So langsam komme ich an das Ende meiner Kraft !

  • Guten Morgen Liesel,

    schön, dass du hierher gefunden hast. Herzlich willkommen!

    Du hast also gleich zwei „Alkis“, mit denen du „verwoben „ bist. Das ist im übrigen nicht ungewöhnlich, denn ich denke, wir suchen uns immer so einen Mann, mit dem Strukturen leben können, die wir aus der Kindheit kennen.

    Raten kann ich dir wenig, denn ich kam damals alleine auch nicht aus dem Misstrauen. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis ich „ihm“ so weit vertrauen konnte, dass ich nicht schnüffelte oder mir seine Augen oder seinen Gang kritisch betrachtete.

    Ein Jahr nach dem er seine Therapie gemacht hatte, entschloss ich mich selbst zu einer solchen. Von der hiesigen Suchtberatungsstelle war mir das schon sehr viel früher empfohlen worden. Allerdings hatte ich zu dieser Zeit noch nicht die Einsicht in meine eigene Krankheit, die Co-Abhängigkeit. Und diese ist ja nicht einfach weg, wenn der Angehörige nicht mehr trinkt. Aber da hat es auch eine Zeit gedauert, bis ich das für mich akzeptiert habe. Bis dahin war ich, genauso wie du, misstrauisch und ängstlich. Immer rechnete ich mit einem Rückfall. Dies war auch für meinen damaligen Partner nicht einfach. Deshalb hat er dann irgendwann gesagt, er kann nur zufrieden trocken werden, wenn er alleine lebt. Das ist jetzt mehr als zwei Jahre her.

    Zwei Jahre, in denen ich mächtig viel über mich selbst erfahren habe, ich ihn einfach machen lassen kann, und in denen er nicht mehr getrunken hat. Ich wünsche dir, dass du deine Angst und dein Misstrauen loslassen kannst. Denn es ist für euch beide nicht gut. Zudem ist deine Energie sicher für angenehmere Dinge, und vor allem für deine eigene Weiterentwicklung, sehr viel wichtiger als dafür, in der Angst vor einem Rückfall verbraucht zu werden.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • diesen Traum haben wohl die meisten von uns, jemanden zurück zu bekommen, den wir einmal kennen- oder liebengerlent hatten. Allerdings dürften wir alle mittlerweile mehr in einem Alptraum gefangen sein.

    Ich für meinen Teil muss sagen, diesen Menschen, den ich persönlich lieben gelernt hatte der ist nicht mehr sichtbar - vielleicht auch nicht mehr vorhanden weil er von allen Seiten von seiner Freundin Alkohol wattiert wurde und nichts mehr spürt, hört, vielleicht auch nicht mehr empfindet.

    Dir fehlt die Kraft, das kann ich verstehen, aber dadurch verlierst Du immer mehr Zeit und wirst immer schwächer. Es dauert lange bis ein Termin bei einer Psychotherapeutin gemacht ist. Selbsthilfegruppen gibt es beispielsweise in meiner Nähe nicht - so also hätte ich wertvolle Zeit verloren, wäre ich nicht gleich aktiv geworden. Ich würde an Deiner Stelle mir die Aufgabe stellen Selbsthilfegruppe oder Therapeut zu finden, bis zum Termin kannst Du Dich noch etwas fangen, aber einen Anfang machen - für Dich selber. Für Dich sagen, ich kann zwar jetzt aktiv nichts ändern, aber versuchen, mich selber zu stärken. Egal was aus ihm oder der Beziehung wird.

    Wie er mit Krisen umgeht hast Du leider mitbekommen - so wie früher - trinkend. Auch ich versuche immer zu "berechnen" was "er" nun tun könnte. Wie aber soll man einen "Rechnungsprozeß mit einer Unbekannten - dem Alkohol" zu einem Ergebnis bringen?

    Die einzige Rechnung die aufgehen kann ist die, die Du für Dich, Dein Umfeld, Deine Person und Deine Kraft machst. Denn hier kannst Du abziehen, duplizieren oder teilen - nur Du - und nur in Dir und Deinem Leben.

    Mein Drama ist gerade mal zwei Wochen alt, mit allem Horror, der damit vebrunden sein kann. Mit Ende der Beziehung, mit einer Suffbeziehung von ihm, mit seinem Toben, heulen und allem anderen - ich bin alles andere als gefestigt - aber ich weiß, was ich nicht mehr will....

    diese Dramen!

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Zitat von dagmar007


    Ich für meinen Teil muss sagen, diesen Menschen, den ich persönlich lieben gelernt hatte der ist nicht mehr sichtbar - vielleicht auch nicht mehr vorhanden weil er von allen Seiten von seiner Freundin Alkohol wattiert wurde und nichts mehr spürt, hört, vielleicht auch nicht mehr empfindet.

    Hier bin ich mir nicht sicher, ob wir nur den Menschen verloren haben, der er einmal war oder den, den wir haben sehen wollen. Viel zu oft denken wir Co´s doch, wenn er nur erst aufhören wollte zu trinken, wäre er genauso, wie ich ihn haben wollte und dann würde er mich bestimmt so lieben, wie ich es mir wünsche.

    Liesel, vielleicht ist dein Mann eher introvertiert und ruhig. Vielleicht war seine Unkompliziertheit und sein Humor nur unter einem Alk-Nebel möglich. Wenn Alkoholiker trocken werden, ist es ganz normal, dass sie sich verändern. Genauso, wie wir uns verändern, wenn wir unsere Abhängigkeit bearbeiten.

    Deine Angst vor einem Rückfall ist für mich nachvollziehbar. Jedoch kann NIEMAND und NICHTS einen Alkoholiker davon abhalten, wenn er wieder trinken will. Selbst wenn wir noch so große Angst davor haben, nützt diese nicht. Im Gegenteil – wir engen uns selber in unserer Lebensqualität ein und setzen unbewusst unseren Partner damit unter Druck. Es ist schwer, ich weiß, aber der einzige Weg, damit umzugehen, war für mich der, dass ich mir immer und immer wieder gesagt habe, dass ich nichts verändern kann. Ich muss annehmen, wie diese Krankheit ist und wie er damit umgeht.

    Einer seiner Therapeuten hat mir mal gesagt, dass ich nicht nur den trockenen, liebenswerten Menschen bekommen kann, wenn ich mit ihm leben will. Der, der getrunken hat und vielleicht irgendwann wieder trinkt, ist genauso ein Teil seiner Persönlichkeit. Ich müsste dies einfach akzeptieren. Wenn ich mir dann vorstelle, dass ich ständig Angst davor hätte, dass er wieder trinkt, würde das ja bedeuten, dass ich mein Leben lang Angst haben müsste, wenn ich mit einem trockenen Alkoholiker lebe. Ich muss auch Vertrauen in ihn setzen, dass es ihm selbst wichtig ist, nicht mehr trinken zu müssen. Vielleicht habe ich es leichter, weil ich mit "meinem Alki" nicht mehr lebe, sondern "nur" mehr befreundet mit ihm bin. Jedoch ist es für uns beide entspannend, dass ich nicht ständig hinterher schnüffele oder ihn kritisch begutachte, wenn er bei mir auftaucht. Inzwischen können wir sehr angenehm miteinander umgehen.

    Liesel, Co-Abhängigkeit ist nicht vorbei, wenn der Partner nicht mehr trinkt. Sie ist schon vor der Trinkerei da und nachher immer noch. Daraus kannst nur du dich selbst lösen, denn sie hat in erster Linie mit dir zu tun.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

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