Hallo,
es ist mal wieder soweit.
Heute vor 43 Jahren, am 6.11.1981 gab ich meinem ersten Mann das Ja-Wort. In voller Überzeugung, dass es, dass er das große Los wäre.
Erste Zweifel dass es nicht so sein könnte kamen mir nach 3 oder 4 Jahren.
Ich trank gerne mit, war so großgeworden, Alkohol gehörte nun mal zum Geselligsein dazu. Und dass da zuviel getrunken wurde war normal. Besoffensein war eben Bestandteil des Lebens. Man fiel eher auf, wenn man nichts trank.
Ich habe sehr lange nicht gedacht, dass er abhängig sein könnte. Aber das Trinken hat mich mehr und mehr gestört. Er trank täglich wenn er von der Arbeit kam. Was ich sehen konnte war, dass es " normale" Mengen waren. Was ich nicht sehen konnte weiß ich bis heute nicht. Er war zwischendurch schwer krank und ich schob dann viel darauf.
Er selbst sagte dann immer, er wäre nicht mehr so belastbar und müde, deshalb wäre er gestern so gewesen. Also er saß z.B.auf dem Sofa und schlief oder starrte vor sich hin und war nicht ansprechbar. Ich machte mir Sorgen und bekam immer mehr Angst, dass ihm was passieren könnte.
An Wochenenden wurde immer gebechert und er war immer einer der Betrunkensten. An seinem 40. Geburtstag ist er vom Stuhl gefallen... Ich wurde immer unglücklicher, gestressten, wütender. So gingen die Jahre in's Land und ich war garnicht mehr glücklich. Mit 50 wurde er zur Reha geschickt, das war für mich eine richtig gute Zeit.
In der ICH mich erholte. Froh war, dass er weg war. Das war nach 23 Ehejahren. Ich hatte bis dahin immer wieder mit Trennungsgedanken gespielt, ihm gedroht ihn zu verlassen. Er hatte Trinkpausen eingelegt und ich war wieder in der Spur. Jahr für Jahr.
Irgendwann wurde seine Sucht so offensichtlich, seine Art mir gegenüber immer gemeiner, dass ich mich bewegen konnte. Endlich.
Nach 26 gemeinsamen Jahren hab ich kapituliert. Nach heutiger Sicht viel zu spät. Denn ich hatte viele Jahre unglücklich gelebt, mit Angst, Wut, Minderwertigkeit. Und meine Kinder haben das mehr und mehr zu spüren bekommen.
Nach der Trennung hörte er auf, für gut 4 Jahre. Ich bin noch um ihn gekreist, war er doch endlich nüchtern. Aber es hat nicht mehr geklappt, zu viel war passiert. Von der großen Liebe am Anfang war nichts mehr übrig außer Gewohnheit. Und er war nicht mehr der Traumtyp vom Anfang, in " echt" war er ein mieser Kerl...
Am 6.11.2018 ist er gestorben, elendig krepiert an seiner Sucht. Denn er hatte wieder zu trinken angefangen nach 4 Jahren. Mit einem Bierchen weil es so schön war. Er hatte sich neu verliebt.
Schade um die vielen Jahre, die ich ausgehalten habe. Weil ich es nicht besser wusste. Meine Gesundheit habe ich dadurch schon ruiniert. In einer Beziehung mit einem Abhängigen bleiben immer alle auf der Strecke.
Aurora