Beiträge von Matcha

    Nayouk24 / Kazik , es ist richtig, was ihr schreibt, danke dafür. Ich habe mich nicht ohne Grund als "ekelige Misanthropin" beschrieben, mir gefällt meine eigene Lebenshaltung nicht sonderlich. Ich bin immer schon menschenscheu gewesen, unsicher, voller Melancholie und Weltschmerz. Umso anfälliger war ich, in die Sucht zu rutschen, mit Alkohol war das Leben anfangs besser zu ertragen. Später, nachdem ich Alkoholikerin wurde, war es schlechter zu ertragen. Es kam dann der Ekel vor mir selber noch dazu. Ich hatte die Hoffnung, dass nach dem Alkoholstop alles besser wird. Wird es aber nicht, ich bin noch die Selbe, wie vorher, schade.

    Samstag abend, ich bin alleine zu Hause. In der Zeit des Trinkens war ich das, um in Ruhe zu trinken. Jetzt bin ich das, um in Ruhe meiner Internetsucht nachzugeben und Serien zu schauen. Ich scheue es, in Menschengruppen zu sein, das Gerede nervt mich, wie sich die Menschen präsentieren, Lärm, Hektik, all das nervt mich. Trinkende, Betrunkene, da wird das noch unerträglicher für mich. Ich bin eine ziemlich eklige Misantrophin geworden. Aber bald habe ich ein Jahr Nüchternheit geschafft, Alkohol wird nebensächlicher, die Faust in der Tasche wird lockerer. Was mir fehlt, ist der innere Antrieb, der Wunsch, an meiner Situation etwas zu andern, ich sollte mir vorstellen, wo ich gerne wäre und dann Wege finden, dahin zu kommen, aber ich bin extrem träge, Träger als ich mit Alkohol war.

    So, mal ordentlich miese Stimmung abgelassen, schönes Wochenende an all die lieben Menschen hier!

    Damit würde ich der Sucht viel zu viel Raum geben.

    Hi Kazik,

    es ist nun so, dass die Sucht sich in meinem Hirn den Raum nimmt. Sie führt ein Eigenleben.

    Ich versuche nun konsequenter den Alkohol auszublenden, so wie es hier auch empfohlen wird. Keine Gerueche, keine Bilder, vollkommen andere Getraenke, Gedanken wegschicken, dann siecht die Laborratte hoffentlich dahin.

    Die gesunden Anteile, die mich dazu gebracht haben, mit dem Alkohol aufzuhoeren, stärken.

    Ein Beitrag von Paul_ hat mich gedanklich länger beschäftigt, das Nebeneinander von 2 Personen im Körper, der nasse und der trockene Alkoholiker, die sich miteinander darum rangeln, wer das Sagen hat. Damit beschäftigt ich mich auch gerade, besser gesagt die ganz Zeit, seit dem Alkoholstopp.

    Ich habe neulich eine Studie gelesen, da wurde ein Teil der Laborratten alkoholsüchtig gemacht, die Vergleichgruppe nicht. Dann wurden die süchtigen Ratten vom Alkohol entzogen. Es wurde abgewartet bis die Ratten altern und dann wurden die beiden Gruppen auf ihr Lernfaehigkeit getestet. Ergebnis verwundert nicht, naja.

    Seitdem habe ich meinen Namen für die Sucht in mir gefunden, ich nenne sie einfach "Laborratte". So kann ich im Supermarkt sogar mit einem kleinen Augenzwinkern wahrnehmen, dass diese Laborratte in mir wieder Lust auf Alkohol verspürt und mir Tomatensaft und Hafermilch kaufen.

    Auch ist mir durch dieses Gedankenexperiment noch klarer geworden, wie ich mit dem Konsum von alkoholfreiem Bier ( meist 0,35 %ig) die süchtige Laborratte gefüttert habe, so dass sie sich nicht beruhigen konnte.

    Kurzum, mir geht es weiterhin besser und die Zukunft ohne Alkohol sieht weniger düster aus.

    Gestern habe ich eine interessante Diskussion im Vorstellungssbereich leider verpasst, es lässt mir keine Ruhe.

    Die Unterscheidung von rein psychischen und körperlichen Entzugssymptomen ist meiner Meinung nach völlig falsch, man findet dies in der deutschsprachigen Literatur, keine Ahnung, wie das zustande kam. In der englischsprachigen Literatur wird in Schweregrade unterteilt, das finde ich sinnvoller.

    Das Gehirn ist ein Organ, welches unseren gesamten Körper steuert, was als "koerperliche Entzugssymptome" aufgezaehlt wird, sind Stoerungen im autonomen Nervensystem. Es ist nicht das Herz, welches Entzugserscheinungen hat und schnell schlaegt, sondern es wird durch Stress getriggert. Eine Trennung in psychisch und koerperlich ist kuenstlich, irrefuehrend und verleitet zu Verharmlosung.

    So, das musste ich loswerden.

    Mir geht es uebrigens etwas besser, seitdem es für mich kein alkoholfreies Bier mehr gibt. Auch das laestige Be- und Entsorgen entfaellt, ein schöner Nebeneffekt.

    Korrigiere mich, aber Du bist jetzt im 9. Monat? Das ist ein großer Erfolg*!!

    Oskar, es hat bei mir noch nicht "Klick" gemacht, die Schwangerschaft verläuft sehr holprig. Nach anfänglicher Euphorie kamen immer heftiger die Gedanken, dass doch jetzt bitte mal gut ist mit dem Nichttrinken, dass das Leben doch nicht mehr schön ist und will ich überhaupt ein Kind ??

    Die Geburt steht also noch aus.

    Ich bin Alkoholikerin, das ist sicher, diese Sucht, dieses mehr trinken müssen, Nachschub besorgen, die Vorfreude darauf, das Leben ausblenden zu können, der Kater, Übelkeit, die Scham. Da bleibt kein Zweifel, ich bin der Alkoholsucht verfallen.

    Seit 9 Monaten gebe ich ihr nicht nach, das ist mal mehr, mal weniger anstrengend.Es gibt Tage, da vergesse ich das, am wenigsten denke ich darüber nach, wenn ich im Urlaub bin, weg von meinem Zuhause und vom Job.

    Ich habe heimlich getrunken, in Gesellschaft in Maßen oder gar nicht, meinen Job habe ich immer gut gemacht, also dieses Gefühl, ganz unten gewesen zu sein, das habe ich nicht gehabt. Der Hauptgrund, den Alkohol aufzugeben war die Sorge, krank zu werden davon. Das schlimmste der vielen Übel wäre für mich eine Demenz.

    Ich habe in den 9 Monaten viele Fehler gemacht, das alkoholfreie Bier oder, wie mir jetzt aufgefallen ist, die alkoholhaltige Mundspüllösung. Aber auch, und deswegen bin ich dir sehr dankbar für deinen Text, die fehlende Gedankenarbeit. Ich lese hier einfach nur, was andere schreiben und hake es ab. Über mich selber habe ich viel zu wenig nachgedacht, die Angst vor Krankheit reicht nicht aus. Die Sucht will befriedigt werden, der Bedienstete einer Sucht will ich nicht sein, ein anderer Ansatz.

    Ich denke mal selber darüber nach.

    Wenn ich alkfreies Bier trinke, reize ich das System jedesmal aufs Neue.
    Das Suchthirn bedient sich aller Sinne. Mal davon abgesehen, dass alkoholfreies Bier nicht 0,0 ist,
    aber auch bei 0,0 Bier registriert das Suchthirn, es sieht aus wie Bier, es ist serviert wie Bier, es riecht wie Bier und es schmeckt wie Bier.
    Das Suchthirn springt an und wähnt sich schon auf der Zielgeraden. Dann trinke ich es und - nichts passiert!
    Die erwartete Wirkung des Suchthirns bleibt aus, entweder weil kein Alkohol drin ist oder in viel zu geringen Mengen.
    Jetzt beginnt der Tanz erst richtig und der kann bei jedem unterschiedlich ausgehen.

    Dankeschön Nayouk,

    so kann ich es verstehen, das hat mir wirklich gefehlt, das Verständnis!

    Rennschnecke, du hast Recht. Selbstmitleid ist dabei....... und in Alkohol könnte ich es ertränken. Ich ertrinke aber dabei mit, das will ich nicht.

    Ich gehe jetzt mal in dem Park hier spazieren und setz mich auf eine Sonnenbank und mach es wie die Sonnenuhr, denk an die schönen Stunden nur.

    Der Anfall wird vorübergehen und das alkfreie Bier ist ab sofort wirklich gestrichen.

    Danke für deine Rückmeldung Hartmut!

    Maerons Schilderung seiner Sorgen hat mich sehr berührt, so geht es mir auch, das hat plötzlich Trauer in mir ausgelöst. Da ist eine Welt, zu der ich mir keinen Zugang mehr erlaube, in der anderen Welt bin ich noch nicht angekommen, eine Grenzgängerin auf dem Schwebebalken.

    Die HALT Regel beachte ich und sorge dafür, dass ich immer satt bin. LAT bin ich aber oft und es fällt mir schwer, das zu ändern. Aktuell bin ich im Urlaub und hier triggert mich nullkommagarnix. Bin zufrieden. Aber ich fahre bald nach Hause und da wird das Kopfkino wieder losgehen. Dann muss ich wieder Atemübungen machen, gerade atme ich von innen heraus ganz ruhig.

    Hallo Maeron,

    Ich will dich nur wissen lassen, dass ich eine Leidensgenossin bin, was das Trinkverlangen angeht, ich finde mich in dem , was du schreibst, wieder. Das Suchtverlangen hat zugenommen, ständig habe ich Verzichtsgedanken und muss Widerstand leisten. Was ich an Stelle von Alkohol trinken kann, was mich auch befriedigt, habe ich noch nicht gefunden. Das ist anstrengend.

    Es ist ein Fehler, alkoholfreies Bier oder alkoholfreien Sekt zu trinken, wird hier immer geschrieben, aber ich tue das. Dies mit dem Gedanken, ich will mir doch nicht alles versagen., es schmeckt mir doch. Jetzt, wo ich es schreibe, werde ich es sein lassen, das wird mir beim Schreiben klar.

    Mit meinen Problemen melde ich mich hier sonst nicht, ich kenne die Reaktionen inzwischen, da ich hier viel lese. Mache das alles mit mir alleine aus. Ich habe auch nicht so viel Zeit, um zuverlässig in Diskussionen zu antworten.

    Ich trinke nicht, trocken bin ich aber auch nicht. Alles besser, als nass zu sein.

    LG Matcha

    PS : Matcha schmeckt furchtbar, finde ich, ich mag nur den Namen

    Nur wenn ich mir diese Eigenverantwortlichkeit eingestehe, kann ich doch für möglich halten und die Zuversicht haben (derer es zwingend bedarf!), auch in eigener Verantwortung das Gegenteil dessen zu tun in der Lage zu sein: nämlich das Glas STEHEN ZU LASSEN

    Diese Aussage bringt mich weiter, danke dafür Opalia .

    Die Schuldfrage stelle ich mir auch nicht, dafür ist der Alkohol zu akzeptiert, zu verfügbar, Kulturgut, wie soll man da bei jedem Schluck an die Suchtfolgen denken und dann ist man schneller in der Sucht, als man gucken kann und das Rad dreht sich immer schneller....

    Die Verantwortung beginnt mit dem Erkennen, dass man in dieser Negativspirale gefangen ist und dass man dann versucht, das Rad zu stoppen.

    Damit bin ich wieder bei der Originalfrage, nämlich, macht es Sinn, die Neuankömmlinge zu der Aussage zu zwingen, sich als Alkoholiker zu bekennen. Meinen Verlauf dazu habe ich gerade nochmal gecheckt. Ich habe es in meinem Eingangsstatement nicht formuliert, auf die Nachfrage hin habe ich das ohne zu Murren aber sofort getan. Mit dem Herzen habe ich nicht dahinter gestanden, der Verstand ließ aber keine andere Antwort zu, ich kenne die Diagnosekriterien.

    Dass ich da erstmals überhaupt mich als Alkoholikerin bezeichnet habe, hat gedanklich sehr viel in Gang gesetzt, fast wie bei einer Krebsdiagnose, diese Fragen, stimmt das wirklich, das kann doch gar nicht sein, bin ich schuld.

    Durch das Forum bin ich schnell dahinter gekommen, dass ich wirklich eine Alkoholikerin bin und nach und nach stellte sich die Akzeptanz ein. Es wurde hier im Verlauf schon von vielen erwähnt, zu akzeptieren ( Verstand+Herz), dass man Alkoholiker ist, ist ein extrem wichtiger Schritt Richtung stabiler und zufriedener Trockenheit.

    Ich finde, dass im Vorstellungsbereich sehr oft rumgedruckst wird. Da kommen laufend Aussagen wie "problematischer Gebrauch", " Alkoholproblem", "nur psychisch" und so weiter.

    Also einmal konstatieren zu müssen, ein Alkoholiker zu sein, das macht das Problemchen dann zu dem Problem, das es tatsächlich auch ist und daran scheitern dann einige. Also ich finde es goldrichtig, das so zugeben zu müssen, denn das hat auch etwas Befreiendes und trägt zur Lösung bei.

    Nun denn, ich bin eine Alkoholikerin, weiter geht's.....

    Ich hab das geschafft durch Diszplin und Achtung vor dem neuen Organ, durch das ich weiterleben konnte.

    Hallo Disziplin,

    Das berührt mich, dass die Achtung vor dem neuen Organ ( Leber eines Verstorbenen) deine Sucht besiegt hat. Ich freue mich für dich und auch für den Verstorbenen.

    Und nun lasst uns andere unsere eigene alte Leber weiter achten und behüten.

    LG Matcha

    Und was das Lügen beim Arzt angeht, da bin ich dabei. Vor Blutabnahmen Trinkpause, geht doch, also bin ich nicht abhängig. Ich habe aber dann doch gemerkt, dass ich abhängig bin. Die Alkoholmenge, die ich vertragen konnte, spricht auch für sich. Jetzt bin ich krass erschüttert, wie schwierig es ist, trocken zu bleiben und wie lange die Erholung dauert. Ich will zukünftig noch das Nikotinkaugummi loswerden, das schiebe ich aber weit nach hinten, das wird wohl noch schwieriger werden.