Wie meinst du das mit dem Ortswechsel? Ich bin fast immer zuhause. Soll ich dann nicht zuhause sein? Inwiefern hilft das?
Damit ist gemeint, dass Du auch mal rausgehen solltest. Oder in einen anderen Raum. Einfach die Sichtweise verändern und somit den Blickwinkel. Und ganz besonders, wenn Du Suchtdruck bekommst, vor allem wenn Du nur zu Hause bist.
wenn ich einen stressigen Tag hatte oder ich etwas abgeschlossen habe… Ich verspüre sofort den Druck zu trinken dann.
Das ist dann die Suchtstimme, die sich meldet. Da kannst Du gegenhalten, indem Du etwas anderes tust, als Dir von ihr eingeflüstert wird. Nämlich einen Kaffee trinken, ein Eis essen, eine kalte Cola trinken. Generell viel Tee oder andere alkoholfreie Getränke trinken. Oder aber indem Du die Situation verlässt und einfach einen Spaziergang machst. - Geldbörse aber zu Hause lassen!
Ich war jetzt acht Monate lang zuhause, außer zum Einkaufen. Ich habe nichts unternommen, niemanden getroffen oder so.
Warum hast Du Dich so abgegrenzt, praktisch in Selbstarrest versetzt?
Es gibt so vieles, das man unternehmen kann, das nicht im Zusammenhang mit Alkoholkonsum steht.
Scheinbar bist Du noch immer sehr auf den Alkohol fixiert.
Aber es geht ständig um Wein. Man kann dem Thema ja gar nicht aus dem Weg gehen, egal wie einsam und zurückgezogen man lebt.
Wieso geht es ständig um Wein? Es wird doch nicht überall Alkohol konsumiert.
Aber ich muss ja nur WhatsApp aufmachen und sehe wie meine ehemaligen Freunde oder meine Verwandten gemütlich in der Sonne sitzen und Wein trinken oder so.
Ist da wirklich so? Bei mir nicht. Vielleicht liegt das daran, dass Du noch immer Kontakt mit Menschen hast, die zu viel trinken? Diese Kontakte kannst Du blockieren oder auch im richtigen Leben meiden.
Naja, ich weiß halt, dass ich die Gefühle mit Alkohol besser aushalte.
Ist das wirklich so? Ich glaube eher, dass das ein Trugschluss ist, Lili! Damit würdest Du nur die Gefühle zuschütten und betäuben. Gar nichts wird damit besser, sondern bei mir wurden die Gefühle nur noch verstärkt. Und nach dem Rausch kommen sie doch wieder hoch, zusätzlich noch mit einem Kater und noch schlechteren Gefühlen.
Probleme können schwimmen!
Nüchtern kannst Du diese Gefühle besser verarbeiten und hinsehen, warum Du Dich gerade in diesem Moment so fühlst. Und wie Du dagegen arbeiten kannst. Besoffen ist das nicht möglich!
Die Probleme zu akzeptieren und auszuhalten ist nahezu unmöglich.
An Problemen zu wachsen und auch zu akzeptieren, dass man es nicht ändern kann, das ist eine Einstellungssache und auch erlernbar. Eine Kopfsache. Es hilft Dir vielleicht, es so zu sehen. Und Dir gegenüber auch etwas verständnisvoller zu werden, auch mal etwas loszulassen, weil es einen nicht weiterbringt.
Außerdem möchte ich Dir noch sagen, geh raus, unternimm etwas lass Dir frische Luft um die Nase wehen, geh ins Kino, Theater, etc. erlebe etwas. Triff Dich mit Freunden in der Eisdiele, zum Minigolf, fahre Fahrrad. Sperr Dich nicht zu Hause ein, das tut Dir nicht gut!
Du bist jetzt 8 Monate abstinent, nimm am Leben teil. Probiere, was Dir guttut!
Ich fragte Dich, ob Du Medikamente nimmst, weil es sein kann, dass Du eventuell eine andere Medikation brauchen könntest? Hast Du regelmäßige Termine bei Deiner Psychiaterin?