Hallo Alex,
danke der Nachfrage!
Ja, heute ist Tag 91 ohne Alkohol begonnen und ich bin schon mächtig stolz darauf! Es gab zum Glück bisher nie wirklich starken Suchtdruck trotz sehr starkem emotionalem und psychischem Stress. Ich habe mich Familie und Freunden geöffnet. Es war erschreckend wie im privaten Umfeld allen mein Problem bekannt zu sein schien, Freunde sich Sorgen gemacht haben. Irgendwie ist davon wenig bei mir angekommen leider. Ich habe mich ja mit meiner Sucht sehr zurückgezogen, nur noch in meiner Beziehung stattgefunden, versucht Einladungen, Familientreffen aus dem Weg zu gehen, weil mich das massiv gestresst hat. Im Moment bin ich nach wie vor immer noch am liebsten allein, dabei war ich immer der geselligste Mensch überhaupt. In 2 Wochen heiratet mein Bruder, ergo großes Fest, ich hab so gar keine Vorfreude und der Gedanke stresst mich. Nichtvwegen dem Alkohol dort vor Ort, sondern weil ich da alleine hin muß, ohne Begleitung. Und ich da viele nach langer Zeit wiedersehe und keine Lust habe darüber zu sprechen.
Der Antrag für die ambulante Therapie ist immer noch nicht durch, ist nicht so einfach weil das bei mir nicht über die Rentenversicherung läuft und auch die Suchtberatung in meinem Fall keine grossen Erfahrungswerte hat. Bis das endlich anfängt hatte ich bis diese Woche 14tägig, ab jetzt 3-wöchig ein persönliches,ca.halbstündiges Gespräch mit einem Therapeuten dort.
Die gemeinsame Wohnung ist gekündigt, mein Expartner (es ist immer noch schlimm ihn so zu bezeichnen) ist vorletzte Woche ausgezogen und ich habe auch eine Wohnung, bin aber hin- und hergerissen, ob die die richtige Entscheidung war. Aber es ist eben sehr schwer etwas richtig tolles auf die Schnelle zu finden in der Großstadt, wenn man ein paar Kriterien hat. In jedem Fall muss ich leider richtig Geld in die Hand nehmen.
Mein Ex und ich verstehen uns gut, aber ich kann nicht loslassen, leide zwischenzeitlich wie ein Hund, es gibt aber auch mal gute, motivierte Phasen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass der Trennungsschmerz schwerer wiegt als alles Andere. Nichts desto trotz ist die Erkenntnis suchtkrank und Alkoholikerin zu sein allgegenwärtig, ich bin mehrmals täglich hier im Forum unterwegs, viele Abende schau ich kein Fernsehen, sonder verliere mich hier, mein neues Hobby sozusagen. Ich lerne soviel! Und bin unendlich dankbar dafür!! Ich habe schon sämtliche Filmempfehlungen durch, habe tolle Bücher gelesen, insbesondere "Nüchtern" von Daniel Schreiber hat mich sehr gefesselt. Ich hab mich sooft wieder erkannt!!! Als nächstes les ich von Katrin Sass "Das Glück wird niemals alt" und aktuell "volle Pulle" von Uli Borowka. Eben alles zum Thema. Ich denk schon an den Alkohol aber mit großer Abneigung. Bis letzte Woche war die Wohnung zu Hause voll davon, hat mich tasächlich zum Glück nicht getriggert, sonst hätte er raus gemusst. (Ex hat dann mitgenommen). In die neue Wohnung kommt Keiner logischerweise. Beim Einkaufen stört es mich nicht, ich schüttele aber innerlich immer mit dem Kopf, wenn ich die Schluckis an der Kasse sehe. Wie muss es denen gehen die ständig mit dem Suchtdruck zu kämpfen haben? Das ist der reine Spiessrutenlauf!
Auch was so an Alkohol auf dem Kassenband landet von den Kunden! Einfach Wahnsinn! So war es bei mir ja auch und es war mir immer so peinlich, aber ich brauchte ja Nachschub!
Ich war über Himmelfahrt auf 2 Trauerfeiern eines Freundes in der Schweiz. Seine Frau trinkt auch (aktuell vor allem) sehr viel, ich mach mir Sorgen. Nach den 2 Trauerfeiern an den 2 Tagen waren jeweils immer noch einige Freunde dort mit zu Hause und es wurde sehr viel Wein getrunken. (mein Ex und ich waren dort offiziell als Paar und haben bei der Freundin 2 Nächte geschlafen). Da hatte ich im Vorfeld Bedenken wie das wohl wird, war aber ok für mich.
Ich habe gelesen, dass 70% im ersten Jahr rückfällig werden, ich will unbedingt zu den 30 Prozent ghören! (hier hatte ich eine noch höhere Quote gelesen)
Das macht mir ehrlich gesagt Angst auch in Hinblick auf meine sehr schwierige emotionale Verfassung derzeit. Deswgen muss ich loslassen, aber ich schaffe es irgendwie noch nicht. Ich hoffe noch zu sehr.
Mein Ex findet es unglaublich, dass ich jetzt nix mehr trinke, findetves total großartig, er kann aber nicht verstehen warum nicht viel eher. Er sagt, für ihn gibt es trotzdem kein zurück, zuviel und zu lange ging der Suff. Und mich zerreisst es. Ich ärgere mich sooo sehr über mich selbst und die nicht eher gekriegte Kurve.
Habe sogar gesagt, dass ich ihm dankbar bin, sonst wär ich wohl jetzt noch nicht aufgewacht. Meine ich auch so auch wenn die Trennung fast unerträglich ist. Aber i r g e n d w a n n wird DAS besser werden, das Weitersaufen dagegen wäre nur noch Abgrund, das ist mir bewusst.
Ich hoffe ich bleibe stark! Das ist Prio Nr. 1
Liebe Grüße,
Dalida