Hallo Elara,
ich hab nicht vor dich zu rasieren. Warum auch? Ganz vielen Cos, auch mir damals, fällt eine Trennung schwer. Aus vielerlei Gründen.
Aber diese Ansicht hier:
Und ja, ich weiß, dass ich als sog. Co teilweise mit Schuld an dem Dilemma bin ...
... dass ich die Alkoholabhängigkeit unterstütze,
teile ich nicht. Ob du da bist oder nicht, ob du ihn versorgst oder nicht macht für mich keinen Unterschied. Es ist die Sucht, die Schuld daran ist, dass der Abhängige trinkt.
Und nichts anderes. Na klar ist es für den Abhängigen toll wenn nach außen eine gewisse Fassade aufrecht erhalten wird. Oder jemand seine Wäsche wäscht. Aber dadurch unterstützt du nicht seine Sucht oder bist schuld. Trinken tut er ganz alleine ob du da bist oder nicht.
Wenn jemand gehbehindert ist, verlässt man ihn auch nicht einfach, nur weil man sich vielleicht ein einfacheres Leben wünscht?
Dieser Vergleich hinkt. Alkohol verändert den Menschen, schädigt alle Organe. Alkohol macht wirr im Kopf und der Abhängige wird zu einer Marionette seiner Sucht. Alles richtet sich nur danach aus und der Alltag wird immer mehr vernachlässigt, das soziale Leben schläft ein usw.
Ein Gehbehinderter kann nur nicht laufen wie ein Wiesel aber er kann klar denken. Verantwortung übernehmen. Im Leben stehen, daran teilnehmen.
Ich hab ja selbst lange durchgehalten und alles hingenommen, mich selbst verloren. Und hinterher konnte ich mich selbst nicht verstehen. Warum ich das so lange mitgemacht und mein Leben so lange so stark eingeschränkt hatte. Du hast doch schonmal geschafft dich zu trennen. Also kannst du das auch, weißt, wie es gehen kann.
Dass du hier alles rausgelassen hast ist gut und hoffentlich ein wenig erleichternd. Im ersten Moment. Aber du verzichtest zum ziemlich großen Teil auf dein Glück, Freiheit, Ausgelassenheit und vielleicht auch auf angemessene Trauer um deine kleine Enkelin. Weil du beschäftigt bist mit Gedanken an deinen Partner und doch ihn nicht ändern kannst.
Für das, was deine Tochter und dein Schwiegersohn, du da gerade erleben haben sie und hast du mein größtes Mitgefühl. Ein Kind, einen Enkel zu verlieren ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Niemand weiß das besser als ich.
Liebe Grüße Aurora