Hallo,
nun ist also die Zeit vieler Jahrestage bei mir...
Also am 5.6.2007 Mietvertrag, am 8.5.2007 Exmännes Zusammenbruch und Einlieferung in's Krankenhaus. Seit dem 9.5.2007 hat er nicht mehr getrunken. Am 15.6.2007 (glaub ich) habe ich den Wohnungsschlüssel für meine Wohnung hier bekommen und es ging los.
. Mitte Juli 2007 kam mein Bett und ich bin endgültig ausgezogen...
So, all diese Dinge sind nun 3 Jahre her, eine ziemliche Zeit und doch wieder nicht.
Als Ex in die Klinik ging, war ich sehr zwiespältig, ob ich es richtig gemacht hätte mit der Trennung. Da waren so viele Schuldgefühle, auf einmal, ihn im Stich zu lassen, obwohl er ja nun endlich nicht mehr trank. Er war genau am letzten Tag des Ultimatums in die Klinik gegangen...
Meine Mutter und meine Tochter und meine liebste Lieblingsfreundin sagten damals, zieh mal erst weg, dann kannst du später immer noch sehen, was du machst. Und das dachte ich auch. Erstmal weg.
Meine Schuldgefühle und Verantwortungsgefühle haben mich aber dazu gebracht, ihn viel zu sehr in mein Leben zu lassen, damals. Er trank ja nun nicht mehr, aber ich merkte, Vertrauen hatte ich keins. Bis heute denke ich, er fängt eh wieder an...obwohl ich's ihm nicht wünsche, es muss eine Qual für ihn gewesen sein, dieser Suff, zum Schluss.
Ich dachte damals, ich rette wieder was, unsere Ehe. Ich dachte, vielleicht kann ich zusammen mit ihm was verarbeiten. Und reden und ihm sagen, wie weh er mir getan hatte
. Ich wollte einmal nur hören: es tut mir so leid... Er hat es nicht gesagt. Er wollte garnicht darüber reden, blockte schnell ab, tat alles unter ein Mäntelchen, weg ist weg
. Ich konnte das nicht. Das ist, meiner Meinung nach, Verdrängung.
Na gut, da waren aber diese Schuldgefühle, die mich hinderten, meine Grenzen setzen zu können. Er war dauernd da! "Wir leisten uns jetzt 2 Wohnungen", das war sein Lieblingsspruch, und "lass dir ruhig Zeit mit dem Wiederkommen..."
Und ich wollte ja garnicht wirklich wieder kommen, tief in mir war es mir klar. Ich wollte leben, endlich frei von ihm und seinen Sachen. Er hat getrunken, aber es waren auch noch so viele andere Dinge, die nicht passten. Und Liebe... hm, meine war weg und seine für mich, hm, gab es die überhaupt mal
. Verhalten hat er sich jedenfalls nicht so, wie jemand, der liebt, eher wie jemand, der sein Spielzeug wiederhaben will.
So eierte ich also rum. Ein Jahr lang schaffte ich es nicht, vernünftige Grenzen zu setzen. Wir verbrachten die ganze Freizeit zusammen, aber es ging mir dermaßen auf den Geist und innerlich ärgerte ich mich über meine Schwachheit.
Ich sagte:" Ich möchte an meinen freien Tagen auch mal was alleine machen. Ich will mich doch sortieren und finden." Er:" Ja, das ist doch in Ordnung, verstehe ich." Um dann ein paar Minuten später zu fragen:"Was machen wir dann und dann, da hast du ja frei!" 

Das machte mich schwach, diese Ignoranz seinerseits. Er ignorierte meine Person, schlicht und ergreifend. Nach dem Motto, sie hat ja dann immer "ja" gesagt... und hat sie ja auch 
. Weil sie Angst hatte, vor irgendwelchen Konsequenzen und den eigenen Schuldgefühlen
. Angst davor, Fehler zu machen...
.
Irgendwann konnte ich diese Ängste immer mehr erkennen, und da verloren sie ihren Schrecken. Und ich konnte immer mehr sehen, was ich mir wert bin und was ich vom Leben erwarten darf. Ich darf "nein" sagen und "stopp". Zum Beispiel. Und ich darf mich schlecht fühlen, wenn mich jemand nervt. Und ich darf meine Wünsche äußern. Und ich muss nicht allzeit bereit sein, Exmännes Bedürfnisse zu befriedigen! Für seine Bedürfnisse ist er selbst zuständig...
Das war ein Weg, das zu erkennen. Und nach etwa einem Jahr konnte ich immer besser mich abgrenzen und dann auch sagen:" Ich kann und will keine Beziehung mehr mit dir haben!" Welch ein Schritt war das für mich! Es zu sagen, es hier aufzuschreiben, es allen mitzuteilen! Öffentlich...
Es hat trotzdem noch gedauert, bis ich mich lösen konnte, immer stückchenweise... das dauert und Geduld ist angesagt
. Nach 26 Jahren gemeinsamen Lebens ist es normal, das dauert eben. Und so wie ich mich auf der einen Seite immer mehr lösen konnte, konnte ich auf der anderen Seite wachsen und mein neues Leben immer mehr aufbauen.
Und nun
?
Ich bin noch nicht fertig, bin ich das jemals? Meine Prägungen und Muster sind da, immernoch, aber sie können nicht mehr dauerhaft meinen Alltag bestimmen. Denn in mir drinnen ist was gewachsen, nämlich Selbstvertrauen und Wert. Die halten ganz schön was in Schach! Guuuut!
Wie geht es mir, nach 3 Jahren... Nach ca 2 Jahren, als ich es endlich auch sagen konnte.
Die alten Gedanken kamen hoch. Na gut, aber sie tun einfach nicht mehr weh. Es ist so, dass ich denke, hui, so war das ja, weia, und dann ist es gut. Ich habe Ex zu seinem 3. Jahrestag gratuliert, ganz neutral irgendwie, aber ich freue mich, dass der Vater meiner Kinder nicht trinken muss, zur Zeit. Wie gesagt, Vertrauen in eine Dauerhaftigkeit kann ich irgendwie nicht haben. Aber im Prinzip ist es auch egal, denn mein Leben ist davon nicht mehr betroffen. Ich habe mein Leben hier, mit Dante, und das ist das Beste, was mir passieren konnte!
Aber das konnte auch nur passieren, weil ich anderes nicht mehr zugelassen hätte! Niemals mehr wird es mir so gehen wie damals, als ich dachte, bald passiert was ganz Schlimmes, ich kann nicht mehr, ich könnte nur noch kotzen, von morgens bis abends...Ich gehe kaputt, mir tut alles weh, im Körper und in der Seele. Ich bin nicht mehr da die Sonne scheint nicht mehr.
Vorbei und nicht vergessen, aber abgelegt und verarbeitet. Zusammen mit den Erkenntnissen, warum ich es zugelassen habe, damals. Warum ich so war, wie ich war.
So, nun reicht's aber mal hier, jetzt wird gearbeitet. Wäsche aufhängen...
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Aurora