Wie gefährlich kann ein Alkoholiker werden?

  • Hallo KimP,

    wieso eigentlich nur Alkoholiker? Ich hatte vor kurzem so gewaltige Verlustängste, daß ich mich in eine Paranoia hineingesteigert hatte und an jeder Ecke umherlungernde Nebenbuhler sah. Es hat mir vollkommen egal zu sein, wer an meiner Frau rumknabbert. Vor einigen Monaten wurde ich einmal gefragt: bist du sicher, daß du deiner Frau nichts antun wirst? Ich habe da gesessen und verständnislos gelesen, das was ich geschrieben hatte, war alt, da habe ich von Co und Alk nichts gewußt, einfach nur geliebt und getrunken.

    Ist das denn wichtig, ob jemand säuft oder trocken ist oder Co oder klar oder überhaupt nichts mit den ganzen Krams zu tun hat. Wir haben Waffen, die dringen tiefer ein und sind schmerzhafter als jede Hand.

    Aber Du hast Recht, meine Frau wiegt die Hälfte und hat mich schon 2mal umgelegt, aus Versehen, rumgedreht, mit dem Ellbogen genau auf den Solarplexus, da war ich einfach weg. Würde sie wütend auf mich losgehen, ich bekäme einen Lachanfall, würden meine Kg sie bewußt treffen, wäre zumindest der Kiefer gebrochen. Du weißt ja, demaskierte Alkoholiker sind unangenehm, aber Cos brauchen keine Hände.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Gut gesagt, liebes Kaltblut,
    eigentlich egal, welche Krankheiten oder Süchte Menschen begleiten, ausrasten können alle in Situationen, die für sie ausweglos erscheinen.

    Genau dieses Ausrasten passt ja eigentlich zu der Power und Kraft, die Du bei diesen Menschen spürst. Vereinfacht gesagt: wenn diese Kräfte in die richtigen Kanäle geschickt werden, so sind diese Menschen - wir - zu vielem befähigt.

    Demaskierte Alkoholiker sind unanagenehm, Co's brauchen keine Hände. Hmm, stimmt wohl - habe ich mir noch nie so überlegt.

    Eifersucht und rumknabbern. Als meine Beziehung scheiterte verspürte ich eine imense Eifersucht. Ich für mich habe den Eindruck, als wolle ich meinen Ex nicht mehr zurück - empfinde auch keine Eifersucht: weder auf Prinzessin Alk noch die Gesellschaftstrinker. Vermutlich wollte ich damals nur festhalten und "meins" nicht hergeben. Nunmehr weiß ich, dass die Person, die mal "meins" war für mich nicht mehr begehrenswert ist. Ich spüre auch keine sexuelle Anziehung mehr, einfach weil durch den Alk an ihm vieles verändert wurde. Allerdings hätte ich ein Problem mit dieser Einstellung, wäre er öfters nüchtern, denn genau da könnte ich in die alten Fallen tapsen.

    Tja, liebe Kim, schon schlimm solche Momente der Gewalt zu spüren. Auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, ob Dein verändertes Verhalten Deinem Partner überhaupt noch den Mut gibt Dir etwas an zu tun. Ich habe bei mir bemerken müssen dass durch meine geänderte Einstellung mein Auftreten zum Expartner anders wurde. Manchmal scheint Angst dabei zu sein, einfach nur deshalb, weil er mich nicht mehr einschätzen kann, so vermute ich. Für mich selber habe ich beschlossen, wenn etwas passieren sollte, dann gibt es einen Besuch beim Arzt, Bericht - noch keine Anzeige bei der Polizei. Der Bericht würde erst dann eine Anzeige werden wenn ich ausgezogen bin. Meine paar Wochen will ich so harmlos wie möglich zu Ende bringen und meine Sachen packen.

    Ich denke, einen Vorteil haben wir oftmals, die die wir Angst haben, wir können klar denken und uns Sicherungsmechanismen erarbeiten - oder aber mit den Eskalationen über den Kopf umgehen - viel schlimmer ist es bei denjenigen die ausrasten, dürften sie doch später spüren dass schon wieder etwas aus dem Ruder gelaufen ist.

    Ich will nichts beschönigen, aber wir sind in solche Situationen reingeraten und müssen mit Kopf, Verstand und Kraft da wieder rauskommen. Denn auch diese Angst vor Gewalt bindet uns an die Ex-Partner, was diese eventuell wissen und ausspielen.

    Vermutlich der letzte Machtbeweis.

    lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,
    du könntest tatsächlich Recht damit haben, dass er keinen Mut mehr hat, mir irgendwas anzutun. ich habe das ganze Wochenende absolut nichts von ihm gehört. Oder ist das nur die Ruhe vor dem Sturm? Fakt ist, dass es immer Mega-Probleme gab, wenn ich nicht seiner Meinung war, so dass meine Meinung schon fast verschwunden war. Und jetzt wage ich es ihm die Stirn zu bieten, Widerworte zu geben, ja, ich habe sogar mein Leben ohne ihn in den Griff gekriegt. Das hat er nicht erwartet. Ich bin so stark und selbstbewußt wie schon lange nicht mehr. Er hat mich lange genug unterdrückt. Ich denke wirklich wieder klar. Und das fühlt sich soo gut an. ER HAT KEINE MACHT MEHR ÜBER MICH!!![Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.smilies-and-more.de/pics/smilies/laughing/188.gif]
    Liebe Grüße
    Kim

  • Hallo liebe Kim,
    auch ich habe lange und oft extreme Angst vor meinem Ex gehabt, da er wirklich nicht mehr einschätzbar bzw. berechenbar ist.

    Aber ich denke, wenn wir an uns arbeiten - so wie jetzt gerade, auch wenn wir in den Anfängen stecken, so wie ich - dann ändern wir uns. Damit auch unser Auftreten dem Partner gegenüber. Somit sind wir für ihn ein bischen unbekanntes Terretorium (wir springen nicht mehr auf alle alten Mechanismen an) somit auch ein Angstfaktor.

    Bei meinem Ex erscheint es mir so, als ob seine Überheblichkeit und oftmals übelste Art einfach nur seinen eigenen Ängsten entspringt. Wenn ich mir so kleine Alltagserlebnisse zurückhole, die in Nüchternheit vor sich gingen, so war er doch ein rechter Feigling.... Im Alk wird das anders - und wir sollten niemals jemanden alkoholisierten unterschätzen.

    Wobei ich mich persönlich schon manchmal frage was wäre wenn.... Ich habe viele Jahre aktiv Vollkontakt-Kung-Fu betrieben und habe selber den Übungsleiter. Vor einigen Wochen habe ich mich mal wieder auf die Matte begeben und siehe da, die Reflexe sind noch da. Ich hoffe also in meinem Fall, dass es zu keiner Eskalation kommt, denn mein Stil war wie gesagt Vollkontakt - da gibt es kein Abklatschen oder ähnliches, da geht es um gewinnen oder verlieren..... Zumindest dann, wenn Gefahr im Anzug ist. In einem Training lasse ich mich auf den Trainingspartner ein und respektiere ihn als solchen und als Mensch.

    Im Falle eines Angriffes ist der Angreifer für mich kein Mensch sondern die Bedrohung meines Lebens. Auch wenn jeder verhinderte Kampf ein gewonnener Kampf ist, so würde ich im Notfall mit Sicherheit (die fast Situation war schon da) kämpfen bis mir die letzten Haare ausfallen.

    Was Du sagst Kim ist gut - zu spüren, dass keine Fremdbestimmung und keine Macht mehr von anderer Seite kommt. Es gibt genau die innere Stärke, die äußere Angriffe evtl. verhindern kann.

    Ich habe während meiner Kung-Fu Ausbildung gelernt, dass bei Vergewaltigungen zumeist die Frauen wirklich Opfer wurden, die in der Opferrolle waren. Diejenigen, die sich gewehrt hatten - sei es auch nur verbal - diejenigen konnten oftmals Angriffe verhindern. Die Daten kamen aus einer polizeilichen Statistik.

    Oh Leute, wie fehlt mir dieser Sport, diese Menschen dort (aber alles viel zu weit weg). Diese Schule und diese Männer (ich war anfänglich die einzige Frau dort) waren einfach nur tolle Menschen. Dieses Körpergefühl, welches ich damals entwickelte, fehlt mir zutiefst. Aber der Stil den ich ausübte, ist in einem Schneeballsystem integriert, teuer und auch nicht mehr so ganz "astrein". Also käme keine andere Schule in Frage. Für jeden anderen Stil wäre ich "versaut" weil andere Stille im Regelfall nciht auf Vollkontakt gehen.

    Das war ein Körpergefühl - ich kann nur jedem Menschen raten Sport zu bereiben um sich dadurch noch besser zu spüren.

    In diesem Sinne, liebe Kim, bleib so stark wie Du Dich fühlst, dann hat er mehr Angst davor von Dir - verbal - angegriffen zu werden. Denn auch das dürfen wir nicht vergessen: wenn ein Mensch uns angreifen will, egal mit Worten oder Taten, so muss er mit Gegenreaktionen rechnen. Und manch einer ist nicht so mutig wie er scheint...

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Na, beim letzten Beitrag fragte ich mich noch "was wäre wenn" und nun steht die Situation so quasi vor der Türe. Irgendwelche Stories über irgendwelche Dinge die ihm gehören würden (zumeist habe ich noch Kassenbelege) und "das Haus in Schutt und Asche legen" weil er es später eh nicht mehr brauche könne ich mir Fernseher ect. nehmen und und und.

    Eigentlich habt Ihr Recht, die Ihr sagt: da tobt ein kleiner Wirbelwind, der einfach nur über solche falsche Aussagen streiten will und kann. So viele Punkte gibt es nicht, die Material für Gespräche sorgen, da ich mich doch ziemlich weit distanziert habe.

    Aber das Spielchen - meine Sachen - Deine Sachen, das gab es bei uns noch nie - also eine Premiere, bei der ich auch wieder richtiges Verhalten lernen muss um letztendlich nicht in der Eskalation zu landen. Telefon und Internet hat er eigenmächtig abgemeledet obwohl ich es ebenso zahle. Einfach nur Macht zeigen - die wenige, die noch da ist.

    Jetzt mal ehrlich, eigentlich doch schlimm, wenn im normalen Gespräch nichts erreicht wird. Doch wohl auch schlimm für den Alkoholiker, der es zwar nicht erfasst, aber auch nur sehr eingeschränkt zu seinem Ziel kommt. Letztendlich kann er wie ein Superkaster turnen und "nein, nein, nein" brüllen, die Gesamtsituation wird ja nicht anders für den Alkoholkranken der verlassen wird. Leider nur dürfte das in deren Gehirn nicht mehr ankommen.

    Vermutlich aber die Gier etwas nervenberuhigendes zu bekommen und es runterlaufen zu lassen.... Schon ziemlich wirr, diese ganzen Reaktionen einfach weil sie ja die betreffenden Personen nicht raus bringen aus deren Dilema. Klar kann man Gewalt säen, klar könnte ich klein bei geben um meinen Frieden zu haben, aber am Tag x wird dann ausgezogen und die Probleme des Alkoholkranken sind nicht anders geworden. Egal ob Schuldzuweisungen oder Gewaltandrohungen: sie alle ändern auch durch die Ausführung nichts an der Ausgangssituation des Trinkers.

    Einen Menschen durch Gewalt oder Ohnmacht zurück zu erobern dürfte ja wohl im Regelfall nicht funktionieren. Oder vielleicht doch??? Wenn ich so überlege, wieviele Frauen in Frauenhäuser flüchten um dann doch zu schlagenden Ehemännern zurück gehen.... Uuups, schon wieder etwas erkannt: ein Weg, der doch zum Ziel führen kann. Vielleicht nicht bei mir, aber bei manch einer anderen armen Seele...

    Oh Mensch, wie danke ich für die kleinen, wenigen Schritte, die ich gehen konnte, für das anfängliche Lernen für mich verantwortlich zu sein - für die Versuche des Loslassens und die langsam beginnende Einsicht einer Krankheit. Langsam zu verstehen, dass es zwar doof ist, aber ein Aspekt der Krankheit - die Unfähigkeit Probleme (die eigenen nämlich) zu lösen..... D. h. für mich persönlich, jeder Gewaltversuch meines Ex ist ein weiterer SChlag gegen seine persönliche Unzufriedenheit. Jedes böse Wort entspringt dem was er für sich empfinden muss. Denn das Böse Wort muss ja irgendwo "gelagert" sein bis es raus darf.

    Ich für mich versuche keine Angst vor diesen Wutanfällen aufkommen zu lassen. Gestrn habe ich leider falsch reagiert, als er von einer Bratpfanne anfing. Ich sagte nämlich, dass ich sie ihm bringe und gleich über den Schädel ziehe, dann wisse er wovon er spräche... Nicht gut, war jetzt mein Armutszeugnis, aber da ging bei mir halt einer meiner braven Gäule durch.

    Nun gut, ich werde mir mal alle bösen Unterstellungen anhören, in der Hoffnung, dass das Sprechen ihn durstig macht und in seine Räuberhöhle treibt.

    Lieben Gruß von Dagmar

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