Kontrolliertes Trinken statt Therapie

  • so ein Modell habe ich auch hier, welches alles unter Kontrolle hat.

    Wer da wen unter Kontrolle hat möchte ich doch mal dahin gestellt sein lassen. Ein Suchtmittel ist ein Suchtmittel - es bewirkt im Hirn Veränderungenen, spricht das Belohnungszentrum an und wird als Ausweg für Stresssituationen verwendet. Da wir aber alle im Leben Stress haben stellt sich dann doch wohl die Frage, was ist bei überdimensionalem Stress.

    Ein Kumpel von mir war heroinabhängig und wurde mit Methadon substituiert. Während der Zeit gab es ein "bischen Koks"', alles unter Kontrolle. Das endete damit, dass er in seinem Wahn in einen Supermarkt einbrach, die Wirkung des Giftes nachließ als die Polizei da war und er als heulendes Elend mit einem Päckchen Kaugummi versteckt unter der Theke saß, geschüttelt von Krämpfen und Panik sowie Weinen.
    Aber er hatte es ja unter Kontrolle ;)

    Kann ich meine Co-Abhängigkeit unter Kontrolle halten? Nur so lange, wie nicht diverse Muster und Spiele von der Gegenseite eingesetzt werden, die mich ruckizucki in Verhaltensmuster drängen die ich nicht will. Aber alles unter Kontrolle: vielleicht in 95 % der Fälle, aber was ist mit den anderen 5%.

    Ich denke, diejenigen, die mit dem Thema Erfahrung haben werden Dir Ihre Meinung noch sagen, ich habe das Gefühl, da will einer auf keinen Fall auf seine Prinzessin Alk verzichten und damit er doch nicht ganz so schlaff dasteht spricht er nun von kontrolliertem Trinken....

    Lieben Gruß von Dagmar

    p.s.s ich kann nicht einmal kontrolliert rauchen .... weil ich süchtig bin....

  • Servus Michaela,

    das Thema ist ganz einfach abzuhandeln:

    Ist er nicht vom Alkohol abhängig -also kein Alkoholiker- dann kann er kontrolliert trinken. Auch ohne Buch oder sonstige Anleitung. Kann er hingegen nicht (mehr) kontrolliert trinken, ist er alkoholkrank. Dann kann er nie wieder kontrolliert trinken.

    Der Traum vom "Kontrollierten Trinken" wird wohl von der Masse der Alkoholiker zu irgend einem Zeitpunkt mal geträumt, weil wir uns nicht eingestehen wollen, dass wir Alkoholiker sind. Das böse erwachen aus diesem "Traum" ist dafür dann umso heftiger... :oops:

    Ob er nun Alkoholiker ist oder nicht, kann nur er selbst sich beantworten - kein Arzt, Psychologe oder sonst jemand kann das mit letzter Sicherheit sagen.

    Ist aber auch unwichtig. Wichtig ist, wie geht es Dir damit, wenn er trinkt. Und wenn Du für Dich damit ein Problem hast, dann ist es wichtig, dieses Problem zu thematisieren und zu lösen, da bist Du auf dem völlig richtigen Weg. Steh zu Deiner Einstellung und setze Deinen Wunsch auch durch - kein Alkohol. Es ist Dein gutes Recht, denn "nicht Trinken" ist normal, alles andere ist nicht Standard...auch wenn ein Alkoholiker 1000 Gründe gegen diese Aussage findet... :wink:


    LG
    Spedi

  • Guten Morgen Michaela,

    ich seh es ganz einfach so: Da dein Mann viele Gründe findet, sein Trinkverhalten nicht ändern zu müssen, ist er einfach noch nicht so weit, sich endgültig von der Flasche zu verabschieden. Wie Spedi schon ganz richtig schreibt, das Einzige, was du in die Hand nehmen kannst, ist dein eigenes Leben. Guck dir an, frag dich, ob du mit seinem Trinken leben kannst und willst und wo dabei DEIN Leben bleibt. Entscheidungen treffen und sie umzusetzen, kannst du nur für dich, für dein Leben. Er muss seinen Weg selbst finden und so wie es aussieht, muss er vielleicht noch die ein oder andere Runde drehen, bis er trocken werden kann. Du bist machtlos gegenüber dem Alkohol und er womöglich auch bereits. Diese Machtlosigkeit anzunehmen ist der erst Schritt in die richtige Richtung.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Ich kann Ette nur Recht geben, da bei meinem Ex derzeit vermutlich gerade selbiger Versuch startet. Mit dem Resultat, dass der zuvor hohe Spiegel runterreduziert werden soll. Dieses aber wiederum bringt Schlafstörungen (bei meinem Ex). Er will etwas erreichen, was ihm zuvor nur mit seinem Spiegel möglich war, hat er diesen Spiegel aber nicht, so scheint er unsicher zu sein. Dieses dürfte Stress sein und vermutlich in den nächsten Tagen wieder zum Aufstocken des Spiegels führen.

    Ich weiß es nicht, ich weiss nur, dass hier die langjährigen kontrollierten Versuche sich dahingehend verändert haben dass die Mengen sich verdoppelt haben, Abstürze bis zur Besinnungslosigkeit - zwar selten - aber dennoch auftreten, was es anfänglich nicht gab.

    Aus dem ursprünglich kontrollierten Trinken während des Alltags wurde ein Trinken im Alltag, jedoch mit Abkehr von Hobbies, menschlichen Kontakten und Abkehr von Hygiene, gesundheitlicher Selbstversorgung (die noch nie die größte war) und vieler anderer selbstschädlicher Dinge.

    Hier also - bei uns - ist die Kontrolle in die Hosen gegangen ... weil es um Kontrolle ging und nicht um Abkehr von Prinzessin Alk.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Servus Michaela81827 !

    Spedi hat dir in seiner Antwort bereits alles erklärt.
    Genauso ist es und dem ist nichts hinzuzufügen. Das kann ich dir als trockener Alkoholiker nur bestätigen. Auch ich habe lange Zeit der Selbsttäuschung vom "kontrollierten Trinken" erlegen. Wurde die unsichtbare Grenze vom Alkoholmißbrauch ( der natürlich auch gesundheitsschädlich ist ) zur Alkoholsucht einmal überschritten gibt es im ganzen Leben kein zurück mehr.

    Auch wenn sogar Ärzte und eigene Therapieformen das "kontrollierte Trinken" vertreten und bewerben gibt es bis dato keine verläßlichen Langzeitstudien die das belegen. Hier handelt es sich um reine Geschäftemacherei die auf dem Rücken gutgläubiger und vor allem
    uneinsichtiger Alkholkranker begangen wird.

    Dein Mann scheint wirklich noch nicht soweit zu sein, sich seine Alkoholsucht einzugestehen und auch nicht willig daran etwas zu ändern.
    Aber das ist seine Sache - vielleicht muss er noch seinen persönlichen Tiefpunkt erreichen ab dem er nur mehr eins will:
    Mit dem Trinken aufzuhören!

    Wie es dir mit seiner Trinkerei geht ist da viel wichtiger!
    Tue etwas für dich! Empfehlungen bzw. Threads in denen andere Frauen ihre Co-Abhängigkeit beschreiben und auch davon losgekommen sind gibt es in diesem Forum genug.

    Wünsche dir die Weisheit die richtigen Schritte zu setzen und deinem Mann die Einsicht, dass das kontrollierte Trinken noch nie funktioniert hat und nie funktionieren wird.

    LG
    Andreas

    [/b]

    carpe diem

  • Servus Currlinger!

    Will hier keine näheren Angaben machen, zum einen weil ich diese Form der "Selbsttäuschung" absolut ablehne zum anderen weil auch die Betreiber dieses Forums diese Meinung vertreten und bei niemanden falsche Hoffnung, die es ohnehin nicht gibt geweckt werden soll.
    Wenn es dich dennoch interessiert was so alles unter dem Stickwort "kontrolliertes Trinken" an Unqualifiziertem verzapft wird brauchst du nur dazu zu googeln.
    Es ist jedoch verlorene Zeit sich mit dem Thema näher zu beschäftigen.
    Viel wichter ist an der eigenen Trockenheit zu arbeiten.

    Lg
    Andreas

    carpe diem

  • Servus Michaela,


    Zitat

    Eigene Interessen weiter verfolgen (auch gegen den Widerstand meines Mannes), meinen Freundes- und Bekanntenkreis weiter aufrecht zu erhalten bzw. aufzubauen, mich mit dem Thema Alk beschäftigen und v.a. meine berufliche Zukunft (bin z.Z. in Elternzeit) ganz genau zu überdenken und zu planen.


    Wenn Dir das reicht und es Dich nicht weiter stört, dass Dein Partner trinkt, dann passt es ja.

    Ich könnte es und ich wollte es heute nicht mehr ertragen, dass jemand in meinem direkten Umfeld trinkt. Ich müsste diesem Menschen die Türe weisen.

    Aber wenn Du das so "packst", ist das Dein gutes Recht. Ich wünsche Dir, dass Du das optimale für Dich und Deine Kinder in Sachen gesundem Leben erreichst.

    LG
    Spedi

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