Schnelles Handeln?

  • Hallo Billie,

    willkommen im Forum. Ich kann Dein Problem verstehen, doch es ist so wie Du es hier gelesen hast, Konfrontation bringt nichts. Du kannst einen Alkoholiker nicht dazu bringen trocken zu werden wenn er nicht will. Sie sind Meister darin sich und andern etwas vorzulügen.

    Du kannst das Leergut einer Woche vor Deinem Vater aufreihen und er wird Dir eine „stichhaltige“ Begründung geben, warum das so viel ist. Eine Begründung die Du nicht wirst aushebeln können, weil er immer wieder ein Gegenargument finden wird egal was Du sagst. Er wird einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass Du ihm nicht glaubst. Wenn das alles nichts fruchtet, wird entweder geschwiegen oder ein Streit vom Zaun gebrochen, an dem Du dann „selbstverständlich“ Schuld bist. Du kannst ihm Beweise bringen, dass er sturz betrunken ist und es wird genauso laufen.

    Es wird immer auf das gleiche hinauslaufen, Du erreichst nichts, solange der Alkoholiker nicht will. Diesen Willen kannst Du nicht erzwingen. Glaub mir das, haben wir hier alle schon auf die eine oder andere Art durch. Es bringt nichts. Solange keine Krankheitseinsicht da ist und der Wille etwas dagegen zu tun, kannst Du tun und lassen was Du willst, es prallt ab wie von einer Gummiwand. Das einzige was Du erreichst ist Kraftverschwendung und Zank und Streit. Das hilft auch nicht weiter. Verschwende Deine Kraft nicht in sinnlosen Versuchen Deinen Vater trocken legen zu wollen. Die kannst Du für dich besser gebrauchen.

    Außerdem was soll das aktuell bringen?
    „Nur“ weniger trinken bringt nichts, es wird nicht lange dauern und er ist wieder auf dem alten Level oder noch höher, dafür muss man kein Prophet sein, so ist das nun mal mit Alkoholabhängigkeit. Wenn es etwas bringen soll, muss er trocken werden und das geht nicht indem er „einfach“ aufhört zu trinken. Die erste Station ist eine Entgiftung, die sollte nie und unter keinen Umständen ohne ärztliche Begleitung erfolgen, am besten auch stationär in einem Krankenhaus, sonst kann sie schneller als Du gucken kannst tödlich enden. Da sind dann schon mal 10 Tage bis 3 Wochen rum. Anschließend erfolgt weitere Betreuung, durch Suchtberatung, eventuell eine Therapie ambulant oder stationär, (ambulant meist ein Jahr, stationär i.d.R. 16 Wochen + Nachsorge in unbestimmter Länge) regelmäßige Besuche von SHG’s. Ganz zu schweigen von der Lebensumstellung die es für Deinen Vater bedeutet und die er auch vornehmen muss, damit es funktioniert. Das ist eine längerfristige Sache und nicht mal eben in ein paar Wochen abzuhandeln. Da musst Du längerfristig über Monate und Jahre denken. Also selbst wenn Du Erfolg haben solltest mit Konfrontation, was ich nochmals stark bezweifle, bringt Dir das aktuell in dieser akuten Situation gar nichts. Dann ist Dein Vater erstmal damit beschäftigt sich um seine Krankheit zu kümmern und wird wenig Hilfe bei der Pflege Deiner Mutter sein.

    Vielmehr ist doch die Frage, wie für Deine Mutter ohne Mithilfe Deines Vaters gesorgt werden kann. Es gibt z. B. die Möglichkeit eine Pflegestufe für Deine Mutter zu beantragen, dann wäre schon mal Hilfe durch einen Pflegedienst da. Und es gibt bestimmt noch mehr Möglichkeiten wie das ganze ohne Deinen Vater zu schaffen ist, die ich allerdings nicht kenne. Am besten fragst Du mal bei der Krankenkasse nach oder auch beim Sozialdienst der Klinik in der Deine Mutter jetzt ist, die können Dir bestimmt weiterhelfen. Es gibt Mittel und Wege wie das auch ohne Deinen Vater zu schaffen ist und Deine Mutter trotzdem versorgt ist.

    Es ist sicherlich nicht das, was zu lesen gehofft hast, doch ich hoffe, ich konnte trotzdem ein wenig helfen.

    Gruß
    Skye

  • Hallo Billie!
    Lange Jahre habe ich bei meinem Mann die "Füße still gehalten". Hat weder ihm noch mir geholfen. Aber in euerem Fall hätte ich große Bedenken, nichts zu tun.
    Alkoholiker sind doch nicht zurechnungsfähig, ganz egal wieviel sie getrunken haben. Ich hätte meinem Mann keine pflegebedürftige Person anvertraut. Vielleicht bin ich/ war ich zu sehr Co - ? Nein. Er hätte sicher Medikamente vergessen, oder irgendwelche unangenehmen Aufgaben nicht erledigt.
    Es wird sicher nicht leicht für dich, mit deinem Vater zu reden, aber du willst deine Mutter ja in guten Händen wissen.
    Vielleicht kommt er zur Einsicht und beweist Stärke, indem er sich zu seiner Krankheit bekennt und sich Hilfe sucht.
    Ich wünsche dir das Beste!
    Liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hey Billie,

    Zitat

    Das bleibt die größte Sorge und bereitet mir Kopfschmerzen, da man ja auch nicht den falschen Weg gehen will.

    Es gibt keinen "falschen" Weg, denn auch, wenn der Kommentar von Gotti schon 10 Tage alt ist, er hat nichts von seinem Wahrheitsgehalt eingebüsst. "Füsse stillhalten" ist das einzig falsche, was Du tun kannst. Überleg mal, was hast Du zu verlieren??
    Wenn es zum Streit kommt, er sich distanziert und noch mehr säuft, dann hast Du die Bestätigung dafür, dass er mit der Pflege Deiner Mutter überfordert ist und man sie ihm nicht ruhigen Gewissen überlassen kann. Oder er sieht tatsächlich ein, dass er ein Alk Problem hat (keine Sorge, das wird mit 99,999%-iger Sicherheit nicht passieren) und will trocken werden, aber dann ist er auch erstmal für ein bummeliges halbes Jahr nicht zur Pflege Deiner Mutter einsetzbar (Entgiftung, LZT, Nachbetreuung, etc).
    "Füsse stillhalten" würde ja in Eurem Fall wohl bedeuten, dass Deine Mutter wieder nach Hause kommt und Du es drauf ankommen lässt, dass Dein Vater die Pflege nicht gebacken kriegt. Dann habt Ihr doch nichts gewonnen. Ich würde nicht warten, bis das Kind ganz in den Brunnen gefallen ist und es mit Deiner Mutter einen wie auch immer gearteten Zwischenfall gibt. Aus meiner Sicht ist die einzig sinnvolle wie kurzfristige Lösung: Plant die Pflege Deiner Mutter OHNE Deinen Vater!!! Der Sozialdienst des Khs's, in dem Deine Mutter zur Zeit ist, wird wissen, was dafür vonnöten ist.

    Zitat

    Wie reagiert ein Alkoholiker wenn er von seinen Kindern gesagt bekommt das sie ihm nicht mehr vertrauen bzw. ihm auch nicht zutrauen eine pflegebedürftige Frau ( zwar mit Hilfe) zu versorgen?

    Na, was erwartest Du denn?? Einen Luftsprung wird er nicht gerade machen, ganz im Gegenteil. Er wird antworten, dass das nicht stimmt, dass Ihr lügt, dass er alles im Griff hat, dass Euch das nix angeht, dass Ihr undankbar seid, dass Ihr ja sowieso Schuld seid, dass Ihr erstmal Euren Kram ins Reine bringen solltet bevor Ihr Euch in sein Leben einmischt, es wird geschrei und Vorwürfe geben.
    ABER, eins ist ganz wichtig: Rede mit ihm nur dann, wenn er nüchtern ist, sonst hat es absolut keinen Sinn!!!

    Ich wünsch Dir für die nächste Zeit viel Kraft

    Bis bald

    Der Insulaner

  • Hey Billie,

    Zitat

    Ich sollte mich auch ganz und gar auf diese letzte prüfung konzentrieren und alles drum herum vergessen


    Wenn Ihr die Zeit habt, dann mach es so!!! Ist denn schon absehbar, wann Deine Mutter nach Hause kommt?? Ist schon absehbar, wie gross der Pflegeaufwand für Deine Mutter sein wird?? Will denn Deine Mutter unbedingt wieder nach Hause oder könnte man sie auch "woanders" pflegen??

    Dir auf jeden Fall schonmal im Voraus viel Glück für die Prüfung.

    LG vom Insulaner

  • Also ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass das mit Deiner Mum zu managen ist und Ihr die nötige Hilfe bekommt. Für die anstehenden Prüfungen drücke ich noch mehr die Daumen und wünsche Dir viel Kraft, ist sicherlich nicht leicht das Ganze unter diesen Umständen!

    lg
    Marya

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