Hi Ihr,
ich habe diesen Faden gerade erst entdeckt.
Zu den beiden Ausgangsfragen. Ich habe mich hier (offensichtlich
) als Alkoholiker bekannt. Und ich habe mich gegenüber meinem Umfeld privat und beruflich als Alkoholiker bekannt. Daraus haben sich für mich keinerlei Probleme ergeben.
Für mich gab und gibt es keinen Zweifel daran, dass ich Alkoholiker bin. Als ich vor fast elf Jahren ernsthaft mit dem Saufen angefangen habe, wusste ich, dass ich abhängig werde. Und ich wurde abhängig. Daran ließen auch Menge und Taktung keinerlei Zweifel. Dazu kommt, dass ich erst mit Ende vierzig angefangen habe ernsthaft zu trinken. Zu der Zeit war ich definitiv erwachsen und ich machte mir keinerlei Illusionen, was jetzt folgt. Dazu kommt, dass ich vorher jahrzehntelang in Zeiten einen riskanten Alkoholkonsum praktiziert habe. Ich wusste ganz genau, dass das jetzt, was komplett anderes war.
Ich kann mir allerdings vorstellen, dass dies bei anderen Menschen anders ist. Denn ich glaube, dass bei den allermeisten Menschen das Ziel der Rausch ist und nicht die Abhängigkeit. Und dann kann es vermutlich auch schwierig zu akzeptieren, dass sie es sind. Alkoholiker*in. Und ich kann mir auch vorstellen, dass diese fehlende Akzeptanz ein weiterer Grund neben dem Stigma ist, sich als Alkoholiker*in zu bekennen.
Warum habe ich mich in meinem Privaten und Beruflichen dazu bekannt, Alkoholiker zu sein? Zum einen wollte ich, dass mein Umfeld von meiner Krankheit weiß. Ebenso wie sie beispielsweise von meinen Depressionen wissen. Und zum anderen wollte ich proaktiv den Grund nennen, warum ich Änderungen in meinem Leben vornehme. Denn wenn mir Irgendeine Schwierigkeiten bei diesen Änderungen gemacht hätte, hätte ich meinerseits die Konsequenz daraus gezogen. Aber das bin eben ich, mir ist Selbstbestimmung wichtig.