Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen

  • Ich selber trinke keinen Alkohol und kann auch nicht verstehen, wie es einen Menschen verändert. Ich habe nur mal gemerkt dass alles lockerer und leichter wird - vielleicht ist der Alk deshalb nichts für mich weil er verändert.

    8 Jahre war ich in einer Beziehung mit jemandem, der viel trank.
    Seit 2 Jahren wurde es extrem und persönlicher wie auch sexueller Kontakt wurden von mir nahezu eliminiert. Ich war auch kein guter Partner mehr, zumal ich sagte: im angetrunkenen Zustand müssen wir uns über nichts unterhalten.

    Vor 2 Monaten erklärte ich ihm, dass ich nicht mit der Person weiterleben möchte, die er durch Alkohol aus sich gemacht hat. Ich gab ihm ein Foto wo er mal wieder zu Boden gefallen war in seinem Tran, um dann bewußtlos liegen zu bleiben und dort weiter zu schlafen. Geholt hatte er sich den Rausch bei einem Weihnachtsmarkt wo er bereits einige der Besucher unschön angerempelt hatte.

    Nun gut, nachdem ich das von Auszug ausgesprochen hatte nahm er sich flugs eine Ersatzbiene, die den Alk besser akzeptiert als ich und machte Schluß. Mir brach es das Herz, ich machte daraus keinen Hehl und er zog in Erwägung einen Fehler gemacht zu haben.
    Nach endlosen Gesprächen - Selbsterniedrigungen von mir, die ihm wieder Macht gaben - stellte er fest er wolle die Beziehung fortsetzen, weil er mich wolle.... hahah....

    Das war am Freitag, am Samstag wollte er mit dem Seitensprung Schlußmachen, tat es aber nicht weil es der Lady schlecht ging. Welche Rücksichtnahme, die gab es mir gegenüber nicht ;)
    Zwischen Sonntag und Freitag gabe es bei uns viele Gespräche, er gab sich Mühen ohne Ende an meinem Auto, im Haushalt (was Jahre zuvor nicht der Fall war) und ich meinte zu fühlen er will wirklich etwas ändern. Große Hoffnung setzte ich auf eine Paartherapie, zu der er laut seiner Aussage bereit gewesen wäre (kaum aber bereit sich selber als Alkoholiker zu titulieren).

    Nun, am Samstag - also gestern - kaufte er Material für das Abendessen ein, und wollte noch kurz zum Seitensprung (die er lt. eigener Aussage eine Woche nicht am Telefon gehört hatte, gesehen auch nicht, denn wir waren zusammen) weil er dort noch Werkzeuge liegen hätte.

    So.... wo er ist weiß ich nicht, vermutlich noch immer beim Seitensprung.

    Entfallen durch Alkohol wirklich alle Hemmungen, ist es tatsächlich nicht möglich einen Entschluss zu fassen und an der Umsetzung zu arbeiten. Diese Feigheit sich Problemen zu stellen hatte er schon immer, immer wenn es kritisch wurde bei uns rannte er davon. Ich denke mal, so hat er auch den Seitensprung als neue Partnerin gewählt bevor ich Schluss mache wie seine anderen Freundinnen zuvor.

    Auch denke ich, er spürt sehr gut wo meine Knöpfe sind, über die er wieder meinen Schmerz auslösen kann und er irgendwelche Ziele verfolgen kann. Ist es tatsächlich so, dass der Alkohol definitiv die Birne vernebelt, aber im passenden Zeitrahmen - als Druckmittel - doch so klug eingesetzt werden kann.

    Kann man so einfach 8 Jahre wegwerfen um ein Problem wieder im Rennen hinter sich zu lassen? Stirbt wirklich alles an Gefühl und Herz nur weil die nächste Ration nicht erreichbar ist oder beobachtet werden kann.

    Ach Leute, wenn mir das jemand erklären könnte, vielleicht käme ich dann mit mir selber weiter. Mir zerreißt es das Herz wenn ich an die Person denke, die ich mal kennen und lieben gelernt habe. von der ich jedoch damals nicht wahr haben wollte, dass der Alkohol eigentlich schon die Stelle von mir (der Freundin) übernommen hatte.

    Ich weiß, daß ich gehen muß - ich weiß, daß ich den Menschen, den ich mal liebte verloren habe weil es ihn nicht mehr gibt .... aber ich weiß nicht, wie so etwas mental bei einem Alkoholiker vor sich geht....

    Es wäre schön, wenn Ihr - die Ihr vielleicht mehr wisst als ich - mir da einfach beim verstehen helfen könnten, denn vielleicht schaffe ich so den Trennenungsschmerz besser, der im Moment einfach überdimensional ist.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • ja, ich glaube Du konnstest mir ein bischen etwas erklären. Vor allen Dingen habe ich begriffen, dass ich zwar einen liebenswerten Menschen zum Partner gewählt hatte, er das aber nun nicht mehr ist. Ich habe auch wirklich an meiner Auswahl gezweifelt und mich gefragt ob ich mir von Anfang an etwas eingebildet hatte.

    Das aber, was Du schilderst, scheint mir genau in die Richtung zu gehen was bei uns gerade passiert.

    Ich kann ihm nicht helfen - weder jetzt noch später - denn er hat keinerlei Einsicht und wird sich immer daran orientieren, wo oder wie er den meisten Stoff herkriegt und das ohne Probleme. Mein Ex-Partner kann nicht kommunizieren und gleich gar nicht über seine Gefühle, somit kann er auch nichts verarbeiten oder im Gespräch mit anderen realisieren.

    Somit rennt auch er vor Problemen davon: vor mir weil ich den Alkohol unterbinden will. Vor seiner neuen Freundin wohl weil diese auch sehr viele Probleme habe (ich habe ihn jedoch in der Schilderung unterbrochen weil mich das weder etwas angeht noch interessiert). Durch seine vorhandenen Ängste und dem Zusammenspiel mit dem Alkohol ist ein Mensch entstanden, der nichts mehr zu tun hat mit demjenigen den ich leider noch oft sehe. Es sind die Erinnerungen an einen ganz anderen Menschen - Betonung auf Mensch: denn ich bitte um Entschuldigung. Aber trotz aller vermeintlicher Liebesbekundungen wirkte mein Expartner in den letzten Tagen als gefühllos. Eher einstudiert, im Sinne von "ich spiele Dein Spiel mit" Warum ich noch immer leide obwohl ich weiß wie er mit mir umgeht frage ich mich selber .... und bei jeder der Fragen tut es wieder weh.

    Super, dass Du es geschafft hast und keinen Menschen so verletzt wie er mich!!!! Es wäre toll, wenn Du dabei bleiben kannst!!!! Toi toi toi!!!

    Lieben Gruß von Dagmar

  • für die offenen Worte. Es schmerzt schon sehr, wenn man/frau sich gefühlmässig abgeschossen oder einfach nur benutzt vorkommt - quasi als Mittel zum Zweck bzw. in meinem Fall "nur" als Mietanteilzahler, da ich eine Kälte spüre, die für mich "eiskalt ist" trotzt gegenteiliger Worte. Ich denke auch, er ist in einem Zustand, in dem er Liebe nicht mehr empfinden kann - einfach weil der Wunsch nach dem Stoff so stark da ist. Er bemüht sich über Tage "sauber" zu bleiben, der erste ersehnte Schluck an einem fremden Ort sorgt dann vermutlich für ein haltloses Nachschütten.

    Er wird vermutlich nicht zu der Erkenntnis kommen dass er anders mit seinem Leben umgeht als die Menschen um ihn herum. Auch er wird aggressiv, klar, er hat in seinem Leben nie gelernt Probleme zu bewältigen. Hat sie immer verschleift und im Notfall hat ihn Papi - der seit vier Wochen nicht mehr lebt - rausgehauen.

    Ich denke oder kann von mir sagen, ich habe ihm nicht geholfen weil mir einfach klar war, das Entschuldigungen für den Arbeitgeber ebenso wenig meine Aufgabe sind wie die Tatsache, ihn vor dem Gerichtsvollzieher oder dem Verlust der Arbeit durch Unpünktlichkeit zu bewahren. Dennoch habe ich die Co-Abhängigkeit in mir - und er ist das Suchtmittel -

    Ich habe vorhin mein Bettzeug ins Gästezimmer geschleift nebst dem wichtigen Wecker und ihm auf Mailbox gesprochen dass ich seine Entscheidung akzeptiere und ihn einfach bitte keine Diskussionen und Gespräche mit mir über die Beziehung zu führen. Ich lasse ihn in Liebe frei und wünsche ihm alles gute für seine Freiheit, aber auch er möge mich in Ruhe lassen, damit ich meinen Frieden bekomme.

    Ich gehe mal davon aus, das er das tun wird. Denn so hat er ja die gewünschte Freiheit zu konsumieen was er will und ich vielleicht die Chance mich selber zu finden, wieder zu finden besser gesagt.

    Danke für Deinen Wunsch nach Kraft, die ich brauche über alle Maße. Es geht mir beschissen, aber ich weiß daß ich es mir und auch meiner Familie schuldig bin nicht so aufzugeben. Nicht einfach - auch wenn ich es gerne täte - im Boden versinken kann um den Schmerz nicht mehr zu erleben.

    Natürlich hat "er" es leichter, er kann seinen Schmerz wegpumpen, ich kann das nicht. Aber helfen kann ich ihm auch nicht, denn ich denke mal, mengenmässig ist er schon in der Rubrik dass körperliche Schäden anstehen. 25 Jahre Alkoholmissbrauch dürften zu Buche schlagen, denn die Vernachlässigung des Äusseren ist nicht zu übernehmen. Wobei letzte Woche nahm er sich zusammen, aber wie lange er das für sich halten kann weiß der Geier.

    Lieben Dank für Deine Erklärungen, die mir etwas helfen mich nicht als schlechter zu sehen als ich war. Denn vielleicht haben die "Du böse Frau bringst mich dazu zu trinken, aggressiv zu sein ect." Worte doch nachgewirkt.

    Lieben Gruß von Dagmar

    und Dir ganz viel Glück auf Deinem weiteren Weg, wo auch immer er Dich hinführen soll!

  • ich hoffe für mich selber einfach dass er mir aus dem Weg geht und das auf Mailbox gesprochene akzeptiert. Denn wenn wir uns weitergehende Erklärungen und Diskussionen ersparen nötigen wir uns beide nicht uns immer und immer wieder selbiges zu versprechen, was wir als Paar nicht halten können.

    Ich hoffe einfach ihm durch die Aussage, ihn in "Liebe" freizulassen und seine Freiheiten zurückzugeben ihm das zu ermöglichen, was er als einziges will: in Ruhe trinken.

    Wo geht mich nichts mehr an, ob beim Seitensprung oder im heimischen Keller interessiert mich nicht - hat mich nicht zu interessieren. Wichtig ist einfach (und da hoffe ich, dass er mir keinen Strich durch die Rechnung macht) das keine Themen über uns als Paar im Raum stehen.

    Vermutlich hat Dir Deine Frau das Leben und den Job gerettet, wer weiß, vielleicht findet Ihr beide wieder zueinander da DU zu DIR gefunden hast. Ich denke, dass ist der Dreh- und Angelpunkt in vielen Dingen oder Verhaltensweisen. Ich habe meinen noch nicht gefunden, weil mein Leben quasi in Scherben liegt - dennoch auch eine Chance alles neu aufzubauen. Noch weiß ich nicht genau wie ich diesen Berg wegschaffen soll, aber ich habe in meinem Leben schon so viel schaffen und ertragen müssen, dass ich es hier auch mit kleinen Schritten hoffentlich schaffe.

    In jedem Fall tut mir der Austausch gut. Allein und verlassen fühle ich mich ja, aber weil es anderen ähnlich geht hat man nicht mehr ganz so das Gefühl soooo alleine zu sein. Vor allen Dingen zu sehen, dass es co wie auch Alkoholiker schaffen sich selber zu befreien zeigt mir, dass wohl auch ich es schaffen kann.... so hoffe ich .... wie gesagt, derzeit weiß ich noch nicht so ganz wie, denke aber die ersten Schritte von mir (Bettzeug weg, Nachricht auf Mailbox) sind für mich persönlich schon viel. In der Vergangenheit habe ich Vorwürfe auf die Mailbox gesprochen oder bei seiner Ankunft Terror gemacht. Das entfällt nun zwangsläufig, da ja ich die Aussage getroffen habe "ich akzeptiere Deine Entscheidung und entlasse Dich von meiner Seite in die gewünschte Freiheit - was alle Sektoren seines Lebens betrifft".

    Lieben Gruß von Dagmar

  • und es auf ein nun dem Ende zu gehendes Level zu bekommen.

    Ich werde auch keine Diskussionen mehr führen über unsere Beziehung oder warum es nicht klappte oder wieso ich noch an ihm hänge und alles andere blabla, welches es in den letzten Wochen gab. Letztendlich waren es stundenlange Diskussionen ohne definitive Einsichten.

    Zwar würde ich gerne nochmals meine Meinung zum Thema Alk (das erste Glas und er ist außer Kontrolle, schämt sich dann wohl selber und kontrolliert nicht mal den Verbrauch) sagen denke aber dass das unnütze Zeitverschwendung ist, da er jedem der ihn auf das Thema anspricht widerspricht und Erklärungen bietet, warum doch er kein Alkoholiker ist.

    Frage an Euch: ist es überhaupt sinnvoll, dieses Thematik irgendwie oder irgendwann nochmals anzusprechen?

    Lieben Gruß von Dagmar,
    die die erste Nacht im Gästezimmer verbracht hat

  • lieber Erdling,
    denke ich haben wir hier genau alle miteinander. Wir Co's sind ebenso wie Alkoholiker - meine ich für mich. Mir fällt es ebenso schwer die Finger von Exfreund und Beziehung zu lassen wie ihm den Alkohol nicht zu nutzen um sich aus der realen Welt zu flüchten. Irgendwie haben wir selbiges Problem und ziehen uns gegenseitig runter. Oder können uns aufbauen, in dem wir uns selber finden und das der Weg zum Partner sein kann.

    Ich denke, der Leidensdruck auf meinen Ex ist sehr groß, ich denke jedoch nicht, dass irgendeine Aktion von meiner Seite etwas bewirken kann. Mein Entziehen aus seinem Kreis bedeutet für ihn endlich ungestraft trinken zu können und muss eine Erleichterung für ihn sein.

    Natürlich hat er Alkohol versteckt editxxxx keine links verwendenxxHartmut, schau mal hier, aber das ist echt seine Sache. Ich habe bis jetzt immer Anfälle gekriegt, wenn überall im Haus die Flaschen rumstehen. Ich habe das Schlafzimmer geräumt. Zukünftig stelle ich ihm dort alle Flaschen rein, wie auch seine Klamotten ect. Dann sieht es eben in seinem Schlafzimmer aus wie auf dem Schlachtfeld - es ist seines!

    Es tut mir weh, weil ich das Zimmer liebevoll eingerichtet habe, aber besser ich bin im Minigästezimmer und er im Schlafzimmer. Oder anders rum - hauptsache nicht gemeinsam.

    Weißt Du Sila, gerne würde ich mit dem Menschen, den ich damals kennen lernte eine Beziehung haben, aber nicht mit demjenigen, der jetzt nach Alkohol lechzt. Aber, derjenige, den ich damals kennenlernte, auch der war schon krank, den schon damals gab es das Erleichterungstrinken. Also habe ich schon damals nicht den Menschen pur kennengelernt. Ich muss wohl sagen, ich kenne ihn überhaupt nicht, da er ja nicht über Gefühle sprach. Und genau das machte mich in dieser Beziehung sehr einsam. Eine Beziehung also in der ich doch alleine war weil es keinen Austausch gab.

    Ich würde vermuten, daß es das Klügste wäre wenn ich selber das Thema Alk nicht mehr anschneide. Sollte er es wollen (falls er sich überhaupt damit tiefer auseinandersetzt als sich nur zu rechtfertigen) so kann das geschehen. Vom Grundprinzip kann ich nur sagen : "Die Beziehung mit ihm ist mir zu stressig". Das werde ich auch ihm sagen. Egal, ob es der Alk ist, ob es die Tage sind an denen er verschwindet, ob es der Gerichtsvollzieher ist oder was auch immer. Keine dieser einzelnen Vorfälle haben Gewicht - zusammen genommen erschlagen sie mich.

    Es ist traurig, es tut weh, es wird für mich schwer sein und es kann im dümmsten Fall Rückfälle geben.... aber ich will Gefühl geben und Gefühl bekommen, pur ....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • er ermöglicht mir etwas Distanz zu meinem Ex-Partner um ihn nicht mehr als denjenigen zu sehen, den ich kennen- und lieben gelernt habe.

    Ich bin durch und mit Euren Erklärungen dahin gehend weiter gekommen. Dass es einen kranken Menschen gibt (der ziemlich losgelöst ist von mir) der nicht nachvollziehbare Handlungen am Stück projeziert weil er einer Art Fernsteuerung unterliegt.

    Gefühle, Empfindungen, Moral - alles das, was den Menschen lebendig macht und zu einem zweiseitigen Kommunikationsaustausch führt - ist wie in Watte gepackt und lässt nichts von mir gesagte an Ohr, Verstand oder Herz.

    Ich denke, ich muss nun erst einmal begreifen dass er wirklich auf Tauchstation geht und das moralische und "normale" Level verlassen hat. Für mich war jemand, der morgens noch keinen Alkohol trinkt, zwar schon ein Alkoholiker - aber ich denke, das wirkliche Level konnte oder wollte ich nicht erkennen. Eines, welches zu keiner Einsicht mehr bereit ist - selbst beim Besten Willen.

    Meine nächste Lebensplanung steht und ich werde sie umsetzen, ich werde meine Trauerarbeit leisten, mich aus meinen Tiefs hochangeln und mir bewußt machen was in allen den Jahren geschehen ist. Dinge, die ich nie für möglich gehalten hätte und die ich nie jemandem den ich mag zugemutet hätte. Diese Dinge muss ich mir sehr gut merken um nicht wieder in alte Muster zurück zu fallen. Jeden Tag, den ich ihn nicht sehe werde ich stärker - aber jeden Tag, wo er seine Spiele spielt falle ich wieder etwas tiefer runter.... Hier muss ich mir selber Zeit und Geduld erlauben.

    Anfänglich dachte ich mein Leben ist vorbei, sinnlos und fühlte mich nur traurig, traurig, traurig, traurig - mittlerweile frage ich mich (nachdem es bei mir aufwärts geht) ob ich nicht eher bedauern soll was aus ihm geworden ist. Wie er sich selber die ursprünglich wichtigen Dinge im Leben selber wegnimmt. Ich beginne sie mir wieder zu geben - fast ebenso wie er sie sich raubt. Sein Leben lang hatte er sich Werkzeuge aller Art und Preiskategorien gekauft, nun dienen sie nur noch dazu um bei Anwendungen Verletzungen an ihm zu bewirken weil er mit ihnen nicht mehr umgehen kann.

    Meine Werkzeuge waren immer mein Herz und meine Kommunikatinsfähigkeit, diese wurden in dieser schlimmen Zeit jetzt eher kreativer als schlechter, was sich bei mir in Sachen Bewerbungen bereits jetzt bemerkbar macht. Es erfolgen Resonanzen, die die Monate zuvor so nicht der Fall waren....

    Lieben Dank für Eure Aufklärung, es hilft beim Verarbeiten.

    Dagmar

  • Servus Dagmar 007!

    Du hast ja schon sehr viele ausführliche und das eines Alkoholkranken betreffende Innenleben beschreibende Antworten bekommen.
    Ganz genau so ist es. Das kann ich dir als trockener Alkoholiker bestätigen. Aber die Quintessenz aus dem Ganzen steckt bereits in dem Titel deines Threads:
    " Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen"

    Das wirst du als Nichtbetroffene auch niemals können, denn viele Alkoholkranke verstehen sich selbst nicht als Alkoholiker.
    Bevor dieser Bewußtseinsprozess nicht eingeleitet ist und der Betroffene sich als Alkoholiker sieht und vor allem den Wunsch hat daran etwas zu ändern wird nicht viel passieren, außer dass sich die Suchtspirale immer weiter nach unten dreht bis zum endgültigen Tiefpunkt.

    Ich wünsche dir, dass dein Freund doch noch die nötigen Einsichten zeigt und dir wünsche ich unbeschadet an Geist und Seele diese Situationen zu überstehen.

    Lg
    Andreas

    carpe diem

  • Hallo, lieber Andreas,
    ich denke tatsächlich, da wird das Rad rund mit dem Thema "selber verstehen" den Kommentar bekomme ich auch regelmässig zu hören "ich verstehe mich selber nicht". Nun gut, deshalb ist es für mich umso wichtiger meine eigenen Handlungsweisen zu meinem Besten mit Herz und Verstand abzuwägen, einfach, damit ich selber mit meinen Entscheidungen klar komme. Ganz so einfach ist das nicht, zwar habe ich den äußerlichen Abstand gut gewonnen, aber abschütteln kann ich 8 Jahre - selbst wenn es Gewohnheit war - nicht.

    Was meinen Ex-Freund betrifft denke ich nicht, dass in absehbarer Zeit eine Änderung zu verzeichnen ist. Zwar schildert er sich selber als unglücklich, schreibt das aber dies und jenem zu, nicht aber dem Alk. Vor kurzem hörte ich zum ersten Mal "ich such mir am besten eine Brücke aus" - nun gut, dazu konnte ich nicht viel sagen, weil es seine Depression ist, die ihn zu dieser Aussage bewegt oder eine Show für mich. Beides kann ich ihm nicht abkaufen oder nehmen.

    Ich versuche für mich mit aller Kraft die Abnabelung. Er versucht die Abende mit mir zu verbringen (damit er sich evtl. selber beweisen kann weniger Alk zu nehmen), nur fällt mir auf, dadurch biete ich wieder eine Krücke sich etwas vorzumachen. Sprich, solange ich mich mit ihm abgebe beherrscht er sich, trinkt weniger und hat noch alles im Griff. Also nun Kommando rückwärts - keine gemeinsame Freizeitgestaltung. Das soll er mit seiner neuen Freizeitbekannten tätigen.

    Für mich selber versuche ich so viel Abstand wie möglich zu erhalten und mein Leben so gut wie möglich abseits von ihm zu planen, was natürlich für uns beide schwer ist, weil wir noch zusammen wohnen müssen. Ich kann mir nun keine Wohnung aus dem Ärmel schütteln, damit er mich "los" ist. Besser wäre es aber ganz sicher, damit ihm einmal klar wird dass es ihm nahezu nicht möglich ist sich selber zu versorgen und für mich vor allen Dingen "Abstand"...

    Lieben Gruß von Dagmar

  • was sich abzuspielen scheint wenn kein Co mehr das Leben aufrecht hält. Liebe Leute, ich denke mal dass es alles andere als gut war meinem Ex so lange so viel abzunehmen und dabei seinen Zustand zu verschleiern.

    Ob nun Schauspieler oder Selbsterkenntnis - jetzt stehen Selbstmordgedanken und Aussagen wie "ich bin nichts wert" "ich bin ein Arschloch" im Raum. Somit also für mich klar Dinge, die mit einer Depression einher gehen und egal ob Alkoholiker oder normaler Mensch der Behandlung durch einen Psychotherapeuten unterliegen müssen. Oder sagen wir müssten weil jeder Mensch eine solche Entscheidung für sich selber treffen muss.

    Für mich zeigt es dass jede Unterstützung die wirklichen Krankheiten verdeckt. Mein Ex-sprich von Nervenproblemen und das der Kopf hohl wäre. Ich denke zwar, dass das eben Oskarreife Leistungen sind, die mir präsentiert werden, dennoch muss ich feststellen : unsere alkoholkranken Bekannten erleiden körperliche Schäden die durch Vertuschen und Co nicht entdeckt oder behandelt werden können.

    Das bedeutet wir selber müssen irgendwann entweder den totalen gesundheitlichen Zusammenbruch verfolgen oder wir gehen zuvor. Aber alles das ist nur möglich, wenn wir den Alkohlkranken klar sehen und er sich dadurch (vielleicht) selber. Und auch dann scheint es noch ein Megaweiter Weg zu sein. Mein Ex warf gestern den Namen "Weinsberg" in den Raum Entzung und psychotherapeutische Einrichtung. Zwar war das sicher nur wieder ein Versuch den Oskar für filmreife Leistung zu erlangen, aber gut wenn er weiß dass es ein "Weinsberg" gibt und er sich im NOtfall dort einfinden könnte.

    Leute, Leute, Leute - bei meinem Ex sorgte ein kleiner Fehler - sein Seitensprung - dafür, dass innerhalb von 8 Wochen ein Leben in Scherben zerfällt. Zwar war vorher alles schon mehr als brüchig, aber da musste niemand sortieren wo noch brauchbare Scherben sind und wo nur Müll.

    Mal ganz ehrlich - mir geht es schlecht durch die Trennung, aber ich denke es gibt nichts grausameres als selber zu spüren wie man dem Alkohol verfällt und eigentlich nicht rauskann obwohl man es will. Hilfe suchen zu müssen, das zu lernen, obwohl ein Leben lang alle Sorgen von Co's fern gehalten wurden. Im Erwachsenenalter quasi das lernen, was andere als Kind lernten und ausprägen konnten. So schlimm meine Trauer für mich ist (die aber eine Änderung der Situation mit sich bringt und sei es nur die wohnliche, da ein Haus in guter Aussicht steht) so ist es doch für einen Alkoholiker viele, viele Klassen schlimmer - denn er spürt bestimmt dass er sich selber verliert....

    Trauriger Gruß von Dagmar

  • Hallo Ihr Lieben,
    da sich das Rad ja beständig dreht und sich irgendwelche Dinge ereignen weiß ich derzeit nicht wie ich in einem Punkt die beste Lösung finden kann.

    Mein Herr Ex möchte wesentlich mehr Freizeit mit mir verbringen, schafft es dann auch auf NULL Alkohol zu fahren (zumindest was den für mich sicht- bzw. riechbaren Bereich betrifft) hat aber immer noch den Wochenendausflugspunkt, wo vermutlich dann eben die Promille nachgeschoben werden.
    Psychotherapeutische Beratung? Davon spricht er - aber Handlungen sind meines Wissens keine erfolgt. Ich denke, es sind kluge und gut überlegte Worte um Zeit zu schinden und um mich nicht als Ankerplatz zu verlieren.

    Ich habe kein Problem das solange zuzulassen wie es mir gut tut und selber Spaß macht um dann zu sagen ich will nun wieder Abstand von Dir. Auf der anderen Seite werde ich das Gefühl nicht los, dass er das als Möglichkeit nimmt nach außen hin so normal wie möglich zu wirken um das Thema Alk zu vertuschen. Ich möchte durch eine gemeinsame Freizeitgestaltung keine unbewußte Deckung übernehmen. Rein gefühlsmässig würde ich sagen es ist o.k. eine gewisse Zeit (klar) miteinander zu verbringen. Auf der anderen Seite habe ich von Euch gelernt, dass jemand alkoholkranker gar nicht mehr so einschätzbar ist, wie ich das in den vorgegangen Zeilen mache.

    Habt Ihr Eselsbrücken für mich ? Es besteht für mich immer wieder die Gefahr durch Nichtwissen in alte Co-Abhängigkeiten zu rutschen, die ich nicht bemerke und die uns beiden nicht gut tun.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,

    ich muss zugeben, es ist ein wenig schwer Dir zu folgen, da Du mal hier und mal da schreibst, in immer wieder neuen Themen.

    Doch so langsam frage ich mich, was willst Du eigentlich? Willst mit oder ohne ihn leben? Wenn ich Deine Worte richtig deute, doch ohne ihn.

    Zitat

    Mein Herr Ex möchte wesentlich mehr Freizeit mit mir verbringen

    Da stellt sich mir die nächste Frage, warum Du überhaupt über eine gemeinsame Freizeitgestaltung nachdenkst? Auf mich machen Deine Worte den Eindruck, als wolltest Du Dich so langsam von ihm entwöhnen, damit es Dir nicht so weh tut. Oder Du hegst doch noch die leise Hoffnung, ihn „bekehren“ zu können?

    Zitat

    Ich habe kein Problem das solange zuzulassen wie es mir gut tut und selber Spaß macht um dann zu sagen ich will nun wieder Abstand von Dir.

    Also ich hätte da ein Problem mit meinem Ex-Partner so kurz nach der Trennung gemeinsam etwas zu unternehmen, egal ob Alkoholiker oder nicht. Ich müsste die Trennung erstmal aufarbeiten und gemeinsame Unternehmungen würden bei mir Wunden aufreißen. Das verbinde ich nicht mit Spaß.

    Zitat

    Ich möchte durch eine gemeinsame Freizeitgestaltung keine unbewußte Deckung übernehmen. Rein gefühlsmässig würde ich sagen es ist o.k. eine gewisse Zeit (klar) miteinander zu verbringen.

    Das ist ja sehr nobel von Dir, dass Du dabei an ihn denkst. Dafür bekommst Du aber keinen Orden. Was ist mit Deinem Nutzen? Irgendwie macht das alles den Eindruck auf mich, dass Du dabei ausschließlich an Dich denkst und zwar auf seine Kosten. Nichts gegen Egoismus, aber nicht so.

    Dein Ex ist ein Mensch, mit Gefühlen und Gedanken. Es mag durchaus sein, dass er versucht Dich zurück zu bekommen, nur um danach langsam aber sicher zur Tagesordnung zurück zu kehren. Sogar recht wahrscheinlich. Doch das berechtigt Dich nicht ihn wie eine Fliege unter dem Mikroskop zu betrachten, zu analysieren und Deine Gedanken über hin so darzubringen, geradezu klinisch und ohne Gefühl. Das empfinde ich als respektlos.

    Deine ganze Haltung ihm gegenüber, wirkt auf mich verachtend. Er ist ein Mensch, Du musst ihn nicht lieben, aber Respekt sollte drin sein. Ich kann verstehen, wenn Du verletzt bist, wenn Du das Gefühl hast Jahre Deines Lebens verschwendet zu haben, wenn Du sauer, enttäuscht und wütend bist. Dann lass diese Gefühle aber auch zu und tue nicht so, als würdest Du über den Dingen stehen. Du musst auch nicht betonen, dass Du selbst nichts trinkst, dass macht Dich nicht zu einem besseren Menschen gegenüber denen die Alkohol trinken, egal in welchen Mengen, ob gelegentlich, missbräuchlich oder als Suchtmittel. Nichts trinken ist nichts Besonderes, es ist normal.

    Du versuchst das Ende Deiner Beziehung rational anzugehen und vergisst dabei vollkommen, dass ihr beide Menschen mit Gefühlen seid. Gefühle rational zu erklären ist für mich schon ein Widerspruch in sich. Bevor Du versuchst ihn zu begreifen und was ihn treibt, solltest Du erstmal versuchen Dich zu begreifen und was Dich treibt.

    Es geht hier nicht darum alles nach Lehrbuch richtig zu machen. Schön, wenn Du die verschiednen Stadien der Sucht auseinander definieren kannst. Doch wem hilft das? Weder Dir noch ihm? Ich kenne dieses begreifen wollen der Sucht, ihrer Mechanismen, es war jahrelang meine Ausrede nichts an mir tun zu müssen. Dabei ist das gar nicht schwer Sucht zu „begreifen“. Doch je mehr man eine eigene Wissenschaft daraus macht, desto mehr gibt das Thema her und man braucht sich „noch“ nicht um sich zu kümmern.

    Es gilt auch nicht andere davon zu überzeugen, dass Du alles richtig machst, es geht darum was für Dich richtig ist. Viele Deine Beiträge wirken auf mich, als wolltest Du Bestätigung, dass es gut und richtig ist was Du tust. Die wirst Du nicht bekommen, nicht bekommen können, denn wir sind nicht Du. Du musst Entscheidungen treffen und hoffen, dass sie Dir das bringen, was Du möchtest. Das Forum kann Dir helfen, aber es ist kein Sicherungsseil, das Dich vor Fehlern und falschen Entscheidungen bewahren wird. Entscheidungen musst Du ganz allein treffen, es ist Dein Leben, nicht unseres.

    Auf mich wirkt das alles bisher nur wie ein Ablenkungsmanöver damit Du Dich nicht wirklich mit Dir auseinandersetzen musst. Ich weiß, dass das wehtut, aber wenn Du Heilung willst, musst Du auch den Schmerz in Kauf nehmen. Du eierst letzten Endes genauso rum wie er.

    Ich gebe Dir einen gut gemeinten Rat kümmere Dich erstmal um Dich, um Dein Leben und Deine Gefühlswelt. Er kann sich um sein Leben selbst Gedanken machen, dass musst Du nicht für ihn übernehmen. So sehr ich das auch begrüße, wenn Angehörige sich mit Betroffenen austauschen und auseinandersetzen, weil es einem auch selbst hilft vieles zu begreifen, sollte man das doch erst tun, wenn man weiß wo man selbst steht.

    Gruß
    Skye

  • Hallo, liebe Skye,
    so arg viel kann ich zu Deinen Zeilen nicht sagen, da ich es etwas anders sehe, als Du meine Aussagen umsetzt. Was jedoch nicht heißen muss dass Du Unrecht hast, sondern es ist jederzeit möglich daß unbewußt von meinem Denken ich mir ein subtiles Verhalten "kristallisiert".

    Nein, in der Situation, in der wir uns derzeit befinden kann es kein zusammen leben geben. Da es ja nicht nur das Problem Alkoholismus gibt sondern auch grundsätzliche, den Alltag betreffende, Bewältigungsweisen die sich nicht treffen.

    Retten - hatte ich nie bewußt versucht - ich habe ja sogar übersehen was nun daraus geworden ist weil ich mich schon vor Jahren aus der Beziehung zurück gezogen hatte, obwohl wir sie noch lebten. Vielleicht macht mir das zu schaffen, ich weiß es nicht.

    Mein Nutzen an der "Freiezitgestaltung" wäre vom Grundprinzip, dass ich lieber zu zweit Fahrrad fahre als alleine, aber ich hatte gestern bereits (allerdings nach diesem Thread) für mich selber beschlossen dass mir das nicht gut tut und ich deshalb auf diese Art des neuen Kontaktes verzichte. Mein Egoismus ist für mich persönlich sehr wichtig, damit ich mich abgrenzen kann. Damit ich mir überlegen kann ob seine Wünsche mit meinen sich treffen und wo ich aussteigen muss, weil ich darunter leide oder in unterstützendes Verhalten zur Sucht ausschweife.

    Bestätigung, nein, die muss ich mir selber erarbeiten, durch das Gefühl es geht mir gut oder es geht mir schlecht. Oder durch das Wissen es klappt mit dem Haus - am Freitag steht die Entscheidung an. Ich denke Bestätigungen sind nicht mehr notwendig was ich richtig oder falsch mache, denn es klappte ja nicht innerhalb der Beziehung, da dürfte das wieso, warum, weshalb nur eine untergeordnete Rolle spielen.

    Wo Du ganz sicher recht hast ist das analysieren, welches ich praktiziere! Für mich selber ist das vermutlich der Weg zu begreifen, warum ich die Sucht nicht begriffen habe. Dadurch habe ich nicht begriffen wo er jetzt steht - ebenso wenig wie er bemerken konnte, dass meine INteressen und Freizeitgestaltungen sich im letzten halben Jahr (bevor die Beziehung beendet war) ganz massiv geändert hatte und ich mir ein anderes Umfeld aufgebaut hatte. Nein, ich selber begreife vieles nicht was abläuft. Und es macht mich traurig, dass nicht so freundschaftlich zu Ende geht wie ich das in meinem Leben zuvor kannte, es macht mich traurig immer wieder zu hören "ich will Dich und dabei zu wissen, es geht hier nicht wirklich um mich", es macht mich traurig nicht auseinander gehen zu können als Menschen, die kein Paar mehr sind, die aber gewisse Gemeinsamkeiten hatten und schöne Momente.

    Dann drück mir mal die Daumen, dass es am Freitag klappt und ich durch die räumliche Distanz auch den notwendigen Abstand bekommen kann um mir dann zu überlegen ob oder was an Deinen Worten stimmt.

    Da ich das was Du sagst ja auch als evtl. richtig stehen lassen muss werde ich mal für mich den Weg der gemeinsamen Freizeitgestaltung außen vor lassen und nicht wahrnehmen, vielleicht treffe ichmich selber dann besser. Mal sehen, man soll ja nie "nie" sagen.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • ich kann mich nicht verstehen, sollte ich wohl den Thread ändern.

    Na da fällt mir doch auf, wo ich Co war obwohl ich es immer weit von mir gewiesen hatte ihn in der Sucht zu unterstützen ;)

    Er will heute zum Arzt und hat wohl seine Versichertenkarte nicht mehr, wollte nun also dass ich da oder dort nachsehe. Nun, ich war unterwegs somit ging es nicht ... und schlagartig wurde mir klar: bingo, hier hättest Du geholfen. Weil es bei gesunden Menschen normal ist, dass sie mal was vergessen (passiert auch mir häufig).
    Aber es wäre wieder ein Abnehmen der täglichen Alltagslast gewesen....

    Dann ist mir noch ein Mechanismus aufgefallen - obwohl ich so viele automativen Handlungen von mir unterbinden konnte und es tatsächlich geschafft habe mich zurückzuziehen und nicht zu streiten oder zu diskutieren...

    Sobald mein Ex mir gegenüber erheblich oder arrogant erscheint, also quasi nicht mit mir reden will und mich abwertend behandelt, dann möchte ich dieses Manko ausfüllen. Wie unbemerkt stellt sich der Schalter um und ich frage ihn alles mögliche. Alles Dinge, die man Freunde eigentlich fragen kann und wo im Regelfall ein Gespräch entsteht, dass dan normal endet und das Thema ist durch.

    Hier aber reißt er ein Thema an, ich möchte darüber reden und er zieht sich nun zurück. Und klack: schon ist mein Hebel umgelegt und ich frage nach, was ich sonst nicht mache, da ich der Meinung bin wenn er über etwas seprechen will, dann soll er kommen.

    BINGO - wieder ertappt!
    Nun, da werde ich nun wieder meinen Sherlock Holmes auspacken, dass der auf mich achtet wenn ich mich wieder in eine solche Gefahr begeben. Das ist echt zum aus der Haut fahren: Du willst garnicht nachfragen und machst es doch.... schon in dem Moment der Frage könnte ich mich ohrfeigen, dass ich nun überhaupt Interesse zeige.... aber klatsch, das brauche ich wohl...

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Vieles tut mir weh, vieles kann ich nicht verstehen. Jedoch habt Ihr mir das eine oder andere verständlich gemacht, somit fällt es mir ein vielfaches leichter zu verstehen, warum ein nasser Alkoholiker einfach "so" reagieren muss.

    Richtig stolz bin ich, es geschafft zu haben, ein paar der Mechanismen durch Euer Wissen auszuschalten. Bisher gelang es ihm blendend mich in psychischen Schmerz zu bringen und den Schalter umzulegen, damit ich mich wieder um ihn kümmere bzw. nach seinem Befinden frage.

    Nunmehr gelingt es mir für mich alle diese Anschuldigungen "Hier bleibe ich nicht mehr wohnen, ich werde als Arschloch bezeichnet" nicht mehr anzunehmen. Nachdem er seit Jahren hier nur Streit sät kommt das nun alles zurück. Gerade nun, wo natürlich in einem kleinen Ort gleich rum ist, dass unsere Beziehung nicht mehr besteht.

    Ich für mich könnte mir nicht vorstellen, einen Menschen so zu quälen und ihm quasi weh zu tun. Es scheint aber mit der Krankheit zusammen zu hängen dass durch die Schwäche und Trauer der anderen ein Stück Selbstsicherheit bezogen wird.

    Auch scheint Ihr Recht zu haben mit dem beständigen Denken an Alkohol. Seit gestern steht die Flasche Asbach neben dem Bett und heute morgen wurde bereits eine Kiste, oder mehr, Leergut ins Auto geschafft. Der Punkt, wo ich dachte: "nein, er denkt nicht den gesamten Tag an Alk, er geht auch morgens nüchtern aus dem Haus". Wenn aber morgens bereits, 5 Minuten nach dem Aufstehen um nicht zu spät zu kommen, bereits Leergut verladen wird, so dürfte wohl doch der Gedanke an Princess Erleichterung durch das Hirn schwirren.

    Alles Dinge, die ich mit klarem Menschenverstand nicht zuordnen kann. Ich sehe hier immer mehr Paralelen zu einem Kumpel, der der Heroinsucht unterlegen war. Er wollte, wollte, wollte, aber er schaffte es nicht. Ein paar Stunden ohne Stoff ließen ihn zur Maschine werden, die nur noch auf Beschaffungskurs war. Fast sehe ich es so, dass der Alk nicht anders - eher noch gefährlicher ist, weil er sozial salonfähig ist.

    Ich bin nun auch nicht mehr bemüht es zu verstehen, was da passiert, weil ich es nicht kann. Es sind Mechanismen, die ablaufen, die vermutlich nicht mehr zu stoppen sind weil sie jahrzehntelang praktiziert wurden. Nur ich kann die Reaktion darauf versuchen zu steuern. Versuchen, den Dingen, die mich verletzen - die bisher Hebel umlegten - entgegen zu treten und anders zu reagieren.

    In den vergangenen Monaten kämpfte ich darum dass er versteht dass Alkoholismus eine Krankheit ist und ihm sein Leben so viel wert sein sollte, dass er selber dafür fachmännische Hilfe in Anspruch nimmt.

    Nunmehr habe ich auf einen erneuten Gesprächsversuch von ihm so reagieren können, dass ich sagte was mich bewegt: "das nämlich Gespräche zwischen uns fruchtlos sind, da Lügen und Ausflüchte die Inhalte sind. Somit kein ehrliches Gespräch und somit von meiner Seite kein Gesprächsbedarf."

    Natürlich tut es mir weh, dass ein Mensch so alles was er mal gerne machte, basteln, Auto tunen ect. nicht mehr machen möchte, aber ich muss einfach begreifen dass die "normalen" Interessen der Beschaffung weichen müssen. Das einfach das Gehirn nicht so viel verarbeiten kann. Nun endlich verstehe ich auch seine seit Monaten geäußerten Aussagen : "Mir ist alles zu viel"....

    Schade, wenn "Leben" so schwer ist, schade dass Leben in einem solchen Fall abhängig ist von einer chemischen Stubstanz. Aber sein Leben ...

    Schön für jeden, denn das lese ich hier mit Freude, der es geschafft hat auszusteigen. Auch wenn es dann nur Schritt für Schritt geht, aber jeder Schritt bringt einen weiter.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Servus dagmar007 !

    Nachem du so viele Antworten in deinem Thread bekommen hast entnehme ich nun aus deinem letzten Beitrag, daß du vieles für dich beantworten konntest.

    Eines sollte man jedoch nicht vergessen:
    Alkoholsucht ist eine Krankheit und läuft eben nach den Merkmalen der Alkoholkrankheit ab. Dazu gehören Lügen - auch sich selbst gegenüber-Selbstmitleid und das Treiben des Partners in die Co-Abhängigkeit ebenso dazu wie manchmal auch kriminelle Handlungen. Der Alkoholiker ist nicht mehr er selbst und macht Dinge die ihm im nüchternen Zustand nicht im Traume einfallen würden. Der Mensch ist zweigespalten - Dr.Jekyll/Mr.Hide Syndrom - und kann sich an viele seiner Taten unter Alkoholeinfluß nicht erinnern.

    Wie furchtbar es ist trinken zu müssen kann ich dir aus eigener Erfahrung bestätigen. Dieser Zwang, dieses Getriebensein - alles dreht sich nur mehr um den Alkohol- ist furchtbar. Das kann sich ein Nichtalkoholiker in den schlimmsten Albträumen nicht vorstellen. Der Körper funktioniert nur mehr unter Alkohol und der Geist ist im Nebel des Alkohol gefangen. Ich bin dankbar meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht zu haben und Hilfe annehmen konnte. Seit dem muss ich nicht mehr trinken und mein Leben hat sich geändert.

    Die Einsicht und der Wille Hilfe anzunehmen muß aber von deinem Ex-Partner kommen. Bevor er nicht soweit ist, dreht sich die Spirale immer weiter nach unten und immer schneller.

    Wünsche dir dass du die für dich richtigen Antworten findest und dein Leben danach ausrichten kannst.

    LG
    Andreas

    carpe diem

  • Danke für Deine Antwort, lieber Andreas. Ich hoffe ja inniglich, dass es später mit dem Haus klappt - heute Termin - dass ich einfach aus seinem Sichtfeld verschwinden kann. Er kann dann sein Leben so leben wie es ihm vorschwebt und ich meines. Dadurch wäre ich endlich nicht mehr gezwungen diverse Dinge zu sehen, die ich jetzt leider aufgrund des zusammen wohnens übersehen kann.

    Auch würde es mir helfen den innerlichen Abstand zu vergrößern. Nein Andreas, Einsicht und Willen kann ich keine spüren - gehen mich auch nichts an. Sein Leben und mein Leben sind unterschiedlich - auch wäre er trocken, wären da wohl grundsätzliche Unterschiede, die kaum überbrückbar wären. Auch habe ich so viel Aggression erlebt, das ich es nicht riskieren wollte, das in meinem anderen, neuen, und hoffentlich bald erarbeiteten Umfeld zu haben. Gewiss wurde er durch den Alk agressiv, das kann aber jederzeit wieder kommen - selbst nach erfolgreicher Therapie - und dem wollte ich mich nicht nochmals aussetzen, wenn ich es endlich mal schaffen sollte hier raus zu kommen und ein geeignetes Mietobjekt zu finden.

    Ich habe einfach begriffen, dass alle Kränkungen und Verhaltensweisen wenig mit mir zu tun haben, sondern mit dem Beschaffungsdruck und weil ich gerade eben in seinem Umfeld bin. Ich war bequem, auch das kommt dazu, weil ich Verantwortung abnahm. Aber nun soll jeder seine Drinks alleine nehmen - ich Vitame, er was er will.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Ich lerne nicht aus und staune nur noch Bauklötze. Ich bin sowas von froh, dass ich in einigen Wochen ausziehen kann und die Resultate von irgendwelchen Spontanentschlüssen nicht mittragen muss. Bis dahin müssen wir wohl noch gemeinsam Miete zahlen, aber noch zwei Zahlungen und ich bin draußen.

    Ich sehe keine Notwendigkeit mit ihm großartig zu sprechen wenn er von seinen geselligen Trinkwochenden Montagmorgens hier ankommt. Heute habe ich geschickterweise gerade das Haus verlassen als er kam, saß also schon im Auto.

    Er hat das Haus wohl in der Zeit nicht betreten. Als ich dann wieder da war, kurz bevor er zu seinem Arbeitsplatz wollte, kam er in mein Büro und suchte in einer Seelenruhe in einem der Ordner im Büro. Ob ich ihm helfen könne?

    Er suche seinen Arbeitsvertrag wegen der Kündigungsfrist. Auf meine Frage "Hast Du Ärger" die Antwort er wisse es nicht.

    Ich habe das alles mal unkomentiert gelassen da es mich a) nichts angeht und ich b) wieder eine Portion seiner Spiele vermute. Eventuell auch dass der Arbeitgeber nun endlich mal nach Jahren Alkoholfahne reagiert. Für mich konnte ich nur denken: wegrennen, von einem Ort zum anderen, an jedem Ort werden selbige Probleme wieder auftauchen. Mal früher, mal später....
    Ach ja, seine Bewerbung würde er am Arbeitsplatz schreiben und ausdrucken....

    5 Flaschen Weizenbier gingen die Reise mit zu seinem Arbeitsplatz (musste ich zwangsläufig bemerken, da in diesem Getränkekeller meine Post deponiert wird). Ich kann nun nicht beurteilen ob wann oder wie diese Flaschen konsumiert werden, wobei ich immer dachte rund um den Arbeitsplatz gibt es keinen Alk.

    So kann man/frau sich natürlich selber abschießen wenn das Teufelchen Alk im Kopf sitzt. 10 Jahre in einer Firma, wenn ich da gehe, dann doch am besten mit finanziellem Gewinn.

    Bin ich froh nicht dieses wirrwarr erleben zu müssen. Ich weiß ja für mich selber wie schwer es war sich zu lösen, eine Wohnung zu suchen und ich muss selber ja auch einen neuen Job suchen. Nur mein Haus habe ich ja jetzt. Und es ist eine scheiß Belastung Job + Haus zu suchen. Beides hat er vor sich, hat es gewählt. Ich werde nicht mehr erfahren ob er es noch auf die Reihe bekommen wird, denn es scheint alles gerade sehr schnell um ihn herum abzulaufen.

    Nun gut, ich muss es nicht verstehen ...

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Danke, lieber Erdling. So sehe ich es auch, ich möchte leben und ich habe einfach Ansprüche an das Leben, die sind ganz klein - aber einfach ein Haus mit Grün, meine Tiere und offenen Kontakt, der auch ruhig mal Streit sein kann, aber oberhalb der Gürtellinie. Ich bin ein so direkter Mensch, dass es für mich unerträglich ist, wenn mein Gegenstück alles zurückhält. Da ist für mich keine Kommunikation möglich.

    Ja Erdling, die Situation vorhin war irgendwie schon bald schamhaft. Denn das alles war so unsinnig, auch der Zeitpunkt und das wo eine Freundin da war. Wer schreibt am Arbeitsplatz Bewerbungen und möchte einen 10 Jahre Job wegwerfen, der relativ gut bezahlt und sicher ist. Ich denke, er selbe ist weniger in Richtung Einsicht als in Richtung Selbstmitleid unterwegs. Aber auch das scheidet evtl. nicht aus, dass er für sich irgendwann mal sagt "Schluss". Ich glaube es eher nicht, aber es geht mich nichts mehr an.

    Für mich irre ist die Geschwindigkeit, in der da was abgeht. Eigentlich nicht nachzuvollziehen, dass innerhalb von vier Wochen - lass es mal 6 sein - nahezu das ganze Leben und alle Interessen hingeworfen werden. Und das sind ja nur die Dinge die ich sehe, zugetragen wurden mir noch weitere, die ich aber mal einfach als nicht bestätigt dastehen lasse.

    Tja, lieber Erdling, da siehst Du mal, wie weit es hätte kommen können wenn Du nicht die Notbremse gezogen hättest. Und ich denke mir schon, dass dieses "Ziehen" nicht einfach war.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Dagmar,

    wenn ich deine Postings lese und sehe, welchen Anteil doch noch immer dein Ex oder Noch oder wie immer du ihn nennen möchtest, einnimmt, werde ich nachdenklich. Denn andererseits möchtest du uns glauben machen, dass dir das alles am A...... vorbeigeht. Sorry, das liest sich für mich, als würdest du hinter all deinen Worten vom alleine klarkommen nur die Angst vor genau diesem Zustand verstecken.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

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