Danke für die Meldung.
Mein Suchthirn ging nie in Momenten an, wenn es Alkohol gab. Es kam immer daheim, wenn es stressig war. Ich sag es als stressig. Das sind Momente voller Wut, Streit der nicht ausgesprochen und diskutiert wurde, Frustration usw. Ich bin dann immer aktiv losgefahren. Wenn es nach 20 Uhr war, Pech, hatte nichts mehr offen. Habe aber nie bewusst eingekauft oder was im Haus gehabt, für den Notfall. Genauso wenig bin ich an den Rotwein meiner Ex oder die Spirituosen. Das war nicht meins, das war Tabu.
Jetzt wo es alles vorbei ist, hat es auch schlagartig aufgehört. Der innere Druck und Schmerz ist ein völlig anderer. Es bringt nichts zu trinken. Die Situation ändert sich nicht. Ich muss also nicht nur den Abend oder Tag aushalten, sondern die Folgenden auch. Das ist der wesentliche Unterschied. Die Betäubung war immer dann, wenn ich nur runterfahren musste und am nächsten Tag war alles wieder gut.
Dämlich aber so habe ich mich irgendwann konditioniert.
Ich ging auch manchmal einfach nur spazieren, weil ich bewusst nichts trinken wollte.
Habe hier viel gelesen, dass man keine Ursachen suchen sollte und die Sucht einfach da ist. Wenn ich mein Leben aber betrachte sind es immer die gleichen Faktoren, wenn Alkohol im Spiel war. Seit einem bewussten Umgang Mitte der 20er habe ich das Feiertrinken nicht mehr gehabt, es wurde sowas wie für mich als persönliche Entspannung. Ich habe getrunken, wenn ich allein war. Kein Gerede, einfach nur Ruhe. Am liebsten am Waldrand, auf einer Sommerwiesen. Dort saß ich manchmal stundenlang und habe irgendwann die Ruhe einfach nur genossen. Der Alkohol hatte bei mir IMMER einen Zweck. Nicht weil er da war oder so, sondern immer für eine bestimmte Wirkung.
Irgendwann hab ich gelernt, dass Sport, Motorradfahren und Wandern den selben Effekt bringen. Das war zu den Zeiten, wo ich erst ne Woche, dann ein Monat und dann Jahre nicht mehr getrunken habe. Das erste Jahr hab ich fast vergessen, hab beim Übertrag vom Kalender gesehen: letzter Tag Bier und dachte wow, hast nicht einmal dran gedacht.
Deswegen fressen mich diese Zweifel, diese Wut und dieser Selbsthass auf. Mit so einem Leben bin ich in die Beziehung gegangen, raus mit regelmäßigen und unregelmäßigem Konsum an Abenden. Eine Art Betäubung von allem..Trotz großer Liebe. Vielleicht tief im Inneren unerfüllte Liebe, wo zu wenig zurückkam. Ich weiß es nicht. Es ist tief im Inneren drin. Das sind die Hauptprobleme, der Alkohol ist nur ein Hebel des Ganzen. Daher hatte ich auch nie Probleme wenn Urlaub war. Da waren wir die ganze Zeit zusammen, haben viel gemacht. Ich war ausgeglichen und glücklich. Kein Alkohol. Genauso am Wochenende, das wären echt schöne Momenten. Glaube aber die Beziehung hatte einen Knacks bekommen und daher war hinter allem immer Alkohol, das Vertrauen kaputt. Das führte zu Spannungen und letztendlich zu nochmehr Wut, Rückzug, Enttäuschung und Frust.
Am Ende hab ich es ihr auf dem Silbertablett präsentiert: hier ist dein Alki.
Ja, ich hatte meine Chancen, hatte es alles in der eigenen Hand. Nur leider sind die Umstände nicht immer die, die man braucht.
Für euch wäre das wahrscheinlich nichts, dass sie trotzdem vor mir ihren Wein trank, dass wir nen Rumtopf angesetzt haben, dass Schnaps und Co im Haushalt waren. sie wollte es sich nicht verbieten lassen.
Ist ihr Recht, sie muss ja ihr Leben nicht umstellen. Ich hab Verständnis dafür.
Die Therapeutin meinte: wow, die liebt sie aber! Hält es ihnen noch unter die Nase.
Das stimmt leider auch, dass von mir Charakter und Beständigkeit gefordert wurde, wenn nicht bin ich der Falsche. wenn man wen sehr liebt, nimmt man alles hin. Das habe ich. Bis heute. Ich habe sie nicht mehr, sie hat schon wen neues, lebt ihr Leben genüßlich weiter.
Ja, Außenstehende sagen, sei froh, denk an dich.
Ich kam als glücklicher, sportlicher Mann und ging als seelisches Wrack.
Nach der Trennung habe ich abends noch getrunken, nur um zu schlafen. Ich sah mich im Spiegel und schüttelte mit dem Kopf. Da war er dann wieder, der Schalter, der mich wieder aufs richtige Gleis brachte.
Ich hatte nur noch zu verlieren. Es war aus, ich war allein. Aber das Bier wollte ich nicht bei mir lassen. Das gehörte nicht zu mir.
Das war der letzte Abend als ich getrunken habe. Bis heute. Kein Rückfall, keine Gedanken. Ich meide bewusst keine Situationen. Zum einen weil das Leben so ist und ich mich nicht vor irgendwas schützen will, alswenn ich eine ansteckende Krankheit habe. Ich sehe es, wenn andere trinken. Es gibt mir aber nichts. Ich habe es gesehen, was es bewirkt, und dass aus meinem Frusttrinken auch mal ganz schnell ein regelmäßiges Saufen werden kann, bis hin, dass der Körper es braucht. Da will ich nicht hin. Ich kann die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Sie hat mich nie gezwungen zu trinken, hat immer gesagt lass es. Nach einem Jahr Beziehung mit all den Problemen, die auf und abs bin ich dort gelandet, weshalb ich mich hier angemeldet habe. Ich muss auf mich achten, auf mein Bauchgefühl um nie wieder dort zu landen wo ich war: ich einer emotionalen, räumlichen, finanziellen und Körperlichen Abhängigkeit von einem Menschen. Weil dann habe ich auch keine Kontrolle mehr über meine Gefühle und mein Handeln.
Wie gesagt, ich zähle schon lange keine Tage und Wochen mehr, weil ich nichts erzielen muss, keine Etappe oder anderes. Mein Leben hat an einem bestimmten Tag wieder den richtigen Weg eingeschlagen und den gehe ich jetzt weiter. Mit Liebeskummer aber gesund.
Ich weiß nicht wieso ich dort gelandet bin, wo ich noch nie war und ärger mich ununterbrochen über mein Handeln, meine Schwäche, kein Problem. Ich hätte alles haben können und habe es versaut.
Es ist schwer auf andere zu hören, dass es nicht an mir allein gelegen hat. Alkohol kann man nachweisen, Frust und unglückliche Liebe/ Leben aber nicht. Das ist nicht messbar.
Am meisten habe ich Angst vor der Zukunft. Sie war die große Liebe. Nach all meinen Beziehungen war es endlich eine tolle Frau. Unser Leben war für mich wie im Bilderbuch. Bis auf die andere Seite der Medaille. abgesehen davon, dass ich derzeit gar nicht in der Lage wäre mich mit wem zu treffen, sehe ich meine Ausgangslage wieder bei 0. Die Sorge vor dem Alleinsein, nicht die richtige Frau, nicht die passenden Umstände usw. Das raubt mir derzeit den Schlaf .
Ich sag ja, der Alkohol ist gerade mein geringstes Problem, dafür bin nur ich zuständig. Eins der wenigen Sachen, die ich noch in der Hand habe.