Hallo Lolo,
Die meisten Alkoholiker schaffen es auch nicht, nüchtern zu bleiben, weil sie von allen Seiten im Stich gelassen werden.
Das sehe ich anders. Alkoholiker bekommen, wenn sie es wollen, von sehr vielen Seite Hilfe! Aber sie müssen diese auch annehmen und beginnen, ihr Leben nach ihrer Krankheit auszurichten. Wie sowas geht, dafür gibt es Therapeuten, Entwöhnungstherapien, Selbsthilfegruppen. Diese Dinge können, dürfen, alle Alkoholiker in Anspruch nehmen und bekommen dort auch Hilfe! Wie gesagt, sie müssen es aber wollen, annehmen, umsetzen. Dass kann keiner für sie übernehmen, schon garnicht der Partner.
Alkoholiker schaffen es leider oft nicht nüchtern zu bleiben, weil sie gewisse Dinge nicht in ihr Leben integrieren möchten, weil sie denken es würde reichen, einfach nicht zu trinken, weil sie nichts dafür tun und sich darauf verlassen, dass andere es für sie schon machen.
Aber ich habe solche Angst, dass mein Leben immer nach dem gleichen Muster ablaufen wird. Und dass ich am Ende nichts zusammenbekomme.
Diese Angst ist leider nicht unbegründet. Wenn sich alles nur um IHN dreht, wenn du dein ganzes Leben nur auf IHN ausrichtest, bleibt für dich nichts mehr übrig. Es gibt auch Erkenntnisse, dass Coabhängige häufig noch vor dem Alkoholiker sterben. Weil sie völlig verbraucht sind.
Ich denke auch, dass wir alles gemeinsam schaffen werden.
Wenn ER den absoluten Wunsch hat, mit dem Trinken für immer aufzuhören, wenn er sich professionelle Hilfe dafür sucht, dann ist es möglich, den Weg in die Trockenheit gemeinsam zu gehen. Gemeinsam und doch jeder für sich. Der Alkoholiker braucht, wenn er es ernst meint, viel Zeit für sich. Um zurück in ein selbstverantwortliches, erfülltes Leben zu finden. Er braucht dafür KEINE coabhängige Partnerin, die ihm den Weg ebnet und alles für ihn erledigt. Im Gegenteil. Es ist wichtig, dass er den Weg FÜR SICH macht. Ebenso ist es für die Co. Sie muss sich selbst wiederfinden, lernen, Grenzen zu ziehen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und achtsam mit sich selbst umzugehen. Sie muss den Alkoholiker loslassen für seinen eigenen Weg und muss ihren Weg ebenso alleine gehen. Und wenn das klappt, wenn jeder seine eigene Sucht bearbeitet und erkennt, dann ist daraus ein gemeinsamer Weg entstanden.
Trockenlieben funktioniert nicht!
Es ist auch nicht seine Schuld, dass er süchtig geworden ist. Er hat einfach Pech gehabt.
Niemand hat Schuld daran. Aber da er Alkoholmissbrauch betrieben hat, hat er diese Möglichkeit in Kauf genommen. Niemand weiß, wer abhängig wird und wer nicht. Das ist auch unter Wissenschaftlern noch nicht klar, welche Mechanismen da greifen. Aber wenn ich Missbrauch betreibe dann besteht immer die Möglichkeit.
Solche Menschen sind krank und man sollte nicht so streng mit ihnen sein.
Ja, Alkoholiker sind krank, zweifellos. Alkoholismus ist eine schwere Erkrankung. Aber anders als sehr viele andere Erkrankungen bietet diese die Möglichkeit, sie zum Stoppen zu bringen und ein zufriedenes, gutes, langes Leben zu führen. Es liegt einzig und alleine in der Hand des Alkoholokers, was er daraus macht. Niemand kann ihn zum Trockenwerden zwingen. Auch die beste und liebste Freundin nicht...
Ich rede bzw schreibe hier aus eigener, leidvoller Erfahrung!
Ich habe eine Ehe mit einem Alkoholiker hinter mir. In den 26 Jahren unseres Zusammenseins ist er nach und nach immer tiefer in die Sucht reingerutscht. Nichts konnte ihn abhalten. Wir haben zwei gutgeratene Kinder in die Welt gesetzt, hatten eine abbezahlte Eigentumswohnung, waren wohlhabend und ich hab Jahr um Jahr alles für ihn gemacht. Weil ich dachte, ich wäre dazu als einziger Mensch in der Lage, weil ich wusste, wie sensibel er doch war, weil ich dachte, ich könnte ihn heilen und sonst niemand.
Ich bin nach 26 Jahren aus dieser Beziehung rausgegangen, habe inzwischen eine chronische Depression bekommen und bin chronisch erschöpft. Ich bin psychisch und körperlich kaputt...
Mein Exmann hat sich schlussendlich totgesoffen. Weil er es so wollte.
Oh je, jetzt hab ich ja was vom Stapel gelassen... ich hoffe, dich ein wenig zum Nachdenken zu bringen damit.
Liebe Grüße
Aurora