Hallo Biffi,
es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie sehr sich oft die einzelnen Lebensberichte gleichen. Wie ähnlich das Verhalten ist. Und zwar vom Alkoholiker als auch vom Partner. Ich selbst war auch ganz lange coabhängig und hab diese Erfahrung für mich auch gemacht.
Immer wieder wird einem Schuld eingeredet. Wie oft habe auch ich gehört, warum mein erster Mann trinken musste. Weil ich so zickig war oder weil ich keine Lust auf Sex hatte. Oder weil ich böse gewesen war zu ihm. Ihm mit meinem Gemecker auf den Geist ging. Es gab die irrsten Vorwürfe. Und das schlimmste daran ist, dass ich es tatsächlich irgendwann geglaubt habe. Und mich mehr und mehr angestrengt habe, ihm alles recht zu machen. Natürlich ohne Erfolg...
Und dann tat er mir auch leid, er musste doch saufen weil er so sensibel war. Nicht belastbar. Und dann stürzte oder schwankte oder so. Das hat was in mir angerührt, diese Hilflosigkeit, die er an den Tag legte. Und ich versuchte alles zu machen, damit er nicht mehr trinken musste, ich wollte ihn retten damit er ein gutes Leben haben könnte. Mit mir. Und es war mir mega peinlich, ich hab es keinem erzählt.
Aber er wollte garnicht gerettet werden... er wollte saufen, den Rausch. Und irgendwann war er abhängig und musste saufen weil er ohne den Stoff in schwere Entzugserscheinungen kam. Zitterte, Kotzen musste, schwitzte...
Ich bin so verzweifelt weil, ich hab gesagt ich trenne mich und stelle fest, dass ich das nicht einfach so kann. Obwohl ich sehr leide.
Trennung ist der beste Weg, wenn man mit einem Alkoholiker zusammen ist, der nichts verändern will. Denn er wird sein gesamtes Umfeld damit beeinflussen. Du leidest darunter und auch die Kinder, sie sind am schlimmsten betroffen. Sie können sich nicht wehren und entwickeln merkwürdige Verhaltensmuster. Um überleben zu können. Mal ganz grob gesagt.
Dass du nun von heute auf morgen keine Trennung durchziehst ist klar. Das geht einfach nicht nach so langer Zeit. Da hängt viel dran. Aber du kannst anfangen, dich zu informieren. Zu einer Beratungsstelle gehen. Es gibt Suchtberatungsstellen, Caritas, ProFamilia. Zum Beispiel. Sozialpsychiatrische Dienste. Da kannst du reden und erfahren, welche Hilfen dir zustehen. Solche Informationen sind Gold wert! Sie machen dich sicherer, nehmen dir Ängste weil du Bescheid weißt. Und dich einrichten kannst. Solange du noch nicht bereit bist dich zu trennen, drohe es ihm nicht an. Denn wenn darauf keine Taten folgen, wird er dich nicht ernst nehmen (wenn er das sowieso nicht schon nicht mehr macht).
Ich hatte das meinem ersten Mann so oft angedroht, dass er mich nur noch höhnisch ausgelacht hat. Mir zusätzlich Angst eingeredet hat. Von wegen: du wirst eh kaputt gehen, untergehen, kein Geld mehr haben usw. Das solltest du dir ersparen. Als ich dann tatsächlich eine eigene Wohnung hatte und ausgezogen bin, war er völlig platt. Denn er hatte nicht damit gerechnet.
Es ist gut, dass du deine ersten Schritte machst, raus aus diesem Suchtstrudel. Dass du hier bist um dir Hilfe zu holen ist sehr mutig und gut.
Liebe Grüße
Aurora