beschreiten und die alten ungesunden Beziehungen zu beenden und Gewohnheiten zu lassen.

    Dass dies aber so hart ist, hätte ich mir nicht gedacht. Vor allem, wenn sich langjährige "Freunde", die man seit dem Kindergarten kennt, von einem abwenden. Wobei: Freunde waren es dann wohl doch nicht...

    Andererseits: Zumindest sehe ich jetzt, dass ich vieles in der Vergangenheit vollkommen falsch eingeschätzt habe. Also heißt es, wieder einmal von vorne anzufangen (ist nicht das erste Mal - aber in Bezug auf die Abstinenz schon). Habe mir jetzt einmal das Ziel gesetzt, mich bis spätestens nach dem Sommer komplett neu aufzustellen, die Vergangenheit in eine Kiste zu packen und diese irgendwo zu vergraben. Ich hoffe, das klappt.

    Wie unlängst meine Psychotherapeutin meinte: "Gehen Sie noch mehr raus!", da dachte ich mir schon: Ja, das sagt sich so leicht. Aber ein einsturzgefährdetes Haus setzt man man auch nicht von heute auf morgen wieder in Stand.

    Es wird also wohl noch ein langer Weg...

    Da nun auch der Regen schön langsam aufhört, geht es jetzt noch zum Sport und dann in ein hoffentlich ruhiges Wochenende.

    Liebe Grüße, Euer Stef.

    Wie ist das auf der Arbeit ? Merken das die anderen nicht ? Oft stehen viele direkt neben ihr. Merkt man das nicht, wenn man nicht drauf achtet, ob jemand betrunken ist ? Irgendwann fliegt man doch auf oder ?

    Hallo Sebi!

    Ich kann Dir versichern: Wenn es Alkoholiker/-innen nicht allzu toll übertreiben und es "geschickt" anstellen [ja, und manche werden über die Zeit da richtig kreativ bzw. Profis drin], dann vermag es anderen auch auf dem Arbeitsplatz - außer man ist selbst mit von der Partie - oft nur schwer aufzufallen, dass getrunken wird. Vor allem dann, wenn man so ist, wie man immer ist und keine Stimmungsschwankungen oder Persönlichkeitsveränderungen eintreten. Bis zu einem gewissen Grad ist das glaube ich tatsächlich trainierbar. Ich kann mich an meine schlimmste Zeit erinnern; selbst da brauchte es schon ein gewisses Gespür bzw. einen geschulten Blick oder sagen wir mal so: "man musste mich schon besser kennen", um entlarvt zu werden.

    Gefährlich - oder sagen wir mal <verräterisch> - wurde es bei mir eher dann, wenn ich mit zu viel im Blut Memos geschrieben, E-Mails verschickt oder Telefonate geführt habe. Das habe ich dann aber auch recht schnell gelernt: Zu gewissen Zeiten lieber still im Büro sitzen bleiben und so manche Dinge sein lassen.

    Auffliegen, wie Du sagst, wird man natürlich, über kurz oder lang, klar. Und dann wird es peinlich - war bei mir auch so, als mich einmal ein älterer Kollege unverblümt unter vier Augen darauf ansprach, dass ich doch etwas aufpassen sollte. Wenn man zu viel trinkt, verändert sich freilich auch das Aussehen, was natürlich auch auffällt. Aber selbst das schafft oft so manche(r) - ich möchte hier fast sagen: aufgrund von Make-up, Parfum udgl. eher die Damenwelt - weitestgehend zu kaschieren.

    Aber bis man entlarvt wird, das kann glaube ich tatsächlich dauern, weshalb ich es auch als durchaus für möglich halte, dass man Deiner Freundin am Arbeitsplatz nicht unbedingt die Trinkerei anmerkt.

    LG, Stef.

    Was machst du denn, wenn derjenige gleich danach mit dir anstoßen will?

    In so einer Situation, sage ich „Nein, danke für mich ein Wasser oder O-Saft“. Das sollte doch immer möglich sein.

    Wenn es mir gut geht, auch mental gut geht , dann habe ich die Stärke, das Glas Alkohol in der Hand weg zu stellen. Was ist aber an Tagen, wo ich gestresst, enttäuscht oder traurig bin? Habe ich sie dann immer noch?

    Hallo Nayouk24!

    Gute Frage. Hier kommt dann doch wieder ein wenig der Schauspieler in mir durch (bei dem, was ich beruflich mache, muss man das leider auch nur allzu oft sein).

    Und was viele Alkoholiker (primär nasse, aber das verlernt man ja nicht) gut können (aus meiner Erfahrung zumindest), ist doch schauspielern und lügen (sich selbst anlügen oder andere - meistens ohnehin beides), fürchte ich, oder? Zumindest war das fast 25 Jahre lang meine "Überlebensstrategie". Ich glaube, in meiner Vorstellung habe ich mal kurz erwähnt, dass nicht einmal meine letzte Ex-Partnerin gemerkt hat, dass ich problematisch trinke (das sagt sie nach wie vor nach x Jahren Beziehung und ich glaube ihr das). Das finde ich nach wie vor schlimm bzw. kaum fassbar, wie der Alkohol die Persönlichkeit verändert. Die Trennung hatte einen anderen - leider unschönen - Grund. Auch in den AA-Meetings wird immer wieder erzählt oder bestätigt, wie kreativ man damals als nasser Alkoholiker mit Ausflüchten oder Lügen war. Die Frage stellt sich eben nur, wie weit man damit kommt und ob es einem tatsächlich geglaubt wird.

    Ja, und wenn der Hut brennt, dann schaffe ich es doch immer wieder, mich aus brenzligen Situationen herauszuwinden. Ob mir das Gegenüber meine Ausflüchte wirklich "abnimmt", das weiß ich zwar nicht, aber das Trinken vermeide ich dadurch jedenfalls.

    Was wären so die "Klassiker" in der von Dir geschilderten Situation:

    - Meine Medikation lässt Alkohol derzeit nicht zu. Der Blutdruck, Du weißt - und Alkohol und Betablocker vertragen sich nicht.

    - Es tut mir furchtbar leid, aber heute muss ich selbst mit dem Auto nach Hause fahren Du weißt, da kann ich mir höchstens 0.0 erlauben.

    - Ich habe heute noch einen dringenden Termin, da ist vorher Alkohol tabu.

    - Ich muss heute noch eine wichtige Arbeit zu erledigen, da bleibe ich lieber nüchtern. Es geht schließlich um die Firma, Du weißt, da darf man sich keine Fehler erlauben.

    - Mein Magen macht mir die letzten Tage über Sorgen.

    - Ich habe furchtbare Kopfschmerzen; das mit dem Sekt lasse ich heute lieber und nehme eine Tablette.

    - usw.

    Ganz zu schweigen, von den anderen Tricks und Kniffen, die es da gibt.

    So ist das, ja leider.

    Bloß zu sagen "Danke, ich trinke nicht." ist hier bei mir nicht ganz so einfach, wie man sich das vorstellt. Das hängt aber immer von der Situation bzw. Gesellschaft ab. Ab und an gilt tatsächlich die Devise: Mehr Schein als Sein. :/

    Vielleicht brauche aber tatsächlich einmal einen wirklich peinlichen Moment, wo ich nicht mehr aus dem Schlamassel heraus kann..?

    Wenn ich - wie Du fragst - gestresst, enttäuscht oder traurig (und vor allem - und das kommt häufiger vor - nachdenklich) bin, macht dies die Sache natürlich schwieriger. Da halte ich mich dann tatsächlich von jedem Glas bzw. Trinkanlass soweit es geht fern und powere mich beim Sport oder im Job so aus, dass für diese Gefühle gar kein Platz mehr ist. Oder ich erkläre, ich hätte was Wichtiges zu tun und verschwinde dann einfach. Ich glaube aber nicht, dass ich dennoch zur Flasche greifen würde.

    Ich fürchte, dass ist meine Antwort auf Deine Frage. Stolz bin ich darauf nicht und charakterlich... Ja, ich weiß.

    Doch man sieht: Mit der Abstinenz hören die Probleme nicht einfach so auf.

    Liebes Forum!

    Nachdem ich - trotz fleißigen Mitlesens - festgestellt habe, dass ich schon länger nichts mehr in meinem Faden geschrieben habe, denke ich, es ist Zeit für ein kleines Update. Wobei ich aber kaum etwas Interessantes berichten kann.

    Wie geht's mir ohne Alkohol? Körperlich und mental im Grunde gut. Körperlich 1a - mental: ja, es passt schon. Alleine durch das Weglassen der täglichen und abendlichen (ich formuliere es mal sarkastisch:) "Tranquilizer", verbunden mit einer einigermaßen gesunden Ernährung und dem Sport habe ich - heute war mal wieder Wiegetag - etwas über 20 kg verloren. Fühlen tue ich mich wieder wie Mitte / Ende 30; ich glaube auch, die körperlichen Anzeichen des früheren Alkoholkonsums sieht man nicht mehr wirklich. Mein "Flaschenzähl"-Motivator (habe ich weiter oben mal erwähnt) funktioniert einwandfrei und für jeden Tag ohne Alkohol wandert abends ein 10-Euro-Schein in eine kleine Schachtel. Auch hier bin ich selbst von mir überrascht, wie leicht sich mein Suchthirn in seine Schranken weisen lässt.

    Privat ist der Umzug im Gange, mit den üblichen kleineren Problemchen (Möbellieferung, Stromvertrag usw.), aber alles machbar: Anfang / Mitte April sollte ich tatsächlich einziehen können.

    Die anderen Schwierigkeiten, die sich so in meinem Leben ergeben haben und die ich auch derzeit noch bewältigen muss, ja das ist eine andere Sache; hier geht es langsamer voran. Aber nachdem ich mich mein ganzes Leben lang durch die eine oder andere "Kampfzone" geschlagen habe und diese auch wieder - teils aber mit ordentlichen Blessuren - verlassen konnte (Ausbildung, Familie, Freund- und Bekanntschaften, Job, Job, JOB - gerade in Sachen Arbeit sehe ich mich seit bald 25 Jahren in einem Dauerkampf), werden auch diese Probleme über kurz oder lang wenn nicht zu lösen dann doch zumindest zu begraben sein. Probleme, die teils leider auch ihren Ursprung in meinem damals zeitweise recht problematischen Umgang mit dem Alkohol haben.

    Ein weiterer Grund, dauerhaft die Finger von dem Zeug zu lassen.

    Überhaupt kam mir heute morgen der Gedanke, dass ich zum Stand heute eigentlich nichts Positives mehr an der Trinkerei erkennen kann. So manches Problem wird vorübergehend ersäuft, ja, aber deshalb ist es nicht weg. Und diese kurzen Phasen der vermeintlichen Erleichterung zeigen ein wenig später ihre hässliche Fratze. Von den gesundheitlichen Problemen angefangen, über das Soziale, Freundschaften, Familie, Beziehungen, Job und und und - früher oder später sind doch alle Bereiche des Lebens vom Alkohol (manche mehr, manche weniger) beeinflusst.

    Sehe ich heute z.B. jemanden im Gastgarten ein Bier trinken, dann kann es sein, dass mir der Gedanke kommt: "Wenn Du das jetzt auch machst, dann wird alles wieder so wie früher. Und vermutlich sogar noch schlimmer." Das hilft. Auch beim Karneval; auch hier ist der Gedanke dauerpräsent: "Lass' das!" Also wenn ich - berufsbedingt - entsprechend unterwegs bin (und so war es das letzte Wochenende samt Rosenmontag und dann eben auch Dienstag) und mir ein Glas Sekt in die Hand gedrückt wird (das kann man bei uns nicht vermeiden), dann wird ganz artig angestoßen, aber nicht getrunken und das Glas bleibt auf einem Tischlein stehen oder aber der Inhalt landet - wenn niemand hinsieht - im Gebüsch oder Blumentopf (oder so).

    Ja, ich weiß, jetzt kommt vielleicht eine Schelte und ja, ich weiß, ehrlich ist etwas anderes. Aber ich glaube, ich habe schon irgendwo geschrieben, dass ich in einem Bereich tätig bin, wo der Alkohol zwar Teil des Gesellschafts- und Arbeitslebens ist (und auch viele ein massives Problem haben), aber ein quasi "Outing" hoch problematisch sein kann. Leider. Das macht das Leben zwar nicht einfacher, weil ich nach außen hin etwas anderes gebe, als das, was ich für mich in meinem Inneren festgelegt habe. Der Weisheit letzter Schluss fehlt mir hier leider noch.

    Auch noch so eine Baustelle, die ich zu bearbeiten habe...

    Gut dann, die Sonne lacht und wir im Süden haben hier knapp 20 Grad. Daher geht es wieder hinaus ins Training. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende - und wie man mancherorts sagt: "Gute 24 Stunden!" [Ich mache an dieser Stelle gleich 48 daraus. ;)].

    LG, euer Stef.

    Liebe M3l!

    Bei mir ist es eigentlich so üblich, dass ich nach der Arbeit im Büro noch kurz hier im Forum lese und mich dann von dannen mache. So sollte es auch heute sein... Bis ich Deine Vorstellung las.

    Und da dachte ich mir: Dazu musst Du jetzt was schreiben.

    Ich kann Dir hier nicht direkt einen guten Rat geben, ich bin auch kein Psychologe oder Psychotherapeut. Aber ich kann aus Erfahrung sprechen. Aus einer über 40-jährigen Erfahrung:

    Auch wenn ich eigentlich stets ein offener Mensch war, tat ich mir immer schon schwer, mir einen "echten" Freundeskreis aufzubauen. O ja, es gab Freundinnen und Freunde und Freundschaften, die ich mir (mühevoll!) aufbaute - und die dann viel zu rasch zu Bruch gingen. Im Privaten wie auch bei der Arbeit. "Bekannte" hatte ich viele, ebenso wie Arbeitskollegen - aber sind wir uns doch mal ehrlich: In den seltensten Fällen kann man hier von "Freunden" sprechen, oder?

    Vielleicht war auch das - neben dem beruflichen Stress - mitunter ein Grund, warum ich immer wieder zur Flasche griff. Um mich abzulenken. Um nicht großartig nachdenken zu müssen, warum ich wieder mal zu Hause, im Büro oder sonst wo herumhocke, während es anderen vermeintlich besser geht und diese ein schönes, geselliges Leben führen.

    Abgesehen davon, dass derartig trübe Gedanken nur allzu oft nicht die Realität widerspiegeln (glaube mir - andere haben meist noch viel größere Probleme als man selbst, vor allem diejenigen, die nach außen hin das schöne Leben zur Schau stellen), weiß ich für mich bezogen eines: Der Alkohol hat hier nicht geholfen, sondern die Situation verschlechtert. Weil - wenn ich zu viel getrunken hatte - sich weitere Freunde und Bekannte von mir fernhielten oder ich selbst keinen näheren Kontakt mehr suchte. Daher sollte der erste Schritt in ein sozialeres Leben mit dem Ende der Trinkerei beginnen.

    Mit der Trinkerei habe ich mir in einem Bruchteil der Zeit so viel an Freundschaften und Sozialkontakten ruiniert als ich brauchte, um diese aufzubauen und zu pflegen. Einen derartigen Schaden zu beheben, fällt schon in der trockenen Zeit schwer, in der nassen Zeit ist das meines Erachtens fast unmöglich.

    Wenn Du sagst, dass Du in Deiner abstinenten Zeit zwar aktiver wurdest, das Hauptproblem [die soziale Seite] aber nicht gelöst worden wäre, so kann ich das gut nachvollziehen. Weil es bei mir auch so war (da steht auch ein bisschen was in meinem Faden drinnen). Die Zeit ohne Alkohol muss schließlich genutzt werden. Hier ist das "Aktiv-Sein" schon mal ein guter Anfang - 100x besser jedenfalls als sich zu verstecken und die Zeit verstreichen zu lassen. Denn eines ist klar: Im stillen Kämmerlein ist es schwer, den Anschluss zu finden, den man sucht bzw. herbeisehnt. Und der Griff zur Wein- oder Bierflasche hilft hier sicherlich nicht.

    Aber auch auch beim Aktiv-Sein in der Phase der Trockenheit gibt es Stolpersteine. Größere als man glaubt; hier durfte ich schon so einiges lernen. Denn auch der aktivste Mensch kann dennoch furchtbar einsam sein, wenn seine Freude an der Aktivität, sein Engagement, seine Absichten und Ziele verborgen bleiben und nicht mit anderen geteilt werden. Hier muss man über seinen Schatten springen. Dass dies schwer ist, weiß ich und ich kämpfe auch oft mit mir entsprechend herum. Mit persönlich hat hier meine ehrenamtliche Tätigkeit im karitativen Betreuungsbereich sehr geholfen. So eine Beschäftigung kann ich nur empfehlen. Diese ist für jedes Alter geeignet und man lernt viele Menschen kennen (aus denen sich auch Freundschaften und Bekanntschaften ergeben können).

    Da meine Beiträge in diesem Forum meist Überlänge haben und es auch schon spät wird, höre ich an dieser Stelle nun erstmal auf. Ich wünsche Dir, liebe M3l, aber jedenfalls einmal viel Kraft, den sozialen Anschluss zu finden und denke nicht zu viel an das Alleinsein in einer - ohnehin nicht vorhersehbaren - Zukunft.

    Da ich aus Deinem Beitrag Wehmut und Traurigkeit herauslese, schließe ich mit einem (bekannten) Gedicht, das mir meine Großmutter, als ich damals zur Grundschule ging, in mein "Stammbüchlein", das ich immer noch habe, schrieb und an das ich auch heute noch in schwierigen Zeiten denke:

    edit: Gedichte etc bitte wegen Urheberrechten nicht einstellen

    Alles Gute und LG, Stef.

    Das Problem ist wenn ich etwas von ihm verlange bzw. sage das hätte ich gerne macht er es. Aber nicht von sich aus 🥲

    Ich weiß das er mich wirklich liebt und gerne mit mir zusammen ist aber er hat so viel Probleme mit sich selbst das er sich mit meinen „Problemchen „ nicht auseinandersetzen kann und will. Ich muss immer die starke sein ☹️

    Liebe Laura!

    Aus Sicht eines Alkoholikers möchte ich kurz von mir erzählen: Bei meiner Frau und mir war es genau dasselbe. Durch meinen jahrelangen Alkoholkonsum war ich zum Schluss schon so dermaßen auf mich fixiert, dass ich nicht mehr ansatzweise an die Bedürfnisse anderer dachte. Weder an jene meiner Frau, noch an jene meiner Familie, Freunde und Bekannten.

    Und wie bei Dir: Wenn meine Frau sagte: "Mach dies" oder "Mach das", dann habe ich dies auch immer getan (sofern ich dazu überhaupt noch in der Lage war). Von selbst aber tat ich kaum noch was. Gerade in den letzten Jahren scherte ich mich nicht mehr wirklich um die notwendigen Dinge des täglichen Lebens - weil meine Gedanken eben meistens ganz woanders waren (z.B. Ich brauche einen Grund, um in die Garage zu gehen, da ich dort meinen Kasten Bier versteckt habe. Den Geschirrspüler ausräumen? Ach, das mache ich dann später irgendwann mal. Bis er ohne mein Zutun leergeräumt war.).

    Je länger ich alkoholkrank war, desto mehr war ich mit mir und meinen Problemen beschäftigt. Andere hatten da keinen Platz mehr.

    Im Endeffekt erfolgt die Trennung. Meine Frau verließ mich - und dies war einer der ganz wesentlichen Gründe.

    Rückblickend denke ich (auf mich bezogen) zwar, dass ich vieles anders machen hätte sollen, vor allem zuletzt, um die Beziehung zu retten (möglich gewesen wäre es noch), aber - und so fair und reflektiert möchte ich auch sein: Betrachte ich die Situation aus der Perspektive meiner Frau, dann war ihre Trennung von mir absolut notwendig bzw. der einzige sinnvolle Schritt. Ich selbst hätte ich mich von so einem Partner (wie mir) auch getrennt.

    LG, Stef.

    Liebes Forum!

    Nachdem ich heute (wenigstens!) und was überhaupt nicht meinem Naturell entspricht zur Untätigkeit verdammt bin, dachte ich mir, ein wenig schreiben könnte nicht schaden.

    Die mir aufgezwungene Untätigkeit ist ein wenig der Ironie des Schicksals geschuldet, da heute, am gefühlt schönsten und sonnigsten Tag seit Jahresbeginn, der Rist meines linken Fußes so gar nicht mag (Entzündung durch Überbeanspruchung) und mir als passioniertem Langstreckenläufer (der gerade heute bei diesem Traumwetter eine richtig große Runde drehen wollte) daher auch nichts anderes übrig bleibt, als in der Wohnung zu hocken und der Sonne beim Scheinen zuzusehen... Naja, vielleicht geht später ein wenig was auf dem Heimtrainer...

    Sonst tut sich hier bei mir eher wenig. Einige Möbel für die neue Wohnung sind bestellt, wobei bei manchen Lieferzeiten einem das Schaudern kommen kann. Ein Bezug ist wohl kaum vor April möglich, aber was soll's..? Ärgern hilft ja auch nichts. Ich hoffe zumindest, dass die ersten Umzugsaktivitäten Mitte/Ende März starten können.

    Die Ballsaison habe ich - das wundert mich tatsächlich - auch gut und völlig entspannt überstanden. Mit Orangensaftschorle anzustoßen, sorgt zwar nach wie vor gelegentlich für fragende Blicke, aber inzwischen haben sich die Herr- (und Frau-)schaften schon daran gewöhnt, dass es bei mir keinen Alkohol mehr gibt. Und mich gegen meinen Willen zu einem Gläschen zu drängen, das versucht dann auch keiner. Meine Mitarbeiter sowieso nicht und bei anderen greift ja noch immer das "Totschlagargument" mit den Tabletten. Was mich dann doch fasziniert ist, dass gelegentlich gemeint wird, dass meine Medikation echt gut wirken würde, da ich im Vergleich zu vorigem Jahr viel besser aussehen und mehr Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen würde. Klar, keine zwei Flaschen Wein am Tag und auch keine Biere mehr zu trinken, das lässt Gesicht und Figur doch schon wieder ein wenig mehr erstrahlen und die Psyche zur Ruhe kommen... ;)

    Jetzt steht noch der Karneval auf dem Programm. Gut, da ist hier bei mir bei der Arbeit sowieso nichts zu holen - und wer will, kann sich ja draußen an der frischen Luft etwas genehmigen (und gegebenenfalls der Natur auch wieder etwas zurückgeben).

    Im sozialen Bereich versuche ich weiter besser Fuß zu fassen, Altes aufzugeben und Neues zu beginnen ist aber leider nicht so einfach. Andererseits gibt es ohnehin keine Alternative. Je länger ich gezielt und bewusst trocken bleibe (wie schon gesagt, diesmal ist der Entschluss da, nicht bloß für ein paar Monate eine Trinkpause einzulegen, sondern tatsächlich trocken zu bleiben), desto feinfühliger werde ich. Aber natürlich kann es nur step by step gehen.

    Meine Psychotherapeutin ist hier auch Goldes wert; habe selten so eine ruhige und ausgeglichene Person erlebt, die dennoch kurz und prägnant die Probleme beim Namen nennt und mir immer wieder mal den Schubs in die richtige Richtung gibt.

    Parallel bin ich auch mit einem entfernt bekannten Psychologen, den ich seit dem Studium kenne, in Kontakt. Der hilft mir auch ein wenig, einen Ausgleich in mein Leben zu bringen (Arbeit, Freizeit/Hobbies/Soziales und das restliche "Leben" - hier gehört bei mir dringend mehr Balance in meinen Alltag).

    Oben habe ich schließlich irgendwo mal mein "Flaschenzählsystem" als Motivationshilfe erwähnt. Zählte da gestern nach und seit meinem letzten Entschluss des Trockenseins und -bleibens habe ich mir immerhin in den letzten Monaten über 200 Flaschen Wein und 400 Flaschen Bier "erspart"... Für mich ist das eine der besten Motivationen überhaupt.

    Gut, ich glaube, ich lasse es dann mal. Vielleicht bringe ich ja meinen Fuss noch "in Bewegung" - sonst wird das eher ein langweiliger Tag... Wünsche Euch noch ein schönes Wochenende!

    LG, Euer Stef.

    Ich lese derzeit

    Kurt GUSS, Leer gesoffen - Bekenntnisse eines geretteten Alkoholikers (2014):

    "In seinem Dorf hat es jeder gewusst: „Professor Schluck“ ist Alkoholiker. Nur der Akademiker selbst hat es nicht gewusst; Kurt Guss war mit Blindheit geschlagen, sein Abstieg und sein Ende schienen jedoch unaufhaltsam. Wer einen Blick auf seinen Lebenslauf wirft, kommt nie auf die Idee, den Abriss eines „Säuferlebens“ in Händen zu halten. Seine akademische Karriere passt so gar nicht zu der landläufigen Vorstellung, die man vom Leben eines Alkoholikers hat. Seinen akademischen Graden sieht man nicht an, dass er die meisten Prüfungen mit mindestens zwei Promille Alkohol im Blut bestanden hat. Bei Kurt Guss hat es dreißig Jahre gedauert, bis er zugeben konnte, dass er dem Alkohol gegenüber machtlos ist. Im Jahr 1992, am Tag der Heiligen Drei Könige, hatte er ein äußerst bedeutsames Erlebnis. Danach hat er nie wieder trinken müssen und sein Leben hat sich von diesem Tag an grundlegend verändert. Was sich damals ereignet hat, erzählt Kurt Guss in diesem humorvoll geschriebenen und bewegenden Buch. Er kennt den Weg in die Abhängigkeit, aber auch den Weg aus der Abhängigkeit. Damit macht er allen Menschen Hoffnung, die sich mit den Themen Alkoholismus und Sucht beschäftigen. Die einzelnen Kapitel werden mit Zitaten aus der Heiligen Schrift eingeleitet, denen sich persönliche Erlebnisse und fachliche Kommentare anschließen. Das Buch trägt den Untertitel „Bekenntnisse eines geretteten Alkoholikers“. Was hier über die Rettung vom Alkohol zu lesen ist, gilt sinngemäß für alle anderen Arten der Abhängigkeit. „Leer gesoffen“ ist eine Mischung aus humorvoller Biografie und Sachbuch; es enthält viele Anregungen für alle, die sich privat oder beruflich für das Thema Sucht und Abhängigkeit interessieren."

    Dieses Buch sticht ein wenig aus der Vielzahl der vorhandenen Literatur (habe doch schon so einiges gelesen) heraus, weil es nicht nur recht schonungslos (aber nicht zu ausführlich) auf das Leben des Autors eingeht, sondern auch mit recht klaren Aussagen den Alkoholismus betreffend daherkommt und dem Leser das Eine oder Andere durchaus anschaulich "vor den Latz knallt". Einzig den wiederkehrenden Bezug zum Glauben samt Bibelzitate könnte man kritisieren; das muss man mögen, aber man kann diese Passagen ja auch einfach beim Lesen übergehen.

    Liebes Forum!

    Auch wenn ich hier fast täglich fleißig mitlese, war ich die letzte Zeit über mit dem eigenen Schreiben doch ein wenig nachlässig. Daher ein kleines Update.

    Eingangs möchte ich mich wirklich für euren Input bedanken. Es hilft mir tatsächlich sehr, wenn mit ein paar kurzen klaren Sätzen die unschöne Wahrheit aufs Tapet gebracht wird. So sehe ich mich dann auch aus einer anderen Perspektive und bin oft überrascht, wie unterschiedlich Blickwinkel sein können.

    Bei mir hat sich - seit ich nicht mehr trinke - so einiges verändert bzw. bin ich mitten in einem Prozess der Veränderung. Hier nun ist es auch das erste Mal, dass ich entsprechend konsequent bin. Früher machte ich zwar regelmäßig - monatelange - Trinkpausen, aber das dauerhafte Nicht-Trinken war nie ein Thema. Ganz im Gegenteil, mir war immer klar, dass ich nach einer gewissen Zeit wieder zum Glas greife. Das ist jetzt anders. Es ist der Entschluss da, nicht mehr zu trinken. Wie auch mein Vater ihn fasste: Mit 30 Jahren hörte er von heute auf morgen mit dem Trinken auf und blieb bis zu seinem Tod mit 88 Jahren trocken. Und da man mir nachsagt, ich sei charakterlich wie mein Vater, besteht also Hoffnung...

    Jedenfalls:

    -) Ab 1. März kann ich endlich meine neue Wohnung beziehen. Eine neue Wohnung in einem anderen Ort, um ein Stück meiner Vergangenheit zurücklassen zu können. Auch wenn das alles mit viel Organisation und Mühe verbunden ist, ist es mir das wert.

    -) In der Arbeit versuche ich zunehmend zur Ruhe zu kommen. Weg vom Workaholic (eine gefährliche Kombination mit dem Alkoholic) hin zu mehr Ausgeglichenheit. Auch gegenüber meinen Mitarbeiter/-innen. Dem "beruflich Sozialen" schenke ich immer mehr Beachtung; stets nur auf Leistung zu gehen, zerstört nur. Davon auszugehen, dass andere so sind wie ich, das war ein großer Fehler. Die Situation in der Firma mit all meinem übertriebenen Leistungsdruck - mir und auch anderen gegenüber - hat wohl auch dazu geführt, dass ich früher oft zur Flasche gegriffen habe. Was mich letztlich immer wieder ein Stück dem Abgrund näher gebracht hat.

    -) Körperlich geht es mir gut. In den letzten zwei Monaten habe ich mit meiner geänderten Lebensweise (ausgeglichenes Arbeitsleben, viel Sport, gesunde Ernährung und vor allem kein Alkohol und Süßkram) tatsächlich knapp 14 kg abgenommen. Noch 7 oder 8 kg weniger und ich passe wieder in meine alten Anzüge aus meinen besten Zeiten. Gut, dass ich die nie weggeworfen habe. Auch das motiviert.

    -) Danken möchte ich auch meiner Therapeutin, die mir in recht kurzer Zeit aufgezeigt hat, warum es bei mir so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Aus einer schwer zu ergründenden Unzufriedenheit heraus setze ich ab dem Eintritt ins Berufsleben meine Prioritäten falsch, legte zu viel Gewicht in einzelne Lebensbereiche (Arbeit!), die ich dann (wenn es schlimm wurde) nur mehr unter entsprechend alkoholischem Einfluss bewältigen konnte. Als es dann "gefährlich" wurde, stoppte ich den Alkoholkonsum und machte ein Reset. Was aber nicht richtig funktionierte, da ich mein Leben an sich nicht änderte und daher auch die Unzufriedenheit blieb. Damit wiederholte sich das Ganze - immer und immer wieder. Fast 25 Jahre lang. Bis jetzt, denke ich. Nun ist es anders, da ich jetzt an ganz anderen Schrauben drehe, was auch funktioniert. Und hier ist "Work-Life-Balance" tatsächlich kein Zauberwort, sondern wirkt diese neue Ausgeglichenheit bei mir tatsächlich fast schon Wunder.

    -) Mental gibt es trotzdem leider immer mal wieder Durchhänger bzw. weniger angenehme Tage. Weil manche Baustellen doch schwer lasten und sich nicht von heute auf morgen wegzaubern lassen (Streitigkeiten in der Familie, der Verlust von guten Freunden, die Verarbeitung der Trennung meiner Partnerin...). Je älter ich werde, desto nachdenklicher werde ich und ich kenne Menschen, die lange brauchen, um mit manchen Punkten wirklich abschließen zu können. Hier liegt wohl noch die größte Herausforderung - der ich mich aber ohne Alkohol stellen werde.

    -) Vor kurzem hatten wir schließlich mal wieder ein AA-Treffen, und zwar zum Thema "inneres Gleichgewicht". Das fand ich wirklich interessant. Ein Gedanke eines Teilnehmers, der in seinem Leben auch schon so einiges "mitgemacht" hat, war: "Du kannst das schönste Haus haben, einen super Job, noch soviel Geld - aber nichts davon kann dir dein inneres Gleichgewicht bringen, ohne das kein Leben ein Leben ist." Wenn so etwas von Menschen kommt, die tatsächlich viel erlebt haben, dann komme ich dabei schon ins Grübeln... Überhaupt finde ich die AA-Meetings (wenn die Zusammensetzung stimmt) eine gute Hilfestellung für uns Suchtkranke.

    So, nachdem jetzt zumindest doch noch ein wenig die Sonne herauskommt, geht es noch in die freie Wildbahn, eine Runde laufen und dann später noch zur Abendmesse.

    Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag.

    LG, Stef.

    Es geht um meine Verträglichkeit. Ich bin lange Zeit zu schnell nach oben gefallen, bis die Luft ziemlich dünn wurde. Das wollte ich so gar nicht. War mir zu einsam.

    Hallo LK!

    Das kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Als ich vor so ca. zehn Jahren in meiner Firma kurz vor meinem ziemlich großen Sprung nach oben stand, sagte mir ein guter Freund (und früherer Personalchef - dessen Chef ich dann werden durfte) damals (in etwa): "Überlege Dir gut, ob Du es machst, denn Du wirst sehen - und wenn Du es siehst, dann ist es zu spät: Je höher Du steigst, desto kleiner wird die Zahl Deiner Freunde. Und am Ende bleibt fast keiner mehr."

    Das glaubte ich anfangs nicht, aber es sollte tatsächlich so sein. Man glaubt gar nicht, wie schnell das geht, dass man letztlich fast alleine dasteht. Das ging innerhalb von Monaten. Vielleicht damals auch deshalb die viele Trinkerei... Wie oft habe ich später zu mir gesagt: Hättest Du das bloß gelassen, dann wäre Dein Leben nicht so ein Trümmerhaufen...

    Den ich jetzt Stück für Stück - zumindest aber trocken - zusammenräumen darf... Naja...

    LG, Stef.

    Danke für den Input!

    Bei mir ist das eine seit vielen Jahren vorhandene "Kompensationsfrage", die sich eingebrannt hat.

    In den Zeiten im Jahr, in denen ich früher getrunken habe, stellte sich die Frage nach einer anderen Beschäftigung gar nicht. Getrunken habe ich sowohl in der Öffentlichkeit als auch zu Hause und "gelebt" habe ich zu diesen Zeiten teils auch ganz schön intensiv. Und wie es dabei so ist: Ab einer gewissen Menge - wozu noch an andere oder anderes denken? Da ist das Trinken Beschäftigung genug und der Rest (von nichts bis zu absoluten Peinlichkeiten - habe zum Beispiel einmal bei einem Empfang in einer Bank dem recht honorigen Bankdirektor in einem ziemlich angeschlagenen Zustand Veranlagungstipps gegeben - bei einem späteren Meeting konnte ich ihm gar nicht richtig in die Augen schauen, so genierte ich mich) kommt von selbst...

    Ja und dann kamen wieder diejenigen Zeiten (sagen wir mal Pi mal Daumen 6 Monate im Jahr), wo ich absolut nichts mit Alkohol drinnen trank. Das bedeutete für mich aber auch, dass ich diese Lücke schließen musste - es musste Ersatz her. Das war teils extrem viel Sport (Halbmarathon- und Marathonläufe am laufenden Band, ausgiebige Rad-Etappen, Bergtouren - alles, was einen körperlich an den Rand der Leistungsfähigkeit bringt), oder auch Arbeit über Arbeit (einmal fragte mich einer unser Security-Mitarbeiter, ob ich in der Firma wohne) oder ich tingelte von einer Veranstaltung zur nächsten (so nach dem Motto: Was gibt es heute in meiner Stadt? - Ich bin dabei!).

    Ein Bewohner verließ also das Hotel, jemand anderes musste somit her, denn sonst blieb das Haus ja leer - so in etwa war es dann bei mir.

    So richtig eingesehen oder auch verstanden habe ich das aber lange Zeit nicht. Auch nicht, dass eine derartige Kompensation alles andere als gesund ist.

    Und in gebe Dir, AnnaBlume, recht, wenn Du sagst: "Irgendwann ist alles sortiert und geordnet, der Sport gemacht, Dinge erledigt. Dann muss man sie aushalten, die Zeit mit sich selbst. Und mit dieser fremd gewordenen Person ‚nüchternes Ich‘ erst mal klar kommen."

    Sinngemäß sagte zu mir heute auch meine Therapeutin, ich dürfe nicht eine Abhängigkeit damit bekämpfen, indem ich in eine weitere gerate. Da hat sie schon recht.

    Ich denke, es ist gut, einmal herunterzufahren und mein nüchternes Ich zu akzeptieren und diesem auch Zeit und Ruhe zu gönnen. Durch ständige Aktivitäten das nutzen zu wollen (ich meine die vorhandene Zeit), was ich früher gar nicht zu nutzen brauchte (die Zeit war zwar die gleiche da, nur brauchte ich sie nicht gezielt zu nutzen - weil durch die Trinkerei verging ja ohnehin alles wie im Flug, egal was ich machte - warum sich daher auch Gedanken machen, was man tun soll?), kann nicht gesund sein. [Anmerkung: Was für ein "schräger" Satz!]

    Vielleicht hilft da auch ein gezieltes Nichts-Tun..? Für Seele und Geist. Was aber eigentlich schon fast wieder paradox ist: Einerseits überlegt man, was man alles in seiner Nüchternheit tun könnte und tut dann letztlich gezielt: NICHTS. :/

    Liebes Forum!

    Bin mal wieder hier. Hier im Forum und (wie so oft): Hier im Büro. Es ist jetzt bei mir knapp vor 19.00 Uhr - eigentlich ja noch gar nicht so spät. Der Abend ist noch jung.

    Warum bin ich heute hier? Und gestern? Und vorgestern? Und die Tage davor?

    Nun ja, weil in letzter Zeit bei mir das leidliche "Phänomen" einsetzt, dass sich in der Zeit der Nüchternheit immer wieder die - doch so bekannte - Frage auftut: Was machen mit der plötzlich aufgrund der Nüchternheit vorhandenen Zeit?

    Jetzt ist es nicht so, dass ich heute nichts getan hätte. Ganz im Gegenteil. Bin seit 8 Uhr in der Arbeit, war über die Mittagszeit 2 Stunden laufen, dann mit einer guten Bekannten spazieren, später im Büro neben der Arbeit bzw. in den Pausen habe ich nette Gespräche geführt, weiter gearbeitet und jetzt: Ja jetzt sitze ich da und weiß wieder nichts mit meiner Zeit anzufangen... Nach Hause will ich nicht. Die Wohnung ist geputzt, es gibt dort nicht wirklich etwas zu tun und außerdem ist auch niemand dort.

    Zu früheren nassen Zeiten hätte sich mir eine derartige Situation nie gestellt, man kann sich denken weshalb: Wenn ich getrunken habe, war mir nie langweilig und wenn doch, dann gab es eben noch mehr... bis zum Schlafengehen. Auch während der aufrechten Partnerschaft (die es jetzt nicht mehr gibt). Eine reine Augenauswischerei versteht sich. Ich habe mir die Langeweile (auch in der Beziehung) einfach "weggetrunken".

    Mir ist natürlich klar, dass wohl viele trockene Alkoholiker dieses Problem der plötzlich reichlich vorhandenen Zeit haben - aber wie damit umgehen? Sich mit Freunden unterhalten, Hobbies nachgehen, was auch immer TUN - klar, aber geht das so einfach? Ist das nicht vielleicht auch ein Aspekt der psychischen Abhängigkeit? Diese Leere?

    Wenn ich mich selbst betrachte, ist mein Tag prall gefüllt mit Aktivitäten - ich sehe zu, dass ich eigentlich ständig etwas zu tun habe (Arbeit, viel Sport, ehrenamtliche Aktivitäten, AA-Meetings, irgendwas ansehen - im TV oder auch "in echt", viel lesen, gehe sogar regelmäßig in die Kirche und und und) - und dennoch: Genau dann, wenn ich gerade mal nichts tue: Leere.

    Ist dies eine Art Suchtdruck? Ich bin mir nicht sicher, glaube aber nicht. Denn bei aufkommendem Suchtdruck will ich doch Alkohol trinken. Genau das will ich aber gar nicht. Der Griff zum Glas kommt mir gar nicht in den Sinn. Es ist eher ein Zurückdenken an die Zeit (der Trinkerei), in der ich mir nicht überlegen musste, was ich als nächstes tue. Und dies macht mir in letzter Zeit wieder einmal mehr zu schaffen.

    Natürlich begegnet jeder, der dasselbe Problem mit der vielen Zeit hat, diesem Phänomen anders.

    Hattet ihr auch solche Phasen bzw. seid ihr an die Sache herangegangen? Ich meine, das muss doch irgendwie wegzukriegen sein, oder? Klar könnte ich mich jetzt z.B. vor den PC setzen und bis in die Morgenstunden irgendein Computerspiel spielen, online pokern oder was weiß ich was. Aber das kann es doch auch nicht sein. Das ist doch kein Leben, denke ich mir mal. Andererseits: Das, was ich derzeit mache, kann wohl auch nicht gesund sein.

    Gut, dass ich morgen mal wieder einen Termin bei meiner Therapeutin habe; vielleicht kann auch die Gute helfen!?

    Die derzeitige Situation ist leider wenig angenehm für mich - ich glaube, ohne die Trinkerei früher hätten sich diese Probleme heute nicht aufgetan.

    Danke fürs lesen.

    LG, Euer Stef.