Gefühle

  • Hallo Andi,

    ich wollte Engels Thread jetzt nicht missbrauchen, aber dennoch noch etwas zu dem Thema Gefühle antworten, weil ich es für ein sehr wichtiges Thema halte. Ich hoffe, du liest es hier dann trotzdem.

    Zitat

    denn hierfür sind wir ja hier,um im gegenseitigen Erfahrungsaustausch voneinander zu lernen,und jeder kann hier seine Sichtweise klar legen.

    Ja, das ist das schöne an diesem Forum, und ich freue mich immer über Offenheit und Ehrlichkeit.

    Zitat

    Jenes hat auch für mich nichts damit zu tun,ob man/frau Ihnen ausgeliefert ist,und warum sollte ich etwas beeinflussen wollen,aus denen ich nur lernen kann?

    Ich hab darauf vermutlich deshalb so reagiert, weil meine Gefühle teilweise zu Handlungen führten, die mir das Leben um einiges schwerer gemacht haben: Ich habe ein Handy so oft gegen die Wand geschmissen, bis es kaputt war. Auf ein Telefon bin ich so oft getreten, bis es eben komplett zertreten war, und einmal hat mich die Polizei morgens um 4 vom Balkon meines damaligen Freundes entfernt, weil ich ungefähr eine dreiviertestunde lang gegen die Balkontür gebollert hab (er wohnte im EG, bin auf seinen Balkon geklettert), und so einiges anderes an Hausrat ist auch kaputt gegangen.
    Das wollte ich nicht mehr, und ich habe es zum Glück auch ablegen können, das mit den Gefühlen wird immer besser.

    Aber je länger ich darüber nachdenke, komme ich glaube ich darauf, was du meinst...
    Ich habe, eben auch durch das Trinken, negative Gefühle verdrängt, ich wollte sie nicht zulassen. Gefühle wie Einsamkeit zum Beispiel. Mit diesem Gefühl umzugehen möchte ich lernen, es aber nicht verdrängen wollen.
    Meinst du das in etwa in dieser Art?

    Es stimmt schon was du sagst, ich kann nicht alle negativen Gefühle ausblenden, das funktioniert nicht, und es gehört dazu, denn Gefühle haben auch einen Sinn. Nur denke ich, haben manche Menschen sehr extreme und krankhafte Gefühle, oder Gefühle, die rational betrachtet nicht berechtigt sind. Das kann sich dann eben sehr negativ auf die Lebensqualität auswirken. Und ich bin wirklich froh, dass meine Gefühle nicht mehr so extrem sind, dass ich es an irgendwelchen Gegenständen auslassen muss :oops: .
    Ich denke, das ist, wie auch du schon andeutest, eine sehr individuelle Angelegenheit, und es freut mich zu lesen, dass du für dich bereits einen zufriedenstellenden Weg gefunden hast, mit deinen Gefühlen umzugehen.

    Liebe Grüße
    Clare

  • Hallo clare!

    Zitat

    Aber je länger ich darüber nachdenke, komme ich glaube ich darauf, was du meinst...
    Ich habe, eben auch durch das Trinken, negative Gefühle verdrängt, ich wollte sie nicht zulassen. Gefühle wie Einsamkeit zum Beispiel. Mit diesem Gefühl umzugehen möchte ich lernen, es aber nicht verdrängen wollen.
    Meinst du das in etwa in dieser Art?

    Ja genauso habe ich es gemeint clare :wink:

    Vielen Dank für die Eröffnung dieses Thread's,vieleicht mag der ein oder andere sich ja dazu auch noch äussern?

    Lieben Gruß,Andi

  • Hallo Andi,

    ach so, na dann klärt sich doch einiges. ;)

    Ich würde es auch begrüßen, noch von anderen über ihre Erfahrungen zu lesen!

    Liebe Grüße
    Clare

  • So, jetzt komme ich auch endlich dazu etwas zu schreiben ;) .

    Zunächst einmal denke ich auch, dass negative Gefühle durchaus ihre Berechtigung haben. Es gibt Ereignisse oder einfach nur Tage, die einen einfach runterziehen, und dann geht es mir eben schlecht. Anders sind da jedoch die destruktiven oder irrationalen Gefühlszustände einzuordnen, die mir in ihrer Intensität schaden. Wenn man, wie clare, Sachen zerdeppert, oder wie ich vor kurzem, aus Angst vor Ablehnung etwas völlig Dummes tut. Dann heißt es gegensteuern.

    Ich denke, es gehört zum Prozess des Sich-selber-kennenlernens dazu, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

    Ich persönlich konnte bei mir sogar einen gewissen Lerneffekt feststellen: Dadurch, dass ich vor ein paar Wochen das schlechte Gefühl nach dem Ärger mit dem Chef nicht betäubt habe, habe ich denke ich viel mehr gelernt. Ich habe mich intensiv mit meinem Verhalten beschäftigt, was schief gelaufen bin, und habe das schlechte Gefühl ertragen. Mit Alk ist das nie so passiert, ich hab das schlechte Gefühl einfach "ausgeknipst" und bin wieder zur Tagesordnung übergegangen.

    Noch etwas: In meiner Familie wurden ja selten Gefühle außer Fröhlichkeit und aufgesetzter Fröhlichkeit gezeigt. So ähnlich wie bei Japanern ;) . Negative Gefühlsäußerungen wie Weinen oder Wut wurden mit einem "Reiß dich gefälligst zusammen!" weggewischt.
    In letzter Zeit versuche ich verstärkt, meine Gefühle zumindest zu verbalisieren. Z.B. "ich bin enttäuscht" oder sowas. Und ich erhalte nur positive Reaktionen darauf, kein "ach was!" oder "Reiß dich zusammen". Das bestärkt mich wiederum darin, Gefühle innerlich mehr zuzulassen, weil sie eben legitim sind. Vom Kopf her weiß ich das natürlich, aber nun kommt es langsam auch im Bauch an.

    LG
    Plejaden

  • Möchte auch einen bescheidenen Beitrag zum Thema einbringen.

    Wenn ich meine Gefühle ausblende,ist es wie einem Blinden Fausthandschuhe überzuziehen.Er ist nicht mehr in der Lage zu erfühlen wie es um ihn herum aussieht.
    Ich bin nicht mehr in der Lage zu erfühlen wie es in mir drinnen aussieht.
    Er wird die Form der meisten Dinge höchstens noch ahnen können.
    Ich werde die Form meines Ichs nur noch wage erahnen können.
    Ihm und mir wird Vieles anders erscheinen als es wirklich ist.

    Dennoch ist er der in der besseren Position,denn seine Handschuhe schützen ihn vor Verletzungen.Mein Ich ist schutzlos...

    Liebe Grüße,
    Shadow

    Think positiv!!!

  • Ich glaube in der Unfähigkeit mit Gefühlen umzugehen, liegt der Ursprung meiner Erkrankung.
    So habe ich bei verzweifelung, trauer oder wut, ähnlich reagiert wie clare und habe diese Gefühle an Gegenständen ausgelassen und mich dabei nicht selten selber verletzt. Ich war überfordert und rückblickend, in gewisser Weise, auch trotzig. Ich denke ich wollte einfach nicht einsehen, dass auch diese Gefühle zum Leben gehören und das es nun gerade mich damit erwischt hat. Ganz schnell kamen in mir Gefühle hoch, wie :" Mich versteht sowieso keiner" und " ist doch eh alles ***egal!"
    Tief im Inneren habe ich mich für diese Passivität gehasst und aus dieser Motivation heraus gesoffen, nichts gegessen und ziemlich riskante ( z.T. lebensgefährliche) Dinge getan.
    Ähnlich war/ist es bei mir bei positiven Gefühlen, zum Beispiel nach Erfolgserlebnissen (von denen es nur wenige gab). Diese Glücksgefühle wollte ich teilen, habe aber immer wieder gemerkt, dass das nicht in dem Umfang möglich ist, wie ich es mir gewünscht habe. Derartiges, für mich alleine geniessen, konnte ich nicht und dann kam die Frage in mir hoch:" Wofür das alles?"

    Wie clare schon schrieb, glaube ich das hinter alldem das Gefühl der Einsamkeit steht.

    Um neu registrierte user zu motivieren, wird im Vorstellungsbereich oft geschrieben:" Du tust es für Dich!"
    Und genau das ist es! Ich tu es für mich, für niemand Anderen, denn ich habe begriffen, dass jeder Mensch sein eigenes Leben lebt und damit in gewisser Hinsicht auch einsam ist.

    Mit dieser Einsicht im Rücken, bin ich nun dabei meine gesamten Verhaltensweisen neu zu erlernen. Dabei stellt sich heraus, dass ich oft den Weg gehen muss, der am unangenehmsten ist und dabei brauche ich kein Lob zu erwarten, denn ich tu es für mich!

    Gruß
    Oliver

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