Beiträge von Kazik

    Hey Seppel1986 ,

    für mich liest sich das auch besorgniserregend aber vor allem aber ziemlich kopflos.

    Ich hatte in meinem Leben mehrere meist schwere Depressionen. Und gerade in den ersten beiden schweren Depressionen hatte ich ähnliche Gedanken wie Du das ich eigentlich nur wollte, dass das aufhört und ich am liebsten einfach nur abgehauen wäre, um irgendwo neu zu starten. Natürlich hatte ich dabei auch die Vorstellung, wenn ich das so machen würde, dann wäre gleichzeitig alles wieder gut. Obwohl ich (unterbewusst) wusste das dies auf gar keinen Fall so sein würde.

    Denn eine Depression ist für die Zeit wo sie anhält eine sehr schwere Erkrankung. Von alleine wird da gar nichts gut. Also habe ich mir professionelle Hilfe geholt und wenn es gar nicht ging habe ich mich akut für längere Zeit in eine Klinik einweisen lassen oder selbst eingewiesen. Ich bin dann einfach in eine Klinik gegangen und habe gesagt das es mir rattenschlecht geht und ich sofort Hilfe brauche. Und auch bei meinem Therapeuten*innen war ich zuerst bei zweien wo ich die Therapie nach einer ganzen Zeit abgebrochen habe, weil ich zu instabil wurde oder weil sie mir nicht geholfen haben. Aber ich bin hartnäckig geblieben. Und während meiner zweiten schweren Depression bin ich dann an meine für mich sehr gute Therapeutin gekommen. Bei Ihr habe ich dann eine Verhaltenstherapie abgeschlossen, in der ich gelernt habe, wie ich mir in einer Depression selbst helfen kann und diese dann bewältigen kann. Das ist inzwischen Jahrzehnte her. Und ich hatte auch danach noch weitere Depressionen aber ich konnte mir bei diesen eben auch gut selbst helfen. Worauf ich hinauswill Depressionen sind eine schwere Erkrankung und es ist möglich eine Depression mit professioneller Hilfe zu bewältigen.;)

    Nun zu Dir. Du kannst vor einer Depression ebenso wie vor unserer Alkoholsucht nicht weglaufen. Du kannst Dich aus Beiden nicht rausschleichen oder sie verdrängen. Das Einzige, was Dir in einer Depression wirklich helfen kann, ist gute professionelle Hilfe. Das kann wie geschrieben eine Weile dauern bis es greift besonders bei einer schweren Depression aber es ist der einzige sichere Weg. Und wenn Du aktuell zu instabil bist lass Dich akut in ein Krankenhaus einweisen. Dort gibt es Profis für Akutintervention, das ist deren täglich Brot. Was Du jetzt nicht tun solltest, ist kopflos wegzurennen. Denn das hilft Dir überhaupt nicht bezüglich der Depression und gefährdet im hohen Maß Deine Abstinenz.

    Zu dem Schreiben hier. Du bist bezüglich Deiner Alkoholsucht als auch wegen Depression genau richtig hier in dieser SHG. Denn Saufen und Depressionen kommen gerne Mal im Doppelpack. Und deshalb kann ich mich nur den Rat von Anderen hier anschließen schreib über alles was Dich gerade bedrängt. Ich habe die Erfahrung gemacht das mir das geholfen hat, weil es mich gleichzeitig entlastet hat und mir geholfen hat meinen Kopf zu sortieren. Also was hast Du zu verlieren?

    Nein, habe für 30 Personen gefeiert in meinem Leben.

    Dein Suchtgedächtnis wird das nicht überzeugen. Aber vielleicht ist das auch der Schlüssel für Dich?

    Ich habe bei Dir wie auch bei dem jetzigen Suchtdruck gedacht, warum triggert Dich das? Sonne = Saufen. Ich habe erst mit Ende 40 ernsthaft mit dem Saufen angefangen. Vorher in Zeiten oft hartes missbräuchliches Trinken. Ich hatte, wenn ich wollte mehr als genug Sonne und Saufen.

    In den 10 Jahren abhängigen Trinken habe ich fast ausschließlich alleine bei mir zu Hause getrunken. Aber nicht, weil ich es verbergen wollte. Ich habe sowieso alleine gewohnt. Ich wohne in einer Großstadt. Heißt, rund um meinen jeweiligen Wohnort gab es immer gut besuchte Orte wo ich in Gesellschaft hätte saufen aka feiern können. Und das in der Woche bis spät in die Nacht und am WE rund um die Uhr. Aber das wollte ich überhaupt nicht.

    Für mich waren spätestens die letzten Jahre des Saufens meine selbstgemachte Hölle aus Saufen und Depressionen. Da war schon sehr lange überhaupt nichts mehr schön am Saufen. Als ich aufgehört habe, hatte ich die Schnauze gestrichen voll.

    Worauf ich hinaus will ist, vielleicht hast Du die Schnauze noch nicht richtig voll?

    Hey Lullaby_76 ,

    ich bin Alkoholiker, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Deshalb hatte ich überhaupt keine Probleme mich hier in der SHG als Alkoholiker zu bekennen. Ich hatte übrigens auch keine Probleme mich meinem privaten und beruflichen Umfeld als jetzt abstinenter Alkoholiker zu bekennen.;) Und deshalb bin ich hier in dieser SHG genau richtig. Weil ich hier Hilfe in Form von Erfahrungen und dem passenden Mindset bekomme um stabil und sicher abstinent zu sein und zu bleiben.

    Ich hatte in meinem Leben schon mehrere Depressionen. Und diese Depressionen haben bei mir schon vor meiner Abhängigkeit das Saufen begünstigt. Denn sie waren ein untauglicher Versuch der Selbstmedikation, der Versuch die Depressionen wegzusaufen oder wie Du schreibst Spaß in die Birne zu bekommen. Hat nie geklappt und das wusste ich auch aber das nur am Rande. Und auch deshalb bin ich hier in dieser SHG genau richtig, weil wie Hartmut schon schrieb Saufen und Depressionen kommen gerne im Doppelpack daher. Und deshalb schreibe ich hier auch über meine Depressionen. Allerdings habe ich schon vor Jahrzehnten im Rahmen einer abgeschlossenen Therapie gelernt wie ich mir in einer Depression selbst helfen kann. Deshalb brauche ich hier kaum Hilfe, sondern kann in meinem Rahmen Hilfe geben.

    Wichtig ist das ich zu Beginn meiner Abstinenz, hier auch noch mal gelernt habe das meine Sucht und meine Depressionen zwei unterschiedliche schwere psychische Erkrankungen sind. Die ich strikt (in meinem Kopf) auseinanderhalte und getrennt angehe. Sie haben absolut nichts miteinander zu tun. Diese Trennung ist für mich absolut wichtig weil wie oben geschrieben meine Depressionen mein Saufen begünstigt haben.

    Warum schreibe ich Dir das, weil ich Deine Probleme hier mit dieser SHG nicht verstehe?

    In dem Austausch, auf den Du Dich meiner Meinung nach beziehst, ist der Nutzer lebst durch diesen Austausch zu dem Schluss gekommen das seine Abstinenz nicht gefährdet ist und er sich deshalb jetzt vorrangig seinen anderen psychischen Schwierigkeiten zu wendet. Und er sich deshalb hier zurückzieht.

    Worauf ich hinauswill. Wenn das bei Dir ebenso ist, dann mach das doch genau so. Aber die Voraussetzung sollte eben sein, das Deine Abstinenz nicht gefährdet ist und Du hier keine Hilfe mehr benötigst. Oder etwas zugespitzter formuliert Du solltest Dir über das eben geschrieben habe tatsächlich absolut sicher sein. Und Du solltest nicht Begründungen im Außen suchen, beispielsweise indem Du Dich an Regeln oder dem Verständnis von Sucht hier in der SHG abarbeitest. Denn damit spielst Du Deiner Sucht in Hände. Unsere Alkoholsucht ist diesbezüglich absolut gnadenlos, wenn sie eine Hintertür bei Dir auch nur wittert, säufst Du schneller wieder als Du bis drei zählen kannst. Und das ist auch der Grund warum ein Austausch über unsere Sucht so todernst genommen wird.

    Hi Soapstar ,

    noch mal eine Ergänzung zu Kapitulation, Wille und wie ich das in meinem Kopf gelöst habe.

    Das erste und wichtigste was ich hier für mich mitgenommen und verinnerlicht habe, ist das es für mich als Alkoholiker eine Notwendigkeit ist das ich nicht trinke. Weil ich dann sofort wieder auf dem elendigen Weg des Saufens bin und schlussendlich genauso elendig daran draufgehe.

    Und weil es eine Notwendigkeit brauche ich vor meiner Sucht auch nicht zu kapitulieren. Ich habe das trotzdem gemacht aber das war für mich eigentlich nur eine "Formsache".

    Und weil es eine Notwendigkeit ist, brauche ich meinen Willen auch kaum. Klar musste ich am Anfang die Zähne manchmal zusammenbeißen aber inzwischen muss ich das schon sehr lange nicht mehr. Im Prinzip habe ich meinen Willen nur in Bereitschaft dafür, wenn ich völlig unerwartet in eine riskante Situation komme oder wenn es irgendwelchen Gründen starken Saufdruck bekommen sollte. Beides ist bis jetzt nicht passiert und für beides habe ich ja auch noch meinen Notfallkoffer.;)

    Schluss jetzt mit dem Experiment, das bist einfach nicht du, du bist Säufer, fertig aus".

    Aber Zufriedenheit stellt sich leider immer noch nicht ein.

    Hey Soapstar ,

    wie bitte soll sich Zufriedenheit einstellen, wenn Du Deine Abstinenz als Experiment bezeichnest? Und gleichzeitig denkst das Du als Säufer eben nur saufen kannst. Und gleichzeitig mit saufenden Kumpels abhängst oder es bedauerst das Du nicht an einer Saufveranstaltung teilnehmen kannst. Weil Du nicht eingeladen wurdest.

    Hast Du eigentlich schon einmal mit Risikominimierung auseinandergesetzt? Jedes Mal, wenn Du ein Risiko eingehst, wenn Du Dich mit saufenden Kumpels triffst oder auf Deinem Balkon gehst und Deinen Kumpels beim Saufen zuschaust. Bindet sich Dein Suchtgedächtnis schon das Lätzchen um.

    Und so ist es dann nur noch eine Frage der Zeit bis Du das "Experiment" wirklich abbrichst. Aber nicht, weil Du es willst, sondern weil Du den Willen nicht mehr aufrechterhalten kannst es fortzuführen. Du kannst Deine Sucht nicht mit Willen alleine stoppen.

    Konsequente Risikominimierung hilft mir dabei das ich meinen Willen eigentlich nie brauche. Ist nicht notwendig.

    Hallo Alyfee ,

    ich habe auch eine kPTBS und verstehe vieles was Du schreibst sehr gut. Was Du deswegen schon in Therapie? Musst aber nicht beantworten, wenn Du nicht magst.

    Mir ist noch eine Sache eingefallen. Du könntest doch ein paar Tage nach der Beerdigung allein oder mit einer Freund*in ans Grab gehen und ganz in Ruhe für Dich Abschied nehmen. Dann hättest Du die ganzen Konfrontationen und weniger Trigger. Ist vielleicht eine Idee für Dich?

    Hallo Alyfee ,

    mein Beileid zum Tod Deiner Schwester.

    Nachdem ich noch einmal in Deinem TB zurück gelesen habe, lasse ich Dir mal einen Gedanken da. Ich an Deiner Stelle würde jetzt besonders gut auf mich aufpassen. In Eurer gemeinsamen Geschichte aber auch der Familiengeschichte geht es viel um aktive Alkoholsucht. Etwas was Du als jetzt abstinente Alkoholikerin überhaupt nicht gebrauchen kannst. Überhaupt nicht, weil es für Dich ein großes Risiko ist, wenn Du mit aktiven Trinkern Kontakt hast. Deshalb würde ich mir an Deiner Stelle sehr genau überlegen, inwieweit ich in direkten Kontakt mit Deiner Familie trete. Auch wenn sich das jetzt vielleicht wie Deine Pflicht anfühlen mag.

    Mein Kopf kommt nicht gut zur Ruhe, Gedanken jagen herum, wann fing das alles an mit dem Alkohol, werde ich je wieder lachen können, wie wird sich mein Leben verändern, so in diese Richtung.

    Hi Aurora,

    das mein Kopf und Gefühle auf overdrive waren, wie ich das selbst genannt habe, war bei mir in den ersten Wochen auch so. Körper, Geist und Seele leisten gerade Schwerstarbeit um wieder auf die "Normalspur" zu kommen. Aber das wird alles besser.

    Gib Dir Zeit. Möglichst kleine Schritte. Pausen machen. Etwas Schönes machen, beispielsweise rausgehen, etc.. Alles darauf ausrichten, dass Du keine Risiken eingehst und erstmal stabil abstinent wirst. HALT Regel beachten. Notfallkoffer packen. Saufdruck hält nicht lange an, wenn Du ihn ignorierst.

    Viel hier austauschen. Ich habe mich von Anfang an hier regelmässig ausgetauscht. Über alles, was mich abstinent beschäftigt hat. Wichtig, unwichtig, leicht, schwer, egal.

    Sorry, wurde die Hälfte verschluckt. Ich war mal vor 15 Jahren beim Psychologen. Seit dem keine Behandlung.

    Warum? Ich hatte auch mehrere meist schwere Depressionen und habe irgendwann in einer Verhaltenstherapie gelernt, wie ich mir selbst helfen kann. Dafür bin ich dann 2,5 Jahre zu meiner Therapeutin gedackelt und kann mir seitdem selbst helfen. Ich nehme allerdings weiterhin ein Medikament. Worauf ich hinaus will, unbehandelte Depressionen haben eine hohe Wahrscheinlichkeit chronisch zu werden.

    Hi Rennschnecke ,

    dann lesen und schreiben wir uns jetzt hier weiter.;) Wichtig ist das Du diese SHG so nutzt, dass sie Dir hilft. Das ist das allerwichtigste.

    Dass Du weißt, wie es geht und anderen helfen kannst, ist eh klar. Und dass Du für mich ein wichtiges Mitglied von unserer gemeinsamen SHG bist, ist mir zumindest auch eh klar.

    Zu Deiner aktuellen Situation fällt mir zunächst erst einmal nur ein. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht Dir noch weitere Hilfe zu holen z:B. eine Psychotherapie? Und zu den leicht zugänglichen Alkvorräten auf Deiner Arbeitsstelle ist dort bekannt, dass Du trockene Alkoholikerin bist? Denn dann könntest Du darum bitten, dass diese Alkvorräte für Dich nicht mehr frei zugänglich sind. Bzw. bitten ist ein zu schwaches Wort Du könntest, auch wenn ihr eine Personalvertretung habt, mit denen sprechen, ob die Dich anonym dabei unterstützen könnten, dass diese Alkvorräte zumindest für Dich nicht mehr frei zugänglich sind. Und es kann ja auch sein das dort noch weitere Menschen arbeiten, die bezüglich Alkohol vulnerabel sind.

    Und ganz zum Schluss möchte ich Dich an Deine Anfänge hier in dieser SHG erinnern, Du hast Dich glaube ich drei Monate vor Deinem Entzug hier angemeldet, den Du dann konsequent durchgezogen hast. Das finde ich bis heute unglaublich konsequent und dafür hast Du meinen aufrichtigen Respekt. Weil ich mir tatsächlich sehr, sehr unsicher bin, ob ich das so hingekriegt hätte.

    Naja Chewie, dies ist ja Dein Tagebuch. Heißt, Du kannst auch hier jeden Tag etwas schreiben, wie es so läuft. Hab ich zwar nicht jeden Tag gemacht, aber oft. Ich habe hier über alles geschrieben, was mich abstinent beschäftigt hat. Leicht, schwer, wichtig, unwichtig, egal. Und dann hast Du gleich den Vorteil, dass Du jederzeit gelesen wirst und die Erfahrerenen sehen können, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Dies ist Deine SHG.

    Hi Foaly88 ,

    ich lese Dich auch.

    Viel trinken und Essen hilft mir bei Suchtdruck gut.

    Ich hatte in den ersten Monaten manchmal heftige Stimmungsschwankungen. Da hilft nur aushalten. Und vielleicht etwas spazieren gehen (ohne Geld). Heiß duschen. Ein Bad nehmen. Irgendwie ein wenig in Bewegung kommen.

    Hattest Du schon einmal eine Depression?

    Hier viel schreiben. Du wirst gelesen.

    Habe hier vor kurzem gelernt auf Leute zu hören die was ähnliches durchmachten und schon weiter sind.

    Hi Seppl,

    ich habe mich hier 10 Tage nachdem ich aufgehört habe zu trinken angemeldet und ich habe seitdem kaum etwas durchgemacht.;)

    Der Grund ist, dass ich etwas gemacht habe, was ich sonst sehr, sehr selten in meinem Leben getan habe. Ich habe die Grundbausteine einfach umgesetzt. Betreibe konsequent Risikominimierung. Habe mir das Mindset von den Erfahrenen angeeignet. Habe mich früh in meinem Umfeld privat und beruflich als Alkoholiker zu erkennen gegeben. Dann habe ich privat und beruflich einige zu starke dauerhafte Belastungen abgebaut. Weil dauerhafte zu starke Belastungen sowohl das Saufen als auch Depressionen bei mir begünstigen. Wenn ich mich Menschen aus meinem Umfeld treffe, dann ist die Vereinbarung, dass in meiner Gegenwart kein Alkohol getrunken wird. Und das gab bisher keine Probleme. Und wenn es Probleme gegeben hätte, dann hätte ich die Konsequenzen gezogen.;)

    Wie geschrieben, ich habe es selbst in der Hand wie leicht oder schwer ich es mir mache.

    Und ich tausche mich von Anfang an hier regelmäßig aus und schreibe über alles, was mich jetzt abstinent beschäftigt. Leicht, schwer, wichtig, unwichtig, egal.