Beiträge von Marku$765

    Ich mußte heute ein wenig über mich und mein Verhalten während der nassen Zeit nachdenken. Eigentlich war ich mein ganzes Leben lang von Kindheit an eher ruhig, schüchtern und "brav". Doch zusammen mit dem Alkohol wurde ich zeitweise (wenn ich konsumiert hatte) eine andere Persönlichkeit. So viel Dummes habe ich weder vorher noch später in meinem Leben je angestellt.

    Immer einmal wieder Ärger mit der Polizei, weil meine Saufkumpanen und ich im Suff etwas angestellt hatten. Gott sei Dank ging das für mich immer ohne Konsequenzen aus. Oder morgens aufwachen und sehen, was man in der Nacht davor für saudumme SMS versendet hat. Einmal habe ich vor lauter Suchtdruck sogar ein kleines Fläschchen Schnaps im Supermarkt geklaut. Wenn ich heute daran denke, werde ich immer noch rot im Gesicht.

    Ein anderer Eindruck für den ich mich schäme: Ich kam (natürlich mehrfach) aus dem Geschäft mit irgendeinem frisch erstandenen Alkohol. Kurz um die Ecke, Flasche auf und ausgetrunken. Sicher haben mich auch Leute dabei gesehen. Aber der Wunsch nach dem Konsum war stärker als die Scham.

    Oder zum Zahnarzt gehen und wissen, dass ich trotz allem eine Fahne habe. Ein anderes Mal ging ich in die S-Bahn und setzte mich neben eine junge Frau. Sie stand sofort auf und nahm woanders Platz. Sicher habe ich furchtbar nach Alkohol gerochen.

    Aufgrund meiner diversen körperlichen Erkrankungen und meiner familiären Situation (drei Kinder, alle noch in der Schule bzw. im Kindergarten) komme ich kaum noch dazu, meine abendliche SHG zu besuchen. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich hier in das Forum gefunden habe.

    Zudem schaue ich mir täglich Videos zum Thema Alkoholismus an und höre Podcasts darüber. Meint Ihr, das ist eine gute Taktik, um die SHG im Realleben auszugleichen? Meine Krankheiten sind vor allem mit viel Fatigue (bodenlose Erschöpfung) verbunden. Daher tu ich mir auch zunehmend schwer damit, mich in die SHG zu schleppen.

    Heute vor 13 Jahren habe ich meinen letzten Schluck Alkohol getrunken. Es war der letzte Tag meines schlimmen Rückfalls. Ich wollte nicht mehr trinken, es hat mich angewidert. Aber ich konnte ohne Hilfe nicht aufhören, wegen der Entzugserscheinungen.

    Am Nachmittag dieses Tages log ich meine Frau an. Ich sagte Ihr, ich hàtte Sui*idgedanken. Sie war erschüttert und fuhr mich in die Psychiatrie. Doch ich hatte diese Gedanken nicht. Ich wollte nur Hilfe und Entgiftung.

    Meine liebe Frau saß im Wartebereich und ich sah, daß sie mit den Nerven am Ende war. Das war ein Stich in mein Herz, denn die Schuld lag bei mir.

    Ich machte die Entgiftung und nach einer Woche wurde ich entlassen. Schon nach kurzer Zeit bekam ich Post von der Rentenversicherung und es ging nach Furth im Wald zur Langzeit.

    Seitdem hatte ich nie wieder Craving, keine Lust auf Alkohol. Mein Leben ist jetzt nicht perfekt, doch tausend Mal besser als in der aktiven Sucht. Keines meiner drei Kinder mußte mich betrunken sehen.


    Dafür danke ich Gott.

    Hallo Nayouk!

    Ich muss sagen, dass ich seit meinem Rückfall 2013 bisher noch keiner bewußten Bedrohung für meine Abstinenz begegnet bin. Die Situation damals war für mich so schlimm und ich hatte dadurch wohl einen Aha-Moment. Trotzdem bin ich mir klar darüber, dass ich für immer Alkoholiker bin und immer auf der Hut sein muss.

    Um diese Zeit vor 13 Jahren steckte ich mitten in meinem Rückfall. Es war der Tiefpunkt meines Lebens. Damals merkte ich ganz deutlich, daß ich trinken MUSS, nicht WILL.

    Heute geht es mir gut. Kein Craving, keine Lust auf Alkohol. 🙏🏻

    Hallo Nici! Ich stecke gerade in einer ähnlichen Situation wie Du. Zwar bin ich seit längerer Zeit trocken.

    Doch aktuell wird mein Sohn auf ADHS getestet und da ging mir ein Licht auf. Ich war als Kind genau so wie er und nun werde auch ich auf ADHS getestet - mit 50! 😥

    Grüß' Euch!

    Ich wollte mich nur mal melden. Im Forum hier bin ich jeden Tag unterwegs, nur eben eher so ein stiller Mitleser.


    Mir geht's soweit ganz gut. Kein Suchtdruck, kein Craving. Ich bin echt froh, hier im Forum Mitglied zu sein. In meine SHG im Realleben schaffe ich es wegen meiner Gesundheit nicht oft. Doch hier kann ich mir jeden Tag ins Bewusstsein rufen, daß ich Alkoholiker bin und davon natürlich auch niemals geheilt werde. Doch die Krankheit ruht und ich bin symptomfrei, so lange ich nicht konsumiere.


    🙏🏻