Anthurie - Eka sagt Hallo

  • Hallo Juno,

    schau mal hier, das war damals deine Anmeldung hier und die ersten Antworten.

    alkoholiker-forum.de/forum/thread/42627/

    Bitte habe keine Angst zu schreiben. Ich glaube, daß es manchmal Überwindung kostet, aber es ist auch eine Chance die Dinge zu sortieren, bei denen man alleine mit sich nicht weiter kommt.

    Ich bin auch EKA und habe viel für mich aufarbeiten können. Aktuell wirkt alles so "bedeutungsschwanger", weil Weihnachten vor der Tür steht. Aber unterm Strich läuft alles wie immer, nur ist der Druck größer.

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Seepandarine ,

    danke für Deine Antwort von neulich. Dieses Abrutschen in alte Muster ging ja noch weiter.

    Nachdem ich mich sortiert hatte, was meine Eltern betrifft, ging es damit weiter, dass ich plötzlich Männer vermisst habe, mit denen ich ungute Beziehungen hatte und die selber ihre Päckchen zu tragen haben.

    Es ist gerade so, als ob alle Abhängigkeiten, in die ich mich in früheren Beziehungen begeben habe, wieder hochkommen.

    Auch wenn mein Gefühl/kindlicher Anteil gerade etwas anderes sagt und Sicherheit im alten Verhalten sucht.

    Eben. Mein kindlicher Anteil tut gerade genau das. Ich weiß ja, dass ich im alten Verhalten nicht gut aufgehoben war und will im Gottes Willen auch nicht mehr dahin zurück. Aber dass das so hoch ploppt, erschreckt mich gerade.

    Immerhin, und da bin ich froh, kam mir zum Thema "Ich muss mich nur genug anstrengen, damit mir meine Eltern das geben, was ich brauche" vorhin in den Sinn: Ich habe mich mein Leben lang angestrengt, um meine Eltern dazu zu bringen, sich so zu verhalten, wie ich es gebraucht hätte.

    Es hat nichts genützt.

    Da kann ich es auch sein lassen.

    Ich glaube, dass bei mir in dem Zusammenhang auch der Knoten geplatzt ist, was die Co- Abhängigkeit meiner Mutter und deren Einfluss auf mich hat. Im Groben geht es darum, dass eine Beziehung unbedingt erhalten werden soll und sich die abhängige Person selber verliert.

    Eigentlich eine Binse, mein letzter Satz, nicht wahr? Steht ja hier im Forum so oft geschrieben.

    Es ist nur wieder der typische Fall von " Der Verstand weiß es, aber die Bedeutung ist noch nicht klar."

    Jetzt ist mir die Bedeutung klar. So krass.

    Seepandarine , ich lese bei Dir mit und bin gerade nicht in der Lage, bei Dir im Faden was Gescheites zu schreiben. Ich hoffe, dass Du Dir vielleicht aus meinem Geschriebenen etwas Hilfreiches oder etwas Trost mitnehmen kannst. Und eins ist sowieso klar: Du bist nicht allein.

    Juno_Jupiter :

    Ich verstehe Dein Dilemma und auch Deine Ambivalenz. Bei dir kommt ja noch hinzu, dass Du Kinder hast, was es sicher noch schwieriger macht, einen Weg zu finden (so richtig mitreden kann ich da nicht, bin kinderlos).

    Zu meiner Mutter habe ich Kontakt und ich muss da sehr auf mich aufpassen, dass ich mich nicht länger in ihre Co-Abhängigkeit reinziehen lasse. Ich habe klare Kriterien, nach denen ich (sowieso im Umgang mit Menschen) handle und da mache ich bei meiner Mutter keine Ausnahme.

    Heißt: Ich akzeptiere radikal, dass meine Mutter so ist wie sie ist und lasse die Verantwortung für ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen bei ihr. Zudem mache ich klar, dass ich ihre Tochter bin und die falsche Person, um belastende Dinge zu besprechen. Da braucht es für meine Mutter andere Personen und da muss sie sich kümmern. Ich bin weder Freundin, noch Therapeutin. Das Grundproblem ist ja, dass die Co- Abhängigkeit meiner Mutter mir ja zu 50% den "Schaden" verpasst hat, wegen dem ich jetzt hier in diesem Forum bin (die anderen 50 % gehören meinem Vater).

    Wenn ich mich also mich immer wieder auf die Themen meiner Mutter einlassen würde, würde ich mich immer wieder in mein Grauen zurück begeben. Und das geht nicht.

    Der Kontakt zu meinem Vater besteht im Grunde genommen von seiner Seite aus gar nicht. Noch nie! Daher war ein Abbruch streng genommen nicht nötig. Meine Aussage beim letzten Besuch bei ihm war, dass ich mich je nach Laune melde und er ja auch anrufen kann. Was er nicht macht. Bei niemandem, außer meiner Mutter.

    Vielleicht hilft Dir das etwas weiter. Für mich ist echt die radikale Akzeptanz wichtig und eine klare innere Haltung, nach der ich handle. Dann hab ich meinen eigenen Kompass und der ist sehr wichtig- vor allem jetzt, wo die alten Emotionen und ungesunden Muster in mir hochkommen.

    Einmal editiert, zuletzt von Anthurie (3. Dezember 2025 um 17:30)

  • So langsam hatten sich meine Themen im Laufe der letzten drei Wochen aufgelöst und ich hab mich nochmal stabiler auf meine Füße stellen können.

    Das hat mir in den letzten drei Tagen gut durch die Zeit geholfen- mein Kompass war ausgerichtet und ich bin bei den weihnachtlichen Familienzusammenkünften nicht ausgetickt. Getriggert worden bin ich oft und irgendwie hab ich es geschafft, einen Blick von außen einzunehmen. Ich hab keine Ahnung, wie das funktioniert hat, aber es hat funktioniert.

    Mir sind bei einem Treffen gestern wieder einmal die Gemeinsamkeiten von Verhaltensweisen von Abhängigen aufgefallen. In dem Fall habe ich die Verhaltensweisen meiner Mutter als Co- Abhängige erlebt.

    Schmerzhaft war für mich zu erleben, wie sie mich in einer Situation hat fallen lassen, weil ihr etwas anderes wichtiger war als die Beziehung zu mir. Und ich denke, dass ihr das gar nicht klar ist. Das Gefühl war wie früher, wenn mein Vater mich hat fallen lassen, wenn er trinken gegangen ist.

    So richtig kann ich das alles gar nicht in Worte fassen, hoffentlich versteht Ihr mein Geschriebenenes.

    Auf alle Fälle sehe ich jetzt nochmal klarer und ich habe (während ich getriggert wurde, das finde ich ja krass von mir)gecheckt, was da eigentlich lief und nach welchem Muster. Es ist immer wieder das Selbe. Und: Es hat überhaupt nichts mit mir als Mensch zu tun. Ich bin "nur" der Katalysator. Wie andere auch.

    Ich weiß auch wieder mehr als vorher, wie sehr wir (ein Teil meiner Familie und ich) einen unterschiedlichen Blick auf die Welt haben und wie verschieden unsere Werte sind. Ich fühle mich stellenweise wie ein Alien und wenn in mir die Zweifel hochkommen, ob ich nicht doch das Problem bin, dann denke ich an all die Gespräche und Begnungen mit Freunden und stelle fest, dass ich vielleicht ein Alien bin. Aber nicht unter den Menschen, die ich mir "ausgesucht" habe und die schon so lange in meinem Leben sind. Das tröstet.

    Meinen Vater habe ich auch besucht. Es war ok für mich. Der Abstand der letzten Monate hat mir gut getan und ich komme seit meiner Sortiererei etwas besser damit klar. Wie ich besuchsmäßig weiter verfahren will, werde ich sehen.

    Nur muss ich mir überlegen, dass ich vielleicht nicht mit meiner Mutter zusammen hinfahre. Denn es ist zum verrückt Werden, sie mit ihm zu beobachten- sie kümmert sich, überschlägt sich beinahe beim Kümmern und gleichzeitig spricht sie (nicht in seiner Gegenwart) abwertend. So geht's, bei allem, was passiert ist, nun auch wieder nicht. Sie hat das jahrzehntelang mitgemacht und ist geblieben, obwohl sie jeden Tag hätte gehen können. Da braucht sie jetzt nicht so zu reden. Aber da ist sie wieder, diese typische Verhaltensweise von vielen Abhängigen: Es sind immer die anderen am eigenen Elend schuld.

    Also lautet die Aufgabe an mich: Weiterhin abgrenzen, wohl dosiert Kontakt halten und weiter mein Leben leben.

    Der Unterschied zwischen Weihnachten und der Zeit davor, ist einfach, dass ich von meinen Eltern nichts mehr erwarte. Ich fühle mich abgenabelt und frei. Ich glaub, jetzt hab ich mir selbst meine Frage von weiter oben beantwortet, warum ich bei allem getriggert Werden ruhig geblieben bin. Ich bin in dieser Sache innerlich kein Kind mehr.

  • Ich bin in dieser Sache innerlich kein Kind mehr.

    Ein sehr starker Satz.

    Nur so kann es gehen. Klar, man ist rein technisch gesehen immer das Kind seiner Eltern. Ich habe gerade jetzt wieder an den Feiertagen gemerkt, wie anders es sich gegenüber früher anfühlt. Ich bin nicht mehr das ihnen ausgelieferte Kind. Und meine innere Haltung ist wohl im Außen deutlich spürbar.

    Jahrelang wurde immer mal angetestet und auf meine alten Knöpfe gedrückt, aber inzwischen wirke ich wohl so erwachsen, daß sie mich auch entsprechend behandeln.

    Und wenn nicht? Auch nicht schlimm, denn Zitat: Ich bin in dieser Sache innerlich kein Kind mehr. :)

    Kannst du das mit dem Katalysator nochmal erklären? Das habe ich nicht verstanden.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Heißt: Ich akzeptiere radikal, dass meine Mutter so ist wie sie ist und lasse die Verantwortung für ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen bei ihr.

    Danke für den Gedanken. Ich habe ihn jetzt eine Weile in mir getragen und bin damit auch ein Stück gegangen. Das hat tatsächlich geholfen auch weniger Wut in mir zu tragen und die Dinge gewissermaßen mit Abstand zu sehen.

    Und noch etwas:
    Nach einem Vorfall am 25. habe ich seine Nummer blockiert. Noch geht es mir nicht so gut damit wie ich es erhofft hatte, aber kommt Zeit, kommt Rat?

    Mir sind bei einem Treffen gestern wieder einmal die Gemeinsamkeiten von Verhaltensweisen von Abhängigen aufgefallen. In dem Fall habe ich die Verhaltensweisen meiner Mutter als Co- Abhängige erlebt.

    Würdest du dazu noch Näheres schreiben? Mich interessiert, was du beobachtet hast. Vielleicht hilft es mir ja auch.

    Liebe Grüße vom Jupiter

  • Ich bin nicht mehr das ihnen ausgelieferte Kind. Und meine innere Haltung ist wohl im Außen deutlich spürbar.

    Das trifft es! Danke für die beiden Sätze.

    So nehme ich das auch wahr. Im Außen scheine ich anders zu wirken, weil die Art, in der viele Mitmenschen (vor allem in der Familie) mit mir umgehen, respektvoller erscheint. Oder anders ausgedrückt: Ich fühle mich ernst genommen.

    Was den "Katalysator" betrifft:

    Mein Eindruck ist, dass, wenn meine Mutter von irgendwas getriggert wird, sie das an mir ausläßt, wenn ich zugegen bin. Da ist sie es los und kann in ihrem Trott weitermachen und tut dann so, als ob nix gewesen wäre. Da reicht es, dass ich was sage, wie ich es sage usw. Ich fühle mich von ihr wie ein kleines Kind behandelt, dass in seine Schranken gewiesen werden muss. Aus ihrer Sicht.

    Kommt das einigermaßen verständlich rüber? Es kann auch sein, dass das Wort "Katalysator" unpassend ist; falls ja, dann gib mir bitte eine Rückmeldung.

    Juno_Jupiter :

    Ich versuch es mal mit einer Erklärung.

    Für mich ähneln sich die Verhaltensweisen indem:

    -ich nach außen als ganz toll hingestellt werde

    -nach außen hin das Bild der perfekten Familie präsentiert wird

    -absolute Konfliktunfähigkeit vorhanden ist (Konflikte werden ignoriert und später so getan, als ob nie was gewesen wäre)

    -ich mich benutzt fühle in dem Sinne, dass ich nach den Vorstellungen meiner Eltern funktionieren soll und ich ignoriert oder gedemütigt werde, wenn ich nicht "spure"

    - ich abgeschrieben bin als Mensch, sobald etwas vermeintlich Besseres zugegen ist (z.B. Alkohol oder andere Menschen, von denen Zuneigung und Anerkennung erhofft wird)

    -alle anderen an den eigenen Problemen schuld sind, nur man selber nicht

    -Veränderungen schwer bis gar nicht angegangen werden (sind ja alle anderen Schuld, sollen die sich doch ändern) und man daher weiter Grund zum Jammern hat

    -das allgemeine Denken schwarz/ weiß erscheint

    -Stimmungsschwankungen oft vorhanden sind und ich nie weiß, woran ich bin

    -es im Grunde genommen nur um die abhängige Person geht und ich als Mensch mit meinen Anliegen keine Rolle spiele (aber ich soll die mir zugewiesene Rolle erfüllen, was ich nicht mehr mache)

    Das ist im Groben meine Auflistung. So sehe ich aus meiner Erfahrung heraus die Gemeinsamkeiten im Verhalten von Alkoholiker (mein Vater) und Co- Abhängiger (meine Mutter).

    Vielleicht hilft Dir das ja etwas weiter. Mir hat Deine Nachfrage sehr geholfen, weil ich beim Antworten für mich nochmal Struktur reinbringen konnte. Danke dafür!

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