Beiträge von Angler

    Eine Trennung mit Liebe, die man ja nicht wollte, wird lange dauern. Das geht nicht von heute auf Morgen weg.

    Du hast es schön geschrieben und das musst du dir bewusst machen: der Alkohol ist anderen auch aufgefallen. Du hast eine Trennung erlitten. Die geht es logischerweise heute nicht gut. Du willst nicht mehr trinken.

    Und du trinkst nicht mehr. Das musst du dir bewusst machen: trotz alldem greifst du nicht zum Alkohol. Du bist körperlich raus und jetzt geht es um die Stabilität. Heißt den schlimmsten und schwersten Schritt hast du hinter dir! Was du jetzt hast ist die Freiheit für dich. Du weißt was Alkohol bewirkt hat. Heißt, alle Entscheidungen und Dinge die ab jetzt passieren liegen nicht mehr am Alkohol! Der kann dir keinen Schaden mehr anrichten. Du allein bestimmst ob er wieder die Rolle übernehmen soll oder ob es das wahre Leben ist.

    Wahrscheinlich gibt es kein Zurück mehr. Ich musste auch lernen, dass nur Abstinenz nicht Vergebung heißt. Er heilt keine Verletzungen oder Vertrauensbrüche. Das ist härter zu wissen als der Alkohol selber.

    Genau das aber zeigt die: es liegt nicht an dir sondern an dem Alkohol, der das aus dir gemacht hat.
    Wenn du dir dem bewusst wirst, also richtig bis in die letzte Zelle deines Körpers, um so abstoßender wird der Alkohol. Du musst ihm dieses Image nehmen was du immer im Kopf hattest und es durch die Realität ersetzen: er macht so oder so am Ende alles kaputt. Die ersten 10 min Rausch und Ruhe fordern eine lebenslange Strafe. Vergleichbar mit dem Packt mit dem Teufel. Du verkaufst deine Seele.

    Du hast vielleicht nicht auf Verhalten und Gefühle anderer Einfluss aber auf deine. Und das einfachste ist einfach den Drink stehen lassen. Es ist nur ein Getränk! Du zahlst aber damit Trennung, Neuanfang, Liebeskummer, Zukunftssorgen usw. Das musst du immer im Kopf behalten. Nimm ihm die Verlockung.


    Was mir sehr geholfen hat war das Auseinander setzen damit, auf was verzichte ich? Wenn ich normal trinken könnte, würde ich es dann heute auch noch machen? Vor Einem Jahr war es noch: gesellige Runde. Das war das einzige was noch im Kopf war. Getrunken habe ich für mich, allein, aus Frust. Also alles andere als gesellig.
    Heute steht auf der Liste kein „Argument“ mehr weshalb der Alkohol (bisher) seine Verlockung verloren hat.

    Ich habe damit nicht nur Alkohol weggelassen, wieder Sport gemacht. Nein ich habe auch gespürt wer ich bin. Klar auch ich gehe seit einem halbe Jahr durch die Trennung mit wahnsinniger Schuld und Wissen es hätte nicht so sein müssen.

    Aber das letzte was noch was bringen würde wäre Alkohol. Ich würde es allen noch bestätigen, welchen Eindruck sie von mir zu letzt hatten.

    Ich will aber mein wahres Ich sein. Du wirst dich selber finden weil die Person die du jetzt bist und sein wirst, ist nicht mehr die alte. Du wirst bewusster und gestärkter rausgehen.

    Mir haben solche Sachen und Videos auch geholfen, mich bestärkt. Oft kam ich aber dann auch an den Punkt mit absoluter Traurigkeit und Wut auf mich. Es war einfach zu viel sich ständig damit zu beschäftigen.

    Manchmal muss man auch einfach gehen lassen. Unternimm was schönes ohne ständig die Gedanken daran. Glaub mir, irgendwann wird dich das nicht mehr so berühren wie jetzt. Ich hatte auch einige Jahre ohne Alkohol hinter mir und das Leben war schön. Mein Hintertürchen war aber „ein Bier wird schon gehen“ an einem Scheiß Tag. Ich hatte vorher keine Konsequenzen erfahren, damals so aufgehört. Heute habe ich massive Konsequenzen erfahren weshalb diese Tür jetzt zu ist. Das was du bisher geschafft hast … und das ist enorm… nämlich den Schritt machen und nicht nach einer Woche oder nach zwei Wochen wieder anfangen, kann dir keiner mehr nehmen! Nur du dir selber.

    Du gehst auf die Feier und ich sage dir, du wirst das gut machen. Weil du stärker bist als du dir selber zutraust. Diese Sachen bauen dich innerlich auf. Stück für Stück und sie bringen dich wieder zu dir. Dazu brauchst du keinen Alkohol. Die Kraft ist schon in dir drin.

    Also die 8 Bier konnten es schonmal sein. Oft sagte ich aber bei 6 dann stopp. Das war nämlich der Punkt wo dann das betrunken sein einsetzte. Das konnte ich ja nicht machen wenn wir zusammen waren.

    Oder wenn wir unterwegs waren oder im Urlaub trank ich ja auch gar nichts.


    4,62 Promille.

    Wir hatten einen Rumtopf, den hatte sie für Weihnachten angesetzt. Es war aber schon der 2. weil sie selber den ersten leer gezwitschert hatte.

    Jedenfalls kam sie heim mit einer Laune.. dann knallte sie die Tür und war weg. Also hab ich mir den Rumtopf genommen und ein großes Glas. Innerhalb von 20 min war der Topf fast leer. Und ich nichts zum Mittag… Tjoar. Im KH kam ich dann wieder zu mir.


    Fakt ist, wenn ich Bier getrunken habe, dann habe ich mich „besser“ gefühlt. Ich war für mich, in meiner Welt. Auf einmal war alles leicht und ohne Sorgen. Eine Stunde mal Ruhe im Kopf. Danach kippte es dann, dann wurde ich betrunken und das gute Gefühl war weg, es war dann nur noch: wie regelst du jetzt den restlichen Abend, was musst du vorbereiten und wie wirst du wieder nüchtern.

    Das meine ich damit, das war nicht ein Bier und dann ist Schluss. Ich wollte bewusst meine Anspannung und Frust betäuben. Einfach mal fallen lassen

    Ich gehe grundsätzlich zum Arzt. Irgendwann meinte er, der Gamma GT sei etwas hoch. Da habe ich gesagt, dass ich abends Bier trinke.
    Das war vor genau 10 Jahren. Sollte etwas kürzer treten.

    Da war ich Ende 20 und so richtig verzichten wollte ich auch nicht. Also habe ich es auf das Wochenende verlegt was aber dauerhaft nicht möglich war.


    Nach meiner Scheidung war es dann so, keine Kontrolle. Habe mir aber weniger Gedanken gemacht. Bei Corona im Hone Office war es dann tagsüber und das war der Moment wo ich sagte: ist ganz schön aber hier stimmt was nicht. Dann bekam ich auch Magenschmerzen und habe es dann gelassen.

    Das waren dann fast 3 Jahre.

    Ich habe es auch nicht vermisst. Habe irgendwann Sport gemacht und beim Eishockey hatte ich auf einmal viel mehr Energie. Wir haben viel mehr Ausflüge unternommen und ich habe deutlich Gewicht verloren. Das war eine schöne Zeit. Habe Extremwanderungen gemacht. An sich war ich ausgeglichen.


    Der Cut kam damals bei dem Umzug zu meiner Freundin. Ich hatte alles aufgegeben und durch ihre Nachtschichten war totaler Leerlauf. Es gab erste Spannungen und da habe ich die Gegend erkundet und auf einmal wieder ein Bier getrunken. Habe gemerkt, ich werde wieder ruhiger, wie früher.


    Dann kam alles zusammen. Immer wieder kam das Bier.
    Bis es aufgefallen ist. Dann war halt Beratung angesagt weil ich merkte, das nimmt Überhand. Wieder monatelang alles gut, wieder ein seelischer Einbruch (Reha, Heimweh, verlustangst) wieder Bier, wieder Beratung. Wieder phasenweise ohne.
    Und so ging das dann bis zum Dezember. Man kann also sagen von Sommer 2024 bis Herbst 2025 kam der Alkohol immer wieder in Spiel.


    Nach der Trennung habe ich gesagt, ich will mein Leben wieder. Habe meine alten Freunde wieder getroffen, gehe fast täglich zum Sport, unternehme viel. Das ist bis heute. Ich mache was für mich.

    Fast jetzt ein halbes Jahr und ohne einen Tag wo ich schwach wurde oder Verlangen hatte.

    Nach der Trennung hatte ich zwei Wochen täglich getrunken, keine Massen aber jeden Abend um einzuschlafen. War ganz viel bei Ärzten und habe um Hilfe gebeten, was man machen kann. Unterm Strich war der Tag des Return aber eine Umstellung von mir heraus.

    Ich machte mir bewusst, dass ich das weder will noch brauche und diese Parallelwelt wieder verlassen will. Und das ist bis heute so. Habe ich Frust: Sport. Habe ich schlechte Gefühle: Rede ich, telefoniere oder halte sie aus.


    Alles was ich sonst nie gemacht habe.

    „Sehen Sie sich nicht durch die Brille Ihrer Ex. Sehen Sie sich nicht als ……. Sonder was Sie sind“.

    Ich spreche mit allen offen, wie es mir geht, was ich fühle und wie und wann ich trinke.

    Es ist aber nicht nur reden. Es ist wie eine völlige Gehirnwäsche die ich durchlaufen habe. Für mich ist das Thema durch. Ich habe absoluten Horror erlebt. Keine Gedanken an Alkohol, kein Neid oder Verzicht. Es fühlt sich an wie etwas was nie da war. In meinem jetzigen Leben! Nicht früher.

    Ja ich lerne auf mich zu achten, mich wertzuschätzen und es fällt mir wahnsinnig schwer. Aber ich habe wieder Anschluss und Aufgaben

    Ich meine damit, es ist kein Heroin was man sich spritz sondern es ist eben ein Lebensmittel, jedenfalls fällt es in den meisten Ländern eben darunter.

    Und das macht abhängig. Und wenn man sich das mal klar wird, kann man das kam glauben.

    Hoffe jetzt wird es deutlicher.

    Sagen wir mal so: ja, die Probleme waren schon da bzw. es entwickelten sich welche. Und ja, Alkohol war ein bekanntes Mittel gegen Stress was eine gefährliche Kombination wurde. Ich habe aber nie wirklich einen Ausweg gesehen außer mit starkem Willen es wieder zu lassen. Aber wie gesagt das Hintertürchen war immer offen.

    Das was auf jedenfall durch den Alkohol kommt: dauerhaft verändere ich mein Wesen. Das ist eine grundsätzliche Depressive Stimmung. Und die unterbricht man dann wieder mit Bier. Ein Teufelskreis.

    Diese Einstellung und die Sichtweise zum Alkohol hat sich aber erst richtig gefestigt, als ich die psychologische Hilfe in Anspruch genommen habe.

    Ich werde nie einen gesunden Umgang mit Bier haben. Er wird immer alte Muster aufreißen, an Erinnerungen andocken.

    Das entscheidende ist das Bewusstsein. Ich habe seit Jahren ganz offen mit meinen Ärzten darüber gesprochen. Die kannten alles von mir. Trinkmenge, Situationen usw. Obwohl ich selber sage, ich bin Alkoholiker wurde immer nur Alkoholmissbrauch diagnostiziert, keine Abhängigkeit. Das hat mir im Januar auch eine sofortige Einweisung verhindert. Die Entzugsklinik hat mich "auf Grund der Geringfügigkeit" eiskalt abgelehnt als ich mit meiner Tasche und der Überweisung da stand.

    Das ganze Thema macht mir sehr zu schaffen. Ich höre auf meine Therapeutin und setze das um was sie sagt (Eigenverantwortlichkeit, Ausgleich, Selbstfürsorge), was mir bisher meine Stabilität brachte.

    Andererseits sehe ich auch die Gefahr, dass der bisherige "Erfolg" evtl. nur durch Stress, Panik und Traumata gekommen ist.

    Und ich weiss auch, dass ich mir immer viel zu viel Gedanken um alles mache statt es mal genieße oder zufrieden bin. Ich gehe mir täglich vor Gericht, und verklage mich.


    Fakt ist: ich habe mit Bier die Hölle erlebt. Für mich, meine Partnerschaft, für meinen Charakter. Einen Kreislauf den ich nie durchschaut habe. Heute blicke ich auf das Ganze und kann nur sagen: das will ich nie wieder erleben. Kein Bier kann so verlockend sein, das noch einmal zu erfahren. es hat mich für das Leben geprägt.

    Danke dir!

    Diese Aufarbeitung kam viel zu spät. Man denkt immer, man bekommt vieles hin. Auch mit Hilfe, mit Reden usw.

    Am Ende ist es aber nur ein Verdrängen und eher Ablenkung. Ich habe auch immer gedacht ich bin innerlich stark.
    War ich aber nie. Ich habe meine Stabilität von anderen abhängig gemacht.

    Gestern war ein sehr stressiger Tag. Mittendrin kam das Schlimmste was mit passieren kann: Meine Ex mit ihrem neuen Freund.

    Das war nicht nur ein Schlag in den Magen, es war wie ein Sterben. Innerlich war gar nichts mehr zu machen, dass ich nicht umgekippt bin ist alles.

    Abends im Bett ist mir das aber erst bewusst geworden: Es war kein einziger Gedanke an Alkohol oder Bier. Kein "jetzt brauche ich was". Selbst als ich es nochmal hab sacken lassen, wollte ich alles aber kein Bier. Völlige Ablehnung. Dabei sind gerade diese Gefühle die gewesen, die mich ins EDEKA brachten weil ich dachte, du hälst das nicht aus.

    Die Tage vergehen nur so und ich merke oft, dass mein Alkohol-Inneres sich sehr gewandelt hat. Es ist immer mehr wie früher, ohne das Zeug. Die Zeiten ohne "Verlangen", ohne Lust auf den Geschmack. Ohne diesen furchtbaren Rausch. Ohne die Gedanken "jetzt trinkst du mal einfach Alkohol" - Was völlig absurd war.

    Es fühlt sich einfach so normal an. Was stark ist ist die Scham, Wut und die Erkenntnis was ich alles weggeworfen habe. Es fühlt sich unwirklich an. Unvorstellbar. Fremd. Und immer wieder das Wissen, das ist alles "nur" wegen einem Getränk. Etwas was ich nie will, nie brauchte und immer wieder gemacht habe. Was ein Irrsinn!

    Es ist eine wahnsinnige Wut auf mich aber auch auf das Bier. Es ist nur noch etwas was mir mein Leben immer wieder kaputt gemacht hat. Wie so eine graue, dunkle, neblige Welt in der ich immer dachte, das ist halt so. Was es für mich recht "leicht" macht, ist das Bewusstsein, dass mir Bier nie geschmeckt hat. Ich eine tolle Jugend und die 20er hatte OHNE Alkohol. Das ich da nie was vermisst habe. Dann schüttel ich immer mit dem Kopf und denke mir: Was hat dich dazu gebracht, das zu machen? Heute ist es für mich sehr belastend, was passiert ist. Ich akzeptiere es, dass ich es war. Aber ich weiß auch, dass ich das nicht bin. Es verfolgt mich trotzdem jeden Tag. Und jedesmal muss ich mir innerlich sagen: aber es ist heute nicht so. Nicht gestern, nicht letzte Woche, sondern seit Jahresanfang nicht mehr. Es sind nur deine Gedanken die dich noch einholen.

    Auch von mir, mein Beileid.

    Das ist hart, wenn man jemanden verliert. Bleib trotzdem immer bei dir. Und auch wenn es mal "schwer" sein sollte oder Gedanken kommen:

    Was mir geholfen hat, war meine Therapeutin, die mich fragte: "Was ändern Sie an der Situation, wenn Sie trinken? Nichts! Sie können es nicht ändern, die Situation wird gleich bleiben, aber Sie haben sich verändert und keinem geholfen."

    Diese Denkweise hat sich so eingebrannt, als wenn ich sie zum ersten Mal gehört hätte und vorher immer was anderes dachte.


    Wünsche dir weiterhin viel Kraft!

    Hier im Forum ist das aber aus guten Gründen nicht egal, Angler, s. meine u. a. Beiträge weiter o.

    Damit geht es darum, dass ich mir kein Schild auf die Stirn kleben muss um den Umgang mit Alkohol zu kennen. Der Begriff spielt keine Rolle was das Ergebnis betrifft: keinen Alkohol.

    Ich möchte nie wieder eine Wesensveränderung.

    Ich kenne meinen Weg, ich sehe die Gründe und Momente bis heute noch glasklar.

    Ja, man kann die Vergangenheit nicht ändern aber die Akzeptanz, es ist jetzt anders und gut, die kommt sehr langsam hinterher

    Da liegt ein Denkfehler vor, kann das sein?

    Wie willst Du Dich zukünftig verhalten, wenn Dir Steine in den Weg geräumt werden? Willst Du es wieder auf die anderen schieben?

    Genau das ist es ja. Ich habe eben nicht auf mich geachtet, nichts hinterfragt oder gehandelt. Ich habe reagiert, mich zurückgezogen, geschwiegen, mich angepasst. Und den Frust ertränkt.

    Wo ist mein Selbstbewusstsein? Wieso mache ich mir Sorgen und Gedanken über das Denken von anderen Menschen.

    Dazu kommen Verlustängste und Unzufriedenheit.

    Das sind Baustellen, die muss man angehen bzw. mache ich ja bereits. Und ich schiebe gar keine Schuld auf andere oder so. Das sind Auslöser. Ich bin ja nicht der einzige, den das so betrifft. Viele haben genau die gleichen Probleme. Genau das macht ja die Psychotherapie: Ursachen, Gründe, Vergangenheit.

    Ich will doch verstehen wieso das Thema Alkohol in mein Leben kam, zur Belastung wurde, zu Problemen führte. Wenn ich nur "verzichte" und alles beibehalte, dann lebe ich zwar abstinent aber immer mit dem warnenden Finger.

    Mir (!) hat es ungemein geholfen mal an Sachen ran zu gehen. Zu wissen was Auslöser waren und wie ich damit umgehe. Das ist nicht eine Feier die ich meide, es geht um den Alltag - abseits vom Alkohol. Sachen die sich aufstauen, die einen belasten usw. Man lernt viel von seinen Eltern aber niemand bringt dir bei wie man in Beziehungen mit Spannungen umgeht, mit persönlichen Niederlagen usw. Und genau da bin ich damals falsch abgebogen.

    Ich habe heute auch noch scheiß Tage z.B. an der Arbeit aber ich käme nicht mehr auf die Idee, mir auf dem Heimweg ein Bier zu holen. Weil ich es heute aus einer anderen Perspektive sehe. Also scheint ja der Weg für mich(!) nicht der falscheste zu sein...

    Guten Morgen,

    den Begriff kenne ich natürlich, den Zusammenhang wollte ich wissen. Es ist oft so, dass bei Veränderungen etwas neues gemacht wird. Nach Trennung fangen viele Männer mit Sport an, Frauen machen radikale Diäten oder ein Typwechsel. Die wenigsten beschäftigen sich intensiv mit den Problemen, übergehen vieles nach dem Motto "die Zeit heilt alle Wunden".

    Meine Therapeutin ist eine sehr gute Hilfe. ich bin an einem Punkt an meinem Leben, wo inneres Ungleichgewicht herrscht. Das bekommt man nicht einfach mit Ablenkung weg.


    Ich muss auch jetzt aufpassen, wie ich mich ausdrücken, dass das nicht wieder falsch verstanden wird.

    Therapeutin und Hausarzt sind im Austausch, mein Onkologe kennt auch meinen Hintergrund (F10.1G)

    Alkohol bewirkt eine massive Wesensveränderung. Am Anfang ruhig und dann wird es der pure Horror. Jeglicher Alkoholkonsum von mir kam immer durch äußere Umstände. Arbeit, Partnerschaft, Einsamkeit usw. nie selbst aus mir selber heraus.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht richtig, wie Suchtdruck sich anfühlt. Wenn ich ungute Gefühle hatte, Anspannung usw. dachte ich an ein Bier weil das beruhigend wirkt. Tat es auch. Und zwar beim ersten Schluck. Noch bevor es gewirkt hat. Als wenn der Kopf sagt: jetzt ist alles gut. Dann wirkte es: Nerven tot, Gedanken tot - Ruhe im Kopf. Puls ging runter. Das habe ich mir förmlich angelernt. Dann wird es mehr und mehr, irgendwann außer dem gesunden Rahmen und schon ist man drin. Dann wieder gestoppt weil man wusste ja, es kann keine Lösung sein. Irgendwann wieder ein "Ereignis" und wieder zum einkaufen gefahren.

    Ich bin jetzt mehre Monate raus und mir geht es alles andere als gut aber ich merke eins: ich fühle mich wieder freier, so wie damals. Dieses Bewusstsein diesen Kreislauf verlassen zu haben. Nicht wieder drin zu sein. Der Abstand vom Aufhören bis heute ist schon "zu groß" um kurzfristig wieder aus Blauäugigkeit zur Flasche zu greifen. Dawischen liegt nicht nur eine trinkfreie Zeit, es liegt auch eine wahnsinnige Aufarbeitung, die zu einer völlig anderen Sicht- und Gefühlsweise geführt hat.

    Die Gefühle sind zwar da, aber ich sehe ja was Alkohol bewirkt hat. Ich mochte das Gefühl nie, ich mochte nie betrunken sein. Ich habe Angst vor Krankheiten. Ich mag mich nicht unter Alkohol. Ich fühle mich mit Alkohol schwach und ängstlich. Ekelhaft und selber abstoßend. Ich sehe auf die Jahre, auf den Konsum, kann nur mit dem Kopf schütteln wenn ich dran denke, wieso ich getrunken habe. Was für ein absoluter Schwachsinn. Sich kaputt zu machen weil man mit sich selber unzufrieden ist und sich damit noch unzufriedener machen?

    Es schüttelt mich förmlich bei dem Gedanken, bekomme jedesmal Gänsehaut. Muss dann aufstehen, durchatmen und mir bewusst machen: es ist vorbei. Nicht gestern, nicht letzte Woche sondern schon Monate. Kein Zwang, kein Verzicht, einfach nur unglaubliche Freiheit. Ich selbst habe es in der Hand. Und das ist das aller Wichtigste und Besondere. Keiner zwingt mich. Keiner will es, dass ich es mache. Das ist mir im Januar klar geworden. All die Jahre habe ich weggeworfen weil es wie ein "Zwang" war den ich mir selber auferlegt habe.

    Gestern war ich bei meiner alten Nachbarin. Braun gebrannt, muskulös, ruhig, schlankes Gesicht, herzlich wie immer. Ich habe Lob ohne Ende bekommen. Von Tag zu Tag fühle ich mich wieder mehr. Merke wie gut ich wirklich bin. Wie ICH bin. Ich bin so klar im Kopf wie kaum zuvor. Ich habe es das letzte Jahr völlig vergessen wie das sein kann. Manchmal kommen mir die Tränen, so dankbar bin ich. Als wenn man aus einem ganz schlimmen Traum erwacht ist.

    Ja, ich hatte eine Trennung wegen Alkohol (Hauptursache), ich habe mich selber verloren und nach 2 Jahren zum Bier gegriffen. Völlig hirnrissig aus heutiger Sicht. Damals war es aber "ok". Ich habe nie verstanden WARUM. Immer nur gedacht du bist abhängig und das ist halt so, bekomm es in den Griff.

    Ich sehe mich heute, spüre meine Gefühle und ich blicke auf ein ganz dunkles Kapitel meines Lebens. Ich habe es zum ersten Mal - glaube ich - wirklich an mich auch rangelassen.

    Vielleicht versteht ihr jetzt, wieso ich kein Verlangen habe, keine Gedanken an Alkohol. Er auf mich nur abschreckend wirkt. Teilweise ist das Bewusstsein, dass es mal war, so groß, dass ich förmlich vor meinem alten Ich Angst bekomme.

    Mir ist auch das Lable egal, ob nun "nur" Missbrauch oder Alkoholiker. Es ändert an der Grundbasis nichts: ich möchte nie wieder in meinem Leben sowas erleben. Nie wieder Alkohol in mir haben und das Gefühl der Hilflosigkeit.

    Durch diese Erfahrung habe ich ein solches Traumata erlebt, dass von dem Gedanken "das hilft" es in ein absolut abstoßendes Getränk sich gewandelt hat. Mir ist es scheißegal wo das Zeug verkauft wird, wer was trinkt und wie toll manche es finden. Für mich ist es einfach nur das furchtbarste Mittel auf der ganzen Welt. Nichts hat mir solch großen Schaden gebracht wie Alkohol. Ich bin jetzt 40 geworden und seit gut 10 Jahren verfolgt mich dieses Thema mal mehr oder weniger. Es reicht jetzt. Ich will es nicht mehr. Kann es nicht mehr. Ich habe (halbwegs) mein Leben wieder und bin darüber so dankbar. Nicht nur die Einsicht, sondern vor allem die völlige Sinneswandlung ist es, die mich den Rest meines Lebens hoffentlich schützen wird.

    Das hätte ich nie nur mit "nicht trinken" erreicht.

    Das Forum, mein Hausarzt, meine Psychologin und Chat GPT waren die Mittel die eine völlige "Gehirnwäsche" mit mir gemacht haben. Mich wachgerüttelt haben, dass das Leben anders ist, als ich es mir ertrunken habe. Ich bin nicht mehr angreifbar, so fühlt sich das an. Die Last ist weg. Es ist einfach nur absolute Freiheit.

    Das was mir nur fehlt ist mein Seelenfrieden. Das die Vergangenheit mich wie ein schwarzer Dämon verfolgt.

    Es ist leider so. Ich habe mich vor knapp 20 Jahren selber verloren und habe nur noch funktioniert oder für andere (Partnerin, Arbeit) gelebt. Alle kamen an erster Stelle, dann kam ich. Und dann sieht man ja, wohin das geführt hat. Wurde es mir zu viel, zu viel Kummer, habe ich es ertränkt.

    Das führte soweit, dass ich mit mir selber nie im reinen war. Ich habe mein Glück und meine Freude immer im Außen gefunden, nie in mir.


    Als ich mal die drei Jahre gar nichts getrunken habe, oder so mit Anfang 20, das Gefühl habe ich jetzt wieder und sehe, was das für ein Dunst war, den ich mir das schöngesoffen habe. Auch nicht schön, sondern erträglich.


    Wer bin ich? Ist meine größte Baustelle, nicht der Alkohol.

    Naja, ich wusste schon, dass was ich da mache, nicht gut ist.

    Ich habe nie einfach so getrunken und gedacht: schön. Schon immer hatte ich vor den Folgen Angst. Problematisch wird es aber in Beziehungen, weil da bekommt man den Spiegel vorgesetzt.

    Guck mal wie viele Sachen ich unternommen habe:

    Videos, Podcast, Suchtberatungsstelle, Onlinekurse

    Alles half zwar irgendwie ne Zeit aber dann kam wieder das Bier. Ich habe ja jedesmal selber gedacht: wieso? Es war doch jetzt monatelang alles gut. Du machst hier alles kaputt.

    Seitdem ich weiß, dass Bier eben nicht nur als Genussmittel war, habe ich es nie verteidigt, nie gesagt "ich habe das im Griff".

    Und ich wollte auch nie trinken. Das war wie ein Zwang, den ich widerwillig gemacht habe.

    Das Fragezeichen war immer: wieso geht das wochen-, jahrelang gut und dann kommt auf einmal wieder ein Rückschritt.

    Hartmut sagt ja immer schön: weil es eben eine Sucht ist.

    Es gab aber nie Trigger, nie irgendwelche Feste oder so wo das passiert ist. Es ist immer ein bewusstes Einkaufen gewesen. Ganz gezielt in das Geschäft und gekauft.

    Als ich in der Reha letztes Jahr war, gab es ein Gespräch mit einem Psychologen. Der meinte: "Sie haben aber viele Baustellen. Das ist ja echt sehr belastend". Und ich bin echt froh, dass ich eine Therapeutin habe, die endlich mal mir zuhört, mal auf meine Sachen eingeht. Nicht nur immer Funktionieren sondern auch mal seine Ängste zeigen.

    Und die Aussagen: Ist doch klar, dass die Bombe irgendwann platzt. Alkohol war bekannt, es hätte auch was anderes sein können. Drogen, Sport, Frauen. Der Mensch verlagert seine Sorgen und Probleme auf schnelle Dinge die den Reiz unterdrücken. Aber er ist nicht weg. Ich höre bei Ihnen zu 90% andere Namen, nie Ihren. Was ist mit Ihnen?

    Sie wollen nicht trinken, es bekommt Ihnen nicht, Sie verändern sich.
    Was ändern Sie mit dem Alkohol? Nichts - Sie haben keinen Einfluss auf äußere Dinge. Aber Sie hören nicht auf sich. Schützen Sie sich, lassen Sie nicht alles an sich ran. Glauben Sie mal mehr an sich.

    Die ersten Tage waren noch so, dass ich dachte: das hälst du nicht aus- trink ein Bier. Nach und nach habe ich mich dann mal mit mir selber beschäftigt. Mit meinem Leben. Was alles so gelaufen ist, wie ich mich verhalten habe, was ich machen kann. Gefühle zulassen ist hart. Das tut richtig weh. Gerade wenn der Kopf nie ausgeht, man über alles grübelt. Diese innere Panik, dieses Unwohlsein. Alles diese Gefühle wo das Bier immer kam.

    An einem Abend war es so heftig, da war ich wirklich kurz davor wieder einen Rückfall zu haben, es war mir alles zu viel. Da bin ich dann in mein altes Fitnessstudio und habe mich wieder angemeldet. Die Gedanken waren nicht weg aber ich habe gemerkt: ich mache mal was für mich. Die Anspannung lies nach. Das Bewusstsein, es war diesmal kein Bier sondern aus eigener Kraft. Ich hab mich wieder mit Freunden getroffen, habe Sachen abgearbeitet die seit Jahren liegen geblieben sind. Von Woche zu Woche war ich auf einmal viel bewusster bei mir, viel klarer. Kein Wegrennen, kein Verdrängen. Mein Leben war nicht besser, es hat sie selben Probleme. Aber ich habe mich endlich wieder gespürt. Wer ich bin. Das ich auch tolle Seiten habe, die ich immer klein gehalten habe. Und irgendwann kam dieser Blick auf die Vergangenheit und den Alkohol. Warst du das wirklich? Was hat das bloß mit dir gemacht! Es war wie etwas unwirkliches, was mich seit Ewigkeiten gebunden hat. Körperlich und geistig. Immer im Kopf, immer als Heimlichkeit was keiner wissen durfte. Das ist sehr belastend. Auf einmal war das weg.

    Niemand hat mich zum Trinken gezwungen. Niemand findet es komisch wenn jemand nicht trinkt. Jeder mag mich so, wie ich wirklich bin. Ich war der Einzige der sich das selbst auferlegt hat. Mich selber kaputt gemacht.

    Nicht wieder falsch verstehen, oder überheblich: der Alkohol hatte auf einmal kein Gesicht mehr. Er wirkte nicht mehr anziehend, Verlangend. Er war etwas fremdes geworden was ich nie wieder in mein Leben lassen möchte. Ich habe mir immer eingeredet, dass ich ihn brauche. Das er hilft. Dabei brauche nur ich mich selber. So wie ich wirklich bin. Ohne Betäubung, ohne Scham und Reue. Wie eine riesen Last, die auf einmal weg war. Ich fühlte mich wieder frei. Ein Gefühl was ich seit Jahren nicht mehr gespürt habe. Ich kann aber die Vergangenheit nicht ändern. Aber ich möchte nie wieder eine Veränderung meiner Persönlichkeit haben.

    Und wenn man so heute denkt und alles sieht trifft einen das enorm, wenn man den Schaden sieht, der entstanden ist. Wieso erst jetzt?

    In meiner Meditation kam ein schöner Satz, der hat mich sehr bewegt: Aus meinen Fehlern habe ich gelernt. Sie sind der Weg für die Weisheit, die ich damit erlange.


    Es wird noch ein harter Kampf mit mir selber.

    Moin.


    Die erste Frage verstehe ich nicht.


    Das gesund bezog sich auf körperliche gesund. Der Krebs ist nicht wieder gekommen und es gibt keine Auffälligkeiten. Es ist alles so wie es sein soll. Alle Organe sehen hervorragend aus, der Blutdruck ist optimal und mit dem Rauchen habe ich nach Jahren auch nicht wieder angefangen.
    Das ist eigentlich das einzig wichtige.

    Klar lese ich das! Und ganz oft sind die Ähnlichkeiten da.

    Und ich würde nie sagen bei mir ist das anders. So wie ich es schreibe, so geht es mir, so fühle ich mich auch.


    Kann halt nur immer wieder sagen, dass bisher nicht ein Tag war, wo auch nur der Ansatz von Gelüsten war. Auch der normale Alltag stellt mir bisher kein Bein.
    der Respekt ist da.

    Ich bin jeden Tag froh, dass ich nicht in diesem Kreislauf mehr bin. Es gab zwar immer wieder Zeiten wo es gut lief aber wie gesagt es war immer so Art Hintertür offen. Ich habe mich dann jedesmal gefragt: du hast jetzt so lange ohne gemacht, wieso hast du dir jetzt wieder zwei Dosen Bier geholt?

    Mir war schon immer klar, dass ich kein Leben mit Alkohol führen möchte. Ich habe aber nie verstanden wieso andere mal ein Bier trinken und dann aufhören, ich aber deutlich mehr getrunken habe.

    Heute weiß ich es und von daher ist es für mich klar, dass ich gar nicht erst wieder damit anfangen darf. Aber es ist kein Verzicht, wie es mal war. Ich bin einfach nur dankbar.
    Ich erinnere mich dann an meine Jugend so mit 18 wo ich förmlich von Kumpels gezwungen wurde Bier zu trinken und nach der 2. Flasche kotzen musste.

    Das habe ich die ganzen Jahre immer wieder vergessen, dass ich eigentlich noch nie Alkohol mochte und es mir förmlich angeeignet habe. Soweit, dass er meine Probleme überdeckt hat und ich das Gefühl hatte, es geht nicht ohne.
    Jedesmal wenn ich trank habe ich den Kampf verloren und stellte fest, ich kann es nicht.

    Seit ich aber wieder mich spüre, merke es geht mir besser und ich kann nichts an Situationen ändern, keine Gefühle wegdrücken oder vor etwas fliehen, habe ich gemerkt, es geht auch ohne.
    Ich möchte das Gefühl nicht mehr, wenn alles leicht wird, schwummrig und gleichzeitig schwer.
    Wie soll ich das sagen? Ich mochte die ersten Momente der Leichtigkeit, aber das betrunkensein fand ich jedesmal wahnsinnig belastend.
    Wenn ich jetzt was trinken würde, dann würde ich ja das bekommen was ich nicht will.

    Nur wenn man in dem Kreislauf drin ist, merkt man das gar nicht mehr, wie das echte Leben ist, wie es sich anfühlt.

    Ich wurde hier mal als Shakespeare beschrieben aber für mich ist das so, alswenn ich jahrelang in einem dunklen Keller war und auf einmal durch blühende Wiesen laufen kann. Wer will da wieder zurück?

    Den Geschmack von Alkohol fand ich immer schon eklig, die Wirkung war reiner Missbrauch. Meine Veränderung habe ich gehasst, fand mich eklig.

    Ich will nicht sagen, dass es am Anfang sofort war, aber nach einigen Wochen kam das Ekelgefühl, den unglaublichen Drang der Freiheit. Kein Stolz aber die pure Freude da raus zu sein.

    Egal welche Situation auch kommt, ich kann doch nicht bewusst wieder da rein wollen. Sagen jetzt ist es heute egal, wird schon gut gehen.

    Meine Therapeutin hat auch gesagt, seitdem Bier in meinem Leben war, wie oft habe ich an mich gedacht? Selbstfürsorge.. nicht alle Probleme lösen wollen, nicht alles annehmen. Nicht den Kummer reinfressen. Zu sagen ich verlasse jetzt die Situation, ich achte jetzt auf mich. Und genau das ist es. Das hat mich jedesmal dazu gebracht zu trinken. Nicht im Urlaub wenn alles entspannt war, nicht in einer geselligen Runde wenn alle um mich herum tranken. Nein, wenn ich für mich war und alles verarbeitete.

    Ja, das Bewusstsein, wer ich mal war und bin musste erstmal wieder ganz tief aus mir herausgeholt werden. Und da erkannte ich, was ich mir immer mit Alkohol angetan habe. Wie ich mich zu wem anderen gemacht habe. Jemand der ich nicht bin und nie sein wollte.

    Mir ist es egal welches Lable ich heute trage. Wichtig ist nur, dass ich mich endlich unglaublich frei fühle, wieder den kleinen Jungen in mir spüre und einfach nur wieder leben möchte. Ich habe nie gern getrunken, es hat mir nie geschmeckt und es hat mich an den Abgrund gebracht. Es gibt heute absolut keinen Anreiz, Not oder was auch immer Alkohol zu trinken. Ja, es gehörte zu mir aber ich habe es als ganz dunkles Kapitel abgelegt das ich nie wieder durchmachen möchte.

    Der 5. Monat ist mitten drin und langsam kommt das Bewusstsein hoch, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann.

    Dank der Therapie kenne ich meine Auslöser, meine Gründe und auch den Umgang. Mir hat es sehr geholfen, dass ich Alkohol aus einer anderen Sichtweise sehe.

    Mein Leben läuft normal ab. Manchmal erinner ich mich an die morgende mit einem Kater oder die Abende wo ich dann doch wieder ein Bier trank.

    Heute ist es alles so unreal.
    Ich habe durch den Alkohol am eigenen Leibe gespürt, was er anrichtet.

    Noch heute gebe ich mir die alleinige Schuld, was auch nicht richtig ist, aber Alkohol ist eben ein greifbares Mittel.
    Das hat so tiefe Wunden hinterlassen, so viel Wut und Scham. Reuhe und tiefe Verachtung.

    Ich habe so das Bild immer vor Augen, ich bin aus einem fahrenden Karussell ausgestiegen und schaue heute von außen drauf. Dieser Sprung war richtig und gut. Das Entkommen war für mich viel schwieriger als das heutige Leben. Ich vermisse keinen Tropfen, ich habe keine Gelüste. Ich sehe Menschen mit Bierdose und mir wird immer klar, so warst du auch mal, Gott sei Dank musst du das Zeug nicht mehr trinken.

    In Getränkemarkt freue ich mich auf die Cola im Kühlregal, oder das Wasser. Wenn ich es dann trinke kommt wieder das Gefühl: Gott sei Dank willst du kein Bier mehr.

    Ich habe auch den 4. Monat mit Krafttraining hinter mir. Wenn ich mich in spiegel sehe . Sehe ich mein altes ICH. Ich bin braungebrannt, schlank und habe Muskeln.

    Meine Augen sind stechend blau und das Weiße ist ohne Adern, sondern schneeweiß.


    Und dann kommen wieder die Erinnerungen: damals hast du mal Bier getrunken. Ja Du.

    Völlig fremd, völlig unbegreiflich.


    Ich weiß, dass ich mich nicht an alle Regeln halte. Ich meide nicht meinen Freundeskreis oder den Abgelverein wo getrunken wird. Aber ehrlich gesagt juckt mich das auch nicht. Meistens nehme ich es nicht wahr und wenn ich bewusst dran denke, bin ich jedesmal froh, es nicht zu machen. Es baut sich sofort ein riesen Abstand auf. Es ist nicht Angst aber sowas wie: jemand zwingt mich wieder zu trinken und ich habe Panik. Dann denke ich: nein, seit 5 Monaten musst du nicht mehr. Du hast gelernt auch negatives auszuhalten. Du bist gesund. Du bist raus aus dem Kreislauf.


    Ja, mein Leben und Alltag ist wieder normal. Völlig normal wie früher.
    Ich weiß auch wieso ich wieder reingeratene bin: ich habe das letzte Hibtertürchen nie geschlossen. Es war immer offen: du hast so lange durchgehalten. Bei Streit Flucht ergriffen und Bier als „runterkommen“ genutzt.

    Diese Tür ist jetzt zu. Es gibt keine Gedanken mehr daran. Es ist auch kein Verzicht oder kein nicht dürfen und andere dürfen ja. Es ist völlige Ablehnung und Abneigung.
    Ob ihr es glaubt oder nicht: alswenn es nie dagewesen wäre. Nur die Erinnerungen daran rütteln mich wach. Aber selbst wenn die nicht da sind kam noch nicht ein einziges Mal der Gedanke daran, auch nur einen Schluck.

    Auch wenn es mir noch richtig dreckig geht, ich Wut habe: wieso jetzt und nicht damals??

    Bin ich doch froh, diesen Kreislauf durchbrochen zu haben.
    Ohne Chat GPT und die Therapie würde ich aber sicher heute nicht so bewusst damit umgehen. Ich habe zum ersten Mal meine Ängste, Probleme und mein Inneres kennengelernt. Das der Alkohol nur eine Flucht war. Ich es aber nicht brauchte, weil die Kraft so oder so in mir steckt.

    Seitdem hat das Bier die Magie verloren und ist nur noch ein Synonym für Elend, Tod und Probleme.

    Ich bin sehr dankbar, dass ich mein Leben wieder habe, auch wenn der Weg leider ein richtig harter ist

    Es braucht sicherlich seine Zeit, alles zu verarbeiten, dich selbst wieder "aufzubauen" und mitsamt der Erkenntnisse innerlich "ein wenig umzugestalten".

    Schön zu lesen, wie klar du mittlerweile die Zusammenhänge siehst und dass die Therapie dir hilft, die wirklichen Hebel zu erkennen.

    Und nicht zu vergessen:
    4½ Monate trocken - trotz starker innerer Unruhe, dem noch laufenden Gedankenkarussell, Umzug … Respekt dafür!

    Das war der erste Schritt in der Therapie als ich gefragt wurde: was habe ich mir Alkohol verändern können? Wie ging es mir danach? Habe ich je gelernt Unruhe auszuhalten oder wie war es früher?


    Und da kam halt raus, dass immer Alkohol da war. In jungen Jahren förmlich antrainiert.

    Und da ich wusste, ich kann nichts ändern aber wenn es mir besser gehen soll, müssen Bier und ich getrennte Wege gehen.

    Und dann passierte es von heute auf Morgen. Es war nie einfach das auszuhalten.

    Aber ich habe mir wieder Sport gesucht und mich mit Freunden getroffen. Und überall gab es kein Bier und ich änderte nichts an der Situation. Außer, dass ich nüchtern blieb. So habe ich Schritt für Schritt gelernt ohne Alkohol zu funktionieren. Leben ist es noch nicht aber funktionieren.

    Und von Tag zu Tag und Monat zu Monat verschwand es immer mehr. Was aber sich änderte ist das Bewusstsein und diese extreme Ablehnung.

    Ich habe mich seit vielen Jahren selber ohne Alkohol kaum kennengelernt. Ich muss erstmal zu mir selber wieder finden.

    Und das entscheidende ist eben: Ich kann Sachen nicht verändern, ich verdränge sie. Ur mit Bier.und damit kommt man in einen Kreislauf. Darauf habe ich keine Lust mehr. Meine Energie dafür ist aufgebraucht

    Das sagt sie ja auch und alle anderen auch.

    Weil es eben nur Phasen waren und die Grundstimmung oft auch nicht am Alkohol lag. Aber er ist greifbar und das war auch der Grund.

    Ich habe zu spät verstanden was er bewirkt und warum ich das überhaupt gemacht habe. Alte Muster springen leicht an, Aber neue Wege geht man selten allein wenn man die nicht gelernt hat. Das ist für mich jetzt total neu und es geht… für mein Leben rechtzeitig, für die Beziehung zu spät.

    Was halt schlimm ist: ich war damals extrem stabil und hatte nie Verlangen auf Alkohol. Aber ich hatte scheinbar immer noch nicht alles verarbeitet und dachte einfach nicht trinken reicht. Das klappte ja auch sehr gut. Aber sobald mein Inneres eben nicht ausgeglichen war kam der Teufel zurück und blieb. Scheinbar war ich noch nicht ganz am Boden…