Beiträge von Rosa1807

    Ich glaube, wir reden gerade ein bisschen aneinander vorbei. Ich suche eine Antwort darauf, wie man solche Situationen im echten Leben mit Kindern, Arbeit und festen Verpflichtungen praktisch löst.

    Ich habe den Schritt gewagt und die Trennung ausgesprochen. Statt dafür vielleicht auch einmal Zuspruch zu bekommen, habe ich jetzt eher das Gefühl, dafür kritisiert zu werden, dass ich mich angeblich zu spät getrennt habe. Und gleichzeitig verstehe ich aus deiner Antwort, dass man nach einer Trennung grundsätzlich nichts mehr gemeinsam mit den Kindern unternehmen sollte, weil das sonst Hoffnung schüren könnte. Ist das wirklich so gemeint? Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich lebensfern. Es gibt Geburtstage, Schultermine, besondere Anlässe oder vielleicht auch einfach mal einen gemeinsamen Ausflug. Das bedeutet doch nicht automatisch, dass die Trennung infrage gestellt wird.

    Meine eigentliche Frage wurde aber leider noch nicht beantwortet.

    Nehmen wir ein ganz konkretes Beispiel aus meinem Alltag:

    Ich muss freitags bis 16 Uhr arbeiten. Die Kinder müssen aber um 15 Uhr abgeholt werden. Eigentlich wäre das seine Betreuungszeit. Jetzt erfahre ich donnerstags, dass er einen Rückfall hatte und deshalb die Kinder am Freitag nicht nehmen kann.

    Was mache ich dann konkret?

    Natürlich müssen die Kinder sicher betreut sein. Also brauche ich im Zweifel ein Backup. Aber bedeutet das jetzt, dass ich dauerhaft zusätzlich eine Ersatzbetreuung organisieren muss, obwohl eigentlich er für diese Zeit zuständig wäre? Das bedeutet für mich ja noch mehr Organisation und Aufwand.

    Und noch eine Frage: Muss bzw. darf er wissen, wer dieses Backup ist? Oder wäre es schon wieder co-abhängig, wenn ich ihm sage: „Kein Problem, ich habe jemanden, der die Kinder übernimmt“, weil er dann möglicherweise denkt, dass seine Ausfälle letztlich keine Konsequenzen für ihn haben?

    Genau hier brauche ich eine Antwort aus dem echten Leben und keine Theorie über co-abhängige Handlungsmuster.

    Wie macht man das praktisch, wenn man getrennt ist, Kinder hat, arbeiten muss und der andere Elternteil aufgrund eines Rückfalls kurzfristig als Betreuungsperson ausfällt?

    Ich möchte weder seinen Rückfall auffangen noch ihn kontrollieren oder ihm das Gefühl geben, dass ich sein Sicherheitsnetz bin. Gleichzeitig kann ich aber auch nicht einfach um 15 Uhr meinen Arbeitsplatz verlassen, nur weil er kurzfristig ausfällt.

    Wie löst ihr solche Situationen konkret?

    Hallo Rennschnecke, danke der Nachfrage. Ich könnte jetzt Romane schreiben, was in den letzten 6 Monaten passiert ist. Um es auf den Punkt zu bringen, es ist seit Anfang Juni rückfalltechnisch komplett eskaliert und ich habe die Trennung ausgesprochen. Mein Mann hatte nun schon zwei Klinikaufenthalte hinter sich. Nun ist er seit einer Woche wieder zurück und lebt bei seinen Eltern. Da wir beide diese Woche noch frei hatten, haben wir uns viel gesehen und gemeinsam etwas mit den Kindern unternommen. Das war auch wirklich schön, aber dennoch ist es einfach eine super schwierige und surreale Situation. Wir sind beide extrem traurig und möchten eigentlich beide einfach friedlich als Familie zusammenleben, aber es ist einfach zu viel passiert. Und ich kriege in meinem Kopf auch keine Ordnung hin, weil einfach noch komplett ungewiss ist, wie es die nächsten Monate läuft. Es ist halt so, dass mir die Trennung einen Scheißdreck bringt, weil sie nicht das löst, was das eigentliche Problem ist. Ich hab kein Vertrauen mehr und ich hab durchgehend Angst, dass was passiert. Ob wir zusammen sind oder nicht, ich muss mich ja trotzdem auf ihn verlassen können, weil wir Kinder haben, die ihren Vater auch sehr lieben und ihn sehen wollen. Aber wenn ich mit ihm z.b. Tage vorher ausmache, er soll die Kinder freitags abholen und hat donnerstags einen Rückfall, habe ich überhaupt nix gewonnen mit meiner Trennung. Wenn du dazu einen Rat hättest, wäre ich sehr dankbar, ich bin nämlich ratlos.

    Wünsche euch allen auch einen schönen ersten Advent!
    Eine Frage an diejenigen, die schon eine Trennung hinter sich haben: Wie war es unmittelbar danach? Wie war der Kontakt, insbesondere zu den Kindern? Ich kann mir im Moment nicht ganz vorstellen, wie so etwas mit Würde umsetzbar ist. Kennt ihr es, wenn der Partner sagt, dass wenn er gehen und alleine leben muss, dann komplett untergehen wird? Ich glaube, mein Mann will damit nicht bewusst manipulativ sein, aber um mal die Fakten auszusprechen, genau das ist manipulativ.

    Was mich praktisch aufhält, ist, dass im Grunde genommen bei uns zu 90 Prozent alles in Ordnung ist. Wir haben ein gutes und geregeltes und eigentlich auch erfülltes Leben. Diese zehn Prozent, in denen es alle paar Wochen oder Monate eskaliert und mein Mann einen Rückfall hat, die sind jedoch so intensiv, dass sie die restlichen 90 Prozent praktisch in dem Moment auffressen. Mein Mann war vier Jahre komplett trocken. Es war keine Option, irgendetwas zu trinken. Es war einfach keine. Und plötzlich ist es passiert. Und diese Hoffnung, daran wieder anknüpfen zu können, an 2019, wo alles in Ordnung war, ist immer noch da. Ich glaube auch, dass er es irgendwann schaffen wird, dass er es auch mal schafft, 20 Jahre trocken zu sein. Aber wann fangen diese 20 Jahre an, frage ich mich. Wir machen das jetzt doch schon wieder über zwei Jahre durch. Mein älterer Sohn (5) greift die Situation noch nicht komplett in diesen Momenten. Er sieht eher, dass ich diejenige bin, die dann wütend wird und laut wird. Er hat schon öfters zu mir gesagt, ich solle nicht schimpfen, weil Papa krank sei und nichts dafür könne. Wenn er sowas sagt, bin ich echt platt. Denn im Prinzip hat er Recht, aber er durchdringt in seinem Alter einfach nicht die Tragweite dieser Krankheit und was es für das Umfeld bedeutet.

    vielen Dank für eure Nachrichten! Ich hatte das ungemeine Glück in einem Haushalt aufzuwachsen, indem Alkohol kein Thema war. Es muss furchtbar sein, wenn man schon mit dieser Ohnmacht aufwächst und dann in eine Beziehung gerät, in der sich diese Muster wiederholen.

    Liebe Grüße und viel Kraft auch an euch!

    Hallo, ich bin Rosa und mit einem Alkoholiker verheiratet. Mein Mann und ich kennen uns seit der Schulzeit. Wir waren während dieser Zeit zweimal zusammen, hatten dann zehn Jahre keinen Kontakt und trafen uns zufällig wieder. Es war relativ schnell klar, dass immer noch Gefühle im Spiel sind, und so kamen wir wieder zusammen. Das war im Jahr 2016.

    Ich wusste am Anfang nicht, was los ist, aber ich bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmt. Zunächst war eine Art Depression im Raum – und es war tatsächlich eine Depression. Aufgrund dieser Depression kam es immer wieder zu Alkoholmissbrauch. Erst etwas später wurde mir dann klar, dass er (auch) alkoholabhänghig ist. Für mich war das eine völlig neue Situation, dass auch in völlig unpassenden Situationen große Mengen Alkohol konsumiert wurden.

    Mein Mann ist Quartalstrinker. er trinkt entweder gar nicht oder sehr große Mengen, die ihn komplett aus der Bahn werfen. Man hat dann keinen Zugang mehr zu ihm. Es ist alles oder nichts. Das spitzte sich im Jahr 2019 so weit zu, dass ich bereit war zu gehen. Nach mehreren Wochen zeigte sich jedoch, dass er den Willen hatte, sich zu verändern. Ich habe ihm das geglaubt – und tatsächlich hat es über vier Jahre funktioniert.

    Im Jahr 2020 kam unser erstes Kind zur Welt. Im Mai 2023 habe ich festgestellt, dass ich mit dem zweiten Kind schwanger bin. Und im Juni 2023 begannen die Rückfälle erneut. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, weil dieses Thema für uns praktisch begraben war. Seit diesem Rückfall kommt es, wie schon vor 2019, immer wieder zu sehr heftigen Rückfällen. Mittlerweile sind jedoch zwei Kinder betroffen. Mein großer Sohn ist fünf Jahre alt, der kleine ist inzwischen knapp zwei. Und mein Großer bekommt sehr viel mit.

    Die Streitereien eskalieren stark. Oft durch mich, weil ich völlig fassungslos und unsagbar wütend werde, wenn ich bemerke, dass er getrunken hat. Er hat Krankheitseinsicht und versucht, daran zu arbeiten. Aufgrund seiner beruflichen Belastung nimmt er einmal wöchentlich über Teams an einer Selbsthilfegruppe teil. Er hat auch einen Therapeuten, mit dem er sich über Teams austauscht. Der Wille ist da. Mittlerweile kommt er meist auf mich zu, wenn er merkt, dass er zittert oder Craving hat. Wenn er mir rechtzeitig Bescheid sagt, kann ich ihm helfen. Ich weiß, dass man das eigentlich nicht tun sollte, aber wir haben Medikamente zu Hause und dosieren sie sehr vorsichtig, wenn er sehr unruhige Phasen hat. Das passiert nicht häufig, vielleicht alle 6 Wochen. Edit

    Aber heute ist wieder etwas vorgefallen. Ich kann es einfach nicht fassen. Wir waren mit den Kindern im Wohnzimmer, und er ist kurz ins Erdgeschoss gegangen, um irgendetwas zu erledigen. Als er zurückkam, bemerkte ich, dass etwas nicht stimmt. Er hatte tatsächlich getrunken, während die Kinder anwesend waren. Ich habe aus der Werkzeugschublade zwei kleine Wodkaflaschen herausgezogen. Mittlerweile ist es so weit, dass er wohl auch im Beisein der Kinder heimlich trinkt.

    Das Schlimmste ist das Lügen – dieses respektlose Lügen, dieses Nicht-Zugeben-Wollen, dass er getrunken hat. Man wird verarscht und für dumm verkauft. Ich werde wahnsinnig davon und weiß nicht mehr, was ich tun soll. Seine Eltern haben ihn gerade mit dem Taxi abgeholt, und ich bin am Ende meiner Kräfte. Ich kann dieses Lügen nicht mehr ertragen. Wir haben wirklich alles versucht, und an sich muss man sagen, er ist auf einem guten Weg – aber wir schaffen es nicht. Wir bekommen diese Tür einfach nicht zu.

    Mein Sohn ist so traumatisiert. Die Streits eskalieren so sehr. Vor allem im Jahr 2024 gab es extrem schlimme Auseinandersetzungen. Ich möchte meine Kinder nicht länger solchen Situationen aussetzen. Es bricht mir das Herz. Aber wenn ich bemerke, dass er trinkt und mich belügt, sehe ich selbst einfach rot. Daher die Frage: Wann ist es Zeit zu gehen?“