Gemeinsame Freizeitgestaltung mit aktivem Trinker?

  • Ich würde hoffen, hier eine Frage stellen zu dürfen, die nichts mit der Suchtgeschichte meines Ex-Freundes zu tun hat sondern definitiv mit dem Freizeitverhalten, welches er (aktiv trinkend und bisher keine Schritte in Richtung Therapie) mit mir betreiben will.

    Grundsätzlich spräche von meiner Sicht nichts dagegen mit ihm Rad zu fahren oder spazieren zu gehen so lange, wie es mir persönlich gut tut und "er" nüchtern ist. Auf der anderen Seite frage ich mich ob es hier wirklich darum geht mit Sport, Wanderungen ect. vom Alk loszulassen und sich quasi über den Körper auszupowern oder zu spüren oder ob das einfach nur für die "Außenwelt" eine Show ist.

    Ich selber habe viele Jahre aktiv Kampfsport betrieben und weiß welche innerliche Zufriedenheit vom Sport aus einem selber gewonnen werden kann. Ich war einfach nur zufrieden danach, ausgepowert, den Körper spürend und einfach ich selber - und komplett bei mir selber.

    Gerne bin ich dabei ein "gesundes" Freizeitverhalten zu unterstützen - ungern möchte ich das als Alibi für die Außenwelt tun um dadurch weitere Alibis zu schaffen oder den drohenden Absturz künstlich herauszuzögern.

    Vielleicht eine dumme Frage, aber ich habe bei mir selber so viele suchtunterstützende Punkte entdecken müssen, dass ich in vielen Punkten selber nicht weiß, wo das wieder der Fall sein könnte.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Guten Morgen Dagmar.

    Wenn ich Dir nun erzähle, dass ich mal mit dem Fahrrad einen Bekannten besucht habe. Dort ca. 2,5 Flaschen Wein und ein paar Kurze getrunken habe. Dann mit dem Fahrrad zurück bin und auf dem Rückweg noch 2 Dosen Bier und eine für die Dusche besorgt habe kannst Du mir das glauben.

    Wenn ich Dir nun sage, dass wir hier von einer Strecke von knapp 30 Kilometern PRO STRECKE !!! reden ist das auch die Wahrheit.

    Der Tag danach war einer der ganz wenigen Tage an denen ich alkoholbedingt (war auch die offizielle Begründung) nicht zur Arbeit erschienen bin weil ich einfach nur tot war.

    Sport und Bewegung selber ist doch unbestritten eine positive Sache. Ich erinnere daran, dass wir eine Dampfwalze als Außenminister hatten, der mit weit über 50 auf einmal anfing Marathon zu laufen.

    Ich selber mit mal mit dem Rad zur Nordsee gefahren (eine Strecke knapp 250 Kiometer)

    Techo Jüngern (in der Szene war ich nie drin) sagt man nach, dass sie sich doch die ein oder andere Pille einwerfen um klar zu kommen.

    Wo ich mitreden kann ist Heavy Metal und Motorradtreffen. Kanne Bier an den Hals uns ab auf die Tanzfläche zum "abmoshen"

    Meine Blutwerte bei der Arztkontrolle waren in Ordnung. Ich habe ich 8 Monaten (dank Haushaltskasse) knapp 18 Liter reinen Alk in mich reingeschüttet und das wäre ohne Sport nicht ganz so glimpflich ausgegangen. Stepper in der Bude (bei dem ich mich vor 2 Stunden nicht bange mache) Die Tanzerei und die Radtouren haben dazu beigetragen. Bis auf die Radtouren (zu viele Tankstellen unterwegs) mache ich das alles immer noch.

    Über Schweiß und Lunge findet doch ein Entgiftungsprozess statt.

    Und AUCH DU !!! hast den Sport doch für die kleinen Sünden missbraucht. Ich meine wenn Du nicht gerade abnehmen möchtest nimmst Du die Energie die Du verbrauchst doch auch zu Dir -> Stichwort Bodybuilding. Die hauen sich nen 4000 Kalorien Frühstück rein -> gehen ist Studio bauen dabei noch Fett ab.

    Also selbst wenn er den Sport als Ausgleich für die Sauferei nimmt ist es doch OK. Alles was ich damit sagen will : Nenn nasser Sportler ist doch besser als ein nasser Couchpotato.

    Gruss Vaan

  • meinem Gewicht täte es saugut noch mehr Rad zu fahren und noch längere Spaziergänge zu machen als ich das jetzt tue. Die letzen 8 Jahre war ich ja nicht nur in einer coabhängigen Beziehung, sondern habe innerhalb eines Pflegeheims, wenn auch nur Verwaltung, einem typischen Co-Beruf gefröhnt. Den Oldies geholfen, mal ne Wohnung ausräumen, mal dies mal das.... Zugenommen habe ich in der Zeit, dass es dem Teufel graut.... Kriege ich aber derzeit ganz langsam wieder runter.... aber das wird auch immer besser .... Seit der Trennung gehe ich regelmässig spazieren und fahre mit dem Rad.

    Aber - ich denke doch ich mache das besser alleine, wobei Deine Erklärung gut war, ich sie eigentlich so umsetzen wollte. Dann habe ich in mich hineingehört und merkte poch_poch_Herzalarm. Grundsätzlich hast Du recht mit Couchpotato!!!!

    Bewegung tut mir gut - Bewegung tut ihm gut - gemeinsame Unternehmungen dürften für ihn der Versuch der Ablenkung sein ohne Rücksicht auf meine Person bzw. meine körperliche Belastbarkeit zu nehmen. Denn mir fällt beim Schreiben mit Dir hier auf, dass er bei den bisherigen gemeinsamen Touren auch keinerlei Absprachen oder Rücksicht mit mir gemacht bzw. genommen hat wo es hingeht oder wie lange die Tour wird, also wie im Leben zuvor: Lonely Wolf entscheidet! Wird mir aber erst jetzt durch Deine Anregungen klar.

    Auch habe ich den Eindruck es dient mehr dem sozialen Außenbild als einer wirklichen gemeinsamen Freizeitbeschäftigung.

    So schade, da hätten wir gemeinsame Interessen (die wir erst nach dem Ende der Beziehung entdecken), aber sie zu leben erscheint mir fast unmöglich, weil ich bisher mit so viel Lug und Trug umgeben war, dass ich nun nicht einmal mehr Fahrrad fahren will mit ihm... schon komisch und elend gleichzeitig....

    Lieben Gruß und Danke für Deine Hilfe,
    denn wer weiß, vielleicht kann ich das irgendwann anders sehen - auch Suchtkontakte können sich ja anders entwickeln - und ganz vom Tisch ist für mich der Gedanke der Freizeitbeschäftigung nicht ...

    und so lange fahre ich alleine :)

    Lieben Gruß von Dagmar

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