Beiträge von Lebenskuenstler

    Im Grunde ist er der liebevollste, empathischste junge Mann, der mir jemals begegnet ist. Das ganze Umfeld nimmt ihn so wahr.

    Ich glaube nicht, dass irgendein Mensch nur gute Seiten hat. Vielleicht traut er sich nüchtern nur nicht, sich unbeliebt zu machen, und unter Alk kommen die anderen Seiten erst raus. Vielleicht trinkt er sich Mut an, um sich so zu zeigen, wie er wirklich ist, da wäre er nicht der Erste, der das macht.

    Und auf jeden Fall ist er nicht hier, um sich Hilfe zu suchen. Und wie Du sagst, kann er sich ein Leben ohne Alkohol nicht vorstellen. da würde ich an Deiner Stelle mal davon ausgehen, dass er sich nicht ändern will und auch nicht ändern wird.

    Na ja, ich hab das früher auch nicht gesehen, dass ich zu viel gesoffen habe. Und ich habe auch nicht verstanden, was meine Frau für ein Problem damit hatte, dass ich getrunken habe.

    Ich glaube, dass Deine Vorstellung von einer glücklichen Familie eine Andere ist als Seine. In seiner Vorstellung gibt es Glück wahrscheinlich nur, wenn er dabei auch trinken kann. Ganz normale Trinkerdenke, sag ich mal.

    Ich seid doch eh schon im Scheidungsprozess. Da kannst Du sowieso nur gucken, wie Du Dich möglichst schadlos hältst.

    Abgesehen davon will ich ja keinen Kontaktabbruch. Er ist mein Kind und ich liebe ihn.

    Ich schätze, dann wirst Du weiter mit Deiner Verzweiflung leben müssen. Denn reinprügeln kannst Du ihm die Einsicht nicht.
    Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man das Gefühl hat, ohne Rausch ist das Leben sowieso was, bei dem nur der Henkel zum Wegwerfen fehlt. Mit mir war es auch sinnlos, darüber zu diskutieren. Ist halt so.

    Mit 21 muss er ja normalerweise nicht mehr machen, was Mami sagt.
    Lass ihn ziehen.

    Er muss selbst draufkommen. Und entweder er kommt drauf oder nicht.

    Meine Eltern und ich haben uns damals, ist Jahrzehnte her, nicht zuletzt wegen meinem Drogenkonsum so verstritten, das wir überhaupt nichts mehr miteinander zu tun haben wollten. Jeder gegen jeden.

    Damit hat meine Mutter nicht mehr mitgekriegt, was ich getrieben habe, und konnte sich ein neues Leben einrichten. Wäre das für Dich auch eine Option?

    Die Situation "Wir könnten doch mal ein Bierchen zusammen trinken" habe ich hin und wieder. Ich lerne auch öfter neue Leute kennen, die gar nichts von mir wissen, und der Spruch ist relativ üblich.

    Ich sag in der Regel, wenn es sonst passt, können wir machen, nur für mich gibt es Saft.
    Manchmal kommen dann Nachfragen, ob ich noch nie getrunken habe, die meisten Leute halten mich eher für einen Antialkoholiker als für einen Trockenen. Das liegt vielleicht an der Dauer und an meiner Ausstrahlung.
    Manche interessiert es wirklich, andere gar nicht.

    Und meine Erfahrung ist außerdem die, dass ich mit denen, die immer was trinken wollen, auf Dauer nicht mehr sehr viele Gemeinsamkeiten habe, und von daher ist es mir sowieso egal, was die von mir denken.

    Auf der anderen Seite denke ich wenn mann ihm machen lässt dann wird er ja bestätigt und es wird sich nie was ändern.

    Ich glaube, es ist Dir noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, dass es völlig egal ist, was Du tust. Du hast keinerlei Einfluss darauf, ob er jemals zur Einsicht kommt.
    So, wie du ihn beschreibst, ist er noch Jahre davon entfernt, über das Aufhören ernsthaft nachzudenken.

    Ich habe die ersten Jahre meiner Trockenheit auch auf dem Land gewohnt und da habe ich mich ewig mit niemandem getroffen. War auch relativ egal, da wir zugezogen und sowieso Pendler waren. Mein Bedürfnis nach abendlicher Gesellschaft war da nicht so groß.

    Irgendwann bin ich genau deswegen in der benachbarten Großstadt in einen regionalen Selbsthilfeverein gegangen, wo in den Gruppen nicht nur Probleme gewälzt wurden, sondern es auch mal lustig war. Da wurde auch gefeiert, Gartenfeste, Weihnachtsfeier, Geburtstage. Und es waren alle nüchtern. Das Problem, das Du hast, haben ja mehrere.

    Inzwischen treffe ich mich auch mit anderen Leuten, die sowieso kaum trinken und bei meiner Anwesenheit nie.

    Moin,

    ich hatte eine ziemliche Anfangseuphorie und das war gut so, denn sie überzeugte mich davon, dass ich gerne nüchtern bin.

    Aber die Trockenheit löste längst nicht alle Probleme.
    Ich musste noch viel arbeiten und an meinem Leben ändern, bis ich nicht nur zufrieden trocken (damit meine ich, ich habe diese Entscheidung nie in Frage gestellt), sondern auch zufrieden mit meinem Leben war. Mehrere Jahre, falls Du mich fragst.

    Und trotzdem wäre das alles nicht möglich gewesen, wenn ich weiter gesoffen hätte. Erstens hätte ich das vermutlich gar nicht überlebt, und zweitens hätte ich vermutlich eine Menge Schnapsideen gehabt, was ich zur Lösung meiner Probleme anstelle.

    Fälle die richtigen Entscheidungen, damit meine ich die, mit denen Du leben kannst. Das wünsche ich Dir.

    LG LK

    Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Für mich ist es auf jeden Fall ein Rückfall. Aber jemand das als Vorfall zu verkaufen um wieder trocken zu werden ist das eigentlich eine gute Idee, wenn es klappt. Meinst du das? Oder habe ich das falsch verstanden?

    Ich hab mich mit Rückfälligen beschäftigt, hatte aber nie einen. Irgendwie gehörte das auch zu meiner Selbsthilfe und Rückfallprophylaxe, zu gucken, was da die Auslöser waren und wie und unter welchen Umständen die Leute wieder aufhören konnten. Ich habe mit vielen geredet.

    Lange war das Problem, und ist es vielleicht heute noch, weil es hiess, wenn Du nur eins trinkst, dann gehts wieder voll runter, und zwar so zwangsläufig, dass es dann halt vielleicht gar nicht mehr da raus geht.

    Rückfälle gehören für mich nicht dazu, denn ich hatte auch aus guten Gründen lieber keinen, aber es gibt sie und dann müssen die Betroffenen irgendwie damit umgehen.

    Und eins ist dabei wichtig, den Rückfall möglichst schnell zu kappen. Abschneiden, sobald wie möglich wieder aufhören.
    Es gibt auch Rückfälle, gabs auch hier im Forum, da kommen Leute über längere Zeit immer tiefer rein und dann brauchen sie nochmal den Tiefpunkt, so interpretiere ich das. Aber das versuchen wir ja alle zu vermeiden.

    Deswegen gibt es gleich am Anfang möglichst viel keine Vorwürfe und so. Und auch keine Selbstvorwürfe. Ich weiß nicht, ob Du das "Ich arme Sau"-Syndrom kennst, wenn man dann ins Selbstmitleid verfällt, weil man so ein Versager ist und es sowieso nicht schafft. Und das kenne ich auch noch vom Ende meiner Saufzeit.

    Da muss man eben schleunigst wieder raus. Das hat nichts damit zu tun, das zu beschönigen und drüber nachdenken, wie es dazu kam, weil das macht ja jeder aktiv da sich der Alkohol einem ja nicht von selbst einflößt, ist sicher kein Schaden. Aber sich selbst fertig machen bringt halt eher wenig.

    Wie ist das sonst bei Euch mit dem Reden?

    Meine Frau, mir der ich mich oft wegen meiner Trinkerei gestritten hatte, hätte das Thema am liebsten einfach hinter sich gelassen.

    Ich übrigens auch. Nicht gleich zwar und ich wollte auch keine Hilfe von meiner Frau, aber ich hab mich mit meiner Trinkerei auseinandergesetzt und irgendwann wollte ich auch mal drüber reden, wie es mir ohne Alkohol so ging.

    Sie hat im wesentlichen gesagt, sie hat mir meine Eskapaden verziehen und jetzt will sie davon nicht mehr viel hören.

    Dann kam aber noch dazu, dass sie sich trotzdem zu viele Sorgen um mich nachte, ich für sie auch auch an Einigem Schuld war und sie ein paar unbeglichene Rechnungen mit mir offen hatte, damit in Versuchung geriet, mir ungebetene Ratschläge zu erteilen, was ich dann wiederum nicht wollte und dann fühlte sie sich zurückgewiesen. Da gabs wieder Streit.

    Das änderte sich im Lauf der Zeit, als wir lockerer wurden und ich für sie - und mich - überzeugend trocken war. Und ich mich drauf verlassen konnte, dass auch sie mich lässt, wie ich bin.

    Heute, ich bin sehr lange trocken, machen wir schon lange Witze über unsere Vergangenheit.

    Entweder ist Dein Mann der Meinung, das musst Du allein regeln, oder er ist überfordert damit, oder er macht sowiesoo eher das, was er will und will nur, dass Du funktionierst.

    Nichts davon muss jetzt passen, nur ein Versuch von mir, was sein könnte.

    LG LK

    Hi Fruechtetee,

    die psychische Situation ist bei den Meisten nach einem Rückfall schlechter.

    Bei mir wäre das mit Sicherheit so und ich habe lebensgefährlich gesoffen.
    Deswegen war klar, dass ich mir keinen Rückfall leisten konnte und deswegen hatte ich damit nie wirklich Probleme. Ich wusste von Anfang an, ich muss mir andere Lösungen einfallen lassen als Trinken. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.

    Bei mir waren in der Trockenzeit, 25 Jahre, ein paar harte Situationen, trotzdem war Alkohol nie eine Option für mich.
    Ich wusste auch immer, dass das nur schlecht für mich ausgehen kann.

    Jetzt hast Du die psychische Situation und brauchst dafür andere Lösungen, als deswegen zu trinken.
    Hast Du da schon Ideen?

    LG Lk

    Hi,

    Mein aktuelles Leben findet intern statt. Es ist alles in guter Frühlingsbutter😎

    Heute erst beim Griechen in einer Altstadtgasse in der Sonne, statt Ouzo Espresso Doppio gekriegt, dann über ein paar Hügel mit dem E-Bike und dann auf die Terrasse.

    Das habe ich grade mal bei Angler geschrieben und hole dieses Thema damit mal wieder aus der Versenkung.

    ... ein paar Monate sind für mich dabei eher nix, das hab ich geschafft, so oft ich wollte. Immer mit der Aussicht, sobalds was zu feiern gibt, hab ich mir was verdient. Das war sogar meine Möhre mit der ich mich Esel zur Leistung angetrieben habe. Und dann immer wieder volle Kanne. Whisky literweise.

    ich war erst mal kein Problem- sondern ein Belohnungstrinker. Mit der Zeit hatte ich dann auch, aber zum Teil grade erst vom Trinken, natürlich auch Probleme. Und als Grund war alles recht.

    Aber das mit der Belohnung....da gabs mal nen Comic "Möhrchen für Isnogud", da reitet er auf dem Titelbild und hält dem Esel die Möhre an einer Angel vor die Nase. Und dann geht von seinen Tricks was schief und er wird selbst zum Esel.

    So habe ich funktioniert.
    Möglichst viele Belohnungsanlässe schaffen.
    Gründe zum Feiern geschaffen, wo es ging.

    Oder auch so schlecht gelaunt werden, dass es zwangsläufig zum Streit kommen musste und ich wieder einen Grund hatte.
    Oder besser, eine Rechtfertigung. Denn ohne gings nicht auf Dauer. Ich wollte unbedingt trinken, und was ist das schon, ausser dem Suchtkriterium "Starkes und unwiderstehliches Bedürfnis, sein Suchtmittel zu konsumieren"
    Und Kontrollverlust, alles relativ. Ich habe den Vollrausch in Kauf genommen. Nun ja, weil ich wusste, dass ich gerne besoffen bin. Aber halt so gerne besoffen, dass es sein musste. Klarer Zwang.

    Das geht heute alles viel einfacher ohne.
    Und ohne anschließende Reue.
    Und ohne Grund, mich dafür zu hassen.

    LG LK

    Hi Angler,

    Du nervst Dich ja ein bisschen über das "beschäftigen-müssen"

    Kein Mensch zwingt Dich dazu, wenn Du das nicht willst.

    Und wenn Du dazu entspannt Dein wie auch immer geartetes vorhandenes oder nicht vorhandenes Alkoholproblem so leben kannst, wie Du das willst, wird Dich garantiert niemand dran hindern.

    Ich hab grad mal Deine Vorstellung gelesen, scheint nicht so. Und ein paar Monate sind für mich dabei eher nix, das hab ich geschafft, so oft ich wollte. Immer mit der Aussicht, sobalds was zu feiern gibt, hab ich mir was verdient. Das war sogar meine Möhre mit der ich mich Esel zur Leistung angetrieben habe. Und dann immer wieder volle Kanne. Whisky literweise.

    Bei mir war der Druck im Prinzip vorbei, bis auf Anfangs ein paar Sekunden, als ich die Schnauze voll hatte.
    Mir gings davor schlecht genug, dass ich es auch kapiert habe.

    Ich hab mir nur deswegen Hilfe geholt, weil meine Erfahrung bis dahin war, dass ich immer wieder Gründe fand, wieder anzufangen.
    Das reine Aufhören konnte ich immer alleine. Aber ich hab halt gemerkt, ich sollte das wohl richtig angehen, wenn es von Dauer sein soll.

    Dann gings mir mal drum, was Andere trockene Alkoholiker eigentlich machen, um von Stress wieder runterzukommen oder auch zu feiern.

    Und irgendwann wurde die Auseinandersetzung damit auch interessant. Ich lernte interssante Leute dabei kennen, das gab mir irgendwann mal auch nen Sinn, mich mit Rückfälligen zu beschäftigen und nebenbei habe ich dadurch eine ganz andere Sicht auf das bekommen, was da laufen kann. Ausserdem konnte man sich da herrlich rumstreiten, und ich hatte da ein Bedürfnis, hähä:mrgreen:

    Ich habe dabei auch sehr viel über Menschen gelernt und meine sozialen Kompetenzen ausgebaut.
    Irgendwann bin ich dann auch ruhiger geworden.

    Aber von "beschäftigen müssen" ist bei mir wenig. Ich verbinde höchstens das Angenehme mit dem Nützlichen.

    Und wie gesagt, wenn Du die Auseinandersetzung als Zwang empfindest, dann lass es einfach bleiben.

    LG Lk