Beiträge von Mauseweich

    Zweifelst Du noch? Du konntest am Ende 2 Flaschen Wein und mehr trinken und NOCH funktionieren ( wie lange noch?!). Das schaffen Nicht-Süchtige nicht, dazu gehört jahre-, eher jahrzehntelanges Training.

    Wenn ich es jetzt von dir zusammengefasst lese, kann ich nicht mehr zweifeln. Es gibt die Stimme in meinem Kopf, die mir sagt: "so schlimm ist es bei dir doch noch gar nicht" und die andere Stimme sagt: "Hör doch endlich auf, dich selbst zu belügen" Ich bin Alkoholikerin, die mittels Disziplin irgendwie noch funktionieren konnte und das Leben scheinbar im Griff hatte. Das "WIE LANGE NOCH?" Ist da völlig berechtigt.

    Ich hatte früher auch mal Trinkpausen, die ausschließlich disziplinarisch motiviert waren. Ich wusste immer, dass ich irgendwann wieder Alkohol trinken würde, weil ich mir nicht vorstellen konnte, für ein ganzes Leben darauf zu verzichten. Auch hatte ich immer die Hoffnung, nach der Trinkpause ein völlig anderes Trinkverhalten zu haben, wie durch Zauberhand mal nach einem Glas aufhören zu können.

    Das ist diesmal komplett anders. Ich habe mich verabschiedet, ich möchte keinen Alkohol mehr trinken, weil er mich im Griff hat, sobald ich ein Glas getrunken habe. Weil er mir nicht guttut, mich belügt und zu einem Menschen macht, der ich nicht mehr sein möchte. Ich bin dann von jetzt auf gleich nur noch eine Marionette. Es fällt mir in den meisten Fällen auch nicht sehr schwer auf Alkohol zu verzichten. Es gab in den 52 Tagen meiner Trockenheit zwei Situationen, in denen ich fast Alkohol besorgt hätte. Beide Male waren es unangenehme Gefühle, die ich dachte, nicht aushalten zu können. Es gab eine Unstimmigkeit auf der Arbeit, die ich zwar angesprochen und somit eigentlich geklärt hatte, der Ärger und die Wut hallten aber in mir nach. Mein gewohntes Muster wäre Wein gewesen und es hat fast körperlich weh getan, nichts zu kaufen und diese Gefühle nüchtern auszuhalten. Bei der anderen Situation gab es Probleme mit meinem Sohn, seine Freundin hat sich von ihm getrennt und er fiel in eine schlimme Phase zurück. Als Asperger Autist hat er immer größte Schwierigkeiten mit sich verändernden Situationen. Er wohnte zwei Wochen bei uns und es war für mich unerträglich ihn in diesem Zustand der Depression, Angst und maximaler Unsicherheit zu sehen. Mein "Pflaster" war nicht greifbar weil ich nicht mehr trinke. Ich ging anstatt zu trinken, zum Sport und in die Sauna. Das hat den Druck zumindest etwas von mir genommen. Trotz aller Situationen, die ich nur schwer ertrage, weiß ich, dass ich nicht mehr trinken will. Dass ich immer wieder in den Sumpf zurückfallen werde aus dem ich mich gerade herausarbeite. Dieses ganz deutliche "Ich will nicht mehr!" ist lauter als das: "Trink ein paar Gläser und dann geht es dir besser"

    Vielen Dank erst einmal für eure Reaktionen, ich bin auch froh, mich auf den Weg gemacht zu haben. Ich muss auch sagen, dass ich durch meinen Mann viel Unterstützung erfahre, einmal indem er auch nicht mehr trinkt, allenfalls wenn er auf Dienstreise ist, und das finde ich völlig okay. Aber wenn wir zu Hause sind oder Essen gehen, trinkt er nicht und das macht es für mich nicht leicht, aber leichter mein abstinentes Leben in Angriff zu nehmen.

    Hartmut hat mir anfangs die Frage gestellt, ob ich Alkoholikerin sei... Darüber habe ich heute tatsächlich lange nachgedacht. Was macht mich zur Alkoholikerin? Gibt es dazu eine klare Definition? Kann man das abgrenzen, oder gibt es Grauzonen? Ich habe bis heute immer das Bild von mir gehabt, dass ich zwar viel zu viel getrunken habe, täglich getrunken habe, den Alkohol benutzt habe, um meine Wut, meine Trauer, meine Anspannung nicht mehr spüren zu müssen aber ansonsten habe ich in diesem Leben funktioniert was den Alltag anging. Wie ist das bei euch gewesen?

    Hartmut Du hattest nach meinem Weg der Entgiftung gefragt. Ich weiß gar nicht, ob ich das jetzt hier so schreiben darf. Ich habe den Entzug eigenständig vorgenommen. Keine medikamentöse Entgiftung.

    jetzt, nach 51 Tagen ist das natürlich nicht mehr wichtig, wenn ich auch beim Lesen mancher Nachricht erfahren habe, dass ihr dringend davon abratet. (ZU RECHT)

    Ich habe (und das kannte ich vorher überhaupt nicht), einen absoluten Drang zuckerhaltigen Kram am Abend zu essen, wie Gummibärchen oder Schoki. Kennt das noch jemand von sich?

    Hallo Seeblick, herzlichen Dank für dein "Willkommen"

    Momentan geht es mir mit der Abstinenz recht gut (die ersten 14 Tage waren kein Spaziergang!!!)

    Ich habe keine starken körperlichen Symptome gehabt, aber psychisch war es mehr als Herausfordernd. Ich konnte nicht einschlafen und immer wenn der Abend kam (meine Trinkzeit) war es für mich fast unerträglich, weil ich keine Idee hatte, wie ich mich entspannen konnte.

    Mein Mann hat nie so viel getrunken wie ich, unerklärlicherweise konnte er nach einem Glas Wein einfach aufhören. Ich nicht, ich habe aufgehört zu trinken, wenn ich kaum noch sprechen konnte oder auf der Couch einschlief. Mein Zuhause ist jetzt alkoholfrei, anders würde ich das nicht schaffen.

    Für die Notfall-Tipps bei Craving bin ich sehr dankbar.

    Muss mich erst mal hier zurechtfinden, merci einstweilen

    Hallo zusammen,

    ich bin 56 Jahre alt, habe seit gut 40 Jahren ein Thema mit Alkohol. Begonnen hat alles schon früh in der Kindheit. Alkohol gehörte in meiner Familie zum guten Ton. Zu einem schönen Essen gab es natürlich eine passende Weinbegleitung, abends noch ein Likörchen. Alles natürlich kultiviert.

    Ich durfte schon mit 8 Jahren einen kleinen Eierlikör trinken, schmeckte scharf und sehr süß, aber die Wirkung fand ich toll. In der Jugend trank ich mit Freunden wenn wir unterwegs waren in der Tanzschule, Disco, Kneipe. Ich habe eigentlich von Anfang an Probleme gehabt, ein Maß zu finden. Ich trank viel, schnell und war die, die eigentlich immer betrunken endete. In meinen Zwanzigern wechselte ich zwischen Bier und Wein und es wurde nach der Geburt meiner Kinder zu meinem allabendlichen Ritual. Ich musste runterkommen. Wollte mir etwas gönnen, mich entspannen. Schnell einschlafen.

    In den letzten fünfundzwanzig Jahren war es ausschließlich Rotwein, den ich als Lösung für alle Probleme auf den Plan gerufen habe. Mein Sohn hat eine Form von Autismus, wir waren in unzähligen Therapien, Programmen, Gesprächen und Maßnahmen. Ich brauchte Abstand von den Problemen, vom Alltag und den bescherte mir der Wein. Zuletzt zwei Flaschen Rotwein jeden Abend, in seltenen Fällen mehr.

    Ich kann nicht sagen, wie viel Scham ich darüber empfinde, dass ich immer wieder viel zu viel getrunken habe, auf der Couch einschlief, alle um mich herum beschimpft habe, mich selbst belogen habe, weil ich mir tausend mal vornahm, heute mal weniger zu trinken und es immer gescheitert ist. Jeden Morgen habe ich Angst gehabt, eine Fahne zu haben, ich konnte nicht in den Spiegel schauen und mein aufgedunsenes gerötetes Gesicht anschauen. Ich hasste mich weil ich außer dem Wein keine Möglichkeit in Betracht gezogen habe runter zu kommen.

    Ich bin heute den 51. Tag trocken aus eigenem Antrieb, weil ich die Nase voll habe. Ich kann mit Alkohol keine Beziehung mehr haben, es strengt mich an, frustriert mich und ich habe keine Kraft mehr weiter zu trinken, Kater zu haben, mich zu schämen für mein Benehmen im Rausch. Alle Versuche nach einer Trinkpause kontrolliert trinken zu können, sind gescheitert.(es gab schon vorher Trinkpausen, allerdings eher aus Gründen der Disziplin).

    Ich fühle mich noch ziemlich nackt in meinem Prozess der Trockenheit, und bin auf der Suche nach Gleichgesinnten, die meine Gedanken und Gefühle auf dem Weg in ein Leben ohne Alkohol teilen.

    Herzliche Grüße, Mauseweich