Beiträge von Lebenskuenstler

    Was sagt das schon, dass er Kinder und einen Job hat?

    Kinder wären für mich auch ein Grund, die Flucht zu ergreifen. Jobs waren auch immer etwas, wo ich nur rauswollte. Ich habe für das Wochenende und den Urlaub gelebt. Unter der Woche, Arbeit ist doch kein Leben, da verkaufe ich doch nur meine Zeit.

    Das ist doch absolut individuell, ob man daran was findet. Ich bin nach einer entsprechenden Erfahrung allen Frauen aus dem Weg gegangen, bei denen Kinderwunsch irgendwie spürbar war. Für mich bedeuten Kinder vor allem Mehrarbeit und rumgenerve. Andere mögen das, ich mag es nicht. Deswegen hätte ich auch nicht aufgehört.

    Bei mir war interessant, dass bei mir anfangs kurz nach dem Aufhören von einer Psychologin eine Depression für möglich gehalten wurde. Da war ich in der Suchtberatung, weil ich dachte, Hilfe wäre vielleicht nicht ganz verkehrt.

    Innerhalb von 4 Wochen ohne Alkohol verschwand das depressive komplett.

    Nach 4 Jahren Trockenheit wollte ich eine Therapie aus andern Gründen machen, weil ich in meinen Jobs immer angeeckt bin. Mehrere Probestunden bei Psychologen genommen, es war aber seitens der Experten keine psychische Erkrankung festzustellen.

    Ich habe mir dann selbst eine Therapie aus eigener Kasse bezahlt, der entsprechende Psychotherapeut war allerdings der Meinung, dass ich eigentlich nur mit sehr gesunden Reaktionen anecke.

    Ursprünglich fangen die meisten an zu trinken, weil es andere auch tun und es ein gutes Gefühl macht, angetrunken zu sein.
    Du musst ja nur mal gucken, womit die Alkoholwerbung arbeitet. Überall fröhliche Gesichter. Wenn das nicht teilweise so erlebt würde, würde die Werbung nicht funktionieren. Da wird nur verkauft, was die Leute mögen.
    Davon will man dann immer mehr. Die Suchtforschung hat unter Anderem festgestellt, Leute, die viel vertragen und wenig negative Wirkungen wie starken Kater haben, sind besonders gefährdet.
    Die anderen Probleme kommen oft erst als Folge des Trinkens.

    Daneben gibt es noch andere Risikofaktoren wie Depressionen, psychische Erkrankungen oder Belastungen durch ein trinkfreudiges Elternhaus.
    Aber auch da ist Trinken eigentlich die falsche Medizin. Eine Weile lang funktioniert es eben.

    Ich sage von mir, Trinken war für mich einfach der Weg des geringsten Widerstands. So lange ich vom Trinken gut drauf kam, musste ich eben keine anderen Lösungen finden. Erst als das nicht mehr ging, weil ich mich mehrmals fast totgesoffen hatte, habe ich angefangen, andere Wege zu suchen und zu finden.

    Keine Ahnung, ob ihm seine Sauferei wirklich wichtiger ist als die Familie, oder ob er tatsächlich einfach nicht aufhören kann.

    Ich konnte lange tatsächlich nicht aufhören, weil ich keinerlei Vorstellung hatte, wie ich am Leben nüchtern was finden könnte. Ich war überzeugt, wenn ich aufhöre, kann ich mich gleich umbringen.

    Und es bringen sich auch viele Alkoholiker tatsächlich um. Ich glaube nicht, dass sie das tun, weil sie das so lustig finden. Aber ich kann auch nicht wirklich dabei mitreden, denn ich hatte eines Tags die Schnauze tatsächlich voll und habe von einem Tag auf den Anderen aufgehört.

    Bei Vielfachrückfälligen wie Deinem Mann kann ich nicht mitreden, was in denen vorgeht, sondern da bin ich auch Außenstehender und kann das nur akzeptieren, dass es das gibt. Ich denk mir auch oft, warum kapiert derjenige das nicht, aber es ist eben so.

    Nachdem er sonst ja auch nicht macht, was Du Dir wünschst, finde ich das eher nebensächlich.
    Er wird rückfällig oder auch nicht, das liegt an ihm.

    Für mich gehört wünschen, wenn es nicht mit einer Bitte verbunden ist, die auch abgelehnt werden kann, insgesamt mehr zum magischen Denken. Der alte Kinderglaube "früher, als das Wünschen noch geholfen hat".
    Auch gute Wünsche helfen ja nicht wirklich.

    Wollte er das auch?

    Ich kenne Leute, denen wurde erst dann, als sie Kinder hatten, so wirklich bewusst, dass ihnen das im Grund viel zu viel ist und sie in ihrem Leben sehr einschränkt. Und dann wird halt versucht, irgendwie aus der Nummer wieder rauszukommen. Kinder sind dann nur noch ein lästiges Anhängsel.

    Ich will ihn damit nicht verteidigen, aber Wünsche und Einstellungen können sich im Lauf des Lebens auch ändern.

    Wenn er alleine wohnt, muss erstens er sich mit niemanden einigen, wie er seinen Tag gestaltet, und zweitens ist es dann nicht Dein Problem, was er tut.

    Mein Vater, übrigens auch ein Alkoholiker, sagte mir mal, lange nach der Scheidung meiner Eltern, dass alle Frauen, die er noch kriegen könnte, Erwartungen hätten, und er sei nicht mehr bereit dazu, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen. Er hat es vorgezogen, alleine zu bleiben und zum Trinken braucht man eben niemand Anderen..

    Ich war auch schon mal überzeugter Single und ich hatte auch immer damit zu kämpfen, dass Andere manche Seiten an mir mochten und andere Seiten hätte ich eben ändern sollen. Für mich war das auch unabhängig vom Alkohol oft eine Erleichterung, wenn diese Beziehungen zu Ende waren. Und irgendwann war ich auch überzeugt, den Ärger spare ich mir gleich und lebe lieber ganz alleine.

    Mit meiner heutigen Frau, mit der ich auch 13 Jahre meiner Suffkarriere erlebt habe, habe ich mich in vielen harten Streitereien zusammengerauft, und die härtesten dieser Streitereien fanden erst statt, als ich bereits trocken war und meinerseits auch Grenzen gesetzt habe. Denn ich erfülle auch nicht so einfach Erwartungen, wenn ich etwas Anderes will. Da musste die Liebe schon sehr groß sein und auch beide wirklich wollen, dass das klappt. Das ist halt nicht überall der Fall.

    Zu einer Beziehung gehören zwei, eine Beziehung beenden kann man auch alleine.
    Das ist der Vorteil beim Beenden, dass man sich mit niemandem darüber einigen muss. Außer den Scheidungsformalitäten, aber das machen dann Rechtanwälte und Gerichte.

    Manchmal passt es einfach nicht mehr. Was daran ist schwer zu verstehen?

    Und was war an der Ehe so toll, was Dir jetzt so fehlt, dass es Dir den Boden unter den Füßen wegzieht? Du könntest ja auch froh darüber sein, dass Du jetzt mindestens ein Problem weniger hast.

    Du stellst ziemlich theoretische Fragen.

    Ein bis zwei Flaschen Wodka und mehr habe ich locker an einem Abend getrunken.
    Als ich aber die Schnauze voll hatte, habe ich auch kaum Hilfe von außen gebraucht und ich war auch niemals rückfällig, nachdem ich wirklich aufhören wollte. Denn ich hatte eben die Schnauze voll vom Saufen.

    Ja, für mich war es wichtig, dass das Aufhören meine eigene Angelegenheit war, aus der sich meine Frau, auch auf meinen Druck hin, rausgehalten hat und raushalten musste, denn was sie dachte, passte für meine Bedürfnisse eben nicht.

    Als ich aufgehört habe, ging es nicht um die Rettung meiner Beziehung, sondern darum, dass es mir besser geht. So egoistisch wie nur irgendwas, Nur wurde ich dadurch für meine Partnerin auch wieder attraktiv.

    Was hat das mit Dir zu tun, Deiner will doch gar nicht von selbst aufhören, sondern gibt nur irgendwie Deinem Druck nach?

    Wegen dem Geld, nur mal eine Frage.
    Ich bin nicht geschieden, aber ich kenne es von meinen Eltern. Meine Mutter bekam von den Ansprüchen meines Vaters ziemlich viel zugeteilt. Sie ging dann aber lieber selbst arbeiten, weil sie Angst hatte, dass ich mein Vater dann in was reinsteigert.

    Werden die Rentenanspüche im Fall einer Scheidung nicht im Zuge des Versorgungsausgleichs zu gleichen Teilen aufgeteilt?
    Hast Du Dich schon mal erkundigt?

    Meine Frau war immer im Glauben, unsere Streitereien würden nur am Alkohol liegen. Ich war nie dieser Meinung.

    Nach dem ich mit dem Trinken aufgehört hatte und dieses Argument nicht mehr zog, stritten wir uns darüber, dass sie mich gerne auch nüchtern mehr kontrolliert hätte. Und wir stritten uns darüber, dass ich mich dieser Kontrolle entzogen hatte. Ich mache nämlich auch nüchtern gerne, was ich will, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen.

    Unterm Strich, egal ob nass oder trocken, es muss aus meiner Sicht mit der Beziehung schöner sein als ohne Beziehung, sonst ist die Beziehung nicht viel wert. Ich hab auch schon mehrere Beziehungen beendet, teils weil sie mir beim Trinken im weg umgingen, teils weil ich gemerkt habe, dass mich schon der Gedanke an die jeweilige Beziehung mehr stresst als sonst was.

    Sorry, ich muss zugeben das hat mich gerade hart getriggert und verletzt.

    Frage: was genau hat Dich da verletzt? Abgesehen davon kann ich natürlich nichts dafür, dass du das auch so lange mitgemacht hast. Du bist ja auch erwachsen und musst selbst auf Dich aufpassen, sonst tuts keiner.

    Als ich vielleicht 12 war, erzählte mir meine Mutter, dass ihr Bruder, einen meiner Onkels, der mir als Kind viel gezeigt hatte, tot auf dem Sofa aufgefunden wurde, Alkohol und Tabletten. Er war mitten in der Scheidung, mein Cousin etwa 6 Jahre alt. Man wusste nicht, ob Absicht oder ein Versehen war.

    Es ging mit einem weiteren totgesoffenen Onkel und in meiner eigenen Gleichaltrigengruppe mit mindestens einem Dutzend Toten weiter, Alk, Drogen und Selbstmorde. Später, als Erwachsener, und weiter in der Selbsthilfe, immer wieder.
    Ich glaub die Geschichten erzähle ich hier besser gar nicht, obwohl, zur Abschreckung, aber das würde sicher weiter triggern.

    Dadurch kam das, dass ich das einfach sehe, wie es ist.

    Als ich selbst noch gesoffen und gegiftet habe, habe ich den Tod billigend in Kauf genommen. Meine Einstellung war und ist aber auch, es ist mein Leben, und das gestalte ich, wie ich das will. Ich darf mich entscheiden, es wegzuwerfen oder zu beenden, wenn es mir sonst nicht gefällt.

    Partner sind nicht so an mich gebunden, wie ich selbst an mich gebunden bin, die können gehen, ich kann es nicht. Ich muss 24 Stunden täglich mit mir, da gibt es keinen Urlaub. Beim Partner ist es immer noch dessen Entscheidung, ob er/sie dabei bleibt und sich das anguckt. Meine Frau hat sich zum Glück dagegen entschieden, mir dabei zuzugucken.

    Ich wusste genau, was ich tat, wenn ich gerade Lust hatte, darüber nachzudenken. Meistens habe ich nicht drüber nachgedacht, weil es mir egal war, wie es ausgeht. Hauptsache heute erst mal rein damit, nichts wichtiger als betrunken sein, was morgen ist, sehe ich dann morgen schon. Wenn der Druck, mich zuzuknallen, da war, hab ich alles beiseite geschoben.

    Und ansonsten habe ich tagsüber ein Leben geführt, dass mir beim Outen kaum einer glaubte, dass ich da ein Problem hatte. Denn ich war Feierabendrauschtrinker und das habe ich lieber gleich zu Hause gemacht, weil da das Bett gleich zum reinfallen in der Nähe war. Abkotzen, Krönchen richten, weiter gings.

    Ich bin ja der Labersack, der in seiner eigenen Bilanz bereits kritisiert wurde, dass er seine alten Geschichten zu sehr aufwärmt. Da dürfte ziemlich deutlich sein, wie ich damals dachte. Und ich habe auch mehrmals geschrieben, warum ich dachte, saufen und sterben ist besser als nüchtern zu leben. Das kann ich so gut, dass es Andere vor mir graust:mrgreen:

    Das hat sich beim Umkehren radikal geändert, aber davor war ich mir in meiner Überzeugung auch mit mir einig. Ich habe gar nicht versucht, aufzuhören, bis es mich eines Tages irgendwie überkam, da hats leise klick gemacht. Ja, hat es.

    Für mich ist das insofern easy, weil es so ähnlich wie ein Gruselfilm ist, in dem ich damals mitspielte und heute nicht mehr. Da lehne ich mich selbst tatsächlich gemütlich zurück, und futtere mein eigenes Popcorn.

    Meine Ängste vor einem eigenen Rückfall halten sich nach meiner langen Trockenheit in sehr bescheidenen Grenzen. Ich müsste schon wirklich einen Fehler machen und denke, den kann ich einfach vermeiden, so lange mir das irgendwo abrufbar bleibt. Das läuft so easy, weil ich mich gerne damit beschäftige. Vielleicht hätte ich es auch anders geschafft, aber so gestalte ich es für mich angenehm, ich hab keine Berührungsängste zum Alkoholismus.

    Meinst Du so was in der Richtung?

    Mir ist das Ziel des Themas nicht klar.

    Dass am Alk gestorben wird, ist doch mehr oder weniger Alltag bei schätzungsweise über hundert Alkoholtoten täglich in D direkt durch den Konsum und durch die Begleiterkrankungen. Auch die Selbstmordraten unter Alkoholikern und anderen Abhängigen sind hoch.

    Das ist zwar tragisch, aber es gibt auch andere Erkrankungen, gegen die nichts hilft, wenn der Betroffene selbst sein Verhalten nicht ändert. Und manche können es wahrscheinlich auch selbst nicht ändern, weil irgendwelche anderen Erkrankungen wie Depressionen, Bipolar oder Psychosen dazukommen, oder das Weltbild ist irgendwie so, dass man sich nicht helfen lassen will und es als Schwäche ansieht, aber da ist dann von außen auch nichts zu machen.

    Irgendwie gehört das für mich zum Leben. Es gibt auch andere Arten, sich das Leben zu versauen, und die werden auch genutzt.
    Risiken geht der Mensch für seinen Spaß auch ein, siehe Risikosportarten. No Risk, no Fun. Da wird auch gestorben, mit nüchternem Kopf. Das ist eine Frage der Wertigkeiten.

    Auf was wolltest Du denn raus?

    Meiner Meinung nach war das jedenfalls ein absolut aggressiver Akt Dir gegenüber und der Versuch, Dir maximale Schuldgefühle zu hinterlassen. Er wollte Dir eindeutig dauerhaft schaden, so lese ich das.

    Das Einzige, was ich nicht verstehe, ist, das Du die Verbindung nicht einfach gekappt hast.
    Nun sind alle Hin-und-her-Überlegungen und Zweifel jedenfalls vorbei und Du kannst mit der Bewältigung beginnen.

    Wenn Du jemals Zweifel hast, ob Du genug getan hast, lies Dir Dein Thema noch mal durch.
    Ich habs gestern getan. So wie Du geschrieben hattest, hat er ja nur gejammert und Allen Anderen, und vor allem Dir, die Schuld an seinem verkac..ten Leben gegeben.

    Jetzt hat er seinem Leben ein Ende gemacht, und so wie er es gemacht hat, dazu, um Dir noch mal richtig einen reinzureiben.
    Jedenfalls hat er Dich nicht angerufen, um sich retten zu lassen, sondern um es Dich spüren zu lassen.

    Ich finde, Du hattest bereits viel zu viel für ihn getan.
    Du hast Dich bemüht und er war erwachsen und selbst verantwortlich.

    Im Übrigen sehe ich es so, wenn Du Dir nun Vorwürfe machst, hat er noch nachträglich gewonnen, denn genau das wollte er.

    Ich wünsche Dir alles Gute und herzliches Beileid. Wobei ich an Deiner Stelle Wut für angebrachter halten würde.

    Du brauchst nicht glauben, dass ich mich mit dem Medizinbetrieb nicht auskenne mit 93-Jährigen in der Familie und einem Vater, der am Alkohol gestorben ist und den ich betreut habe. Und dass ich weiß, was Hoffnung mit Leuten vor OPs macht.
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    Und außerdem habe ich selbst getrunken und weiß daher sehr genau, dass es beliebig viele Tricks gibt, Kontrollversuche von Angehörigen zu umgehen.