Beiträge von Anthurie

    Ich bin nicht mehr das ihnen ausgelieferte Kind. Und meine innere Haltung ist wohl im Außen deutlich spürbar.

    Das trifft es! Danke für die beiden Sätze.

    So nehme ich das auch wahr. Im Außen scheine ich anders zu wirken, weil die Art, in der viele Mitmenschen (vor allem in der Familie) mit mir umgehen, respektvoller erscheint. Oder anders ausgedrückt: Ich fühle mich ernst genommen.

    Was den "Katalysator" betrifft:

    Mein Eindruck ist, dass, wenn meine Mutter von irgendwas getriggert wird, sie das an mir ausläßt, wenn ich zugegen bin. Da ist sie es los und kann in ihrem Trott weitermachen und tut dann so, als ob nix gewesen wäre. Da reicht es, dass ich was sage, wie ich es sage usw. Ich fühle mich von ihr wie ein kleines Kind behandelt, dass in seine Schranken gewiesen werden muss. Aus ihrer Sicht.

    Kommt das einigermaßen verständlich rüber? Es kann auch sein, dass das Wort "Katalysator" unpassend ist; falls ja, dann gib mir bitte eine Rückmeldung.

    Juno_Jupiter :

    Ich versuch es mal mit einer Erklärung.

    Für mich ähneln sich die Verhaltensweisen indem:

    -ich nach außen als ganz toll hingestellt werde

    -nach außen hin das Bild der perfekten Familie präsentiert wird

    -absolute Konfliktunfähigkeit vorhanden ist (Konflikte werden ignoriert und später so getan, als ob nie was gewesen wäre)

    -ich mich benutzt fühle in dem Sinne, dass ich nach den Vorstellungen meiner Eltern funktionieren soll und ich ignoriert oder gedemütigt werde, wenn ich nicht "spure"

    - ich abgeschrieben bin als Mensch, sobald etwas vermeintlich Besseres zugegen ist (z.B. Alkohol oder andere Menschen, von denen Zuneigung und Anerkennung erhofft wird)

    -alle anderen an den eigenen Problemen schuld sind, nur man selber nicht

    -Veränderungen schwer bis gar nicht angegangen werden (sind ja alle anderen Schuld, sollen die sich doch ändern) und man daher weiter Grund zum Jammern hat

    -das allgemeine Denken schwarz/ weiß erscheint

    -Stimmungsschwankungen oft vorhanden sind und ich nie weiß, woran ich bin

    -es im Grunde genommen nur um die abhängige Person geht und ich als Mensch mit meinen Anliegen keine Rolle spiele (aber ich soll die mir zugewiesene Rolle erfüllen, was ich nicht mehr mache)

    Das ist im Groben meine Auflistung. So sehe ich aus meiner Erfahrung heraus die Gemeinsamkeiten im Verhalten von Alkoholiker (mein Vater) und Co- Abhängiger (meine Mutter).

    Vielleicht hilft Dir das ja etwas weiter. Mir hat Deine Nachfrage sehr geholfen, weil ich beim Antworten für mich nochmal Struktur reinbringen konnte. Danke dafür!

    Liebe Seepandarine,

    da ist gerade einiges im Wandel bei Dir.

    Da Du fragtest, ob diese Sehnsucht nach Geborgenheit typisch EKA ist: Vielleicht, vielleicht auch nicht.

    Aber es ist ein Bedürfnis in Dir. Ich kenne dieses Bedürfnis in mir auch. Meist trat es dann deutlich zum Vorschein, wenn ich Anlauf für den nächsten Schritt genommen habe.

    Du schaust ja gerade mit anderen Augen als zuvor auf Deine Beziehung. Vielleicht kommt dieses Gefühl gerade jetzt, wo Du merkst, an welchen Stellen Deine Beziehung für Dich unstimmig ist?

    Ich kenne die Gedanken, die Du gerade hast, aus einer schon lang beendeten Beziehung, in der mein damaliger Partner auch viel getrunken hat. Am Ende war es für mich nicht mehr erträglich- die Wesensveränderung, die Übergriffigkeiten, die Abwertungen, die Unzuverlässigkeit usw. Wie in meinem Elternhaus. Ich bin zu lange in der Beziehung geblieben, weil das Verhalten und der Kontrollverlust für mich normal und vertraut waren. Dass es mir damit nicht gut ging, war mir zwar klar, aber auch normal.

    War ein langer Weg, da rauszukommen und eines weiß ich: Ich möchte das für mich nie wieder.

    Liebe releaseme,

    dass sich die Situation für Dich furchtbar anfühlt und Du das Gefühl hast, keine Kraft mehr zu haben, glaub ich Dir. Es ist ja auch furchtbar. Umso besser, dass Du hier regelmäßig schreibst- weißt Du eigentlich, dass Du Dir selber einen riesigen Gefallen tust? Dass Du die Kraft hast, hier zu schreiben und Dir dadurch Hilfe holst?

    Das ist so ein großer Schritt und hier bekommst Du Rückmeldungen von Menschen, die Ähnliches durchgemacht haben und Dir handfeste Tips geben.

    Ich hatte übrigens auch mal eine Beziehung zu einem Mann beendet und das fiel mit sehr schwer, aber was zu Ende war, war zu Ende (was er während der Beziehung auch so sah). Aber als ich die Trennung ausgesprochen hatte, fing er auch an, alle Register zu ziehen, um mich zu halten. Ich hab auch sehr gewankt und gehadert und mich gefragt, ob ich nicht zu hart sei etc pp blablabla... bis mir klar wurde, dass dieses Betteln (Komm zurück, ich ändere mich usw usf) eine absolute Respektlosigkeit mir ggü gewesen ist.

    Es ging ihm nämlich nicht um mich als Mensch und darum, mit mir eine solide Beziehung zu führen (da hätte er nämlich seine eigenen Anteile anschauen müssen, wollte er aber nicht). Sondern nur um ihn. Als ich das gecheckt hatte, verlor ich jegliches Mitleid mit ihm und konnte loslassen.

    Ach so, während er angeblich ach so sehr um mich kämpfte, hatte er sich schon eine neue Frau angelacht. Soviel dazu.

    Ich hab es schon so oft mitbekommen: Beziehungen kommen ins Holpern, eine Partei möchte das klären, die andere Partei blockt, die erste Partei beendet die Beziehung, die zweite Partei jammert herum ob der "plötzlichen" Trennung- zieht alle Register, hat dann doch schon jemand Neues und die Person, die sich getrennt hat, ist Schuld. Schon klar.

    Zieht Dir den Schuh nicht an. Du hast Besseres verdient.

    So langsam hatten sich meine Themen im Laufe der letzten drei Wochen aufgelöst und ich hab mich nochmal stabiler auf meine Füße stellen können.

    Das hat mir in den letzten drei Tagen gut durch die Zeit geholfen- mein Kompass war ausgerichtet und ich bin bei den weihnachtlichen Familienzusammenkünften nicht ausgetickt. Getriggert worden bin ich oft und irgendwie hab ich es geschafft, einen Blick von außen einzunehmen. Ich hab keine Ahnung, wie das funktioniert hat, aber es hat funktioniert.

    Mir sind bei einem Treffen gestern wieder einmal die Gemeinsamkeiten von Verhaltensweisen von Abhängigen aufgefallen. In dem Fall habe ich die Verhaltensweisen meiner Mutter als Co- Abhängige erlebt.

    Schmerzhaft war für mich zu erleben, wie sie mich in einer Situation hat fallen lassen, weil ihr etwas anderes wichtiger war als die Beziehung zu mir. Und ich denke, dass ihr das gar nicht klar ist. Das Gefühl war wie früher, wenn mein Vater mich hat fallen lassen, wenn er trinken gegangen ist.

    So richtig kann ich das alles gar nicht in Worte fassen, hoffentlich versteht Ihr mein Geschriebenenes.

    Auf alle Fälle sehe ich jetzt nochmal klarer und ich habe (während ich getriggert wurde, das finde ich ja krass von mir)gecheckt, was da eigentlich lief und nach welchem Muster. Es ist immer wieder das Selbe. Und: Es hat überhaupt nichts mit mir als Mensch zu tun. Ich bin "nur" der Katalysator. Wie andere auch.

    Ich weiß auch wieder mehr als vorher, wie sehr wir (ein Teil meiner Familie und ich) einen unterschiedlichen Blick auf die Welt haben und wie verschieden unsere Werte sind. Ich fühle mich stellenweise wie ein Alien und wenn in mir die Zweifel hochkommen, ob ich nicht doch das Problem bin, dann denke ich an all die Gespräche und Begnungen mit Freunden und stelle fest, dass ich vielleicht ein Alien bin. Aber nicht unter den Menschen, die ich mir "ausgesucht" habe und die schon so lange in meinem Leben sind. Das tröstet.

    Meinen Vater habe ich auch besucht. Es war ok für mich. Der Abstand der letzten Monate hat mir gut getan und ich komme seit meiner Sortiererei etwas besser damit klar. Wie ich besuchsmäßig weiter verfahren will, werde ich sehen.

    Nur muss ich mir überlegen, dass ich vielleicht nicht mit meiner Mutter zusammen hinfahre. Denn es ist zum verrückt Werden, sie mit ihm zu beobachten- sie kümmert sich, überschlägt sich beinahe beim Kümmern und gleichzeitig spricht sie (nicht in seiner Gegenwart) abwertend. So geht's, bei allem, was passiert ist, nun auch wieder nicht. Sie hat das jahrzehntelang mitgemacht und ist geblieben, obwohl sie jeden Tag hätte gehen können. Da braucht sie jetzt nicht so zu reden. Aber da ist sie wieder, diese typische Verhaltensweise von vielen Abhängigen: Es sind immer die anderen am eigenen Elend schuld.

    Also lautet die Aufgabe an mich: Weiterhin abgrenzen, wohl dosiert Kontakt halten und weiter mein Leben leben.

    Der Unterschied zwischen Weihnachten und der Zeit davor, ist einfach, dass ich von meinen Eltern nichts mehr erwarte. Ich fühle mich abgenabelt und frei. Ich glaub, jetzt hab ich mir selbst meine Frage von weiter oben beantwortet, warum ich bei allem getriggert Werden ruhig geblieben bin. Ich bin in dieser Sache innerlich kein Kind mehr.

    Liebe releaseme,

    das ist gerade echt eine harte Phase, die Du durchmachst. Fühl Dich mal gedrückt!

    Dass Dein Mann jetzt vor Dir steht und Dir tausend Dinge verspricht, wundert mich jetzt nicht. Er sieht seine Felle davon schwimmen und würde Dir sonstwas versprechen- um dann genauso weiterzumachen, wie vorher, hätte er Erfolg mit der Masche.

    Bleib weiter stur bei Deinen Plänen. Du hast Deine Eltern an Deiner Seite, die für Dich da sind.

    Dass es für Dich gerade schwer ist, glaub ich, vor allem, wenn die Gefühle Dich zu überwältigen drohen und nach allem, was Du in den letzten Jahren durchgemacht hast.

    Aber weißt Du was? Du bist in dem ganzen Chaos hierher in Deinen Strang gekommen und hast gesagt, dass Du Hilfe und Rat brauchst. Das finde ich klasse- damit stärkst Du Dich.

    Wenn ich Du wäre: Ich würde die Wohnung nehmen, mit den Kindern einziehen und erstmal durchatmen. Zur Ruhe kommen, alles sacken lassen und dann schauen, wohin die Reise gehen soll.

    Ich wünsche Dir gutes Gelingen!

    Liebe releaseme,

    mach stur Dein Ding weiter.

    Wer erst zu Potte kommt, wenn schon Nägel mit Köpfen gemacht sind und vorher alles Reden nix genützt hat, hat das Problem nicht verstanden.

    Ich glaub Dir gern, dass Du im Gefühlschaos steckst, aber die Gefühle sollen nicht Deine Entscheidungen fällen. Da hast Du langfristig nur noch mehr Ärger.

    Du hast die ersten Schritte gemacht und das ist super! Jetzt geh einen nach dem anderen weiter auch wenn es schwer fällt.

    Langfristig tust Du Dir und den Kindern einen Riesengefallen, wenn Du Euer Leben neu gestaltest.

    Liebe Seepandarine ,

    danke für Deine Antwort von neulich. Dieses Abrutschen in alte Muster ging ja noch weiter.

    Nachdem ich mich sortiert hatte, was meine Eltern betrifft, ging es damit weiter, dass ich plötzlich Männer vermisst habe, mit denen ich ungute Beziehungen hatte und die selber ihre Päckchen zu tragen haben.

    Es ist gerade so, als ob alle Abhängigkeiten, in die ich mich in früheren Beziehungen begeben habe, wieder hochkommen.

    Auch wenn mein Gefühl/kindlicher Anteil gerade etwas anderes sagt und Sicherheit im alten Verhalten sucht.

    Eben. Mein kindlicher Anteil tut gerade genau das. Ich weiß ja, dass ich im alten Verhalten nicht gut aufgehoben war und will im Gottes Willen auch nicht mehr dahin zurück. Aber dass das so hoch ploppt, erschreckt mich gerade.

    Immerhin, und da bin ich froh, kam mir zum Thema "Ich muss mich nur genug anstrengen, damit mir meine Eltern das geben, was ich brauche" vorhin in den Sinn: Ich habe mich mein Leben lang angestrengt, um meine Eltern dazu zu bringen, sich so zu verhalten, wie ich es gebraucht hätte.

    Es hat nichts genützt.

    Da kann ich es auch sein lassen.

    Ich glaube, dass bei mir in dem Zusammenhang auch der Knoten geplatzt ist, was die Co- Abhängigkeit meiner Mutter und deren Einfluss auf mich hat. Im Groben geht es darum, dass eine Beziehung unbedingt erhalten werden soll und sich die abhängige Person selber verliert.

    Eigentlich eine Binse, mein letzter Satz, nicht wahr? Steht ja hier im Forum so oft geschrieben.

    Es ist nur wieder der typische Fall von " Der Verstand weiß es, aber die Bedeutung ist noch nicht klar."

    Jetzt ist mir die Bedeutung klar. So krass.

    Seepandarine , ich lese bei Dir mit und bin gerade nicht in der Lage, bei Dir im Faden was Gescheites zu schreiben. Ich hoffe, dass Du Dir vielleicht aus meinem Geschriebenen etwas Hilfreiches oder etwas Trost mitnehmen kannst. Und eins ist sowieso klar: Du bist nicht allein.

    Juno_Jupiter :

    Ich verstehe Dein Dilemma und auch Deine Ambivalenz. Bei dir kommt ja noch hinzu, dass Du Kinder hast, was es sicher noch schwieriger macht, einen Weg zu finden (so richtig mitreden kann ich da nicht, bin kinderlos).

    Zu meiner Mutter habe ich Kontakt und ich muss da sehr auf mich aufpassen, dass ich mich nicht länger in ihre Co-Abhängigkeit reinziehen lasse. Ich habe klare Kriterien, nach denen ich (sowieso im Umgang mit Menschen) handle und da mache ich bei meiner Mutter keine Ausnahme.

    Heißt: Ich akzeptiere radikal, dass meine Mutter so ist wie sie ist und lasse die Verantwortung für ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen bei ihr. Zudem mache ich klar, dass ich ihre Tochter bin und die falsche Person, um belastende Dinge zu besprechen. Da braucht es für meine Mutter andere Personen und da muss sie sich kümmern. Ich bin weder Freundin, noch Therapeutin. Das Grundproblem ist ja, dass die Co- Abhängigkeit meiner Mutter mir ja zu 50% den "Schaden" verpasst hat, wegen dem ich jetzt hier in diesem Forum bin (die anderen 50 % gehören meinem Vater).

    Wenn ich mich also mich immer wieder auf die Themen meiner Mutter einlassen würde, würde ich mich immer wieder in mein Grauen zurück begeben. Und das geht nicht.

    Der Kontakt zu meinem Vater besteht im Grunde genommen von seiner Seite aus gar nicht. Noch nie! Daher war ein Abbruch streng genommen nicht nötig. Meine Aussage beim letzten Besuch bei ihm war, dass ich mich je nach Laune melde und er ja auch anrufen kann. Was er nicht macht. Bei niemandem, außer meiner Mutter.

    Vielleicht hilft Dir das etwas weiter. Für mich ist echt die radikale Akzeptanz wichtig und eine klare innere Haltung, nach der ich handle. Dann hab ich meinen eigenen Kompass und der ist sehr wichtig- vor allem jetzt, wo die alten Emotionen und ungesunden Muster in mir hochkommen.

    Vielen Dank für Deine Antwort, Seb25 .

    Das arbeitet sehr in mir und ich versuche mal, meine Gedanken zu dem Thema halbwegs sortiert aufzuschreiben.

    Aber heute würde ich fast sagen, dass die Auswirkungen der Co-Abhängigkeit auf die Kinder mindestens genauso krass sind.

    Ja, das sehe ich auch so. Die Suchtstruktur ist ja gleich. Diese Erkenntnis, dass der zweite Elternteil auch wegen Sucht (in dem Fall die Co- Abhängigkeit)handlungsunfähig geblieben ist und mich als Kind so allein und hilflos gelassen hat, ist gerade schwer zu ertragen. Mein persönliches Grauen kommt gerade wieder hoch.

    Von dem Zustand der Selbstwirksamkeit von vor einigen Tagen scheint seit gestern nix mehr da zu sein.

    Zudem habe ich das Gefühl, dass gerade meine eigenen Co- Abhängigkeitsanteile hoch kommen. Ich suche nach Beschwichtigungen und Erklärungen für das Verhalten meiner Eltern und sag mir selber "War vielleicht doch nicht alles so schlimm" usw usf. Das Übliche halt.

    Mein Bedürfnis ist gerade, zu meinen Eltern zu fahren in der Hoffnung, dass ich mich genug mit meiner Aufarbeitung angestrengt habe und jetzt "alles gut wird". Boah, das fühlt sich so sehr nach einem Rückfall in die alten Muster an.

    Ich werde weiter meinen Weg gehen, aber ich gebe zu, dass das zur Zeit reine Kopfentscheidungen sind und nicht aus der inneren Haltung heraus geschieht, die ich zeitweise hatte. Ich möchte meine innere Haltung zurück. Damit ist der Umgang mit dem Thema leichter.

    Was ich vorhin festgestellt habe, ist, dass die HALT- Regel auch für mich gilt. Ich hangel mich von Buchstabe zu Buchstabe.

    . Ich habe neulich einmal einen guten Artikel dazu in der Zeit gelesen, bei dem für mich die Erleuchtung kam.

    Den hab ich auch gelesen. Bzw in einer Wissenschaftszeitung, aber die kooperiert ab und ab mit der Zeit. Dieser Artikel hat mir auch sehr weiter geholfen und ich kann wieder ein Stück besser sehen, wie ich mit meinen Eltern umgehe.

    Eben ist mir klar geworden, wie sich das Verhalten von nassen Alkoholikern und Co-Abhängigen ähnelt.

    Es ist beides eine Sucht und das Suchtmittel ist im Prinzip egal. Wenn ich mir das Verhalten meiner Mutter und das meines Vaters ansehe, dann sind die Gemeinsamkeiten: Jammern, sich klein machen, sich in den Mittelpunkt stellen, immer im Alarmmodus sein, wenig bis keine Gefühlsregulation haben, keine Grenzen setzen, Parentifizierung.

    Und hinter allem steckt eine große Not. Oh Mann, das ist jetzt wieder eine Erkenntnis, die reinhaut. Nicht vom Kognitiven her (das weiß ich schon lange), aber vom wirklichen Begreifen/ von der Bedeutung her.

    Es gilt für mich bei meiner co- abhängigen Mutter wie bei meinem Vater: Eigene Grenzen klar machen, diese vertreten und sehen, wie ich von meiner Seite aus den Kontakt gestalte.

    Ich kann meine Mutter ebenso wenig ändern, wie meinen Vater. Ändern kann nur jede/r für sich etwas, wenn gewollt.

    Einerseits fühlt dieses Begreifen entlastend und befreiend an und anderseits wird mir klar, wie allein ich als Mensch im Grunde genommen war und bin in dieser Beziehung. Weil mir beide Elternteile keine emotionale Stabilität gegeben haben und aufgrund ihres Zustandes auch nicht geben können.

    Zum Glück bin ich schon groß. Zum Glück kümmere ich mich um mich selbst.

    Liebe hopeless,

    Respekt, dass Du ihm gestern so klar gesagt hast, wie Du die Sache siehst und wo Deine Grenzen sind. Gut gemacht!

    Jetzt hast Du einen weiteren Schritt in Richtung Heilung getan. Dass es Dir seit dem Aussprechen etwas besser geht, ist schön zu lesen.

    Gut auch, dass Du regelmäßig isst. In solchen Phasen ist es, finde ich, manchmal kaum zu glauben, wie sehr einem eine solide Mahlzeit weiterhilft, auch wenn man das Gefühl hat, keinen Bissen runter zu bekommen. Aber Trauer kostet Energie und da ist es wichtig, für regelmäßigen Nachschub zu sorgen.

    Guten Morgen Herr Gesangsverein (der Name gefällt mir!),

    willkommen hier im Forum. Dass Du hierher gefunden hast, ist gut.

    Was Deinen Vater angeht: Du kannst echt nichts machen, um ihn umzustimmen. Entweder trifft er die Entscheidung, ein Leben ohne Alkohol zu führen oder auch nicht. Als Kind bist Du da machtlos; Du kannst ihn nicht beeinflussen.

    Da ist eine sehr harte Sache, aber wichtig ist es, dass Du Dich als Kind abgrenzt und Dein Leben lebst. Ich hätte es auch gern, dass mein Vater aufhören würde. Tut er aber nicht. Da er im Heim ist, ist er da quasi unter Aufsicht und die Sorge, die Du hast, hab ich nicht.

    Eins bleibt aber: Diese Ambivalenz der Gefühle und Gedanken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es leichter ist, damit umzugehen, wenn ich ein stabiles Umfeld habe und mein Leben nach meinen Vorstellungen gestalte.

    Lies Dich hier durch, lass die Dinge sacken und schreib hier, wenn der Schuh drückt. Diese Situation haben sich EKA' s nicht ausgesucht, aber es ist unsere Verantwortung, das eigene Leben gut zu leben. Richte den Fokus auf Dich, nicht auf Deinen Vater.

    Alles andere liegt nicht in unserer Macht.

    Liebe Seepandarine,

    da bist Du auf einem guten Weg, aus dem "Ich muss das aushalten" - Glaubenssatz heraus zu kommen.

    Ich kann Dir dieses Unwohlsein im Kreis alkoholisierter Menschen nachfühlen. Mir ging es im jungen Erwachsenenalter so und ich habe das nasse Umfeld verlassen. Danach konnte ich mich mit dem ausgeliefert sein befassen und mir Stück für Stück mein Leben zurecht basteln.

    Hab Geduld, das geht nicht von heut auf morgen und es geht gefühlt mal einen Schritt vor und zwei zurück. Aber es geht voran und bist schon auf dem Weg.

    Ach so, ich hab mir das alkohollastige Umfeld früher genauso wie Du ausgesucht. Es war eben vertraut und "normal". Bist nicht allein damit.

    Ich guck mal kurz bei euch rein, um mich bei euch für die "Objektkonstanz" zu bedanken.

    Jetzt hat das Thema einen Namen für mich- ich agiere seit meiner Kindheit nach dem Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn". Hab mich immer gefragt, was das ist und woher das kommt. Beim Lesen hier ist mir einiges klar geworden.

    Bindungen zu kappen kann ich auch gut- zu Menschen, die "sicher" für mich sind. Bindungen (innerlich) halten kann ich auch gut- bei Menschen, die für mich nicht sicher sind. Da glaub ich immer, dass ich um Aufmerksamkeit kämpfen muss. Dabei haben die Menschen, bei denen ich so reagiere, mit sich zu tun und das triggert das Kind in mir, dass um die Aufmerksamkeit der süchtigen Eltern kämpft.

    Normale bzw gesunde Beziehungen zu erhalten kam mir jahrelang nicht in den Sinn. Die waren einfach weg für mich. Ich konnte auch nicht damit umgehen. Normal und vertraut fühlten sich für mich die suchtgeprägten Beziehungen an.

    Also, danke nochmal.

    Liebe hopeless,

    an Deiner Stelle würde ich den Kontakt zu ihm abbrechen. Sein Verhalten geht gar nicht.

    Dass es Dir deswegen gerade schlecht geht, ist verständlich und hier wirst Du verstanden und aufgefangen.

    Echt mal, ein Mensch, der Dich respektiert, würde bei seinem Schlussstrich bleiben, Dich in Ruhe lassen und nicht immer wieder die Wunden aufreißen. Ihm geht's mit seinen Aktionen nur um sich und nicht um Dich.

    Fühl Dich mal umärmelt.

    Meine Wut ist immer noch da. Ich laufe seit Wochen wie ein Dampfkessel herum, bei dem die Ventile kaputt sind und den Dampf nicht mehr rauslassen.

    Klingt vielleicht gefährlich, was es auf lange Sicht auch wäre, wenn ich nicht die Entscheidung getroffen hätte, meine Wut als Wegweiser zu nehmen und nochmal radikal meine Grenzen zu ziehen und zu halten.

    Ich mache mich in meinem Umfeld garantiert unbeliebt, aber so trennt sich für mich die Spreu vom Weizen und der Effekt daraus ist, dass ich eine sehr klare Haltung entwickelt habe, die ich nach außen hin auch ausstrahle.

    Vorhin beim Daddeln bei einem Handyspiel wurde mir urplötzlich klar, warum ich so eine Ambivalenz ggü meinem Vater habe: Ich bin noch im Überlebensmodus. Das Wissen, dass meinem Vater der Alkohol immer wichtiger war als seine Tochter und er keine Verantwortung übernommen hat, war so überwältigend schwer (und vernichtend)für mich, dass ich bis vor Kurzem immer wieder Rechtfertigungen und Entschuldigungen für sein Verhalten parat hatte. Um mir eine Erklärung zu basteln, damit ich die volle Wucht des Wissens nicht spüren muss. Die Erkenntnis ist gerade sehr heftig.

    Jetzt, wo ich das weiß, kann ich es sacken lassen und ich wünsche mir, dass sich dieses Muster auflöst. Da hätte ich eine Anstrengung weniger in meinem Leben und ich komme hoffentlich nicht nur vom Verstand her, sondern auch vom Fühlen aus meinem Überlebensmodus raus.

    Eine Falle, in die ich während des letzten Jahres auch beinahe getappt wäre, war der Glaube daran, dass ich mich nur genug anstrengen muss bei meiner Aufarbeitung, um dann ein gutes Verhältnis mit meinem Vater zu haben. Im Rückblick betrachtet finde ich das einerseits sehr schräg, aber ich verstehe auch, was dazu geführt hat, dass ich so dachte.

    Puh, ich bin gerade so erleichtert. Und aufgewühlt, ja, das auch, aber in erster Linie erleichtert.

    Das Gemeine an solchen Geschichten ist ja, dass es meist schleichend beginnt und sich im Laufe der Zeit ins ganze Leben hinein frisst. Jeder, der als Mitmensch betroffen ist, passt sich an und ich denke, dass das am Anfang unbewusst passiert. Immer verbunden mit dem Wechsel aus Hoffnung (es könnt ja wieder besser werden) und Enttäuschung (wieder ein Rückfall mit allem, was dazu gehört). Das macht ja als Partnerin was mit einem und irritiert (höflich ausgedrückt). Da den Blick von Anfang an auch auf die Kinder zu haben, ist glaub ich ein Ding der Unmöglichkeit.

    Kinder passen sich automatisch an, weil sie von den Erwachsenen abhängig sind.

    Du hast Deinen Kindern aber was ganz Entscheidenes gezeigt: nämlich, dass Du einen unerträglichen Zustand beendet hast, damit es Euch dreien besser geht. Du hast Ihnen auch gezeigt, dass man Dinge zum Besseren ändern darf. Das ist so wichtig!

    Ich kann es Dir nicht nachfühlen, wie schwer die Gefühle Deinen Kindern gegenüber sind, einfach, weil ich keine Kinder habe.

    Aber als EKA erleichtert es mich jedes Mal, wenn ich lese, dass Elternteile ihre Kinder aus so einer Situation rausholen. Das hast Du klasse gemacht und ich bin mir sicher, dass es Dir im Laufe der Zeit auch besser gehen wird. Du hast ja doppelte Verantwortung- die für Dich (und alle Trauer, die Du verarbeiten wirst) und für die Kinder. Ich denke, dass man das nicht unterschätzen sollte. Es ist schon hart genug wenn jemand nur für sich verantwortlich ist und geht.

    Vielen Dank für Dein Mitgefühl. Mittlerweile geht es mir recht gut und auch wenn meine Eltern noch nicht getrennt waren, als mein Geschwister und ich noch Kinder waren, so hilft es mir sehr, dass meine Mutter mir im Hier und Jetzt zuhört und anerkennt, wie hart es war. Das hilft sehr.

    Was mir auch noch wichtig ist zu schreiben, ist, dass es (aus meiner aktuellen Sicht) unmöglich ist, die Ausmasse einer Suchterkrankung zu begreifen, wenn man als Angehörige mittendrin steckt.

    Du siehst an Deinen Kindern, wie gut es ihnen mittlerweile geht und ich wage mal zu behaupten, dass sie nicht so aufblühen würden, wenn sie sich bei Dir nicht sicher fühlen würden. Sie wissen, dass Du sie beschützt hast. Vielleicht hilft Dir dieser Gedanke weiter.