Beiträge von Teddy

    Auch eine Denkfalle von Alkoholabhängigen, in der ich selbst zu oft festsaß (und manchmal immer noch festsitze): Alle Welt ist gegen mich. Das ist die Sucht, die sich selbst verteidigt. Raus kommt deine Tochter da nur, wenn sie bereit ist, sich helfen zu lassen und an sich zu arbeiten. Du sagst ja selbst, sie geht bereits zur Therapie. Da kann man nur hoffen, dass sie ihren Weg findet. Was du tun kannst: Zeige ihr, dass du für sie da bist, ganz ohne Vorwurfshaltung, und vor allem: Sorge gut für dich selbst.

    Viel Kraft! Teddy 🙂

    Letztens hat er schon ‚Pläne‘ zum Glühweintrinken beim Weihnachtsmarkt gemacht… Ich sagte ihm wieder deutlich, dass ich nie mehr Alkohol trinken werde!
    Er war erst enttäuscht/traurig, dann wütend und dann hat er beschlossen zum Glühweintrinken alleine auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, weil er meine ‚vorwurfsvollen Blicke‘ nicht erträgt! [...]


    Und ich verstehe auch, dass er nicht ‚entspannt‘ Trinken kann wenn ich dabei bin und eine nüchterne steife langweilige Begleitung bin. (Seine Worte)
    und er hat gesagt, er wird sich damit arrangieren müssen das ich nicht mehr trinke.

    So hast du es geschrieben. Das klingt sehr nach Abwertung und zeigt, dass ihm - zumindest in diesen Situationen - sein Trinken wichtiger ist als dein Nicht trinken. Du scheinst aber schon sehr gut Abstand dazu halten zu müssen. Was ich auch bemerkenswert finde: Du machst dir Gedanken, inwiefern emotionale Abhängigkeit eine Rolle in eurer Beziehung spielt. Ich muss ehrlich sagen, ich könnte nicht mit einem aktiv alkoholabhängigen Partner zusammenleben, da ziehe ich nach wie vor den Hut vor dir, dass du trotz allem so gut für dich sorgen kannst. Und das mit der Verlustangst scheint ja doch ein wichtiges Thema zu sein, hier nicht losgekoppelt von deiner Abhängigkeit oder die des Partners. Sie kann triggern (ergo nicht zwangsläufig "falsch" hier)

    Liebe Grüße von Teddy🙂

    Hallo und willkommen, taichiller :)

    Ich schließe mich den anderen an: Nein, es war nicht falsch von dir, ihr die Schlüssel abzunehmen, ganz im Gegenteil. Betrunken Autofahren ist immer eine Gefahr für sich und andere, egal wie sehr der Fahrer / die Fahrerin davon überzeugt ist, alles unter Kontrolle zu haben "trotz ein oder zweier Drinks, bisher sei ja auch noch nichts passiert". Das sind Denkfallen bei Alkoholabhängigen und deine Tochter steckt da offenbar mittendrin. Dann ist sie möglicherweise nicht in der Lage, deine wahren Absichten hinter deiner Tat zu erkennen.

    Hast du ihr gesagt, warum du ihr die Schlüssel weggenommen hast?

    Liebe Grüße von Teddy :)

    Hallo, Stevie, ich komme auch mal zu dir.

    Als ich deinen ersten Post von heute gelesen habe, war ich an der Stelle, in der du über den Weihnachtsmarkt geschrieben hast, ähnlich schockiert wie du selbst es in deiner Reflektion formuliert. Da gebe ich Rennschnecke völlig Recht: Auch ich habe den Eindruck, dass du dir mehr Gedanken über deinen Partner machst als über dich selbst und sogar "zulässt", dass er dich abwertet, "nur" weil du nicht mehr trinkst. Dabei ist das eine erstaunliche Leistung, auf die du sehr stolz sein kannst - nicht jeder schafft es gerade mit einem aktiv alkoholabhängigen Partner so weit! Und du kannst dich selbst reflektieren, auch wenn es unbequem wird.

    Mir kommt es auch wie eine nicht kleine Verlustangst vor. Ich kenne das von mir selbst, habe durch einen Expartner alles mit mir machen lassen, nur damit er mich nicht verlässt, und alles klein geredet. Bis ich die Reißleine gezogen habe.

    Ich hoffe, meine Worte waren nicht zu heftig, und du findest deinen Weg! 👍

    Liebe Grüße von Teddy 🙂

    Aus meinem Tagebuch von heute:

    9:30 Uhr: 20. Tag ohne Alkohol und damit bin ich heute seit fast drei Wochen abstinent. Wobei ich zugeben muss, heute ist eine kleine Herausforderung, sprich: die "Gelegenheit ist günstig" (Hallo, Suchthirn!). - Spätestens um 10:00 Uhr ist heute Endabnahme der Strangsanierung in meiner Wohnung. Danach werde ich für die folgenden Wochen nicht mehr darauf angewiesen sein, die Wohnung - abgesehen von ihrem derzeitigen Zustand - müll- und schmutzfrei zu halten (sprich handwerkertauglich). Ich könnte locker, leicht wieder mit dem Weitertrinken und Rumaasen anfangen, so wie schon mehrere Male in meiner Vergangenheit geschehen. Oder die Herausforderung annehmen, auf maximal die letzten drei Wochen zurückblicken und mir vergegenwärtigen, was ich alles geschafft und wie lange ich bisher durchgehalten habe. Ich weiß, ich stehe noch ganz am Anfang und verlasse mich noch zu sehr auf Struktur von außen (zur Zeit eben die Handwerker, die die letzten zwei Wochen täglich da waren), bin auch noch zu sehr in meiner Suchtidentität gefangen und der Sog der Komfortzone ist noch zu stark, zu verführerisch. Ich könnte jederzeit tun (saufen) und lassen (abstinent bleiben), was ich will. Deswegen heißt es heute ganz besonders: wachsam und aufmerksam bleiben. Was fühle ich gerade? Wonach ist mir gerade zumute, wozu bin ich motiviert und wozu nicht? Wo könnte es gefährlich werden, wo auch nur kritisch? Was außer der bloßen Gelegenheit könnte mich triggern?

    11:00 Uhr: Die Endabnahme ist erfolgt. Nun habe ich den ganzen restlichen Tag für mich, keine Handwerker mehr, keine Termine, keine Verabredungen - ich bin völlig auf mich allein zurückgeworfen.

    Ich gehe es langsam an, will mich nicht überfordern. Ein schöner warmer Pudding als "erstes" Mittagessen, eine deutsche Gerichtssendung (jaaahaaa) und Kuscheln mit Kater Teddy tun bei diesem regnerischen, vorherbstlichen Wetter richtig gut.

    Eine Schriftstellerin, die selbst einmal alkoholabhängig war und darüber geschrieben hat, hatte Recht: Jetzt bleibt nur noch die ungeschminkte Wahrheit. Jetzt muss ich durch jedes Gefühl hindurch, das ich fühle. Jetzt muss ich mich den "faulen Stellen" meines Lebens stellen.

    17:20 Uhr: Ich habe bisher keinen kleinen Finger gerührt, um meine von den Handwerkern freigegebene Wohnung zu putzen und aufzuräumen. Ich habe mich dann doch von einem meiner inneren Schweinehunde kleinkriegen lassen. Warum? Wenn ich wieder auf meine Beinmuskelschwäche, Hintergrundmüdigkeit oder Antriebslosigkeit verweise (wie um alles in der Welt habe ich die Putzmarathonwoche vor zwei Wochen gestemmt???), klingt das in meinen Ohren nur wie eine faule Ausrede. Es wird immerhin nicht besser bzw. wie heißt es so schön: Von nichts kommt nichts. Stattdessen habe ich mich noch Mal mit dem Fliesenleger auseinandergesetzt, weil meine Badewanne nicht ordentlich verfugt worden war, dann gab es Mittagessen (Tofu-Gemüde-Pfanne, yammi) - ok, auch erst gegen 15 Uhr, weil ich so viel (zum Thema Alkohol) gelesen und geschrieben habe. Aber immerhin: kein Alkohol! Nicht Mal ansatzweise akuter Suchtdruck. Dafür könnte ich Wasser schlucken wie verrückt ...

    (P.S.: Es ist tatsächlich der 20. Tag ohne Alkohol 🤞😊)

    Wie eine Reinigung fühlt es sich tatsächlich an. So als hätte man zumindest einen Teil von dem ganzen psychischen Gift im Inneren herausgeschwemmt. Es kann ganz schön erschöpfen, aber auf eine enorm erleichternde Art und Weise.

    Gut, dass du es zulassen konntest 👍

    @ Bibitor: Vielen lieben Dank für deine Worte! Ich bin auch wirklich froh, dass ich überhaupt weinen kann, das musste ich in der Therapie (nein, nicht wegen Alkohol) erst lernen - "Ich darf traurig sein". Und ja, es kann wirklich befreiend wirken. Nur manchmal habe ich immer noch die alte Angst, die Kontrolle zu verlieren.

    Lieben Gruß von Teddy 🙂

    Jede Menge Nebenwirkungen, die niemand braucht!
    Ich wurde im Supermarkt kurz getriggert. Es gibt den ersten Sturm (Federweisser heißt das in Deutschland). Und schon raunzt das Suchthirn "Jöööö, Herbst, bunte Blätter, roter und weisser Sturm, wie idyllisch, du arme, den darfst du auch nicht mehr trinken, schluchz". Diese Gedanken musste ich aktiv bekämpfen. Es gibt andere herbstliche Kultprodukte, an denen ich mich erfreuen kann. Es lebe der Kürbis! Aber so schnell ist man getriggert. Bilder und Verknüpfungen im Kopf von Herbstidylle und "was unbedingt dazu gehört", über die sich das Suchthirn freut.

    Ja, das kenne ich nur zu gut. Musste mich gestern im Supermarkt auch sehr zusammenreißen (zum Glück mit Erfolg). Bei mir sind es eher noch die Situationen, die mich triggern, und mein Suchthirn spielt verrückt. Zum Glück kann ich da gut gegensteuern.

    Hallo, Dulcinella,

    ich finde es beeindruckend, wie du bisher mit deiner Sucht umgehst; gerade nach Jahrzehnten des Trinkens fällt es umso schwerer, nüchtern zu bleiben. In dieser Phase stecke ich auch gerade noch drin und versuche mir meinen Alltag Stück für Stück zurückzuerobern.

    Sehr gut finde ich deinen Reminder, mit dem du dir und anderen offen zeigst, was man Positives aus der Nüchternheit gewinnen kann. Dem Suchthirn mag es als Kleinigkeit erscheinen, aber auch Kleinigkeiten sind bedeutsam. Also ruhig in die Schranken verweisen.

    Ich drücke dir ganz herzlich die Daumen :thumbup:

    Tagebucheintrag von gestern, 02.09.2026

    "Ich weine. Während ich mich mit meiner Vergangenheit als Abhängige auseinandersetze, während ich über heimliche Flaschenverstecke, zahllose Trinkpausen, Abstürze und trotzdem weitertrinken, zerbrechende Freundschaften und oberflächliche Therapien schreibe, weine ich. So als wäre die Gesund-werden-Wollende in mir entsetzt und sehr traurig darüber, was ich mir seit fast zwanzig Jahren antue (Himmel, was für eine Zahl!). Als würde sie, als würde ich trauern über alles, was ich durch das Trinken kaputt gemacht und verloren habe, so viel Potenzial, Glück und Zeit. So viele Gelegenheiten, die ich habe verstreichen lassen, so viele nicht ergriffene Chancen, so viel ungelebtes Leben, das im Alkoholnebel an mir vorbeigezogen ist ... Himmel! Warum nur war ich so grausam zu mir? Wie konnte es soweit kommen? Ich weiß es nicht. Ich begebe mich auf Glatteis. Danach in ein tiefes Moor. Und dann kommt der noch unüberwindbar hoch erscheinende Berg. Aber ich will mich an die Hand nehmen und diesen Weg weitergehen. Wie weh es auch tun mag. Wieder trinken ist keine Option. Machen wir aus den zwanzig Jahren trinken zwanzig Jahre nüchtern sein. :thumbup:"

    (P.S.: Ich beginne meist schon morgens/ vormittags mit dem Tagebuch und notiere direkt dahinter, der wievielte alkoholfreie Tag das ist. Und abends kann ich dann mit Stolz sagen: Ich hatte Recht! Es IST der soundsovielte alkoholfreie Tag! Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist geschafft :) )

    Heute, 03.09.26, wird übrigens Tag 19 ohne :saint:

    @ Elly: Ja, ich habe mich schon ein bisschen darin eingelesen 🙃 Als Hobby Psychologin habe ich auch schon viel über das Thema in den letzten Jahren gelesen. Für mich ist es daher auch selbstverständlich, dass ich meine Wohnung komplett alkoholfrei halte. Wenn Besucher etwas trinken wollen - Pech gehabt. Das sage ich denen aber auch vorher. Und meine Freunde oder mein Partner trinken ohnehin nicht viel bis gar nichts. In Kneipen oder Ähnliches bin ich noch nie gern gegangen. Den "Notfallkoffer" kenne ich schon aus einer Zeit, in der ich mit anderen psychischen Problemen zu tun hatte. Ärztlich begleitet werde ich; ich ruhe mich nicht auf den bisher ausbleibenden Entzugserscheinungen aus. Und ab Mitte September gehe ich auch zur Suchtberatung :) Ich schreibe auch regelmäßig Tagebuch, das zwingt mich, ehrlich mit mir zu sein und zu erkennen: "Achtung, das könnte eine Stolperfalle sein!" Heute ist übrigens mein 17. Tag ohne Alkohol :saint::saint::saint:

    Vielen Dank für die Unterstützung :):):)

    Hallo an alle,

    ich war lange nicht mehr da, das tut mir leid. Hatte noch nicht die Kraft, mich wirklich auf die Abstinenz einzulassen. Bin jetzt seit zwei Wochen abstinent, ohne Entzugserscheinungen zum Glück und ohne akuten Suchtdruck. Ich weiß, das heißt noch gar nichts und allein kann ich es kaum schaffen. Deswegen habe ich mich bei einer Suchtberatungsstelle gemeldet. Macht mir große Angst, klar, die Abhängige in mir möchte an der Sucht noch festhalten und die Komfortzone nicht verlassen. Drück die Daumen, ich motiviere mich so gut ich kann.

    Danke für eure Unterstützung :)