Beiträge von Rene72

    Hallo in die Runde, ich versuche mal wieder einen Beitrag zu verfassen. Ich bin aktuell in der 7. Woche und mir geht es recht gut dabei. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass sich doch regelmäßig das Suchthirn meldet. Meist in Situationen wo ich mich frage: "Was soll das denn jetzt?"

    Ich habe schon bissel Bammel vor dem anstehenden Urlaub. Die letzten Urlaube waren ja stets von Bier und Wein geprägt. Wir haben zur Vorsicht unseren Urlaub umgeplant und fahren statt in ein Weinanbaugebiet einfach in die Berge zum Wandern. Ich hoffe diese Tage "unbeschadet/trocken" zu verbringen. Hat Euch der Ausblick auf die Ferienzeit anfangs ebenfalls gestresst? Am Liebsten würde ich zu Hause bleiben und mich in meiner sicheren Umgebung bewegen.

    Also, allen einen schönen Tag. René

    Hallo Alex, das angesprochene Medikament ist ein Antidepressiva. Ich bin durch einen Austausch mit Katzik darauf gestoßenb bzw. habe mir Gedanken gemacht, dass es mir mit pflanzlichen Mitteln, wie Johanniskraut, besser ging und ich vielleicht auch dadurch den Anfang zum Ausstieg aus dem Alkohol fand. Ich habe das dann mit meiner Ärztin besprochen. Wir haben beschlossen ein "chemisches" Mittel zu versuchen, da sich Johanniskraut schlecht mit meinem Graving-Mittel verträgt. Wie gesagt, es ist ein Versuch.

    René

    Lieber Hartmut,

    ich nehme deine Antwort zur Kenntnis – auch wenn ich sie persönlich als wenig differenziert empfinde.

    Ich habe nicht behauptet, dass ich alles mit Willenskraft allein schaffe. Ich habe geschrieben, dass ich ein Medikament teste, dass ich mich im Beruf etwas zurücknehme und dass ich mich gerade erst auf den Weg mache. Dass das nicht perfekt ist, weiß ich selbst – aber ich tue, was ich kann, und bin offen dafür, dazuzulernen.

    Wenn du das anders siehst, ist das dein gutes Recht.

    Ich ziehe mich aus dieser Diskussion mit dir jetzt zurück.

    Und ich wünsche mir, dass dieses Thema als Thread nun geschlossen wird – damit es nicht weiter zu Missverständnissen führt.

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute.

    René

    Und wenn du es nicht bist, trinkst du wieder und akzeptierst diese Alternative, weil du nicht stark genug warst. Echt jetzt? Das bedeutet für mich: Damals hattest du nicht die nötige Stärke, um der Sucht zu entkommen, und jetzt versuchst du es mit einer Stärke, die dir zuvor gefehlt hat. Fällt dir der Widerspruch auf?

    Der Glaube, dass man eine Abhängigkeit allein mit Willenskraft überwinden könne, erweckt den Eindruck, Sucht sei lediglich ein Zeichen von Schwäche. Doch Sucht ist keine Charakterschwäche, sondern ein äußerst komplexes Phänomen, eine anerkannte Krankheit, die grundsätzlich jeden treffen kann.

    Hallo Hartmut,

    danke für deine Rückmeldung – ich sehe, dass dir mein Post ernst ist, und das respektiere ich.

    Ich glaube, wir meinen gar nicht so grundverschiedenes. Für mich heißt „Stärke“ nicht, alles allein oder mit purer Willenskraft durchzuziehen – sondern sich der Realität zu stellen, Hilfe anzunehmen und dranzubleiben, auch wenn’s schwierig wird.

    Mir ist wichtig, dass dieser Austausch hier auf Augenhöhe bleibt. Ich will keine Bühne für Streit oder Rechthaberei – sondern ein Raum, in dem man sich ehrlich spiegeln kann, ohne dass es ins Gegeneinander kippt.

    Deshalb nehme ich deine Worte mit – als Anstoß, wachsam zu bleiben.

    Grüße
    René

    Ich habe mich, seit ich trocken bin, ein ganzes Stück entlastet. Der Grund war, dass dauerhafte zu starke Belastung, meine Abstinenz gefährdet, aber auch meine Neigung zu Depressionen verstärkt. Und ich würde mich auch weiter entlasten, wenn ich merken sollte, dass die Belastung zu stark ist.

    Zunächst vielen Dank für Deine Glückwünsche. Über die Problematik mit den Depressionen hatten wir uns ja schon mal ausgetauscht. Dies habe ich am Donnerstag letzte Woche mit meiner Ärztin besprochen und ich teste ein Medikament. Ob es bei mir wirkt werde ich wohl erst in 2-4 Wochen wissen. Aber das weißt Du ja selbst wie lange diese Medis benötigen, um erfolgreich zu wirken. Ich habe mich auf Arbeit auch bereits ein Stück weit raus genommen. Alles umgehen kann ich dennoch nicht. Das sind sicherlich nicht die besten Voraussetzungen, dies ist mir bewusst.

    Ich versuche es mal so zu formulieren:

    Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, in die Zukunft kann ich nicht schauen aber ich kann die Zukunft gestalten. Also, allen Wenn und Aber zum Trotz, niemand kann wissen was passiert oder nicht passiert. Warten wir einfach mal ab, ob ich nicht doch stark genug bin.

    Ich wünsche Dir einen schönen Abend. René

    Danke dir für deine Worte. Die haben mich nachdenklich gemacht.

    Vielleicht habe ich die Wachsamkeit ein Stück weit weggeschoben. Das „Die Gedanken verblassen“ fühlt sich gut an, aber du hast recht. Ich darf niemals denken, dass ich durch bin. Ich bin noch ganz am Anfang. Diese fünf Wochen kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Danke, dass Du mich in die Realität zurück holst. Festen Strategien für riskante Situationen erarbeite ich mir zur Zeit. Da gibt es hier viel zu lesen. Auch dort stehe ich noch am Anfang, taste mich trotzdem Schritt für Schritt vor. Dein Hinweis mit der „Risikominimierung“ zeigt mir, dass ich mehr hinschauen muss, nicht überheblich werden, sondern wach bleiben.

    "Du wirst jetzt vlt. denken, "....er, aber bei mir klappt es.....". So arrogant bin ich nicht, dies zu denken.

    Danke, dass du mich unterstützt.

    Viele Grüße
    René


    Zitat

    Hallo Hartmut,

    danke für deine offenen Worte. Sicherlich sind fünf Wochen noch kein riesiger Meilenstein. Aber sie sind ein Anfang und den habe ich mir hart erarbeitet. Mir ist bewusst, dass die echten Herausforderungen wahrscheinlich erst noch kommen werden. Ich versuche nicht, irgendwas zu verharmlosen. Ich weiß, dass mein Umfeld, mein Beruf, ein Risiko ist. Es ist trotz alledem aber auch die Existenzgrundlage unserer Familie, meiner Frau und meiner Kinder. Ich hab mich entschieden, nicht davor wegzulaufen, sondern diese Verantwortung zu übernehmen. Ich bin auch nicht hier, um Schulterklopfer zu sammeln. Ich bin hier, weil ich den Weg aus der Sucht suche.

    Also danke für deine Antwort. Ich nehme sie nicht persönlich, sondern als Hinweis wachsam zu bleiben.

    Grüße
    René

    Hallo zusammen, nun sind über 5 Wochen ohne Alkohol vergangen. Trotz meines riskanten Berufes habe ich nicht wieder zum Glas gegriffen. Die ständigen Gedanken an den Entzug und den Alkohol verblassen von Tag zu Tag mehr. Ich freue mich täglich über die gewonnene Freiheit. Gleichzeitig erinnert mich jeden Morgen ein Zettel am Badspiegel daran, dass ich dieses Zeug nicht wieder anfassen will. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir Mut geben und durch eigene Erfahrungsberichte einen neuen Weg im Leben aufzeigen. Liebe Grüße René

    Mir geht gerade der Vorstellungsfaden durch den Kopf... da fällt mir wieder auf das manche sagen "ich trinke nur in Gesellschaft" quasi, es ist alles gut ich hab ja keine probleme denn ich trinke ja nicht alleine. So wie mein Freund und Gartenmitbesitzer, der macht auch solche Aussagen und hat mir vor kurzem erst erzählt das er keine zeit hatte weil er min. 10 Halbe gestemmt hat, in Gesellschaft, so wie auf dem Oktoberfest oder ähnlichen Veranstaltungen, da trinkt man ja auch 5 Maß oder bis zum erbrechen.

    Genau dieser Freund hat mich aber schon mehrfach auf mein Trinkverhalten aufmerksam gemacht, sein Bruder ist am Alkohol gestorben und einer seiner besten Freunde der dazu noch mein Namensvetter war wie er mir erzählte ist auch daran gestorben. Nun stellt sich mir die Frage warum erzählt er mir das und sagt mir durch die Blume das ich ein bisschen zuviel trinke, geht dann aber selber los und besäuft sich maßlos, und warum lässt er sich nicht mehr blicken, jetzt wo ich seine Ratschläge für mich in Tat umsetze???

    Vor ein paar Wochen als wir noch zusammen im Garten waren hat er auch ein Bier getrunken, ich war auf dem Dach und als ich fertig war bemerkte ich das er sich während ich oben war direkt unter mir still und leise das Bier reingepresst hat, ich meinte dann das es mich stört, ich komme mir wie ein Behinderter vor dem man die Tür aufhält...

    Warum er das tut kannst Du oder ich nur raten. Vielleicht aus Mitteilungsbedürfnis, wegen eigener Schuldgefühle oder oder. Ich denke dies ist auch gar nicht wichtig. Ich würde meine Energie in andere Bahnen lenken. Wie Du geschrieben hast, ist zu Hause wieder einige in den richtigen Bahnen. Also genieße Deine Fortschritte und das Leben. Sei achtsam und kümmere Dich um Deine eigenen Belange und die Deiner Lieben.

    Ich habe für mich ohne Alkohol so viel gewonnen und Du auch. Ich kann mich endlich wieder im Badspiegel anschauen und sagen, dass der ehemalige aufgeschwemmte, faltige, fahle Körper nach 26 Tagen ohne Alkohol doch wieder ganz passabel ausschaut. Ich bin darüber total glücklich, fühle mich gut, voller Energie. Ich gehe diesen Weg auf jeden Fall weiter, trotz aller Widerstände und Herausforderungen. Oder vielleicht auch gerade deshalb. Du und ich, wir müssen das einfach lernen und akzeptieren, dass wir ab und an von Leuten umzingelt sind, die wir einfach stehen lassen und vergessen müssen.

    Hi René, in wie fern?

    In denen mich die Sucht versuchte. Keine Ahnung warum mich das jetzt erst heimsuchte. Speziell Samstag und Sonntag war herausfordernd. Gestern war auch kein schlechter Tag. Vielleicht habe ich mich überschätzt. Da gab es gleich den berühmten Ordnungsgong.

    Ja es läuft gerade gut, aber ich hab natürlich auch noch das eine oder andere Problem. Also nicht das hier einer den Eindruck bekommt es ist alles super easy bei mir oder ich wäre wie durch ein Wunder geheilt, was ja auch nicht möglich ist...

    Bei mir lief es heute mal super. Die letzten Tage hatte ich einige schwierige Momente. Heute war alle gut.

    Meine Abstinenz gibt mir auf jedenfall alle Kraft die ich brauche, ich bin auch wirklich glücklich das ich nicht diese Probleme mit dem Suchtdruck habe, keine Gedanken an Alkohol verschwende oder er mir fehlt, momentan zumindest bin ich 100% glücklich ohne ihn und ohne geballte Faust in der Tasche. Meine Frau hat sich auch sehr verändert, Alkohol ist nur noch selten im Haus, sie trinkt auch gefühlt nur noch 1-2 Gläser pro Woche sofern ich das abschätzen kann, ich zähle nicht mit oder überwache sie. Die Wogen glätten sich und sie erkennt wahrscheinlich das es mir sehr ernst ist mit meinem/unseren neuem Leben, was mir zusätzlich antrieb gibt,

    Na das klingt ja richtig genial. Genießt das Leben! Es hat ganz sicher sehr viel zu bieten 8)

    Zumindest muss ich mir darüber Gedanken machen, wie ich es sage. Ich denke Vorwürfe sind da der falsche Weg. Aber Sorgen um die Gesundheit meines Gegenübers/Freundes/Familienangehörigen darf ich mir schon machen.

    Ein Gedicht für den besten Papa, eine Foto Tasse und ein Herz aus Stoff🥰

    Ich habe Papa-Letten bekommen.

    UND!! Ich hatte gestern den ersten Tag (21 habe ich geschafft) ohne einen Gedanken an ein Bier zu verschwenden. Das fiel mir erst spät-abends auf der Couch auf.💪

    Absolut! Schau wie viel Zeit man mit trinken verbracht hat. Und wie lange man am Wochenende nach exzessen augeknockt war. All diese Zeit wird frei.
    Das ist erst mal fast erschreckend. Und plötzlich kann man wieder Dinge tun die früher liegen geblieben sind.

    Für mich war es immer wichtig wo und mit wem ich am Freitag Abend raus gehe. Spätestens Mittwoch musste das geklärt sein. Am Anfang dachte ich, ich mach genauso weiter, trinke halt nix.

    Ok saufkneipen ohne Alkohol ergeben einfach keinen Sinn- war mir auch ohne Forum klar. Aber mit den selben Leuten abhängen und sich immer noch die alten saufgeschichten erzählen und mit alkoholfrei prosten während alle anderen immer besoffener werden war dumm.
    So hätte ich nach einiger Zeit wieder angefangen- aus lauter Frust.
    Also neu. Freitag Abend um 22 Uhr im Bett, dafür früh raus und bewegen. Wie lange ist bitte ein Wochenende???

    Inzwischen treffe ich mich oft mit Leuten. Nicht in Kneipen sondern zu Theater, Konzerten, zu Hause. Meistens trinken die anderen auch Nix, denn es sind Leute, die nur noch selten trinken. In meiner Jugend hab ich mit denen getrunken und nicht gemerkt, dass es bei ihnen über die Jahre immer weniger wurde und bei mir immer mehr.
    Gut dass sie trotzdem geblieben sind- das war bestimmt nicht immer einfach.

    Das wird ein spannender Weg!

    Ich bin da auch echt mal gespannt.

    Jedenfalls habe ich herausgefunden, dass 2 Beutel Pfefferminztee mit 3 Beuteln Himbeer-Lemon-Tee besser schmecken, als Spanischer Orangentee mit Pfefferminztee.🙈

    Ich habe mich immer beobachtet gefühlt wenn einer in der Runde nicht mit trank. Als würden alle sich ihre intimsten Geheimnisse erzählen und einer hört nur mit.

    Sich mit jemandem so richtig zu besaufen war auch eine Art Vertrauensbeweis. Schau her ich hab es gar nicht im Griff da brauchst du dich auch nicht zusammenzureißen.

    Die Würdelosigkeit die ich durchaus empfand wenn ich mal wieder besoffen unangenehm war, überdeckte ich mit blöden Witzen. So wird ein Moment, der einen eigentlich zum nachdenken bewegen sollte, zur Anekdote auf der nächsten Party.
    Ein Bänderriss im Suff? Witzig. Das Schädel Hirn Trauma nach einem Sturz vom Barhocker hab ich aber verschwiegen und mir einen Fahrradunfall ausgedacht. Irgendwo haben die Lacher Grenzen.

    In Teilen meines Bekanntenkreises gibt es kaum eine Geschichte, die nichts mit Alkohol zu tun hat. Eine Ansammlung an Saufgeschichten. Ich habe mich schon lange entfernt. Die Geschichten langweilen mich oder machen mich sogar traurig. Als ob es nix anderes zu erzählen gäbe!

    Gott sei Dank hab ich andere Freunde, bei denen Alkohol keine so große Rolle spielt.

    Das Entfernen von alten Situationen, Orten, Gewohnheiten ist ganz bestimmt ein Teil der Abstinenz. Irgendwie wird das bestimmt so ziemlich jeden hier betreffen. Vieles ordnet und findet sich neu?