Beiträge von Lebenskuenstler

    Mütter sind Löwen, die lassen nix auf ihr Kind kommen….

    als generelle Aussage stimmt das definitiv nicht. Meine Mutter hat sich immer mit meinem Vater zusammengetan und ihm sogar gesagt, dass er mir mal wieder ein paar verbraten soll. Meine Mutter hat mich nie vor Anderen geschützt, sondern immer mir die Schuld gegeben, wenn was war.

    Erst als der Scheidungskrieg lief, wollte mich jede(r) auf seine Seite ziehen.

    Und es gibt genügend Beispiele, das Mütter auch weggucken und sogar dabei helfen, wenn das Kind missbraucht wird. Die Hintergründe können hinterfragt werden, für dass Kind läuft es auf das Gleiche raus. Es gibt auch Beispiele, dass Mütter ihre Kinder gar nicht lieben.

    Kommt immer drauf an, was die Mutter selbst will und wer ihr mehr Schwierigkeiten bereiten kann. Aus meiner Sicht kann es genauso gut sein, dass Deine, Abstinenzler , Partnerin auch noch ein paar Rechnungen mit Dir offen hat und es ihr ganz recht ist, wenn ihre Tochter Dich angreift.

    Und ich kann auch nicht jede Situation ändern, die mir nicht gut tut. Mit manchen Sitationen muss ich einfach irgendwie umgehen und sie auch aushalten. Das läuft dann vielleicht auch unter "ich muss mich ändern"

    Wenn ich meine Trockenheit davon abhängig mache, dass ich alles in meinem Sinn hinbügeln kann, dann ist das ein Schwachpunkt meiner Trockenheit..

    Hi Absti,

    natürlich gut, dass Du das nüchtern hinter Dich gebracht hast. Und wahrscheinlich geht es Dir im Nachhinein besser, wenn Du Dir selbst nicht auch noch Vorwürfe wegen Rückfall machen musst. Damit würdest Du die Vorwürfe Deiner Stieftochter ja auch noch bestätigen und Dich selbst zusätzlich fertig machen.

    Nüchtern hat mehrere Bedeutungen.
    Nicht nur kein Alkohol im Blut.
    Sondern auch nüchtern überlegen. Sachlich. Was ist möglich und realisierbar, und was davon willst Du und bist Du selbst bereit zu tun.

    Mit nüchtern überlege meine ich, die Emotionen raus, was in dem Moment kaum möglich ist und eventuell etwas dauern kann und auch nicht ganz einfach ist.
    Aber dann nüchtern im Sinne von sachlich würde ich an Deiner Stelle mal auch im ganz ruhigen Moment drüber nachdenken, wie das für mich selbst (wenn ich Deine Perspektive einnehme) weitergehen wird.

    Die Tochter und Deine Frau wirst Du kaum ändern können. Da ist ja auf jeden Fall damit zu rechnen, dass Ähnliches wieder passieren wird. Pubertierende Jugendliche sind glaub sowieso eine Herausforderung.
    Hast Du Möglichkeiten, für Dich was zu ändern? Oder schaffst Du es, dir ein dickes Fell zuzulegen?

    Das ist eine Situation, die ist emotional wohl so aufgeladen, wie wenn meine Frau und ich uns gestritten haben, über Stunden kein Ende fanden, weder sie noch ich es schafften, recht zu kriegen, ein Vorwurf nach dem Anderen kam, keine Chance, aus der Situation rauszukommen, bis ich auch mal einen kurzen Impuls hatte, da kann ich ja auch saufen gehen, bringt eh alles nichts, und wenn ich saufe, ärgert sie sich wenigstens richtig.
    Dann bin ich aber nie gegangen, weil ich genau wusste, dass ich am nächsten Tag selbst der Verlierer wäre, mit Selbstvorwürfen, nichts erreicht außer mich selbst fertig gemacht, und dann auch noch mit dem Problemchen, wie höre ich wieder auf. Diese Gedankengänge waren aber viel kürzer, zehntel Sekunden vielleicht.

    Ich habs dann irgendwann gelernt, mich runterzufahren. Raus aus der Situation war auf jeden Fall richtig. Und dann überlegt, was ich wirklich brauche, eben nüchtern. Und natürlich, ebenso nüchtern, was ich davon auch verwirklichen kann, denn Wünsche sind ja erst mal noch Wünsche und ich glaube nicht an die Wirkung von Wünschen, wenn sie nicht realisierbar sind.

    Und irgendwann natürlich auch sachlich ansprechen, was das werden soll. Deutlich machen, was sich unbedingt ändern muss, und die wollen Dich auch nüchtern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dich wieder besoffen haben wollen. Wenn sie das wollen, sollen sie aufhören, Dich fertig zu machen, und das kannst Du ruhig ansprechen und verlangen. Und wenn sie das trotzdem wollen, dass Du wieder säufst, weil sie Dich los haben wollen, kannst Du genauso gut mit erhobenem Kopf und nüchtern die Trennung vollziehen.

    Was könntest Du konkret tun?

    LG LK

    Gar nicht gegenübertreten. Du merkst ja, dass er das gar nicht will. Du machst Dir völlig unnötig einen Kopf und rotierst nur selbst. Außer, dass Du davon schlechte Nerven kriegst, änderst Du damit gar nichts.
    Du hast es ihm gesagt, nicht nur einmal, sondern mehrmals, das musst Du nicht laufend wiederholen, davon wird es nicht besser.

    Ich hab den Kontakt über Jahre fast ganz abgebrochen. Da waren natürlich auch noch andere Sachen. Aber einmal im Jahr zum Geburtstag gratulieren, Anruf 30 Sekunden, reicht erst mal.

    Später bin ich genau deswegen überhaupt wieder an ihn rangekommen, weil ich an seiner Sauferei und an seinen Lebensumständen nichts ändern wollte. Sonst wäre ich nämlich auch einfach wieder rausgeflogen.

    Und ich habe selbst die Bedingung gestellt, dass er niemals wieder betrunken ist, wenn er mir gegenübertritt, sonst breche nämlich ich den Kontakt auch wieder ab. Anrufe nur noch morgens.

    Es ist sogar relativ wahrscheinlich, dass er Dich als seine Feindin betrachten wird, wenn Du ihm die Hilfe aufdrängst. Hilfe bringt nur dann was, wenn sie von Gegenüber gewünscht wird. Alles andere ist auch übergriffig.

    Hier im Forum und auch anderswo gibt es richtiggehende Kriege, wenn jemand einen Angehörigen gegen seinen Willen vom Trinken wegbringen will. Eine altbekannte Erfahrung ist, es bringt überhaupt nichts außer Ärger und verschwendete Lebenszeit, wenn das nicht aus demjenigen selbst kommt.
    Und viele Angehörige probieren wirklich alles, was denkbar ist.

    Das geht nicht um Schuld. Alkohol ist eine Droge, und bei manchen wirkt sie so, dass sie zum Wichtigsten im Leben wird. So das Du Dir gleich die Kugel geben könntest, wenn Du aufhörst. Da spielen Angehörige keine Rolle mehr. Man würde die berühmte Großmutter dafür verkaufen.

    Was genau spielt es für Dich persönlich für eine Rolle, dass er so ist? Geht es da um den Ruf der Familie oder brauchst Du ihn für irgendwas? Irgendwann stirbt er doch sowieso vor Dir, auch wenn er jetzt nicht trinken würde, mal hart gesagt.

    Du kannst natürlich auch noch Jahre Deines Lebens da dran hängen, das wäre dann Deine Art, Dein Leben zu gestalten. Gut wirds Dir damit vermutlich nicht gehen. Das ist so Deine Entscheidung wie seine Entscheidung seine ist. Willst Du das?

    Mein Vater fragte bei solchen Gelegenheiten nur "willst Du mich kontrollieren" und gab den Leuten Hausverbot, damit ihm niemand reinredete. Er verweigerte Hilfe auch total. Ich hab ihn eines Tages gefragt, ob er in seiner Verwahrlosung leben will, da hat er ja gesagt und ich habe das akzeptiert. Da hat er halt so gelebt.

    Es gibt übrigens ein Gerichtsurteil, dass man so leben darf und dass das kein Grund ist, einzugreifen. Da steht das Recht zur Selbstbestimmung drüber.

    Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich Dir sagen, dass mich mehrere Menschen bearbeitet haben und meine Frau hat sich ca. 13 Jahre lang wegen meinem Alkoholkonsum mit mir gestritten und das änderte gar nichts. Ich hab zwar versucht, irgendwie was zu machen und zu reduzieren, aber wenn die Gier kam, kam eben die gier und dann war ich wieder betrunken. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, aufzuhören, lieber wäre ich gestorben und das tatsächlich. Erst als ich das hatte, was man einen Tiefpunkt nennt, habe ich aufgehört. Und damit gehöre ich trotzdem noch zu den wenigen Prozent, die dauerhaft aufgehört haben. Die meisten kommen erst unten an, wenn anderthalb Meter Erde auf ihrem Sarg liegen.

    Das sage ich Dir von wegen dem früher. Erst habe ich selbst überhaupt kein Problem gesehen, dann fand ich das unverschämt, mir was zu unterstellen, und außerdem erlebt man das in dem Stadium nicht als Hilfe, sondern dass einem jemand das Liebste wegnehmen will. Und fast jeder glaubt, er könnte sowieso aufhören, wenn er wollte, die Anderen haben einen an der Waffel.

    Das ist die Situation. Und mit der musst Du irgendwie umgehen.

    Da kannst Du nicht viel machen.
    ich lasse mir auch nicht in mein Leben reinreden, deswegen verstehe ich solche Haltungen wie seine. Und das muss auch niemand verstehen, was ich mache, nur akzeptieren.

    Es ist ja schon schwer genug sich selbst zu ändern, bei einem Anderen klappt das nie. Und auch wenn er Dein Vater ist, hat er eben sein eigenes Leben.

    In welche Richtung könntest Du Dich denn ändern, damit es Dir damit besser geht? Lebst Du in seiner Nähe? Kannst du mehr Abstand zu ihm halten? So wie Deine Mutter das vielleicht jetzt auch tut?

    An sich musst Du überhaupt gar nichts machen.
    Das ist nur insoweit Dein Problem, wie Du es zu Deinem Problem machst.
    Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, seinen Angehörigen zu helfen.
    Dein Vater kann selbst irgendwo hin gehen, wo er Hilfe kriegen würde, aber das will er ja nicht. Also muss er mit den Konsequenzen seines Handelns leben, auch wenn ihm das überhaupt nicht passt.

    Bei der einstweiligen Verfügung müsste man erst mal wissen, was drin steht, und Rechtsberatung darf hier niemand machen. Auch da muss er wo hin, wo jemand dazu berechtigt ist, ihn zu beraten.

    Was heisst, er steht vor dem Nichts? Wird er obdachlos? Und da gibts vermutlich ein Sozialamt, da muss er auch selbst hin.

    Ich hab keinen Entzug gemacht. Ich hab jede Woche drei Tage Trinkpause gemacht und mein damaliger Hausarzt fand das nicht nötig.

    Ich habs auch nie in Aussicht gestellt oder versprochen, dass ich aufhöre. Bis zum Tag vorher war ich noch auf dem Trip, die Kontrollversuche weiter zu verfeinern. Meine Frau hatte auch nicht verlangt, dass ich aufhöre. Nur bisschen besser beherrschen.

    Ich bin nach einiger Zeit in die Suchtberatung, weil mein Problem meiner Ansicht nach war, dass ich immer wieder anfange.
    Ich wollte mich mit jemandem drüber unterhalten, der sich damit auskannte. Ich hab sogar angefangen, einen Antrag auf Therapie zu stellen, aber dann fiel es mir ziemlich leicht, es zu lassen, wohl weil es mir so komplett reichte. Also keine Therapie, ich dachte wenn nötig ist könnte ich immer noch. Außerdem verschaffte mir das eine gründliche ärztliche Untersuchung bei einem Arzt, der sich mit Alkoholfolgen auskannte, die Suchtberatung kennt solche.

    Erst mal hatte ich einfach restlos die Schnauze voll. Weils halt x mal schief gegangen war, dass ich aufhören wollte, bevor ich restlos betrunken war. Ich hab Druckbetankung gemacht, den Whisky aus der Flasche direkt getrunken. Zwei bis drei Liter Schnaps in wenigen Stunden, bis es mich umgehauen hat. Die Gier kam so richtig beim Trinken, vorher dachte ich oft, heute beherrsch ich mich ein bisschen, klappte immer seltener. Es kotzte mich an, ich kotzte mich an, und ich ging auch zum Kotzen.

    Mein Mittel war jahrelang, wenn die Abstürze besonders schlimm waren, habe ich mich einige Zeit lang mehr beherrscht. Eigentlich wollte ich das so fortführen. Mitten in der Nacht hatte ich den Flash, es liegt immer dran, dass ich nur ein bisschen zur Entspannung trinken will, dann gehts dahin, und deswegen gings mir so beschissen. Das fuhr mir richtig rein und es lief ein Film in mir ab, was mich die Sauferei schon alles gekostet hatte, nicht nur Geld, sondern auch Leben. Also ab sofort gar nichts mehr.

    Ich konnte dann gar nicht schnell genug aufhören, war glücklich über die Erkenntnis, dass mich niemand zum Trinken zwingt außer meiner Gier.

    Lange reichte die Erinnerung an meinen Tiefpunkt, dass ich da nie wieder hin wollte. Und später habe ich auch immer gesehen, wo es hin führen würde, auch als es mir sonst mal ziemlich schlecht ging, Trinken war nie mehr eine Option.

    LG LK

    Mir wurden die Leute um so egaler, je länger ich getrunken habe.
    Bei mir ging das am Ende nicht mehr um Geselligkeit, weil ich meistens alleine zu Hause getrunken habe.
    Die Gesellschaft bestand dann meistens darin, dass ich mich besoffen mit meiner Frau gestritten habe.

    Erst, als ich schon einige Jahre trocken war, habe ich wieder angefangen, außerhalb von Selbsthilfegruppen an geselligen Runden teilzunehmen und wurde dann auch selbst Veranstalter von Kochevents und so. Da wars mir schon längst wurscht, ob Andere dabei ihren Wein getrunken haben. Es waren auch immer welche dabei, die gar keinen Alk getrunken haben. Das hab ich wegen einem Umzug wieder aufgehört.

    Heute habe ich ganz andere Ansprüche an Gesellschaft und da sind fast alle nüchtern. Und ja, die gibt es.

    Eine Freundin hat zB zu mir gesagt: „selbst wenn er trocken wäre, ist er nichts. Stell dir vor, du kannst dann nie mit ihm gemütlich was trinken gehen, bei jedem Geburtstag müsste er gelangweilt daneben sitzen, im Urlaub könnte er auch nichts trinken, nie wieder richtig Spaß haben“ eigentlich traurig.

    dazu noch:

    es gibt hier mehrere, die in ihrer Trockenheit gefährdet sind, wenn der Partner trinkt. Schon von daher keine so gute Idee, ihm etwas vorzutrinken.

    Bei mir ist es so, dass ich trocken sehr viel Spaß haben kann. Früher bin ich ja irgendwann betrunken schlecht aufgefallen oder musste mich beherrschen, und mit Spaß hatte das nicht sehr viel zu tun. Ich hab mir das, als ich trocken wurde, rückwirkend betrachtet, und oft war der Spaß reine Einbildung. Nüchtern bin ich wesentlich besser drauf.

    Aber mich würden heute Leute, die für ihren Spaß trinken müssen, einfach langweilen. Da wäre gar kein Interesse an einer Beziehung vorhanden. Ich will trocken mein Leben auch leben, und da haben Angetrunkene keinen Platz drin. Das würde mich nicht gefährden, aber es ist nicht mehr Meins. Und ich merke schnell, wenn jemand auch nur zwei Bier drin hat, das ist einfach nicht mehr die selbe Ebene.

    Na ja, ich bin Alkoholiker, und ich weiß, dass man das trinkend genau umgekehrt sieht.
    Wenn Du jemanden zwingen würdest, aufzuhören, würde er wahrscheinlich nicht glücklich damit.

    Meine Frau wollte mir das x Mal erklären, und ich habe immer gegengehalten, dass Saufen das Einzige ist, was das Leben für mich lebenswert macht. Mehr, als es meine Frau oder irgendetwas Anderes es lebenswert machen konnte. Und ich habe das auch so empfunden.
    Nur als Außenstehender glaubt man, der müsste das doch so empfinden, dass es ihm ohne besser geht.

    Auch die Trinkpausen waren erst mal dazu da, dass ich mich trotzdem einmal die Woche komplett betrinken konnte. Ich wollte anfangs nur den Schaden dabei begrenzen, meine Gesundheit nicht völlig ruinieren, meine Frau nicht völlig verärgern.

    Ich hätte das auch weitergemacht, wenn es funktioniert hätte. Nur, dass der Durst beim Trinken kam und ich, wenn ich mal angefangen hatte, immer hemmungsloser wurde und erst aufgehört habe, wenn ich körperlich nicht mehr in der Lage war, weiterzutrinken, hat mich irgendwann zum Umdenken gebracht. Aber davor habe ich jahrelang versucht, immer besser irgendwie zu kontrollieren, damit ich mir meine Vollräusche irgendwie weiter leisten konnte.

    Und ich hatte auch eine lange Phase, in der ich dachte, wenn ich ein paar Probleme gelöst habe, normalisiert sich mein Alkoholkonsum. Dann könnte ich trinken, ohne regelmässig abzustürzen. Aber ab einem gewissen Pegel ist das einfach egal, und dann habe ich eben trotzdem gesoffen bis zum Exitus. Dafür brauchte ich gar kein Probleme, und das macht Sucht eben aus.

    Und diese Kontrollversuche, um nur nicht ganz aufhören zu müssen, sehe ich auch in dem "ich hab irgendwie ein Problem" und dem reduzieren auf zwei Tage die Woche in einem anderen Thema. Das hat nichts mit ganz aufhören wollen zu tun, sonderrn nur mit Schadensbegrenzung.

    Mein Vater hat sich totgesoffen und war bis zum Schluss davon überzeugt, dass es ihm damit trotzdem besser geht als mir, weil ich trocken war. Das ist eben so. Was hätte für mich dabei schlimm sein sollen, ich weiß wie man nass tickt. Wenn das für Außenstehende schlimm ist, heißt das nur, dass sie sich nicht genügend abgrenzen können. Und an genau dem Punkt bist du selbst gefordert.

    Ich kenne auch viele, die sich totgetrunken haben.

    Ja, ich war auch die ganzen ca. 26 Jahre Saufen über davon überzeugt, dass es besser ist, zu trinken, als irgendwie nüchtern zu sein.
    Ich war überzeugt, wenn ich damit aufhöre, ist das Leben sowieso vorbei, also scheiss drauf.
    Du bringst das ja selbst mit dem Spaß, das war bei mir noch viel extremer.

    Erst durch meine Jahre mit Trinkpausen fiel es mir irgendwann auf, dass es mir schlechter geht, wenn ich trinke, als an den Tagen ohne. Und irgendwann gings mir trinkend so schlecht, dass ich dachte, nüchtern kanns auch nicht schlimmer sein, jetzt mache ich das mal. Als ich aufgehört habe, hatte ich die Schnauze voll davon, und genau das fehlt vielen.

    Am Anfang habe ich mir sogar noch offen gehalten, dass ich mit dem Trinken wieder anfange, wenn mich die Trockenheit nicht überzeugt. So wichtig war mir mein Leben nicht, dass ich es unbedingt behalten wollte, es musste irgendwie auch passen. Für eine traurige Angelegenheit wäre ich nicht trocken geblieben.

    Meine Erfahrung ist, so lange das Alkoholproblem im Raum steht, wird das Alkoholproblem auch der Streitpunkt sein.
    Es ist dann immer "was wäre, wenn Du nicht trinken würdest?"

    Meine Frau war überzeugt, Alkohol ist das Hauptproblem zwischen uns, ich war davon nicht überzeugt. Denn es war auch ein Problem, dass sie mir vorschreiben wollte, wie ich leben soll und das hatte auch das Vehikel Alkohol.

    Erst wenn der Alkohol weggelassen wird, kommen die gegenseitigen Themen Nähe und Abgrenzung wirklich auf den Tisch und die möglichen Verstrickungen werden auch erst nüchtern aufgelöst.

    Klar hatte ich trotzdem ein massives Alkoholproblem, aber die Trockenheit löste nicht alles von selbst.

    Er wäre auf einem guten Weg gewesen, wenn er aus voller Überzeugung gesagt hätte "Jetzt reichts und zwar absolut".

    Reduzieren auf zwei Tage heißt nichts anderes, als einen Weg finden zu wollen, um eben nicht aufzuhören.
    Und hoffen, dass einen die Beratung irgendwann trocken legt, heißt auch nur, selbst nicht wirklich was tun wollen.

    Ich bewundere das so, wenn es jemand schafft aufzuhören. Respekt!

    Das brauchst Du nicht bewundern, denn es geschah aus Angst, was passiert, wenn ich nicht aufhöre. Aus Angst um mich selbst und meinen Geisteszustand, denn ich hatte Angst, dass ich den Verstand ganz verliere, wenn ich weitertrinke, und auch mein körperlicher Zustand im Suff war unerträglich.

    Es ging mir schnell so gut, dass es mir nicht schwer gefallen ist. Ich war schnell nur noch froh, dass ich ja nur aufhören musste, damit es besser wurde.
    Ja, und das ist genau der Punkt, der den Unterschied macht, schätze ich.

    "Er versucht wegzukommen"....erinnert mich an die Zeit, in der ich halbherzig reduziert und Pausen gemacht habe. Da war ich noch lange nicht so weit, wirklich aufzuhören und das auch aus ganzer Überzeugung durchzuziehen. Ich wusste, ich trinke einfach zu viel, aber dafür, wirklich trocken zu werden, war mein Leidensdruck noch lange nicht groß genug.
    Und als der Leidensdruck groß genug war, kam es nicht drauf an, ob ich ne Partnerin habe oder nicht, denn da wollte ich auch alleine nicht mehr leiden. Wäre sinnlos gewesen, wenn sich da jemand aufgeopfert hätte.

    Was den Spaß angeht, denkst du ja fast wie ein Alkoholiker, dass es ohne Alkohol nicht lustig sein kann.
    Das hat mich lange am Trinken gehalten, dass ich Angst hatte, ohne gibt es keinen Spaß.

    Ich hab zwar nicht das Problem mit dem Dating, aber ich hab mir als Trockener schnell angewöhnt, dass ich auch nüchtern lustig sein kann. Ich hatte sogar den Anspruch an mich, dass ich sogar nüchtern genau so dumme Sprüche machen kann wie früher.
    Und heute bin ich viel lustiger als da, wo ich noch getrunken habe.

    Auch Du musst vielleicht Deinen Umgang wechseln, es gibt viele Leute, die wenig bis gar nichts trinken. Warum sollst Du keinen Partner finden, dem das Trinken unwichtig ist?