Liebe Julez,
ich sag dir, genau wie meine Vorschreiber, dass du nicht das Problem bist. Höchstens in den Augen deines Mannes, der sich kontrolliert fühlt. Für nasse Alkoholiker ist die Partnerin, wenn sie "aufmüpfig" wird, ein Störenfried. Und schnell werden bestimmte Dinge gemacht, versprochen und so, damit die Frau sich beruhigt und er in Ruhe dem Druck seiner Sucht nachgeben kann.
Du hast genau geguckt und gezählt, was er getrunken hat. Und zwar das, was sichtbar war. Was und wieviel es wirklich war, weißt du nicht.
Ich hab das auch so gemacht, Striche an Schnapsflaschen, Bierflaschen überprüft, all solche Sachen. Mein Exmann war Profi im Öffnen der Bierflaschen, dass der Kronkorken nicht verbogen war, er hat dann Wasser eingefüllt und die Flasche wieder verschlossen. Es hat, glaub ich, Jahre gedauert, bis ich das gemerkt habe... Ich hab mich bloß ganz oft gewundert, warum er nach 1 Bier völlig abgefüllt war.
Es ist super, dass du dir hier Hilfe suchst! Wir sind eine sehr große Selbsthilfegruppe, hier ist ein riesen Erfahrungsschatz. Den du nutzen kannst, darfst, um für dich Lösungen zu finden und Auswege. Glaub mir, ich kann mich 100pro in deine Gedanken versetzen. Am Anfang hier fand ich es regelrecht als Erlösung weil ich sah, dass ich nicht durchgeknallt war sondern meine Gedanken, Handlungen und Erlebnisse die einer Frau in einer Beziehung mit einem Suchtkranken waren. Aber es hat mich auch manchmal erschlagen...
Eine große Hilfe war, dass mir nicht nur nach dem Mund geredet wurde sondern mir seeehr unbequeme Dinge gesagt wurden. Denn DAS bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe. Dass das am Anfang ziemlich weh tut, dich verwirrt, teilweise auch ärgert, ist doch klar. Aber nur dadurch kommt was in Bewegung.
Ich hoffe, du hast ein ruhiges, sonniges Wochenende und kannst deine Gedanken ab und zu auf dich lenken und nicht nur auf deinen Mann. Und wieviel er trinkt. Das kostet sooo viel Energie...die verschwendet ist. Weil es ja nichts ändert.
Liebe Grüße
Aurora