Hallo,
heute ist der 3. Todestag meines Exmannes.
Es wäre auch unser 40ter Hochzeitstag...
Wie anders sich alles entwickelt hat als ich damals, jung und blauäugig, erhofft hatte. Ich schwebte im 7. Himmel. Alles schien perfekt. Mit seinem Trinkverhalten passte er wunderbar in meine Urfamilie, da ging es ja auch immer hoch her. Und dadurch ist mir lange gar nicht bewusst gewesen, dass er anders trank als ich das zum Beispiel damals tat oder meine Eltern.
Ich hatte ja auch viele abhängige Onkel und Tanten, er trank eher so wie sie. Für mich war das erst mal "normal"... Und er trank exzessiv auch nicht jeden Tag sondern nur zu Feiern und auch da nicht immer.
Im Laufe der Jahre änderte sich da was und ich wurde unzufrieden. Oft gab es Streit wegen seines Alkoholkonsums. Ende der 80ger Jahre bekam er epileptische Anfälle, aber aufgrund eines geplatzten Aneurysma. Damals meinte er aber selbst schon, er dächte es käme vom Alkohol. Er trank dann ein paar Monate garnichts mehr und hatte zudem Glück, dass er einmal dieses Gehirnbluten überlebt hatte und dann auch noch ohne weitere Beeinträchtigungen.
Am Silvester 89/90 trank er wieder Sekt und das war es dann. Ab da wurde es schon mehr und mehr. Sowas geht nicht abrupt, es war ein schleichender Prozess. Auch meine Coabhängigkeit kam nicht auf einen Schlag sondern entwickelte sich irgendwie gemeinsam mit seiner Abhängigkeit.
So gingen die Jahre in's Land, die Kinder wuchsen heran und ich fühlte mich quasi als alleinerziehende Mutter. Er kümmerte sich immer weniger, hatte sich eh nie sooo viel gekümmert. Für ihn galt noch das alte Modell: er, als Herr im Hause und Geldbringer, sie (also ich) als Hausfrau, Mutter und allzeit bereitwillige Geliebte. Das dann immer weniger klappte (also das Geliebte sein). Denn durch seinen Suff hatte ich echt keinen Bock mehr auf S.ex, ich wurde immer zorniger, verwirrter, erschöpfter.
Auch innerhalb seiner Urfamilie war für mich irgendwie nix in Ordnung. Die Schwiegermutter manipulativ, der Schwager massiv übergriffig... ich hatte an allen Fronten zu tun. Denn immernoch sah ich mich als verantwortlich, zuständig, schuldig. Und dachte, ich müsse ihn doch retten können und immer zu allen lieb Kind sein um anerkannt zu werden. Ich fühlte mich immer wertloser und mein Exmann machte mir das auch sehr deutlich.
Meine Verzweiflung und Angst wurde immer größer, mein Vertrauen zu ihm immer weniger, ich fühlte mich missbraucht, verraten und nutzlos. Landete in einer regelrechten Opferhaltung, alles schien mir aussichtslos. Bis ich mich eines Tages im Spiegel ansah und mir sagte, "hör auf zu heulen! Mach was! Es kommt keiner und holt dich hier raus, das musst du schon selbst tun!"
Und ich kaufte mir ein Notebook und googlte so rum, nach Alkoholiker und so, und dann stieß ich auf das Forum hier. Das war im April 2007. Im Mai meldete ich mich an, ich war damals schon zur Trennung entschlossen und zog das dann auch durch. Nach 26 gemeinsamen Jahren. Im Zuge der Trennung wurde mein Exmann nüchtern.
Da stand ich vor einem Dilemma, denn er war ja nun nüchtern und eigentlich sollte ich doch nun froh sein. War ich aber nicht, ich war hin- und hergerissen zwischen neuer Lebenslust und Schuldgefühlen. Ich habe deshalb meinen Ex noch viel zu sehr in mein Leben gelassen. Das hat mir garnicht gut getan. Um gemeinsam was aufzuarbeiten war er nicht bereit, ich entwickelte mich aber, mit Hilfe dieses Forums und meiner Auseinandersetzung mit mir und meiner Thematik und dann auch mit therapeutischer Hilfe, immer weiter. Ich lernte hier neue Menschen kennen, fand Freunde. Und sah, wie hier die Alkoholiker mit ihrem neuen Leben umgingen. Das war beim Ex so gar nicht, er trank nur nicht, änderte aber null an seinem Leben.
Aus einem guten Freund, den ich hier kennen lernte, wurde dann mein zweiter Ehemann
und endlich hatte und habe ich eine Beziehung, die normal ist, auf Augenhöhe, mit Liebe, Toleranz, Rücksichtnahme... es ist wunderbar. Jeden Tag auf's Neue.
Fast ein Jahr lang sollte es noch dauern, bis ich endlich einen richtigen Schlussstrich ziehen konnte. Und mit noch immer schlechtem Gewissen, Schuldgefühlen, dem Ex eine Absage erteilen konnte. Innerhalb dieser Zeit war mir immer bewusster geworden, dass mein Exmann noch immer nach seinen alten Mustern lebte, mich unterdrücken wollte, mich weiterhin als S.exspielzeug missbrauchen wollte. Dass also seine Bedürfnisse noch immer an erster Stelle standen und ich selbst erst irgendwo nach allen anderen kam.
Ca 4 1/2 Jahre trank er nichts, dann lernte er seine neue Freundin kennen. Und da die sehr gerne einen soff trank er doch gleich mit. Ab da ging es rapide bergab mit ihm. Körperlich und im Kopf dann auch. Nun ist er also seit 3 Jahren tot... totgesoffen. Irgendwie tut es mir noch immer leid, dass es für ihn so gekommen ist aber er hat es so gewollte. Ganz klar. Denn mein zweiter Mann hatte ihm Hilfe angeboten. Er hat sie nicht angenommen.
Ich habe durch diese ganze schlimme erste Ehe viel an Energie verloren, die auch nicht mehr zurück kommt, ich habe daher eine chronische Depression. Durch den Tod meiner Tochter und meines kleinen Enkels ist das viel schlimmer geworden. Im letzten und diesem Jahr kamen noch Angstzustände und Panikattacken dazu. Das kam aufgrund meiner eh eher desolaten seelischen Verfassung und Dingen zwischen meinem Exschwiegersohn und seiner neuen Frau. Ganz fiese Sachen sind da gelaufen.
Mit meinem Mann jetzt habe ich sehr viel Schmerz und Leid, Enttäuschungen zusammen durchlebt. Er stand und steht mir zur Seite, mit klarem Kopf und viel Liebe. Wir haben gemeinsam gemeistert, was uns das Leben als dicke Brocken hingeworfen hat. Mit einem abhängigen Mann an meiner Seite hätte ich das alles nicht geschafft, ich wäre, glaube ich, längst drauf gegangen. Meine Depression habe ich jetzt gut im Griff, ich habe einen wunderbaren Therapeuten, der mir zusätzlich durch diese ganze schwere Zeit geholfen hat. Auch Angst und Panik sind für mich händelbar.
Ich hoffe, ich kann diesen Zustand jetzt so halten. Für lange, lange Zeit. Ich möchte nur noch in Ruhe und Frieden leben. Das geht logischerweise nicht immer, irgend etwas wird immer sein. Aber ich weiß, es kommt nicht mehr sooo dicke wie in den Jahren meiner ersten Ehe (weil ich das nie nochmal mitmachen würde und meinem Mann vertraue, dass seine Trockenheit immer oberste Priorität hat ) und vor allem in den letzten 9 Jahren.
Heute geht es mir gut.
Aurora