Guten Morgen an Alle,
Es wird mal wieder Zeit für ein Update, auch wenn nichts wirklich gravierendes passiert ist.
Die Medikation ist soweit durch, jetzt gibt es noch ein Mittel gegen craving. Ob es wirklich hilft oder ob es ein Placebo Effekt ist kann ich noch nicht beurteilen.
Fakt ist, die zweite Woche ohne Alk war ab Montag rum. Bald ist es 1 Monat.
Ich muss zugeben, dass mir die Beiträge hier sehr geholfen haben, insbesondere vorsichtig zu bleiben.
Gestern war ich kurz im Ort einkaufen. Auf dem Marktplatz ist Nachmittags immer der ortsansässige Alki-Treff. Ich muss zugeben, es hat mich getriggert. Was Paradox ist, denn einerseits sah ich wie einer der Herren sich genüsslich einen großen Schluck Bier aus der Flasche einverleibte, bei strahlendem Sonnenschein in illustrer Gesellschaft, so Sorgenfrei sah das aus. Andererseits dachte ich mir, das wars doch bei dem. Da kommt nichts mehr. Die sitzen da Tag für Tag, labern Müll, saufen von Morgens bis Abends und das wars.
Warum hat mich das dann im ersten Moment getriggert? Will ich da etwa auch hin? Vermeintlich sorglos in den Tag reinleben, keine Verantwortung, die einzige Sorge ob genug Geld für Sprit da ist.
Da musste ich tatsächlich kurz drüber nachdenken wie es wäre wenn ich da sitzen würde mit genau den Prämissen.
Ich kann das nicht. Ich kann das einfach nicht. Das Leben bei denen und in dem Fall bei mir ist in so einem Zustand beendet. Das ist kein Leben mehr, das ist ein Tag für Tag vor sich hin vegetieren. Genau das Gegenteil von dem was ich will. Ein absoluter Alptraum, null erstrebenswert.
Interessant ist jetzt, wenn ich nochmal anfangen würde zu saufen, weiss ich irgendwie dass genau dort meine Endstation wäre. Es wurde ja nach jeder pause in den letzten Jahren von mal zu mal schlimmer.
Vielleicht ist es gut dass mich das getriggert hat. Aktiv nachdenken über die zwei Wege die ich gehen kann und die Konsequenzen. Ich muss mir manchmal wirklich vor Augen führen was auf dem Spiel steht. Ein einziges Bier gab es und gibt es nie bei mir. Das nächste folgt automatisch. Die Parkbank kommt in greifbare Nähe, der Rest löst sich von selbst (Ehe, Job, Freundschaften).
Oder, ich scheisse einfach auf dieses Bier oder den Flachmann oder wie auch immer. Kein erstes Bier, kein garnichts. Ich lebe alk-frei, glücklich und in der Realität, habe keinen Stress mit Frau, Essen schmeckt wieder, Schlafe gut, bin erholt und fühle mich einfach gut.
So klar die Entscheidung jetzt für mich ist, so unklar war sie noch vor Monaten. Worauf ich jedoch hinaus will, das Suchthirn nutzt sogar die vermeintlich absurdesten Situationen aus um an Stoff zu kommen. Kein normaler (gesunder) Mensch wäre getriggert von nem Alki auf ner Bank. Ich schon.
Also, lasst euch nicht vom Alk oder Suchthirn verarschen.
Liebe Grüße,
Paul