Beiträge von Kazik

    Ich übe ja, mir zu verzeihen,

    Hi UR,

    Du hast getrunken, um den Rausch zu haben. Du hast nicht getrunken, um abhängig zu werden. Das macht, glaube ich Keine.;) Also was solltest Du Dir verzeihen?

    Und ab dem Zeitpunkt, ab dem Du abhängig wurdest, hast Du nur noch aus einem einzigen Grund getrunken, weil Du süchtig warst und musstest. Was solltest Du Dir hier verzeihen?

    Es mag sein, dass Du betrunken Dinge getan hast, die Du jetzt bereust. Aber auch hier ist der Punkt, dass Du ab dem Zeitpunkt wo Du abhängig warst, nicht betrunken warst, weil Du es so gewollt hast. Sondern dass Du betrunken warst, weil Du trinken musstest.

    Hi ST, UR und Ihr,

    Ihr beschäftigt Euch sehr viel mit Eurer nassen Zeit. Ich habe das von Anfang an nicht gemacht. Im Gegenteil ich spürte, dass ich alles, was ich jemals im Zusammenhang mit Alkohol gedacht, gefühlt oder gemacht habe in die Tonne treten muss, um überhaupt eine Chance zu haben. Ich kann nichts Positives oder Negatives aus meiner nassen Zeit lernen. Im Gegenteil, das positive wäre eine Hintertür für mein Suchtgehirn. Und das negative wird nicht ausreichen, um mich davon abzuhalten wieder zur Flasche zu greifen. Das Einzige, was mich sicher davon abhält, ist maximale Risikominimierung, Umsetzung der Grundbausteine und die HALT Regel.

    Das heißt nicht, dass ich jetzt abstinent Dinge in meinem Leben geändert habe. Beispielsweise habe ich privat und beruflich dauerhafte, zu starke Belastungen abgebaut. Weil diese meine Abstinenz gefährden und außerdem Depressionen bei mir begünstigen.

    Zum Supermarkt. Es gibt dort Alkohol, klar. Aber der tut mir nichts und springt nicht von alleine in meinen Einkaufswagen.;) Ich blende dort Alkohol konsequent aus. Ich gehe nicht in die Alkgänge. Was sollte ich auch dort? Und wenn er dort woanders auftaucht, in Einkaufswägen oder auf dem Band liegt, blende ich ihn aus und konzentriere mich auf etwas anderes. Das klappt inzwischen gut.

    Hi ST,

    ich war schon zum Ende der Sauferei ziemlich unkonzentriert und vergesslich. Echt ungewöhnlich für mich, weil ich ein "Elefantenhirn" habe. Nachdem ich abstinent wurde, wurde es gefühlt erst noch schlimmer, weil mein Hirn gefühlt die ersten Wochen im overdrive war. Aber das wurde über die Wochen auch wieder besser und dann normal. Hab Geduld mit Dir.

    Hi E69,

    danke für Dein Vertrauen, dass Du Deine Geschichte geteilt hast. Die ist schon heftig. Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen, dass Deine Leber stabil bleibt oder besser wird. Pass gut auf Dich auf.

    Zu Deinen Depressionen und Ängsten. Ich habe über die Jahrzehnte eine schwere Angsterkrankung und mehrere meist schwere Depressionen bewältigt. Die letzte erst vor ein paar Monaten. Geholfen hat mir dabei das, was ich bei einer kognitiven Verhaltenstherapie gelernt habe, die ich bei einer sehr guten Therapeutin abgeschlossen habe. Das ist inzwischen auch schon fast zwei Jahrzehnte her. Die Therapie dauerte über zwei Jahre und erfordert natürlich Mitarbeit und den Willen an sich zu arbeiten. Vielleicht ist das ja auch etwas für Dich. Depressionen werden üblicherweise in Kombination mit Antidepressiva behandelt. Ich nehme auch eins. Allerdings weiß ich, dass diese Medikamente gerne auf die Leber gehen. Bei mir wird das einmal jährlich kontrolliert.

    Hi,

    Aber - um es mal mit deinen eigenen Worten zu sagen, ist denn eine "Krankheit" eine Ausrede?

    Alkoholsucht ist eine Krankheit, die bedeutet, dass ein Mensch trinken muss. Und wenn ein Mensch sagt, dass er trinkt, weil er süchtig ist, denn dann ist das keine Ausrede, sondern schlicht die Wahrheit.

    Und - da widerspreche ich dir, da dies nämlich auch eine Ausrede ist, nicht der Alkohol ist schuld, sondern man selbst!

    Da kannst Du mir gerne widersprechen.;) Aber Menschen trinken, weil sie denn Rausch wollen, nicht, weil abhängig werden wollen. Die Abhängigkeit ist eine Folge der Droge Alkohol.

    Aber sieh es doch bitte nicht so verbissen.

    Mach Dir mal keine Sorgen, ich bin ganz entspannt. Allerdings nehme ich meine Sucht todernst.

    Es kann nicht sein, dass alles immer und immer wieder nur auf die Sucht reduziert wird.

    Hi E69,

    es geht bei der Reduktion oder Konzentration auf die Sucht darum, etwas wegzulassen, was nicht da ist. Es geht um das eigene Verständnis, dass die Sucht nicht mehr ist als eine Sucht. Und dass all die vorgeschobenen Gründe, Gefühlslagen, Anlässe, etc. um das eigene Trinken zu rechtfertigen, eben genau das sind vorgeschoben. Und sie sind eine geöffnete Hintertür und Gefahr für die eigene Abstinenz. Überspitzt formuliert, ich muss abstinent bleiben können, egal, ob mir der Himmel auf den Kopf fällt oder mir die Sonne aus dem Allerwertesten scheint.

    Ich sehe es in etwa so, wenn ich aufgrund eines SELBSTVERSCHULDETEN Unfall (damit klar ist, das ich keine Ausreden suche)Unfalles erblinden sollte,

    Dein Beispiel hinkt von Anfang an. Sucht ist eine Krankheit, kein Unfall. Und "Schuld" an dieser Krankheit ist die Droge Alkohol, die bei übermäßigem Konsum zur Sucht führt.

    Da könnte der Alk schon helfen, sich weg zu träumen.

    Mag sein, aber Erinnerungen lassen sich nicht löschen, sie sind Narben in deinem Leben.

    Hi E69,

    bei mir hat das mit dem mir meine Welt schön zu saufen nie geklappt. Sowohl als ich missbräuchlich als auch als ich abhängig gesoffen habe. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Natürlich hat mir mein Suchtgedächtnis weiter das Gegenteil erzählt und tut es noch heute, wenn ich es lassen würde.

    Bestes Beispiel ist, dass ich vor zehn Jahren, als ich angefangen habe ernsthaft zu trinken versucht habe, meine Depressionen wegzusaufen. Obwohl ich wusste und spürte, dass ich abhängig werde und dass das Wegsaufen nicht funktionieren wird. Im Gegenteil. Und so ist es dann gekommen, ich wurde abhängig und das Wegsaufen funktionierte nicht. Im Gegenteil, es ging mir in den letzten Jahren mit meiner Kombination aus Saufen und Depressionen nur noch grenzwertig schlecht. Und das wortwörtlich. Und natürlich konnte ich in der Zeit, in der ich abhängig gesoffen habe, meine Depressionen nicht mehr bewältigen. Absolut keine Chance, das geht nur nüchtern.

    Warum schreibe ich das? Als ich abstinent wurde, wusste ich, dass wenn ich überhaupt eine Chance haben wollte, dass ich ehrlich mir gegenüber sein muss. Und dass ich die Märchen, die mir mein Suchtgehirn erzählt, als das entlarve, was sie sind. Märchen.

    Und dazu gehört eben auch, dass ich mir nicht einrede, dass das schönsaufen auch nur ansatzweise geklappt hat. Und auch das eine Erinnerung, das es doch geklappt hätte eine Fabrikation meines Suchthirnes ist.

    Es stehen Probleme an, aber die kann ich aktuell nicht lösen, also versuche ich sie nicht zu weit in mein Bewusstsein zu lassen, um das quälende Gedankenkreisen und die damit auftretenden Ängste erstmal zu vermeiden.

    Hi ST,

    das finde ich einen guten Plan mit Deinen Problemen. Ich drücke Dir die Daumen, das Dir das Ausblenden gut gelingt. Manchmal ist das so mit Problemen, dass diese sich nicht sofort lösen lassen. Da hilft es dann nur einen guten Umgang damit zu finden und auf einen guten Zeitpunkt zu warten, um sie anzugehen.

    Das wichtigste "Problem" zurzeit ist ja erstmal, dass Du stabil abstinent wirst. Alles andere kann warten. Geduld und einen Schritt nach dem anderen.

    Hi Mattie,

    ich hatte in den ersten Monaten auch manchmal krasse Stimmungsschwankungen. Und da ich in meinem Leben einige schwere Depressionen bewältigt habe, will das schon etwas heißen, dass ich Stimmungsschwankungen als krass empfinde. Der Grund dafür ist schon genannt worden. Der "Stimmungsregulierer" Alkohol ist weggefallen. Dazu kommt, dass das Gehirn mit Abstand das empfindlichste Organ ist. Und dort finden jetzt viele Prozesse statt, um wieder auf ein "normale" Regulation zu kommen. Und dabei schießen manche Prozesse manchmal über. Das ist sehr unangenehm manchmal. Aber das wird wieder besser,

    aber allein, ohne ärztliche aufsicht, würd ich auf solch experimente verzichten.

    Mit Verlaub, ich bin der festen Überzeugung, dass Konfrontations-- oder Desensibilisierungstherapie absolut null bringt. Ich werde nach jedem Mal genauso süchtig sein wie zuvor. Und mir wird das falsche Gefühl vermittelt, ich könne mich "einfach" mal so Alkohol aussetzen.

    Hi,

    auch von mir herzlich willkommen hier im Forum Bendecho. Und einen guten Austausch.

    Ein paar Sachen, die mir beim Lesen von Dir aufgefallen sind.

    Der einzige Grund warum eine Alkoholiker*in trinkt ist, weil sie süchtig ist. Weil sie muss. Das ist sehr wichtig zu wissen, weil es allen "Scheingründen", die Mensch sich so einredet, einen Riegel vorschiebt.

    Außerdem schreibst Du, dass der Hauptgrund für Deine Abstinenz Deine Partnerin ist. Du hast die besten Aussichten Deine Sucht erfolgreich zu stoppen, wenn Du es nur für Dich selbst machst. Denn dann kann Dir auch nichts passieren, wenn Deine Partnerin nicht (mehr) da ist.

    Du schreibst das Du alleinerziehender Vater bist. Für Deine Kinder ist es eine Notwendigkeit, das Ihr Vater nicht trinkt.

    Mein Eindruck ist das Du Deinen Rückfall auf die leichte Schulter nimmst. Das solltest Du besser nicht tun, sondern Dir genau anschauen, was dazu geführt hat und warum Du dann gleich zwei Wochen weitergetrunken hast. Wenn Du das für Dich rausfindest, verbesserst Du Deine Chancen, das so etwas nicht mehr passiert.

    Ich bin so ein ungeduldiger Mensch und hätte am liebsten jetzt schon ein Jahr Abstinenz hinter mir.

    Na ja in gewisser Weise spiegelt sich das in Deiner Idee wider, Du könntest jetzt einfach mal riskante Situationen ausprobieren. Dann verlieren die Ihren "Schrecken" und alles ist wieder gut. War ja nur ein "Schrecken". Und wenn ich das erkannt habe, dann kann ich ja weiter machen wie zuvor. Wenn es mal so einfach wäre.;)

    Hi Mattie,

    kein Aufschrei von mir. Warum auch ist ja Dein Leben. Allerdings bin davon überzeugt das nur die Buddel wegstellen nicht reicht. Deshalb zwei Gedanken von mir.

    Erstens ging es tatsächlich nur um Kreativität beim Saufen? Oder gab es auch Druck und Stress zu bewältigen? Abgesehen davon, das die Lösung mit Alkohol nie klappt. Würde letzteres andere Änderungen erfordern.

    Zweitens, warum nicht den Arbeitsplatz umbauen und/oder komplett verlegen? Bürogemeinschaft, shared space,..........

    beginnt ja schon beim Grund des Trinkens....wenn jemand zusätzliche Probleme hat, kann ich mir vorstellen, das der viel viel mehr tun muss um trocken zu bleiben...

    Hi 45,

    der Grund für das Saufen bei Alkoholiker*innen ist immer der Gleiche. Alkoholiker*innen trinken, weil sie müssen. Weil sie süchtig sind. Deshalb ist Deine Idee auch so gefährlich für Dich, wenn Du glaubst, Du hättest nur aus Spaß an der Freude getrunken oder einen nicht so "schwerwiegenden" Grund gehabt.

    Und süchtig ist süchtig. Da gibt es kein mehr oder weniger süchtig.

    vermute auch daher kommt der starke Gegenwind hier, denn "Fürsprecher" habe ich hier keine🤭 Aber es war halt so locker, und das wollte ich mitteilen eigentlich....und meinen Humor hatte ich nie verloren, den verstehen auch nur wenige.....

    Weswegen der starke Gegenwind kam, wurde Dir geschrieben. Und das sind auch die Gründe, warum Du keine "Fürsprecher" hast. Wobei "Fürsprecher" ein reichlich eigenartiger Begriff ist, wenn es um die Sucht geht. Es geht hier nicht um eine Abstimmung, sondern das hier Süchtige einen sicheren Weg lernen, wie sie Ihre Sucht stoppen und langfristig abstinent bleiben.

    Und von Deinem Humor schreibst Du ja nicht zum ersten Mal. Den verstehe ich, wenn es um meine Sucht geht, tatsächlich überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich finde ihn völlig unangebracht. Denn meine Sucht ist für mich eine todernste Sache. Und das sollte sie für Dich auch sein, denn Du schreibst ja selbst, dass Du Dich in den 45 Jahren ganz schön zum Wrack gesoffen hast.

    Hi 45,

    was will ich sagen, so ganz easy is halt auch nicht

    das wundert mich bei dem "Weg" den Du gehst überhaupt nicht. Dazu ist Dir hier ja auch schon einiges geschrieben worden.

    Die Frage ist es, ob es Dich wundert. Oder ob Du weiterhin der Ansicht bist, dass Du eine Blitztrocknung nach drei Monaten "geschafft" hast und in spätestens sechs Monaten mit dem "Thema" durch bist. Und all das ohne mehr zu ändern als die Buddel wegzustellen. Falls letzteres weiter auf Dich zutrifft, ist meine Prognose weiterhin nicht gut für Dich.

    Ich bezieh das jetzt auf mich und von "löschen" hab ich nichts geschrieben. Bitte nichts hinzudichten oder den Sinn verändern, da wäre ich wirklich dankbar dafür.

    Hi Hera ,

    ich habe in der Ich Form geschrieben (Ich als Alkoholiker). Ich habe zu dem, was Du geschrieben nichts hin zu gedichtet noch den Sinn verändert. Und ich habe vor allem Deine Erfahrungen nicht infrage gestellt. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du mir das nicht unterstellst.

    Hi Mattie,

    ich plädiere nicht, sondern ich schreibe wie ich es mache.;) Ich bin jetzt bald neun Monate abstinent und in dieser Zeit habe ich konsequent jedes Risiko vermieden (Keine Feier, kein Urlaub, keine Veranstaltung, you name it). Wenn ich mich mit Menschen aus meinem Umfeld treffe, ist die Vereinbarung, dass sie in meiner Gegenwart keinen Alkohol trinken. Und wenn ich mich treffe, dann nicht an Orten, die alkohollastig sind und schon gar nicht an Orten, wo ich selbst missbräuchlich oder abhängig getrunken habe. Und das werde ich mindestens ein Jahr, wahrscheinlich länger durchziehen. Und bis jetzt fehlt mir auch nichts. Klar werde ich mir irgendwann irgendetwas wegen z.B. Urlaub überlegen, aber da bin ich zuversichtlich.;)

    Wie schaffst du es, in Situationen, die früher mit Alkohol verbunden waren, nichts zu trinken? Muss sich da nicht etwas am Mindset ändern, damit das funktioniert?

    Wenn eine Situation/Ort/Menschen für mich explizit hauptsächlich mit Alkohol trinken verbunden ist, vermeide ich sie für immer.