Moin. Heute in drei Wochen lebe ich endlich in meiner eigenen Wohnung. Es ist Wahnsinn, wie die Zeit rennt. Gedanklich bin ich noch im Januar. Es ist unwirklich, ich habe viele Gefühle verloren.
Meine Trauerbewältigung hält noch an. Manche Tage überstehe ich, an einigen ist es ganz heftig.
Die vorrübergende Unterbringung bei meinen Eltern ist heftig. Wir stoßen mittlerweile an Grenzen, die nicht mehr einfach so sind.
Oft rast mein Herz, dann meine Probleme, Job, mein Kind auch noch dabei. Die Nerven sind einfach fertig. Das ist eine Höchstbelastung.
Ablenkung funktioniert kaum, ich habe nach kurzer Zeit keine Lust mehr, verfangenmixh in Gedanke und Schuld mit Scham, mit Ängsten und emotionaler Leere.
Es kommt immer häufiger vor, dass ich diese Enge spüre, wie ein Druck der mir die Kehle zuschnürt. Ich kenne dieses Gefühl mehr als gut. Das ist das Gefühl raus zu müssen, an den Waldrand und Bier trinken, bis das Leben wieder schön ist.
Die Gefühle sind alle ungefiltert, was nicht da ist, ist der Drang auf Bier.
Mein Kumpel hat am Freitag zum Eishockey mitgenommen. Da waren wir früher immer. Sowohl mit Bier als auch ohne. War lieb gemeint, bisschen Ablenkung. Aber der Kopf will einfach ich Freude empfinden. Neben mir der hat einfach nur nach Bier gestunken. Ich konnte den Geruch bei anderen noch nie ab. Ich weiß, was meine Ex ertragen musste und noch lächerlicher, alsob ein Fisherman dagegen hilft. Das hat mich noch mehr getroffen. Diese Scham und die Erkenntnis, was ich gemacht habe.
Der Blick in den Spiegel zeigt mir, dass ich gesundheitlich auf dem richtigen Weg bin, ich erkenne mich nicht mehr wieder. Auch der Blutdruck dürfte wieder normal sein, die roten Wangen bei Stress und Anstrengung treten nicht mehr auf. Langsam bekommt es mehr Struktur, liegt aber auch am Sport.
Die Therapie tut gut, aber ich finde es auch sehr kräftezehrend. Man kommt sich wie ein kranker Psycho mit ganz vielen Problemen vor, während alle um einen rum locker drauf sind.
Eigentlich bin ich auf einem guten Weg. Ich trinke nicht weil es normal ist und ich gar keine Grund empfinde es zu ändern. Ich reflektiere mich und finde hoffentlich irgendwann zu mir. Ich mache Sport und baue mir eigene feste Strukturen auf, die unabhängig von Personen sind.
Alles soweit gut und normal.
Nur immer wieder kommen diese Panikattacke hoch: wenn du nicht getrunken hättest, dann wäre alles gut gegangen, dann wärst du nicht da, wo du bist.
Meine Psychologin sehe ich manchmal als kritisch an. Vor meiner Beziehung war ich stabil, ausgeglichen und nüchtern. Weder anfällig noch sonstwas
Und trotzdem kippte etwas in mir, was zu all dem geführt hat. Sie argumentiert, dass das Problem nicht der Alkohol war, sondern Beziehungsstrulturen. Ich hätte auch was anderes machen können, die Probleme waren da. Bier war ein erlerntes Heilmittel dagegen. Weil ich ab der Trennung es nicht mehr ändern konnte, war diese Art von Lösung keine Option mehr, dadurch war das Verlangen weg, weil es nichts mehr brachte.
Jetzt kommt stundenlanges mit Selbstliebe, innere Stabilität, Grenzen usw
Aber es ergibt für mich keine richtige Lösung, weil normale instabile Menschen ja auch nicht immer zum Alkohol greifen
Mir ist schon klar, dass es weit verbreitet ist, dass es zur Bewältigung von Problemen genutzt wird. Mir macht es eher Sorgen, mit welcher „Logik“ ich nach Jahren danach es wieder genommen habe um es dann wieder abzustellen, als für mich alles kaputt war.
Und bis heute finde ich nicht zu mir und meinem Seelenfrieden und habe ehrlich gesagt Angst, dass es wieder Jahre gut geht und irgendwann es wieder kippt. Also was aktuell für mich unvorstellbar ist, aufeinmal wieder da ist, weil ich keine Ausweg aus meinen Gefühlen finde.
Seitdem ich nichts mehr trinke, kann ich nicht mehr weinen. Das Bier war oft mein Mittel um für mich im ruhigen am Wald richtig loszu heulen, den ganzen Druck abzulassen. Ich kenne danach das Gefühl auch, wenn wie ein großer Klotz weg ist. Aufgestauter Balast. Und trotz Therapie, Reden, Sport empfinde ich trotzdem eine seelische Unzufriedenheit.