Aurora Borealis- Ein großer Schritt

  • Ich bitte um Unterstützung hinsichtlich einer Frage, obwohl mir die Antwort tief drinnen ja eigentlich eh klar ist...

    Ich frage mich, ob du mit „Unterstützung“ nicht eigentlich „Absolution“ meinst. ;)

    Das ist bei Alkoholikern nicht unüblich. Ein Vorhaben wird gern mit Vergleichen wie Rauchen oder anderen Süchten untermauert obwohl das nicht vergleichbar ist.

    Alkohol ist eine eigene Kategorie.

    Konfrontation am Anfang halte ich für keine gute Idee. Wenn du jetzt schon darüber nachdenkst, wie es „entspannt“ bleiben soll, während Alkohol im Raum steht, dann ist die Entspannung längst weg.

    Zudem: Die Sucht interessiert sich nicht für Gefühle, Emotionen oder Nettigkeit. Sie reagiert nicht darauf, ob jemand lieb, höflich oder bemüht ist. Sie dockt überall an, wo sie kann – in Gedanken, in Situationen, in Stimmungen. Wenn gesoffen wird, ist das der einzige Fokus, egal ob ein Glas oder mehrere. Da reicht ein Handbreit Abstand, und du bist mitten drin.

    Deshalb empfehlen wir im ersten Jahr, solche Situationen zu meiden und stattdessen Dinge zu tun, die nichts mit Alkohol zu tun haben. Abstand ist erstmal Selbstschutz.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich habe mich im ersten Jahr auch auf mein Bauchgefühl verlassen und solche Situationen gemieden. Das Erreichen einer gewissen Stabilität lag für mich im Fokus und die Abstinenz steht heute noch bei mir an 1. Stelle, so dass ich darauf achte, mich aus jeder Situation rausziehen zu können.
    Eine Dampferfahrt auf einem Partyboot wäre also keine Option für mich.
    Ein Urlaub in einem Hotel mit AI genauso wenig.
    Zu Beginn meiner Abstinenz war ich zum runden Geburtstag meiner besten Freundin in großer Runde in einem Gastsaal eingeladen. Ich habe im Vorfeld meine Freundin über meine Abstinenz in Kenntnis gesetzt. Auf der Feier war ich mit Auto, so dass ich nicht in Notlügen gegenüber anderen Gästen ausweichen musste und ich hätte jederzeit losfahren können.
    Ich kann zumindest heute nach fast 2 Jahren Abstinenz sagen, dass ich nicht vereinsamt bin. 😊

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Danke für deine Worte!
    Mein Bauchgefühl hat mir ja eh abgeraten, es ist trotzdem ein ganz neuer Blick in die Zukunft, wenn Tradiertes, also auch schlechtes Tradiertes, jetzt anders besetzt werden soll / darf.

    Ich werde meine Freundin alleine treffen und ihr sagen, dass mein hinkünftiges Leben eines ohne Alkohol sein wird. Sie wird Verständnis haben.

  • Meine Freundin hatte nicht nur Verständnis, sondern selbst einen Blick auf ihr eigenes Trinkverhalten geworfen und sich Gedanken darüber gemacht.
    Habe immer im Hinterkopf… ICH bin mir der wichtigste Mensch.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Mein erster trockener Freitag. Habe mich zuhause eingeigelt und bin weinerlich.
    Mir ist nie aufgefallen, dass man, egal, wo man sich im städtischen Bereich bewegt, und besonders jetzt, wo die ersten Sonnenstrahlen endlich ein bisschen wärmen, überall Alkohol / Drinks sieht. Habe gearbeitet, Sport gemacht, war danach mit einer Freundin spazieren und habe ihr erzählt, dass ich Alkoholikerin bin und nicht mehr trinke. Und jetzt, alleine zuhause, fühle ich mich, als ob mir meine Rituale weggenommen wurden. Das, obwohl ich mich tagsüber durchaus gut fühle und auch nachts gut schlafe... Ich bin so unfassbar traurig.

  • Die Gefühle Traurigkeit und Freude liegen nah beieinander.
    Beides hat sich bei mir am Anfang rasant abgewechselt, wobei die Traurigkeit überwog, ich konnte aber gar nicht sagen, worüber ich traurig bin.

    Fakt war bei mir, das mein Neurotransmittersystem ordentlich durcheinander war und ich Gefühle empfunden habe, deren Ursache ich nicht zuordnen konnte.

    Worüber bist du traurig?

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich bin traurig, dass ich an diesen Punkt gekommen bin. Ich bin traurig, weil ich mich einsam fühle, obwohl ich seitens meiner Familie und einigen Freunden, die Bescheid wissen, viel Verständnis erfahren darf. Ich fühle mich schwach. Mein Kopf kommt nicht gut zur Ruhe, Gedanken jagen herum, wann fing das alles an mit dem Alkohol, werde ich je wieder lachen können, wie wird sich mein Leben verändern, so in diese Richtung.
    Und bisher hat mich an einsamen Abenden wie heute die treue Weinflasche begleitet und Schmerz gelindert. Tagsüber ist das überhaupt keine Thema, aber so gegen 17 Uhr fand früher das erst Glas Wein den Weg in meinen Körper..........

  • werde ich je wieder lachen können, wie wird sich mein Leben verändern,

    Ganz bestimmt, und ja, dein Leben wird sich verändern, denn das ist der Schlüssel um abstinent zu bleiben.

    Ich habe hier gelernt, dass ich geduldig mit mir sein kann. In der nassen Zeit war Geduld ein Fremdwort. Dein Körper und vor allem dein Geist brauchen Zeit um sich an ein Leben ohne Alkohol anzupassen und du kannst ihnen die Zeit geben, indem du geduldig mit dir bist.

    Jetzt beginnt die eigentliche Trockenarbeit und die findet im Kopf statt.
    Ich habe mich intensiv mit mir selbst auseinandergesetzt. Wichtig war, dass ich mehr und mehr nach vorne geschaut habe.
    Ich konnte das Wechselbad der Gefühle ausleben, weil ich hier gelesen und gehört habe, dass es nicht nur mir so geht.
    Es wird besser werden und darauf kannst du dich freuen.

    Manchmal wurde das „Ausleben“ aber auch Zuviel , dann habe ich mich abgelenkt, lesen und schreiben im Forum hat geholfen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Diese Uhrzeit war früher auch immer mein Startschuss in das Besäufnis.

    Ich habe dann extra anderes unternommen oder aber einen heissen Kakao oder Cappuchino getrunken. Und ich habe ins Forum geschaut. Der Druck liess dann eine Stunde später wieder nach. Später war ich dann immer froh, dass ich wieder einen Tag trocken geschafft habe. Sobald es immer später wurde, desto leichter wurde es für mich.

    Es ist alles eine Umstellung der Gewohnheiten. Es wird besser mit der Zeit, Aurora!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Mein Kopf kommt nicht gut zur Ruhe, Gedanken jagen herum, wann fing das alles an mit dem Alkohol, werde ich je wieder lachen können, wie wird sich mein Leben verändern, so in diese Richtung.

    Hi Aurora,

    das mein Kopf und Gefühle auf overdrive waren, wie ich das selbst genannt habe, war bei mir in den ersten Wochen auch so. Körper, Geist und Seele leisten gerade Schwerstarbeit um wieder auf die "Normalspur" zu kommen. Aber das wird alles besser.

    Gib Dir Zeit. Möglichst kleine Schritte. Pausen machen. Etwas Schönes machen, beispielsweise rausgehen, etc.. Alles darauf ausrichten, dass Du keine Risiken eingehst und erstmal stabil abstinent wirst. HALT Regel beachten. Notfallkoffer packen. Saufdruck hält nicht lange an, wenn Du ihn ignorierst.

    Viel hier austauschen. Ich habe mich von Anfang an hier regelmässig ausgetauscht. Über alles, was mich abstinent beschäftigt hat. Wichtig, unwichtig, leicht, schwer, egal.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Heute habe ich zwei weitere Freunde "eingeweiht" und durfte wieder auf verständnisvolle Worte, aber auch auf große Überraschung stoßen.
    Sie hatten keine Ahnung und keinen Verdacht...
    Wie erfolgreich ich im Täuschen war mit meinem heimlichen Trinken.
    Der Tag heute verlief gut, ich war mit meinen Kindern frühstücken, mit meiner Enkelin spazieren, viel an der frischen Luft und konnte das auch richtig genießen.
    Emotional bin ich hin und hergerissen zwischen Erleichterung und Angst, zwischen Hoffnung und einer Art Trauer.
    Am Abend gehen mir die Ideen aus, was ich trinken mag.
    Da ich keine Alkohol trinkenden Menschen sehen mag, wenigstens jetzt nicht, bin ich alleine zuhause. Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der gut alleine sein kann, das ist mir meist lieber als mit lauten Menschen.
    Jetzt hätte ich gerne Trubel um mich herum.
    Wie verdreht das alles scheint.

  • Ich denke (hoffe), dass Ich das gerne hätte.
    Mein Suchthirn wäre mit einer Flasche Wein zufrieden. Und von diesem Suchthirn wäre ich gerne abgelenkt.
    Gestern Abend durfte ich erneut feststellen, dass die Zeit zwischen 17 und 20 Uhr besonders schwierig ist. Ich spüre (auch gerade) dieses Gefühl in mir - schwer zu beschreiben - wie eine kleine Lawine, die nicht aufhört in ihrer Bewegung. Klein, aber da!
    Aber es ist ganz klar - heute trinke ich nicht!

  • dass die Zeit zwischen 17 und 20 Uhr besonders schwierig ist.

    Dein Kopf und Deine Gedanken. Wenn Du davon ausgehst, dann ist das auch so.

    Am Abend gehen mir die Ideen aus, was ich trinken mag.

    Vielleicht die Gedanken auf etwas anderes als das Trinken von Flüssigkeiten richten.

    Na ja. Bei mir waren es ja auch bis zu vier Liter Sprudel. Es gab einfach nichts anderes und fertig. Ende der Gedankenkette. Und dann sehr viel im Forum gelesen. Ggf. auch anders abgelenkt. Irgendwann hat mein Hirn kapiert, dass die Wasser Trinkerei nichts bringt und es wurde von selbst immer weniger.

    Jetzt genieße ich meinen meist ruhigen Abend mit allem möglichen. Irgend welche Flüssigkeiten schlucken gehört nicht mehr dazu. Das ergibt sich dann ganz von selbst. Es braucht einfach seine Zeit. Trinken war ja auch viele Jahre. Was sind da ein paar Monate?

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Hallo, Alex,
    ja, das scheint mir sinnvoll, die Gedanken auf etwas anderes als das Trinken zu richten.
    Das fällt mir nicht leicht, schön formuliert. Es ist brutal schwierig, ehrlich formuliert!
    Das Wetter ist schön, ich werde einen langen Spaziergang machen am Abend.


    Danke für deine Antwort <3

  • Guten Abend!

    Kaum zu gleuben, letzte Nacht schlief ich fast 8 Stunden durch. Ich hatte einen guten Sonntag, ein bisschen Arbeit auf meiner Loggia, ein langer Spaziergang mit einer Freundin, mit einem kleinen späten Mittagessen in einem Lokal am Wasser. Gemütlich.
    Auch das verschärfte Bewusstsein bzw Wahrnehmen der alkoholischen Getränke auf den Tischen im näheren Umfeld war zwar da, aber nicht problematisch.
    Der frühe Abend war auch heute wieder schwierig, da dockt das Weinbedürfnis schon ziemlich an.
    Jetzt geht es wieder besser und ich bin fast froh, morgen wieder durch Arbeit mental auf andere Dinge fokussiert sein zu müssen.
    Der Gedanke an Wein ist leider sehr präsent :rolleyes:.
    Aber seit einer Woche bin ich in einer noch ungewohnten Freiheit, und ich danke euch für die vielen positiven Beiträge und auch die Ehrlichkeit, wenns mal ganz schwierig wird.
    Hier immer wieder lesen zu können macht mich sehr zuversichtlich, dass auch bei mir irgendwann in Zukunft stehen wird, abstinent seit Febraur 2026.
    Die Einladung zum Feiern habe ich übrigens abgesagt - meine Freundin ist sehr enttäuscht, ich konnte aber nicht persönlich mit ihr reden, sie kommt erst morgen aus dem Ausland zurück. Und per WhatsApp wollte ich nicht mit ihr über meine Entscheidung der Abstinenz kommunizieren.
    Sie ist meine "längste" Freundin, die auch gerne deutlich mehr trinkt, als die WHO empfiehlt, und ich mache mir schon Gedanken, wie wir hinkünftig unsere Freundschaft neu / anders/ alkoholfrei definieren können, zumindest in meinem ersten Jahr....
    Grüße an euch

  • wie wir hinkünftig unsere Freundschaft neu / anders/ alkoholfrei definieren können, zumindest in meinem ersten Jahr

    Das kann zu einigen Überraschungen führen. Der nüchterne Weg hat den Vorteil, dass recht schnell heraus kommt, wer echte Freunde sind.

    Ich hatte mir leider, oder logischerweise, "Freunde" gesucht, die so viel wie ich getrunken haben. Dadurch sind dann praktisch fast alle weg gefallen. Sie wollten sich melden, wenn sie etwas machen, wo Alkohol nicht im Mittelpunkt steht.

    Das war vor vier Jahren. ^^

    Aber es gibt ein paar wenige. Bei ihnen weiß ich jetzt, dass sie an mir interessiert wären, wenn wir uns träfen. Für die anderen war ich nur Beiwerk zum Trinken und anders herum genauso.

    Der Gedanke an Wein ist leider sehr präsent

    Du bist nicht deine Gedanken. Das ist die Suchtstimme. Ich habe ihr vehement ein Sprechverbot erteilt – auch bei Bildern im Kopf. Immer wieder. Es ergibt keinen Sinn, an Wein zu denken. Du trinkst nicht.

    Ich habe sie richtig angeschnauzt, weil dieses dumme Ding einfach nicht begreift, dass die Sauferei vorbei ist. Ich habe mir auch nicht vorgestellt, wie das Trinken enden würde. Das weiß ich längst. Ich will etwas anderes denken. Punkt.

    Es ist nur Selbstquälerei, und außerdem artet es in einen Kampf aus.

    Nachdem die Stimme immer wieder eins drauf bekommen hat, wurde sie ziemlich schnell leiser und seltener. Bis sie schließlich still wurde und nur noch wartet.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

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