Ein bisschen Bedauern empfinde ich manchmal schon noch aber das gilt wenn ich ehrlich bin nicht den Menschen mit denen ich getrunken habe, sondern dem Gefühl der Zugehörigkeit. Alkohol hat das für mich erleichtert, die Abkürzung quasi. Jetzt knüpfe ich Verbindungen nüchtern, ist manchmal unsäglich anstrengend für mich aber es lohnt sich immer.
Hallo Hobbes!
Ja, genau das ist es. Sich nüchtern ein neues Leben aufzubauen, ist ausgesprochen anstrengend. Vor allem was das soziale Umfeld betrifft. Und ich denke, mit dem Alter wird das auch immer schwieriger. Wenn ich mich jetzt ansehe und mich mit meinem Ich von vor 10 oder 20 Jahren vergleiche, dann merke ich auch und doch recht deutlich, dass diese meine Lockerheit von früher (der Elan der "jungen" Erwachsenen) nicht mehr so da ist - eben jene Lockerheit, die der Alkohol entsprechend zusätzlich verstärkt hat. Ich gebe Dir da recht. Bei einer Feier war es für mich - subjektiv betrachtet - erheblich leichter, mit einem Glas Wein oder einer Flasche Bier in der Hand Anschluss zu finden, Leute kennenzulernen, sich zu verabreden usw. Als trockener Alkoholiker z.B. nach der Arbeit auf einen After-Business-Drink zu gehen, das funktioniert meistens nicht so wirklich.
Kurz- bis mittelfristig geht mit der Abkehr vom Alkohol aus meiner Sicht ganz grundsätzlich eine Reduktion der Sozialkontakte einher. Das ist zwar traurig, aber aus meiner Erfahrung - und soweit ich das auch bei anderen sehe - kaum zu vermeiden. Wobei: Auf mich bezogen, könnte ich da durchaus [und mit Recht!] auch "Selber schuld!" sagen. Hätte ich mich damals nicht krank und in die Abhängigkeit getrunken, hätte ich jetzt diese Schwierigkeiten nicht. Daher möchte ich auch nicht in Selbstmitleid versinken, sondern einfach meinen Fokus auf mein Leben 2.0 legen, wobei mir insoweit auch dieses Forum sehr hilft, da ich sehe, dass bei vielen die Probleme doch im Grunde dieselben sind und man sich entsprechend austauschen kann.
Die nassen Zeiten sind jedenfalls vorbei und jetzt gilt es eben, entsprechend Energie in ein trockenes Leben zu stecken. Auch wenn es mühsam ist, aber im Endeffekt lohnt es sich.
In diesem Sinne, LG Stef.