Hallo, liebe Leute!
Das Wort zum Sonntag? Nein, keine Sorge, nur eine Kleinigkeit, die mich heute ein bisschen zum Grübeln gebracht hat.
Heute räumte ich ein wenig mein Handy auf und ging dabei auch durch meine Whatsapp-Kontakte und die Chats. Was mir beim Durchforsten auffiel ist, dass es gar nicht mal wenige Bekannte (männlich wie weiblich) gibt, die man auf Fotos nur sehr selten ohne ein Glas Sekt, Wein oder Bier sieht. Oder [noch bezeichnender!] man sieht nur z.B. einen Tisch auf einer Terrasse, gerichtet auf die Berge oder das Meer und: ein Glas mit etwas Alkoholischen drin mit vielen Grüßen aus dem Urlaub oder von sonst wo. Also nicht einmal mehr den Menschen selbst.
Anscheinend stellt es sich für manche als Selbstverständlichkeit dar, sich so zu präsentieren, um "in" zu sein, zu zeigen, dass man das Leben genießt, in der Gesellschaft angekommen ist [manche werden sich vermutlich suchtbedingt aus den geselligen Kreisen bald wieder verabschieden] oder was weiß ich.
Gerade eben gesehen: Bilder von einer mir bekannten Familie bei der Osterjause und jeder bis auf die Kinder hält ein Glas in die Kamera und grinst dümmlich in die Linse.
Bei so manchem (auch mancher) fallen dabei - wie eben bei der genannten Osterjause - die rötlichen Gesichter und die glasigen Augen schon am frühen Nachmittag auf. Man kann sich denken, wie das enden wird. Im besten Fall mit einem ordentlichen Schwips oder Vollrausch, bei manchen fürchte ich mit der einen oder anderen familiären Krisensituation (kenne ein Paar, da weiß ich jetzt schon, dass das noch unangenehm wird).
Ja und dann sah ich meine Fotos von früher durch, die ich anderen geschickt habe. Von Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten, geselligem Miteinander. Gruppenfotos, Selfies - egal. Und ich sah dasselbe! Selten mal ein Bild ohne das obligatorische Glas Weißweinschorle oder die "dezente" 0,3er-Party-Flasche Bier [Sarkastische Anmerkung: Eine 0,5er-Flasche nimmt man ja nicht in die Hand, das schaut doch billig aus und man wirkt wie ein Säufer. Daher lieber die kleinen 0,3er-Flaschen am Stehtisch in netter Runde, das wirkt unauffällig und so was von distinguiert. PS: In der Zeit, wo ich sonst eine 0,5er-Flasche getrunken hätte, habe ich natürlich zwei oder drei 0,3er-Flaschen getrunken... Viel "besser", oder!? - Das musste ich jetzt mal loswerden.]
Jedenfalls: Diese Wahrnehmung hat mich dann doch schon irritiert bzw. "gepackt".
Ich glaube, wenn man abstinent lebt, fallen einem solche Dinge viel öfter auf. Und man erkennt, wer aus dem Bekanntenkreis ein massives Problem mit unserer Volksdroge Nr. 1 haben dürfte. Das Trockensein schärft da tatsächlich die Sinne.
Warum ich das schreibe? Eigentlich weiß ich das gar nicht so genau, aber irgendwie fiel mir das auf und ich merkte, dass das bei mir zu nassen Zeiten ähnlich war. Die Fotos: Hinweise, dass der Alkohol vielleicht doch eine größere Rolle im Leben spielt, als man denkt.
Bei Fotos von mir sieht man mich jetzt nur mehr selten noch mit einem Glas in der Hand (oft nur das "berühmte" Sektglas mit Orangensaft drin zum Anstoßen bei Feierlichkeiten). Von diesem gesellschaftlichen Zwang des "Zeigen-des-gut-gelaunt-seins-mit-einem-Gläschen-xy" bin ich erfreulicherweise größtenteils weg. Bei so manch anderem / anderer denke ich mir allerdings, wenn ich Fotos sehe: "Also Du hast aber auch schon ein echtes Problem mit dem Alkohol."
Wie dem auch sei, dachte mir, ich schreibe das mal nieder - da mich diese Wahrnehmung doch irgendwie zum Grübeln gebracht hat.
LG, Euer Stef.