Paul_ - und jetzt bin ich mal dran

  • Hallo Liebe Mitglieder,

    Kleines Status update: 1 Woche ist rum. Es war eine turbulente Woche, zumindest in meinem Kopf. Vorab schonmal herzlichen Dank an dieses Forum, es hat mich jeden Tag in meiner Entscheidung zusätzlich bestärkt den einzig richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

    Ich habe festgestellt, dass mir soziale Kontakte sehr gut tun. Gelegenheiten auf denen Alk konsumiert ist lass ich aus, aber mal mit Freunden einen Kaffee trinken ist super. Hab mich dabei erwischt dass ich die ganze Zeit über nicht einmal an Alk gedacht habe, erst auf dem Heimweg kam der Gedanke "Ach da war ja noch was". Aber eben nur der Gedanke, kein Verlangen.

    Ich glaube ich habe lange nicht mehr so gut geschlafen wie letzte Nacht. Kein aufwachen um 5 Uhr morgens mit Puls bis zum Anschlag. Oder kein Aufwachen und bis Nachmittags nicht richtig klar kommen auf die Welt. Einfach schön.

    Diese Woche wieder ein Termin beim Arzt, aber da wird es wohl auch nichts weltbewegendes geben.

    Ansonsten gestalte ich den Tag so, dass ich genug beschäftigt bin. Werde auch Abends wieder müde statt aufgedreht. Vorher war das ja mehr ein ins Bett fallen weil ich voll war.

    In dem Sinne, allen eine gute Zeit!

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Sehr gut, eine Woche gemeistert. Glückwunsch!

    Aus abstinenten Tagen werden Wochen, Monate und Jahre....:thumbup:

    Hast du dir die Grundbausteine schon einmal durchgelesen ?

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo an Alle,

    vielen Dank für die Reaktionen.

    Nayouk24 Genaus so soll es werden. In kleinen Schritten auf die Jahre zu. Die Grundbausteine hab ich mir wiederholt durchgelesen und fast genau nach denen gestalte ich jetzt meinen Alltag. ich habe mir auch den gepinten Beitrag zur Therapie durchgelesen, da steht ja auch drin, Schritt für Schritt. Also warte ich noch mit Therapie und sehe zu, dass ich mich sicherer fühle.

    AnnaBlume Hallo Anna, danke der Nachfrage. Das Wochenende ist irgendwie gut an mir vorbei gegangen. Ich habe etwas aufwendiger gekocht, mit meiner Frau Schrott im Fernsehen geschaut, Freunde getroffen und die Sonne genossen.

    Mir kam schon das ein oder andere mal im Kopf, wie ich bei ähnlichem Wetter draussen auf der Parkbank sitze und mir jedes mal wenn keiner guckt einen Schluck aus den Flachmännern reingiesse. Der Gedanke widert mich gerade wieder richtig an. Das hat er damals auch ein bisschen getan, aber besoffen ist man sich ja für nichts zu schade. Furchtbar.

    Seit ein paar Stunden ist ja bei mir so die übliche Sauf-Zeit, also das Fenster in dem ich getrunken habe. Wahrscheinlich wäre ich jetzt halbwegs voll, würde nichts vernünftiges mehr machen und morgen früh würde ich bis 17 Uhr warten bis es wieder weiter geht. Ne... Wirklich kein Bock mehr drauf mein Leben so ausm Fenster zu werfen. Also, Tag 8 ist bis jetzt wie erwartet gut gelaufen.

    Liebe Grüße an Alle,

    Paul

  • Hallo Paul, ja das Leben ohne Alkohol erhält eine ganz andere Qualität. So gut wie alles wird schöner, besser, ich nehme Dinge viel intensiver wahr, der Schlaf hat eine sehr viel höhere Qualität.

    Bei den ganzen positiven Veränderungen solltest Du aber niemals vergessen, daß sich bei Dir ein Suchthirn in Deinem Kopf gebildet hat, welches weiterhin aktiv ist. Es dauert bis es anfängt zu schlafen. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis Du etwas sicherer werden wirst und das Suchtgedächnis immer weiter schlafen wird. Im ersten Jahr sind die Rückfallquoten enorm, Fachleute sprechen von 90%, die im ersten Jahr wieder zur Flasche greifen.

    Bleibe wachsam und nim weiterhin alle Hilfe an, die Du bekommen kannst. Dann hast Du eine Chance, Abstinent zu bleiben.

    Ich wünsche Dir alles Gute.

  • Guten Nachmittag an alle,

    habe mich die letzten Tage nicht gemeldet, dafür gab es aber keinen besonderen Grund. Soweit ist alles gut, das "Fenster" in dem sich die Gedanken an Alk einschleichen wird zunehmend kleiner, ist aber dennoch da. Immer so ab 17 Uhr bis Abends. Ab 10 Uhr ist für gewöhnlich Ruhe. Die zweite Woche neigt sich mittlerweile dem Ende, Am Montag sind es dann 2 Wochen. Hab im letzen Jahr nach dem Rückfall nicht annähernd so eine Lange Pause durchgehalten. Aber genau das ist der springende Punkt. Ich sehe es jetzt nicht als Pause sondern es ist ein endgültiger Entschluss.

    Stromer Als sicher würde ich mich jetzt auf keinen Fall bezeichnen. Dafür habe ich schon zuviel hier im Forum gelesen, mitunter von Leuten die sich auch in Sicherheit gewogen haben. Mein suchthirn kenne ich nun ganz gut, schliesslich sind wir schon über 20 Jahre zusammen aktiv gewesen. Dass das nicht von heute auf morgen oder binnen paar Monaten verstummt weiss und merke ich. Es laufen hier jedoch genügend Personen im Forum rum, die wie ich meine, mindestens genauso wie ich eine vermeintliche Lösung im Alkohol gefunden haben und dennoch das Fatale an der Sauferei erkannt haben und jetzt glücklich ohne Leben. Das ist eine sehr große Motivation, da ich in meinem Umfeld keine Alkis habe. Will ich auch nicht, reicht dass ich mich um mich kümmern muss, da hätte ich keine Zeit und Kraft mich noch mit solchen Problemen auseinanderzusetzen und in Gefahr zu begeben. Ergo, ausser dem Forum und einer Alkoholfreien Umgebung hab ich nichts weiter, es kommt jetzt auf mich an.

    Jedenfalls danke ich dir für die Worte und die mahnende Erinnerung, ich freue mich jeden Tag mehr auf die Zukunft. Wie Du ja implizierst, wird das Suchtgedächtnis mit der Zeit immer blasser.

    Ich schlafe jetzt in letzter Zeit viel mehr. Auch mal am Vorabend für ne Stunde. Nachts dann durch. Als ob ich den Schlaf der letzten Monate nachholen müsste. Ich trinke auch viel mehr Wasser und Tee, nicht als Ablenkung sondern weil ich einfach Durst habe. Heisshunger Attacken wie ich sie gerne mal so gegen 11 Uhr Abends hatte sind hingegen weg. N Schokoriegel tuts dann auch völlig, aber nicht ne ganze Tüte Chips oder am besten noch ne TK-Pizza wie noch im Vollsuff.

    Was mich hingegen die letzten Tage hier im Forum zusätzlich motiviert/geschockt hat, sind die Berichte von Angehörigen. Ich bin eine soziale Person, zumindest nüchtern. Dann zu lesen wie es dem Partner, der Familie ergeht wenn man kräftig am saufen ist und nicht merkt was für ein Leid man verursacht, ist schon ein anderes Kaliber. Also nicht nur aus Verantwortung mir gegenüber, sondern auch meiner Familie gegenüber sehe ich, dass es einfach nur einen einzigen Weg für mich gibt.

    In dem Sinne, auf das Wochenende!

    Derweil versuche ich nochmal meine Sauce die ich heute morgen angesetzt habe irgendwie zu retten. Das wird mir sicherlich gut Zeit abverlangen.

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Nachdem ich entgiftet war, habe ich mir als erstes eine für mich passende Selbsthilfegruppe gesucht. Parallel habe ich eine ambulante Langzeitterapie gemacht. Beides hat mir gut getan und vor allem habe ich sehr viel sehr wichtiges für mich mitnehmen können.

    Ich war im ersten Jahr meiner Trockenheit nicht streng mit mir. Ich habe mir vieles gegönnt, was ich sonst nicht so gemacht hätte wie z.B. mag ich sehr gerne Cola aus den 0,33L Glasflaschen. Ich habe auch Colawürfel eingefroren um die Cola unverdünnt sehr kalt zu bekommen. So mag ich sie besonders. Süßigkeiten habe ich mir auch gegönnt immer nach dem Motto: besser als Alkohol. Nach einem Jahr wurde ich wieder strenger mit mir. Aber das erste Jahr war gut geschafft. Ich war so mit ambulanter LZT und SHG und dadurch mit mir beschäftigt, ich bin echt gar nicht auf die Idee gekommen, noch mal zu trinken. Ich habe mir immer wieder vor Augen geführt, was Alkohol eigentlich ist: eine legale harte Droge, die nur erlaubt ist, weil die Menschheit sich damit seit Jahrtausenden nur zu gerne betäubt und Alkohol dadurch zum Kulturgut geworden ist, wodurch jährlich tausende Menschen wirklich elendig krepieren. Stell Dir nur mal Schützenfest oder Karnevall ohne Alkohol vor? Undenkbar. Das sind reine Saufveranstaltungen.

    Ich will diese legale Droge nicht mehr konsumieren. Wie blöd müsste ich sein, wenn ich das noch ein Mal täte? Ich weiss noch ganz genau, wie dreckig es mir früher durch den Alkohol ging und ich weiss, dass wenn ich nur ein mal trinken würde, das noch viel schlimmer werden würde. Ich bin so froh, das ich damals den Schritt in die Abstinens machen konnte. Nur dadurch geht es mir heute sehr, sehr gut und ich bin sehr zufrieden und glücklich! Ich wünsche Dir vom herzen, das Du das auch wirst!

  • Lieber Stromer,

    vielen Dank für die Worte!

    Ich muss auch zugeben, dass ich mir in letzter Zeit mehr gönne. Nach dem Essen ein Nachtisch, gerne mal was ausgefalleneres Kochen, was dann aber auch mir persönlich sehr schmeckt. Witzig mit den 0.33 Cola Glas Flaschen. Die feierer ich auch, besonders direkt ausm Kühlschrank, trinke sonst nie Softdrinks, ausser bei Veranstaltungen oder irgendwelchen Abendessen. Aber so hab ich es auch geplant, lieber auf solche Sachen hin und wieder zurück greiffen als auf Alk. Danach fühle ich mich immerhin nicht wie der letzte Dreck am nächsten Tag.

    Ich rede es mir mittlerweile auch so ein, es ist einfach nur eine harte, obgleich legale, Droge. Nur weil sie überall zu jeder Zeit legal verfügbar ist, heisst es nicht, dass sie a) ungefährlich ist und b) ich sie nehmen muss. Ich gehe schliesslich auch nicht zum Hauptbahnhof und hol mir dort irgendwelche Substanzen.

    Ich mein es ist zwar irgendwie interessant, dass unser Gehirn auf soviele Stoffe reagiert. Ob das beabsichtigt ist oder einfach nur Zufall, oder eine Form von Evolution, ich weiss es nicht. Aber nur weil es eine Wirkung hat, heisst es noch lange nicht, dass ich diesen Stoff zum Leben brauche. Ganz im Gegenteil, um so zu leben wie ich es will, muss ich auf Alk verzichten.

    Alkohol ist nun nicht die einzige Substanz die ich in meinem Leben probiert habe, aber ich muss sagen, einfach die gefährlichste. Sie ist gesellschaftlich akzeptiert, leicht verfügbar und erzielt genau die Wirkung, auf die man sich konditioniert hat. Bist du schlecht drauf, gehts dir besser. Hast du Stress, kannst du entspannen. Gehts dir gut, fühlst du dich noch besser. Bist du einsam, hast du einen Freund. Ist dir langweilig, hast du eine Beschäftigung. und und und... Leider hängt aber an dieser Illusion ein sehr deftiges Preisschild, welches gerne übersehen wird. Ich jedenfalls kenne meinen wert, oder besser gesagt, ich erkenne ihn wieder. Und der ist viel höher als die nutzlose Illusion die mir Alk vorgegaukelt hat. Leicht gesagt, leicht geschrieben. Aber so kann ich mir gut vor Augen führen wo ich gerade stehe und wieso ich den Weg gehe, den ich gehe.

    Euch allen auch viel Kraft und Durchsetzungsvermögen!

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Guten Morgen an Alle,

    Es wird mal wieder Zeit für ein Update, auch wenn nichts wirklich gravierendes passiert ist.

    Die Medikation ist soweit durch, jetzt gibt es noch ein Mittel gegen craving. Ob es wirklich hilft oder ob es ein Placebo Effekt ist kann ich noch nicht beurteilen.

    Fakt ist, die zweite Woche ohne Alk war ab Montag rum. Bald ist es 1 Monat.

    Ich muss zugeben, dass mir die Beiträge hier sehr geholfen haben, insbesondere vorsichtig zu bleiben.

    Gestern war ich kurz im Ort einkaufen. Auf dem Marktplatz ist Nachmittags immer der ortsansässige Alki-Treff. Ich muss zugeben, es hat mich getriggert. Was Paradox ist, denn einerseits sah ich wie einer der Herren sich genüsslich einen großen Schluck Bier aus der Flasche einverleibte, bei strahlendem Sonnenschein in illustrer Gesellschaft, so Sorgenfrei sah das aus. Andererseits dachte ich mir, das wars doch bei dem. Da kommt nichts mehr. Die sitzen da Tag für Tag, labern Müll, saufen von Morgens bis Abends und das wars.

    Warum hat mich das dann im ersten Moment getriggert? Will ich da etwa auch hin? Vermeintlich sorglos in den Tag reinleben, keine Verantwortung, die einzige Sorge ob genug Geld für Sprit da ist.

    Da musste ich tatsächlich kurz drüber nachdenken wie es wäre wenn ich da sitzen würde mit genau den Prämissen.

    Ich kann das nicht. Ich kann das einfach nicht. Das Leben bei denen und in dem Fall bei mir ist in so einem Zustand beendet. Das ist kein Leben mehr, das ist ein Tag für Tag vor sich hin vegetieren. Genau das Gegenteil von dem was ich will. Ein absoluter Alptraum, null erstrebenswert.

    Interessant ist jetzt, wenn ich nochmal anfangen würde zu saufen, weiss ich irgendwie dass genau dort meine Endstation wäre. Es wurde ja nach jeder pause in den letzten Jahren von mal zu mal schlimmer.

    Vielleicht ist es gut dass mich das getriggert hat. Aktiv nachdenken über die zwei Wege die ich gehen kann und die Konsequenzen. Ich muss mir manchmal wirklich vor Augen führen was auf dem Spiel steht. Ein einziges Bier gab es und gibt es nie bei mir. Das nächste folgt automatisch. Die Parkbank kommt in greifbare Nähe, der Rest löst sich von selbst (Ehe, Job, Freundschaften).

    Oder, ich scheisse einfach auf dieses Bier oder den Flachmann oder wie auch immer. Kein erstes Bier, kein garnichts. Ich lebe alk-frei, glücklich und in der Realität, habe keinen Stress mit Frau, Essen schmeckt wieder, Schlafe gut, bin erholt und fühle mich einfach gut.

    So klar die Entscheidung jetzt für mich ist, so unklar war sie noch vor Monaten. Worauf ich jedoch hinaus will, das Suchthirn nutzt sogar die vermeintlich absurdesten Situationen aus um an Stoff zu kommen. Kein normaler (gesunder) Mensch wäre getriggert von nem Alki auf ner Bank. Ich schon.

    Also, lasst euch nicht vom Alk oder Suchthirn verarschen.

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Trigger:
    Gedanken an Alkohol, lösen Unbehagen, Verlangen oder gar Suchtdruck aus.
    Jeder reagiert auf die unterschiedlichen Trigger anders, aber ich kann mir nicht sicher sein, dass das bei mir so bleibt.

    Trigger kann ich nicht grundsätzlich verhindern, aber ich kann bestimmte Situationen verhindern, in denen Trigger auftreten können.
    Aus Triggern kann ich lernen. Ich kann lernen, wie ich sie erkenne und wie ich darauf reagiere, aber ich suche oder provoziere sie nicht.
    Schwieriger wird es, wenn die Gedanken an Alkohol ohne wahrgenommenen Trigger kommen und z.B. Suchtdruck entsteht.
    Wenn ich weiss, wie sich individuell Suchtdruck anfühlen kann, dann kann ich ihn frühzeitig erkennen und entsprechend handeln, auch ohne das ich den Trigger kenne.

    Warum hat mich das dann im ersten Moment getriggert? Will ich da etwa auch hin?

    oder

    Warum hat mich das getriggert, das will ich doch gar nicht?

    Ich nicht, aber mein Suchthirn. Es versucht mit teils plumpen Versuchen aber auch mit perfiden Strategien das Ziel zu erreichen und das Ziel ist, dass ich Alkohol trinke..
    Je mehr ich über Trigger und aufkommenden Suchtdruck erfahren habe und dadurch gelernt habe, desto schneller und besser konnte ich reagieren.
    Diskussionen über die Gedanken des Suchthirns sind sinnlos. Abblocken, verwerfen....."Du schon wieder, geh zurück in deine Ecke".... manchmal auch mit kräftigeren Ausdrücken.

    Mir ist bewusst, das mein Suchthirn immer da sein wird, solange es in der Ecke sitzt und vor sich hintrocknet, kann ich gut damit leben. Ich habe akzeptiert, dass es da ist und nie wieder weg geht, es wird stiller und seltener, aber es ist da!

    Die Startegie ist vorsichtiges Rantasten, über die Zeit, immer mit Rücksicht auf meine Gefühlslage und Stabilität. Eben Risikominimierung.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Abblocken, verwerfen....."Du schon wieder, geh zurück in deine Ecke".... manchmal auch mit kräftigeren Ausdrücken.

    Genau so habe ich es auch gemacht. (Besonders das mit den kräftigeren Ausdrücken) ;) Und werde ich auch wieder machen, wenn es vorkommt.

    In den ersten drei Monaten kam das sehr oft vor. Ich habe aber nie diskutiert und mir auch nicht zu viele Gedanken gemacht. Das stresst nur und kostet unnötig Kraft. Das Suchthirn will saufen. Versucht es halt auf unterschiedliche Weise. Hier geschrieben habe ich aber alles. Das hilft beim Verarbeiten. Außerdem gibt es Tipps und Warnungen.

    Wenn die Suchtstimme immer nur "drauf" bekommt und kein richtiges Gehör, gibt sie irgendwann fast vollständig auf. Es gibt definitiv Situationen, die mich früher getriggert haben und es jetzt nicht mehr tun.

    Alles, was Du dafür tun musst, ist Geduld haben. Die Zeit arbeitet für Dich. Es wird sich ganz von selbst so ergeben.

    Risiken und auch dem damit verbunden Stress aus dem Weg gehen. Den braucht es nicht dazu. Ist nur gefährlich.

    Ich schaue hier auch rein, um nicht zu vergessen, dass ich Alkoholiker bin. Weil meine Gedanken inzwischen im Alltag fast nur noch um andere Dinge kreisen. Es macht ja auch keinen Sinn an etwas zu denken, dass für mich nicht mehr relevant ist. Ich trinke nie mehr. Das verinnerlicht sich mit der Zeit.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Guten Morgen,

    Gestern Nacht war es soweit. Ich habe mich dabei erwischt wie ich einen Flachmann getrunken habe und von dem leicht angetrunken war. Danach habe ich schon geplant, wo ich die nächsten her bekomme und wo ich diese verstecke. Plötzlich fiel mir jedoch ein, dass ich doch nicht mehr trinke. Ich geriet in Panik. Ich redete mir ein, dass muss ein Traum gewesen sein. Ich verbuche es einfach als Traum, nur das angetrunken sein hat mich gestört. Ich dachte nach, wie es dazu kommen konnte, ich konnte es nicht verstehen. Dann bin ich irgendwie aufgewacht und war mir jetzt unsicher, war es ein Traum oder nicht. Mittlerweile bin ich nun richtig aufgewacht, es war nur ein Traum. Aber so realistisch, sogar dieses angetrunken sein konnte ich fühlen.

    Soviel zum Thema Trigger, Suchthirn, usw... Einen "Fehler" hat das Suchthirn in diesem Traum jedoch begangen: Es zeigte mir haargenau auf, was passiert wenn ich nochmal Alk trinken würde. Erst ist es ein Flachmann, die nächste Sekunde wird der Plan geschmiedet wie ich mehr Alk anschaffe, wo ich ihn verstecke und dass ich genau wieder da anfange wo ich war, nämlich ganz unten.

    Sorry wenn es sich etwas verwirrend liest, bin immernoch etwas schockiert. Musste mich erstmal vergewissern dass es wirklich ein Traum war. Ja war es.

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Jetzt ist es also passiert. Willkommen im Club Paul. Ich hatte diese Träume schon mehrmals. Auch mit verschiedenen Ebenen und total verwirrend. Bin auch jedesmal völlig geschockt aufgewacht. Dein Suchthirn sagt dir also ‚Hallo hier bin ich noch‘.

    Sei froh dass es nur ein Traum war!

  • Hallo Paul

    Kennst du das Wort Geduld?

    Der Weg zur Abstinenz ist oft mit hohen Erwartungen verbunden, doch schnell wurde mir klar. Das haut dann schon mal gewisse Nebenwirkungen raus. Es ist ein Marathon, kein Sprint. Anfangs war mein Kopf ständig in Bewegung selbst im Schlaf, doch das ist ein ganz normaler Teil des Prozesses. Das muss ich aber auch wissen.

    Wichtig war für mich die ehrliche Selbstreflexion. Bin ich wirklich bereit, trocken zu werden? Musste ich erst anerkennen, dass ich Alkoholiker bin? Und kann ich ein Leben ohne Alkohol wirklich akzeptieren?

    Cravings traten nur selten auf. Ein Arzt bot mir einmal Medikamente an, da manche Ärzte damit recht schnell sind, doch ich lehnte ab, da ich eine Abhängigkeit nicht gegen eine andere eintauschen wollte.

    Ich denke, meine Akzeptanz war der Schlüssel. Akzeptiere, dass beim Alkoholismus auch unangenehme Begleiterscheinungen auftreten können. Akzeptiere, nicht mehr überall dabei zu sein, und finde Alternativen. Probiere mal ein anderes Leben aus.

    Es gibt eben nur "Nass" oder "Trocken" bei der Sucht, und wenn schon trocken, dann bitte schön angenehm.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Jetzt ist es also passiert. Willkommen im Club Paul. Ich hatte diese Träume schon mehrmals. Auch mit verschiedenen Ebenen und total verwirrend. Bin auch jedesmal völlig geschockt aufgewacht. Dein Suchthirn sagt dir also ‚Hallo hier bin ich noch‘.

    Mir macht das echt sorgen, ich hatte noch kein Erlebnis dieser Art und hab jetzt ein bisschen Bammel das es bei mir vielleicht massiv bzw. gebündelt auftritt, wenn es mal kommt

  • Mir macht das echt sorgen, ich hatte noch kein Erlebnis dieser Art und hab jetzt ein bisschen Bammel

    Das muss Dir keine Sorgen machen, das war ja nur ein Traum. Im Traum verarbeiten wir Dinge und das ist auch gut so.

    Du kannst Dich auf vieles vorbereiten, das solltest Du auch machen. Nim alles mit, was Dir hilft, trocken zu werden.

  • Hallo an Alle,

    Ich rechne damit, dass solche Träume noch weiter auftreten werden. Es wäre ja schon ziemlich vermessen zu glauben, dass jahrelanges Saufen (mit oder ohne Pausen) nach zwei Wochen aus dem Gedächtnis wegradiert ist.

    Ich sehe es positiv. Der Traum hat mir sehr sehr realistisch gezeigt, was passiert wenn ich "nur" ein alkoholisches Getränk zu mir nehmen würde. Absturz, ohne wenn und aber. Vielleicht ganz gut sowas von Zeit zu Zeit mal zu erleben anstatt es nur zu wissen.

    Sprint, Marathon, da ist ja was dran. Würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich den Sprint nicht bevorzugen würde. Einmal volle Kraft, dann ists vorbei. Aber wir sind nunmal nicht bei Wünsch-dir-was und es ist mehr als gut zu wissen, dass es den Marathon raus aus dem Elend gibt. Immerhin ein Weg der zielführend ist.

    Noch am Rande, das Gefühl welches ich hatte als ich endlich realisiert habe, dass es wirklich nur ein Traum war: Einerseits Erleichterung, andererseits Beklemmung. Fast so als wenn ich wirklich rückfällig geworden wäre.

    Im Endeffekt hat es mich in meinem Vorhaben aber bekräftigt. Will mir nicht ausmalen was wäre wärs kein Traum gewesen.

    Danke für eure Worte, beruhigend, dass ich nicht alleine bin und es wohl ein normaler Prozess ist.

    Sonnige Grüße,

    Paul

  • Mir macht das echt sorgen

    Ich träume oft, dass ich fliegen kann. Mache mir aber auch keine Sorgen, dass ich morgen "abhebe". ;)

    Bisher kenne ich keinen Alkoholiker, der nicht irgendwann Alkohol-Träume hatte. Es wird das geträumt, was - besonders unterbewusst - beschäftigt. Das ist "im Gehirn aufräumen". Mehr ist es nicht.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ich hatte in den ersten Wochen auch solche Träume, bei den ersten beiden war ich noch unter Medikamenteneinfluss.
    Sie waren realistisch und heftig und ich musste mich quasi zwicken um zu realisieren, dass es nur ein Traum war.

    Im Anfang der Abstinenz ist es ein Konflikt zwischen Suchthirn und der wachsenden abstinenten Haltung.
    Ich erlebe ihn am Tag, durch Gedanken des Suchthirns und eben auch in Träumen.
    Im Traum sind beide Kontrahenten zugegen, genauso wie am Tag nur scheint das Suchthirn der Präsentere zu sein.

    Nach 2-3 Monaten war der Spuk erstmal vorbei, ich denke weil meine innere Haltung über mich als Alkoholiker und zur Abstinenz stabiler geworden war.

    Ich meinte nicht den Traum sondern Suchtdruck, vor Träumen hab ich keine

    Die gute Nachricht ist,bei aufkommendem Suchtdruck kann ich handeln, wenn ich ihn erkenne und weiss, was zu tun ist.
    Den Traum muss ich über mich ergehen lassen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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