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Ich habe da und da den Eindruck, dass viele glauben, ein Rückfall müsste immer mit Suchtdruck, Problemen oder schlechten Gefühlen zusammenhängen.
Nööö. Muss er aber nicht. Da sitzt einer gemütlich in einer Runde. Ihm geht es gut. Alles läuft. Neben ihm trinkt jemand genüsslich sein Bier. Und plötzlich meldet sich das alte Saufhirn: „Ach komm, eines könntest du auch mal wieder trinken.“
Wo war jetzt der große Suchtdruck? Wo waren die schlimmen Gefühle? Nirgends. Vielleicht war es einfach nur die Gelegenheit und der Gedanke, dass so ein Bier doch etwas Schönes sein könnte.
Das entspricht übrigens auch vielen Erzählungen von Rückfälligen, die ich im Laufe der Jahre gehört habe. Da ging es oft nicht um einen dramatischen Absturz, nicht um die große Krise und nicht darum, dass ihnen das Wasser bis zum Hals stand.
Oft fing es viel unspektakulärer an. Mit einem Gedanken. Mit einer Gelegenheit. Mit der eigenen Erlaubnis.
Auch halte ich es für einen Irrtum, zu glauben, man sei sicher, solange es einem gut geht.
Da fällt mir ein alter Spruch aus der Selbsthilfe ein:
„Wenn es dir schlecht geht, geh in die Gruppe. Wenn es dir gut geht, renn hin!“
Warum? Ganz einfach. Wenn es mir schlecht geht, weiß ich meistens, dass ich aufpassen muss. Wenn es mir aber richtig gut geht, komme ich vielleicht auf die Idee, dass ich gar nicht mehr aufpassen muss. Und genau da kann es gefährlich werden. 
Viele achten auf den Suchtdruck und übersehen dabei etwas anderes: die Erlaubnis. Irgendwann wird aus „Ich trinke nicht“ ein „Warum eigentlich nicht?“. Und aus „Warum eigentlich nicht?“ wird schnell ein erstes Glas.
Für mich war deshalb Risikominimierung immer ein wichtiger Teil meiner Trockenheit.
Ich muss nicht erst warten, bis mir das Wasser bis zum Hals steht. Denn das erste Glas wird nicht immer aus Verzweiflung getrunken. Manchmal reichen die Gelegenheit und die eigene Erlaubnis dazu.