Dulcinella - jahrzehntelang Alkoholikerin, nun will ich frei sein

  • Da war ich eine davon. Ich konnte nicht rechtzeitig "Nein, danke" sagen. Zittern, Schweißausbrüche, Panikattacken, volles Programm.

    das ist ein Albtraum! Ich hab nur schon am Vormittag angefangen, wenn ich verkatert war, da nicht gewillt den Kater nüchtern auszuhalten. Das war nicht jeden Tag, aber mit der Zeit immer öfter. Zum Schluss dann auch 3 Wochen lang täglich, das war mein Höhepunkt. furchtbar!

  • Ich hab Jahrzehnte lang täglich getrunken, fast immer nur am Abend.

    Ja, so war das bei mir auch.

    Gegen Ende (das aber immer noch zwei, drei Jahre dauerte) hing ich dann zwischen 10 und 11 Uhr morgens (pünktlich) über der Kloschüssel im Geschäft und habe trocken gewürgt. Bis die Äderchen in den Augen geplatzt sind.

    Ca. ein halbes Jahr nachdem die ersten Äderchen im Gesicht entstanden habe ich aufgehört. Das es praktisch anfing, dass es jeder sieht war schon auch ausschlaggebend.

    Kamen auch noch andere Dinge dazu.

    Jedenfalls habe ich da gerade noch die Kurve bekommen und sie gingen wieder zurück.

    Heute, gut 4 1/2 Jahre später kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich das nur ausgehalten habe. So lange Zeit.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Wahnsinn!!!!!!!!!

    Das ist halt Sucht.

    Da war ja noch mehr. Da hat es für mich viel gebraucht.

    Aber viele sterben daran. Oder z. B, mein Vater lebte 12 Jahre in der Geschlossenen bevor er starb.

    Also bin ich jetzt doch sehr froh. Ohne das Forum hier weiß ich nicht, ob ich es so gut geschafft hätte.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Ich will weder in einer Entzugsanstalt landen, noch am Saufen sterben!

    So ging es mir seinerzeit auch. Ist gar nicht so schwer: Setz die Grunbausteine um und befasse Dich mit Deinem Problem, z.B. duch den regelmäßien Austausch hier.


    Allein das nahezu tägliche Aufrufen der Hompage spiegelt mir automatisch mein Problem, so dass es für mich nicht verblasst und womöglich in den Hintergrund tritt. Denn das wäre fatal und das Einfallstor für die Sucht, mal wieder einen neuen Anlauf zu wagen, mich an die Flasche zu bringen.

  • Habe gerade deinen Faden gelesen und mir ist da etwas aufgefallen, worauf ich dich aufmerksam möchte. Es sind nur Begriffe, Worte/Wortbedeutungen - genau einordnen kannst du es nur selbst.

    muss ja schon in der Früh anfangen, gegen den unerträglichen Kater...

    Wäre hier nicht die Bezeichnung Entzugserscheinungen viel angebrachter. Denn der Kater klingt irgendwie verniedlichend.
    Dies, weil du an anderer Stelle schriebst:

    Das nächste Stadium wäre dann Spiegeltrinker mit körperlichen Entzugserscheinungen, die weit über einen Kater hinausgehen, gegen die man trinken muss, damit man den Tag überlebt? Zitternde Hände und so?... Nein Danke, eine Horrorvision!

    Wo ist für dich der Unterschied: Du mit dem "Kater", morgens trinkend vs. einen "echten" Spiegeltrinker? Das Stadium an sich hattest du erreicht. Es sind nur noch Nuancen?!

    Das Zittern und Würgen schleicht sich ein - wieviel Wochen warst du davon noch entfernt? Oder hattest du womöglich das ein oder andere kleine Symptom noch gar nicht wahrgenommen? Ich beschreibe gern ausführlicher, wie sich der Fortgang bei mir gestaltete, will aber jetzt nicht zu lang werden.

    Es ist sehr gut, dass du in der Phase die Bremse reingehauen hast, denn es geht ab da rasant abwärts.

    Trotzdem empfehle ich, diese Unterscheidung zu überdenken. Sie könnte sonst im Rückblick in ein "bei mir war es schlimm, aber noch nicht ganz" münden.

  • Wäre hier nicht die Bezeichnung Entzugserscheinungen viel angebrachter. Denn der Kater klingt irgendwie verniedlichend.
    Dies, weil du an anderer Stelle schriebst:

    Wo ist für dich der Unterschied: Du mit dem "Kater", morgens trinkend vs. einen "echten" Spiegeltrinker? Das Stadium an sich hattest du erreicht. Es sind nur noch Nuancen?!

    Ein Kater ist eigentlich auch eine Entzugserscheinung. Die aber nach einem Tag bewältigt ist. Ich hatte aber keine anderen Entzugserscheinungen bei Abstinenz. Ich weiß, kalter Entzug kann gefährlich sein. Aber da war nie auch nur die geringste Entzugserscheinung. Im Volksmund nennen wir bald jemanden einen Spiegeltrinker, aber ein Spiegeltrinker ist "eine Person mit einer schweren körperlichen Alkoholabhängigkeit. Sie können oft keinen einzigen Tag komplett ohne Alkohol auskommen, da sonst schwere Entzugssymptome einsetzen." Das war bei mir Gott sei Dank NOCH nicht der Fall. Aber mir ist schon bewusst, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis ich dort lande, wenn ich so weitermache. Also da gibt´s nichts zu verniedlichen.

  • Würde mich interessieren!

    Das mache ich am Wochenende in Ruhe.

    Diese feinen Unterscheidungen sind aber für die nächsten Monate gar nicht wesentlich. Vielleicht sollten wir uns darüber besser zum Jahreswechsel hin nochmal austauschen. Dann wird dein Blick viel klarer sein.

    Entscheidend ist jetzt erstmal, rigoros Abstand vom Alkohol zu halten - stofflich wie gedanklich.

  • Jede Menge Nebenwirkungen, die niemand braucht!
    Ich wurde im Supermarkt kurz getriggert. Es gibt den ersten Sturm (Federweisser heißt das in Deutschland). Und schon raunzt das Suchthirn "Jöööö, Herbst, bunte Blätter, roter und weisser Sturm, wie idyllisch, du arme, den darfst du auch nicht mehr trinken, schluchz". Diese Gedanken musste ich aktiv bekämpfen. Es gibt andere herbstliche Kultprodukte, an denen ich mich erfreuen kann. Es lebe der Kürbis! Aber so schnell ist man getriggert. Bilder und Verknüpfungen im Kopf von Herbstidylle und "was unbedingt dazu gehört", über die sich das Suchthirn freut.

  • Hallo, Dulcinella,

    ich finde es beeindruckend, wie du bisher mit deiner Sucht umgehst; gerade nach Jahrzehnten des Trinkens fällt es umso schwerer, nüchtern zu bleiben. In dieser Phase stecke ich auch gerade noch drin und versuche mir meinen Alltag Stück für Stück zurückzuerobern.

    Sehr gut finde ich deinen Reminder, mit dem du dir und anderen offen zeigst, was man Positives aus der Nüchternheit gewinnen kann. Dem Suchthirn mag es als Kleinigkeit erscheinen, aber auch Kleinigkeiten sind bedeutsam. Also ruhig in die Schranken verweisen.

    Ich drücke dir ganz herzlich die Daumen :thumbup:

  • Jede Menge Nebenwirkungen, die niemand braucht!
    Ich wurde im Supermarkt kurz getriggert. Es gibt den ersten Sturm (Federweisser heißt das in Deutschland). Und schon raunzt das Suchthirn "Jöööö, Herbst, bunte Blätter, roter und weisser Sturm, wie idyllisch, du arme, den darfst du auch nicht mehr trinken, schluchz". Diese Gedanken musste ich aktiv bekämpfen. Es gibt andere herbstliche Kultprodukte, an denen ich mich erfreuen kann. Es lebe der Kürbis! Aber so schnell ist man getriggert. Bilder und Verknüpfungen im Kopf von Herbstidylle und "was unbedingt dazu gehört", über die sich das Suchthirn freut.

    Ja, das kenne ich nur zu gut. Musste mich gestern im Supermarkt auch sehr zusammenreißen (zum Glück mit Erfolg). Bei mir sind es eher noch die Situationen, die mich triggern, und mein Suchthirn spielt verrückt. Zum Glück kann ich da gut gegensteuern.

  • Anfangs sind die unzähligen Trinkgründe, wie z. B. Herbst = Federweisser, noch sehr stark im Hirn verknüpft.

    Wichtig ist (und das machst du ja schon) diese zu erkennen und als Gedanken des Suchthirns abzutun. Was sie ja auch sind.

    Der Zeitfaktor ist hier entscheidend. Diese Verknüpfungen lösen sich nicht von heute auf morgen. ABER sie tun es. Definitiv.

    Aus dem Grund wird immer vom ersten Jahr gesprochen. Bei manchen Verknüpfungen hat es aber auch zwei oder drei Jahre gebraucht. Jetzt ist doch ziemlich Ruhe. Nur nicht leichtsinnig werden ist jetzt die Devise.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Wenn das Einkaufen oder der Supermarkt triggert, dann mal auf Lieferdienst zurückgreifen. Gibt es bei euch bestimmt auch?

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Wenn das Einkaufen oder der Supermarkt triggert, dann mal auf Lieferdienst zurückgreifen. Gibt es bei euch bestimmt auch?

    Ja, gibt es schon, aber das Herbstgetränk Sturm triggert jetzt überall, es wird ja jetzt überall in der Gastro mit großen Schildern angeboten. Da braucht man nur herumspazieren und sieht es überall. Ich werde das aushalten :)

  • Aushalten und Kämpfen ist kein optimaler Zustand. Was triggert dann im Winter? Glühwein? Es gilt eben in der Anfangszeit, bestimmte Orte zu meiden, aber zuhause einschließen geht ja auch nicht. Kann es sein, dass du dem Alkohol noch zu sehr hinterhertrauerst? Weil du dich auch als "Arme" bezeichnest?

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Genau, im Winter der Glühwein, im Sommer Aperol Spritz. Das Suchthirn will mir einreden, ich sei arm weil ich keinen Sturm trinken kann. Ich trauer dem nicht hinterher, das sind nur Suchthirn Ausraster. Ich bin so froh dass ich endlich wieder Autofahren kann, das Auto ist viel zu lange nur herumgestanden, da ich besoffen war. Also hab ich jetzt einen großen Drang, Ausflüge zu machen. Der Alkohol hat mich zu Hause eingesperrt, also will ich jetzt nichts wie raus!

  • Es gibt den ersten Sturm (Federweisser heißt das in Deutschland

    Joa, kann ich nachempfinde. Die Kombination Zwiebelkuchen + Federweisser war auch bei mir eng verknüpft. Und es gehörte eben nicht zu den allerübelsten Erinnerungen aus der Saufzeit. Mir hilft, dagegen anzudenken: der Federweisser am Mittag war eben nicht das eine Glas, sondern der Einstieg zum Weitertrinken bis zum abendlichen berauschten Ins-Bett-fallen. Der Tag war ab mittags gelaufen. DAS ist die Verknüpfung für mich, die mir heute hilft. Ich habe NIE nur ein Glas getrunken.

    Und Apfelschorle zu Zwiebelkuchen schmeckt ohne Einschränkung phantastisch.

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