Hallo Alba,
es ist sehr, sehr schwer, Vertrauen wieder aufzubauen.
Ich habe das damals bemerkt, mein Exmann wurde ja nüchtern als ich mich getrennt hatte. Und da wir im gleichen Wohnkomplex wohnten, waren wir (leider aus jetziger Sicht) sehr oft zusammen. Ich konnte aber einfach kein Vertrauen aufbauen. Zu viel war kaputt gegangen. Und mein Exmann - der meinte bloß immer, ich solle endlich die Vergangenheit ruhen lassen, Decke drüber und jut is, er wäre ja jetzt nüchtern. Und er meinte noch, "so, wie du (also ich) es doch immer wolltest".
Super, Und ich stand da mit allem. Mit meiner gesammten Gefühlspalette. Wut, Erschöpfung, Angst. Ich sollte wieder funktionieren wie vorher.
Mein Exmann hat immernoch sehr nass gedacht, das habe ich gemerkt als ich hier bei den Alkoholikern gelesen habe. Die haben alles ganz anders gemacht als er, irgendwie konsequenter. Sie haben sich und ihr Umfeld gesehen, wieder sehen können und auch ernst genommen. Das hat mein Exmann nicht, er hat mich einfach nicht ernst genommen sondern wollte einfach nur, dass ich wieder für ihn funktioniere wie immer und er sein Leben weiter leben kann als wäre nichts passiert. Das konnte ich nicht. Waren wir verabredet und er kam zu spät, stand ich kurz vor einer Panikattacke, aus Angst, er könnte getrunken haben. Ich konnte garnicht richtig abschalten. Ich hatte kein Vertrauen und das Gefühl, dass er alles nicht wirklich ernst nahm und nicht wirklich was ändern wollte.
Eine andere Sache sind bestimmte Trigger. Heute bin ich schon längst wieder in einer neuen Beziehung, verheiratet seit 11 Jahren. Mein Mann ist Alkoholiker, trocken seit fast 16 Jahren. Und er ist stabil.
Und doch passiert es mir immer mal wieder, dass ich Flashbacks habe. Er trinkt gerne eine bestimmte Brause. Die Flasche sieht nicht mal nach Bierflasche aus und trotzdem kann es passieren, dass ich, wenn er mit der Flasche in der Hand in`s Zimmer kommt, eine Rückblende habe und meinen ersten Mann mit der Bierpulle in der Hand sehe. Oder am Anfang unserer Beziehung, da sah ich hinter Büchern im Wohnzimmer was glänzen und war starr vor Schreck. Mein erster Mann hatte seine Pullen oft hinter Büchern zu stehen. Völlig fertig guckte ich nach - und es war ein Lesezeichen, was da neben einem Buch stand.
Ja, es geht mir tatsächlich ab und an noch so, dass mich was triggert, je nach meiner eigenen, seelischen Befindlichkeit. Dafür habe ich einfach zu lange in Coabhängigkeit gelebt.
Lieber Gruß
Aurora