Beiträge von Lebenskuenstler

    Ich kenne Alkoholiker, die sagen, mit der bisherigen Partnerin hätten sie nicht trocken bleiben können und sie haben sich trotz Liebe für ihre Trockenheit dafür getrennt.

    Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass ich, wenn sich meine Frau zu sehr gekümmert und geklammert hat, mal fast zum Saufen gegangen wäre, damit ich meine Ruhe habe. Da war ich schon lange trocken und sie hat mich bearbeitet. Daran waren wir fast noch mal gescheitert, nach dem Alkohol.

    Mich machte es wütend , wenn sich jemand immer Sorgen macht. Ich fühle mich dann kontrolliert. Ich entscheide selbst, wie ich leben will und brauche normalerweise keine Aufseher. Selbst wenn ich trinken will, ist das ja erst mal meine Entscheidung und keineswegs verboten. Wenn ich das besser finde, ist das so. Selbsternannte Helfer können auch ganz schön übergriffig sein.

    Ich habs nur deswegen nicht getan, weil ich wusste, wie es mir selbst am nächsten Tag damit gegangen wäre.

    Beim Arzt darf ich jede Behandlung ablehnen, und in einer Beziehung darf ich das auch. Im Zweifelsfall beende ich eben die Beziehung.

    Die Einsicht kommt bei sehr vielen Trinkern nie.

    Und bei denen, bei denen sie kommt, weiss niemand, wann. So lange die Sauferei noch irgendwie auszuhalten ist, hören wohl die wenigsten auf. Und selbst von denen, die aufhören wollen, schaffen es ja längst nicht alle.

    Ich bin Alkoholiker. Ich denke manchmal, es war reiner Zufall, dass ich irgendwann aufgehört habe. Glück gehabt, dass ich nen Flash hatte, dass ich aufhören will. Das Glück haben die Wenigsten.

    Und dazu musste ich erst mal so weit sein, dass es auch für mich nicht mehr auszuhalten war. Länger, als meine Frau das aushalten konnte. Nach 15 Jahren Sauferei hatte ich noch mehr als 10 Jahre vor mir, und wie geschrieben, oft kommt das nie.

    Da drauf zu warten rentiert sich nicht. Es ist nur deine Lebenszeit, die dabei völlig umsonst mit drauf geht.

    Mich wollten mehrere retten. Ich hab ihnen immer gesagt, das können sie vergessen, ich höre nicht auf.

    Die Frage wegen Rauschtrinker und Dopamin.

    Sage ich mal so, ich habe das mit anderen intensiven Erlebnissen und auch exstatischen Gefühlen teilweise kompensiert. Wild tanzen z.B. , auch zu Hause

    Ich kann nüchtern auch intensiv feiern und euphorisch werden, dann hatte ich sehr intensive Naturerlebnisse, wo ich manches auch wie einen Rausch erlebt habe.

    Ausserdem habe ich mich mal intensiv mit Genuss beschäftigt.

    Ich brauchte den Alk ziemlich schnell für nichts mehr. Andere Aktionen befriedigen mich mindestens genau so sehr.

    Wenn ich drüber nachdenke, kann ich da aber kaum mitreden. Mir hatte es die Lust auf Alk so gründlich ausgetrieben, dass ich Saufdruckanfälle wie hier beschrieben nicht hatte.

    Die einzigen, die ich hatte, dauerten nur Sekunden und ließen sich durch Verlassen der Situation und eine Alternative Handlung gleich stoppen.

    Mir fällt hier auch nicht mehr dazu ein, als dass Du, Abstinenzler , damit vielleicht leben musst. Vielleicht kommst Du noch drauf, was da abgeht. Ich steck da nicht drin.

    Rechne damit, dass jetzt alle möglichen Spielchen und leere Versprechungen kommen könnten.

    Und wenn Du selbst drei mal drohst und jedes mal wieder einen Rückzieher machst, weiß er, dass er so weitermachen kann.

    Es zählt nicht, was gesagt wird. Nur, was getan wird. Und nix von irgendwann in der Zukunft. Entweder oder.

    Und wenn er wirklich aus Einsicht aufhören würde, was ich nach Deiner Schilderung sowieso nicht glaube, dann braucht er Dich dazu nicht unbedingt. Da kannst Du leicht lange in der Zuschauerrolle bleiben.

    Die meisten müssen sowieso erst mal mit sich selbst klarkommen. Aufhören ändert vieles.

    Nur mal so.

    Ich mach das schon über 25 Jahre und weil es funktioniert, diskutiere ich da nicht drüber.

    Mir ging es in der Nacht dieses Klicks so schlecht, dass ich sehr froh über die Aussicht war, dass ich das ja auch aufhören konnte. Dass mich niemand zwingt, zu trinken, außer wenn ich es will.

    Ich hatte schon mal ein inneres Zwiegespräch darüber, wenige Wochen nach dem aufhören. Ich war irgendwo im Wald unterwegs und führte Selbstgespräche.

    Sag ich meiner Sucht, Du wolltest trinken, weil Du dachtest, dass es damit besser geht. Ich will auch, dass es mir besser geht. Also wollen wir gemeinsam, dass es uns besser geht.
    Und meine Sucht ist Teil von mir, also sind wir uns da einig.

    Und Sucht und ich haben es lange genug mit Alkohol und anderen Drogen probiert, und damit sind wir da, wo wir jetzt sind.
    Am Arsch nämlich und es funktioniert nicht mehr mit.
    Wenn Sucht und ich beide wollen, dass es uns besser geht, dann müssen wir etwas Anderes tun als trinken oder sonstige Drogen.

    Das war die innere Zwiesprache und seitdem lebe ich damit in Frieden. Wenn ich will, das es mir gut geht, also immer, mache ich etwas Anderes.

    Im Gehirn läuft also diese nervtötende Diskussion ab, welche man im Idealfall gegen die Sucht für sich entscheidet.

    ehrlich? Bei mir lief so eine Diskossion nie ab.

    Ich war, wenn ich richtig getrunken habe, Schnapstrinker. Ins Bier auch öfter einen Flachmann gekippt, weil es mir sonst zu langsam ging.

    Ich habe relativ bald danach meine Mutter besucht. Sind zum Griechen gegangen. Der Grieche bringt Ouzos. Meine Mutter wollte die Ouzos trinken, die die nicht von allen getrunken wurden.
    Die Ouzos wurden bei mir geparkt, weil ich ja nicht mehr trinke.

    Ich hab die Ouzos angeguckt, hatte sogar plastisch Geschmack und Wirkung im Gedächtnis, und war sofort nur froh, das ich die nicht trinken musste.
    Igitt war der Gedanke.

    Fertig. Mehr war nicht. Ansonsten habe ich an der Unterhaltung teilgenommen und die Ouzos standen halt da.
    Die hatten nichts mit mir zu tun.

    So ähnlich geht es es mir immer seit dem, wenn es mir überhaupt auffällt.

    Das Ende meiner Trinkzeit war so unangenehm, dass mir absolut jedes Bedürfnis, zu trinken, vergangen war. Das ist für mich der Klick. Keine Gier, keine Lust drauf, kein Appetit dafür.

    Der Klick hat einfach dazu geführt, dass es irre leicht wurde, keinen Alkohol mehr zu trinken. Das war - im Vergleich zu der Zeit vor dem Klick - lächerlich einfach. Was da genau geschehen ist, kann ich irgendwie nur schwer in Worte fassen. Eine Zeit lang dachte ich, der Schlaganfall hätte was mit der Stelle, wo meine Alkoholsucht stattfindet, gemacht. (was ja n irre Zufall und echt praktisch wäre)

    Dieses "klick" ist dermassen eindrücklich, dass ich echt Mühe mit der Vorstellung habe, dass es anderen, die von diesem Klick sprechen, nicht auch so geht.

    Das kenne ich. Bis auf zwei sekundenlange Anfälle von Suchtdruck, die leicht bewältigbar waren, kam nichts mehr, nachdem ich über 25 Jahre Filmriss-Erfahrungen hatte. Eines Tages war es einfach durch.. Auch sonst gibt es Ähnlichkeiten.

    Ich habe in den vielen Jahren Trockenheit auch äußerst unterschiedliche Situationen nüchtern erlebt, ohne dass irgendein Saufdruck aufgekommen wäre. Probleme habe ich anders gelöst. Sobald ich tatsächlich aufhören wollte, war mir klar, dass Trinken nichts bringen würde.

    Es kam praktisch über Nacht, am Abend zuvor wollte ich noch meine Schadensbegrenzung verbessern. Trinkpausen verfeinern. mitten in der Nacht der Flash, dass es auch anders geht..

    Ich dachte oft, das lag vielleicht daran, dass ich mich immer selbst als sehr bewussten Trinker wahrgenommen habe ich der Form, dass ich es gut fand, zu saufen. Ich war keiner, der lange dagegen gekämpft hat, im Gegenteil, ich wollte auf gar keinen Fall aufhören. Dadurch habe ich dann nicht viel verdrängt, nur die Filmrisse blieben natürlich Löcher in der Erinnerung.

    Trotzdem hab ich mich damit auseinandergesetzt, dass Rückfälle vorkommen und wie ich sie vermeiden kann. Bei mir wars rein die innere Einstellung dazu. Meine Erfahrung war die, Trinkpausen konnte ich ja immer machen, das sagte erst mal gar nichts. Deswegen wollte ich ja trotzdem weitertrinken.

    Aber viel mehr, als vom Alkohol wegzukommen, hat mich die ersten Jahre beschäftigt, wo ich eigentlich hin will. Ich hatte früher, als ich noch getrunken habe, nicht viele Interessen, und die reichten nicht gegen die entstehende Leere. Da habe ich viel mehr rumgesucht, und bin gründlich in mich gegangen.

    Heute nach vielen Auseinandersetzungen kann ich nicht genau erklären, woher dieses Gefühl kam. Nur, dass ich es erlebt habe und es natürlich immer noch so ist. Und es war nicht der Verstand. Zwar machte die Einsicht schon sehr viel aus.

    Anfangs war ich auch der Überzeugung, wenn das Jeder so erleben würde wie ich, würden noch viel mehr aufhören.

    Bei mir gehört jedenfalls nüchtern lustig sein und nüchtern feiern auch dazu. Ich erzähle meine Vergangenheit gerne, aber ich wälze selten wirklich Probleme. Das meiste löse ich, wie es kommt. Ansonsten ist es einfach ein Film, in dem ich mal mitgespielt habe.
    Als es mir gereicht hat, war es auch kein Verzicht, sondern ich war schnell beim Gewinn.

    Ich wollte dann auch andere davon überzeugen, dass man es vor allem kapieren muss.
    Nun, ist nicht. Jedenfalls reicht die Einsicht nicht bei allen. Anderen geht es anders als mir.


    Hier in diesem Forum habe ich mich vor dem Beitritt mit mir selbst geeinigt, dass Risikovermeidung für viele ein funktionierender Weg ist und ich nicht dagegen an argumentiere. Ich hatte die Regeln vorher gelesen und verstanden.

    Es ist hier eben so, und mir nimmt das ja nichts weg. Ich bleibe trotzdem mit selbst treu.Deswegen kann ich privat machen, was ich mache.
    Gemobbt hat mich hier auch niemand.

    In der Suchtforschung ist die Risikovermeidung und andere Gesellschaft und was so dazugehört, und selbst das Abgewöhnen von Gewohnheiten oft damit verknüpft, den kritischen Reizen aus dem Weg zu gehen.
    Die Risikovermeidung macht natürlich von daher schon Sinn.

    Ich halte mich auch damit zurück, Neuen irgendwelchen Leichtsinn zu erzählen, denn zuerst kenne ich sie ja nicht besonders gut und weiß nicht, welchen Weg sie gehen werden. Manchmal, wenn ich nicht lügen will oder wirklich eine andere Meinung als der Forentenor habe, schreibe ich es.

    Es findet mit der Zeit fast jeder, der länger trocken ist, sowieso seinen eigenen Weg. Da bin ich nicht unentbehrlich.

    Der Laden hier läuft, und wenn er vielen hilft, dann ist das für mich OK. Damit fahre ich gut und nehme mir auch mit, was ich brauchen kann. Ansonsten trage ich gelegentlich was bei. Damit bleibe ich beim Thema und manchmal ist es auch schön hier.

    Ist viel geworden, ich hoffe das passt für Dich. Sonst darfst Du es mir gerne schreiben.

    LG LK

    Z.B.

    Ich muss aber auch wegen meiner Spastik gegen die Krämpfe ein Spray nehmen, das es nur als Ethanollösung gibt.
    Entspricht einem Drittel eines sogenannt alkoholfreien Biers täglich.
    Und ich habe lieber keine Krämpfe.

    Das hat ja alles mit dem, wie und wieviel ich getrunken habe und den daraus resultierenden Problemen überhaupt nichts zu tun.

    Meine Überlegung in der Anfangszeit war, dass in Essen und Medikamenten zu wenig drin ist, als dass ich es merke.

    Und dann hab ich mich gefragt, ob ich eine Hintertür suche, wieder anzufangen, und ob ich das Gefühl hatte, dass mich das gefährdet. Wenn ich mir selbst das mit "NEIN" beantworten konnte, habe ich mich sicher gefühlt.
    Ich wusste nach dem aufhören immer sehr genau, dass ich nicht trinken will und dass ich das auch nicht mehr brauche.

    Vor einem plötzlichen Saufdruckanfall hatte ich nie wirklich Angst, denn dann könnte ich immer noch anders handeln, schätze ich. Wegen den zwei Mal Saufdruck am Anfang habe ich ja auch nicht getrunken. Also für mich ging Druck nicht zwangsläufig Richtung Rückfall, wenn die innere Einstellung noch passt.


    Minimalmengen, die meinetwegen einem zwanzigstel Bier oder weniger entsprechen, und die ich mir ausrechnen kann, sind mir wurscht, wenn es keine gute Alternative gibt. Druck hatte ich deswegen noch nie. Und ich bin ja auch kein Anfänger und spreche aus Erfahrung.

    Vielleicht hätten regelmäßige Gespräche in einer SHG mich vor dem Rückfall bewahrt

    hast Du im Frühjahr geschrieben. Und jetzt:

    Ich kenne die Vorzeichen, trotzdem ist es wieder passiert.

    warum hast Du auf die Vorzeichen nicht so reagiert, wie Du wahrscheinlich im Vorfeld sogar wusstest?

    Ich habe früher gerne behauptet, wenn der Druck kommt, muss erst der befriedigt werden, und erst danach wird Hilfe gesucht.
    Nur kann das so natürlich nicht funktionieren mit der dauerhaften Trockenheit.

    Wie ist das bei Dir?

    Ich brauchte noch nie Gründe zum Trinken.

    In der Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, gab es keinen einzigen Erwachsenen, zumindest unter denen, wo ich es wusste, der nicht wirklich jeden Tag Alkohol trank.

    Als Kind war ich äußerst ungern Kind, u.A. weil ich vieles nicht durfte, was die Erwachsenen durften. Kaffee und Alkohol gehörten dazu.
    Ab und an, wenn ich irgendwo einen Schluck Likör erwischt habe, wurde ich sehr lustig. Ich mochte eindeutig von Anfang an die Wirkung.

    Ich konnte es kaum erwarten, bis ich alt genug war, um auch jeden Tag trinken zu dürfen.
    Mit 12 gings in der Schule vor dem Nachmittagsunterricht mit Schnaps los, dann durfte ich mir, wenn ich meinem Vater das Bier für die Arbeit aus dem Keller geholt habe, auch eins, bald zwei nehmen, und mit 13 waren ein Kumpel und ich stolz wie Bolle, als wir uns auf einer Radtour in einer Kneipe offiziell die erste Halbe bestellten.

    Bei uns war Alk ein Grundnahrungsmittel. Da brauchte man keine Gründe.

    Erst viel später sind mir Leute begegnet, die das nicht so normal fanden. Die hab ich erst mal für völlig verrückt und verblödet gehalten. Und für die musste ich Gründe finden, weil die mich gelöchert haben, warum ich das mache.

    Mit Saufen konnte ich nicht mal gegen mein Elternhaus rebellieren. Meine Eltern sind nie eingeschritten. Da mussten dann schon andere Drogen her, wenn ich sie ärgern wollte.

    Erst als mir viel später meine Kontrollversuche unfreiwillige Schwierigkeiten gemacht haben, habe ich angefangen, mich zu fragen, warum das so ist.

    Ich denke, das ist nicht so eindimensional.

    Einerseits hat der Alkohol Wirkung und ändert das Erleben.
    Andererseits fallen auch Hemmungen.

    "Man" tut sicher Dinge, die nüchtern nicht stattfinden würden. Andererseits kann da auch ein Bedürfnis dahinterstecken, das man sich nüchtern nicht traut, auszuleben.

    Orgien aller Art fallen mir da ein. Hab sie erlebt.

    Es gab hier schon öfter das Thema, dass Teilnehmer hier gar nicht wissen, wie Daten nüchtern geht.

    Das "wahre Ich" kommt meiner Ansicht nach sowieso erst mit der Zeit zum Vorschein. Ich denke, in der Anfangsphase von Beziehungen ist immer auch viel Selbstdarstellung dabei.

    Extrem ist es sicher bei People Pleasern, die alles dafür tun, um zu gefallen.

    Ganz sicher laufen viele Leute mit einer Maske herum. Da gibts ja genügend Untersuchungen dazu, wie sehr sich Leute verbiegen, um in ihre soziale Rolle zu passen.

    Und ich denke, gerade dieses Kontrollierte im Verhalten bricht unter Alk dann weg.

    Ich glaube, Höflichkeit und Überlegung könnten auch die Folge von Angst vor den Konsequenzen sein.
    Hinter der Maske kann es anders aussehen.

    Das ist sicher individuell unterschiedlich.

    Ich habe früher öfter mal nüchtern den Mund gehalten, weil ich genau wusste, dass es nicht gut ankommt, wie ich ticke. Im Suff wars mir egal, da habe ich frei Schnauze geredet, ohne Rücksicht auf Verluste.
    Trocken habe ich das so umgewandelt, dass ich mit vielen Leuten nicht kompatibel bin.

    Hilfe zur Selbsthilfe ist für mich der eigentliche Sinn dieses Forums. Und eigentlich auch der Kern jeder Selbsthilfegruppe.

    Wir geben Erfahrungen weiter. Was hat funktioniert? Wo bin ich auf die Fresse gefallen? Wo habe ich mir selbst etwas vorgemacht?

    ich möchte darauf eingehen.

    Die Trinkpausen, die ich gemacht habe, um weitertrinken zu können, zählen für mich nicht als Misserfolge. Denn ich hatte das Ziel, zu trinken, und folglich habe ich auch getrunken.

    Als ich den Tiefpunkt hatte, wurde ich sehr kritisch meinen eigenen Erinnerungen gegenüber. Jeder Spaß, den ich mit dem Trinken hatte, hatte seinen Preis. Und war es wirklich jemals schön? Oder war es nur mein "Es muss ja schön sein".
    Aus heutiger Sicht gab es lustige Ereignisse, aber das war zu dem Zeitpunkt schon Jahre her. Da hatte ich es noch besser vertragen und es war noch kein Zwang. Zwang war ein furchtbares Gefühl für mich, ganz allgemein.

    Am Anfang, als ich mich dazu entschlossen habe, aufzuhören, habe ich mit sehr vielen Schwierigkeiten gerechnet, weil ich lange und viel getrunken habe und während der Zeit davon überzeugt war, dass es furchtbar sein müsste, abstinent leben zu müssen.

    Am Ende habe ich aber so lange getrunken, bis es furchtbar war, zu trinken. Meine Vorstellung von der furchtbaren Abstinenz trat ein, wenn ich getrunken habe.

    Es war mir einen Versuch wert. Ich hatte beim Trinken nichts mehr zu verlieren. Abstinent konnte kaum schlimmer sein.

    Ich habe mit 5 Jahren Schwierigkeiten gerechnet. Das war insofern gut, weil ich nicht bei der ersten Schwierigkeit enttäuscht war. Und es fühlte sich oft gut an, weil es leichter war, als ich einkalkuliert hatte.

    Sehr schnell habe ich gesehen, dass es kein Verzicht war. Ich habe mich sehr stark darauf fokussiert, was ohne Trinken alles besser ging. Sehr schnell, innerhalb von Wochen, war ich davon überzeugt, dass mein Leben ohne Alkohol besser und schöner ist.

    In den ersten Wochen hat mich das Trinken gedanklich noch stark beschäftigt. In dieser Zeit hatte ich auch zwei mal Saufdruck, weil ich Risiken eingegangen bin und es Situationen waren, in denen ich nicht damit gerechnet hatte. Wenn ich drauf vorbereitet war, passierte nichts, und das wurde zur Erfahrung.

    Ich habe mich auch auf die Gespräche in der Suchtberatung gefreut, darüber zu reden hat Druck abgebaut. Meine Frau hatte von mir die Schnauze voll, mit ihr konnte ich da nicht drüber reden. Sie wartete erst mal ab, wie sich das bei mir entwickelt.

    In der Zeit habe ich auch eine Langzeittherapie beantragt, weil ich noch nicht sicher war, ob ich das ohne schaffe. Die habe ich jedoch nicht angetreten, weil ich mich nach 3 Monaten bereits so stabil empfunden habe, dass ich lieber gearbeitet habe, um von meinen Schulden wegzukommen. Das erschien mir für meine Trockenheit entscheidender.

    Nach drei Monaten Trockenheit habe ich einen verantwortungsvollen Job angetreten. Führungsposition, viel Geld der Kunden hing dran, und ich habe es als Herausforderung gesehen, das nüchtern zu schaffen. Da musst ich mich verschiedentlich ziemlich umstellen gegenüber früher.

    Weil ich mit dem Stress nüchtern nicht richtig umgehen konnte, bin ich nach einem Jahr Trockenheit in eine Selbsthilfegruppe. Mal sehen, was die in so einer Situation machen. Es war aber keiner in vergleichbarer Situation.

    Ich habe die Gruppe nach ein paar Streitereien im Zorn wieder verlassen und habe stattdessen mit Yoga angefangen. Da habe ich zum ersten Mal was vom Recht auf Glück gehört, das war mir völlig fremd und hat mich auch eine Weile beschäftigt.
    Später habe ich Literatur zur Glücksforschung gelesen, und für mich typisch natürlich von Hard-Core-Wissenschaftlern. Null Esoterik.

    Meinen Bürokollegen habe ich erzählt, dass ich viel zu viel getrunken hatte und dass es mir nun besser geht. Deren Erzählungen von ihren Wochenenden bestätigten mich darin, dass man trinkt, damit es einem schlecht wird und man montags jammern kann, wie schlecht es einem geht.

    Ich habe mich weder trinkend noch trocken versteckt.

    Nüchtern habe ich Einiges von dem, was ich trinkend geglaubt habe, auf den Prüfstand gestellt. Insbesondere habe ich festgestellt, dass mir viel Stress für hohen beruflichen Erfolg nicht so viel wert ist, wie ich früher geglaubt hatte. Nachdem ich den Stress nicht mehr abends runtergeschluckt habe, erschien mir das schlicht Blödsinn, so viel zu arbeiten.

    Ich wollte lieber Spaß am Leben.

    Es war noch ein längerer Weg, das zu erreichen. Da ich mich nicht als Opfer betrachtet habe, sondern mir überlegt habe, was ich tatsächlich für Möglichkeiten habe, konnte ich auch das irgendwann erreiche4n.

    Sehr schnell, schon gleich beim Aufhören, wurde mir auch klar, dass Alkohol keine Probleme löst, sondern ich dann zusätzlich noch mit Entzugserscheinungen und Selbstvorwürfen zu kämpfen hätte. Saufen schwächte meine Durchsetzungsfähigkeit, weil ich dann mit mir selbst nicht im Reinen war.

    Seit dem ich nüchtern bin, überlege ich mir, was ich tatsächlich aus mir selbst heraus will. Wobei es mir schwerer fiel, die Sicht Anderer zu ignorieren als im betrunkenen Leck-Mich-Gefühl. Nüchtern lasse ich nämlich auch andere Meinungen eher zu und an mich ran. Ich wäge ab und fälle dann Entscheidungen.

    So kam ich innerhalb etwa eines Jahres dazu, dass ich nüchtern alles machen kann, was ich machen will. Seitdem melden sich bei mir keine Trinkgedanken mehr. Ich bewahre "nur" meine Trockenheit, indem ich darauf achte, es nicht ganz zu vergessen.
    Außerdem habe ich auch meinen Spaß daran, schlau daherzureden.

    Denn ich wäre, gerade weil es unproblematisch läuft, dazu im Stande, meine Sucht zu vergessen.
    Seit dem ich wirklich aufhören wollte, bin ich nicht auf die Fresse gefallen. Deswegen diskutiere ich auch nicht darüber, wie ich das mache.

    LG LK