Hallo Aurora,
Ja, es tut so verdammt weh und es fällt mir sooo schwer zu verstehen und zu akzeptieren, dass die Liebe gegen die Sucht nichts ausrichten kann.
Wir hatten so viele Pläne. Ich hatte alles für ihn aufgegeben um mit ihm ein gemeinsames Leben zu leben. Wir hatten anfangs beide für diese Patchworkfamilie gekämpft. Von der Kindsmutter seiner Kinder und vom Kindsvater meiner Kinder kam anfangs nur Gegenwind und viel Manipulation der Kinder.
Das Patchwork nicht leicht wird, war uns beiden klar. Aber zu dem Zeitpunkt hatten wir auch noch miteinander agiert, gegenseitig unterstützt und zusammen gehalten. Es war eine Beziehung auf Augenhöhe.
Aber je mehr er Trank, desto mehr hab ich gemerkt, das er nur noch von mir Unterstützung erwartete und meine Wünsche und Bedürfnisse immer mehr in den Hintergrund gerückt sind. Ich hatte den Eindruck, dass er regelrecht vor uns flieht. Er hatte auf einmal für alles Zeit. Freunde, Hobby etc. Nur für die Familie nicht mehr. Da wurden oft ausreden gesucht.
Und ich hab die Schuld bei mir gesucht. Hab mir mehr Mühe gegeben und wollte es ihm Recht machen. Aber es hat nicht gereicht und ich war erschöpft.
Es gab immer mehr Vorwürfe gegen mich und meine Kinder.
Bis mich meine Mutter dann mal gefragt hat, wieviel er eigentlich trinkt und ob in seinem Freundeskreis und auch bei seinem Hobby öfter viel getrunken wird.
Darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Natürlich wurde da getrunken, aber es war für mich irgendwie normal, gehörte dazu. Ich habe selbst manchmal mit getrunken.
Wie ich anfangs schon geschrieben habe bin ich auch EKA.
Meine Mutter hat lange gebraucht aus der Co Abhängigkeit raus zu kommen. Da waren wir Kinder alle schon längst ausgezogen.
Aber erst durch ihren Hinweis hatte ich dies beobachtet und gesehen wie viel er tatsächlich trinkt und mir wurde langsam klar dass ich mit meinen Kinder vermutlich auch in dieser Situation stecke.
Ob er heimlich getrunken hat, glaube ich tatsächlich nicht, da bei uns immer Flaschen auf dem Terassentisch standen und er regelmäßig Flaschen aus dem Keller holte.
Aber die Erkennnis hat mir den Boden unter den Füßen weg gezogen. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, dass nicht früher gesehen zu haben, hatte ich es doch 18 Jahre mit meinem Papa mit gemacht. Ich war zu nichts mehr fähig. War nur noch am weinen.
Irgendwann hatte ich mich wieder einiger maßen gefangen und hatte angefangen im Internet zu suchen und bin so auf dieses Forum gestoßen.
Ich habe sehr lange viel mitgelesen, was mir von ihm tatsächlich auch als Vorwurf gemacht wurde (Ich würde ja nur noch am Handy sitzen), dabei wollte ich für mich wissen, wie ich mit dieser Situation am Besten umgehen kann.
Ich hatte dann das Thema vermehrt angesprochen, aber er wollte es selbst nicht einsehen.
Bis zu einem sehr heftigen Streit zwischen uns. Bei diesem Streit hat er mich 3 Stunden lang nur fertig gemacht, mir die Schuld an allem gegeben und zum Schluss mit seiner Ex Frau verwechselt. Er war auf einmal ein andere Mensch. So kannte ich ihn nicht.
Am nächsten Tag hatte er sich dann entschuldigt. Er konnte sich nicht mehr an alle Worte erinnern, wusste aber das er sehr verletzend war. Da war er dann einsichtig, dass er ein Problem hat. Wollte sich aber keine Hilfe holen, sondern versuchen kontrolliert zu trinken. Ich hatte wirklich Hoffnung. Bis nach zwei Wochen eine Flaschen Lieferung kam, angeblich damit man verschiedene Schnapsflaschen hat, um Sie zu Geburtstagen zu verschenken. Ganze 21 Tage hatte er durchgehalten. Ichvwar so enttäuscht.
Leider gab es noch ein paar solcher Ausfälle und Streitigkeiten.
Aber er wollte nichts mehr von dem Thema Alkohol hören. Ich solle ihn mit dem Alkohol in Ruhe lassen.
Es tut weh zu sehen, wie der Mensch den man liebt, sich selbst kaputt macht. Es tut weh ihm nicht helfen zu können und zu wissen, dass er seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht hat.
Ich habe die Wohnung schon seit Juli. Der eigentliche Gedanke war das ich mir einen Rückzugsort für mich und meine Kinder schaffe, wenn es mal wieder droht zu eskalieren, aber nicht gleich komplett ausziehe. Er hatte dafür Verständnis. Er hatte mir sogar noch beim Aufbau der Möbel geholfen. Bis da hatte ich tatsächlich noch gehofft, dass er irgendwann die Einsicht bekommt.
Bis er dann an einem Tag aus dem nichts meinte, dass wenn ich so packe noch die nächsten 6 Monate hier wäre. Er war an diesem Tag sehr gereizt, hatte an dem Abend Nachtschicht und konnte davor ja nix trinken. Meist hatte er erst Abends getrunken, hin und wieder gab es nach der Nachtschicht auch einen Kaffee mit Schuss bevor er dann ins Bett ging. Vielleicht hat ihn die Vorstellung die ganze Woche Nachtschicht zu haben und abends nix trinken zu können, so launisch werden lassen, ich weiß es nicht. Aber nach der Aussage, hab ich dann kapituliert. Ich habe innerhalb von 4 Tagen sowohl Kinderzimmer, als auch meinen Kram gepackt und bin komplett ausgezogen. Das war vor 19 Tagen und er fehlt mir wirklich sehr.
Aktuell bin ich ständig erkältet. Sobald ich wieder arbeiten gehe, dauert es ca. 4 Tage und ich hänge wieder drin.
Ich bin mental sehr nah am Wasser gebaut.
Ich müsste für meine Kinder stark sein, fühle mich aber aktuell so extrem kraftlos.
Meine Kinder fühlen sich in der neuen Wohnung wohl, aber ich bin noch nicht angekommen. Es fühlt sich an wie eine Ferienwohnung und mir fehlt der Mann der er war und alles was wir uns aufgebaut hatten wirklich sehr.
Ich wollte nicht mehr von vorne anfangen müssen, ich wollte endlich ankommen und bei ihm war ich angekommen.
Das alles wurde mir durch den Alkohol genommen.
Ich weiß das er nicht er selbst ist, wenn er trinkt und auch die Schuldzuweisungen und Vertrauensbrüche und Verletzende Worte nicht von ihm kommen, sondern der Alkohol aus ihm spricht.
Das alles ist mir bewusst. Vielleicht halte ich deshalb noch so sehr daran fest und konnte mich bislang nur räumlich von ihm trennen.