Beiträge von Oskar

    Kaum ist man mal einen Tag weg, gehts hier los... sehr schön!

    *Rina* - Du warst nicht allein und es war gut so. Tee Begeisterung ist ansteckend!

    Das war bei mir ähnlich. Habe Unmengen an Sorten und habe ständig und überall Tee getrunken.

    Interessant - auch Dein Thread - da halte ich beim Lesen immer an der Stelle an, wo ich jetzt gerade bin und vergleiche Dein Protokoll mit meinen Erfahrungen zu dem ca.-Moment. Nun ist Vergleich einerseits Quatsch und ich gucke auf mich selbst, andererseits gibts Unterschiede wie Stärke/Vorhandensein des Suchtdrucks, aber auch Parallelen, wie die Unmengen Flüssigkeit in einer bestimmten Phase. Las ich öfter. Also mir kam das 1-2 Monate lang wie gieriges Teesaufen vor (da nehme ich bewusst mal das Wort; nie beim Alk so erlebt). Ich dachte mir, einfach mal 'ne Weile das System richtig gründlich durchspülen... Allgemein habe ich mich in den ersten Monaten wenig gezwungen und vieles einfach laufen lassen.

    Mit der Sauferei geriet das mehr oder weniger in Vergessenheit

    Ja, das bedauere ich (auch), aber es ist Vergangenheit und gemachte Erfahrung. Vieles ist langsam eingeschlafen, so wie sich die Sucht immer mehr einschlich. Bei mir schätze ich es auf ca. 3-4 Jahre, wo der Alk mich immer intensiver beeinträchtigte.
    Interessant auch Dein Thread im Vergleich, aber Du bist ja dann leider im Untergrund abgetaucht... ^^

    Ja, auch Drachenbrunnentee genannt. Kann ich sehr empfehlen. Ist aber eine teuere Sorte und daher kein Alltagstee.

    Tee war mir ca. ab Monat 3 bis vor einer Weile eine gute Hilfe. Habe viele Sorten ausprobiert und zeitweise heftig mit der Menge übertrieben. Eine Zeit lang dachte ich, aha, das ist also meine neue Sucht ... oder eher oralen Ersatzbefriedigung... Hat sich inzwischen aber wieder gut einreguliert. Mein Sorten und Zubereitungs-"know how" würde inzwischen für einen Text in der Rubrik "Leben mit der Abhängigkeit" ausreichen. :D

    Oh je, verrechnet... hätte meine Finger benutzen sollen. Nun hoffe ich nicht, dass ich da irgendwas getriggert habe wegen Anstoßen und so. Falls ja bitte ich um Entschuldigung.

    Ich war zwar schon immer ein Teefan, aber grüner war sehr lange auch garnicht mein Fall. Erst letzten Jahreswechsel bin ich da tiefer eingestiegen (loser Blatt-Tee, keine Beutel - ist ne ganz andere Dimension). Da gibt es sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen, die überhaupt nicht an Grüntee erinern (z.B. Oolong).
    Aber ich will nicht missionieren. Es gibt so viele schöne Getränke, kalt wie heiß. Irgendwo hier ist auch ein Rezeptthread dafür - oder Suchen.

    Liebe Matcha, habe alles mal durchgelesen. Passierst in den nächsten Tagen ja einen halben Meilenstein - 6 Monate - sind doch was. Ein Grund ... (hätte man "früher" gesagt ..) ... für einen ganz besonderen Matcha zum Beispiel. Oder einen guten Gyokuro ... zur Belohnung (oder irgendwas anderes Schönes, falls ich ne falsche Assoziation hatte)! Blick auf das 1. Jahr geradeaus! Es wird besser und stabiler werden, auch wenn es zwischendurch holpern mag.

    "Nur psychisch abhängig", das war ich auch.

    Ick och! Die klare Erkenntnis hatte ich. Gut zur Beschwichtigung, weil da zitterte doch noch nichts. Nichtmal, wenn ich mit dem Fernglas die Sterne anguckte.
    Für die Wissenschaft als Kategorie/statistische Eingruppierung tauglich aber für den Betroffenen irrführend zu weiterem Leichtsinn. Seinen eigenen Dachschaden produziert man auch mit diesem Prädikat. Hoffentlich reparabel. Bei mir ging es noch etwas weiter ohne richtiges Zittern. Es zitterte nichtmal beim Entzug, aber da war anderes, was ich nie wieder haben möchte: Ein Kreislauf hart an meiner Alarmmarke. Plötzlich so ganz körperlich. Also sehr trügerisch diese Eingruppierung.

    Zum Vergleich der Trinkmengen etc. Ich glaube, es bringt gar nichts. Mein Quantum war lange wie Deines (1 Fl. Rotwein, manchmal auch ne zweite halb oder ganz). Kampfgewicht damals 100 kg Mann. Kann man nicht vergleichen mit womöglich einer halben Frau, also gewichts und enzymmäßig. Dto. nicht die Aus- und Nachwirkung, die Zeiten, bis dies und das wieder genesen ist oder das Aufkommen von Saufdruck - alles sehr individuell. Daher vor allem: Blick auf sich selbst.

    Solange ich darüber nachdenke, ob meine Abhängigkeit körperlich oder psychisch bedingt ist, habe ich meine Alkoholkrankheit noch nicht vollständig akzeptiert. Es erinnert mich an früher am Stammtisch, wo ich mein Trinkverhalten mit anderen verglich und mir einredete, dass es nicht so schlimm sei, schließlich gab es Menschen, die noch mehr tranken als ich.

    Ich erinnere mich auch gut. Paradox wird es, wenn einer der Freunde am Tisch selbst Arzt ist... (der hat damals im späteren Zwiegespräch abgewiegelt, als ich ihm sagte, eigentlich sind wir nach dem gängigen Maßstab doch auch schon Alkoholiker... Inzwischen trinkt er nichts mehr, das Thema wird aber eher vermieden). Es sind auch nur Menschen...

    Damit stelle ich nicht seine fachliche Kompetenz in Frage - der ist richtig gut in seinem Fach.

    Mir ist direkt bis "hart & herzlich" deutlich näher als die grassierende Hypertoleranz.
    Mein Ziel ist eine zufriedene stabile Abstinenz, ohne geballte Faust in der Tasche - unverkrampft trocken, nicht kampftrocken. Deshalb bin ich ja hier hergekommen und werde bleiben.

    Es ist wohl ein Langstreckenlauf. Den ersten kleinen aber schwersten Teil habe ich alleine bewältigt. Allein war eigentlich unnötig, risikobehaftet und ist keine Empfehlung wert (bin eben so gestrickt und ziehe daraus auch Kraft und Tiefenwirkung, auch bei anderen Themen).
    Ganz allein stimmt aber auch nicht ganz. Etwa 6 Wochen nach Alkoholstopp war ich an einem Punkt, wo ich merkte, es wird wackelig, wenn ich jetzt nicht rede/Hilfe habe, dann könnte ich demnächst weich werden. Also bin ich zu meiner alten AA-Gruppe gegangen, die ich vor vielen Jahren ein Vierteljahr lang besuchte. Dreimal war ich da, dann war das Tal durchschritten. Dafür bin ich dankbar. Aber die Monologe dort sind auf Dauer nicht meins, da ist mir die direkte Entgegnung hier lieber - noch dazu jederzeit, besonders falls Not am Mann.

    Die Wegstrecke ist noch lang, wobei für mich mit 60 + auch manche Option abgelaufen ist (oder scheint) oder mir nicht mehr reizvoll erscheint. Aber es gibt noch viel zu entdecken, Vieles interessiert mich, bin immer wieder neugierig wie ein kleiner großer Junge - es würde für mehrere Leben reichen.

    Respekt ist ein sehr treffendes Wort, das ich mir auf den Wanderstock für meinen weiteren Weg schnitzen werden.

    Gestern war wirklich ein wunderbarer Tag. Das zurückgenommene Denken tagsüber habe ich am späten Abend intensiv nachgeholt. Meine innere Zustandsbeschreibung korrigiere ich:

    Null Druck, Null Verlustgefühl -- trifft vollkommen zu und ist stetig. Der Alkohol ist mir wirklich gleichgültig geworden.
    Aber das Gefühl "frei zu sein" streiche ich vorerst. Denn für diese Freiheit brauche ich noch mehr Zufriedenheit mit meinem Leben und Stabilität - eine wieder ausgewogene innere Mitte. Ich bin noch nicht in Balance, aber habe mich schon deutlich stabilisiert gegenüber den ersten drei nüchternen Monaten.

    Die spürbaren Veränderungen werden wohl noch weitergehen. Bei einigem, was ich bemerke, bin ich mir nicht sicher, ob es bereits vor dem zunehmenden Alkoholkonsum vorhanden war, durch ihn nur verstärkt oder durch ihn erst ausgelöst wurde. Jedenfalls scheint er nicht die Ursache "für alles" zu sein. Diese Überlegung ist kein Hintertürchen - der Entzug und die ersten 2-3 Monate haben mir bestätigt und drastisch vor Augen geführt, dass ich ein Alkoholiker bin.

    Meditation, auch Joga kenne ich; hab ich mich schon beim Studium zum Gaudi meines Zimmerkollegen mit beschäftigt. Sehr lange her und eingeschlafen. Bin aber dabei, es zu reaktivieren, so wie manche auf der Strecke gebliebene Passion. Ich bin ein ruhiger und ausgeglichener Typ, viel innere Ruhe, manchmal schon zu stoisch. Das Gedanken loslassen dient mir eher zur allgemeinen Entspannung/Erholung.

    Die Sauferei war ja auch um "weniger" zu denken.

    Kann ich für mich so nicht bestätigen. Richtig betäuben wollte ich mich nie, eher in eine bessere Stimmung bringen (Weichzeichner, Stimmungsaufheller), Denken trotzdem durchaus intensiv - nur nicht an alles... Womöglich meinen wir trotzdem das Gleiche.

    Meine kleine Konfrontationstherapie war Januar-Februar, aushäusig. Da war ich knapp vier Monate nüchtern und hatte das Risiko vs. meinem Zustand schon gut bedacht. Erst als ich mich hier vorige Woche anmeldete, las ich irgendwo das Stichwort "visualisieren" und sah die dadurch ausgelöste kleine Welle. Habe mich dann noch tiefer damit beschäftigt.Ich verstehe die Gefahr vollkommen und hatte auch keinesfalls vor, das Risiko für mich weiter herauszufordern (und auch nicht weiter zu thematisieren). Also keinerlei Empfehlung!
    Mein Haus dagegen ist vorbildlich alkoholfrei. Das wird auch so bleiben. Das war es sogar fast durchweg als ich noch trank, denn ich kaufte immer nur meine tägliche Ration ein.

    Ich finde es gut, daß Du nachgefragt hast. Danke Alex!

    So eine Fokusverlagerung auf andere, auch wenn ja sehr dosiert, und gleichzeitigem Schweigen über mich selbst könnte ja ... zumal ich's ja schon erwähnte: bei mir lauert am ehesten an solchen Wundertagen die Gefahr des Leichtsinns und Übermuts. Aber da war/ist nichts zu verspüren. Habe das zunehmend festere Gefühl, "frei zu sein", null Verlustgefühl, null Druck. Habe das auch mehrfach ausgetestet - auf meine Art. Aber keinesfalls will ich das bereits als gesichert betrachten und bleibe vorsichtig. Irgendwann wird das Teufelchen bestimmt unverhofft auftauchen.

    Mein Blick auf die Realität, mein Denken, meine Gefühle haben sich verändert und das wird sich bestimmt noch fortsetzen. Manche realen Probleme sind geblieben; die bin ich dabei zu lösen oder muß mich ihnen noch stellen - ohne Weichzeichner, ohne "Lösungsmittel".

    Heute aber war Faultiertag, da habe ich einfach mal alles losgelassen und zeitweise versucht, nichts zu denken.

    Es war ein wundervoller Tag, *genau so* wie das heutige strahlende Wetter. Gestern ungewöhnlich früh ins Bett, heute lange ausgeschlafen. Ich saß vorwiegend auf der Terrasse, lesend. Die Sonne kitzelte meinen Pelz, meine beiden Katerkollegen lagen schnurrend in Griffweite, im Dickicht trällerten und schluchzten die Nachtigallen (immer noch). Nur selten war ein Mensch mit leisem Geräusch weiter weg zu vernehmen. Der Long Jing duftete und schmeckte ... pa­ra­die­sisch. Echt. Keine Ironie.

    Ich winke Euch mal zu! :thumbup: Bin auch ein Fahrradfan und baue seit 20 Jahren meine Räder selbst auf.

    Haltbarkeit Kette bei mir auch so 2500-3000 km - je nach Dreckmenge und je nach Art des Rads. Kettenverschleißlehre ist sinnvoll. Trotzdem bin ich an einem Rad dazu übergegangen, den Antrieb restlos runterzufahren (bis es auf 2 größeren Ritzeln überspringt) und dann komplett zu wechseln. Weil es oft so ist, dass nach etwas zu spätem Kettenwechsel die Ritzel nicht mehr richtig "passen" (manchmal knirscht es sich aber noch zurecht).
    Alex - bei Dir würde es sich ggf. lohnen, nur das kleine 11er Ritzel zu wechseln - die gibt es immer einzeln, die größeren oftmals nicht.

    Bei der Suche nach einer neuen Frau für's Leben hatte ich eine kurze Phase, bei der ich recht dicht nacheinander mehrmals Frauen traf, die erhebliche Probleme mit sich selbst hatten. Sie zogen mich an und stießen mich gleichzeitig ab. Meine Antennen auch dafür waren sehr fein und intakt, aber Etwas innen drin in mir wollte kurzzeitig die erkannten Wahrheiten nicht wahrhaben und sie zog mich magisch an. Es hat mich jedesmal ziemlich mitgenommen, ging aber nie über drei Treffen hinaus, meistens habe ich es beendet. In einem Fall aber habe ich mich fast "festgebissen" - und nur ein unglückliches Missverständnis hat einen Diskussionsprozess (Telefon/Mail) ausgelöst, der mir drastisch vor Augen führte, in was ich da hineingerannt wäre.

    Quintessenz: Auf sich selbst und seine Befürnisse schauen. Tut mir jemand gut (auch weitergedacht: nicht nur in lieblichen Phasen...)? Bei Problemen/Ecken & Kanten - ist ein Einvernehmen, ein Kompromiss realistisch möglich; für Schwerwiegendes: gäbe es eine Lösung, wie wahrscheinlich ist diese und dauerhaft? Was "kostet" es an eigener Lebenszeit und Zufriedenheit? Wie gefährlich könnte es werden (im übertragenen Sinne und in echt)?

    Aber auch (für den Rückblick): Warum ziehe ich so Jemanden an? Mehr noch: Warum zieht es MICH zu so Jemandem hin? Warum liebe (zunächst ja: begehre) ich bis in die Unvernunft hinein? Warum kann ich nicht loslassen, wenn die Sinnlosigkeit mich förmlich anschreit??

    Rein rational und zudem noch von außen betrachtet lässt es sich leicht reden...
    Eine kluge und rationale Entscheidung wünsche ich Dir, von Herzen, auch wenn es sich kalt lesen sollte!

    Nochmal über die Frage nach meiner gegenwärtigen Signatur "Wer verzichtet, gewinnt." nachgedacht... Zunächst musste ich ja ein bisschen schmunzeln über die - wie mir schien - Wortklauberei. Ich denke, meine Erläuterung dazu war dann verständlich und einleuchtend.

    Aber die Signatur könnte im Rahmen unserer ernsthaft geführten online-SHG womöglich für manchen Leser missverständlich sein. Da es den mMn. zentralen Punkt einer erfolgreichen zufriedenen Abstinenz betrifft, verzichte ich auf diese Signatur hier im Forum.

    Ja, das halbe Jahr damals sehe ich im Rückblick auch als Trinkpause. Ich wollte Abstinenz, aber die irrige Ideal-Vorstellung vom "seltenen gemäßigten genussvollen guten Schluck" blieb im Kopf und ich fand es jammerschade, mir die "Fähigkeit" dazu verdorben zu haben - ein Verlustgefühl.
    Damit ist keinesfalls "KT" gemeint, davon hielt ich noch nie etwas; mir schwebten ursprünglich mal sehr seltene Anlässe ohne jede lästige Tagebuchplanung vor. Funktionierte nicht auf Dauer. Ich kann mit Alkohol nicht umgehen, er beherrscht mich am Ende doch. Ich kann es nicht beweisen, aber glaube, meine Gehirn-Selbstwäsche (#3) ist schon erfolgreich gewesen. So zumindest mein Gefühl bis jetzt - diesmal ganz anders und keinesfalls wie eine Pause: Entspannter, ohne Druck und ohne jedes Verlustgefühl.

    Das Laozi-Zitat "Wer verzichtet, gewinnt." ist eine Leitlinie, die ich in meinem Leben allgemein anstrebe. Ein anderes mir wichtiges ist "Ich weiß, dass ich nichts weiß." von Sokrates. Das erste mit seinem Verzicht hat für mich also gar nicht direkt mit Alkohol zu tun, erschien mir aber durchaus passend. Der Verzicht darin meint ja keinen Verlust, sondern einen Gewinn durch freiwilliges Loslassen.

    Ich WILL nie wieder Alkohol trinken und ich vermisse dabei auch nichts. Er ist mir gleichgültig geworden.

    Ich bin sehr dankbar, dass es dieses Forum gibt. Das Lesen hier bringt mir sehr viel. Biografien lese ich ohnehin gern und die hier z.T. zu findenden sind extrem hilfreich für das Durchdenken des eigenen Lebens-/Suchtverlaufs und aktuell vor allem für die Gestaltung meines abstinenten Daseins.
    Beim Durchsuchen alter Beiträge bemerkte ich plötzlich, dass ich hier doch vor laaanger Zeit - 2009/10 schon mal sehr intensiv mitlas. Als das - inzwischen - Urgestein namens Silberkralle hier seine prägnanten Beiträge schrieb.

    Kurze Zeit später habe ich den einzigen richtig ernsthaften Versuch unternommen, dauerhaft abstinent zu bleiben. Es gab dafür keinen schwerwiegenden Anlass, keinen Druck, es war meine eigene Entscheidung. Es ging gut, fiel mir leicht, ich war sehr schnell regeneriert, hatte keinerlei Suchtdruck und (zu) viel Euphorie. Dieser eine kleine harmlose Glühwein nach einem halben Jahr war dann meine ganz bewusste Entscheidung, genauso wie das eine Glas Rotwein zu Heiligabend, Sylvester blieb danach sogar alkfrei - tja, ich konnte den Teufel beherrschen ... dachte ich. Im Laufe des folgenden Januars ging ich dann schleichend zurück auf Start, die Rechnung ist noch offen. Manchmal - je nüchterner ich werde, um so mehr - muss ich über mich mit dem Kopf schütteln... wie dumm war ich doch - oder besser, wie leichtsinnig (und ein wenig hochmütig).

    Einen Vorteil hatte meine frühe "theoretisch-fachliche" Beschäftigung mit dem Alkoholismus aber schon. Die z.T. horrorartig anmutenden Biografie-Verläufe warnten mich bereits sehr früh, niemals so enden zu wollen. Dies erschien mir immer als eine Selbstkontrollmöglichkeit im Sinne eines Zustandslimits. Zudem war es bis zum (nun hoffentlich endgültigen) Stopp immer noch so, dass ich nie eine richtige Gier empfand, ich konnte schon noch stoppen, nur ich WOLLTE es nicht, und lange Zeit schmeckte es mir ja auch und ich empfand es als angenehm. Über die Gründe dafür habe ich immer wieder mal nachgedacht und werde sie irgendwann auch hier aufschreiben.

    Einen Nachteil hatte die "Methode" auch: ich habe es dadurch sehr lange getrieben, ohne abzustürzen. Und ich unterschätzte die schleichende Gefahr, voll in den Strudel gerissen zu werden - eben weil mir ein gierige Saufen fremd war und fremd blieb. Aus der Flasche trinken: nur outdoor und da eher gar nicht. Einen Flachmann habe ich mein Leben lang nicht gekauft. Einen richtigen Tiefpunkt hatte ich nach meinem Gefühl nicht, auch keinen Anlass zum letzten Stopp - außer ein Quentchen Restvernunft, fast unmittelbar an der Abbruchkante. Denn die knappe Flasche Whisky pro Tag konnte ich auf Dauer nicht mehr spurlos wegstecken. Den Ausstieg habe ich mit mir allein ausgemacht und es hat bisher funktioniert. Meine Lektion Demut habe ich inzwischen gelernt.

    Wie es mit dem weiteren öffentlichen Schreiben über mich aussehen wird, weiß ich noch nicht. Zwar schrieb und schreibe ich mir Vieles auf, scheue mich aber, zu viele Details öffentlich auszubreiten. Mir wäre da ggf. die hiesige geschlossene Abteilung lieber - wenn ich sie mir ggf. später dann mal angucken kann.

    In dieser Phase jetzt will ich vorwiegend nach vorn schauen und weniger zurück, vorwiegend auf mich, weniger auf andere. Zurückgeben will ich durchaus auch, gemäßigt, eher zurückhaltend und vor allem nicht neunmalklug.

    Es geht mir - in schneckenartigem Tempo - zunehmend besser. Und nun und jetzt: Alles neu macht der Mai!

    Die Situation/Geschäftsmodell bei Dir habe ich noch nicht völlig verstanden. Kann mir aber gut vorstellen, dass es ein komisches Gefühl auslöst, wenn das Umfeld ganz freiwillig und unaufgefordert ein "feindfreies" Feld und Verhalten zu meinen Gunsten schafft. Würde es höchstwahrscheinlich als latente Bemutterung (=Bevormundung) empfinden und wohl auch paradoxe Gedanken (Widerstand) entwickeln. Andererseits bietet diese "Maßnahme" aber gerade in der gegenwärtig noch etwas wackligen Deiner Stabilisierungphase eine deutliche Verbesserung des Umfelds für Dich. Fast entsteht der Eindruck, Deine Partner haben die Lage besser erfasst als Du selbst? Zumal Du ja Deine Thematik offenbar nicht offen angesprochen hast.

    Entscheidend ist und bleibt DEINE eigene Selbstsicherheit und Souveränität im Umgang mit dem trockenen Leben und speziell mit dem allgegenwärtigen Alkohol. Das wächst, gedeiht und stabilisiert sich mit der Zeit, es braucht Geduld, Beharrlichkeit, Selbstdisziplin. Und auch offene klare Kommunikation... insofern ist so ein offenes Gespräch bestimmt sinnvoll. Ein alkoholfreies Umfeld besonders jetzt, für diese Saison könnte aber für Dich nur förderlich sein - insofern würde ich nicht zu viele "Andererseits" betrachten, sondern ganz egoistisch Deinen Vorteil in den nächsten Monaten.

    Danke.

    Im Gegensatz zu früheren "Versuchen" (auch mal ein halbes Jahr) ist diesmal etwas Entscheidendes anders: Ich hatte mir vorab die Vorstellung aus dem Kopf "radiert", irgendwann sei eine Rückkehr zu einem "genussvollen Schluck" möglich - selten, kultiviert etc. pp. Nein, geht nicht, mehrfach probiert, Experimente gescheitert, funktioniert nicht dauerhaft. Bis vor dieser erwähnten Zuspitzung sah ich mich nicht als Alkoholiker, sondern gefährlich an der Grenze zur Sucht lavierend. Der Umschwung auf Whisky führte aber schleichend zu zunehmender Gleichgültigkeit gegenüber dem Geschmack; die Trinkzeit weitete sich aus, ... - ab diesem Moment schätzte ich mich als Alkoholiker ein und meine Warnlampen leuchteten immer heller.

    Das letzte Glas trank ich am 30.9. Es sind also bald 7 Monate. Nach den ersten Wochen geht es mir seit dem Jahreswechsel zunehmend besser. Keinerlei Suchtdruck, vielleicht 2-3x ein Mini-Impuls, der sofort verflog. Der Trocknungsprozess verlief aber keinesfalls mit Hurra-Stimmung sondern diesmal und erstmals recht zäh. Allerdings mit einer guten inneren Verfasstheit, den Alk endgültig hinter mir lassen zu wollen.

    Ich bin also optimistisch und bleibe dennoch vorsichtig. Will mich gegen ggf. aufkommende Gelüste wappnen und diesen rechtzeitig entschieden begegnen. Die lauern bei mir eher bei Hochstimmung; bei Problemsituationen habe ich Alk aus Prinzip weggelassen oder minimiert. Die Vorsicht ist auch der Grund für meine Anmeldung: ich will mich immer mal wieder sensibilisieren, ggf. austauschen - denn ich bemerke in den letzten Wochen eine Wandlung zu *wirklicher* Nüchternheit vergessener Qualität und da kommen wohl noch ein paar neue Fragen bei mir hoch.